1. Von der Synthesis der Apprehension in der Anschauung

Unsere Vorstellungen mögen entspringen, woher sie wollen, ob sie durch

den Einfluß äußerer Dinge, oder durch innere Ursachen gewirkt seien,

sie mögen a priori, oder empirisch als Erscheinungen entstanden sein;

so gehören sie doch als Modifikationen des Gemüts zum inneren Sinn,

und als solche sind alle unsere Erkenntnisse zuletzt doch der formalen

Bedingung des inneren Sinnes, nämlich der Zeit unterworfen, als in

welcher sie insgesamt geordnet, verknüpft und in Verhältnisse gebracht

werden müssen. Dieses ist eine allgemeine Anmerkung, die man bei dem

Folgenden durchaus zum Grunde legen muß.

Jede Anschauung enthält ein Mannigfaltiges in sich, welches doch nicht

als ein solches vorgestellt werden würde, wenn das Gemüt nicht die

Zeit, in der Folge der Eindrücke aufeinander unterschiede: denn

als in einem Augenblick enthalten, kann jede Vorstellung niemals

etwas anderes, als absolute Einheit sein. Damit nun aus diesem

Mannigfaltigen Einheit der Anschauung werde, (wie etwa in der

Vorstellung des Raumes) so ist erstlich das Durchlaufen der

Mannigfaltigkeit und dann die Zusammennehmung desselben notwendig,

welche Handlung ich die Synthesis der Apprehension nenne, weil sie

geradezu auf die Anschauung gerichtet ist, die zwar ein Mannigfaltiges

darbietet, dieses aber als ein solches, und zwar in einer Vorstellung

enthalten, niemals ohne eine dabei vorkommende Synthesis bewirken

kann.

Diese Synthesis der Apprehension muß nun auch a priori, d.i. in

Ansehung der Vorstellungen, die nicht empirisch sind, ausgeübt werden.

Denn ohne sie würden wir weder die Vorstellungen des Raumes, noch

der Zeit a priori haben können: da diese nur durch die Synthesis des

Mannigfaltigen, welches die Sinnlichkeit in ihrer ursprünglichen

Rezeptivität darbietet, erzeugt werden können. Also haben wir eine

reine Synthesis der Apprehension.

Kritik der reinen Vernunft (Erste Fassung 1781) · 第 21 / 70 题