Übergang zur transz. Deduktion der Kategorien

Es sind nur zwei Fälle möglich, unter denen synthetische

Vorstellung und ihre Gegenstände zusammentreffen, sich aufeinander

notwendigerweise beziehen, und gleichsam einander begegnen können.

Entweder wenn der Gegenstand die Vorstellung, oder diese den

Gegenstand allein möglich macht. Ist das erstere, so ist diese

Beziehung nur empirisch, und die Vorstellung ist niemals a priori

möglich. Und dies ist der Fall mit Erscheinung, in Ansehung dessen,

was an ihnen zur Empfindung gehört. Ist aber das zweite, weil

Vorstellung an sich selbst (denn von dessen Kausalität, vermittelst

des Willens, ist hier gar nicht die Rede,) ihren Gegenstand dem Dasein

nach nicht hervorbringt, so ist doch die Vorstellung in Ansehung des

Gegenstandes alsdann a priori bestimmend, wenn durch sie allein es

möglich ist, etwas als einen Gegenstand zu erkennen. Es sind aber zwei

Bedingungen, unter denen allein die Erkenntnis eines Gegenstandes

möglich ist, erstlich Anschauung, dadurch derselbe, aber nur als

Erscheinung, gegeben wird: zweitens Begriff, dadurch ein Gegenstand

gedacht wird, der dieser Anschauung entspricht. Es ist aber aus dem

obigen klar, daß die erste Bedingung, nämlich die, unter der allein

Gegenstände angeschaut werden können, in der Tat den Objekten der

Form nach a priori im Gemüt zum Grunde liegen. Mit dieser formalen

Bedingung der Sinnlichkeit stimmen also alle Erscheinungen notwendig

überein, weil sie nur durch dieselbe erscheinen, d.i. empirisch

angeschaut und gegeben werden können. Nun frägt es sich, ob nicht auch

Begriffe a priori vorausgehen, als Bedingungen, unter denen allein

etwas, wenngleich nicht angeschaut, dennoch als Gegenstand überhaupt

gedacht wird, denn alsdann ist alle empirische Erkenntnis der

Gegenstände solchen Begriffen notwendigerweise gemäß, weil, ohne

deren Voraussetzung, nichts als Objekt der Erfahrung möglich ist. Nun

enthält aber alle Erfahrung außer der Anschauung der Sinne, wodurch

etwas gegeben wird, noch einen Begriff von einem Gegenstande, der

in der Anschauung gegeben wird, oder erscheint: demnach werden

Begriffe von Gegenständen überhaupt, als Bedingungen a priori aller

Erfahrungserkenntnis zum Grunde liegen: folglich wird die objektive

Gültigkeit der Kategorien, als Begriffe a priori, darauf beruhen, daß

durch sie allein Erfahrung (der Form des Denkens nach) möglich sei.

Denn alsdann beziehen sie sich notwendigerweise und a priori auf

Gegenstände der Erfahrung, weil nur vermittelst ihrer überhaupt

irgendein Gegenstand der Erfahrung gedacht werden kann.

Die transz. Deduktion aller Begriffe a priori hat also ein Prinzipium,

worauf die ganze Nachforschung gerichtet werden muß, nämlich dieses:

daß sie als Bedingungen a priori der Möglichkeit der Erfahrungen

erkannt werden müssen, (es sei der Anschauung, die in ihr angetroffen

wird, oder des Denkens). Begriffe, die den objektiven Grund der

Möglichkeit der Erfahrung abgeben, sind eben darum notwendig. Die

Entwicklung der Erfahrung aber, worin sie angetroffen werden, ist

nicht ihre Deduktion, (sondern Illustration,) weil sie dabei doch nur

zufällig sein würden. Ohne diese ursprüngliche Beziehung auf mögliche

Erfahrung, in welcher alle Gegenstände der Erkenntnis vorkommen, würde

die Beziehung derselben auf irgendein Objekt gar nicht begriffen

werden können.

Es sind aber drei ursprüngliche Quellen, (Fähigkeiten oder Vermögen

der Seele) die die Bedingungen der Möglichkeit aller Erfahrung

enthalten, und selbst aus keinem anderen Vermögen des Gemüts

abgeleitet werden können, nämlich, Sinn, Einbildungskraft, und

Apperzeption. Darauf gründet sich l) die Synopsis des Mannigfaltigen

a priori durch den Sinn; 2) die Synthesis dieses Mannigfaltigen durch

die Einbildungskraft; endlich 3) die Einheit dieser Synthesis durch

ursprüngliche Apperzeption. Alle diese Vermögen haben, außer dem

empirischen Gebrauche, noch einen transz., der lediglich auf die Form

geht, und a priori möglich ist. Von diesem haben wir in Ansehung der

Sinne oben im ersten Teile geredet, die zwei anderen aber wollen wir

jetzt ihrer Natur nach einzusehen trachten.

Der Deduktion der reinen Verstandesbegriffe

Zweiter Abschnitt

Von den Gründen a priori zur Möglichkeit der Erfahrung

Daß ein Begriff völlig a priori erzeugt werden, und sich auf einen

Gegenstand beziehen solle, obgleich er weder selbst in den Begriff

möglicher Erfahrung gehört, noch aus Elementen einer möglichen

Erfahrung besteht, ist gänzlich widersprechend und unmöglich. Denn er

würde alsdann keinen Inhalt haben, darum, weil ihm keine Anschauung

korrespondierte, indem Anschauungen überhaupt, wodurch uns Gegenstände

gegeben werden können, das Feld, oder den gesamten Gegenstand

möglicher Erfahrung ausmachen. Ein Begriff a priori, der sich nicht

auf diese bezöge, würde nur die logische Form zu einem Begriff, aber

nicht der Begriff selbst sein, wodurch etwas gedacht würde.

Wenn es also reine Begriffe a priori gibt, so können diese zwar

freilich nichts Empirisches enthalten: sie müssen aber gleichwohl

lauter Bedingungen a priori zu einer möglichen Erfahrung sein, als

worauf allein ihre objektive Realität beruhen kann.

Will man daher wissen, wie reine Verstandesbegriffe möglich seien, so

muß man untersuchen, welches die Bedingungen a priori seien, worauf

die Möglichkeit der Erfahrung ankommt, und die ihr zum Grunde liegen,

wenn man gleich von allem Empirischen der Erscheinungen abstrahiert.

Ein Begriff, der diese formale und objektive Bedingung der Erfahrung

allgemein und zureichend ausdrückt, würde ein reiner Verstandesbegriff

heißen. Habe ich einmal reine Verstandesbegriffe, so kann ich auch

wohl Gegenstände erdenken, die vielleicht unmöglich, vielleicht zwar

an sich möglich, aber in keiner Erfahrung gegeben werden können, indem

in der Verknüpfung jener Begriffe etwas weggelassen sein kann, was

doch zur Bedingung einer möglichen Erfahrung notwendig gehört,

(Begriff eines Geistes) oder etwa reine Verstandesbegriffe weiter

ausgedehnt werden, als Erfahrung fassen kann (Begriff von Gott). Die

Elemente aber zu allen Erkenntnissen a priori selbst zu willkürlichen

und ungereimten Erdichtungen können zwar nicht von der Erfahrung

entlehnt sein, (denn sonst wären sie nicht Erkenntnisse a priori) sie

müssen aber jederzeit die reinen Bedingungen a priori einer möglichen

Erfahrung und eines Gegenstandes derselben enthalten, denn sonst würde

nicht allein durch sie gar nichts gedacht werden, sondern sie selber

würden ohne Data auch nicht einmal im Denken entstehen können.

Diese Begriffe nun, welche a priori das reine Denken bei jeder

Erfahrung enthalten, finden wir an den Kategorien, und es ist schon

eine hinreichende Deduktion derselben, und Rechtfertigung ihrer

objektiven Gültigkeit, wenn wir beweisen können: daß vermittels ihrer

allein ein Gegenstand gedacht werden kann. Weil aber in einem solchen

Gedanken mehr als das einzige Vermögen zu denken, nämlich der Verstand

beschäftigt ist, und dieser selbst, als ein Erkenntnisvermögen,

das sich auf Objekte beziehen soll, ebensowohl einer Erläuterung,

wegen der Möglichkeit dieser Beziehung, bedarf: so müssen wir die

subjektiven Quellen, welche die Grundlage a priori zu der Möglichkeit

der Erfahrung ausmachen, nicht nach ihrer empirischen, sondern

transzendentalen Beschaffenheit zuvor erwägen.

Wenn eine jede einzelne Vorstellung der anderen ganz fremd, gleichsam

isoliert, und von dieser getrennt wäre, so würde niemals so etwas,

als Erkenntnis ist, entspringen, welche ein Ganzes verglichener und

verknüpfter Vorstellungen ist. Wenn ich also dem Sinne deswegen,

weil er in seiner Anschauung Mannigfaltigkeit enthält, eine Synopsis

beilege, so korrespondiert dieser jederzeit eine Synthesis und die

Rezeptivität kann nur mit Spontaneität verbunden Erkenntnisse möglich

machen. Diese ist nun der Grund einer dreifachen Synthesis, die

notwendigerweise in allem Erkenntnis vorkommt: nämlich, der

Apprehension der Vorstellungen, als Modifikationen des Gemüts in der

Anschauung, der Reproduktion derselben in der Einbildung und ihrer

Rekognition im Begriffe. Diese geben nun eine Leitung auf drei

subjektiven Erkenntnisquellen, welche selbst den Verstand und, durch

diesen, alle Erfahrung, als ein empirisches Produkt des Verstandes

möglich machen.

Kritik der reinen Vernunft (Erste Fassung 1781) · 第 19 / 70 题