Beweis dieser ersten Analogie

Alle Erscheinungen sind in der Zeit. Diese kann auf zweifache Weise

das Verhältnis im Dasein derselben bestimmen, entweder sofern sie nach

einander oder zugleich sind. In Betracht der ersteren, wird die Zeit,

als Zeitreihe, in Ansehung der zweiten als Zeitumfang betrachtet.

Unsere Apprehension des Mannigfaltigen der Erscheinung ist jederzeit

sukzessiv, und ist also immer wechselnd. Wir können also dadurch

allein niemals bestimmen, ob dieses Mannigfaltige, als Gegenstand der

Erfahrung, zugleich sei, oder nacheinander folge, wo an ihr nicht

etwas zum Grunde liegt, was jederzeit ist, d.i. etwas Bleibendes und

Beharrliches, von welchem aller Wechsel und Zugleichsein nichts, als

so viel Arten (modi der Zeit) sind, wie das Beharrliche existiert.

Nur in dem Beharrlichen sind also Zeitverhältnisse möglich (denn

Simultaneität und Sukzession sind die einzigen Verhältnisse in der

Zeit), d.i. das Beharrliche ist das Substratum der empirischen

Vorstellung der Zeit selbst, an welchem alle Zeitbestimmung allein

möglich ist. Die Beharrlichkeit drückt überhaupt die Zeit, als das

beständige Korrelatum alles Daseins der Erscheinungen, alles Wechsels

und aller Begleitung, aus. Denn der Wechsel trifft die Zeit selbst

nicht, sondern nur die Erscheinungen in der Zeit, (so wie das

Zugleichsein nicht ein modus der Zeit selbst ist, als in welcher gar

keine Teile zugleich, sondern alle nacheinander sind). Wollte man der

Zeit selbst eine Folge nacheinander beilegen, so müßte man noch eine

andere Zeit denken, in welcher diese Folge möglich wäre. Durch das

Beharrliche allein bekommt das Dasein in verschiedenen Teilen der

Zeitreihe nacheinander eine Größe, die man Dauer nennt. Denn in der

bloßen Folge allein ist das Dasein immer verschwindend und anhebend,

und hat niemals die mindeste Größe. Ohne dieses Beharrliche

ist also kein Zeitverhältnis. Nun kann die Zeit an sich selbst

nicht wahrgenommen werden; mithin ist dieses Beharrliche an den

Erscheinungen das Substratum aller Zeitbestimmung, folglich auch

die Bedingung der Möglichkeit aller synthetischen Einheit der

Wahrnehmungen, d.i. der Erfahrung, und an diesem Beharrlichen kann

alles Dasein und aller Wechsel in der Zeit nur als ein modus der

Existenz dessen, was bleibt und beharrt, angesehen werden. Also ist in

allen Erscheinungen das Beharrliche der Gegenstand selbst, d.i. die

Substanz (phaenomenon), alles aber, was wechselt, oder wechseln kann,

gehört nur zu der Art, wie diese Substanz oder Substanzen existieren,

mithin zu ihren Bestimmungen.

Ich finde, daß zu allen Zeiten nicht bloß der Philosoph, sondern

selbst der gemeine Verstand diese Beharrlichkeit, als ein Substratum

alles Wechsels der Erscheinungen, vorausgesetzt haben, und auch

jederzeit als ungezweifelt annehmen werden, nur daß der Philosoph

sich hierüber etwas bestimmter ausdrückt, indem er sagt: bei allen

Veränderungen in der Welt bleibt die Substanz, und nur die Akzidenzen

wechseln. Ich treffe aber von diesem so synthetischen Satze nirgends

auch nur den Versuch von einem Beweise, ja er steht auch nur selten,

wie es ihm doch gebührt, an der Spitze der reinen und völlig a priori

bestehenden Gesetze der Natur. In der Tat ist der Satz, daß die

Substanz beharrlich sei, tautologisch. Denn bloß diese Beharrlichkeit

ist der Grund, warum wir auf die Erscheinung die Kategorie der

Substanz anwenden, und man hätte beweisen müssen, daß in allen

Erscheinungen etwas Beharrliches sei, an welchem das Wandelbare nichts

als Bestimmung seines Daseins ist. Da aber ein solcher Beweis niemals

dogmatisch, d.i. aus Begriffen, geführt werden kann, weil er einen

synthetischen Satz a priori betrifft, und man niemals daran dachte,

daß dergleichen Sätze nur in Beziehung auf mögliche Erfahrung gültig

sind, mithin auch nur durch eine Deduktion der Möglichkeit der

letzteren bewiesen werden können; so ist kein Wunder, wenn er zwar bei

aller Erfahrung zum Grunde gelegt (weil man dessen Bedürfnis bei der

empirischen Erkenntnis fühlt), niemals aber bewiesen worden ist.

Ein Philosoph wurde gefragt: wieviel wiegt der Rauch? Er antwortete:

ziehe von dem Gewichte des verbrannten Holzes das Gewicht der

übrigbleibenden Asche ab, so hast du das Gewicht des Rauchs. Er setzte

also als unwidersprechlich voraus: daß, selbst im Feuer, die Materie

(Substanz) nicht vergehe, sondern nur die Form derselben eine

Abänderung erleide. Ebenso war der Satz: aus nichts wird nichts, nur

ein anderer Folgesatz aus dem Grundsatze der Beharrlichkeit, oder

vielmehr des immerwährenden Daseins des eigentlichen Subjekts an

den Erscheinungen. Denn, wenn dasjenige an der Erscheinung, was man

Substanz nennen will, das eigentliche Substratum aller Zeitbestimmung

sein soll, so muß sowohl alles Dasein in der vergangenen, als das der

künftigen Zeit, daran einzig und allein bestimmt werden können. Daher

können wir einer Erscheinung nur darum den Namen Substanz geben, weil

wir ihr Dasein zu aller Zeit voraussetzen, welches durch das Wort

Beharrlichkeit nicht einmal wohl ausgedrückt wird, indem dieses mehr

auf künftige Zeit geht. Indessen ist die innere Notwendigkeit zu

beharren, doch unzertrennlich mit der Notwendigkeit, immer gewesen zu

sein, verbunden, und der Ausdruck mag also bleiben. Gigni de nihilo

nihil, in nihilum nil posse reverti, waren zwei Sätze, welche die

Alten unzertrennt verknüpften, und die man aus Mißverstand jetzt

bisweilen trennt, weil man sich vorstellt, daß sie Dinge an sich

selbst angehen, und der erstere der Abhängigkeit der Welt von einer

obersten Ursache (auch sogar ihrer Substanz nach) entgegen sein

dürfte; welche Besorgnis unnötig ist, indem hier nur von Erscheinungen

im Felde der Erfahrung die Rede ist, deren Einheit niemals möglich

sein würde, wenn wir neue Dinge (der Substanz nach) wollten entstehen

lassen. Denn alsdann fiele dasjenige weg, welches die Einheit der

Zeit allein vorstellen kann, nämlich die Identität des Substratum,

als woran aller Wechsel allein durchgängige Einheit hat. Diese

Beharrlichkeit ist indes doch weiter nichts, als die Art, uns das

Dasein der Dinge (in der Erscheinung) vorzustellen.

Die Bestimmungen einer Substanz, die nichts anderes sind, als

besondere Arten derselben zu existieren, heißen Akzidenzen. Sie

sind jederzeit real, weil sie das Dasein der Substanz betreffen,

(Negationen sind nur Bestimmungen, die das Nichtsein von etwas an

der Substanz ausdrücken). Wenn man nun diesem Realen an der Substanz

ein besonderes Dasein beigelegt, (z.E. der Bewegung, als einem

Akzidens der Materie,) so nennt man dieses Dasein die Inhärenz, zum

Unterschiede vom Dasein der Substanz, die man Subsistenz nennt.

Allein hieraus entspringen viel Mißdeutungen, und es ist genauer und

richtiger geredet, wenn man das Akzidens nur durch die Art, wie das

Dasein einer Substanz positiv bestimmt ist, bezeichnet. Indessen ist

es doch, vermöge der Bedingungen des logischen Gebrauchs unseres

Verstandes, unvermeidlich, dasjenige, was im Dasein einer Substanz

wechseln kann, indessen, daß die Substanz bleibt, gleichsam

abzusondern, und in Verhältnis auf das eigentliche Beharrliche und

Radikale zu betrachten; daher denn auch diese Kategorie unter dem

Titel der Verhältnisse steht, mehr als die Bedingung derselben, als

daß sie selbst ein Verhältnis enthielte.

Auf dieser Beharrlichkeit gründet sich nun auch die Berichtigung

des Begriffs von Veränderung. Entstehen und Vergehen sind nicht

Veränderungen desjenigen, was entsteht oder vergeht. Veränderung ist

eine Art zu existieren, welche auf eine andere Art zu existieren eben

desselben Gegenstandes erfolgt. Daher ist alles, was sich verändert,

bleibend, und nur sein Zustand wechselt. Da dieser Wechsel also nur

die Bestimmungen trifft, die aufhören oder auch anheben können, so

können wir, in einem etwas paradox scheinenden Ausdruck, sagen: nur

das Beharrliche (die Substanz) wird verändert, das Wandelbare erleidet

keine Veränderung, sondern einen Wechsel, da einige Bestimmungen

aufhören, und andere anheben.

Veränderung kann daher nur an Substanzen wahrgenommen werden, und das

Entstehen oder Vergehen, schlechthin, ohne daß es bloß eine Bestimmung

des Beharrlichen betreffe, kann gar keine mögliche Wahrnehmung sein,

weil eben dieses Beharrliche die Vorstellung von dem Übergange aus dem

Zustande in den anderen, und von Nichtsein zum Sein, möglich macht,

die also nur als wechselnde Bestimmungen dessen, was bleibt, empirisch

erkannt werden können. Nehmet an, daß etwas schlechthin anfange zu

sein; so müßt ihr einen Zeitpunkt haben, in dem es nicht war. Woran

wollt ihr aber diesen heften, wenn nicht an demjenigen, was schon da

ist? Denn eine leere Zeit, die vorherginge, ist kein Gegenstand der

Wahrnehmung; knüpft ihr dieses Entstehen aber an Dinge, die vorher

waren, und bis zu dem, was entsteht, fortdauern, so war das letztere

nur eine Bestimmung des ersteren, als des Beharrlichen. Ebenso ist es

auch mit dem Vergehen: denn dieses setzt die empirische Vorstellung

einer Zeit voraus, da eine Erscheinung nicht mehr ist.

Substanzen (in der Erscheinung) sind die Substrate aller

Zeitbestimmungen. Das Entstehen einiger, und das Vergehen anderer

derselben, würde selbst die einzige Bedingung der empirischen Einheit

der Zeit aufheben, und die Erscheinungen würden sich alsdann auf

zweierlei Zeit beziehen, in denen nebeneinander das Dasein verflösse,

welches ungereimt ist. Denn es ist nur Eine Zeit, in welcher alle

verschiedenen Zeiten nicht zugleich, sondern nacheinander gesetzt

werden müssen.

So ist demnach die Beharrlichkeit eine notwendige Bedingung, unter

welcher allein Erscheinungen, als Dinge oder Gegenstände, in einer

möglichen Erfahrung bestimmbar sind. Was aber das empirische Kriterium

dieser notwendigen Beharrlichkeit und mit ihr der Substantialität der

Erscheinungen sei, davon wird uns die Folge Gelegenheit geben, das

Nötige anzumerken.

B. Zweite Analogie

Grundsatz der Erzeugung

Alles, was geschieht (anhebt zu sein) setzt etwas voraus, worauf es

nach einer Regel folgt.

Die Apprehension des Mannigfaltigen der Erscheinung ist jederzeit

sukzessiv. Die Vorstellungen der Teile folgen aufeinander. Ob sie sich

auch im Gegenstande folgen, ist ein zweiter Punkt der Reflexion, der

in der ersteren nicht enthalten ist. Nun kann man zwar alles, und

sogar jede Vorstellung, sofern man sich ihrer bewußt ist, Objekt

nennen; allein was dieses Wort bei Erscheinungen zu bedeuten habe,

nicht, insofern sie (als Vorstellungen) Objekte sind, sondern nur ein

Objekt bezeichnen, ist von tieferer Untersuchung. Sofern sie, nur

als Vorstellungen zugleich Gegenstände des Bewußtseins sind, so sind

sie von der Apprehension, d.i. der Aufnahme in die Synthesis der

Einbildungskraft, gar nicht unterschieden, und man muß also sagen:

das Mannigfaltige der Erscheinungen wird im Gemüt jederzeit sukzessiv

erzeugt. Wären Erscheinungen Dinge an sich selbst, so würde kein

Mensch aus der Sukzession der Vorstellungen von ihrem Mannigfaltigen

ermessen können, wie dieses in dem Objekt verbunden sei. Denn wir

haben es doch nur mit unseren Vorstellungen zu tun; wie Dinge an sich

selbst (ohne Rücksicht auf Vorstellungen, dadurch sie uns affizieren,)

sein mögen, ist gänzlich außer unserer Erkenntnissphäre. Ob nun gleich

die Erscheinungen nicht Dinge an sich selbst, und gleichwohl doch das

einzige sind, was uns zur Erkenntnis gegeben werden kann, so soll ich

anzeigen, was dem Mannigfaltigen an den Erscheinungen selbst für eine

Verbindung in der Zeit zukomme, indessen daß die Vorstellung desselben

in der Apprehension jederzeit sukzessiv ist. So ist z.E. die

Apprehension des Mannigfaltigen in der Erscheinung eines Hauses, das

vor mir steht, sukzessiv. Nun ist die Frage: ob das Mannigfaltige

dieses Hauses selbst auch in sich sukzessiv sei, welches freilich

niemand zugeben wird. Nun ist aber, sobald ich meine Begriffe von

einem Gegenstande bis zur transzendentalen Bedeutung steigere, das

Haus gar kein Ding an sich selbst, sondern nur eine Erscheinung, d.i.

Vorstellung, dessen transzendentaler Gegenstand unbekannt ist; was

verstehe ich also unter der Frage: wie das Mannigfaltige in der

Erscheinung selbst (die doch nichts an sich selbst ist) verbunden sein

möge? Hier wird das, was in der sukzessiven Apprehension liegt, als

Vorstellung, die Erscheinung aber, die mir gegeben ist, ohnerachtet

sie nichts weiter als ein Inbegriff dieser Vorstellungen ist, als der

Gegenstand derselben betrachtet, mit welchem mein Begriff, den ich aus

den Vorstellungen der Apprehension ziehe, zusammenstimmen soll. Man

sieht bald, daß, weil Übereinstimmung der Erkenntnis mit dem Objekt

Wahrheit ist, hier nur nach den formalen Bedingungen der empirischen

Wahrheit gefragt werden kann, und Erscheinung, im Gegenverhältnis

mit den Vorstellungen der Apprehension, nur dadurch als das davon

unterschiedene Objekt derselben könne vorgestellt werden, wenn sie

unter einer Regel steht, welche sie von jeder anderen Apprehension

unterscheidet, und eine Art der Verbindung des Mannigfaltigen

notwendig macht. Dasjenige an der Erscheinung, was die Bedingung

dieser notwendigen Regel der Apprehension enthält, ist das Objekt.

Nun laßt uns zu unserer Aufgabe fortgehen. Daß etwas geschehe, d.i.

etwas, oder ein Zustand werde, der vorher nicht war, kann nicht

empirisch wahrgenommen werden, wo nicht eine Erscheinung vorhergeht,

welche diesen Zustand nicht in sich enthält; denn eine Wirklichkeit,

die auf eine leere Zeit folge mithin ein Entstehen, vor dem kein

Zustand der Dinge vorhergeht, kann ebensowenig, als die leere Zeit

selbst apprehendiert werden. Jede Apprehension einer Begebenheit ist

also eine Wahrnehmung, welche auf eine andere folgt. Weil dieses aber

bei aller Synthesis der Apprehension so beschaffen ist, wie ich oben

an der Erscheinung eines Hauses gezeigt habe, so unterscheidet sie

sich dadurch noch nicht von anderen. Allein ich bemerke auch. daß,

wenn ich an einer Erscheinung, welche ein Geschehen enthält, den

vorhergehenden Zustand der Wahrnehmung A, den folgenden aber B nenne,

daß B auf A in der Apprehension nur folgen, die Wahrnehmung A aber auf

B nicht folgen, sondern nur vorhergehen kann. Ich sehe z.B. ein Schiff

den Strom hinabtreiben. Meine Wahrnehmung seiner Stelle unterhalb,

folgt auf die Wahrnehmung der Stelle desselben oberhalb dem Laufe

des Flusses, und es ist unmöglich, daß in der Apprehension dieser

Erscheinung das Schiff zuerst unterhalb, nachher aber oberhalb des

Stromes wahrgenommen werden sollte. Die Ordnung in der Folge der

Wahrnehmungen in der Apprehension ist hier also bestimmt, und an

dieselbe ist die letztere gebunden. In dem vorigen Beispiele von einem

Hause konnten meine Wahrnehmungen in der Apprehension von der Spitze

desselben anfangen, und beim Boden endigen, aber auch von unten

anfangen, und oben endigen, imgleichen rechts oder links das

Mannigfaltige der empirischen Anschauung apprehendieren. In der Reihe

dieser Wahrnehmungen war also keine bestimmte Ordnung, welche es

notwendig machte, wenn ich in der Apprehension anfangen müßte, um das

Mannigfaltige empirisch zu verbinden. Diese Regel aber ist bei der

Wahrnehmung von dem, was geschieht, jederzeit anzutreffen, und sie

macht die Ordnung der einander folgenden Wahrnehmungen (in der

Apprehension dieser Erscheinung) notwendig.

Ich werde also, in unserem Fall, die subjektive Folge der Apprehension

von der objektiven Folge der Erscheinungen ableiten müssen, weil jene

sonst gänzlich unbestimmt ist, und keine Erscheinung von der anderen

unterscheidet. Jene allein beweist nichts von der Verknüpfung des

Mannigfaltigen am Objekt, weil sie ganz beliebig ist. Diese also wird

in der Ordnung des Mannigfaltigen der Erscheinung bestehen, nach

welcher die Apprehension des einen (was geschieht) auf die des anderen

(das vorhergeht) nach einer Regel folgt. Nur dadurch kann ich von der

Erscheinung selbst, und nicht bloß von meiner Apprehension, berechtigt

sein zu sagen: daß in jener eine Folge anzutreffen sei, welches so

viel bedeutet, als daß ich die Apprehension nicht anders anstellen

könne, als gerade in dieser Folge.

Nach einer solchen Regel also muß in dem, was überhaupt vor einer

Begebenheit vorhergeht, die Bedingung zu einer Regel liegen, nach

welcher jederzeit und notwendigerweise diese Begebenheit folgt;

umgekehrt aber kann ich nicht von der Begebenheit zurückgehen, und

dasjenige bestimmen (durch Apprehension) was vorhergeht. Denn von dem

folgenden Zeitpunkt geht keine Erscheinung zu dem vorigen zurück, aber

bezieht sich doch auf irgendeinen vorigen; von einer gegebenen Zeit

ist dagegen der Fortgang auf die bestimmte folgende notwendig. Daher,

weil es doch etwas ist, was folgt, so muß ich es notwendig auf etwas

anderes überhaupt beziehen, was vorhergeht, und worauf es nach einer

Regel, d.i. notwendigerweise, folgt, so daß die Begebenheit, als das

Bedingte, auf irgendeine Bedingung sichere Anweisung gibt, diese aber

die Begebenheit bestimmt.

Man setze, es gehe vor einer Begebenheit nichts vorher, worauf

dieselbe nach einer Regel folgen müßte, so wäre alle Folge der

Wahrnehmung nur lediglich in der Apprehension, d.i. bloß subjektiv,

aber dadurch gar nicht objektiv bestimmt, welches eigentlich das

Vorhergehende, und welches das Nachfolgende der Wahrnehmungen sein

müßte. Wir würden auf solche Weise nur ein Spiel der Vorstellungen

haben, das sich auf gar kein Objekt bezöge, d.i. es würde durch unsere

Wahrnehmung eine Erscheinung von jeder anderen, dem Zeitverhältnisse

nach, gar nicht unterschieden werden; weil die Sukzession im

Apprehendieren allerwärts einerlei, und also nichts in der Erscheinung

ist, was sie bestimmt, so daß dadurch eine gewisse Folge als objektiv

notwendig gemacht wird. Ich werde also nicht sagen: daß in der

Erscheinung zwei Zustände aufeinander folgen; sondern nur: daß eine

Apprehension auf die andere folgt, welches bloß etwas Subjektives ist,

und kein Objekt bestimmt, mithin gar nicht vor Erkenntnis irgendeines

Gegenstandes (selbst nicht in der Erscheinung) gelten kann.

Wenn wir also erfahren, daß etwas geschieht, so setzen wir dabei

jederzeit voraus, daß irgend etwas vorausgehe, worauf es nach einer

Regel folgt. Denn ohne dieses würde ich nicht von dem Objekt sagen,

daß es folge, weil die bloße Folge in meiner Apprehension, wenn sie

nicht durch eine Regel in Beziehung auf ein Vorhergehendes bestimmt

ist, keine Folge im Objekte berechtigt. Also geschieht es immer in

Rücksicht auf eine Regel, nach welcher die Erscheinungen in ihrer

Folge, d.i. so wie sie geschehen, durch den vorigen Zustand bestimmt

sind, daß ich meine subjektive Synthesis (der Apprehension) objektiv

mache, und, nur lediglich unter dieser Voraussetzung allein, ist

selbst die Erfahrung von etwas, was geschieht, möglich.

Zwar scheint es, als widerspreche dieses allen Bemerkungen, die man

jederzeit über den Gang unseres Verstandesgebrauchs gemacht hat, nach

welchen wir nur allererst durch die wahrgenommenen und verglichenen

übereinstimmenden Folgen vieler Begebenheiten auf vorhergehende

Erscheinungen, eine Regel zu entdecken, geleitet worden, der gemäß

gewisse Begebenheiten auf gewisse Erscheinungen jederzeit folgen,

und dadurch zuerst veranlaßt worden, uns den Begriff von Ursache zu

machen. Auf solchen Fuß würde dieser Begriff bloß empirisch sein, und

die Regel, die er verschafft, daß alles, was geschieht, eine Ursache

habe, würde ebenso zufällig sein, als die Erfahrung selbst: seine

Allgemeinheit und Notwendigkeit wären alsdann nur angedichtet, und

hätten keine wahre allgemeine Gültigkeit, weil sie nicht a priori,

sondern nur auf Induktion gegründet wären. Es geht aber hiemit so, wie

mit anderen reinen Vorstellungen a priori, (z.B. Raum und Zeit) die

wir darum allein aus der Erfahrung als klare Begriffe herausziehen

können, weil wir sie in die Erfahrung gelegt hatten, und diese daher

durch jene allererst zustande brachten. Freilich ist die logische

Klarheit dieser Vorstellung, einer die Reihe der Begebenheiten

bestimmenden Regel, als eines Begriffs von Ursache, nur alsdann

möglich, wenn wir davon in der Erfahrung Gebrauch gemacht haben, aber

eine Rücksicht auf dieselbe, als Bedingung der synthetischen Einheit

der Erscheinungen in der Zeit, war doch der Grund der Erfahrung

selbst, und ging also a priori vor ihr vorher.

Es kommt also darauf an, im Beispiele zu zeigen, daß wir niemals

selbst in der Erfahrung die Folge (einer Begebenheit, da etwas

geschieht, was vorher nicht war) dem Objekt beilegen, und sie von der

subjektiven unserer Apprehension unterscheiden, als wenn eine Regel

zum Grunde liegt, die uns nötig, diese Ordnung der Wahrnehmungen

vielmehr als eine andere zu beobachten, ja daß diese Nötigung es

eigentlich sei, was die Vorstellung einer Sukzession im Objekt

allererst möglich macht.

Wir haben Vorstellungen in uns, deren wir uns auch bewußt werden

können. Dieses Bewußtsein aber mag so weit erstreckt, und so genau

oder pünktlich sein, als man wolle, so bleiben es doch nur immer

Vorstellungen, d.i. innere Bestimmungen unseres Gemüts in diesem

oder jenem Zeitverhältnisse. Wie kommen wir nun dazu, daß wir diesen

Vorstellungen ein Objekt setzen, oder über ihre subjektive Realität,

als Modifikationen, ihnen noch, ich weiß nicht, was für eine,

objektive beilegen? Objektive Bedeutung kann nicht in der Beziehung

auf eine andere Vorstellung (von dem, was man vom Gegenstande nennen

wollte) bestehen, denn sonst erneuert sich die Frage: wie geht diese

Vorstellung wiederum aus sich selbst heraus, und bekommt objektive

Bedeutung noch über die subjektive, welche ihr, als Bestimmung des

Gemütszustandes, eigen ist? Wenn wir untersuchen, was denn die

Beziehung auf einen Gegenstand unseren Vorstellungen für eine neue

Beschaffenheit gebe, und welches die Dignität sei, die sie dadurch

erhalten, so finden wir, daß sie nichts weiter tue, als die Verbindung

der Vorstellungen auf eine gewisse Art notwendig zu machen, und sie

einer Regel zu unterwerfen; daß umgekehrt nur dadurch, daß eine

gewisse Ordnung in dem Zeitverhältnisse unserer Vorstellungen

notwendig ist, ihnen objektive Bedeutung erteilt wird.

In der Synthesis der Erscheinungen folgt das Mannigfaltige der

Vorstellungen jederzeit nacheinander. Hiedurch wird nun gar kein

Objekt vorgestellt; weil durch diese Folge, die allen Apprehensionen

gemein ist, nichts vom anderen unterschieden wird. Sobald ich aber

wahrnehme, oder voraus annehme, daß in dieser Folge eine Beziehung auf

den vorhergehenden Zustand sei, aus welchem die Vorstellung nach einer

Regel folgt, so stellt sich etwas vor als Begebenheit, oder was da

geschieht, d.i. ich erkenne einen Gegenstand, den ich in der Zeit

auf eine gewisse bestimmte Stelle setzen muß, die ihm, nach dem

vorhergehenden Zustande, nicht anders erteilt werden kann. Wenn ich

also wahrnehme, daß etwas geschieht, so ist in dieser Vorstellung

erstlich enthalten: daß etwas vorhergehe, weil eben in Beziehung auf

dieses die Erscheinung ihre Zeitverhältnis bekommt, nämlich, nach

einer vorhergehenden Zeit, in der sie nicht war, zu existieren. Aber

ihre bestimmte Zeitstelle in diesem Verhältnisse kann sie nur dadurch

bekommen, daß im vorhergehenden Zustande etwas vorausgesetzt wird,

worauf es jederzeit, d.i. nach einer Regel, folgt: woraus sich denn

ergibt, daß ich erstlich nicht die Reihe umkehren, und das, was

geschieht, demjenigen voransetzen kann, worauf es folgt: zweitens

daß, wenn der Zustand, der vorhergeht, gesetzt wird, diese bestimmte

Begebenheit unausbleiblich und notwendig folge. Dadurch geschieht es:

daß eine Ordnung unter unseren Vorstellungen wird, in welcher das

Gegenwärtige (sofern es geworden) auf irgendeinen vorhergehenden

Zustand Anweisung gibt, als ein, obzwar noch unbestimmtes Korrelatum

dieser Ereignis, die gegeben ist, welches sich aber auf diese, als

seine Folge, bestimmend bezieht, und sie notwendig mit sich in der

Zeitreihe verknüpft.

Wenn es nun ein notwendiges Gesetz unserer Sinnlichkeit, mithin eine

formale Bedingung aller Wahrnehmungen ist: daß die vorige Zeit die

folgende notwendig bestimmt (indem ich zur folgenden nicht anders

gelangen kann, als durch die vorhergehende); so ist es auch ein

unentbehrliches Gesetz der empirischen Vorstellung der Zeitreihe, daß

die Erscheinungen der vergangenen Zeit jedes Dasein in der folgenden

bestimmen, und daß diese, als Begebenheiten, nicht stattfinden, als

sofern jene ihnen ihr Dasein in der Zeit bestimmen, d.i. nach einer

Regel festsetzen. Denn nur an den Erscheinungen können wir diese

Kontinuität im Zusammenhange der Zeiten empirisch erkennen.

Zu aller Erfahrung und deren Möglichkeit gehört Verstand, und das

erste, was er dazu tut, ist nicht: daß er die Vorstellung der

Gegenstände deutlich macht, sondern daß er die Vorstellung eines

Gegenstandes überhaupt möglich macht. Dieses geschieht nun dadurch,

daß er die Zeitordnung auf die Erscheinungen und deren Dasein

überträgt, indem er jeder derselben als Folge eine, in Ansehung der

vorhergehenden Erscheinungen, a priori bestimmte Stelle in der Zeit

zuerkennt, ohne welche sie nicht mit der Zeit selbst, die allen ihren

Teilen a priori ihre Stelle bestimmt, übereinkommen würde. Diese

Bestimmung der Stelle kann nun nicht von dem Verhältnis der

Erscheinungen gegen die absolute Zeit entlehnt werden, (denn die ist

kein Gegenstand der Wahrnehmung,) sondern umgekehrt, die Erscheinungen

müssen einander ihre Stellen in der Zeit selbst bestimmen, und

dieselbe in der Zeitordnung notwendig machen, d.i. dasjenige, was da

folgt, oder geschieht, muß nach einer allgemeinen Regel auf das, was

im vorigen Zustande enthalten war, folgen, woraus eine Reihe der

Erscheinungen wird, die vermittelst des Verstandes eben dieselbige

Ordnung und stetigen Zusammenhang in der Reihe möglicher Wahrnehmungen

hervorbringt, und notwendig macht, als sie in der Form der inneren

Anschauung, (der Zeit) darin alle Wahrnehmungen ihre Stelle haben

müßten, a priori angetroffen wird.

Daß also etwas geschieht, ist eine Wahrnehmung, die zu einer möglichen

Erfahrung gehört, die dadurch wirklich wird, wenn ich die Erscheinung,

ihrer Stelle nach, in der Zeit, als bestimmt, mithin als ein Objekt

ansehe, welches nach einer Regel im Zusammenhange der Wahrnehmungen

jederzeit gefunden werden kann. Diese Regel aber, etwas der Zeitfolge

nach zu bestimmen, ist: daß in dem, was vorhergeht, die Bedingung

anzutreffen sei, unter welcher die Begebenheit jederzeit (d.i.

notwendigerweise) folgt. Also ist der Satz vom zureichenden Grunde

der Grund möglicher Erfahrung, nämlich der objektiven Erkenntnis der

Erscheinungen, in Ansehung des Verhältnisses derselben, in Reihenfolge

der Zeit.

Der Beweisgrund dieses Satzes aber beruht lediglich auf folgenden

Momenten. Zu aller empirischen Erkenntnis gehört die Synthesis des

Mannigfaltigen durch die Einbildungskraft, die jederzeit sukzessiv

ist; d.i. die Vorstellungen folgen in ihr jederzeit aufeinander. Die

Folge aber ist in der Einbildungskraft der Ordnung nach (was vorgehen

und was folgen müsse) gar nicht bestimmt, und die Reihe der einen

der folgenden Vorstellungen kann ebensowohl rückwärts als vorwärts

genommen werden. Ist aber diese Synthesis eine Synthesis der

Apprehension (des Mannigfaltigen einer gegebenen Erscheinung), so ist

die Ordnung im Objekt bestimmt, oder, genauer zu reden, es ist darin

eine Ordnung der sukzessiven Synthesis, die ein Objekt bestimmt, nach

welcher etwas notwendig vorausgehen, und wenn dieses gesetzt ist,

das andere notwendig folgen müsse. Soll also meine Wahrnehmung die

Erkenntnis einer Begebenheit enthalten, da nämlich etwas wirklich

geschieht; so muß sie ein empirisches Urteil sein, in welchem man

sich denkt, daß die Folge bestimmt sei, d.i. daß sie eine andere

Erscheinung der Zeit nach voraussetze, worauf sie notwendig, oder nach

einer Regel folgt. Widrigenfalls, wenn ich das Vorhergehende setze,

und die Begebenheit folgte nicht darauf notwendig, so würde ich sie

nur für ein subjektives Spiel meiner Einbildungen halten müssen, und

stellte ich mir darunter doch etwas Objektives vor, sie einen bloßen

Traum nennen. Also ist das Verhältnis der Erscheinungen (als möglicher

Wahrnehmungen), nach welchem das Nachfolgende (was geschieht) durch

etwas Vorhergehendes seinem Dasein nach notwendig, und nach einer

Regel in der Zeit bestimmt ist, mithin das Verhältnis der Ursache zur

Wirkung die Bedingung der objektiven Gültigkeit unserer empirischen

Urteile, in Ansehung der Reihe der Wahrnehmungen, mithin der

empirischen Wahrheit derselben, und also der Erfahrung. Der Grundsatz

des Kausalverhältnisses in der Folge der Erscheinungen gilt daher

auch vor allen Gegenständen der Erfahrung (unter den Bedingungen der

Sukzession), weil er selbst der Grund der Möglichkeit einer solchen

Erfahrung ist.

Hier äußert sich aber noch eine Bedenklichkeit, die gehoben werden

muß. Der Satz der Kausalverknüpfung unter den Erscheinungen ist in

unserer Formel auf die Reihenfolge derselben eingeschränkt, da es

sich doch bei dem Gebrauch desselben findet, daß er auch auf ihre

Begleitung passe, und Ursache und Wirkung zugleich sein könne. Es ist

z.B. Wärme im Zimmer, die nicht in freier Luft angetroffen wird. Ich

sehe mich nach der Ursache um, und finde einen geheizten Ofen. Nun ist

dieser, als Ursache, mit seiner Wirkung, der Stubenwärme, zugleich;

also ist hier keine Reihenfolge, der Zeit nach, zwischen Ursache und

Wirkung, sondern sie sind zugleich, und das Gesetz gilt doch. Der

größte Teil der wirkenden Ursache in der Natur ist mit ihren Wirkungen

zugleich, und die Zeitfolge der letzteren wird nur dadurch veranlaßt,

daß die Ursache ihre ganze Wirkung nicht in einem Augenblick

verrichten kann. Aber in dem Augenblicke, da sie zuerst entsteht, ist

sie mit der Kausalität ihrer Ursache jederzeit zugleich, weil, wenn

jene einen Augenblick vorher aufgehört hätte zu sein, diese gar nicht

entstanden wäre. Hier muß man wohl bemerken, daß es auf die Ordnung

der Zeit, und nicht auf den Ablauf derselben angesehen sei; das

Verhältnis bleibt, wenngleich keine Zeit verlaufen ist. Die Zeit

zwischen der Kausalität der Ursache, und deren unmittelbaren Wirkung,

kann verschwindend (sie also zugleich) sein, aber das Verhältnis der

einen zur anderen bleibt doch immer, der Zeit nach, bestimmbar. Wenn

ich eine Kugel, die auf einem ausgestopften Kissen liegt, und ein

Grübchen darin drückt, als Ursache betrachte, so ist sie mit der

Wirkung zugleich. Allein ich unterscheide doch beide durch das

Zeitverhältnis der dynamischen Verknüpfung beider. Denn, wenn ich die

Kugel auf das Kissen lege, so folgt auf die vorige glatte Gestalt

desselben das Grübchen; hat aber das Kissen (ich weiß nicht woher) ein

Grübchen, so folgt darauf nicht eine bleierne Kugel.

Demnach ist die Zeitfolge allerdings das einzige empirische Kriterium

der Wirkung, in Beziehung auf die Kausalität der Ursache, die

vorhergeht. Das Glas ist die Ursache von dem Steigen des Wassers über

seine Horizontalfläche, obgleich beide Erscheinungen zugleich sind.

Denn sobald ich dieses aus einem größeren Gefäß mit dem Glase schöpfe,

so erfolgt etwas, nämlich die Veränderung des Horizontalstandes, den

es dort hatte, in einen konkaven, den es im Glase annimmt.

Diese Kausalität führt auf den Begriff der Handlung, diese auf den

Begriff der Kraft, und dadurch auf den Begriff der Substanz. Da ich

mein kritisches Vorhaben, welches lediglich auf die Quellen der

synthetischen Erkenntnis a priori geht, nicht mit Zergliederungen

bemengen will, die bloß die Erläuterung (nicht Erweiterung) der

Begriffe angehen, so überlasse ich die umständliche Erörterung

derselben einem künftigen System der reinen Vernunft: wiewohl man eine

solche Analysis im reichen Maße, auch schon in den bisher bekannten

Lehrbüchern dieser Art, antrifft. Allein das empirische Kriterium

einer Substanz, sofern sie sich nicht durch die Beharrlichkeit der

Erscheinung, sondern besser und leichter durch Handlung zu offenbaren

scheint, kann ich nicht unberührt lassen.

Wo Handlung, mithin Tätigkeit und Kraft ist, da ist auch Substanz,

und in dieser allein muß der Sitz jener fruchtbaren Quelle der

Erscheinungen gesucht werden. Das ist ganz gut gesagt; aber, wenn man

sich darüber erklären soll, was man unter Substanz verstehe, und dabei

den fehlerhaften Zirkel vermeiden will, so ist es nicht so leicht

verantwortet. Wie will man aus der Behandlung sogleich auf die

Beharrlichkeit des Handelnden schließen, welches doch ein so

wesentliches und eigentümliches Kennzeichen der Substanz (phaenomenon)

ist? Allein, nach unserem vorigen hat die Auflösung der Frage doch

keine solche Schwierigkeit, ob sie gleich nach der gemeinen Art (bloß

analytisch mit seinen Begriffen zu verfahren) ganz unauflöslich

sein würde. Handlung bedeutet schon das Verhältnis des Subjekts der

Kausalität zur Wirkung. Weil nun alle Wirkung in dem besteht, was da

geschieht, mithin im Wandelbaren, was die Zeit der Sukzession nach

bezeichnet; so ist das letzte Subjekt desselben das Beharrliche, als

das Substratum alles Wechselnden, d.i. die Substanz. Denn nach dem

Grundsatze der Kausalität sind Handlungen immer der erste Grund von

allem Wechsel der Erscheinungen, und können also nicht in einem

Subjekt liegen, was selbst wechselt, weil sonst andere Handlungen und

ein anderes Subjekt, welches diesen Wechsel bestimmte, erforderlich

wären. Kraft dessen beweist nun Handlung, als ein hinreichendes

empirisches Kriterium, die Substantialität, ohne daß ich die

Beharrlichkeit desselben durch verglichene Wahrnehmungen allererst

zu suchen nötig hätte, welches auch auf diesem Wege mit der

Ausführlichkeit nicht geschehen könnte, die zu der Größe und strengen

Allgemeingültigkeit des Begriffs erforderlich ist. Denn daß das erste

Subjekt der Kausalität alles Entstehens und Vergehens selbst nicht

(im Felde der Erscheinungen) entstehen und vergehen könne, ist ein

sicherer Schluß, der auf empirische Notwendigkeit und Beharrlichkeit

im Dasein, mithin auf den Begriff einer Substanz als Erscheinung

ausläuft.

Wenn etwas geschieht, so ist das bloße Entstehen, ohne Rücksicht

auf das, was da entsteht, schon an sich selbst ein Gegenstand der

Untersuchung. Der Übergang aus dem Nichtsein eines Zustandes in diesen

Zustand, gesetzt, daß dieser auch keine Qualität in der Erscheinung

enthielte, ist schon allein nötig zu untersuchen. Dieses Entstehen

trifft, wie in der Nummer A gezeigt worden, nicht die Substanz

(denn die entsteht nicht), sondern ihren Zustand. Es ist also bloß

Veränderung, und nicht Ursprung aus Nichts. Wenn dieser Ursprung

als Wirkung von einer fremden Ursache angesehen wird, so heißt er

Schöpfung, welche als Begebenheit unter den Erscheinungen nicht

zugelassen werden kann, indem ihre Möglichkeit allein schon die

Einheit der Erfahrung aufheben würde, obzwar, wenn ich alle Dinge

nicht als Phänomene, sondern als Dinge an sich betrachte, und als

Gegenstände des bloßen Verstandes, sie, obschon sie Substanzen sind,

dennoch wie abhängig ihrem Dasein nach von fremder Ursache angesehen

werden können; welches aber alsdann ganz andere Wortbedeutungen nach

sich ziehen, und auf Erscheinungen, als mögliche Gegenstände der

Erfahrung, nicht passen würde.

Wie nun überhaupt etwas verändert werden könne; wie es möglich ist,

daß auf einen Zustand in einem Zeitpunkte ein entgegengesetzter im

anderen folgen könne: davon haben wir a priori nicht den mindesten

Begriff. Hierzu wird die Kenntnis wirklicher Kräfte erfordert, welche

nur empirisch gegeben werden kann, z.B. der bewegenden Kräfte, oder,

welches einerlei ist, gewisser sukzessiver Erscheinungen, (als

Bewegungen) welche solche Kräfte anzeigen. Aber die Form einer jeden

Veränderung, die Bedingung, unter welcher sie, als ein Entstehen eines

anderen Zustandes, allein vorgehen kann, (der Inhalt derselben, d.i.

der Zustand, der verändert wird, mag sein, welcher er wolle), mithin

die Sukzession der Zustände selbst (das Geschehene) kann doch nach dem

Gesetze der Kausalität und den Bedingungen der Zeit a priori erwogen

werden*.

* Man merke wohl: daß ich nicht von der Veränderung gewisser

Relationen überhaupt, sondern von Veränderung des Zustandes rede.

Daher, wenn ein Körper sich gleichförmig bewegt, so verändert er

seinen Zustand (der Bewegung) gar nicht; aber wohl, wenn seine

Bewegung zu- und abnimmt.

Wenn eine Substanz aus einem Zustande a in einen anderen b übergeht,

so ist der Zeitpunkt des zweiten vom Zeitpunkte des ersteren Zustandes

unterschieden, und folgt demselben. Ebenso ist auch der zweite Zustand

als Realität (in der Erscheinung) vom ersteren, darin diese nicht war,

wie b vom Zero unterschieden; d.i. wenn der Zustand b sich auch von

dem Zustande a nur der Größe nach unterschiede, so ist die Veränderung

ein Entstehen von b-a, welches im vorigen Zustande nicht war, und in

Ansehung dessen er = o ist.

Es frägt sich also, wie ein Ding aus einem Zustande = a in einen

anderen = b übergehe. Zwischen zwei Augenblicken ist immer eine Zeit,

und zwischen zwei Zuständen in denselben immer ein Unterschied, der

eine Größe hat, (denn alle Teile der Erscheinungen sind immer wiederum

Größen). Also geschieht jeder Übergang aus einem Zustande in den

anderen in einer Zeit, die zwischen zwei Augenblicken enthalten ist,

deren der erste den Zustand bestimmt, aus welchem das Ding herausgeht,

der zweite den, in welchen es gelangt. Beide also sind Grenzen der

Zeit einer Veränderung, mithin des Zwischenzustandes zwischen beiden

Zuständen, und gehören als solche mit zu der ganzen Veränderung. Nun

hat jede Veränderung eine Ursache, welche in der ganzen Zeit, in

welcher jene vorgeht, ihre Kausalität beweist. Also bringt diese

Ursache ihre Veränderung nicht plötzlich (auf einmal oder in einem

Augenblicke) hervor, sondern in einer Zeit, so, daß, wie die Zeit vom

Anfangsaugenblicke a bis zu ihrer Vollendung in b wächst, auch die

Größe der Realität (b-a) durch alle kleineren Grade, die zwischen dem

ersten und letzten enthalten sind, erzeugt wird. Alle Veränderung ist

also nur durch eine kontinuierliche Handlung der Kausalität möglich,

welche, sofern sie gleichförmig ist, ein Moment heißt. Aus diesen

Momenten besteht nicht die Veränderung, sondern wird dadurch erzeugt

als ihre Wirkung.

Das ist nun das Gesetz der Kontinuität aller Veränderung, dessen Grund

dieser ist: daß weder die Zeit, noch auch die Erscheinung in der Zeit,

aus Teilen besteht, die die kleinsten sind, und daß doch der Zustand

des Dinges bei seiner Veränderung durch alle diese Teile, als

Elemente, zu seinem zweiten Zustande übergehe. Es ist kein Unterschied

des Realen in der Erscheinung, so wie kein Unterschied in der Größe

der Zeiten, der kleinste, und so erwächst der neue Zustand der

Realität von dem ersten an, darin diese nicht war, durch alle

unendlichen Grade derselben, deren Unterschiede voneinander insgesamt

kleiner sind, als der zwischen o und a.

Welchen Nutzen dieser Satz in der Naturforschung haben möge, das geht

uns hier nichts an. Aber, wie ein solcher Satz, der unsere Erkenntnis

der Natur so zu erweitern scheint, völlig a priori möglich sei, das

erfordert gar sehr unsere Prüfung, wenngleich der Augenschein beweist,

daß er wirklich und richtig sei, und man also der Frage, wie er

möglich gewesen, überhoben zu sein glauben möchte. Denn es gibt so

mancherlei ungegründete Anmaßungen der Erweiterung unserer Erkenntnis

durch reine Vernunft: daß es zum allgemeinen Grundsatz angenommen

werden muß, deshalb durchaus mißtrauisch zu sein, und ohne Dokumente,

die eine gründliche Deduktion verschaffen können, selbst auf den

klarsten dogmatischen Beweis nichts dergleichen zu glauben und

anzunehmen.

Aller Zuwachs des empirischen Erkenntnisses, und jeder Fortschritt

der Wahrnehmung ist nichts, als eine Erweiterung der Bestimmung des

inneren Sinnes, d.i. ein Fortgang in der Zeit, die Gegenstände mögen

sein, welche sie wollen, Erscheinungen, oder reine Anschauungen.

Dieser Fortgang in der Zeit bestimmt alles, und ist an sich selbst

durch nichts weiter bestimmt: d.i. die Teile desselben sind nur in

der Zeit, und durch die Synthesis derselben, sie aber nicht vor ihr

gegeben. Um deswillen ist ein jeder Übergang in der Wahrnehmung zu

etwas, was in der Zeit folgt, eine Bestimmung der Zeit durch die

Erzeugung dieser Wahrnehmung, und da jene, immer und in allen ihren

Teilen, eine Größe ist, die Erzeugung einer Wahrnehmung als einer

Größe durch alle Grade, deren keiner der kleinste ist, von dem Zero

an, bis zu ihrem bestimmten Grad. Hieraus erhellt nun die Möglichkeit,

ein Gesetz der Veränderungen, ihrer Form nach, a priori zu erkennen.

Wir antizipieren nur unsere eigene Apprehension, deren formale

Bedingung, da sie uns vor aller gegebenen Erscheinung selbst beiwohnt,

allerdings a priori muß erkannt werden können.

So ist demnach, ebenso, wie die Zeit die sinnliche Bedingung a

priori von der Möglichkeit eines kontinuierlichen Fortganges des

Existierenden zu dem Folgenden enthält, der Verstand, vermittelst der

Einheit der Apperzeption, die Bedingung a priori der Möglichkeit einer

kontinuierlichen Bestimmung aller Stellen für die Erscheinungen in

dieser Zeit, durch die Reihe von Ursachen und Wirkungen, deren die

ersteren der letzteren ihr Dasein unausbleiblich nach sich ziehen, und

dadurch die empirische Erkenntnis der Zeitverhältnisse für jede Zeit

(allgemein) mithin objektiv gültig machen.

C. Dritte Analogie

Grundsatz der Gemeinschaft

Alle Substanzen, sofern sie zugleich sind, stehen in durchgängiger

Gemeinschaft, (d.i. Wechselwirkung untereinander).

Kritik der reinen Vernunft (Erste Fassung 1781) · 第 27 / 70 题