Zum Glück war die Orgelempore geschlossen, und Kurt hatte de

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Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text

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Buches.

August Strindberg

Ausgewählte Romane

[Illustration]

August Strindberg

Die

Gotischen Zimmer

Roman

*

1919

Hyperionverlag / Berlin

Deutsch von Else von Hollander

Die Gotischen Zimmer

Erstes Kapitel

Die Gotischen Zimmer

Das elektrische Licht in den Gotischen Zimmern flammte auf, und Kellner

legten die letzte Hand an eine Tafel.

Zwei Herren im Frack traten im selben Moment ein und prüften mit einem

Blick die Anordnungen, die ihrer Aufsicht zu unterstehen schienen.

»Du warst nicht gerade gestern hier!« sagte der eine von den

Arrangeuren, der Architekt Kurt Borg, ein Neffe des Doktor Borg, der

der Schreckliche genannt wurde.

»Nein,« antwortete der Maler Sellén, »ich bin seit fünfzehn Jahren

nicht hier gewesen, seit ich damals im Roten Zimmer saß und mit Arvid

Falk, Olle Montanus und den andern philosophierte. Kannst du als

Architekt einen Riß von unserm alten Zimmer geben?«

Der Architekt, der schon öfter hier gewesen war, schritt auf dem

Plüschteppich ein Trapez ab und beschrieb die alte Szenerie.

»Ja, ich sage es ja,« meinte Sellén, »die Zeiten ändern sich, aber wir

bleiben uns gleich.«

Er deutete auf die ergrauenden Schläfen und fuhr fort:

»Arvid Falk, ja; er ist zusammengebrochen, wie es zu erwarten war; lebt

er noch?«

»Ja, er lebt gemordet, wie sie kürzlich unsern Syrach gemordet haben,

den Rembrandtsohn, unsern besten Mann, den Antesignani, der vor der

Linie fiel.«

»Und mit diesen Mördern sollen wir heute abend zusammen sein?«

»Ja, siehst du, das Fest wird doch dem Norweger zu Ehren veranstaltet,

und man kann seine alten Freunde aus Paris und Rom nicht ausschließen!«

»Nein, natürlich nicht; aber wenn Onkel Borg herkommt, dann gibt es

vielleicht Streit.«

»Das schlimmste ist, daß Lage Lang, unser Norweger, glaubt, es wird ein

Versöhnungsfest werden. Glaubst du an eine Versöhnung?«

»Nein,« antwortete Sellén bestimmt. »Wir haben es versucht, aber

es geht nicht. Lundell zum Beispiel hat den Ruf an die Akademie

angenommen, um von innen die Tore der Festung zu öffnen, um zu

reformieren und Frieden zu stiften; aber dann wurde er eingeschlossen,

und jetzt malt er wie die Professoren. Nein, trau ihnen nicht! Sie

sagen nur: Komm zu mir, werde wie wir; komm, dann kriegst du den

Wasaorden, wenn wir Kommandeure sind; komm und begib dich in unsere

Hut, dann sind wir über dir! -- Nein, danke, lieber draußen, lieber

unten auf der Straße und Landstreicher sein! Erinnerst du dich noch an

Lasses Lied aus der Kneipe in Paris?«

»Ja, Paris! Und jetzt sind wir wieder daheim! Wie kommt es dir vor?«

»Dumpfig! Ganz schauderhaft! Die Luft steht still und das

Jahrhundertende kommt; man erwartet etwas Neues! Aber was?«

»Wir werden ja sehen!«

Eine Bewegung an der Tür deutete an, daß die Gäste sich einzufinden

begannen.

Herein trat jetzt, fett, frischrasiert, behandschuht, der Maler,

Professor Lundell. Er trug den Wasaorden auf dem Frack.

»Nimm das Ding da weg,« sagte Kurt Borg und hakte den Stern ab.

»Nein, laß das!« protestierte Lundell gutmütig, denn er war gewohnt,

daß man mit ihm scherzte.

»Ja, aber es ist eine Beleidigung für Lang, unsern Ehrengast, der,

obwohl er verdienter ist als du, keinen Ordensstern hat. Die Kellner

könnten ihn und uns alle für bestrafte Leute halten, verstehst du?«

»Nein!«

Neue Bewegung an der Tür; Konsul Isak Levi, früher Mitglied des Roten

Zimmers, trat ein und schüttelte Sellén, Lundell und Borg die Hand.

Nun kamen die Gäste truppweise. Eine Gruppe Akademiker erschien, wie

eine Wolke ihren Schatten über eine Wiese wirft.

Polternd und geräuschvoll kam Doktor Borg, der Schreckliche, der

jugendliche Onkel des Architekten. Er warf kampflustige Blicke um sich

und grüßte mit einer Stichelei nach rechts und links.

Dann kamen Damen und Herren, aber man merkte einen bestimmten

Unterschied, weil die Akademiker ihre Frauen nicht mithatten. Die

Gesellschaft erschien ihnen nicht ~comme il faut~, und man wußte,

daß hier eine Sprache gesprochen wurde, die an reines Schwedisch

erinnerte. Hinzu kam, daß die Gesellschaft nach dem Reichsrecht einen

Norweger nicht feiern durfte und daß die Künstlerdamen Manieren hatten,

die nicht salonmäßig waren. Es wurde sogar behauptet, die Künstler

brächten ihre »Freundinnen« mit, und da man diese von den anderen nicht

unterscheiden konnte, waren leicht Irrtümer zu begehen.

Schließlich trat ein aufrechter Mann ein, einen Kopf größer als die

andern. Das war Lage Lang, der Maler der Gegenwart mit dem großen

Namen. Leutselig, reich, gastfrei, stand er außerhalb der schwedischen

Kliquen und bewegte sich deshalb ohne Schaden zwischen den Feuern,

die er nicht kannte. Den Freund, den Künstler feierte man, aber man

wollte auch dem Norweger eine kleine Demonstration darbringen; man

wollte zeigen, daß die Nation die Ansicht der Regierung nicht teile,

die Norwegen wie eine besetzte Provinz behandelte; und man wollte

nach seinen Kräften den von oben angefachten Haß gegen das Brudervolk

dämpfen, dessen Wohl nicht wahrgenommen wurde, wenn das Land von

Stockholm aus per Telephon regiert wurde, wie ein Vorwerk von einem

bequemen Verwalter geleitet werden kann.

Deshalb wurde der Ehrengast sofort auf den Balkon geführt, der sich auf

den großen, vollbesetzten Musiksaal öffnete. Als er hinaustrat, wurde

die Nummer abgeklopft und man spielte die norwegische Nationalhymne:

»Ja, wir lieben.«

Die Professoren bildeten eine geschlossene Gruppe, die im Zimmer blieb,

denn sie hatten das Gefühl, daß etwas Unerlaubtes geschah, woran sie

sich nicht beteiligen durften.

Darauf ward der Gast zu Tisch geführt! -- Es war ein französisches

Kabarett-Souper. Vor jedem Gast standen sechs Austern und eine offene

Flasche Weißwein ohne Namen, ganz wie bei Laurent in Grez, und damit

war der Ton gegeben, waren die Erinnerungen geweckt und die Stimmung

der achtziger Jahre heraufbeschworen, obwohl man jetzt in den

bedächtigen neunzigern war.

Es bedurfte nur eines ~Nomen proprium~, um die Erinnerungen auflodern

zu lassen.

»Barbison! Marlotte, Montigny, Nemours! -- O!« Oder: »Manet, Monnet,

Lepage! -- O!«

Noch wurden keine Reden gehalten, aber alle sprachen auf einmal; Friede

und Freude, Eintracht und Fröhlichkeit herrschten.

Beim Dessert stieg die Stimmung zur Ekstase. Man warf Apfelsinen über

den Tisch, Servietten flogen durch die Luft, Tabakrauch wirbelte

und Streichhölzer wurden wie Raketen hochgeworfen; eine Gitarre

hervorgezaubert; Spadas Lieder im Chor gesungen. Das war das Signal zur

Auflösung der Konvenienz; die Professoren ließen sich mitreißen und

wurden jung; sie hakten ihre Ordenssterne ab und verteilten sie mit

offnen Händen; auf Selléns Rücken hing der Wasaorden, und ein Kellner

trug das Kreuz der Ehrenlegion auf der Achselklappe.

Schließlich wurde auf den Tisch geklopft. Doktor Borg sprach:

»Wir haben auf das Wohl des Freundes Lage Lang und auf das des

Künstlers getrunken, jetzt will ich auf den Norweger trinken: Sie

dürfen nicht glauben, daß ich die Norweger mit ihrem Bauernstolz und

ihren großen Gebärden liebe; ich bin selbst mit einer Norwegerin

verheiratet, wie Sie wissen, und das ist ein verteufeltes Volk;

aber ich liebe Gerechtigkeit; ich will eine trotzige Nation nicht

dadurch gedemütigt sehen, daß sie sich unsern König sechs Wochen im

Jahr ausleihen muß, und ich will keine Intimität mit einem fremden

Volksstamm, der eine andere Entwicklung hat als wir; ich will nicht

mitansehen, daß Norweger im schwedischen Reichstag sich in unsere

Angelegenheiten mischen und zu allem nein sagen, gerade wie die

Polen und Elsässer im deutschen Reichstag; ich will Frieden mit den

Nachbarn haben, und dieser Friede kann wie in einer unglücklichen

Ehe nur durch Trennung erreicht werden. Sie schrecken mich nicht mit

dem Russen, denn freie Norweger und freie Schweden sind stark durch

eine freiwillige Allianz, aber schwach durch eine dynastische Union,

die keine Union ist; Norwegen ist nämlich ~de facto~ ein Kronland,

wie es Böhmen Österreich gegenüber ist, und als solches gefährlicher

denn ein Bundesstaat; die Politik der schwedischen Regierung ist eine

betrügerische und schreibt sich aus den Zeiten der heiligen Allianz

her, da Volksrecht und Billigkeit außer acht gelassen wurden; man hat

Haß zwischen den Brudervölkern zu erwecken versucht, aber wehe denen,

die eine solche Spaltung anstrebten, um herrschen zu können! Wehe

ihnen! -- Uns, die wir für Einigung und Versöhnung gearbeitet haben,

nennt man Vaterlandsverräter! Jeden, der uns so genannt hat, nenne ich

ein Rindvieh! Da habt ihr das Wort! -- -- -- Lage Lang, ich trinke auf

ein freies Norwegen, ohne das es kein freies Schweden geben kann, und

auf ein versöhntes!«

»Ein freies Norwegen! Lage Lang!«

Professor Lundell erbat das Wort, aber als er mit dem Russen, dem

Kieler Frieden und den Verhandlungen anfing, nahm das Geplauder so zu,

daß er übertönt wurde, bis schließlich die Gesellschaft ihn mit dem

Liede: »Heil Norwegen!« unterbrach.

Als Lage erwidert hatte, erhob man sich von der Tafel, und ganz von

selbst begann ein Karneval.

Aber es sonderten sich doch kleine Gruppen ab, die sich unterhielten,

und draußen auf dem Balkon hatten Konsul Levi, Sellén und Kurt Borg

sich niedergelassen.

»Nun, man zieht ja heute abend am gleichen Strang,« sagte Levi. »Glaubt

ihr, daß das anhalten wird?«

»Nein,« antwortete Sellén, »das ist nur Waffenstillstand.«

»Nun, was tun euch denn die Professoren zuleide?«

»Das könnt ihr Außenstehenden nicht beurteilen. Sie bilden die

allgemeine Meinung, sie hindern, sie ersticken uns; im übrigen sind

wir wie zwei feindliche Stämme, und ich glaube, es muß Kampf sein,

sonst würden alle gleich malen; und daraus würde chinesische Kunst,

die stillsteht, die mit einer Bürste über einem ausgestochenen Muster

gemacht wird. Übrigens: Kampf entwickelt Kräfte und hält die Geister

wach.«

»Jawohl,« wendete Isak Levi ein, »aber nach ausgekämpftem Streit

schließt man Frieden.«

»Wenn die Bedingungen annehmbar sind, ja!« erwiderte Kurt Borg, »aber

sie sind es nicht. Sie verlangen Unterwerfung, und das kann nicht

bewilligt werden; sie verlangen nur unsere Seele und unseren Geist ...

und alles! Wir, die wir die gleichen Bestrebungen haben, sind keine

Partei, aber wir fühlen uns zusammengehörig, sind wie eine Familie, wie

Frucht des gleichen Jahres, und die andern sind ... ich weiß nicht, was

das für Leute sind; auf mich wirken sie wie Dämonen, die ich wie das

positiv Böse hasse; wenn Götter zu alt werden, werden sie Dämonen, und

diese Leute halten sich sicher für Nachkommen von Göttern, denn sie

existieren von Gottes Gnaden, denken und sprechen von Gottes Gnaden,

und wenn sie unrecht tun, berufen sie sich auf Gottes Gnade. Ich

verstehe sie nicht, und sie verstehen uns nicht.«

»Sie sind Bremsen, die die Schnelligkeit regulieren sollen, weißt du,«

wendete Levi ein.

»Danke schön, aber dann bin ich lieber Lokomotive, das ist nützlicher

und ehrenvoller.«

Jetzt trat Lundell auf den Balkon mit der Frau eines akademischen

Künstlers, die sich in die schreckliche Gesellschaft verirrt hatte.

Auf dem Podium unten sang gerade ein italienischer Sänger eine

Glanznummer, die elektrisierte; und in dem Festrausch ließ die Dame

sich hinreißen, dem Sänger eine Rose zuzuwerfen. Aber die Entfernung

war zu groß; die Blume senkte sich wie ein Meteor und blieb an der

Weste eines Herrn an einem Marmortische hängen.

Der einsame Gast rollte gerade eine Zigarette, als ihm die Rose in die

Arme fiel; er hielt in der Bewegung inne, nahm die Rose und blickte zur

Galerie hinauf.

»Das ist Syrach!« rief Sellén, und alle auf dem Balkon nickten dem

Einsiedler zu, der einen roten Fes auf dem Kopf trug und etwas bizarr

gekleidet war.

Aber Syrach schien keinen einzigen von seinen alten Freunden

wiederzuerkennen, sondern steckte die Rose ins Knopfloch und fuhr im

Zigarettendrehen fort.

»Er erkennt uns nicht!« rief Sellén. »Soll ich hinuntergehen und ihn

holen?«

»Dann gehe ich meiner Wege,« sagte die Dame kurz, »und ich bedaure

meine Rose, die auf einen so schmutzigen Rock geraten ist.«

»Ja, geh nur, Augusta,« unterbrach Doktor Borg, der hinzugekommen war;

»dich hat übrigens ja keiner hierhergebeten.«

»Aber, Borg!« fiel Lundell ein ...

»Halt den Mund,« schnitt ihm der Doktor das Wort ab, »der da unten

als ein Erloschener sitzt, hätte heute abend hier oben der Erste sein

müssen, wenn nicht du und deinesgleichen ihm den Giftbecher gemischt

hättet; und du bist nicht einmal wert, von ihm angespuckt zu werden;

nein, denn ihr habt ihm damals Ehre, Brot und Selbstgefühl genommen, du

erinnerst dich wohl!«

Dann zu Sellén gewendet: »Laß Syrach in seiner erträumten Welt sitzen;

da hat er es besser, als wir ahnen, und im übrigen erkennt er uns gar

nicht!«

Lage Lang kam hinzu; als er seinen alten Freund erblickte, geriet

er außer sich und wollte ein Hoch und ein Hurra auf »unsern größten

Maler« ausbringen; aber das wurde glücklicherweise verhindert, denn

erstens würde die Polizei gerufen worden sein, zweitens war im Saal

niemand, der den Maler kannte, es sei denn als einen schwachsinnigen

und verkommenen Menschen, der durch seinen roten Fes und sein

absonderliches Gebaren auf der Straße Aufsehen erregte.

Sie ließen Syrach sitzen; er hatte jetzt die Blicke über die Menge

erhoben, als sähe er sie nicht und als lebe er, in ferne Höhen

schauend, mit seinen Traumbildern, die er andern nicht zeigen konnte.

In den Gotischen Zimmern griff Verstimmung um sich, und ein Gewitter

zog sich zusammen. Aber bevor es ausbrach, hatten die Professoren sich

entfernt.

Die Wolke blieb zurück; die Freude, Viktoria blasen zu können, wurde

getrübt durch den Gedanken an die Toten und Verwundeten; und Syrach war

nicht der einzige Gefallene.

Schließlich verstummte die Musik unten im Saal; es wurde Mitternacht,

und der große Raum lag öde da, in eine blaue Wolke von Tabakrauch

eingehüllt. Auf dem kleinen Marmortisch, an dem Syrach gesessen

hatte, war ein blutroter Fleck zu sehen. Das war die Rose, in der

der überempfindliche Mann schließlich den Feind gewittert und die er

deshalb hatte liegen lassen.

Nun kam der Aufbruch, und der Ehrengast wurde hinunterbegleitet. Auf

der Straße stand eine glänzende Equipage mit einem Jäger neben dem

Kutscher. Der Jäger hatte Federn am Hut und einen Hirschfänger an der

Seite.

»Wer ist so vornehm, daß er in der Glaskutsche fährt?« fragte Sellén.

Der Jäger stand am offnen Wagenschlag und ließ den großen Lang hinein.

»Das bin ich!« sagte Lage; »ich wohne bei meinem Vetter in der

norwegischen Gesandtschaft; dort seid ihr übermorgen zum Mittagessen

eingeladen, die ganze Bande.«

Die alte Boheme schrie hurra; und auf einen Wink des Norwegers füllte

sich der Wagen, der sich nach Blasieholm in Bewegung setzte. Doktor

Borg hatte den Dreimaster des Jägers und den Hirschfänger genommen und

wollte unbedingt »das Manöver kommandieren«, wie er sagte, das heißt

die Zügel in die Hand nehmen und nach dem Stallmeisterhof fahren.

»Nimm dich in acht!« rief Isak Levi.

»Ich will nicht Medizinalrat werden,« antwortete Borg. Und da er auf

seiner Segeljacht zu sein glaubte, rief er:

»Schoten! -- Klar zum Wenden! Voll!«

Da rollte das Kupee auf den Hof der Gesandtschaft.

Borg wollte Getränke auf den Hof hinunter haben; aber obwohl der

Norweger das richtig fand, wurde der Streich doch von den andern

verhindert, und so verabschiedete man sich schließlich.

Dann begann die nächtliche Wanderung, die übliche nach einem Fest, auf

der man alles sagen will, was drinnen ungesagt geblieben ist.

Also der Stammtrupp: Doktor Borg, Kurt Borg, Isak Levi und Sellén;

sie nahmen zuerst die Kaie und warfen einen Blick auf das Schloß, wie

gewöhnlich.

»Ja, da ist das Schloß,« sagte Kurt, der Architekt; »das hält sich.«

»Einstweilen freilich,« wendete der Doktor ein; »aber wenn das

Reichstagsgebäude in Granit auf den Helgeandsholm kommt, dann wird der

Ziegel dort oben erdrückt.«

»Warum nicht; das ist doch der Geist der Zeit,« fiel Levi ein. »Die

Regierung sitzt ja jetzt im Reichstag, warum, weiß niemand; die

Verfassung sagt, der König dürfe seine Ratgeber wählen, jetzt aber

wählt sie Karl Ivarsson.«

»Du bist verdreht!«

»Nein; Karl Ivarsson bestimmt die Ausschußwahlen und beschließt also,

wann die Minister abgehen sollen. Demnach ist er doch der Regent.«

»Hört einmal, hier soll die neue Oper stehen,« unterbrach Sellén, der

Politik nicht leiden konnte.

»Ja, es soll eine Oper gebaut werden; was sagt der Reichstag dazu?«

»Der will keine Majoritätsoper haben, sondern es soll eine Kommunaloper

werden, die auf Lorbeerhain und Erdgeschoß basiert.«

Dann zogen sie weiter; über die Nordbrücke, durch die Münzstraße nach

dem Markt.

»Da steht noch das Ritterhaus!« sagte Sellén.

»Ja, und ich war dabei, als es geschlossen wurde,« fiel Doktor

Borg ein. »Denkt nur, unsere großen Männer vom letzten Plenum! Der

größte von den Großen; was für ein Ende! Falk faßte er, weil er ihn

ausspionierte!«

»Und da ist die Riddarholmskirche; mit Karl dem Zwölften und all dem!«

»Du meinst Gustaf Adolf, wenn du es auch nicht zu sagen wagst.«

»Apropos Gustaf Adolf, wißt ihr, daß dieses kleine Grabchor hier das

Vasaborgsche heißt und daß da sein Sohn von Margareta Cabeljau liegt?«

»Ja, das ist freilich eine Geschmacklosigkeit; aber habt ihr nicht

den Grabstein des alten Cabeljau in der Kirche gesehen? Ich habe ihn

nicht gesehen, doch er ist in einer Beschreibung der Kirche erwähnt.

So ehrt man unsere großen Erinnerungen! Man könnte diese Cabeljaus gut

totschweigen!«

»Ich habe dieser Tage gelesen, wie man 1793 in Saint-Denis

gewirtschaftet hat, als alle Königsgräber geöffnet und entleert

wurden,« erzählte der Doktor. »Da konnte man eine Menge interessante

physiologische Studien machen. Ludwig XV. war zum Beispiel nur noch

ein schwarzes, vermodertes, stinkendes Teerpräparat ...«

»Wißt ihr, da wir nun doch gerade bei den Kirchen sind, wollt ihr nicht

auch meine Kirche einmal anschauen?« sagte Architekt Borg; »ich habe

sie freilich nicht gebaut, aber ich habe sie restauriert; die Schlüssel

habe ich in der Tasche, und Isak kann Orgel spielen, wenn er will.«

Das war im Stil des Doktors, und jetzt machte man kehrt, um sich Kurts

Kirche anzusehen, wie sie genannt wurde.

Als die vier den Tempel betreten hatten, der im Halbdunkel lag,

nur oben an den Gewölben von den Straßenlaternen draußen schwach

beleuchtet, wurden sie gegen ihren Willen von der Größe des Gebäudes

und den schönen Linien der Gewölbe überwältigt; sie nahmen die Hüte ab

und traten stumm an den Altar heran.

»Es ist zwanzig Jahre her, seit ich hier war,« begann der Doktor, »und

ich finde mich nicht mehr zurecht. Wo hast du das Altarbild?«

»Das ist weg,« antwortete Kurt. »Dafür haben wir jetzt das Tabernakel,

den Schaubrottisch und den siebenarmigen Leuchter.«

»Das ist ja das alte Testament,« sagte Isak.

»Wir kommen also wieder zusammen,« antwortete Kurt Borg.

»Und hier? Was ist das hier?«

»Das ist die Taufkapelle oder das Baptisterium.«

»Und dann hast du Figuren an die Wände gemalt ...«

»Ja, das ist der Stil der Kathedrale ...«

»Und die Kanzel ist degradiert!«

»Da der Hochaltar das Allerheiligste ist.«

»Potztausend, bist du katholisch?«

»Keine Spur, aber die Kathedrale ist katholisch; der Protestantismus

hat keinen kirchlichen Stil erfunden, weil ihm der positive Inhalt

fehlt.«

»Es ist jedenfalls köstlich, zu sehen, wie ihr Kathedralen restauriert;

ihr stellt sie in ihrer ursprünglichen Schönheit wieder her, so wie sie

vor den Verwüstungen der Reformation waren. Hütet euch, daß ihr nicht

den Katholizismus ausgrabt.«

»Ja, hier spielen sie ein wenig mit dem Katholizismus, ganz wie

zu Atterboms Zeit. Der Pfarrer selbst, übrigens ein gewaltiger

Pokerspieler, stand lange in dem Verdacht, ein Krypto-Katholik zu

sein; er hat zusammen mit einer Klique von Geistlichen den Plan

gehabt, den Kult zu ändern und etwas mehr Schönheit hineinzubringen.

-- Es begann übrigens in den siebziger Jahren mit der Entdeckung

unserer alten Missale und Breviere, die als Aktenumschläge in den

Kollegien gefunden, restauriert und stückweise herausgegeben wurden.

So kamen beispielsweise Sequenzen auf unsern Nationalheiligen, Erik

den Heiligen, den Schutzpatron Schwedens zum Vorschein. Kapellmeister

Norman hat Brigittas ›~Rosa rorans~‹ in Musik gesetzt; Wirsén stieg der

Weihrauch in der Kathedrale von Siena zu Kopf, und Professor Byström

wirkte für die Restaurierung der Kirchenmusik auf alter Basis; das

Stenmuseum sammelte die alten Altarschreine; das Kloster Vadstena wurde

wiederhergestellt, und Brigitta wurde fast eine lutherische Heilige;

die Upsalaer Domkirche wurde renoviert und gemalt, und der Erzbischof

reiste nach Rom und schüttelte dem Papst die Hand, der dem Ketzer die

Bibliothek des Vatikans öffnete. -- Nun, was ist Gefährliches daran? Es

deutet auf eine Versöhnung von Mutter und Sohn, und es ist doch schön,

wenn Verwandte sich vertragen, besonders wenn beide Christenmenschen

sind und nur das vergängliche Werk der Dogmen zwischen ihnen steht.«

»Ja,« sagte der Doktor, »das interessiert mich wenig, denn ich bin wohl

Heide; mein Großvater mütterlicherseits soll Neger gewesen sein, und

ich gehöre nicht in diesen Schafstall; er ist mir nicht feindlich, aber

er ist mir fremd.«

»Dir allerdings; doch die Lutheraner schreien im Chor mit dem Pastor

primarius an der Spitze; die Vertreter der Versöhnungslehre brüllen,

wenn sie von einer Versöhnung der Bekenntnisse reden hören. Schwache

Gefäße, die bersten, wenn sie nur neuen Wein sehen!«

»Ist es wahr, daß Falk katholisch geworden ist?«

»Das ist eine Lüge; aber die Lutheraner sind von einer solchen Panik

ergriffen, daß sie überall Katholiken zu sehen beginnen, ja, sie sehen

sogar Jesuiten, obwohl ich noch keinem einzigen begegnet bin. Die

Jesuitenorden sind von mehreren Päpsten aufgehoben worden, und doch

sieht man sie, genau wie die Jesuiten früher Freimaurer ›sahen‹. Sie

nennen mich auch Jesuit, mich!!! mich!!!«

»Es scheint mit den Kirchen dasselbe zu sein wie mit den Synagogen,«

fiel Isak jetzt ein.

»Was ist mit der Synagoge?« fragte der Doktor.

»Ja, die ist wie ein Schneckenhaus; das Tier ist herausgekrochen und

gestorben. Es ist nur ein leeres Gehäuse, in dem es ganz leise säuselt

wie Erinnerung an ein brausendes Leben.«

»Da hast du recht, Levi; aber was für neue Baßtrompeten hört man jetzt

in der Welt?«

»Du meinst die Heilsarmee?« fiel Kurt ein. »Das sind internationale

Christen, Synkretisten, die ihre Tempel allen Bekennern Christi öffnen.

Sie haben keine Theologie, keinen Katechismus, keine festgesetzten

Formen, kennen keinen Unterschied zwischen Katholiken und Protestanten;

es ist lebendiges Christentum mit Glauben _und_ guten Taten. Dieses

kleine _und_ ist der Bindestrich zwischen den entzweiten Kirchen, die

um Glauben _oder_ Taten stritten.«

»Was bist du denn?« fragte Sellén schließlich.

»Das weiß ich nicht! -- Ein christlicher Freidenker vielleicht; Christ,

weil ich in christlicher Familie geboren bin, Freidenker, weil ich mich

keiner ›anerkannten‹ Kirchengemeinschaft anschließen kann.«

»Bist du Christ?«

»Ja, ebensosehr wie Isak Jude und Onkel Borg Heide ist, ebensosehr oder

ebensowenig.«

»Jetzt will ich Musik haben,« unterbrach der Doktor, »Isak soll Bach

spielen, und ich will treten.«

Zum Glück war die Orgelempore geschlossen, und Kurt hatte den

Schlüssel nicht. Das reizte den Doktor, der in der Feststimmung in

die Tage des Roten Zimmers zurückfiel, und in seinem Verlangen nach

einer außerordentlichen Kraftentfaltung verlangte er die Schlüssel

zum Turm, denn er wollte hinauf und mit der großen Glocke Sturm

läuten. Als auch dieser Plan scheiterte, ging er hinaus, und an einem

Droschkenhalteplatz trennte man sich.

Zweites Kapitel

Die Palastrevolution

Redakteur Gustav Borg, der ältere Bruder des Doktors, saß bei seiner

Morgenzigarre im Büro und besichtigte den Briefkasten. Der Briefkasten

ist ein wunderliches Ding: es ist die Post, die in einem geschlossenen

Blechkasten, zu dem der Redakteur den Schlüssel hat, abgeholt

wird. Dieser kleine Kasten enthält die Geheimnisse der Redaktion:

Erwiderungen, Eingesandtes, Bittschriften, die anonymen Briefe, die

groben Postkarten; dieser Kasten war gerade infolge der offenen

Postkarten aufgekommen, die von dem Boten und andern Untergebenen

gelesen wurden, was ihnen Mißachtung vor dem Redakteur und der Zeitung

beibrachte und ihnen ein auf Vertraulichkeit beruhendes Übergewicht

verlieh.

Der Chefredakteur hatte lange gebraucht, bis er soweit war, nicht

jedesmal, wenn er den Kasten öffnete, in Wut zu geraten. Ein Schweißbad

kostete es freilich, aber er hatte schließlich eine solche Technik

in der Kunst des Brieföffnens erlangt, daß er sofort an Handschrift,

Unterschrift und ähnlichem sah, ob er das Schriftstück lesen mußte oder

es in den Papierkorb werfen konnte.

Heute ging es jedoch etwas langsamer, denn zum erstenmal seit Bestehen

der Zeitung bekam der Redakteur offene Postkarten mit Lobesworten und

Danksagungen von Konservativen, Familienvätern und Staatserhaltern,

weil er in der gestrigen Nummer gegen den Sozialismus zu den Waffen

gegriffen hatte.

Gustav Borg war nämlich um die Mitte des Jahrhunderts geboren

und hatte bis 1890 von den liberalen Idealen der vierziger

Jahre gelebt, als da sind: konstitutionelle Monarchie (oder am

liebsten Republik), Religionsfreiheit, allgemeines Wahlrecht,

Frauenemanzipation, Volksschulen, Russenhaß und dergleichen. Er hatte

die Repräsentationsveränderung 1866 miterlebt und an das Kommen des

Tausendjährigen Reiches geglaubt. Aber es kam nicht. Was man gemeint

hatte, berechnen zu können, erwies sich als falsche Rechnung. Bei den

Neuwahlen 1867 ergab sich nämlich das folgende bizarre Resultat: der

Adel, der früher ein Viertel der Volksvertretung ausmachte, hatte

gewonnen und bildete jetzt ein Drittel, obwohl das Ritterhaus gestürzt

war. Der geistliche Stand war von einem Viertel auf ein Dreißigstel

reduziert worden. Das Papsttum Schwedens hatte also seine weltliche

Macht verloren. Die Zahl der Vertreter des Bürgerstandes war von einem

Viertel auf ein Sechstel herabgesetzt, und der Bauernstand behielt sein

Viertel, hatte aber durch das Zweikammersystem doch an Macht gewonnen.

Das Ritterhaus war freilich gestürzt, aber die Majorität der ersten

Kammer wurde dennoch von Beamten und außerdem von Rittergutsbesitzern,

meistens Edelleuten, gebildet.

Es war also im großen und ganzen ein Reichstag wie im alten Rom mit

Patriziern und Plebejern. Bei genauerem Hinsehen schienen freilich

die Plebejer das Übergewicht zu haben, und das mußte einen Liberalen

freuen; doch bei noch näherer Betrachtung stellte sich heraus, daß die

Plebejer konservativ waren.

In dieser babylonischen Verwirrung verlor Gustav Borg den Kopf. Seine

etwas abstrakten Vorstellungen von Politik verleiteten ihn zu dem

Glauben, der Reichstag werde sich mit staatsrechtlichen Theorien

beschäftigen, während er doch die Aufgabe hatte, für die momentanen

Bedürfnisse der Mitbürger zu sorgen. Er hatte den Kopf in seine eigene

Schlinge gesteckt, da er stets das Recht der Mehrheit verfochten hatte

und nun die vom Volk gewählte Mehrheit am Ruder sah. Schweden war

damals ein Ackerbauland, deshalb hatten die Landwirte die Majorität.

Das war logisch; und die Bauern waren jetzt an der Reihe: ihre

älteren Klagen wurden aufgenommen, alte Ungerechtigkeiten vor Gericht

gezogen. So weit konnte er mitgehen. Aber als diese selbe Majorität

in Kulturfragen Gesetze aufstellen, bestimmen wollte, was die Nation

glauben und denken, wie die Jugend erzogen werden solle, als sie

diejenigen, die an der Zukunft arbeiteten, ins Gefängnis zu werfen

beabsichtigte, da mußte er eingreifen und gegen seine Plebejer blank

ziehen. Damit kam er in Streit mit sich selbst und begann zu schwanken.

Die Mannigfaltigkeit der Faktoren machte die Berechnungen kompliziert;

denn wenn er sah, wie die Königsmacht durch die neue Staatsform

geschwächt wurde, konnte er nicht unterlassen, die Plebejer zu stützen,

trotz ihrem Geiz, ihrer Unduldsamkeit und Trägheit. Es gab Augenblicke,

in denen er die Zeit der Freiheit wiederkehren sah. Der Reichstag

stürzte ja die Ratgeber des Königs, die Bauern setzten Ausschüsse ein,

bevor die Wahl in der Kammer vor sich ging; häufig wurden Anträge

eingebracht, die Apanage des Königs einzuziehen, und man diskutierte

den Hofhalt der Prinzen.

»Jetzt sind wir nicht weit vom Namenstempel!« sagte der Redakteur in

einem Augenblick der Hellsichtigkeit

Alle älteren politischen Begriffe lösten sich auf, es wurde große

Wäsche gehalten, bei der Wergleinwand und feines Tuch zusammentrafen;

und es war fast unmöglich, schwarz und weiß, mein und dein zu

unterscheiden. Man stand dem großen Paradoxon gegenüber: die

konservativen Plebejer haben die Königsmacht gestürzt; und dieser

dreifache Selbstwiderspruch wirkte wie ein elektrischer Aal: man

konnte ihn nicht mit Händen greifen, teils, weil er glatt war wie ein

Aal, teils weil er geladen war. Man bekam einen Schlag, wenn man ihn

anrührte, und er schlug nach allen Richtungen aus, nach rechts und

links, nach oben und unten.

Nun kam das Neue und veranlaßte die Menschen, von etwas anderm als

von Bauern zu sprechen. Das war die sogenannte soziale Frage; die

Grundfesten der Gesellschaft wurden untersucht und vor Alter und

Feuchtigkeit baufällig befunden, so daß man auf ihnen nicht weiter zu

bauen wagte, in der Befürchtung, das Haus möchte einstürzen.

Die Panik, die jetzt entstand, ergriff zuerst die Oberen. Die

Oberen, die Leichtesten, die deshalb oben schwammen; die Oberen,

die Schwächsten, die deshalb da oben Schutz und Halt suchten, waren

natürlich die Ängstlichsten. Aber die Furcht verbreitete sich, und

eines schönen Tages wurde den Kämpfenden, den Wachsenden, den Liberalen

auch bange. Man hatte nämlich begonnen, die Familie zu diskutieren,

und hatte sie für individuell und persönlich wachsendes Leben zu eng

befunden. Da die Alten der Ansicht waren, die Gesellschaft sei auf

die Familie gegründet, so glaubten sie die Gesellschaft bedroht. Nun

basiert aber weder der Staat noch die Gesellschaft auf der Familie;

denn der Staat hat gar keine Ähnlichkeit mit der Ehe, sondern die

Staaten sind aus dem Zusammenschluß freier Männer zu gemeinsamem

Schutz entstanden. Das machte nichts, man blieb dabei, die Familie sei

das Fundament der Gesellschaft. Und es war nutzlos, einzuwenden: mag

immerhin die Familie das Fundament sein, wenn aber dies Fundament nicht

mehr hält, so müssen wir an anderer Stelle neuen Grund legen und Neues

bauen.

Bei der Untersuchung des Begriffs Familie machte man ausfindig, daß

zwei Menschen bei der jetzt so raschen Entwicklung keine dauernde

Sympathie, ohne die das Zusammenleben der Ehegatten unerträglich

ist, fürs ganze Leben schwören könnten. Das stark hervortretende

Streben nach Persönlichkeit widersprach gegenseitiger Unterwerfung;

das Hinaustreten der Frau in Arbeit und öffentliches Leben hinderte

die Entwicklung des Familienlebens und die häusliche Erziehung der

Kinder. Die Erfahrung zeigte ja, wie sich die Zahl der Ehescheidungen

erhöhte; und diese tief schmerzliche Operation wollten die Alten in

ihrer verständnislosen Art dem Leichtsinn zuschreiben, obwohl die

prozessierenden Parteien genau wußten, daß sie dem schlimmsten, was es

gab, der Sklaverei, nur entflohen, um ihre Persönlichkeit zu retten.

Als dann Kindergärten und Schulen die Erziehung der Kinder in die Hand

nahmen, fiel die Erziehung im Hause weg. Die Häuslichkeit war ja im

übrigen nur ein Zufluchtsort gewesen, wo alle Untugenden blühten; die

Erziehung fing erst in der Schule an, wurde in der Kaserne fortgesetzt

und begann von neuem ernstlich draußen im Leben.

So ungefähr wurden die Anklagen gegen die Familie formuliert. Und da

ergriff die Panik auch einen so starken Mann wie Gustav Borg.

Gestern hatte er selbst einen Leitartikel gegen die Auflöser der

Gesellschaft geschrieben; und heute nahm er zum Dank für die Hilfe die

Händedrücke der Konservativen entgegen.

Mit seinem Sohn Holger, dem Hilfsredakteur, hatte er am Tage vorher

eine stürmische Auseinandersetzung gehabt, in der dieser drohte,

abzugehen. Doktor Borg, der Bruder, hatte ihm telephonisch seinen

Besuch angekündigt; und den erwartete er jetzt, nicht ohne eine

gewisse Unruhe, die auch dadurch hervorgerufen wurde, daß zahlreiche

Abonnenten die Zeitung zurückgeschickt hatten.

* * * * *

Der Erwartete kam; der Doktor trat unangemeldet bei seinem Bruder ein

und legte sofort los:

»Was hast du getan?«

»Ich habe nach meiner Überzeugung gegen eure Predigten der

Unsittlichkeit geschrieben.«

»Deine Überzeugung müßte sich auf bestehende Tatsachen gründen und

auf Erfahrungen beruhen, aber das ist nicht der Fall; Predigten

oder Prediger existieren gar nicht, denn alle, die über die Familie

schreiben, teilen nur ihre Entdeckungen und Erfahrungen mit; sie sagen

zum Beispiel: so und so geht die Entwicklung vorwärts, so und so ist

das Familienleben im letzten Menschenalter entartet, und das Heim ist

eine Schule des Despotismus, der Selbstsucht, der Heuchelei geworden.

Sie teilen also nur tatsächliche Verhältnisse mit und predigen keine

Theorien.«

»Und du, der du selbst Töchter hast, sympathisierst mit diesen Lehren?«

»Ich bin ebenso besorgt um meine Töchter wie du, und ich lehre sie

nichts; denn ich weiß in diesem Punkte nichts; aber ich verhalte mich

abwartend und beobachtend; ich glaube schon bemerkt zu haben, daß meine

Kinder mit andern Ideen geboren sind als ich; die Schamhaftigkeit

verbietet uns, darüber zu sprechen; deshalb ist es gut, daß es

geschrieben wird; das gedruckte Wort ist still und verletzt niemanden.

Aber das eine sage ich dir, ich bin gleich dir auf -- alles gefaßt!

Da ich einsehe, daß ich nichts dabei tun kann, denn du weißt, was

Ratschläge wert sind, so schweige ich und denke: vielleicht muß es so

sein; vielleicht verstehen sie es besser; vielleicht ist dies der Weg

zu der neuen Gesellschaftsform. Die Jungen, die für ihre neuen Ideale

kämpfen, müssen für die ersten Versuche wohl leiden; viele werden

fallen und deshalb viele abfallen; aber der Strom der Zeit fließt,

ohne uns um Rat zu fragen, und ich werde keine verzweifelten Versuche

machen, ihn aufzuhalten. -- Aber da du dich jetzt gegen uns gewendet

hast, hast du die Zeitung ruiniert. Als Aktionär und Direktor ersuche

ich dich, abzugehen und deinem Sohn Holger deinen Posten zu überlassen.«

»Ich, abgehen? -- Nie!«

»Gut! Dann gründen Holger und ich eine neue Zeitung!«

»Eine neue Zeitung geht nicht!«

»Doch, eine neue Zeitung, die bei der Farbe bleibt und die von dir

verlassenen Traditionen aufnimmt, die geht.«

»Du meinst eine einseitige Parteizeitung, die ihre Gegner als

Verbrecher behandelt.«

»Nein, als Feinde! Solange die Schlacht im Gange ist, erschießt man den

Soldaten, der Unterhandlungen beginnt. -- Hast du nie bemerkt: wenn

man dem Feinde ein Zugeständnis macht oder ihm ein gutes Wort gibt, so

jubelt er über die Unterwerfung. Gute Worte und Höflichkeiten kommen

hinterher, beim Friedensschluß. -- Betrachte dich jetzt als einen

erschossenen Deserteur und geh!«

»Nie!«

»Dann ruinieren wir dich durch Konkurrenz!«

»So spricht ein Bruder!«

»Ja, ein ehrlicher Bruder, der nicht dem Nepotismus oder der

Parteilichkeit huldigt, der die Gerechtigkeit über die Bruderliebe und

das allgemeine Wohl über das private stellt.«

»Du vergißt, daß du dein Geld verlierst, wenn du mich stürzt!«

»Das vergesse ich nicht; aber ich habe mehr Geld, als du glaubst, also

bin ich nicht zu ruinieren. Du hast bis morgen um zwölf Bedenkzeit.

Adieu! ...«

Der Doktor fuhr zur Tür hinaus, und der Redakteur blieb mit seinen

schweren Gedanken allein.

Abgesetzt, als Ausgedienter auf den Kehricht geworfen, er, der die

große materielle Neubildung nach 1850 mitgemacht hatte. Er erinnerte

sich der ersten Eisenbahnstrecke 1852; erinnerte sich der Eröffnung der

Telegraphen 1853, der ersten Gaslaterne 1854; der ersten Briefmarke

1855, und er hatte in den achtziger Jahren das Telephon und das

elektrische Licht mit erlebt. Aber von den politischen Idealen

seiner Jugend hatten sich wie gewöhnlich nur wenige realisiert, die

meisten waren zerstört und verschwunden und als Afterkorn in den

Graben gefallen; einige waren auf andere Weise, als er erträumt

hatte, verwirklicht worden, und die Folgen waren das Gegenteil von

dem gewesen, was man erwartet hatte. Unterdes waren neue Ideale

aufgetaucht, die er nicht verstand und die er fürchtete. Zum Beispiel

verstand er die große Arbeiterbewegung nicht, denn er hatte nicht

bemerkt, daß das Land in diesen vierzig Jahren aus einem Bauernlande

ganz allmählich ein Industrieland geworden war; er nannte die Führer

der Arbeiterpartei Agitatoren und Anarchisten, obwohl sie gerade für

Gesetzgebung und Ordnung in den noch ungeordneten Massen wirkten.

Er verstand das Streben der Jugend nach Freiheit und Verantwortung,

nach Selbstbetätigung und Selbstbestimmungsrecht nicht, deshalb fiel

er. Das war tragisch, denn es war unabänderlich, daß die Zeit der

Wachstumsfähigkeit des Menschengeistes eine Grenze setzte; und er fiel

nicht durch eigene Schuld, sondern infolge der Gesetze des Lebens.

Daß der Sohn sein Nachfolger werden würde, hatte er sich ja immer

gedacht; aber daß er ihn verdrängte, und auf diese Art, das war

schlimmer als alle Bitterkeit des Lebens.

* * * * *

Er verschloß seinen Schreibtisch und ging fort, um aufs Land zu reisen

und über den Entschluß, den er fassen mußte, nachzudenken. Seit einigen

Jahren hatte er nämlich einen Landbesitz draußen auf den Schären, wo er

den größeren Teil des Jahres mit seiner Familie lebte.

Drittes Kapitel

Die Storöer

Redakteur Gustav Borg stand auf dem Vorderdeck des kleinen

Schärendampfers, der nach Storö fuhr, wo er sein Besitztum hatte; aber

in seiner erregten Gemütsstimmung hätte er sich am liebsten unsichtbar

gemacht oder im Notfall blind und taub.

Zwei fremde Herren befanden sich in seiner Nähe, und er mußte ihr

Gespräch mit anhören.

»Eine hübsche Stadt ist Stockholm auf jeden Fall; aber sie wirkt doch

wie eine Dekoration, denn sie ist zu groß und glänzend, um ein ödes

Land zu repräsentieren.«

»Ödes?«

»Ja, ich habe kürzlich eine Inspektionsreise durch

ganz Schweden gemacht, ich bin nämlich Inspektor einer

Lebensversicherungsgesellschaft; und ich bin durch ganze Provinzen

gezogen, ohne Menschen zu sehen; in dem Zug waren fünf Leute, auf

den Bahnhöfen war es totenstill. Kam ich in eine große Stadt, so war

sie von Beamten bevölkert: ein Landeshauptmann, ein Bischof, ein

Oberst, dazu ein Stab von Bürgermeistern, Ratsherren, Postmeistern,

Telegraphenkommissaren -- und ein paar Kaufleute.«

»Aber die Bevölkerungszahl ist doch auf fünf Millionen angewachsen?«

»Allerdings; doch unter diesen fünf Millionen ist nur eine Million

Männer zwischen zwanzig und fünfundfünfzig Jahren. Zweiundeinehalbe

Million sind Kinder und Frauen ohne Beruf. Aber jene Million

erwachsener, arbeitsfähiger Männer muß die zweieinhalb Millionen

Unproduktiver versorgen, muß außerdem 170000 Beamte ernähren, abgesehen

vom Militär, das 133000 ausmacht. -- Du hörst, ich weiß als rechter

Lebensversicherer über meine Leben Bescheid.«

»Haben wir 170000 Zivilbeamte?«

»Ja, wir haben 67000 Post-, Telegraphen- und Eisenbahnbeamte, 27000

Regierungsbeamte, 28000 Geistliche mit Gehilfen, 38000 Lehrer, 17000

Kommunalbeamte.«

»Das ist ja unsinnig.«

»Ja, aber es ist so! Ich kann es nicht ändern; und es ist kein

Geheimnis, denn es steht in der offiziellen Statistik Schwedens

gedruckt. Das schlimmste aber ist die Auswanderung! Seit ich 1866 in

die Gesellschaft eingetreten bin, sind 780000 Menschen ausgewandert.«

»Siebenhunderttausend?«

»Ja; in den vier Jahren zwischen 66 und 70 wanderten hunderttausend

aus. Als die Zahl später sank, schrien die Patrioten und sagten: Seht

ihr jetzt, daß es nicht gefährlich war! Aber dann kamen die Jahre

81 bis 85, als 175000 auswanderten. Und dann 86 bis 90 mit 200000

Auswanderern.«

»Was sagten die Patrioten da?«

»Nichts! Doch, sie begannen auf der ›Schanze‹ ihre Erinnerungen zu

sammeln und bauten im Vorgefühl des nahen Endes ein Museum.«

»Warum wandert man aus; ist die Armut schuld?«

»Nein, die Armut soll es nicht sein.«

»Was ist es denn?«

»Die Volkshochschullehrer -- das sind sonderbare Leute, mußt du wissen

-- behaupten, es sei Mangel an Vaterlandsliebe; wie aber dieser

Mangel entstanden ist, sagen sie nicht. Ich habe einmal so einem

Erzieher geantwortet: wie kann man ein Land lieben, dessen Grund und

Boden dem Ausländer gehört? Du weißt doch, daß der schwedische Grund

und Boden für 226 Millionen dem Auslande verpfändet ist, daß die

Kommunalschulden sich auf 175 Millionen belaufen und daß die staatliche

Obligationsschuld 287 Millionen beträgt. Das Land verpfändet, und

wird's auch bleiben, singt man jetzt in gewissen Klubs. Nun stellt

man gewöhnlich den Hypothekenschulden die Sparkassengelder entgegen.

Aber die Sparkassengelder sind an ebensoviele Pumper ausgeliehen und

werden nach und nach von Auswanderern abgehoben, die sie für das

Schiffsbillett reserviert hatten. Die Staatsobligationen sind durch das

Eisenbahnmaterial gedeckt; das ist jedoch eine falsche Buchführung,

denn Schienen und Lokomotiven müßten im Inventarverzeichnis stehen.«

»Aber die Verkehrsmittel sind produktive Kräfte.«

»Jawohl, das sind die Landstraßen auch, und die Wasserwege ebenfalls,

doch sie sind kein Kapitalvermögen. Das Unglück ist, daß sich unter

unsern siebenundzwanzigtausend Regierungsbeamten nicht ein Buchhalter

befindet; allerdings, was sollte das in einem Staat nützen, wo dieser

selbst und die einzelnen über ihre Verhältnisse leben? Der Staat müßte

nach Vermögen und nicht nach Gutdünken Steuern ausschreiben. Jetzt aber

sagt man nur: wir müssen ein Heer haben, und dann fordert man eine

halbe Milliarde. Denke dir, eine halbe Milliarde, die in zehn Jahren

bezahlt sein soll!«

»Aber die Auswanderung? Was meinst du über die Ursachen?«

»Die Schweden fühlen sich nicht wohl; alles ist dumpfig; es ist ihnen

langweilig, allein in den einsamen Dörfern zu sitzen; sie haben kein

Zusammengehörigkeitsgefühl, weil die Nation nicht gleichartig ist.

Der ganze Adel, die oberen Klassen und der Mittelstand sind zum

größten Teil eingewanderte Ausländer, die sich unter schwedischen

Namen verbergen. Diese bilden einen Feudalstaat von Beamten, die

ihre Gehälter von den Heloten einziehen. Beamter zu werden und

Pension zu bekommen ist ja das Ideal jedes ›besseren Menschen‹. Die

Universitäten sind nur Schulen für Beamtenexamina, und eine der

Universitäten hat in einer Fakultät ebensoviele Dozenten wie Studenten.

Die Studenten sind noch ein privilegierter Stand von konservativen

Burschen, die die Nation bei Saufereien repräsentieren (von Ausnahmen

abgesehen). Aber es gibt noch anderes, was trennend wirkt. Das ist

der alte Provinzpartikularismus, und der macht sich noch in den

Landsmannschaften an der Universität geltend, wo aller alte Bodensatz

sich aufsammelt. Sie beneiden und hassen einander, und besonders die

Geistlichen sind bei Beförderungen durch das Indigenatsrecht an die

Provinz gebunden. In den Ämtern siehst du, daß sofort eine Invasion von

Smaaländern in das Amt stattfindet, wenn der Präsident zum Beispiel

ein Smaaländer ist; und in der Hauptstadt gibt es Vereine, in denen

die Provinzialen sich zusammenrotten, um ›gemeinsame Interessen zu

fördern‹; im Reichstag sitzt man nach Provinzen geordnet, und in die

Schwedische Akademie wurde man eine Zeitlang nach südschwedischem

Indigenatsrecht aufgenommen, so daß man das erhabene Institut, im

Scherz natürlich, Schonensche Akademie nannte. Ja, es ist so viel

Unrat da, der hier das Leben unleidlich macht. Keiner fühlt sich zu

Hause; jeder einzelne ist Feind in Feindesland; etwas auszurichten

wagt keiner, denn er wird gehindert; die einzige Energieäußerung spürt

man, wenn etwas verhindert werden soll. Die etwas tun wollen, müssen

sich ein anderes Land suchen, deshalb wandern die Energischen aus, die

Hinderer aber bleiben! Das ist verteufelt!«

* * * * *

Beim Blockhauszoll begann es windig zu werden, und der Redakteur begab

sich in den Achtersalon. Da fand er einen schlafenden Herrn, der ihm

den Rücken zukehrte; an der kolossalen Breite sah er sofort, daß es der

Schwager war, der Pfarrer von Storö, den er jetzt nicht gern treffen

wollte. Deshalb folgte er dem Beispiel, warf sich auf das andere Sofa

gegenüber und drehte dem Pfarrer den Rücken zu.

* * * * *

Während die Schwäger im Achtersalon schliefen, saßen Doktor Borg und

seine Schwägerin Brita, die Frau des Redakteurs, oben im Rauchsalon und

plauderten. Sie wußten freilich von der Anwesenheit der andern auf dem

Schiff, aber es lag ihnen nichts daran, mit ihnen zusammenzutreffen.

»Es muß zum Krach kommen,« fuhr der Doktor fort, »und du, Brita, wirst

die Bombe werfen!«

»Ja, lieber Freund,« antwortete die Frau mit höchst wohlwollendem

Entgegenkommen, »ich habe meine Bomben jetzt so viele Jahre lang

geworfen, daß ich nun wohl zum Dynamit greifen muß. Gustav mit seinen

altliberalen Ansichten ist unser schlimmster Feind; er versteht nichts

von dem Großen, das jetzt in der Welt geschieht; er hat freilich einmal

die Theorien gebilligt, aber wenn es darauf ankommt, einen einzigen

Gedanken, ein einziges von seinen Jugendidealen zu verwirklichen, dann

versagt er.«

»Vollkommen: deshalb müssen wir ihm den Schwanz hochbinden; er soll

abgehen und deinem Holger gegen eine gewisse Pachtsumme die Leitung

überlassen; will er weiter für die Zeitung schreiben, so mag er das

tun, aber unter Zensur des Chefredakteurs.«

»Wenn Holger nur nicht zu weichherzig ist! Trotz seinem Ingenieurkopf

hat er noch ererbte Schwächen ...«

»Die werde ich ihm schon austreiben, und da du absolut gefühllos bist,

kannst du dabei helfen. Wir wollen uns verbünden, du und ich, dann

wird etwas ausgerichtet.«

»Ja,« antwortete Brita mit ihrer sorglosen, menschenfreundlichen Miene,

»aber dann müssen wir ein Kompromiß schließen. Du mußt für meine

Frauensache eintreten.«

»Du weißt, das tue ich, soweit die Gerechtigkeit geht, nur bei

Ungerechtigkeiten mache ich nicht mit. Ich billige deinen Kampf für

die Menschenrechte der Dienstboten, für die Lohnbedingungen der

Arbeiterinnen, für Befreiung der Mädchen von Untätigkeit und Tand;

ebenso bin ich für freie Verbindungen mit gesetzlicher Verantwortung,

aber ich bin nicht für freie Liebe in der Ehe, denn das ist die

Sklaverei des Mannes, besonders wenn er falsche Kinder im Kirchenbuch

stehen hat; ich bin nicht für das Eigentumsrecht der verheirateten

Frau, das den Besitz der Frau vom Beitrag zum Unterhalt der Familie

befreit, das Vermögen des Mannes jedoch als gemeinsamen Besitz

beibehält.«

»Und die häusliche Arbeit der Frau? Soll die nicht bezahlt werden?«

»Was ist das für Arbeit? Hast du je im Hause gearbeitet? Du hast

Befehle gegeben, die von Dienstboten ausgeführt wurden, die Gustav

bezahlte: Er aber hat dich und deine Kinder und deine Dienstboten

ernährt und gekleidet. Du redest Unsinn!«

»Sollen denn arme Waschfrauen, die selbst verdienen, ihr Geld nicht

behalten, soll der Mann das vertrinken dürfen?«

Die Gotischen Zimmer: Roman · 第 1 / 20 段