Wenn man, beim Aufsteigen in der Reihe der Erscheinungen, wider das
Dasein einer schlechthin notwendigen obersten Ursache, Schwierigkeiten
anzutreffen vermeint, so müssen sich diese auch nicht auf bloße
Begriffe vom notwendigen Dasein eines Dinges überhaupt gründen, und
mithin nicht ontologisch sein, sondern sich aus der Kausalverbindung
mit einer Reihe von Erscheinungen, um zu derselben eine Bedingung
anzunehmen, die selbst unbedingt ist, hervorfinden, folglich
kosmologisch und nach empirischen Gesetzen gefolgert sein. Es muß sich
nämlich zeigen, daß das Aufsteigen in der Reihe der Ursachen (in der
Sinnenwelt) niemals bei einer empirischunbedingten Bedingung endigen
könne, und daß das kosmologische Argument aus der Zufälligkeit der
Weltzustände, laut ihren Veränderungen, wider die Annehmung einer
ersten und die Reihe schlechthin zuerst anhebenden Ursache ausfalle.
Es zeigt sich aber in dieser Antinomie ein seltsamer Kontrast: daß
nämlich aus eben demselben Beweisgrunde, woraus in der Thesis das
Dasein eines Urwesens geschlossen wurde, in der Antithesis das
Nichtsein desselben, und zwar mit derselben Schärfe. geschlossen wird.
Erst hieß es: es ist ein notwendiges Wesen, weil die ganze vergangene
Zeit die Reihe aller Bedingungen und hiermit also auch das Unbedingte
(Notwendige) in sich faßt. Nun heißt es: es ist kein notwendiges
Wesen, eben darum, weil die ganze verflossene Zeit die Reihe aller
Bedingungen (die mithin insgesamt wiederum bedingt sind) in sich faßt.
Die Ursache hiervon ist diese. Das erste Argument sieht nur auf die
absolute Totalität der Reihe der Bedingungen, deren eine die andere
in der Zeit bestimmt, und bekommt dadurch ein Unbedingtes und
Notwendiges. Das zweite zieht dagegen die Zufälligkeit alles dessen,
was in der Zeitreihe bestimmt ist, in Betrachtung, (weil vor jedem
eine Zeit vorhergeht, darin die Bedingung selbst wiederum als bedingt
bestimmt sein muß,) wodurch denn alles Unbedingte, und alle absolute
Notwendigkeit, gänzlich wegfällt. Indessen ist die Schlußart in
beiden, selbst der gemeinen Menschenvernunft ganz angemessen, welche
mehrmalen in den Fall gerät, sich mit sich selbst zu entzweien,
nachdem sie ihren Gegenstand aus zwei verschiedenen Standpunkten
erwägt. Herr von Mairan hielt den Streit zweier berühmter Astronomen,
der aus einer ähnlichen Schwierigkeit über die Wahl des Standpunktes
entsprang, für ein genugsam merkwürdiges Phänomen, um darüber eine
besondere Abhandlung abzufassen. Der eine schloß nämlich so: der Mond
dreht sich um seine Achse, darum, weil er der Erde beständig dieselbe
Seite zukehrt; der andere: der Mond dreht sich nicht um seine Achse,
eben darum, weil er der Erde beständig dieselbe Seite zukehrt. Beide
Schlüsse waren richtig; je nachdem man den Standpunkt nahm, aus dem
man die Mondbewegung beobachten wollte.
Der Antinomie der reinen Vernunft
Dritter Abschnitt
Von dem Interesse der Vernunft bei diesem ihrem Widerstreite
Da haben wir nun das ganze dialektische Spiel der kosmologischen
Ideen, die es gar nicht verstatten, daß ihnen ein kongruierender
Gegenstand in irgendeiner möglichen Erfahrung gegeben werde, ja
nicht einmal, daß die Vernunft sie einstimmig mit allgemeinen
Erfahrungsgesetzen denke, die gleichwohl doch nicht willkürlich
erdacht sind, sondern auf welche die Vernunft im kontinuierlichen
Fortgange der empirischen Synthesis notwendig geführt wird, wenn sie
das, was nach Regeln der Erfahrung jederzeit nur bedingt bestimmt
werden kann, von aller Bedingung befreien und in seiner unbedingten
Totalität fassen will. Diese vernünftelnden Behauptungen sind so viele
Versuche, vier natürliche und unvermeidliche Probleme der Vernunft
aufzulösen, deren es also nur gerade so viel, nicht mehr, auch
nicht weniger, geben kann, weil es nicht mehr Reihen synthetischer
Voraussetzungen gibt, welche die empirische Synthesis a priori
begrenzen.
Wir haben die glänzenden Anmaßungen der ihr Gebiet über alle Grenzen
der Erfahrung erweiternden Vernunft nur in trockenen Formeln, welche
bloß den Grund ihrer rechtlichen Ansprüche enthalten, vorgestellt,
und, wie es einer Transzendentalphilosophie geziemt, diese von
allem Empirischen entkleidet, obgleich die ganze Pracht der
Vernunftbehauptungen nur in Verbindung mit demselben hervorleuchten
kann. In dieser Anwendung aber, und der fortschreitenden Erweiterung
des Vernunftgebrauchs, indem sie von dem Felde der Erfahrungen anhebt,
und sich bis zu diesen erhabenen Ideen allmählich hinaufschwingt,
zeigt die Philosophie eine Würde, welche, wenn sie ihre Anmaßungen nur
behaupten könnte, den Wert aller anderen menschlichen Wissenschaft
weit unter sich lassen würde, indem sie die Grundlage zu unseren
größesten Erwartungen und Aussichten auf die letzten Zwecke, in
welchen alle Vernunftbemühungen sich endlich vereinigen müssen,
verheißt. Die Fragen: ob die Welt einen Anfang und irgendeine Grenze
ihrer Ausdehnung im Raume habe, ob es irgendwo und vielleicht in
meinem denkenden Selbst eine unteilbare und unzerstörliche Einheit,
oder nichts als das Teilbare und Vergängliche gebe, ob ich in meinen
Handlungen frei, oder, wie andere Wesen, an dem Faden der Natur und
des Schicksals geleitet sei, ob es endlich eine oberste Weltursache
gebe, oder die Naturdinge und deren Ordnung den letzten Gegenstand
ausmachen, bei dem wir in allen unseren Betrachtungen stehenbleiben
müssen: das sind Fragen, um deren Auflösung der Mathematiker gerne
seine ganze Wissenschaft dahingäbe; denn diese kann ihm doch in
Ansehung der höchsten und angelegentsten Zwecke der Menschheit keine
Befriedigung verschaffen. Selbst die eigentliche Würde der Mathematik
(diesem Stolze der menschlichen Vernunft) beruht darauf, daß, da sie
der Vernunft die Leitung gibt, die Natur im Großen sowohl als im
Kleinen in ihrer Ordnung und Regelmäßigkeit, imgleichen in der
bewunderungswürdigen Einheit der sie bewegenden Kräfte, weit über alle
Erwartung der auf gemeine Erfahrung bauenden Philosophie einzusehen,
sie dadurch selbst zu dem über alle Erfahrung erweiterten Gebrauch
der Vernunft, Anlaß und Aufmunterung gibt, imgleichen die damit
beschäftigte Weltweisheit mit den vortrefflichsten Materialien
versorgt, ihre Nachforschung, so viel deren Beschaffenheit es erlaubt,
durch angemessene Anschauungen zu unterstützen.
Unglücklicherweise für die Spekulation (vielleicht aber zum Glück
für die praktische Bestimmung des Menschen) sieht sich die Vernunft,
mitten unter ihren größesten Erwartungen, in einem Gedränge von
Gründen und Gegengründen so befangen, daß, da es sowohl ihrer Ehre,
als auch sogar ihrer Sicherheit wegen nicht tunlich ist, sich
zurückzuziehen, und diesem Zwist als einem bloßen Spielgefechte
gleichgültig zuzusehen, noch weniger schlechthin Friede zu gebieten,
weil der Gegenstand des Streits sehr interessiert, ihr nichts weiter
übrigbleibt, als über den Ursprung dieser Veruneinigung der Vernunft
mit sich selbst nachzusinnen, ob nicht etwa ein bloßer Mißverstand
daran schuld sei, nach dessen Erörterung zwar beiderseits stolze
Ansprüche vielleicht wegfallen, aber dafür ein dauerhaft ruhiges
Regiment der Vernunft über Verstand und Sinne seinen Anfang nehmen
würde.
Wir wollen vorjetzt diese gründliche Erörterung noch etwas aussetzen,
und zuvor in Erwägung ziehen: auf welche Seite wir uns wohl am
liebsten schlagen möchten, wenn wir etwa genötigt würden, Partei zu
nehmen. Da wir in diesem Falle, nicht den logischen Probierstein der
Wahrheit, sondern bloß unser Interesse befragen, so wird eine solche
Untersuchung, ob sie gleich in Ansehung des strittigen Rechts beider
Teile nichts ausmacht, dennoch den Nutzen haben, es begreiflich zu
machen, warum die Teilnehmer an diesem Streite sich lieber auf die
eine Seite, als auf die andere geschlagen haben, ohne daß eben
eine vorzügliche Einsicht des Gegenstandes daran Ursache gewesen,
angleichen noch andere Nebendinge zu erklären, z.B. die zelotische
Hitze des einen und die kalte Behauptung des anderen Teils, warum sie
gerne der einen Partei freudigen Beifall zujauchzen, und wider die
andere zum voraus, unversöhnlich eingenommen sind.
Es ist aber etwas, das bei dieser vorläufigen Beurteilung den
Gesichtspunkt bestimmt, aus dem sie allein mit gehöriger Gründlichkeit
angestellt werden kann, und dieses ist die Vergleichung der
Prinzipien, von denen beide Teile ausgehen. Man bemerkt unter den
Behauptungen der Antithesis, eine vollkommene Gleichförmigkeit der
Denkungsart und völlige Einheit der Maxime, nämlich ein Prinzipium
des reinen Empirismus, nicht allein in Erklärung der Erscheinungen in
der Welt, sondern auch in Auflösung der transzendentalen Ideen, vom
Weltall selbst. Dagegen legen die Behauptungen der Thesis, außer der
empirischen Erklärungsart innerhalb der Reihe der Erscheinungen,
noch intellektuelle Anfänge zum Grunde, und die Maxime ist
sofern nicht einfach. Ich will sie aber, von ihrem wesentlichen
Unterscheidungsmerkmal, den Dogmatism der reinen Vernunft nennen.
Auf der Seite also des Dogmatismus, in Bestimmung der kosmologischen
Vernunftideen, oder der Thesis, zeigt sich
Zuerst ein gewisses praktisches Interesse, woran jeder wohlgesinnte,
wenn er sich auf seinen wahren Vorteil versteht, herzlich teilnimmt.
Daß die Welt einen Anfang habe, daß mein denkendes Selbst einfacher
und daher unverweslicher Natur, daß dieses zugleich in seinen
willkürlichen Handlungen frei und über den Naturzwang erhoben sei, und
daß endlich die ganze Ordnung der Dinge, welche die Welt ausmachen,
von einem Urwesen abstamme, von welchem alles seine Einheit und
zweckmäßige Verknüpfung entlehnt, das sind so viel Grundsteine der
Moral und Religion. Die Antithesis raubt uns alle diese Stützen, oder
scheint wenigstens sie uns zu rauben.
Zweitens äußert sich auch ein spekulatives Interesse der Vernunft auf
dieser Seite. Denn, wenn man die transzendentalen Ideen auf solche Art
annimmt und gebraucht, so kann man völlig a priori die ganze Kette der
Bedingungen fassen, und die Ableitung des Bedingten begreifen, indem
man vom Unbedingten anfängt, welches die Antithesis nicht leistet, die
dadurch sich sehr übel empfiehlt, daß sie auf die Frage, wegen der
Bedingungen ihrer Synthesis, keine Antwort geben kann, die nicht ohne
Ende immer weiter zu fragen übrig ließe. Nach ihr muß man von einem
gegebenen Anfange zu einem noch höheren aufsteigen, jeder Teil führt
auf einen noch kleineren Teil, jede Begebenheit hat immer noch eine
andere Begebenheit als Ursache über sich, und die Bedingungen des
Daseins überhaupt stützen sich immer wiederum auf andere, ohne jemals
in einem selbständigen Dinge als Urwesen unbedingte Haltung und Stütze
zu bekommen.
Drittens hat diese Seite auch den Vorzug der Popularität, der gewiß
nicht den kleinsten Teil seiner Empfehlung ausmacht. Der gemeine
Verstand findet in den Ideen des unbedingten Anfangs aller Synthesis
nicht die mindeste Schwierigkeit, da er ohnedem mehr gewohnt ist, zu
den Folgen abwärts zu gehen, als zu den Gründen hinaufzusteigen, und
hat in den Begriffen des absolut Ersten (über dessen Möglichkeit er
nicht grübelt) eine Gemächlichkeit und zugleich einen festen Punkt, um
die Leitschnur seiner Schritte daran zu knüpfen, da er hingegen an dem
rastlosen Aufsteigen vom Bedingten zur Bedingung, jederzeit mit einem
Fuße in der Luft, gar keinen Wohlgefallen finden kann.
Auf der Seite des Empirismus in Bestimmung der kosmologischen Ideen,
oder der Antithesis, findet sich erstlich kein solches praktisches
Interesse aus reinen Prinzipien der Vernunft, als Moral und Religion
bei sich führen. Vielmehr scheint der bloße Empirism beiden alle Kraft
und Einfluß zu benehmen. Wenn es kein von der Welt unterschiedenes
Urwesen gibt, wenn die Welt ohne Anfang und also auch ohne Urheber,
unser Wille nicht frei und die Seele von gleicher Teilbarkeit
und Verweslichkeit mit der Materie ist, so verlieren auch die
moralischen Ideen und Grundsätze alle Gültigkeit, und fallen mit den
transzendentalen Ideen, welche ihre theoretische Stütze ausmachten.
Dagegen bietet aber der Empirism dem spekulativen Interesse der
Vernunft Vorteile an, die sehr anlockend sind und diejenigen weit
übertreffen, die der dogmatische Lehrer der Vernunftideen versprechen
mag. Nach jenem ist der Verstand jederzeit auf seinem eigentümlichen
Boden, nämlich dem Felde von lauter möglichen Erfahrungen, deren
Gesetzen er nachspüren, und vermittelst derselben er seine sichere und
faßliche Erkenntnis ohne Ende erweitern kann. Hier kann und soll er
den Gegenstand, sowohl an sich selbst, als in seinen Verhältnissen,
der Anschauung darstellen, oder doch in Begriffen, deren Bild
in gegebenen ähnlichen Anschauungen klar und deutlich vorgelegt
werden kann. Nicht allein, daß er nicht nötig hat, diese Kette
der Naturordnung zu verlassen, um sich an Ideen zu hängen, deren
Gegenstände er nicht kennt, weil sie als Gedankendinge niemals gegeben
werden können; sondern es ist ihm nicht einmal erlaubt, sein Geschäft
zu verlassen, und unter dem Vorwande, es sei nunmehr zu Ende gebracht,
in das Gebiet der idealisierenden Vernunft und zu transzendenten
Begriffe überzugehen, wo er nicht weiter nötig hat zu beobachten und
den Naturgesetzen gemäß zu forschen, sondern nur zu denken und zu
dichten, sicher, daß er nicht durch Tatsachen der Natur widerlegt
werden könne, weil er an ihr Zeugnis eben nicht gebunden ist, sondern
sie vorbeigehen, oder sie sogar selbst einem höheren Ansehen, nämlich
dem der reinen Vernunft, unterordnen darf.
Der Empirist wird es daher niemals erlauben, irgendeine Epoche der
Natur für die schlechthin erste anzunehmen, oder irgendeine Grenze
seiner Aussicht in den Umfang derselben als die äußerste anzusehen,
noch von den Gegenständen der Natur, die er durch Beobachtung und
Mathematik auflösen und in der Anschauung synthetisch bestimmen
kann, (dem Ausgedehnten,) zu denen überzugehen, die weder Sinn, noch
Einbildungskraft jemals in concreto darstellen kann (dem Einfachen);
noch einräumen, daß man selbst in der Natur ein Vermögen, unabhängig
von Gesetzen der Natur zu wirken, (Freiheit,) zum Grunde lege, und
dadurch dem Verstande sein Geschäft schmälere, an dem Leitfaden
notwendiger Regeln dem Entstehen der Erscheinungen nachzuspüren; noch
endlich zugeben, daß man irgend wozu die Ursache außerhalb der Natur
suche, (Urwesen,) weil wir nichts weiter, als diese kennen, indem
sie es allein ist, welche uns Gegenstände darbietet, und von ihren
Gesetzen unterrichten kann.
Zwar, wenn der empirische Philosoph mit seiner Antithese keine andere
Absicht hat, als, den Vorwitz und die Vermessenheit der ihre wahre
Bestimmung verkennenden Vernunft niederzuschlagen, welche mit Einsicht
und Wissen groß tut, da wo eigentlich Einsicht und Wissen aufhören,
und das, was man in Ansehung des praktischen Interesse gelten läßt,
für eine Beförderung des spekulativen Interesse ausgeben will, um,
wo es ihrer Gemächlichkeit zuträglich ist, den Faden physischer
Untersuchungen abzureißen, und mit einem Vorgeben von Erweiterung der
Erkenntnis, ihn an transzendentale Ideen zu knüpfen, durch die man
eigentlich nur erkennt, daß man nichts wisse; wenn, sage ich, der
Empirist sich hiermit begnügte, so würde sein Grundsatz eine Maxime
der Mäßigung in Ansprüchen, der Bescheidenheit in Behauptungen und
zugleich der größest möglichen Erweiterung unseres Verstandes, durch
den eigentlich uns vorgesetzten Lehrer, nämlich die Erfahrung, sein.
Denn, in solchem Falle, würden uns intellektuelle Voraussetzungen und
Glaube, zum Behuf unserer praktischen Angelegenheit, nicht genommen
werden; nur könnte man sie nicht unter dem Titel und dem Pompe
von Wissenschaft und Vernunfteinsicht auftreten lassen, weil das
eigentliche spekulative Wissen überall keinen anderen Gegenstand,
als den der Erfahrung treffen kann, und, wenn man ihre Grenze
überschreitet, die Synthesis, welche neue und von jener unabhängige
Erkenntnisse versucht, kein Substratum der Anschauung hat, an welchem
sie ausgeübt werden könnte.
So aber, wenn der Empirismus in Ansehung der Ideen (wie es mehrenteils
geschieht) selbst dogmatisch wird und dasjenige dreist verneint,
was über der Sphäre seiner anschauenden Erkenntnisse ist, so fällt
er selbst in den Fehler der Unbescheidenheit, der hier um desto
tadelhafter ist, weil dadurch dem praktischen Interesse der Vernunft
ein unersetzlicher Nachteil verursacht wird.
Dies ist der Gegensatz des Epikureisms* gegen den Platonisms.
* Es ist indessen noch die Frage, ob Epikur diese Grundsätze als
objektive Behauptungen jemals vorgetragen habe. Wenn sie etwa weiter
nichts als Maximen des spekulativen Gebrauchs der Vernunft waren,
so zeigte er daran einen echteren philosophischen Geist, als
irgendeiner der Weltweisen des Altertums: daß man in Erklärung
der Erscheinungen so zu Werke gehen müsse, als ob das Feld der
Untersuchung durch keine Grenze oder Anfang der Welt abgeschnitten
sei; den Stoff der Welt so annehmen, wie er sein muß, wenn wir
von ihm durch Erfahrung belehrt werden wollen; daß keine andere
Erzeugung der Begebenheiten, als wie sie durch unveränderliche
Naturgesetze bestimmt werden, und endlich keine von der Welt
unterschiedene Ursache müsse gebraucht werden; sind noch jetzt
sehr richtige, aber wenig beobachtete Grundsätze, die spekulative
Philosophie zu erweitern, so wie auch die Prinzipien der Moral,
unabhängig von fremden Hilfsquellen auszufinden, ohne daß darum
derjenige, welcher verlangt, jene dogmatischen Sätze, so lange als
wir mit der bloßen Spekulation beschäftigt sind, zu ignorieren,
darum beschuldigt werden darf, er wolle sie leugnen.
Ein jeder von beiden sagt mehr, als er weiß, doch so, daß der erstere
das Wissen, obzwar zum Nachteile des Praktischen, aufmuntert und
befördert, der zweite zwar zum Praktischen vortreffliche Prinzipien an
die Hand gibt, aber eben dadurch in Ansehung alles dessen, worin uns
allein ein spekulatives Wissen vergönnt ist, der Vernunft erlaubt,
idealischen Erklärungen der Naturerscheinungen nachzuhängen und
darüber die physische Nachforschung zu verabsäumen.
Was endlich das dritte Moment, worauf bei der vorläufigen Wahl
zwischen beiden strittigen Teilen gesehen werden kann, anlangt: so ist
es überaus befremdlich, daß der Empirismus aller Popularität gänzlich
zuwider ist, ob man gleich glauben sollte, der gemeine Verstand
werde einen Entwurf begierig aufnehmen, der ihn durch nichts als
Erfahrungserkenntnisse und deren vernunftmäßigen Zusammenhang zu
befriedigen verspricht, anstatt daß die transzendentale Dogmatik ihn
nötigt, zu Begriffen hinaufzusteigen, welche die Einsicht und das
Vernunftvermögen der im Denken geübtesten Köpfe weit übersteigen. Aber
eben dieses ist sein Bewegungsgrund. Denn er befindet sich alsdann in
einem Zustande, in welchem sich auch der Gelehrteste über ihn nichts
herausnehmen kann. Wenn er wenig oder nichts davon versteht, so kann
sich doch auch niemand rühmen, viel mehr davon zu verstehen, und, ob
er gleich hierüber nicht so schulgerecht als andere sprechen kann, so
kann er doch darüber unendlich mehr vernünfteln, weil er unter lauter
Ideen herumwandelt, über die man eben darum am beredtsten ist,
weil man davon nichts weiß; anstatt, daß er über der Nachforschung
der Natur ganz verstummen und seine Unwissenheit gestehen müßte.
Gemächlichkeit und Eitelkeit also sind schon eine starke Empfehlung
dieser Grundsätze. Überdem, ob es gleich einem Philosophen sehr
schwer wird, etwas als Grundsatz anzunehmen, ohne deshalb sich selbst
Rechenschaft geben zu können, noch weniger Begriffe, deren objektive
Realität nicht eingesehen werden kann, einzuführen: so ist doch dem
gemeinen Verstande nichts gewöhnlicher. Er will etwas haben, womit
er zuversichtlich anfangen könne. Die Schwierigkeit, eine solche
Voraussetzung selbst zu begreifen, beunruhigt ihn nicht, weil sie ihm,
(der nicht weiß, was Begreifen heißt,) niemals in den Sinn kommt, und
er hält das für bekannt, was ihm durch öfteren Gebrauch geläufig ist.
Zuletzt aber verschwindet alles spekulative Interesse bei ihm vor dem
Praktischen, und er bildet sich ein, das einzusehen und zu wissen, was
anzunehmen, oder zu glauben, ihn seine Besorgnisse oder Hoffnungen
antreiben. So ist der Empirismus der transzendental-idealisierenden
Vernunft aller Popularität gänzlich beraubt, und, so viel Nachteiliges
wider die obersten praktischen Grundsätze sie auch enthalten mag,
so ist doch gar nicht zu besorgen, daß sie die Grenzen der Schule
jemals überschreiten und im gemeinen Wesen ein nur einigermaßen
beträchtliches Ansehen und einige Gunst bei der großen Menge erwerben
werde.
Die menschliche Vernunft ist ihrer Natur nach architektonisch, d.i.
sie betrachtet alle Erkenntnisse als gehörig zu einem möglichen
System, und verstattet daher auch nur solche Prinzipien, die eine
vorhabende Erkenntnis wenigstens nicht unfähig machen, in irgendeinem
System mit anderen zusammen zu stehen. Die Sätze der Antithesis
sind aber von der Art, daß sie die Vollendung eines Gebäudes von
Erkenntnissen gänzlich unmöglich machen. Nach ihnen gibt es über einen
Zustand der Welt immer einen noch älteren, in jedem Teile immer noch
andere, wiederum teilbare, vor jeder Begebenheit eine andere, die
wiederum ebensowohl anderweitig erzeugt war, und im Dasein überhaupt
alles immer nur bedingt, ohne irgendein unbedingtes und erstes Dasein
anzuerkennen. Da also die Antithesis nirgend ein Erstes einräumt, und
keinen Anfang, der schlechthin zum Grunde des Baues dienen könnte,
so ist ein vollständiges Gebäude der Erkenntnis, bei dergleichen
Voraussetzungen, gänzlich unmöglich. Daher führt das architektonische
Interesse der Vernunft (welches nicht empirische, sondern reine
Vernunfteinheit a priori fordert,) eine natürliche Empfehlung für die
Behauptungen der Thesis bei sich.
Könnte sich aber ein Mensch von allem Interesse lossagen, und die
Behauptungen der Vernunft, gleichgültig gegen alle Folgen, bloß nach
dem Gehalte ihrer Gründe in Betrachtung ziehen: so würde ein solcher,
gesetzt, daß er keinen Ausweg wüßte, anders aus dem Gedränge zu
kommen, als daß er sich zu einer oder anderen der strittigen Lehren
bekennte, in einem unaufhörlich schwankenden Zustande sein. Heute
würde es ihm überzeugend vorkommen, der menschliche Wille sei frei;
morgen, wenn er die unauflösliche Naturkette in Betrachtung zöge,
würde er dafür halten, die Freiheit sei nichts als Selbsttäuschung,
und alles sei bloß Natur. Wenn es nun aber zum Tun und Handeln
käme, so würde dieses Spiel der bloß spekulativen Vernunft, wie
Schattenbilder eines Traums, verschwinden, und er würde seine
Prinzipien bloß nach dem praktischen Interesse wählen. Weil es aber
doch einem nachdenkenden und forschenden Wesen anständig ist, gewisse
Zeiten lediglich der Prüfung seiner eigenen Vernunft zu widmen,
hierbei aber alle Parteilichkeit gänzlich auszuziehen, und so seine
Bemerkungen anderen zur Beurteilung öffentlich mitzuteilen; so kann
es niemanden verargt, noch weniger verwehrt werden, die Sätze und
Gegensätze, so wie sie sich, durch keine Drohung geschreckt, vor
Geschworenen von seinem eigenen Stande (nämlich dem Stande schwacher
Menschen) verteidigen können, auftreten zu lassen.
Der Antinomie der reinen Vernunft
Vierter Abschnitt
Von den Transzendentalen Aufgaben der reinen Vernunft, insofern sie
schlechterdings müssen aufgelöst werden können
Alle Aufgaben auflösen und alle Fragen beantworten zu wollen,
würde eine unverschämte Großsprecherei und ein so ausschweifender
Eigendünkel sein, daß man dadurch sich sofort um alles Zutrauen
bringen müßte. Gleichwohl gibt es Wissenschaften, deren Natur es so
mit sich bringt, daß eine jede darin vorkommende Frage, aus dem, was
man weiß, schlechthin beantwortlich sein muß, weil die Antwort aus
denselben Quellen entspringen muß, daraus die Frage entspringt, und wo
es keineswegs erlaubt ist, unvermeidliche Unwissenheit vorzuschützen,
sondern die Auflösung gefordert werden kann. Was in allen möglichen
Fällen Recht oder Unrecht sei, muß man der Regel nach wissen können,
weil es unsere Verbindlichkeit betrifft, und wir zu dem, was wir nicht
wissen können, auch keine Verbindlichkeit haben. In der Erklärung der
Erscheinungen der Natur muß uns indessen vieles ungewiß und manche
Frage unauflöslich bleiben, weil das, was wir von der Natur wissen,
zu dem, was wir erklären sollen, bei weitem nicht in allen Fällen
zureichend ist. Es fragt sich nun: ob in der Transzendentalphilosophie
irgendeine Frage, die ein der Vernunft vorgelegtes Objekt betrifft,
durch eben diese reine Vernunft unbeantwortlich sei, und ob man sich
ihrer entscheidenden Beantwortung dadurch mit Recht entziehen könne,
daß man es als schlechthin ungewiß (aus allem dem, was wir erkennen
können) demjenigen beizählt, wovon wir zwar so viel Begriff haben,
um eine Frage aufzuwerfen, es uns aber gänzlich an Mitteln oder am
Vermögen fehlt, sie jemals zu beantworten.
Ich behaupte nun, daß die Transzendentalphilosophie unter allem
spekulativen Erkenntnis dieses Eigentümliche habe: daß gar keine
Frage, welche einen der reinen Vernunft gegebenen Gegenstand betrifft,
für eben dieselbe menschliche Vernunft unauflöslich sei, und daß kein
Vorschützen einer unvermeidlichen Unwissenheit und unergründlicher
Tiefe der Aufgabe von der Verbindlichkeit frei sprechen könne, sie
gründlich und vollständig zu beantworten; weil eben derselbe Begriff,
der uns in den Stand setzt zu fragen, durchaus uns auch tüchtig machen
muß, auf diese Frage zu antworten, indem der Gegenstand außer dem
Begriffe gar nicht angetroffen wird (wie bei Recht und Unrecht).
Es sind aber in der Transzendentalphilosophie keine anderen, als
nur die kosmologischen Fragen, in Ansehung deren man mit Recht eine
genugtuende Antwort, die die Beschaffenheit des Gegenstandes betrifft,
fordern kann, ohne daß dem Philosophen erlaubt ist, sich derselben
dadurch zu entziehen, daß er undurchdringliche Dunkelheit vorschützt,
und diese Fragen können nur kosmologische Ideen betreffen. Denn der
Gegenstand muß empirisch gegeben sein, und die Frage geht nur auf
die Angemessenheit desselben mit einer Idee. Ist der Gegenstand
transzendental und also selbst unbekannt, z.B. ob das Etwas, dessen
Erscheinung (in uns selbst) das Denken ist, (Seele,) ein an sich
einfaches Wesen sei, ob es eine Ursache aller Dinge insgesamt gebe,
die schlechthin notwendig ist, usw., so sollen wir zu unserer Idee
einen Gegenstand suchen, von welchem wir gestehen können, daß er uns
unbekannt, aber deswegen doch nicht unmöglich sei.* Die kosmologischen
Ideen haben allein das Eigentümliche an sich, daß sie ihren Gegenstand
und die zu dessen Begriff erforderliche empirische Synthesis als
gegeben voraussetzen können, und die Frage, die aus ihnen entspringt,
betrifft nur den Fortgang dieser Synthesis, sofern er absolute
Totalität enthalten soll, welche letztere nichts Empirisches mehr
ist, indem sie in keiner Erfahrung gegeben werden kann. Da nun hier
lediglich von einem Dinge als Gegenstande einer möglichen Erfahrung
und nicht als einer Sache an sich selbst die Rede ist, so kann die
Beantwortung der transzendenten kosmologischen Frage, außer der Idee
sonst nirgend liegen, denn sie betrifft keinen Gegenstand an sich
selbst; und in Ansehung der möglichen Erfahrung so wird nicht nach
demjenigen gefragt, was in concreto in irgendeiner Erfahrung gegeben
werden kann, sondern was in der Idee liegt, der sich die empirische
Synthesis bloß nähern soll: also muß sie aus der Idee allein aufgelöst
werden können; denn diese ist ein bloßes Geschöpf der Vernunft, welche
also die Verantwortung nicht von sich abweisen und auf den unbekannten
Gegenstand schieben kann.
* Man kann zwar auf die Frage, was ein transzendentaler Gegenstand
für eine Beschaffenheit habe, keine Antwort geben, nämlich was er
sei, aber wohl, daß die Frage selbst nichts sei, darum, weil kein
Gegenstand derselben gegeben worden. Daher sind alle Fragen der
transzendentalen Seelenlehre auch beantwortlich und wirklich
beantwortet; denn sie betreffen das transz. Subjekt aller inneren
Erscheinungen, welches selbst nicht Erscheinung ist und also nicht
als Gegenstand gegeben ist, und worauf keine der Kategorien (auf
welche doch eigentlich die Frage gestellt ist) Bedingungen ihrer
Anwendung antreffen. Also ist hier der Fall, da der gemeine Ausdruck
gilt, daß keine Antwort auch eine Antwort sei, nämlich daß eine
Frage nach der Beschaffenheit desjenigen Etwas, was durch kein
bestimmtes Prädikat gedacht werden kann, weil es gänzlich außer der
Sphäre der Gegenstände gesetzt wird, die uns gegeben werden können,
gänzlich nichtig und leer sei.
Es ist nicht so außerordentlich, als es anfangs scheint: daß eine
Wissenschaft in Ansehung aller in ihren Inbegriff gehörigen Fragen
(quaestiones domesticae) lauter gewisse Auflösungen fordern und
erwarten könne, ob sie gleich zur Zeit noch vielleicht nicht gefunden
sind. Außer der Transzendentalphilosophie gibt es noch zwei reine
Vernunftwissenschaften, eine bloß spekulativen, die andere praktischen
Inhalts: reine Mathematik, und reine Moral. Hat man wohl jemals
gehört: daß, gleichsam wegen einer notwendigen Unwissenheit
der Bedingungen, es für ungewiß sei ausgegeben worden, welches
Verhältnis der Durchmesser zum Kreise ganz genau in Rational- oder
Irrationalzahlen habe? Da es durch erstere gar nicht kongruent gegeben
werden kann, durch die zweite aber noch nicht gefunden ist, so
urteilte man, daß wenigstens die Unmöglichkeit solcher Auflösung mit
Gewißheit erkannt werden könne, und Lambert gab einen Beweis davon.
In den allgemeinen Prinzipien der Sitten kann nichts Ungewisses sein,
weil die Sätze entweder ganz und gar nichtig und sinnleer sind, oder
bloß aus unseren Vernunftbegriffen fließen müssen. Dagegen gibt es in
der Naturkunde eine Unendlichkeit von Vermutungen, in Ansehung deren
niemals Gewißheit erwartet werden kann, weil die Naturerscheinungen
Gegenstände sind, die uns unabhängig von unseren Begriffen gegeben
werden, zu denen also der Schlüssel nicht in uns und unserem reinen
Denken, sondern außer uns liegt, und eben darum in vielen Fällen nicht
aufgefunden, mithin kein sicherer Aufschluß erwartet werden kann. Ich
rechne die Fragen der transzendentalen Analytik, welche die Deduktion
unserer reinen Erkenntnis betreffen, nicht hierher, weil wir jetzt nur
von der Gewißheit der Urteile in Ansehung der Gegenstände und nicht in
Ansehung des Ursprungs unserer Begriffe selbst handeln.
Wir werden also der Verbindlichkeit einer wenigstens kritischen
Auflösung der vorgelegten Vernunftfragen dadurch nicht ausweichen
können, daß wir über die engen Schranken unserer Vernunft Klagen
erheben, und mit dem Scheine einer demutsvollen Selbsterkenntnis
bekennen, es sei über unsere Vernunft, auszumachen, ob die Welt
von Ewigkeit her sei, oder einen Anfang habe; ob der Weltraum ins
Unendliche mit Wesen erfüllt, oder innerhalb gewisser Grenzen
eingeschlossen sei; ob irgend in der Welt etwas einfach sei, oder ob
alles ins Unendliche geteilt werden müsse; ob es eine Erzeugung und
Hervorbringung aus Freiheit gebe, oder ob alles an der Kette der
Naturordnung hänge; endlich ob es irgendein gänzlich unbedingt und an
sich notwendiges Wesen gebe, oder ob alles seinem Dasein nach bedingt
und mithin äußerlich abhängend und an sich zufällig sei. Denn alle
diese Fragen betreffen einen Gegenstand, der nirgend anders als
in unseren Gedanken gegeben werden kann, nämlich die schlechthin
unbedingte Totalität der Synthesis der Erscheinungen. Wenn wir darüber
aus unseren eigenen Begriffen nichts Gewisses sagen und ausmachen
können, so dürfen wir nicht die Schuld auf die Sache schieben, die
sich uns verbirgt; denn es kann uns dergleichen Sache (weil sie außer
unserer Idee nirgends angetroffen wird) gar nicht gegeben werden,
sondern wir müssen die Ursache in unserer Idee selbst suchen, welche
ein Problem ist, das keine Auflösung verstattet, und wovon wir doch
hartnäckig annehmen, als entspreche ihr ein wirklicher Gegenstand.
Eine deutliche Darlegung der Dialektik, die in unserem Begriffe selbst
liegt, würde uns bald zur völligen Gewißheit bringen, von dem, was wir
in Ansehung einer solchen Frage zu urteilen haben.
Man kann euerem Vorwande der Ungewißheit in Ansehung dieser Probleme
zuerst diese Frage entgegensetzen, die ihr wenigstens deutlich
beantworten müßt: Woher kommen euch die Ideen, deren Auflösung euch
hier in solche Schwierigkeit verwickelt? Sind es etwa Erscheinungen,
deren Erklärung ihr bedürft, und wovon ihr, zufolge dieser Ideen, nur
die Prinzipien, oder die Regel ihrer Exposition zu suchen habt? Nehmet
an, die Natur sei ganz vor euch aufgedeckt; euren Sinnen, und dem
Bewußtsein alles dessen, was eurer Anschauung vorgelegt ist, sei
nichts verborgen: so werdet ihr doch durch keine einzige Erfahrung den
Gegenstand eurer Ideen in concreto erkennen können, (denn es wird,
außer dieser vollständigen Anschauung, noch eine vollendete Synthesis
und das Bewußtsein ihrer absoluten Totalität erfordert, welches durch
gar kein empirisches Erkenntnis möglich ist,) mithin kann eure Frage
keineswegs zur Erklärung von irgendeiner vorkommenden Erscheinung
notwendig und also gleichsam durch den Gegenstand selbst aufgegeben
sein. Denn der Gegenstand kann euch niemals vorkommen, weil er durch
keine mögliche Erfahrung gegeben werden kann. Ihr bleibt mit allen
möglichen Wahrnehmungen immer unter Bedingungen, es sei im Raume,
oder in der Zeit, befangen, und kommt an nichts Unbedingtes, um
auszumachen, ob dieses Unbedingte in einem absoluten Anfange der
Synthesis, oder einer absoluten Totalität der Reihe, ohne allen
Anfang, zu setzen sei. Das All aber in empirischer Bedeutung ist
jederzeit nur komparativ. Das absolute All der Größe (das Weltall),
der Teilung, der Abstammung, der Bedingung des Daseins überhaupt, mit
allen Fragen, ob es durch endliche, oder ins Unendliche fortzusetzende
Synthesis zustande zu bringen sei, geht keine mögliche Erfahrung etwas
an. Ihr würdet z.B. die Erscheinungen eines Körpers nicht im mindesten
besser, oder auch nur anders erklären können, ob ihr annehmet, er
bestehe aus einfachen, oder durchgehends immer aus zusammengesetzten
Teilen; denn es kann euch keine einfache Erscheinung und ebensowenig
auch eine unendliche Zusammensetzung jemals vorkommen. Die
Erscheinungen verlangen nur erklärt zu werden, so weit ihre
Erklärungsbedingungen in der Wahrnehmung gegeben sind, alles aber,
was jemals an ihnen gegeben werden mag, in einem absoluten Ganzen
zusammengenommen, ist selbst eine Wahrnehmung. Dieses All aber ist es
eigentlich, dessen Erklärung in den transzendentalen Vernunftaufgaben
gefordert wird.
Da also selbst die Auflösung dieser Aufgaben niemals in der Erfahrung
vorkommen kann, so könnt ihr nicht sagen, daß es ungewiß sei, was
hierüber dem Gegenstande beizulegen sei. Denn euer Gegenstand ist bloß
in eurem Gehirne, und kann außer demselben gar nicht gegeben werden;
daher ihr nur dafür zu sorgen habt, mit euch selbst einig zu werden,
und die Amphibolie zu verhüten, die eure Idee zu einer vermeintlichen
Vorstellung eines empirisch Gegebenen, und also auch nach
Erfahrungsgesetzen zu erkennenden Objekts macht. Die dogmatische
Auflösung ist also nicht etwa ungewiß, sondern unmöglich. Die
kritische aber, welche völlig gewiß sein kann, betrachtet die Frage
gar nicht objektiv, sondern nach dem Fundamente der Erkenntnis, worauf
sie gegründet ist.
Der Antinomie der reinen Vernunft
Fünfter Abschnitt
Skeptische Vorstellung der kosmologischen Fragen durch alle vier
transzendentalen Ideen
Wir würden von der Forderung gern abstehen, unsere Fragen dogmatisch
beantwortet zu sehen, wenn wir schon zum voraus begriffen: die Antwort
möchte ausfallen, wie sie wollte, so würde sie unsere Unwissenheit nur
noch vermehren, und uns aus einer Unbegreiflichkeit in eine andere,
aus einer Dunkelheit in eine noch größere und vielleicht gar in
Widersprüche stürzen. Wenn unsere Frage bloß auf Bejahung oder
Verneinung gestellt ist, so ist es klüglich gehandelt, die
vermutlichen Gründe der Beantwortung vorderhand dahingestellt sein zu
lassen, und zuvörderst in Erwägung zu ziehen, was man denn gewinnen
würde, wenn die Antwort auf die eine, und was, wenn sie auf der
Gegenseite ausfiele. Trifft es sich nun, daß in beiden Fällen lauter
Sinnleeres (Nonsens) herauskommt, so haben wir eine gegründete
Aufforderung, unsere Frage selbst kritisch zu untersuchen, und zu
sehen: ob sie nicht selbst auf einer grundlosen Voraussetzung beruhe,
und mit einer Idee spiele, die ihre Falschheit besser in der Anwendung
und durch ihre Folgen, als in der abgesonderten Vorstellung verrät.
Das ist der große Nutzen, den die skeptische Art hat, die Fragen zu
behandeln, welche reine Vernunft an reine Vernunft tut, und wodurch
man eines großen dogmatischen Wustes mit wenig Aufwand überhoben sein
kann, um an dessen Statt eine nüchterne Kritik zu setzen, die, als ein
wahres Katarktikon den Wahn, zusamt seinem Gefolge, der Vielwisserei,
glücklich abführen wird.
Wenn ich demnach von einer kosmologischen Idee zum voraus einsehen
könnte, daß, auf welche Seite des Unbedingten der regressiven
Synthesis der Erscheinungen sie sich auch schlüge, so würde sie doch
für einen jeden Verstandesbegriff entweder zu groß oder zu klein sein;
so würde ich begreifen, daß, da jene doch es nur mit einem Gegenstande
der Erfahrung zu tun hat, welche einem möglichen Verstandesbegriffe
angemessen sein soll, sie ganz leer und ohne Bedeutung sein müsse,
weil ihr der Gegenstand nicht anpaßt, ich mag ihn derselben
bequemen, wie ich will. Und dieses ist wirklich der Fall mit allen
Weltbegriffen, welche auch eben um deswillen, die Vernunft, so lange
sie ihnen anhängt, in eine unvermeidliche Antinomie verwickeln. Denn
nehmt
Erstlich an: die Welt habe keinen Anfang, so ist sie für euren Begriff
zu groß; denn dieser, welcher in einem sukzessiven Regressus besteht,
kann die ganze verflossene Ewigkeit niemals erreichen. Setzet: sie
habe einen Anfang, so ist sie wiederum für euren Verstandesbegriff in
dem notwendigen empirischen Regressus zu klein. Denn, weil der Anfang
noch immer eine Zeit, die vorhergeht, voraussetzt, so ist er noch
nicht unbedingt, und das Gesetz des empirischen Gebrauchs des
Verstandes legt es euch auf, noch nach einer höheren Zeitbedingung zu
fragen, und die Welt ist also offenbar für dieses Gesetz zu klein.
Ebenso ist es mit der doppelten Beantwortung der Frage, wegen der
Weltgröße, dem Raum nach, bewandt. Denn, ist sie unendlich und
unbegrenzt, so ist sie für allen möglichen empirischen Begriff zu
groß. Ist sie endlich und begrenzt, so fragt ihr mit Recht noch:
was bestimmt diese Grenze? Der leere Raum ist nicht ein für sich
bestehendes Korrelatum der Dinge, und kann keine Bedingung sein,
bei der ihr stehenbleiben könnt, noch viel weniger eine empirische
Bedingung, die einen Teil einer möglichen Erfahrung ausmachte. (Denn
wer kann eine Erfahrung vom Schlechthinleeren haben?) Zur absoluten
Totalität aber der empirischen Synthesis wird jederzeit erfordert, daß
das Unbedingte ein Erfahrungsbegriff sei. Also ist eine begrenzte Welt
für euren Begriff zu klein.
Zweitens, besteht jede Erscheinung im Raume (Materie) aus unendlich
viel Teilen, so ist der Regressus der Teilung für euren Begriff
jederzeit zu groß; und soll die Teilung des Raumes irgend bei einem
Gliede derselben (dem Einfachen) aufhören, so ist er für die Idee
des Unbedingten zu klein. Denn dieses Glied läßt noch immer einen
Regressus zu mehreren in ihm enthaltenen Teilen übrig.
Drittens, nehmt ihr an: in allem, was in der Welt geschieht, sei
nichts, als Erfolg nach Gesetzen der Natur, so ist die Kausalität
der Ursache immer wiederum etwas, das geschieht, und euren Regressus
zu noch höherer Ursache, mithin die Verlängerung der Reihe von
Bedingungen a parte priori ohne Aufhören notwendig macht. Die bloße
wirkende Natur ist also für allen euren Begriff, in der Synthesis der
Weltbegebenheiten, zu groß.
Wählt ihr, hin und wieder, von selbst gewirkte Begebenheiten, mithin
Erzeugung aus Freiheit: so verfolgt euch das Warum nach einem
unvermeidlichen Naturgesetze, und nötigt euch, über diesen Punkt
nach dem Kausalgesetze der Erfahrung hinauszugehen, und ihr findet,
daß dergleichen Totalität der Verknüpfung für euren notwendigen
empirischen Begriff zu klein ist.
Viertens. Wenn ihr ein schlechthin notwendiges Wesen (es sei die Welt
selbst, oder etwas in der Welt, oder die Weltursache) annehmt; so
setzt ihr es in eine, von dem gegebenen Zeitpunkt unendlich entfernte
Zeit; weil es sonst von einem anderen und älteren Dasein abhängend
sein würde. Alsdann ist aber diese Existenz für euren empirischen
Begriff unzugänglich und zu groß, als daß ihr jemals durch irgendeinen
fortgesetzten Regressus dazu gelangen könntet.
Ist aber, eurer Meinung nach, alles was zur Welt (es sei als Bedingt
oder als Bedingung) gehört, zufällig: so ist jede euch gegebene
Existenz für euren Begriff zu klein. Denn sie nötigt euch, euch noch
immer nach einer anderen Existenz umzusehen, von der sie abhängig ist.
Wir haben in allen diesen Fällen gesagt, daß die Weltidee für den
empirischen Regressus, mithin jeden möglichen Verstandesbegriff,
entweder zu groß, oder auch für denselben zu klein sei. Warum haben
wir uns nicht umgekehrt ausgedrückt, und gesagt: daß im ersteren Falle
der empirische Begriff für die Idee jederzeit zu klein, im zweiten
aber zu groß sei, und mithin gleichsam die Schuld auf dem empirischen
Regressus hafte; anstatt, daß wir die kosmologische Idee anklagten,
daß sie im Zuviel oder Zuwenig von ihrem Zwecke, nämlich der möglichen
Erfahrung, abwich? Der Grund war dieser. Mögliche Erfahrung ist das,
was unseren Begriffen allein Realität geben kann; ohne das ist aller
Begriff nur Idee, ohne Wahrheit und Beziehung auf einen Gegenstand.
Daher war der mögliche empirische Begriff das Richtmaß, wonach die
Idee beurteilt werden mußte, ob sie bloße Idee und Gedankending sei,
oder in der Welt ihren Gegenstand antreffe. Denn man sagt nur von
demjenigen, daß es verhältnisweise auf etwas anderes zu groß oder
zu klein sei, was nur um dieses letzteren willen angenommen wird,
und darnach eingerichtet sein muß. Zu dem Spielwerke der alten
dialektischen Schulen gehörte auch diese Frage: wenn eine Kugel nicht
durch ein Loch geht, was soll man sagen: Ist die Kugel zu groß, oder
das Loch zu klein? In diesem Falle ist es gleichgültig, wie ihr euch
ausdrücken wollt; denn ihr wißt nicht, welches von beiden um des
anderen willen da ist. Dagegen werdet ihr nicht sagen: der Mann ist
für sein Kleid zu lang, sondern das Kleid ist für den Mann zu kurz.
Wir sind also wenigstens auf den gegründeten Verdacht gebracht. daß
die kosmologischen Ideen, und mit ihnen alle untereinander in Streit
gesetzten vernünftelnden Behauptungen, vielleicht einen leeren und
bloß eingebildeten Begriff, von der Art, wie uns der Gegenstand dieser
Ideen gegeben wird, zum Grunde liegen haben, und dieser Verdacht kann
uns schon auf die rechte Spur führen, das Blendwerk zu entdecken, was
uns so lange irregeführt hat.
Der Antinomie der reinen Vernunft
Sechster Abschnitt
Der transzendentale Idealism als der Schlüssel zu Auflösung der
kosmologischen Dialektik
Wir haben in der transzendentalen Ästhetik hinreichend bewiesen:
daß alles, was im Raume oder der Zeit angeschaut wird, mithin alle
Gegenstände einer uns möglichen Erfahrung, nichts als Erscheinungen,
d.i. bloße Vorstellungen sind, die, so wie sie vorgestellt werden,
als ausgedehnte Wesen, oder Reihen von Veränderungen, außer
unseren Gedanken keine an sich gegründete Existenz haben. Diesen
Lehrbegriff nenne ich den transzendentalen Idealism. Der Realist in
transzendentaler Bedeutung macht aus diesen Modifikationen unserer
Sinnlichkeit an sich subsistierende Dinge, und daher bloße
Vorstellungen zu Sachen an sich selbst.
Man würde uns Unrecht tun, wenn man uns den schon längst so
verschrienen empirischen Idealismus zumuten wollte, der, indem er die
eigene Wirklichkeit des Raumes annimmt, das Dasein der ausgedehnten
Wesen in denselben leugnet, wenigstens zweifelhaft findet, und
zwischen Traum und Wahrheit in diesem Stücke keinen genugsam
erweislichen Unterschied einräumt. Was die Erscheinungen des inneren
Sinnes in der Zeit betrifft, an denen, als wirklichen Dingen, findet
er keine Schwierigkeit; ja er behauptet sogar, daß diese innere
Erfahrung das wirkliche Dasein ihres Objekts (an sich selbst), (mit
aller dieser Zeitbestimmung,) einzig und allein hinreichend beweise.
Unser transzendentaler Idealism erlaubt es dagegen: daß die
Gegenstände äußerer Anschauung, ebenso wie sie im Raume angeschaut
werden, auch wirklich sind, und in der Zeit alle Veränderungen, so
wie sie der innere Sinn vorstellt. Denn, da der Raum schon eine Form
derjenigen Anschauung ist, die wir die äußere nennen, und, ohne
Gegenstände in demselben, es gar keine empirische Vorstellung geben
würde: so können und müssen wir darin ausgedehnte Wesen als wirklich
annehmen, und ebenso ist es auch mit der Zeit. Jener Raum selber aber,
samt dieser Zeit, und, zugleich mit beiden, alle Erscheinungen, sind
doch an sich selbst keine Dinge, sondern nichts als Vorstellungen, und
können gar nicht außer unserem Gemüt existieren, und selbst ist die
innere und sinnliche Anschauung unseres Gemüts, (als Gegenstandes des
Bewußtseins,) dessen Bestimmung durch die Sukzession verschiedener
Zustände in der Zeit vorgestellt wird, auch nicht das eigentliche
Selbst, so wie es an sich existiert, oder das transzendentale Subjekt,
sondern nur eine Erscheinung, die der Sinnlichkeit dieses uns
unbekannten Wesens gegeben worden. Das Dasein dieser inneren
Erscheinung, als eines so an sich existierenden Dinges, kann nicht
eingeräumt werden, weil ihre Bedingung die Zeit ist, welche keine
Bestimmung irgendeines Dinges an sich selbst sein kann. In dem Raume
aber und der Zeit ist die empirische Wahrheit der Erscheinungen
genugsam gesichert, und von der Verwandtschaft mit dem Traume
hinreichend unterschieden, wenn beide nach empirischen Gesetzen in
einer Erfahrung richtig und durchgängig zusammenhängen.
Es sind demnach die Gegenstände der Erfahrung niemals an sich selbst,
sondern nur in der Erfahrung gegeben, und existieren außer derselben
gar nicht. Daß es Einwohner im Monde geben könne, ob sie gleich kein
Mensch jemals wahrgenommen hat, muß allerdings eingeräumt werden, aber
es bedeutet nur so viel: daß wir in dem möglichen Fortschritt der
Erfahrung auf sie treffen könnten; denn alles ist wirklich, was mit
einer Wahrnehmung nach Gesetzen des empirischen Fortgangs in einem
Kontext steht. Sie sind also alsdann wirklich, wenn sie mit meinem
wirklichen Bewußtsein in einem empirischen Zusammenhange stehen, ob
sie gleich darum nicht an sich, d.i. außer diesem Fortschritt der
Erfahrung, wirklich sind.
Uns ist wirklich nichts gegeben, als die Wahrnehmung und der
empirische Fortschritt von dieser zu anderen möglichen Wahrnehmungen.
Denn an sich selbst sind die Erscheinungen, als bloße Vorstellungen,
nur in der Wahrnehmung wirklich, die in der Tat nichts anderes ist,
als die Wirklichkeit einer empirischen Vorstellung, d.i. Erscheinung.
Vor der Wahrnehmung eine Erscheinung ein wirkliches Ding nennen,
bedeutet entweder, daß wir im Fortgange der Erfahrung auf eine solche
Wahrnehmung treffen müssen, oder es hat gar keine Bedeutung. Denn,
daß sie an sich selbst, ohne Beziehung auf unsere Sinne und mögliche
Erfahrung existiere, könnte allerdings gesagt werden, wenn von einem
Dinge an sich selbst die Rede wäre. Es ist aber bloß von einer
Erscheinung im Raume und der Zeit, die beides keine Bestimmungen der
Dinge an sich selbst, sondern nur unserer Sinnlichkeit sind, die Rede;
daher das, was in ihnen ist, (Erscheinungen) nicht an sich Etwas,
sondern bloße Vorstellungen sind, die, wenn sie nicht in uns (in der
Wahrnehmung) gegeben sind, überall nirgend angetroffen werden.
Das sinnliche Anschauungsvermögen ist eigentlich nur eine
Rezeptivität, auf gewisse Weise mit Vorstellungen affiziert zu werden,
deren Verhältnis zueinander eine reine Anschauung des Raumes und der
Zeit ist, (lauter Formen unserer Sinnlichkeit,) und welche, sofern
sie in diesem Verhältnisse (dem Raume und der Zeit) nach Gesetzen
der Einheit der Erfahrung verknüpft und bestimmbar sind, Gegenstände
heißen. Die nichtsinnliche Ursache dieser Vorstellungen ist uns
gänzlich unbekannt, und diese können wir daher nicht als Objekt
anschauen; denn dergleichen Gegenstand würde weder im Raume, noch der
Zeit (als bloßen Bedingungen der sinnlichen Vorstellung) vorgestellt
werden müssen, ohne welche Bedingungen wir uns gar keine Anschauung
denken können. Indessen können wir die bloß intelligible Ursache der
Erscheinungen überhaupt, das transzendentale Objekt nennen, bloß,
damit wir etwas haben, was der Sinnlichkeit als einer Rezeptivität
korrespondiert. Diesem transzendentalen Objekt können wir allen Umfang
und Zusammenhang unserer möglichen Wahrnehmungen zuschreiben, und
sagen: daß es vor aller Erfahrung an sich selbst gegeben sei. Die
Erscheinungen aber sind, ihm gemäß, nicht an sich, sondern nur in
dieser Erfahrung gegeben, weil sie bloße Vorstellungen sind, die
nur als Wahrnehmungen einen wirklichen Gegenstand bedeuten, wenn
nämlich diese Wahrnehmung mit allen anderen nach den Regeln der
Erfahrungseinheit zusammenhängt. So kann man sagen: die wirklichen
Dinge der vergangenen Zeit sind in dem transzendentalen Gegenstande
der Erfahrung gegeben; sie sind aber für mich nur Gegenstände und in
der vergangenen Zeit wirklich, sofern als ich mir vorstelle, daß eine
regressive Reihe möglicher Wahrnehmungen, (es sei am Leitfaden der
Geschichte, oder an den Fußtapfen der Ursachen und Wirkungen,)
nach empirischen Gesetzen, mit einem Worte, der Weltlauf auf eine
verflossene Zeitreihe als Bedingung der gegenwärtigen Zeit führt,
welche alsdann doch nur in dem Zusammenhange einer möglichen Erfahrung
und nicht an sich selbst als wirklich vorgestellt wird, so, daß alle
von undenklicher Zeit her vor meinem Dasein verflossenen Begebenheiten
doch nichts anderes bedeuten, als die Möglichkeit der Verlängerung der
Kette der Erfahrung, von der gegenwärtigen Wahrnehmung an, aufwärts zu
den Bedingungen, welche diese der Zeit nach bestimmen.
Wenn ich mir demnach alle existierenden Gegenstände der Sinne in aller
Zeit und allen Räumen insgesamt vorstelle: so setze ich solche nicht
vor der Erfahrung in beide hinein, sondern diese Vorstellung ist
nichts anderes, als der Gedanke von einer möglichen Erfahrung, in
ihrer absoluten Vollständigkeit. In ihr allein sind jene Gegenstände
(welche nichts als bloße Vorstellungen sind) gegeben. Daß man aber
sagt, sie existieren vor aller meiner Erfahrung, bedeutet nur, daß
sie in dem Teile der Erfahrung, zu welchem ich, von der Wahrnehmung
anhebend, allererst fortschreiten muß, anzutreffen sind. Die Ursache
der empirischen Bedingungen dieses Fortschritts, mithin auf welche
Glieder, oder auch, wie weit ich auf dergleichen im Regressus treffen
könne, ist transzendental und mir daher notwendig unbekannt. Aber
um diese ist es auch nicht zu tun, sondern nur um die Regel des
Fortschritts der Erfahrung, in der mir die Gegenstände, nämlich
Erscheinungen, gegeben werden. Es ist auch im Ausgange ganz einerlei,
ob ich sage, ich könne im empirischen Fortgange im Raume auf Sterne
treffen, die hundertmal weiter entfernt sind, als die äußersten, die
ich sehe: oder ob ich sage, es sind vielleicht deren im Weltraume
anzutreffen, wenn sie gleich niemals ein Mensch wahrgenommen hat, oder
wahrnehmen wird; denn, wenn sie gleich als Dinge an sich selbst, ohne
Beziehung auf mögliche Erfahrung, überhaupt gegeben wären, so sind sie
doch für mich nichts, mithin keine Gegenstände, als sofern sie in der
Reihe des empirischen Regressus enthalten sind. Nur in anderweitiger
Beziehung, wenn eben diese Erscheinungen zur kosmologischen Idee von
einem absoluten Ganzen gebraucht werden sollen, und, wenn es also
um eine Frage zu tun ist, die über die Grenzen möglicher Erfahrung
hinausgeht, ist die Unterscheidung derart, wie man die Wirklichkeit
gedachter Gegenstände der Sinne nimmt, von Erheblichkeit, um einem
trüglichen Wahne vorzubeugen, welcher aus der Mißdeutung unserer
eigenen Erfahrungsbegriffe unvermeidlich entspringen muß.
Der Antinomie der reinen Vernunft
Siebenter Abschnitt
Kritische Entscheidung des kosmologischen Streits der Vernunft mit
sich selbst
Die ganze Antinomie der reinen Vernunft beruht auf dem dialektischen
Argumente: Wenn das Bedingte gegeben ist, so ist auch die ganze Reihe
aller Bedingungen desselben gegeben: nun sind uns Gegenstände der
Sinne als bedingt gegeben, folglich usw. Durch diesen Vernunftschluß,
dessen Obersatz so natürlich und einleuchtend scheint, werden
nun, nach Verschiedenheit der Bedingungen (in der Synthesis der
Erscheinungen), sofern sie eine Reihe ausmachen, ebensoviel
kosmologische Ideen eingeführt, welche die absolute Totalität dieser
Reihen postulieren und eben dadurch die Vernunft unvermeidlich in
Widerstreit mit sich selbst versetzen. Ehe wir aber das Trügliche
dieses vernünftelnden Arguments aufdecken, müssen wir uns durch
Berichtigung und Bestimmung gewisser darin vorkommender Begriffe dazu
instand setzen.
Zuerst ist folgender Satz klar und ungezweifelt gewiß: daß, wenn das
Bedingte gegeben ist, uns eben dadurch ein Regressus in der Reihe
aller Bedingungen zu demselben aufgegeben sei; denn dieses bringt
schon der Begriff des Bedingten so mit sich, daß dadurch etwas auf
eine Bedingung, und, wenn diese wiederum bedingt ist, auf eine
entferntere Bedingung, und so durch alle Glieder der Reihe bezogen
wird. Dieser Satz ist also analytisch und erhebt sich über alle Furcht
vor eine transzendentale Kritik. Er ist ein logisches Postulat der
Vernunft: diejenige Verknüpfung eines Begriffs mit seinen Bedingungen
durch den Verstand zu verfolgen und soweit als möglich fortzusetzen,
die schon dem Begriffe selbst anhängt.
Ferner: wenn das Bedingte sowohl, als seine Bedingung, Dinge an sich
selbst sind, so ist, wenn das Erstere gegeben worden, nicht bloß
der Regressus zu dem Zweiten aufgegeben, sondern dieses ist dadurch
wirklich schon mit gegeben, und, weil dieses von allen Gliedern der
Reihe gilt, so ist die vollständige Reihe der Bedingungen, mithin auch
das Unbedingte dadurch zugleich gegeben, oder vielmehr vorausgesetzt,
daß das Bedingte, welches nur durch jene Reihe möglich war, gegeben
ist. Hier ist die Synthesis des Bedingten mit seiner Bedingung eine
Synthesis des bloßen Verstandes, welcher die Dinge vorstellt, wie sie
sind, ohne darauf zu achten, ob, und wie wir zur Kenntnis derselben
gelangen können. Dagegen wenn ich es mit Erscheinungen zu tun habe,
die, als bloße Vorstellungen, gar nicht gegeben sind, wenn ich nicht
zu ihrer Kenntnis (d.i. zu ihnen selbst, denn sie sind nichts, als
empirische Kenntnisse,) gelangen so kann ich nicht in eben der
Bedeutung sagen: wenn das Bedingte gegeben ist, so sind auch alle
Bedingungen (als Erscheinungen) zu demselben gegeben, und kann mithin
auf die absolute Totalität der Reihe derselben keineswegs schließen.
Denn die Erscheinungen sind, in der Apprehension, selber nichts
anderes, als eine empirische Synthesis (im Raume und der Zeit) und
sind also nur in dieser gegeben. Nun folgt es gar nicht, daß, wenn
das Bedingte (in der Erscheinung) gegeben ist, auch die Synthesis,
die seine empirische Bedingung ausmacht, dadurch mitgegeben und
vorausgesetzt sei, sondern diese findet allererst im Regressus,
und niemals ohne denselben, statt. Aber das kann man wohl in einem
solchen Falle sagen, daß ein Regressus zu den Bedingungen, d.i. eine
fortgesetzte empirische Synthesis auf dieser Seite geboten oder
aufgegeben sei, und daß es nicht an Bedingungen fehlen könne, die
durch diesen Regressus gegeben werden.
Hieraus erhellt, daß der Obersatz des kosmologischen Vernunftschlusses
das Bedingte in transzendentaler Bedeutung einer reinen Kategorie, der
Untersatz aber in empirischer Bedeutung eines auf bloße Erscheinungen
angewandten Verstandesbegriffs nehmen, folglich derjenige dialektische
Betrug darin angetroffen werde, den man Sophisma figurae dictionis
nennt. Dieser Betrug ist aber nicht erkünstelt, sondern eine ganz
natürliche Täuschung der gemeinen Vernunft. Denn durch dieselbe
setzen wir (im Obersatze) die Bedingungen und ihre Reihe, gleichsam
unbesehen, voraus, wenn etwas als bedingt gegeben ist, weil dieses
nichts anderes, als die logische Forderung ist, vollständige Prämissen
zu einem gegebenen Schlußsatze anzunehmen, und da ist in der
Verknüpfung des Bedingten mit seiner Bedingung keine Zeitordnung
anzutreffen; sie werden an sich, als zugleich gegeben, vorausgesetzt.
Ferner ist es ebenso natürlich (im Untersatze) Erscheinungen als Dinge
an sich und ebensowohl dem bloßen Verstande gegebene Gegenstände
anzusehen, wie es im Obersatze geschah, da ich von allen Bedingungen
der Anschauung, unter denen allein Gegenstände gegeben werden
können, abstrahierte. Nun hatten wir aber hierbei einen merkwürdigen
Unterschied zwischen den Begriffen übersehen. Die Synthesis des
Bedingten mit seiner Bedingung und die ganze Reihe der letzteren (im
Obersatze) führte gar nichts von Einschränkung durch die Zeit und
keinen Begriff der Sukzession bei sich. Dagegen ist die empirische
Synthesis und die Reihe der Bedingungen in der Erscheinung (die im
Untersatze subsumiert wird,) notwendig sukzessiv und nur in der Zeit
nacheinander gegeben; folglich konnte ich die absolute Totalität der
Synthesis und der dadurch vorgestellten Reihe hier nicht ebensowohl,
als dort voraussetzen, weil dort alle Glieder der Reihe an sich (ohne
Zeitbedingung) gegeben sind, hier aber nur durch den sukzessiven
Regressus möglich sind, der nur dadurch gegeben ist, daß man ihn
wirklich vollführt.
Nach der Überweisung eines solchen Fehltritts, des gemeinschaftlich
zum Grunde (der kosmologischen Behauptungen) gelegten Arguments,
können beide streitenden Teile mit Recht, als solche, die ihre
Forderung auf keinen gründlichen Titel gründen, abgewiesen werden.
Dadurch aber ist ihr Zwist noch nicht insofern geendigt, daß sie
überführt worden wären, sie, oder einer von beiden, hätte in der Sache
selbst, die er behauptet, (im Schlußsatze) Unrecht, wenn er sie gleich
nicht auf tüchtige Beweisgründe zu bauen wußte. Es scheint doch nichts
klarer, als daß von zweien, deren der eine behauptet: die Welt hat
einen Anfang, der andere: die Welt hat keinen Anfang, sondern sie
ist von Ewigkeit her, doch einer Recht haben müsse. Ist aber dieses,
so ist es, weil die Klarheit auf beiden Seiten gleich ist, doch
unmöglich, jemals auszumitteln, auf welcher Seite das Recht sei, und
der Streit dauert nach wie vor, wenn die Parteien gleich bei dem
Gerichtshofe der Vernunft zur Ruhe verwiesen worden. Es bleibt also
kein Mittel übrig, den Streit gründlich und zur Zufriedenheit beider
Teile zu endigen, als daß, da sie einander doch so schön widerlegen
können, endlich überführt werden, daß sie um nichts streiten, und ein
gewisser transzendentaler Schein ihnen da eine Wirklichkeit vorgemalt
habe, wo keine anzutreffen ist.
Diesen Weg der Beilegung eines nicht abzuurteilenden Streits wollen
wir jetzt einschlagen.
* *
*
Der eleatische Zeno, ein subtiler Dialektiker, ist schon vom Plato als
ein mutwilliger Sophist darüber sehr getadelt worden, daß er, um seine
Kunst zu zeigen, einerlei Satz durch scheinbare Argumente zu beweisen
und bald darauf durch andere ebenso starke wieder umzustürzen suchte.
Er behauptete, Gott (vermutlich war es bei ihm nichts als die Welt)
sei weder endlich, noch unendlich, er sei weder in Bewegung, noch
in Ruhe, sei keinem anderen Dinge weder ähnlich, noch unähnlich. Es
schien denen, die ihn hierüber beurteilten, er habe zwei einander
widersprechende Sätze gänzlich ableugnen wollen, welches ungereimt
ist. Allein ich finde nicht, daß ihm dieses mit Recht zur Last
gelegt werden könne. Den ersteren dieser Sätze werde ich bald näher
beleuchten. Was die übrigen betrifft, wenn er unter dem Worte: Gott,
das Universum verstand, so mußte er allerdings sagen: daß dieses weder
in seinem Orte beharrlich gegenwärtig (in Ruhe) sei, noch denselben
verändere (sich bewege), weil alle Örter nur im Univers, dieses selbst
also in keinem Orte ist. Wenn das Weltall alles, was existiert, in
sich faßt, so ist es auch sofern keinem anderen Dinge, weder ähnlich
noch unähnlich, weil es außer ihm kein anderes Ding gibt, mit dem es
könnte verglichen werden. Wenn zwei einander entgegengesetzte Urteile
eine unstatthafte Bedingung voraussetzen, so fallen sie, unerachtet
ihres Widerstreits (der gleichwohl kein eigentlicher Widerspruch ist),
alle beide weg, weil die Bedingung wegfällt, unter der allein jeder
dieser Sätze gelten sollte.
Wenn jemand sagte, ein jeder Körper riecht entweder gut, oder er
riecht nicht gut, so findet ein Drittes statt, nämlich, daß er gar
nicht rieche, (ausdufte) und so können beide widerstreitenden Sätze
falsch sein. Sage ich, er ist entweder wohlriechend, oder er ist
nicht wohlriechend: (vel suaveolens vel non suaveolens) so sind beide
Urteile einander kontradiktorisch entgegengesetzt und nur der erste
ist falsch, sein kontradiktorisches Gegenteil aber, nämlich einige
Körper sind nicht wohlriechend, befaßt auch die Körper in sich, die
gar nicht riechen. In der vorigen Entgegenstellung (per disparata)
blieb die zufällige Bedingung des Begriffs der Körper (der Geruch)
noch bei dem widerstreitenden Urteile, und wurde durch dieses
also nicht mit aufgehoben, daher war das letztere nicht das
kontradiktorische Gegenteil des ersteren.
Sage ich demnach: die Welt ist dem Raume nach entweder unendlich, oder
sie ist nicht unendlich (non est infinitus), so muß, wenn der erstere
Satz falsch ist, sein kontradiktorisches Gegenteil: die Welt ist nicht
unendlich, wahr sein. Dadurch würde ich nur eine unendliche Welt
aufheben, ohne eine andere, nämlich die endliche, zu setzen. Hieße es
aber: die Welt ist entweder unendlich, oder endlich (nichtunendlich,)
so könnten beide falsch sein. Denn ich sehe alsdann die Welt, als an
sich selbst, ihrer Größe nach bestimmt an, indem ich in dem Gegensatz
nicht bloß die Unendlichkeit aufhebe, und, mit ihr, vielleicht ihre
ganze abgesonderte Existenz, sondern eine Bestimmung zur Welt, als
einem an sich selbst wirklichen Dinge, hinzusetzen welches ebensowohl
falsch sein kann, wenn nämlich die Welt gar nicht als ein Ding an
sich, mithin auch nicht ihrer Größe nach, weder als unendlich, noch
als endlich gegeben sein sollte. Man erlaube mir, daß ich dergleichen
Entgegensetzung die dialektische, die des Widerspruchs aber die
analytische Opposition nennen darf. Also können von zwei dialektisch
einander entgegengesetzten Urteilen alle beide falsch sein, darum,
weil eines dem anderen nicht bloß widerspricht, sondern etwas mehr
sagt, als zum Widerspruche erforderlich ist.
Wenn man die zwei Sätze: die Welt ist der Größe nach unendlich, die
Welt ist ihrer Größe nach endlich, als einander kontradiktorisch
entgegengesetzte ansieht, so nimmt man an, daß die Welt (die ganze
Reihe der Erscheinungen) ein Ding an sich selbst sei. Denn sie bleibt,
ich mag den unendlichen oder endlichen Regressus in der Reihe ihrer
Erscheinungen aufheben. Nehme ich aber diese Voraussetzung, oder
diesen transzendentalen Schein weg, und leugne, daß sie ein Ding an
sich selbst sei, so verwandelt sich der kontradiktorische Widerstreit
beider Behauptungen in einen bloß dialektischen, und die Welt, weil
sie gar nicht an sich (unabhängig von der regressiven Reihe meiner
Vorstellungen) existiert, so existiert sie weder als ein an sich
unendliches, noch als ein an sich endliches Ganze. Sie ist nur im
empirischen Regressus der Reihe der Erscheinungen und für sich selbst
gar nicht anzutreffen. Daher, wenn diese jederzeit bedingt ist, so
ist sie niemals ganz gegeben, und die Welt ist also kein unbedingtes
Ganze, existiert also auch nicht als ein solches, weder mit
unendlicher, noch endlicher Größe.
Was hier von der ersten kosmologischen Idee, nämlich der absoluten
Totalität der Größe in der Erscheinung gesagt worden, gilt auch von
allen übrigen. Die Reihe der Bedingungen ist nur in der regressiven
Synthesis selbst, nicht aber an sich in der Erscheinung, als einem
eigenen, vor allem Regressus gegebenen Dinge, anzutreffen. Daher
werde ich auch sagen müssen: die Menge der Teile in einer gegebenen
Erscheinung ist an sich weder endlich, noch unendlich, weil
Erscheinung nichts an sich selbst Existierendes ist, und die Teile
allererst durch den Regressus der dekomponierenden Synthesis, und in
demselben, gegeben werden, welcher Regressus niemals schlechthin ganz,
weder als endlich, noch als unendlich gegeben ist. Eben das gilt von
der Reihe der übereinander geordneten Ursachen, oder der bedingten bis
zur unbedingt notwendigen Existenz, welche niemals weder an sich ihrer
Totalität nach als endlich, noch als unendlich angesehen werden kann,
weil sie als Reihe subordinierter Vorstellungen nur im dynamischen
Regressus besteht, vor demselben aber, und als für sich bestehende
Reihe von Dingen, an sich selbst gar nicht existieren kann.
So wird demnach die Antinomie der reinen Vernunft bei ihren
kosmologischen Ideen gehoben, dadurch, daß gezeigt wird, sie sei bloß
dialektisch und ein Widerstreit eines Scheins, der daher entspringt,
daß man die Idee der absoluten Totalität, welche nur als eine
Bedingung der Dinge an sich selbst gilt, auf Erscheinungen angewandt
hat, die nur in der Vorstellung, und, wenn sie eine Reihe ausmachen,
im sukzessiven Regressus, sonst aber gar nicht existieren. Man kann
aber auch umgekehrt aus dieser Antinomie einen wahren, zwar nicht
dogmatischen, aber doch so kritischen und doktrinalen Nutzen ziehen:
nämlich die transzendentale Idealität der Erscheinungen dadurch
indirekt zu beweisen, wenn jemand etwa an dem direkten Beweise in
der transzendentalen Ästhetik nicht genug hätte. Der Beweis würde
in diesem Dilemma bestehen. Wenn die Welt ein an sich existierendes
Ganzes ist: so ist sie entweder endlich, oder unendlich. Nun ist
das erstere sowohl als das zweite falsch (laut den oben angeführten
Beweisen der Antithesis, einer-, und der Thesis andererseits). Also
ist es auch falsch, daß die Welt (der Inbegriff aller Erscheinungen)
ein an sich existierendes Ganzes sei. Woraus denn folgt, daß
Erscheinungen überhaupt außer unseren Vorstellungen nichts sind,
welches wir eben durch die transzendentale Idealität derselben sagen
wollten.
Diese Anmerkung ist von Wichtigkeit. Man sieht daraus, daß die obigen
Beweise der vierfachen Antinomie nicht Blendwerke, sondern gründlich
waren, unter der Voraussetzung nämlich, daß Erscheinungen oder eine
Sinnenwelt, die sie insgesamt in sich begreift, Dinge an sich selbst
wären. Der Widerstreit der daraus gezogenen Sätze entdeckt aber, daß
in der Voraussetzung eine Falschheit liege, und bringt uns dadurch zu
einer Entdeckung der wahren Beschaffenheit der Dinge, als Gegenstände
der Sinne. Die transzendentale Dialektik tut also keineswegs dem
Skeptizism einigen Vorschub, wohl aber der skeptischen Methode, welche
an ihr ein Beispiel ihres großen Nutzens aufweisen kann, wenn man
die Argumente der Vernunft in ihrer größten Freiheit gegeneinander
auftreten läßt, die, ob sie gleich zuletzt nicht dasjenige, was man
suchte, dennoch jederzeit etwas Nützliches und zur Berichtigung
unserer Urteile Dienliches, liefern werden.
Der Antinomie der reinen Vernunft
Achter Abschnitt
Regulatives Prinzip der reinen Vernunft in Ansehung der kosmologischen
Ideen
Da durch den kosmologischen Grundsatz der Totalität kein Maximum der
Reihe von Bedingungen in einer Sinnenwelt, als einem Dinge an sich
selbst, gegeben wird, sondern bloß im Regressus derselben aufgegeben
werden kann, so behält der gedachte Grundsatz der reinen Vernunft,
in seiner dergestalt berichtigten Bedeutung, annoch seine gute
Gültigkeit, zwar nicht als Axiom, die Totalität im Objekt als wirklich
zu denken, sondern als ein Problem für den Verstand, also für das
Subjekt, um, der Vollständigkeit in der Idee gemäß, den Regressus in
der Reihe der Bedingungen zu einem gegebenen Bedingten anzustellen
und fortzusetzen. Denn in der Sinnlichkeit, d.i. im Raume und der
Zeit, ist jede Bedingung, zu der wir in der Exposition gegebener
Erscheinungen gelangen können, wiederum bedingt; weil diese
keine Gegenstände an sich selbst sind, an denen allenfalls das
Schlechthinunbedingte stattfinden könnte, sondern bloß empirische
Vorstellungen, die jederzeit in der Anschauung ihre Bedingung finden
müssen, welche sie dem Raume oder der Zeit nach bestimmt. Der
Grundsatz der Vernunft also ist eigentlich nur eine Regel, welche in
der Reihe der Bedingungen gegebener Erscheinungen einen Regressus
gebietet, dem es niemals erlaubt ist, bei einem Schlechthinunbedingten
stehen zu bleiben. Er ist also kein Prinzipium der Möglichkeit der
Erfahrung und der empirischen Erkenntnis der Gegenstände der Sinne,
mithin kein Grundsatz des Verstandes; denn jede Erfahrung ist in ihren
Grenzen (der gegebenen Anschauung gemäß) eingeschlossen, auch kein
konstitutives Prinzip der Vernunft, den Begriff der Sinnenwelt über
alle mögliche Erfahrung zu erweitern, sondern ein Grundsatz der
größtmöglichen Fortsetzung und Erweiterung der Erfahrung, nach welchem
keine empirische Grenze für absolute Grenze gelten muß, also ein
Prinzipium der Vernunft, welches, als Regel, postuliert, was von uns
im Regressus geschehen soll, und nicht antizipiert, was im Objekte
vor allem Regressus an sich gegeben ist. Daher nenne ich es ein
regulatives Prinzip der Vernunft, da hingegen der Grundsatz der
absoluten Totalität der Reihe der Bedingungen, als im Objekte
(den Erscheinungen) an sich selbst gegeben, ein konstitutives
kosmologisches Prinzip sein würde, dessen Nichtigkeit ich eben durch
diese Unterscheidung habe anzeigen und dadurch verhindern wollen, daß
man nicht, wie sonst unvermeidlich geschieht, (durch transzendentale
Subreption,) einer Idee, welche bloß zur Regel dient, objektive
Realität beimesse.
Um nun den Sinn dieser Regel der reinen Vernunft gehörig zu bestimmen,
so ist zuvörderst zu bemerken, daß sie nicht sagen könne, was das
Objekt sei, sondern wie der empirische Regressus anzustellen sei, um
zu dem vollständigen Begriffe des Objekts zu gelangen. Denn, fände
das erstere statt, so würde sie ein konstitutives Prinzipium sein,
dergleichen aus reiner Vernunft niemals möglich ist. Man kann
also damit keineswegs die Absicht haben, zu sagen, die Reihe der
Bedingungen zu einem gegebenen Bedingten sei an sich endlich, oder
unendlich; denn dadurch würde eine bloße Idee der absoluten Totalität,
die lediglich in ihr selbst geschaffen ist, einen Gegenstand denken,
der in keiner Erfahrung gegeben werden kann, indem einer Reihe von
Erscheinungen eine von der empirischen Synthesis unabhängige objektive
Realität erteilt würde. Die Vernunftidee wird also nur der regressiven
Synthesis in der Reihe der Bedingungen eine Regel vorschreiben, nach
welcher sie vom Bedingten, vermittelst aller einander untergeordneten
Bedingungen, zum Unbedingten fortgeht, obgleich dieses niemals
erreicht wird. Denn das Schlechthinunbedingte wird in der Erfahrung
gar nicht angetroffen.
Zu diesem Ende ist nun erstlich die Synthesis einer Reihe, sofern
sie niemals vollständig ist, genau zu bestimmen. Man bedient sich
in dieser Absicht gewöhnlich zweier Ausdrücke, die darin etwas
unterscheiden sollen, ohne daß man doch den Grund dieser
Unterscheidung recht anzugeben weiß. Die Mathematiker sprechen
lediglich von einem progressus in infinitum. Die Forscher der Begriffe
(Philosophen) wollen an dessen Statt nur den Ausdruck von einem
progressus in indefinitum gelten lassen. Ohne mich bei der Prüfung der
Bedenklichkeit, die diesen eine solche Unterscheidung angeraten hat,
und dem guten oder fruchtlosen Gebrauch derselben aufzuhalten, will
ich diese Begriffe in Beziehung auf meine Absicht genau zu bestimmen
suchen.
Von einer geraden Linie kann man mit Recht sagen, sie könne ins
Unendliche verlängert werden, und hier würde die Unterscheidung des
Unendlichen und des unbestimmbar weiten Fortgangs (progressus in
indefinitum) eine leere Subtilität sein. Denn, obgleich, wenn es
heißt: ziehet eine Linie fort, es freilich richtiger lautet, wenn man
hinzusetzt, in indefinitum, als wenn es heißt, in infinitum; weil das
erstere nicht mehr bedeutet, als: verlängert sie, so weit ihr wollt,
das zweite aber: ihr sollt niemals aufhören sie zu verlängern,
(welches hierbei eben nicht die Absicht ist,) so ist doch, wenn nur
vom können die Rede ist, der erstere Ausdruck ganz richtig; denn ihr
könnt sie ins Unendliche immer größer machen. Und so verhält es sich
auch in allen Fällen, wo man nur vom Progressus, d.i. dem Fortgange
von der Bedingung zum Bedingten, spricht; dieser mögliche Fortgang
geht in der Reihe der Erscheinungen ins Unendliche. Von einem
Elternpaar könnt ihr in absteigender Linie der Zeugung ohne Ende
fortgehen und euch auch ganz wohl denken, daß sie wirklich in der Welt
so fortgehe. Denn hier bedarf die Vernunft niemals absolute Totalität
der Reihe, weil sie solche nicht als Bedingung und wie gegeben (datum)
vorausgesetzt, sondern nur als was Bedingtes, das nur angeblich
(dabile) ist, und ohne Ende hinzugesetzt wird.
Ganz anders ist es mit der Aufgabe bewandt: wie weit sich der
Regressus, der von dem gegebenen Bedingten zu den Bedingungen in einer
Reihe aufsteigt, erstrecke, ob ich sagen könne: es sei ein Rückgang
ins Unendliche, oder nur ein unbestimmbar weit (in indefinitum)
sich erstreckender Rückgang, und ob ich also von den jetztlebenden
Menschen, in der Reihe ihrer Voreltern, ins Unendliche aufwärts
steigen könne, oder ob nur gesagt werden könne: daß, so weit ich auch
zurückgegangen bin, niemals ein empirischer Grund angetroffen werde,
die Reihe irgendwo für begrenzt zu halten, so daß ich berechtigt und
zugleich verbunden bin, zu jedem der Urväter noch fernerhin seinen
Vorfahren aufzusuchen, obgleich eben nicht vorauszusetzen.
Ich sage demnach: wenn das Ganze in der empirischen Anschauung gegeben
worden, so geht der Regressus in der Reihe seiner inneren Bedingungen
ins Unendliche. Ist aber nur ein Glied der Reihe gegeben, von welchem
der Regressus zur absoluten Totalität allererst fortgehen soll: so
findet nur ein Rückgang in unbestimmte Weise (in indefinitum) statt.
So muß von der Teilung einer zwischen ihren Grenzen gegebenen Materie
(eines Körpers) gesagt werden: sie gehe ins Unendliche. Denn diese
Materie ist ganz, folglich mit allen ihren möglichen Teilen, in der
empirischen Anschauung gegeben. Da nun die Bedingung dieses Ganzen
sein Teil, und die Bedingung dieses Teils der Teil vom Teile usw. ist,
und in diesem Regressus der Dekomposition niemals ein unbedingtes
(unteilbares) Glied dieser Reihe von Bedingungen angetroffen wird,
so ist nicht allein nirgend ein empirischer Grund, in der Teilung
aufzuhören, sondern die ferneren Glieder der fortzusetzenden Teilung
sind selbst vor dieser weitergehenden Teilung empirisch gegeben, d.i.
die Teilung geht ins Unendliche. Dagegen ist die Reihe der Voreltern
zu einem gegebenen Menschen in keiner möglichen Erfahrung, in ihrer
absoluten Totalität, gegeben, der Regressus aber geht doch von jedem
Gliede dieser Zeugung zu einem höheren, so, daß keine empirische
Grenze anzutreffen ist, die ein Glied, als schlechthin unbedingt,
darstellte. Da aber gleichwohl auch die Glieder, die hierzu die
Bedingung abgeben könnten, nicht in der empirischen Anschauung des
Ganzen schon vor dem Regressus liegen: so geht dieser nicht ins
Unendliche (der Teilung des Gegebenen), sondern in unbestimmbare
Weite, der Aufsuchung mehrerer Glieder zu den gegebenen, die wiederum
jederzeit nur bedingt gegeben sind.
In keinem von beiden Fällen, sowohl dem regressus in infinitum, als
dem in indefinitum, wird die Reihe der Bedingungen als unendlich im
Objekt gegeben angesehen. Es sind nicht Dinge, die an sich selbst,
sondern nur Erscheinungen, die, als Bedingungen voneinander, nur im
Regressus selbst gegeben werden. Also ist die Frage nicht mehr: wie
groß diese Reihe der Bedingungen an sich selbst sei, ob endlich oder
unendlich, denn sie ist nichts an sich selbst, sondern: wie wir den
empirischen Regressus anstellen, und wie weit wir ihn fortsetzen
sollen. Und da ist denn ein namhafter Unterschied in Ansehung der
Regel dieses Fortschritts. Wenn das Ganze empirisch gegeben worden, so
ist es möglich, ins Unendliche in der Reihe seiner inneren Bedingungen
zurückzugehen. Ist jenes aber nicht gegeben, sondern soll durch
empirischen Regressus allererst gegeben werden, so kann ich nur sagen:
es ist ins Unendliche möglich, zu noch höheren Bedingungen der Reihe
fortzugehen. Im ersteren Falle konnte ich sagen: es sind immer mehr
Glieder da, und empirisch gegeben, als ich durch den Regressus (der
Dekomposition) erreiche; im zweiten aber: ich kann im Regressus
noch immer weiter gehen, weil kein Glied als schlechthin unbedingt
empirisch gegeben ist, und also noch immer ein höheres Glied als
möglich und mithin die Nachfrage nach demselben als notwendig zuläßt.
Dort war es notwendig, mehr Glieder der Reihe anzutreffen, hier aber
ist es immer notwendig, nach mehreren zu fragen, weil keine Erfahrung
absolut begrenzt. Denn ihr habt entweder keine Wahrnehmung, die euren
empirischen Regressus schlechthin begrenzt, und dann müßt ihr euren
Regressus nicht für vollendet halten, oder habt eine solche eure
Reihe begrenzende Wahrnehmung, so kann diese nicht ein Teil eurer
zurückgelegten Reihe sein, (weil das, was begrenzt, von dem, was
dadurch begrenzt wird, unterschieden sein muß,) und ihr müßt also
euren Regressus auch zu dieser Bedingung weiter fortsetzen, und so
fortan.
Der folgende Abschnitt wird diese Bemerkungen durch ihre Anwendung in
ihr gehöriges Licht setzen.
Der Antinomie der reinen Vernunft
Neunter Abschnitt
Von dem empirischen Gebrauche des regulativen Prinzips der Vernunft,
in Ansehung aller kosmologischen Ideen
Da es, wie wir mehrmalen gezeigt haben, keinen transzendentalen
Gebrauch so wenig von reinen Verstandes- als Vernunftbegriffen gibt,
da die absolute Totalität der Reihen der Bedingungen in der Sinnenwelt
sich lediglich auf einen transzendentalen Gebrauch der Vernunft fußt,
welche diese unbedingte Vollständigkeit von demjenigen fordert, was
sie als Ding an sich selbst voraussetzt; da die Sinnenwelt aber
dergleichen nicht enthält, so kann die Rede niemals mehr von der
absoluten Größe der Reihen in derselben sein, ob sie begrenzt, oder an
sich unbegrenzt sein mögen, sondern nur, wie weit wir im empirischen
Regressus, bei Zurückführung der Erfahrung auf ihre Bedingungen,
zurückgehen sollen, um nach der Regel der Vernunft bei keiner anderen,
als dem Gegenstande angemessenen Beantwortung der Fragen derselben
stehenzubleiben.
Es ist also nur die Gültigkeit des Vernunftprinzips, als einer Regel
der Fortsetzung und Größe einer möglichen Erfahrung, die uns allein
übrig bleibt, nachdem seine Ungültigkeit, als eines konstitutiven
Grundsatzes der Erscheinungen an sich selbst, hinlänglich dargetan
worden. Auch wird, wenn wir jene ungezweifelt vor Augen legen können,
der Streit der Vernunft mit sich selbst völlig geendigt, indem
nicht allein durch kritische Auflösung der Schein, der sie mit sich
entzweite, aufgehoben worden, sondern an dessen Statt der Sinn, in
welchem sie mit sich selbst zusammenstimmt und dessen Mißdeutung
allein den Streit veranlaßte, aufgeschlossen, und ein sonst
dialektischer Grundsatz in einen doktrinalen verwandelt wird.
In der Tat, wenn dieser, seiner subjektiven Bedeutung nach, den
größtmöglichen Verstandesgebrauch in der Erfahrung den Gegenständen
derselben angemessen zu bestimmen, bewährt werden kann: so ist es
gerade ebensoviel, als ob er wie ein Axiom (welches aus reiner
Vernunft unmöglich ist) die Gegenstände an sich selbst a priori
bestimmte; denn auch dieses könnte in Ansehung der Objekte der
Erfahrung keinen größeren Einfluß auf die Erweiterung und Berichtigung
unserer Erkenntnis haben, als daß es sich in dem ausgebreitetsten
Erfahrungsgebrauche unseres Verstandes tätig bewiese.
I. Auflösung der kosmologischen Idee
von der Totalität der Zusammensetzung der Erscheinungen von einem
Weltganzen
Sowohl hier, als bei den übrigen kosmologischen Fragen, ist der Grund
des regulativen Prinzips der Vernunft der Satz: daß im empirischen
Regressus keine Erfahrung von einer absoluten Grenze, mithin von
keiner Bedingung, als einer solchen, die empirisch schlechthin
unbedingt sei, angetroffen werden könne. Der Grund davon aber ist: daß
eine dergleichen Erfahrung eine Begrenzung der Erscheinungen durch
Nichts, oder das Leere, darauf der fortgeführte Regressus vermittelst
einer Wahrnehmung stoßen könnte, in sich enthalten müßte, welches
unmöglich ist.
Dieser Satz nun, der ebensoviel sagt, als: daß ich im empirischen
Regressus jederzeit nur zu einer Bedingung gelange, die selbst
wiederum als empirisch bedingt angesehen werden muß, enthält die Regel
in terminis: daß, so weit ich auch damit in der aufsteigenden Reihe
gekommen sein möge, ich jederzeit nach einem höheren Gliede der Reihe
fragen müsse, es mag mir dieses nun durch Erfahrung bekannt werden,
oder nicht.
Nun ist zur Auflösung der ersten kosmologischen Aufgabe nichts weiter
nötig, als noch auszumachen: ob in dem Regressus zu der unbedingten
Größe des Weltganzen (der Zeit und dem Raume nach) dieses niemals
begrenzte Aufsteigen ein Rückgang ins Unendliche heißen könne, oder
nur ein unbestimmbar fortgesetzter Regressus (in indefinitum).
Die bloße allgemeine Vorstellung der Reihe aller vergangenen
Weltzustände, imgleichen der Dinge, welche im Weltraume zugleich sind,
ist selbst nichts anderes, als ein möglicher empirischer Regressus,
den ich mir, obzwar noch unbestimmt, denke, und wodurch der Begriff
einer solchen Reihe von Bedingungen zu der gegebenen Wahrnehmung
allein entstehen kann*. Nun habe ich das Weltganze jederzeit nur im
Begriffe, keineswegs aber (als Ganzes) in der Anschauung. Also kann
ich nicht von seiner Größe auf die Größe des Regressus schließen,
und diese jener gemäß bestimmen, sondern ich muß mir allererst einen
Begriff von der Weltgröße durch die Größe des empirischen Regressus
machen. Von diesem aber weiß ich niemals etwas mehr, als daß ich von
jedem gegebenen Gliede der Reihe von Bedingungen immer noch zu einem
höheren (entfernteren) Gliede empirisch fortgehen müsse. Also ist
dadurch die Größe des Ganzen der Erscheinungen gar nicht schlechthin
bestimmt, mithin kann man auch nicht sagen, daß dieser Regressus ins
Unendliche gehe, weil dieses die Glieder, dahin der Regressus noch
nicht gelangt ist, antizipieren und ihre Menge so groß vorstellen
würde, daß keine empirische Synthesis dazu gelangen kann, folglich die
Weltgröße vor dem Regressus (wenn gleich nur negativ) bestimmen würde,
welches unmöglich ist. Denn diese ist mir durch keine Anschauung
(ihrer Totalität nach) mithin auch ihre Größe vor dem Regressus gar
nicht gegeben. Demnach können wir von der Weltgröße an sich gar nichts
sagen, auch nicht einmal, daß in ihr ein regressus in infinitum
stattfinde, sondern müssen nur nach der Regel, die den empirischen
Regressus in ihr bestimmt, den Begriff von ihrer Größe suchen. Diese
Regel aber sagt nichts mehr, als daß, so weit wir auch in der Reihe
der empirischen Bedingungen gekommen sein mögen, wir nirgend eine
absolute Grenze annehmen sollen, sondern jede Erscheinung, als
bedingt, einer anderen, als ihrer Bedingung, unterordnen, zu dieser
also ferner fortschreiten müssen, welches der regressus in indefinitum
ist, der, weil er keine Größe im Objekt bestimmt, von dem in infinitum
deutlich genug zu unterscheiden ist.
* Diese Weltreihe kann also auch weder größer, noch kleiner sein,
als der mögliche empirische Regressus, auf dem allein ihr Begriff
beruht. Und da dieser kein bestimmtes Unendliche, ebensowenig aber
auch ein bestimmtendliches (schlechthin Begrenztes) geben kann:
so ist daraus klar, daß wir die Weltgröße weder als endlich,
noch unendlich annehmen können, weil der Regressus (dadurch jene
vorgestellt wird) keines von beiden zuläßt.
Ich kann demnach nicht sagen: die Welt ist der vergangenen Zeit, oder
dem Raume nach unendlich. Denn dergleichen Begriff von Größe, als
einer gegebenen Unendlichkeit, ist empirisch, mithin auch in Ansehung
der Welt, als eines Gegenstandes der Sinne, schlechterdings unmöglich.
Ich werde auch nicht sagen: der Regressus von einer gegebenen
Wahrnehmung an, zu allen dem, was diese im Raume sowohl, als der
vergangenen Zeit, in einer Reihe begrenzt, geht ins Unendliche; denn
dieses setzt die unendliche Weltgröße voraus; auch nicht: sie ist
endlich; denn die absolute Grenze ist gleichfalls empirisch unmöglich.
Demnach werde ich nichts von dem ganzen Gegenstande der Erfahrung (der
Sinnenwelt), sondern nur von der Regel, nach welcher Erfahrung ihrem
Gegenstande angemessen, angestellt und fortgesetzt werden soll, sagen
können.
Auf die kosmologische Frage also, wegen der Weltgröße, ist die erste
und negative Antwort: die Welt hat keinen ersten Anfang der Zeit und
keine äußerste Grenze dem Raume nach.
Denn im entgegengesetzten Falle würde sie durch die leere Zeit einer-,
und durch den leeren Raum andererseits begrenzt sein. Da sie nun,
als Erscheinung, keines von beiden an sich selbst sein kann, denn
Erscheinung ist kein Ding an sich selbst, so müßte eine Wahrnehmung
der Begrenzung durch schlechthin leere Zeit, oder leeren Raum, möglich
sein, durch welche diese Weltenden in einer möglichen Erfahrung
gegeben wären. Eine solche Erfahrung aber, als völlig leer an Inhalt,
ist unmöglich. Also ist eine absolute Weltgrenze empirisch, mithin
auch schlechterdings unmöglich*.
* Man wird bemerken: daß der Beweis hier auf ganz andere Art geführt
worden, als der dogmatische, oben in der Antithesis der ersten
Antinomie. Daselbst hatten wir die Sinnenwelt, nach der gemeinen und
dogmatischen Vorstellungsart, für ein Ding, was an sich selbst, vor
allem Regressus, seiner Totalität nach gegeben war, gelten lassen,
und hatten ihr, wenn sie nicht alle Zeit und alle Räume einnähme,
überhaupt irgendeine bestimmte Stelle in beiden abgesprochen. Daher
war die Folgerung auch anders, als hier, nämlich es wurde auf die
wirkliche Unendlichkeit derselben geschlossen.
Hieraus folgt denn zugleich die bejahende Antwort: der Regressus in
der Reihe der Welterscheinungen, als eine Bestimmung der Weltgröße,
geht in indefinitum, welches ebenso viel sagt, als: die Sinnenwelt hat
keine absolute Größe, sondern der empirische Regressus (wodurch sie
auf der Seite ihrer Bedingungen allein gegeben werden kann) hat seine
Regel, nämlich von einem jeden Gliede der Reihe, als einem Bedingten,
jederzeit zu einem noch entfernteren (es sei durch eigene Erfahrung,
oder den Leitfaden der Geschichte, oder die Kette der Wirkungen
und ihrer Ursachen,) fortzuschreiten, und sich der Erweiterung
des möglichen empirischen Gebrauchs seines Verstandes nirgend zu
überheben, welches denn auch das eigentliche und einzige Geschäft der
Vernunft bei ihren Prinzipien ist.
Ein bestimmter empirischer Regressus, der in einer gewissen Art
von Erscheinungen ohne Aufhören fortginge, wird hierdurch nicht
vorgeschrieben, z.B. daß man von einem lebenden Menschen immer in
einer Reihe von Voreltern aufwärts steigen müsse, ohne ein erstes Paar
zu erwarten, oder in der Reihe der Weltkörper, ohne eine äußerste
Sonne zuzulassen; sondern es wird nur der Fortschritt von
Erscheinungen zu Erscheinungen geboten, sollten diese auch keine
wirkliche Wahrnehmung (wenn sie dem Grade nach für unser Bewußtsein zu
schwach ist, um Erfahrung zu werden) abgeben, weil sie dem ungeachtet
doch zur möglichen Erfahrung gehören.
Aller Anfang ist in der Zeit, und alle Grenze des Ausgedehnten im
Raume. Raum und Zeit aber sind nur in der Sinnenwelt. Mithin sind nur
Erscheinungen in der Welt bedingterweise, die Welt aber selbst weder
bedingt, noch auf unbedingte Art begrenzt.
Eben um deswillen, und da die Welt niemals ganz, und selbst die Reihe
der Bedingungen zu einem gegebenen Bedingten nicht, als Weltreihe,
ganz gegeben werden kann, ist der Begriff von der Weltgröße nur
durch den Regressus, und nicht vor demselben in einer kollektiven
Anschauung, gegeben. Jener besteht aber immer nur im Bestimmen der
Größe, und gibt also keinen bestimmten Begriff, als auch keinen
Begriff von einer Größe, die in Ansehung eines gewissen Maßes
unendlich wäre, geht also nicht ins Unendliche (gleichsam gegebene),
sondern in unbestimmte Weite, um eine Größe (der Erfahrung) zu geben,
die allererst durch diesen Regressus wirklich wird.
II. Auflösung der kosmologischen Idee
von der Totalität der Teilung eines gegebenen Ganzen in der Anschauung
Wenn ich ein Ganzes, das in der Anschauung gegeben ist, teile, so gehe
ich von einem Bedingten zu den Bedingungen seiner Möglichkeit. Die
Teilung der Teile (subdivisio oder decompositio) ist ein Regressus
in der Reihe dieser Bedingungen. Die absolute Totalität dieser Reihe
würde nur alsdann gegeben sein, wenn der Regressus bis zu einfachen
Teilen gelangen könnte. Sind aber alle Teile in einer kontinuierlich
fortgehenden Dekomposition immer wiederum teilbar, so geht die
Teilung, d.i. der Regressus, von dem Bedingten zu seinen Bedingungen
in infinitum; weil die Bedingungen (die Teile) in dem Bedingten selbst
enthalten sind, und, da dieses in einer zwischen seinen Grenzen
eingeschlossenen Anschauung ganz gegeben ist, insgesamt auch mit
gegeben sind. Der Regressus darf also nicht bloß ein Rückgang in
indefinitum genannt werden, wie es die vorige kosmologische Idee
allein erlaubte, da ich vom Bedingten zu seinen Bedingungen, die,
außer demselben, mithin nicht dadurch zugleich mit so gegeben waren,
sondern die im empirischen Regressus allererst hinzukamen, fortgehen
sollte. Diesem ungeachtet ist es doch keineswegs erlaubt, von einem
solchen Ganzen, das ins Unendliche teilbar ist, zu sagen: es bestehe
aus unendlich viel Teilen. Denn obgleich alle Teile in der Anschauung
des Ganzen enthalten sind, so ist doch darin nicht die ganze Teilung
enthalten, welche nur in der fortgehenden Dekomposition, oder dem
Regressus selbst besteht, der die Reihe allererst wirklich macht. Da
dieser Regressus nun unendlich ist, so sind zwar alle Glieder (Teile),
zu denen er gelangt, in dem gegebenen Ganzen als Aggregate enthalten,
aber nicht die ganze Reihe der Teilung, welche sukzessivunendlich
und niemals ganz ist, folglich keine unendliche Menge, und keine
Zusammennehmung derselben in einem Ganzen darstellen kann.
Diese allgemeine Erinnerung läßt sich zuerst sehr leicht auf den
Raum anwenden. Ein jeder in seinen Grenzen angeschauter Raum ist ein
solches Ganzes, dessen Teile bei aller Dekomposition immer wiederum
Räume sind, und ist daher ins Unendliche teilbar.
Hieraus folgt auch ganz natürlich die weite Anwendung, auf eine
in ihren Grenzen eingeschlossene äußere Erscheinung (Körper). Die
Teilbarkeit desselben gründet sich auf die Teilbarkeit des Raumes, der
die Möglichkeit des Körpers, als eines ausgedehnten Ganzen, ausmacht.
Dieser ist also ins Unendliche teilbar, ohne doch darum aus unendlich
viel Teilen zu bestehen.
Es scheint zwar: daß, da ein Körper als Substanz im Raume vorgestellt
werden muß, er, was das Gesetz der Teilbarkeit des Raumes betrifft,
hierin von diesem unterschieden sein werde: denn man kann es
allenfalls wohl zugeben: daß die Dekomposition im letzteren niemals
alle Zusammensetzung wegschaffen könne, indem alsdann sogar aller
Raum, der sonst nichts Selbstständiges hat, aufhören würde (welches
unmöglich ist); allein daß, wenn alle Zusammensetzung der Materie in
Gedanken aufgehoben würde, gar nichts übrigbleiben solle, scheint
sich nicht mit dem Begriffe einer Substanz vereinigen zu lassen, die
eigentlich das Subjekt aller Zusammensetzung sein sollte, und in ihren
Elementen übrigbleiben müßte, wenngleich die Verknüpfung derselben im
Raume, dadurch sie einen Körper ausmachen, aufgehoben wäre. Allein mit
dem, was in der Erscheinung Substanz heißt, ist es nicht so bewandt,
als man es wohl von einem Dinge an sich selbst durch reinen
Verstandesbegriff denken würde. Jenes ist nicht absolutes Subjekt,
sondern beharrliches Bild der Sinnlichkeit und nichts als Anschauung,
in der überall nichts Unbedingtes angetroffen wird.
Ob nun aber gleich diese Regel des Fortschritts ins Unendliche bei der
Subdivision einer Erscheinung, als einer bloßen Erfüllung des Raumes,
ohne allen Zweifel stattfindet: so kann sie doch nicht gelten, wenn
wir sie auch auf die Menge der auf gewisse Weise in dem gegebenen
Ganzen schon abgesonderten Teile, dadurch diese ein quantum discretum
ausmachen, erstrecken wollen. Annehmen, daß in jedem gegliederten
(organisierten) Ganzen ein jeder Teil wiederum gegliedert sei, und daß
man auf solche Art, bei Zerlegung der Teile ins Unendliche, immer neue
Kunstteile antreffe, mit einem Worte, daß das Ganze ins Unendliche
gegliedert sei, will sich gar nicht denken lassen, obzwar wohl,
daß die Teile der Materie, bei ihrer Dekomposition ins Unendliche,
gegliedert werden könnten. Denn die Unendlichkeit der Teilung einer
gegebenen Erscheinung im Raume gründet sich allein darauf, daß durch
diese bloß die Teilbarkeit, d.i. eine an sich schlechthin unbestimmte
Menge von Teilen gegeben ist, die Teile selbst aber nur durch die
Subdivision gegeben und bestimmt werden, kurz, daß das Ganze nicht
an sich selbst schon eingeteilt ist. Daher die Teilung eine Menge in
demselben bestimmen kann, die so weit geht, als man im Regressus der
Teilung fortschreiten will. Dagegen wird bei einem ins Unendliche
gegliederten organischen Körper das Ganze eben durch diesen Begriff
schon als eingeteilt vorgestellt, und eine an sich selbst bestimmte,
aber unendliche Menge der Teile, vor allem Regressus der Teilung, in
ihm angetroffen, wodurch man sich selbst widerspricht; indem diese
unendliche Entwicklung als eine niemals zu vollendende Reihe
(unendlich), und gleichwohl doch in einer Zusammennehmung als
vollendet, angesehen wird. Die unendliche Teilung bezeichnet nur die
Erscheinung als quantum continuum und ist von der Erfüllung des Raumes
unzertrennlich; weil eben in derselben der Grund der unendlichen
Teilbarkeit liegt. Sobald aber etwas als quantum discretum angenommen
wird: so ist die Menge der Einheiten darin bestimmt; daher auch
jederzeit einer Zahl gleich. Wie weit also die Organisierung in einem
gegliederten Körper gehen möge, kann nur die Erfahrung ausmachen, und
wenn sie gleich mit Gewißheit zu keinem unorganischen Teile gelangte,
so müssen solche doch wenigstens in der möglichen Erfahrung liegen.
Aber wie weit sich die transzendentale Teilung einer Erscheinung
überhaupt erstrecke, ist gar keine Sache der Erfahrung, sondern
ein Prinzipium der Vernunft, den empirischen Regressus, in der
Dekomposition des Ausgedehnten, der Natur dieser Erscheinung gemäß,
niemals für schlechthin vollendet zu halten.
Schlußanmerkung
zur Auflösung der mathematisch-transzendentalen, und Vorerinnerung zur
Auflösung der dynamisch-transzendentalen Ideen
Als wir die Antinomie der reinen Vernunft durch alle transzendentalen
Ideen in einer Tafel vorstellten, da wir den Grund dieses Widerstreits
und das einzige Mittel, ihn zu heben, anzeigten, welches darin
bestand, daß beide entgegengesetzte Behauptungen für falsch erklärt
wurden: so haben wir allenthalben die Bedingungen, als zu ihrem
Bedingten nach Verhältnissen des Raumes und der Zeit gehörig,
vorgestellt, welches die gewöhnliche Voraussetzung des gemeinen
Menschenverstandes ist, worauf denn auch jener Widerstreit gänzlich
beruhte. In dieser Rücksicht waren auch alle dialektischen
Vorstellungen der Totalität, in der Reihe der Bedingungen zu einem
gegebenen Bedingten, durch und durch von gleicher Art. Es war immer
eine Reihe, in welcher die Bedingung mit dem Bedingten, als Glieder
derselben, verknüpft und dadurch gleichartig waren, da denn der
Regressus niemals vollendet gedacht, oder, wenn dieses geschehen
sollte, ein an sich bedingtes Glied fälschlich als ein erstes, mithin
als unbedingt angenommen werden müßte. Es würde also zwar nicht
allerwärts das Objekt, d.i. das Bedingte, aber doch die Reihe der
Bedingungen zu demselben, bloß ihrer Größe nach erwogen, und da
bestand die Schwierigkeit, die durch keinen Vergleich, sondern durch
gänzliche Abschneidung des Knotens allein gehoben werden konnte,
darin, daß die Vernunft es dem Verstande entweder zu lang oder zu kurz
machte, so, daß dieser ihrer Idee niemals gleich kommen konnte.
Wir haben aber hierbei einen wesentlichen Unterschied übersehen, der
unter den Objekten d.i. den Verstandesbegriffen herrscht, welche die
Vernunft zu Ideen zu erheben trachtet, da nämlich, nach unserer obigen
Tafel der Kategorien, zwei derselben mathematische, die zwei übrigen
aber eine dynamische Synthesis der Erscheinungen bedeuten. Bis hierher
konnte dieses auch gar wohl geschehen, indem, so wie wir in der
allgemeinen Vorstellung aller transzendentalen Ideen immer nur unter
Bedingungen in der Erscheinung blieben, eben so auch in den zwei
mathematischtranszendentalen keinen anderen Gegenstand, als den in der
Erscheinung hatten. Jetzt aber, da wir zu dynamischen Begriffen des
Verstandes, sofern sie der Vernunftidee anpassen sollen, fortgehen,
wird jene Unterscheidung wichtig, und eröffnet uns eine ganz neue
Aussicht in Ansehung des Streithandels, darin die Vernunft verflochten
ist, und welcher, da er vorher, als auf beiderseitige falsche
Voraussetzungen gebaut, abgewiesen worden, jetzt, da vielleicht in
der dynamischen Antinomie eine solche Voraussetzung stattfindet, die
mit der Prätension der Vernunft zusammen bestehen kann, aus diesem
Gesichtspunkte, und, da der Richter den Mangel der Rechtsgründe, die
man beiderseits verkannt hatte, ergänzt, zu beider Teile Genugtuung
verglichen werden kann, welches sich bei dem Streite in der
mathematischen Antinomie nicht tun ließ.