Lange Jahre beschäftigt mich schon die Frage, seit welcher Zeit
im Gebiet unseres Sachsenlandes Steine im Dienst einer religiösen
Vorstellung oder einer anderen Idee künstlerisch behauen worden sind.
Die nur auf die Herstellung von Waffen oder Geräten abzielenden
Steinarbeiten aus der sogenannten Steinzeit und der ihr folgenden
Epoche kommen hier natürlich nicht in Frage. Denn die Beile, Hämmer,
Äxte, Pfeil- und Lanzenspitzen, Messer, Mahlsteine offenbaren ja kein
eigentlich künstlerisches Schaffen, soweit sie nicht, wie manche
französische und schweizerische Fundstücke dieser Art, mit eingeritzten
Tierbildern verziert sind.
Als ältesten künstlerisch behandelten Stein konnte ich bisher den in
der Gegend von _Pegau_ gefundenen, jetzt im Museum des sächsischen
Altertumsvereins verwahrten großen Stein ansehen, den ich zuerst
im Jahre 1914 in dem Buche »Kunst und Kirche« besprochen und
veröffentlicht habe (S. 21 und Tafel 1). Ich halte ihn für ein an
hervorragender Stelle angebrachtes Monument, das die unter König
Heinrich etwa um 920 von der Saale an die Weiße Elster vorgerückte
deutsch-slawische Grenze bezeichnen sollte. »Der Pegauer Stein zeigt
auf der einen Breitseite einen roßführenden deutschen Jüngling, ein
Hinweis auf die durch König Heinrich geschaffene Volksreiterei; auf
den Schmalseiten sehen wir einen Schleuderer mit der Tartsche, der
seinen tödlichen Stein soeben auf einen an der gegenüberliegenden Wange
dargestellten Drachen, das Symbol des Heidentums, abgeschnellt hat; die
Vorderseite aber zeigt die Grenzlinie, vor der links ein deutscher und
rechts ein slawischer Reiter sein Roß pariert« (s. Abbildung 1). Zum
Vergleiche kann man immerhin den um etwa zwei Jahrhunderte älteren,
also um das Jahr 700 gemeißelten Reiterstein von Hornhausen im Kreise
Oschersleben heranziehen, der ein Glanzstück des Provinzialmuseums für
Vorgeschichte zu Halle bildet (s. die Abbildung auf S. 61 des von Hahne
verfaßten Katalogs dieses Museums).
Ein mindestens ebenso hohes Alter wie der Pegauer Stein können die
wenigen echten _slawischen Götzenbilder_ für sich in Anspruch nehmen,
die uns ein glücklicher Zufall erhalten hat. Vor allem der in _Zadel_
bei Meißen im Innern des Kirchturms eingemauerte Steinkopf, den
ich zuerst im Neuen Archiv für Sächsische Geschichte XXXII, S. 350
veröffentlicht und besprochen habe (s. Abbildung 2). Dieses Götterbild,
ein Ungeheuer mit breitem Kopf, glotzenden Augen, weitgeöffnetem Mund
und fletschenden Zähnen, ist vor allem geeignet, Furcht und Entsetzen
einzuflößen.
[Illustration: Abb. 1 =Der Pegauer Stein=