Von _Kurt Hueck_, Berlin

An einer besonders breiten Stelle der Havel zwischen Spandau und

Potsdam, kurz unterhalb des Wannsees, liegt die jetzt zu Groß-Berlin

gehörige Pfaueninsel, die durch eine Anordnung der zuständigen

preußischen Minister, des Ministers für Wissenschaft, Kunst und

Volksbildung und des Ministers für Landwirtschaft, Domänen und

Forsten, am 28. Februar 1924 zum Naturschutzgebiet erklärt worden

ist[12]. Bei einer größten Länge von anderthalb Kilometer beträgt

die durchschnittliche Breite etwa sechshundert Meter. Die Insel ist

ringsherum von einem breiten Schilfgürtel umgeben, der besonders im

Süden, wo die Strömung geringer ist, eine außerordentliche Üppigkeit

erlangt. Nicht weit von der Westspitze steht inmitten von parkartigen

Anlagen ein Schloß im Ruinenstil, das Friedrich Wilhelm II. erbauen

ließ. Der größere östliche Teil der Insel hat seinen ursprünglichen

Charakter noch fast bewahrt.

Sowohl die landschaftlichen Reize der Pfaueninsel wie die

geschichtlichen Erinnerungen, die sich an sie knüpfen, haben bewirkt,

daß sie seit vielen Jahren von den Berlinern stark besucht wird.

Besonders an schönen Sommersonntagen geht die Zahl der Naturfreunde

und Ausflügler, die hier Erholung suchen, in die Tausende. Darunter

befinden sich natürlich auch Elemente, denen jede Rücksicht auf die

heimatliche Tier- und Pflanzenwelt fremd ist, und so haben die Anlagen

der Pfaueninsel unter der Unbesonnenheit und den Räubereien dieser Art

von Naturfreunden schwer zu leiden gehabt. Die oben erwähnte Anordnung,

die im Amtsblatt für den Regierungsbezirk Potsdam und die Stadt Berlin

1924, Seite dreizehn, veröffentlicht ist, soll diesen unerfreulichen

Zuständen ein Ende bereiten. Die auf Grund dieser Anordnung erlassene

Polizeiverordnung des Polizeipräsidenten von Berlin verbietet auf der

Pfaueninsel das Roden von Bäumen oder Abschneiden von Sträuchern und

Pflanzen, besonders auch das Pflücken von Blumen oder Laubzweigen

der Bäume und Sträucher. Auf die Nutzung von Bäumen, Sträuchern und

Pflanzen durch die Nutzungsberechtigten findet dieses Verbot keine

Anwendung. Es ist ferner untersagt, innerhalb des Naturschutzgebietes

frei lebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, zu

fangen oder zu töten. Insbesondere ist es verboten, Eier und Nester

wegzunehmen oder Insekten in ihren verschiedenen Entwicklungsstadien

zu sammeln; auch die Ufergewässer innerhalb des Schilfgürtels dürfen

nicht mehr befahren werden. Zu wissenschaftlichen Zwecken kann die

Krongutsverwaltung, der die Insel untersteht, im Einvernehmen mit

der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen einzelne

Personen von der Beachtung der in Betracht kommenden Vorschriften der

Polizeiverordnung befreien. Mit Hilfe dieser Bestimmungen wird es

möglich sein, den Übergriffen roher Besucher energischer als bisher

entgegenzutreten.

[Illustration: Abb. 1 =Blick von der Pfaueninsel auf das Westufer der

Havel=]

Die erste Nachricht, die wir von der Pfaueninsel haben, ist, daß der

Große Kurfürst ein Kaninchengehege auf ihr errichten ließ. Später, im

Jahre 1685, machte er den »Kaninchenwerder« dem Alchimisten Kunckel

zum Geschenk. Kunckel war gerade aus kursächsischen Diensten mit

den bekannten Worten: »Kann Kunckel Gold machen, so bedarf er kein

Geld; kann er solches nicht machen, warum sollte man ihm Geld geben?«

entlassen worden, als ihm von Friedrich Wilhelm auf der Insel ein

neues Laboratorium errichtet wurde. Diese Anlagen standen dicht am

nordöstlichen Ufer. Es war aber nicht mehr der Stein der Weisen, den

Kunckel hier zu finden hoffte; aus rotem Rubinglas, damals noch einem

sehr wertvollen Schatz, sollten Kristallgläser für die kurfürstlichen

Kellereien hergestellt werden. Niemand außer dem Kurfürsten durfte

die Insel betreten, und es war Vorsorge getroffen, daß auch der große

Alchimist und seine Gehilfen nicht ans Land zu gehen brauchten. Es

wurde ihnen gestattet, frei zu brauen, zu backen und Branntwein

zu brennen, sogar eine Mühle wurde ihnen auf dem Kaninchenwerder

errichtet. Da Kunckel seinem neuen Herrn nie versprochen hatte, Gold zu

machen, sondern im wesentlichen beauftragt war, Gläser herzustellen,

so blieb sein Verhältnis zum Großen Kurfürsten ungetrübt. Die

wissenschaftlichen Erfolge seiner kostspieligen Tätigkeit sind nur

gering, und 1688 verließ er die Insel wieder, um in schwedische Dienste

zu treten. Er ist also nur drei Jahre auf dem Werder geblieben.

[Illustration: Abb. 2 =Das Schloß an der Westspitze der Pfaueninsel=]

Ein volles Jahrhundert blieb jetzt die Insel unbeachtet liegen im

Schutze ihres ausgedehnten Schilfgürtels, der damals noch viel breiter

war als heute. Dieses fast undurchdringliche Röhricht mit seinen

Scharen von Wasserhühnern und Enten lockte Ende des achtzehnten

Jahrhunderts Friedrich Wilhelm II., der ein leidenschaftlicher

Jagdliebhaber war, herbei. Dabei mag er auch die Insel selbst betreten

und so die Bekanntschaft mit diesem schönen Fleck Erde gemacht haben;

sicher ist, daß er in seinen späteren Jahren häufig mit den Damen

des Hofes von Potsdam herübergekommen ist. Unter den reich mit Gold

gestickten orientalischen Zelten, die ihm von einem türkischen Fürsten

zum Geschenk gemacht worden waren, hat es damals oft genug frohe Feste

auf dem einsamen Kaninchenwerder gegeben. In diesen Jahren gewann

die Gräfin von Lichtenau (Frau Rietz) einen großen Einfluß auf die

Ausgestaltung der Insel. Der Plan zu dem Schlößchen, das sich an der

Westspitze erhebt, wird ihr zugeschrieben. Es ist eine künstliche

Ruine mit zwei Türmen, die oben durch eine eiserne Brücke miteinander

verbunden sind. Auf einer Reise nach Italien soll die Gräfin ein

derartiges verfallenes Schloß gesehen haben. Noch ehe der Bau beendet

war, starb Friedrich Wilhelm II. Sein Nachfolger führte den Plan zu

Ende.

[Illustration: Abb. 3 =Pfaueninsel: Alte Zirbelkiefer= (~Pinus cembra~)

beim Schloß]

Nach den Stürmen der französischen Herrschaft verweilte Friedrich

Wilhelm III. gern und häufig auf der Insel. Er kaufte sie vom Potsdamer

Waisenhaus, in dessen Besitz sie inzwischen gekommen war, und scheute

auch sonst keine Kosten, um ihre Schönheit zu vermehren. 1821 kaufte

er in Berlin eine gewaltige, aus dreitausend Stöcken bestehende

Rosensammlung aus dem Nachlaß des Dr. Böhm, die in mehreren Zillen nach

der Insel verfrachtet wurde. Sieben Jahre später, 1828, legte er dort

eine Menagerie an; gleichzeitig ließ er eine Anzahl Pfauen auf die

Insel bringen. Von jetzt ab bürgerte sich der Name Pfaueninsel ein, der

die alte Bezeichnung Kaninchenwerder bald verdrängte. Zu den Pfauen

kamen Fasanen und andere fremdländische Hühnervögel. Die Menagerie

enthielt Bären, Löwen, Alligatoren sowie Schafe und Ziegen aus Asien.

Dem großen Gartenkünstler Lenné, dem die Gegend auch sonst noch viel

verdankt, gebührt das Verdienst, die Anlagen um die Käfige herum den

Lebensgewohnheiten und der Heimat der Tiere angepaßt zu haben. Auch

die Gegend in unmittelbarer Nachbarschaft des Schlosses wurde von

Lenné in einen Park nach englischem Muster umgewandelt. In Paris wurde

die Foulchironsche Palmensammlung gekauft und ebenfalls auf die Insel

geschafft. Schadow errichtete dazu im Jahre 1830 ein geschmackvolles

Palmenhaus, das auf indischen Säulen ruhte. Damals ließ Friedrich

Wilhelm III. auch zum Gedächtnis an die früh verstorbene Königin Luise

eine schlichte Säulenhalle in dem östlichen Teil der Insel erbauen. An

die frohen Stunden, die der Hof hier verlebte, erinnert noch heute die

russische Rutschbahn unweit des Schlosses. Die Pfaueninsel war auf der

Höhe ihres Rufs. Mit Recht konnte Kopisch schreiben: »Eine Fahrt nach

der Pfaueninsel galt den Berlinern als das schönste Familienfest des

Jahres, und die Jugend fühlte sich überaus glücklich, die munteren

Sprünge der Affen, die drollige Plumpheit der Bären, das seltsame

Hüpfen der Känguruhs hier zu sehen. Die tropischen Gewächse wurden

mit manchem Ach! des Entzückens bewundert. Man träumte, in Indien zu

sein, und sah mit einer Mischung von Lust und Grauen die südliche

Tierwelt, Alligatoren und Schlangen, ja das wunderbare Chamäleon, das

opalisierend oft alle Farben der blühenden Umgebung wieder zu spiegeln

schien.«

[Illustration: Abb. 4 =Pfaueninsel=: =~Allium paradoxum~= an der

Fährstelle]

Mit dem Jahre 1840, dem Todesjahr Friedrich Wilhelms III., verblaßte

der Ruhm der Pfaueninsel. Die Menagerie kam nach Berlin, wo sie den

Grundstock des neuen Berliner Zoologischen Gartens bildete, und die

kostbare Rosensammlung wurde nach Sanssouci gebracht. So verlor die

Pfaueninsel ihre damals wichtigsten Anziehungspunkte. Aus der weiteren

Geschichte der Insel ist zu berichten, daß der Prinz von Preußen, der

spätere Kaiser Wilhelm I., in den unruhigen Märztagen 1848 einige Zeit

auf der Insel zubrachte. Erwähnenswert ist ferner die Vorführung, die

die große französische Tragödin Rachel am 15. Juli 1852 vor Friedrich

Wilhelm IV. und Nikolaus gab. Es war eine Szene aus Athalie. Ein

kleines Standbild der Rachel erinnert noch heute an dieses Ereignis.

1880 brannte das Palmenhaus bis auf die Grundmauern ab. Aber die

herrlichen Parkanlagen blieben unversehrt und erfuhren dauernde

Fürsorge; und auch die letzten Reste der urwüchsigen Natur der Insel

sind erhalten und jetzt vor rücksichtsloser Ausbeutung und Zerstörung

gesichert.

Welch ungeheurer Reichtum vor allem an niederen Tieren sich noch

heutigentags auf der Insel findet, ist durch die Untersuchungen

des Zoologen Dr. Stichel bekannt geworden. Er hat gezeigt, daß die

Pfaueninsel eine ganze Anzahl von Tieren aufzuweisen hat, die sonst

in der Mark Brandenburg nur vereinzelt oder selten beobachtet worden

sind. Nicht weniger als hundertzwanzig Wanzenarten hat er auf der Insel

feststellen können. Die übrigen Gruppen der Insekten sind ähnlich,

wenn auch nicht ganz so zahlreich vertreten. Die Ringelnatter, die

bei Berlin wegen der unsinnigen Verfolgungen, die sie zu erleiden

hat, schon äußerst selten geworden und daher kürzlich unter Schutz

gestellt worden ist, wird auf der Insel noch regelmäßig angetroffen.

Mannigfaltig ist auch die Vogelwelt der Insel, die besonders Dr.

Helfer beobachtet hat. Von den Singvögeln seien erwähnt: Nachtigall,

Haus- und Gartenrotschwanz, Schwarz- und Singdrossel, Zaunkönig,

Drossel-, Teich-, Sumpf- und Schilfrohrsänger, fünf Meisenarten,

Kleiber, Hausbaumläufer, Mönchsgrasmücke, Buch- und Grünfink,

Rohrammer, Haussperling, Kernbeißer, Star, Dohle, Nebel- und Saatkrähe,

Rauchschwalbe, Trauer- und Grauer Fliegenfänger, ferner Grünspecht,

Großer Buntspecht, Pirol, Eichelhäher, Rotrückiger Würger und Kuckuck.

Die Raubvögel sind vertreten durch Turmfalk, Mäusebussard, Schwarzen

und Roten Milan. Auf dem Wasser und zwischen dem Schilf tummeln sich

Bläßhuhn, Haubentaucher, Tafelente, Schellente, Stockente, Kleine

Rohrdommel und Lachmöwe; früher kamen dazu auch der Höckerschwan

(halbwild auf der Havel gehalten) und der Gänsesäger.

[Illustration: Abb. 5 =Pfaueninsel: Lerchensporn= (~Corydallis cava~)]

Selbst die Kleinlebewelt der Havel ist reich an Arten wie an

Individuen, was in der zum Teil sehr geringen Strömungsgeschwindigkeit

der Havel sowie in der Zufuhr mineralisierter Abwässer (von Berlin)

begründet ist. Das reiche Plankton kommt wieder anderen Tieren zugute;

Moostierchen und Süßwasserschwämme wachsen hier zu so großen Kolonien

heran, wie sie bei Berlin selten gefunden werden. Die Untersuchung Dr.

Stichels ist es auch gewesen, die den ersten Anstoß zur Schaffung

dieses Naturschutzgebietes gegeben hat. Die Ergebnisse veranlaßten vor

fast zwei Jahren eine Reihe von Hochschullehrern, bei der Staatlichen

Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen den Schutz des Gebietes

anzuregen. Der auffallende Reichtum an Arten wird in erster Linie

durch die große Zahl der Biocönosen (Lebensgemeinschaften) verursacht,

die sich bei der großen Verschiedenheit der Entwicklungsbedingungen

herausgebildet haben. Man braucht nur daran zu denken, daß die Insel

stellenweise bis mehr als zwanzig Meter über die Havel herausragt,

daß sie sowohl steile, stark besonnte Abhänge wie schattigen

Laubwald und helle, trockene Wiesen hat, um eine Vorstellung von der

Mannigfaltigkeit der Lebensbedingungen zu bekommen.

Diese Mannigfaltigkeit spricht sich auch in der natürlichen

Pflanzenwelt aus, doch sei hier zunächst auf die angepflanzten Gehölze

eingegangen. Es ist ganz erstaunlich, welche Fülle von wertvollen und

zum Teil äußerst seltenen Bäumen und Sträuchern als Ziergehölze auf

die Insel verpflanzt worden ist. Leider verbietet es der Raum, sie

alle in einer langen Liste mit Namen anzuführen, und so mögen nur die

wichtigsten von ihnen genannt sein. Erwähnenswert ist vor allen Dingen

eine ganz prächtige, alte Zirbelkiefer (~Pinus cembra~), die schon von

weitem durch ihre volle, dunkelgrüne Krone auffällt, und die wohl die

schönste ihrer Art im norddeutschen Flachland ist. Sie steht allein auf

einer weiten Rasenfläche und hat sich deshalb nach allen Seiten hin

regelmäßig entwickeln können. Eine entfernte Verwandte von ihr, die

Weymouthskiefer (~Pinus strobus~), erreicht eine ähnliche Größe. Dicht

dabei stehen riesige Exemplare vom Mammutbaum (~Sequoia gigantea~),

von der Zeder und von ~Ginkgo biloba~. Zu erwähnen sind an dieser

Stelle auch einige Eiben, die zu Hecken zurecht geschnitten sind, und

die zusammen mit über mannshohen Büschen vom Buchsbaum auf den weiten

Grasflächen stehen. Von den Laubbäumen des Parks verdienen Tulpenbäume

(~Liriodendron tulipifera~) und die Flügelnuß (~Pterocarya~) besondere

Beachtung. Ein weiterer Zierstrauch, ~Ptelea trifoliata~, der in

Nordamerika heimisch ist, verwildert sogar und breitet sich von Jahr zu

Jahr mehr aus.

Unter diesen oft von weither geholten Bäumen breitet sich besonders im

Frühjahr ein dichter Blütenteppich aus. In günstigen Jahren erscheinen

schon im Februar die weißen Becher des großen Schneeglöckchens

(~Leucojum vernum~), hierauf kommen die weißen und lila Blüten des

Lerchensporns (~Corydallis cava~), die wieder von der weißen und der

gelben Anemone (~Anemone nemorosa~ und ~A. ranunculoides~) abgelöst

werden. Dann ist auch für ~Allium paradoxum~ die rechte Zeit. Dieser

Lauch, der in den Kaukasusländern und in Sibirien wild vorkommt,

hat sich am Südufer der Insel, wohin er verpflanzt worden ist, ganz

erstaunlich vermehrt, so daß er sich an heißen Tagen durch seinen

Geruch recht unangenehm bemerkbar macht. Seine Blüten sind oft sehr

verkümmert und zurückgebildet, dafür kommt es aber in den Blütenständen

zu einer reichlichen Ausbildung von Brutzwiebeln, durch die sich

die Pflanze auf vegetativem Wege vermehrt. Sie rollen die Abhänge

hinunter ins Wasser und verbreiten so, da sie schwimmen können, den

Lauch weit die Havel abwärts. Andere Pflanzen, die einem beim Rundgang

durch den Park auffallen, sind Milchstern (~Ornithogalum umbellatum~

und ~nutans~), Haselwurz (~Asarum europaeum~), Wintergrün (~Vinca

minor~), Salomonssiegel (~Polygonatum multiflorum~) und Türkenbund

(~Lilium martagon~). Diese Arten sind zwar sämtlich angepflanzt, sie

erhalten sich aber jetzt in einem halbwilden Zustand und sind völlig

eingebürgert. Hierher gehört auch die kleine ~Selaginella apus~

auf einem Beet unmittelbar hinter dem Fährhause, ein zierliches,

unscheinbares Pflänzchen mit niederliegendem Stengel, das in

Nordamerika einheimisch ist. Mit ~Vinca minor~ zusammen überzieht der

Efeu (~Hedera helix~) große Strecken des Bodens, stellenweise klettert

er auch an den Baumstämmen empor.

Trotz aller dieser Anpflanzungen hat ein großer Teil der Pfaueninsel,

die ganze östliche Hälfte, noch viel von seinem ursprünglichen

Charakter aufzuweisen. Hier bilden besonders die großen, gewaltigen

Eichen den schönsten Schmuck des Naturschutzgebietes, schon von

weitem erkennt man sie, wenn man sich der Insel nähert. Sie gehören

zu den prächtigsten der Berliner Umgebung und haben sicher sämtlich

ein Alter von mehreren hundert Jahren erreicht. Ja, die mächtigste

von ihnen, die Königs-Eiche, ist sogar auf eintausend Jahre geschätzt

worden. Am Ostufer breiten sich sonnige und trockene Wiesen aus,

die die natürliche Vegetation derartiger Standorte gut bewahrt

haben. Frühlingssegge (~Carex verna~), Heinsimse (~Luzula pilosa~),

gelbe Fingerkräuter (~Potentilla rubens~ und ~P. Tabernaemontani~),

der knollige Steinbrech (~Saxifraga granulata~) und das kleine

Hungerblümchen (~Erophila verna~) zeigen ihre Blüten im Frühjahr,

später werden sie durch die klebrige Pechnelke (~Viscaria viscosa~) und

einen Ehrenpreis (~Veronica prostrata~) verdrängt.

An feuchteren Stellen, nach dem Ufer hin, wechselt die Flora erheblich,

doch zeigt diese Zone kaum etwas Bemerkenswertes. Sie wird beherrscht

von der Sumpfdotterblume (~Caltha palustris~), dem Wiesenschaumkraut

(~Cardamine pratensis~), dem Baldrian (~Valeriana dioica~) und den

leuchtend lila-purpurnen Blüten vom Knabenkraut (~Orchis latifolia~).

Noch mehr nach dem Wasser zu wird die Pflanzenwelt wieder artenreicher.

Zwischen den Schilfbeständen kommt der große Hahnenfuß (~Ranunculus

lingua~), die Brunnenkresse (~Nasturtium amphibium~), Schwarzwurz

(~Symphytum officinale~) und anders vor. Hier sind auch an mehreren

Stellen die schwimmenden, fast kreisrunden Blätter und gelben

Blüten einer sonst recht seltenen Pflanze zu finden: der Seekanne

(~Limnanthemum nymphaeoides~).

Wie aus dem Gesagten hervorgeht, ist es aus ästhetischen Gründen wie

auch für die wissenschaftliche Forschung und den Unterricht von hohem

Wert, daß die Pfaueninsel mit ihren Schätzen unangetastet erhalten wird.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XIII, Heft 7-8 · 第 40 / 61 题