2. Ihrer Qualität nach 3. Den verschiedenen Zeiten nach,
einfach. in welchen sie da ist,
numerisch-identisch, d.i.
Einheit (nicht Vielheit).
4. Im Verhältnisse
zu möglichen Gegenständen im Raume*.
* Der Leser, der aus diesen Ausdrücken, in ihrer transzendentalen
Abgezogenheit, nicht so leicht den psychologischen Sinn derselben,
und warum das letztere Attribut der Seele zur Kategorie der Existenz
gehöre, erraten wird, wird sie in dem Folgenden hinreichend erklärt
und gerechtfertigt finden. Übrigens habe ich wegen der lateinischen
Ausdrücke, die statt der gleichbedeutenden deutschen, wider den
Geschmack der guten Schreibart, eingeflossen sind, sowohl bei
diesem Abschnitte, als auch in Ansehung des ganzen Werks, zur
Entschuldigung anzuführen: daß ich lieber etwas der Zierlichkeit der
Sprache habe entziehen, als den Schulgebrauch durch die mindeste
Unverständlichkeit erschweren wollen.
Aus diesen Elementen entspringen alle Begriffe der reinen Seelenlehre,
lediglich durch die Zusammensetzung, ohne im mindesten ein anderes
Prinzipium zu erkennen. Diese Substanz, bloß als Gegenstand des
inneren Sinnes, gibt den Begriff der Immaterialität; als einfache
Substanz, der Inkorruptibilität; die Identität derselben, als
intellektueller Substanz, gibt die Personalität; alle diese drei
Stücke zusammen die Spiritualität; das Verhältnis zu den Gegenständen
im Raume gibt das Kommerzium mit Körpern; mithin stellt sie die
denkende Substanz, als das Prinzipium des Lebens in der Materie, d.i.
sie als Seele (anima) und als den Grund der Animalität vor; diese
durch die Spiritualität eingeschränkt, Immortalität.
Hierauf beziehen sich nun vier Paralogismen einer transzendentalen
Seelenlehre, welche fälschlich für eine Wissenschaft der reinen
Vernunft, von der Natur unseres denkenden Wesens gehalten wird.
Zum Grunde derselben können wir aber nichts anderes legen, als die
einfache und für sich selbst an Inhalt gänzlich leere Vorstellung:
Ich; von der man nicht einmal sagen kann, daß sie ein Begriff sei,
sondern ein bloßes Bewußtsein, das alle Begriffe begleitet. Durch
dieses Ich, oder Er, oder Es (das Ding), welches denkt, wird nun
nichts weiter, als ein transzendentales Subjekt der Gedanken
vorgestellt = x, welches nur durch die Gedanken, die seine Prädikate
sind, erkannt wird, und wovon wir, abgesondert, niemals den mindesten
Begriff haben können; um welches wir uns daher in einem beständigen
Zirkel herumdrehen, indem wir uns seiner Vorstellung jederzeit
schon bedienen müssen, um irgend etwas von ihm zu urteilen; eine
Unbequemlichkeit, die davon nicht zu trennen ist, weil das Bewußtsein
an sich nicht sowohl eine Vorstellung ist, die ein besonderes Objekt
unterscheidet, sondern eine Form derselben überhaupt, sofern sie
Erkenntnis genannt werden soll; denn von der allein kann ich sagen,
daß ich dadurch irgend etwas denke.
Es muß aber gleich anfangs befremdlich scheinen, daß die Bedingung,
unter der ich überhaupt denke, und die mithin bloß eine Beschaffenheit
meines Subjekts ist, zugleich für alles, was denkt, gültig sein solle,
und daß wir auf einen empirisch scheinenden Satz ein apodiktisches und
allgemeines Urteil zu gründen uns anmaßen können, nämlich: daß alles,
was denkt, so beschaffen sei, als der Ausspruch des Selbstbewußtseins
es an mir aussagt. Die Ursache aber hiervon liegt darin: daß wir den
Dingen a priori alle die Eigenschaften notwendig beilegen müssen, die
die Bedingungen ausmachen, unter welchen wir sie allein denken. Nun
kann ich von einem denkenden Wesen durch keine äußere Erfahrung,
sondern bloß durch das Selbstbewußtsein die mindeste Vorstellung
haben. Also sind dergleichen Gegenstände nichts weiter, als die
Übertragung dieses meines Bewußtseins auf andere Dinge, welche nur
dadurch als denkende Wesen vorgestellt werden. Der Satz: Ich denke,
wird aber hierbei nur problematisch genommen; nicht sofern er eine
Wahrnehmung von einem Dasein enthalten mag, (das Cartesianische
cogito, ergo sum,) sondern seiner bloßen Möglichkeit nach, um zu
sehen, welche Eigenschaften aus diesem so einfachen Satze auf das
Subjekt desselben (es mag dergleichen nun existieren oder nicht)
fließen mögen.
Läge unserer reinen Vernunftserkenntnis von denkenden Wesen überhaupt
mehr, als das cogito zum Grunde; würden wir die Beobachtungen, über
das Spiel unserer Gedanken und die daraus zu schöpfenden Naturgesetze
des denkenden Selbst, auch zu Hilfe nehmen: so würde eine empirische
Psychologie entspringen, welche eine Art der Physiologie des inneren
Sinnes sein würde, und vielleicht die Erscheinungen desselben zu
erklären, niemals aber dazu dienen könnte, solche Eigenschaften, die
gar nicht zur möglichen Erfahrung gehören (als die des Einfachen), zu
eröffnen, noch von denkenden Wesen überhaupt etwas, das ihre Natur
betrifft, apodiktisch zu lehren; sie wäre also keine rationale
Psychologie.
Da nun der Satz: Ich denke (problematisch genommen), die Form eines
jeden Verstandesurteils überhaupt enthält und alle Kategorien als ihr
Vehikel begleitet, so ist klar: daß die Schlüsse aus demselben einen
bloß transzendentalen Gebrauch des Verstandes enthalten können,
welcher alle Beimischung der Erfahrung ausschlägt, und an dessen
Fortgang wir, nach dem, was wir oben gezeigt haben, uns schon zum
voraus keinen vorteilhaften Begriff machen können. Wir wollen ihn also
durch alle Prädikamente der reinen Seelenlehre mit einem kritischen
Auge verfolgen.