Der Andere zog seine Mütze und antwortete: „Ackerbohnen setzen.“

„Gehört der Acker Euch?“

„Das nicht. Hab’ ihn in Pacht, bis die Bohnen zeitig sind.“

„Und seid Ihr ein Freund von Bohnen?“

„O, das wohl, wenn sie nicht von Blei sind.“

Das Pferd war ungeduldig, aber der Reiter zähmte es, daß es stand,

und er sagte zum Arbeiter: „So scheint, daß Ihr auch mit Bleibohnen

Bekanntschaft gemacht habt?“

„Mag wohl sein, Herr. Da drinnen“ -- er deutete auf den Schenkel --

„hat eine gesteckt. Habe den letzten Feldzug mitgemacht.“

„Ei, da sind wir ja Waffenbrüder!“

„So! Auch dabei gewesen? Gewiß bei den Dragonern. Na, das freut mich.

Wollt’ der Kamerad nicht ein wenig Rast halten? Da, wie die Straße

um den Berg biegt, steht gleich mein Häusel. Meine Alte kann Ihm mit

Buttermilch aufwarten und der Rapp -- ei ja, ein sauberes Thier! -- mag

’leicht einen Schippel Heu; ich komme bald nach, will voreh just mit

der Handvoll fertig werden.“

Der Reiter nahm die Einladung an, bog um den Berg, hielt vor dem

Häuschen und sprang vom Pferde. Als er sich bückte, um durch die

niedrige Thür einzutreten, stand das Viktel vor ihm. Er erschrak, sie

nicht.

„Herr Hochheit,“ redete sie ihn an, „das gefreut mich, daß Er uns auch

einmal heimsucht.“

„Wie!“ rief der Prinz, „da finde ich ja meinen Schutzgeist!“ Sein

erster Blick war auf ihre Hand, sie trug ein Ringlein, aber nicht das

seine.

„Ist vorbei,“ entgegnete sie, „wer wird denn von so Sachen so lang’

reden! Wenn der Herr Hochheit niedersitzen möcht’! Ist halt Alles

so viel ungeräumt bei uns. Jetzt muß ich aber geschwind meinen Mann

herheißen.“

„Wenn es der Bohnensetzer ist,“ sagte er, „der kommt bald nach, hab’

schon mit ihm gesprochen. -- Also, verheiratet, Viktel!“ Er sagte das

Wort leise und weich und blickte ihr in’s Auge. Aber jetzt that ihr

sein Blick nichts mehr.

„Ich hab’ einen braven Mann kriegt,“ entgegnete sie, „von Wernsdorf ist

er gebürtig. -- Ja, und jetzt fällt mir was ein.“

Sie eilte in eine Nebenkammer, kehrte bald wieder zurück und hielt

zwischen den Fingern einen in weißes Papier gewickelten Gegenstand.

„Das gehört dem Herrn,“ sagte sie, „ich brauch’ es nicht.“

Er nahm den Gegenstand und schälte ihn aus dem Papier, es war der

Brillantring. -- Er verbarg seine innere Bewegung und sagte ganz

gelassen: „Sie giebt mir das zurück und denkt nicht daran, daß es mich

kränken könnte?“

„Bitt’ halt um Verzeihung,“ antwortete das Viktel, „ich red’, wie

ich’s versteh’, aber ich sag’, auf’s Kränken darf man nicht allemal

schauen. Es ist recht närrisch von mir gewesen und ich will es dem

Herrn Hochheit seiner Frau Braut tausendmal abbitten, daß ich dazumal

den Ring nicht hergegeben hab’. Wenn Ihr Euch miteinander einmal

versprochen habt, so gehört der Ring dem Herrn und der Herr gehört ihr

und da hilft Alles nichts. -- Thu’ ihn jetzt der Herr Hochheit nur

einstecken, daß Er ihn nicht verliert, und ich bedank’ mich für den

guten Willen.“

Bei Hofe lernt man ein gutes Benehmen für allerlei Gelegenheiten und

Verhältnisse. Aber in dieser Sache wußte der Prinz nicht, was er sagen

und thun sollte. Er hielt den Ring lange in seiner Hand und betrachtete

das Viktel. Nun aber war’s seltsam. Ein unsichtbarer Faden, der sich so

allmählich gesponnen, der bisher sein Herz so eigenartig beunruhigt und

ihn in diese Gegend gezogen hatte, war nun plötzlich wie abgeschnitten.

Er begriff nicht, wie er an dieses Bauernmädchen so oft hatte denken

müssen. Es war, wie alle anderen hübschen Dirnchen auch sind. -- Aber

-- und das fiel ihm nun ein -- die ~Eitelkeit~! Wie maßlos muß die

Eitelkeit eines Mannes sein, wenn sie selbst einem Fürsten gefährlich

werden kann, welcher weiß oder zu wissen glaubt, daß eine Bauerndirne

in ihn verliebt ist! -- Ob denn nicht doch die Eitelkeit ein gutes

Theil zur wirklichen Liebe beiträgt? -- Nun sie einen Andern nahm,

ist’s in ihm kühl. Er sah sie an und gestand sich nur noch das Eine:

Konnte sie auch nicht so schön sein, als sie in ihrer Abwesenheit ihm

die Phantasie gestaltet hatte, so war sie doch eigentlich schöner als

vor einem Jahre. Die Farbe ihres Gesichtes war zarter und ein wenig

weißer, ihr Auge schien größer und noch milder, ihre Lippen lächelten

weicher und ihre Locken schmiegten sich noch ungezwungener um das

Köpfchen, wie damals. Auch waren die Formen ihres Körpers gerundeter.

Dann betrachtete der Prinz das ärmliche, aber reinlich gehaltene

Häuschen und sagte nun: „Warum habt Ihr nur keinen größeren Hof

gekauft?“

„Das Kaufen ist leicht gesagt,“ meinte sie.

„Ihr zieht es vor, das Geld auf Zinsen liegen zu lassen.“

„Wir haben keins.“

„Es ist doch bekannt, daß bei Eurem Gerichtsamte eine Summe für Dich

hinterlegt wurde?“

„Ich bedank’ mich recht,“ sagte sie, „aber für den Rath, daß der Herr

nicht mit dem Schorsch auf den Berg gehen sollt’, will ich nichts

nehmen. Unsereins braucht auch oftmals guten Rath und kann ihn nicht

zahlen.“

„Doch für den Blutstropfen.“

„Ist lang’ verheilt. Gießen ja auch die Soldaten ihr Blut aus und

kriegen nichts dafür.“

„Also für den Ring, den Du hier zurückgiebst.“

„Schon gar nicht,“ rief sie und ging einige Schritte von ihm weg, „für

den Ring schon gar nicht.“

Nun trat mit seinem steifen Fuß der Hans ein, der Bohnensetzer.

„Das Roß steht draußen in der Sonn’ und hat nichts zu fressen,“ verwies

er, „das hätt’ beim Militär nicht sein dürfen! -- Na, Herr Kamerad,

thu’ Er sich kamod machen, den Rappen will ich schon besorgen. Hast

keinen Wachholdernen mehr daheim, Viktel?“

Er meinte Branntwein, sie aber war erschrocken über seine Rede und

sagte leise: „Kennen wirst ihn doch, den Herrn! Nicht! Jesus und Josef,

das ist ja der Herr Hochheit, der Prinz!“

Jetzt starrte der Hans auf den Reitersmann, dabei zog er langsam seine

Mütze ab.

„Laßt das,“ versetzte der Prinz, „wir haben Anderes zu besprechen.“

„Ist mir eh gleich so rar gewesen!“ rief nun der Hans drein, „hab’ ja

beim Tambach-Defilé die hohe Ehr’ gehabt; haben sich aber Eure Hochheit

seither den Bart weggeschnitten! Na, bitt’ gehorsamst.“

Sie redeten noch ein Weilchen hin und her. Der Prinz genoß eine

Schale Ziegenmilch. „Besseres,“ meinte das Viktel, „können wir nicht

aufwarten.“

„Ihr beschämt mich tief, wenn ich mich erinnere, welche

Gastfreundschaft der Viktoria in meinem Hause zu Theil geworden ist.

Ein bischen ist sie jedoch selbst daran Schuld, sie lief auch so davon.“

„O heilige Maria, wie bin ich froh gewesen, als ich vom Schloß draußen

war!“

„Ich hatte die Absicht, Dich zu bewirthen --“

„Um’s gute Essen ist mir nicht viel.“

„Und Dich den Herrschaften vorzustellen.“

„Na, na, die Schloßherrschaften, die kenn’ ich schon,“ eiferte das

Viktel, „den Herrn Hochheit nehm’ ich aus, aber die andern Männer sind

all’ nicht viel werth.“

Es ist hierauf Einiges angedeutet worden, wobei Prinz Emerich Mühe

hatte, seinen Zorn zu unterdrücken. Dann aber sagte er, das junge Weib

an der Hand fassend: „Du bist eine vernünftige Frau, so wirst Du den

Hof nicht nach seinen niedrigen Elementen beurtheilen. Es giebt auch im

Palaste gute Menschen, die Euch schlichten Landleuten näher stehen, als

Ihr glaubt, weil sie ganz wie Ihr streiten und leiden, weil auch dort,

trotz aller goldenen Pracht, nur zwei Dinge sind, die glücklich machen

können, das gute Gewissen und die Liebe. -- Euch, Ihr lieben Menschen,

ist wohl Beides beschieden; ein Drittes ist wünschenswerth, und ich

wünsche daher, daß Ihr es annehmt. Will diese hübsche und stolze Frau

ihre gute That nicht für Geld gethan haben, so wird es der Mann, der

wacker für sein Vaterland stritt und davon ein Wundmal durch sein Leben

trägt, nicht hindern dürfen, wenn ihm sein Fürst eine Ehrengabe reicht.

Freut Euch die Landwirthschaft, so hoffe ich, daß ich im nächsten Jahre

auf meiner Wanderung in Euern Großbauernhof einkehren kann.“

Der Hans sagte zum Viktel: „Wenn er es uns schon so gut meint, warum

sollen wir es nicht dankbar annehmen? Brauchen wir es nicht, so wird’s

unserem Bübel taugen, wenn es ein Großbauernsohn ist.“

Sie nahmen es an. Der Prinz schüttelte Beiden wacker die Hände, bestieg

sein Roß, ritt heimwärts und liebte seine Fürstin.

[Illustration]

Das Leben siegt.

In den schattenfrischen Thalgründen des oberen Jiller steht so

manches alte Mauerwerk, an dem bedächtige Geschichtsforscher, magere

Sagensammler und langhaarige Maler hin und her klettern wie Steinböcke

und Gemsen im Gefelse, nur daß sie nicht ganz so behendig sind.

Ritterburgen und Räubernester! ’s ist ein gar so dankbarer Stoff

allerwege, zumal, da diese Dinge heutzutage nicht mehr so herrisch und

gefährlich sind, wie voreinst in der guten alten Zeit -- Gott habe sie

selig!

Da giebt es aber doch in den schattenfrischen Gründen des oberen

Jiller eine Ruine, die völlig unbekannt und verlassen ist. Sehr viel

Haselnußgebüsch umwuchert das graue, zerklüftete und zerbröckelnde

Mauerwerk, und wenn die Haselnüsse reifen, so sind zumeist die Spechte

und anderen Knacker schon davon und die Dingelchen fallen nieder durch

das gilbende Blätterwerk und kollern auf das Gestein und bleiben liegen

im Schutt und in den Rissen: „Ist Niemand da, der Haselnüsse mag?“

-- ’s ist Niemand da. Die schönen jungen Frauen, die voreinstmal,

als hier noch der große stolze Bau stand, darin gelebt haben, hätten

gerne bisweilen ein wenig so Nüsse geknackt, aber da sind solche noch

nicht gewachsen an den Wänden, in den Höfen, in der Kapelle und in

den Zellen des Nonnenklosters Taubenzell. Und wollten die gottseligen

Jungfrauen dergleichen wilde, aber deswegen doch süße Früchte nagen,

so durften sie sich den kleinen Gang hinaus in den Hirschwald nicht

verdrießen lassen. Da oben war Haselnußgesträuche so dicht und voll als

man es nur wünschen konnte, und der Thierlein gab es auch so manche,

die im Moose krochen, im Strauchwerk raschelten, in den Lüften flogen

und den gottseligen Jungfrauen zur Kurzweil waren.

So war es auch einmal am Tage der heiligen Edeltrudis; die

Haselnußbüsche setzten erst ihre kleinen Knösplein an, denn es war

der Rosenmonat und zum Reifen lange noch Zeit. Aus dem Engthale, in

dem das Kloster stand, stieg ein halb Dutzend Nönnlein hinan gegen

den Hirschwald; -- jede hatte ihren dunkelgrauen Habit mit der weißen

Busenbinde und dem braunen Rosenkranz; jede hatte ihren Capuchon,

den sie aber heute über den Nacken hinabhängen ließen oder gar als

Sack für die Sammelfrüchte benutzten. Und jede hatte auch einen recht

zierlich geflochtenen Korb an die Seite gebunden, denn sie gingen

aus, um Schwämme zu suchen und Erdbeeren zu finden. Sie hatten von

der Oberin die Grenze vorgeschrieben, über die sie nicht hinaus

durften, um nicht etwa in das Revier der Ritter von Karnguld, oder

in ein Bereich zu gelangen, dessen Schwämme und Erdbeeren nicht mehr

zum Kloster Taubenzell gehörten. Es waren derlei Maßregeln gar nicht

überflüssig, denn die Früchtesammlerinnen waren lauter unerfahrenes

Blut, jung, lebendig und wohl auch hübsch. Nur eine war dabei, die

einen ganz kleinen Schaden hatte. Dieser Schaden bestand in einem

winzigen Härchen; das Härchen stand mitten aus einem Wärzchen hervor,

das Wärzchen hinwiederum stand zuhöchst auf der Spitze des Näschens,

das sehr anmuthig gewesen wäre, wenn es nicht ein wenig allzu kühn in

die Welt hineingeragt hätte, der die junge Nonne doch in Form Rechtens

entsagt hatte. -- Es steht zwar nicht in den Kloster-Annalen zu lesen,

daß dieses Härchen aus dem Nasenwärzlein der hochehrsamen Jungfrau

Natalia vormals den jungen Männern so sehr in die Augen gestochen habe,

daß sich diese sofort geschlossen, oder anderen Dingen zugestrebt, bis

Natalia sich von dem Irdischen zu dem Himmlischen wendete und in die

friedsamen Mauern von Taubenzell flüchtete; -- aber von der boshaften

Welt war derlei thatsächlich behauptet worden. Sei dem wie immer,

hoffen wir, daß desweg’ der Jungfrau Lohn im Himmel nicht geschmälert

ist.

Wir könnten nun auch noch von den übrigen Früchtesammlerinnen

manch’ Erbauliches erzählen, doch möge sich der Leser zumal mit der

Versicherung begnügen, daß sie allsämmtlich sehr hübsch und heiter

waren.

Eine Einzige jedoch insonderheit; Gudwella hieß sie, die hatte kaum

fünfzehnmal gesehen, wie die Kirschen blühen; die war auch noch gar

nicht eingemummt in den dunklen Habit der Genossinnen, war erst

kurze Zeit als Novize im Kloster Taubenzell. Sie trug ihr luftiges,

lichtbuntes Kleidchen, in dem sie wie ein kleiner Schmetterling neben

den grauen Puppen flatterte. Sie hüpfte über jede Hecke, stieg auf

jeden Stein, predigte, äffte hierin den alten Klosterkaplan, so daß

die Genossinnen in die Händchen klatschten. Dann wieder beugte sie

sich zu einem Waldmeisterblümchen, hob davor den Finger und sprach:

„Ich könnt’ es wohl, aber merk’, ich brech’ dir nicht den Hals. Wachse

brav, bist du groß, so wirst mein Mann, will einen Waldmeister han!“

Auch spielte die Kleine Versteckens und wußte wie ein Rehlein hinter

jegliches Laubwerk zu schlüpfen, und während sie die Anderen etwa unter

dem Erlbusch suchten, war sie längst hinter dem Hagebuttenstrauch, oder

in den Haselstauden, oder hinter den Johannisbeerblüthen. Plötzlich

rief sie aus einer Bachweide her: „Schwester Natalia lobesam, komm’ mal

her und hol’ Dir diesen schönen Blattpilz!“ -- Und als die Schwester

herbeieilte, um sich nach der Gabe Gottes zu bücken, da that sie

jählings einen kreischenden Schrei und huschte hintan. Der Blattpilz

war ein junger Laubfrosch gewesen, und der wäre dem tugendsamen

Mägdlein schier mit allen Vieren in das Antlitz gesprungen. Die

Genossinnen lachten laut und Gudwella kicherte hinter den Weiden.

So kamen sie immer tiefer in den schattendunkeln Wald hinein, und zu

allem rieselte der laue Sommerhauch in den Blättern, die in Millionen

Scheibchen und Herzchen auf dem Gezweige wiegten, da und dort ein

übermüthiger Falter, ein schalkhaft Vöglein darunter. Das Haidekraut

mit seinen lieblichen Blüthenkrönchen und winzigen Staubgefäßen wurde

auch immer höher und die Nonnen mußten mit ihren weißen Händchen die

grauen Kutten baß emporheben, wollten sie nicht hängen bleiben im

Gestrüppe. Gudwella, welche in solchen Fällen immer die Anschicksamste

war, hatte ihr ohnehin nicht sehr langes Kleidchen ein- für allemal mit

einem buchenzweig’nen Gürtel so hoch hinangeschnallt, daß nachgerade

jegliche Gefahr für den Saum beseitigt war. Bald thaten ihr das auch

die Anderen nach, und nun hatte jede ihren flatternden Laubkranz um die

Hüften, und manch’ Eidechslein unter dem Kraut stand verwundert still,

die neue handsame Tracht der Nonnen von Taubenzell betrachtend.

Der Schwämme wollten sich nur wenige finden und so hüpften die Nönnlein

immer weiter waldeinwärts und kamen endlich gegen eine Schlucht, in

der ein Wasser rauschte, und in der es so finster war, daß die paar

Sonnenpunkte, die sich doch durch die dichten Laubkronen Bahn gebrochen

hatten, auf dem braunen Moosboden dalagen wie blinkende Dukatlein.

Gudwella, der sich in der Hitze der lustigen Waldwanderung das

Gesichtchen geröthet und das goldfarbige Haar gelöst hatte, war immer

die Erste voran. Jetzt aber stand sie plötzlich vor einem blühenden

Dornstrauch still, legte ein Händchen an den Mund und winkte mit

der anderen Hand ihren nachfolgenden Gefährtinnen, daß sie leise

herankommen und keinen Laut von sich geben sollten. Das hielten sie

denn auch so und schlichen ganz behutsam gegen den Dornenstrauch,

begierig auf ein Vogelnestchen, das sie darin zu sehen hofften.

Indeß meinte Gudwella ganz etwas Anderes. Sie guckte in den Strauch,

und zwischen den Blättern und Rosen desselben auf der anderen Seite

wieder hinaus, sie sah in die Schlucht hinab, in der das Wasser

rauschte. Und dort war zwischen bemoostem Gestein, welches in Wänden

den schattigen Raum umfriedete, eine Stelle, an der das Wasser ganz

ruhig stand, und sehr klar und tief zu sein schien. Und in diesem

versteckten Wasser war etwas, weswegen Gudwella so angelegentlich in

den wilden Rosenstrauch lugte.

In dem Wasser, das zwischen dem Gestein ruhig stand, plätscherten

die schlanken weißen Glieder eines schönen Knaben, der sich badete.

Die Mädchenschaar riß ihr ganzes Dutzend Augen auf und spähte in die

Schlucht und ergötzte sich höchlich an dem schönen Haupte mit den

kohlschwarzen Augen, in denen etwas ganz Unbeschreibbares, fast wie

Thau und Feuer lag, ergötzten sich an den dunkeln Lockenschlangen, die

sich völlig bis zu den breiten Schultern hinabschlängelten, ergötzten

sich an den ein bischen aufgeworfenen kirschrothen Lippen, hinter

welchen zuweilen das Schneeweiß der Zähne hervorblinkte, an dem feinen

Kinne, an den zarten, schier fraulichen Wangen, an der kühnen weißen

Stirne; ergötzten sich endlich an den behendigen Armen, an der hohen,

ebenmäßig schönen Brust, über die ein dunkles Schattchen ging. Jählings

aber plätscherte es heftig im Wasser und die Jungfrauen stoben zurück.

Wie eine erschreckte Taubenschaar waren sie auseinander gefahren und

drehten sich jetzt schier verwirrt im Kreise und wußten nicht, wohin

mit den Augen. Keine brachte ein Wort hervor. Jede hub eilig an,

Schwämme zu suchen im Gebüsche, wo seit der Welt Erschaffung kein

einziger noch gewachsen. Vor jedem grünen Heupferdchen und vor jedem

Käfer im Grase schraken sie zurück. Hernach huben sie selbander an zu

kichern und schließlich schlichen sie wieder gegen den Dornstrauch,

um doch die schönen lichten Röslein zu betrachten, und die gelben

klebrigen Fädchen, die inmitten derselben hervorstanden und im

Lufthauche gar leise wiegten. Auch waren die kleinen länglichen Blätter

so frisch grün und hatten so fein gezackte Ränder, und am holdseligsten

waren doch noch die Knöspchen, aus denen schon ein wenig das Roth der

Blüthe guckte. -- Ja, so ein Dornstrauch ist eigentlich ganz wunderbar

schön, wer ihn recht mag besehen! Und die braunen schlanken Zweige, und

die scharfen, halb verborgenen Dörnchen daran -- man muß sich ja nicht

immer davon stechen lassen! --

Der Edelknabe Rodam hatte wohl nicht geahnt, daß Liebhaberinnen des

Dornstrauches so nahe waren; er hatte sich in aller Behaglichkeit und

Lust im Wasser gewiegt, gerenkt, gehoben, hatte seine geschmeidigen

Glieder gestreckt nach allen Seiten, hatte selbst ein paar prächtige

Purzelbäume geschlagen in der krystall’nen Fluth -- bis er endlich, des

Vergnügens satt, auf den Moosteppich des Ufers sprang und dort noch

unterschiedliche Kurzweil trieb, ehevor er in seine schmucken Kleider

schlüpfte.

Und als er nun so in seinem grauen, stets knapp geschnittenen Tuche,

das kirschrothe Seidenwamms und das blaue Mäntelchen um sich geworfen,

das Sammtbaretlein keck in die Stirne gedrückt und selbst einen

zierlichen Degen schon an den Lenden, dahin sprang über Gestein und

Gebüsch, wie ein junger Hirsch, der sich an der Quelle gelabt hat --

da gab es nichts Besonderes mehr am Dornenstrauch, da blickten die

Nönnchen dem flinken und heiteren Jungen nach, bis er, im Dickichte

verschwunden, dem Schlosse der Ritter von Kernguld zueilte.

Und da sonach nichts mehr zu sehen war ringsum, als das aufquellende

und webende Leben der Wildniß und das dunkle Wasser in der Schlucht,

da schrie Gudwella: „Jetzt weiß ich’s, jetzt geh’ ich in’s Wasser und

lern’ das Schwimmen!“ Da jauchzten ihr alle Anderen zu und sagten

dasselbe; allein das Mädchen war bereits davon gehüpft, hatte flugs

sein Röcklein hingeworfen und war mit einem hellen Juhschrei in den

Dumpf gesprungen, in welchem kurz vorhin der Edelknabe geplätschert

hatte. Sie wogte lustig hin und wieder, streckte die zarten Arme nach

den Wellen aus, die sie selbst geschlagen hatte, und goß diese Wellen

über ihr Haupt. Nun kamen auch die Genossinnen herbei, da schrie

Gudwella: „Nichts, da ist nur Platz für Eins, geht ihr dort unten!“

Und sie schlug so heftig um sich, daß die Anderen dem Gischten nicht

nahen konnten, wollten sie nicht mit pudelnassem Habit in’s Kloster

zurückkehren.

Das hat die fünf Jungfrauen gewaltiglich verdrossen, denn just hier

in diesem Dumpfe hätten sie sich an der weichen Kühle zu erquicken

gewünscht.

„Wißt Ihr was, Schwestern“, sagte nun Natalia, die Jungfrau mit dem

Härchen, „jetzt wollen wir Anderen gar nicht baden. Und es schickt sich

auch nicht, und wir wollen es der Oberin sagen, was diese Gudwella für

ein ungesittig Mädchen ist. Jetzt aber eilen wir fürweg, sie mag allein

sehen, wie sie ihre Schwämme findet.“

Deß waren die Uebrigen einverstanden. Sie waren nicht sonderliche

Freundinnen der toll-heiteren Gudwella, die Jeder gern ein Schnippchen

schlug und trotzdem vor der Oberin der Hahn im Korbe war, gleichwohl

sie noch ein Küchlein im Ei und lange noch nicht genug Fähigkeit hatte,

ja vielleicht niemals haben würde, wie solche von einer tugendsamen

Schwester im Kloster Taubenzell wohl verlangt wird.

Die Nonnen von Taubenzell hatten keine Obliegenheiten, die sie noch

mit der Welt verbunden hätten, sie lehrten nicht etwa verwahrlosten

Bettelkindern das Lesen und Schreiben, noch weniger drängten sie sich

an die Betten verwundeter Krieger oder anderer Kranken, trieben auch

nicht Ackerbau, noch anderes Gewerbe, wie solche Dinge so gerne den

Geist vom Himmlischen ablenken. Das Kloster war von einem frommen

Könige gestiftet worden, der selbst zuweilen nicht ungerne durch die

neu angelegten Gärten und Lauben schritt und die sittsamen Jungfrauen

mit väterlichem Wohlgefallen betrachtete, Gott dankend, daß er nicht

in jener heidnischen Religion geboren war, in welcher die Könige ihren

wohlgearteten Frauen nicht Klöster, sondern Harems anlegen. -- Es war

eine hohe Grundsumme für die Anstalt hinterlegt worden; außerdem mußte

jede eintretende Novize ihr gutes Schärflein mitbringen, und nebstbei

waren alle Güter und Höfe in weiter Runde dem Kloster gabpflichtig,

alljährlich gingen der älteren Schwestern dreie mit großen Körben und

Säcken hausiren, um die Gaben einzuheimsen. Was ferner Gott in den

Gärten und im Hirschwalde wild wachsen ließ, das sammelten die in so

vieler Hinsicht bienenfleißigen Nonnen auch ein -- und so ließ sich auf

bequeme Weise ein recht frommes Leben führen und mit Gebet, Gesang und

erbaulichen Betrachtungen dem Himmel zustreben.

Es waren wohl auch strenge Satzungen aufgeschrieben, um die

Sittsamkeit, sonderlich die Keuschheit zu hüten, die indeß, wie jedes

Meistergesetz, nach Bedarf und Umständen gewendet werden konnten. Das

Bedenkliche dabei war nur, daß zu Sittenrichtern und Vollstreckern

der Strafurtheile stets die älteren Jungfrauen, die Patriarchinnen

sozusagen, bestimmt waren. Die irdische Gerechtigkeit kennt keine

strengeren und unerbittlicheren Richter, als derlei gottselige

Matronen, die niemals gefallen zu sein glauben, oder den Fall zu

verheimlichen wissen, oder desselben selbst vergessen haben.

Es lebten an die dreißig Jungfrauen in den Mauern zu Taubenzell, die

der Sage nach thatsächlich so unschuldig wie die Tauben gewesen sein

sollen.

Doch hatte sich einmal -- es war etwa sechzehn Jahre vor den hier

erzählten Begebenheiten -- etwas sehr Besonderes ereignet. Der Wolf im

Hag genannt, das war der Besitzer der Hageburg, eines großen Gehöftes

jenseits des Berges, ein kräftiger herrischer Mann, hatte eine Nonne

aus Taubenzell entführt. Es war dabei keine Vermummung und keine

Strickleiter und kein Mauerdurchbruch in Anwendung gekommen, denn

die Nonne ging gern, ging von selbst, kam ihm schon auf dem halben

Wege entgegen. Sie hatte es bei Zeiten eingesehen, daß ihr jung’

Fleisch und Blut nicht just ausschließlich für’s Beten und Singen

gemacht, sondern auch für Gottes liebe Geschöpfe tauglich war; und

da war es ihr einmal in den Sinn gekommen, unseren Herrgott könnte

es leichtlich verdrießen, wenn sie ihre Talente vergrabe und nicht

anwende und ausnütze, wie andere Leute die ihren. Ließ sie sich denn

von dem Wolf im Hag gern entführen, und bald war auch die Hochzeit

vorbei. Als aber das erste Kind, ein Mädchen, zur Welt kam, da starb

das Weib; und als dieses Kind gegen das jungfräuliche Alter schritt,

da erfaßte den Mann und Vater jählings der Geist der Frömmigkeit. Er

war einer langwierigen Krankheit verfallen, und da er in derselben die

Nächte hindurch oft schlaflos in seinem einsamen Bette lag, gleichwohl

von jeglichem Ungeziefer verschont, hub doch das Gewissen an, ihn zu

beißen. Er kam sich gar entsetzlich lasterhaft vor. Insonderheit quälte

ihn der Gedanke, daß er sein verstorbenes Weib dem Kloster entlockt

und es dergestalt leichtlich der ewigen Verdammniß zugeführt habe. Und

wenn der Kranke doch in einen Schlummer fiel, so war er in demselben

sehr unruhig und es erschien ihm im Traume sein Weib in einer Gestalt,

welche die Muthmaßung von der Verdammniß nur bestätigte. Darüber fragte

der Wolf im Hag einen Priester, und dieser gab ihm zu verstehen, zu

Beider, seines und seines Weibes Seelenheil und Sicherheit sei es

allerdings räthlich, daß etwas gethan, daß nämlich dem lieben Gott ein

ihm geraubtes Schäflein wieder zurückgegeben werde. Das verstand der

Wolf und er entschloß sich, sein einzig Kind, sein Töchterlein Gudwella

in jenes Kloster zu stellen, aus welchem er sein Weib gezogen hatte.

Das heitere, tollwitzige Kind, das trotz einem Knaben den Finken und

Goldamseln nachstöberte, die Forellen und Krebse mit bloßen Händen

aus dem Waldbache fing, dem kein Graben zu tief und keine Hecke zu

hoch war, das mit allen Wesen der Erde seinen Schabernack trieb, sich

selbst dabei zum Pfande einsetzte und in allen Lagen seine unbändige

Lebhaftigkeit und gutmüthige Lustigkeit bewahrte -- dieses Weltkind

sollte nun in’s Kloster gehen. Doch war es beschlossen, und daraus

machte sich Niemand weniger etwas, als Gudwella selber. Das Mädchen

freute sich ordentlich auf das viele Beten und Singen, weil es mit

seiner schallenden Stimme alle anderen Klosterfrauen leichtlich

zu überschreien hoffte. Das Mädchen nahm sich vor, im Kloster mit

beiden Händen fromm zu sein, und zeitweilig auch noch mit den Füßen

nachzuhelfen, kurz, in den Mauern zu Taubenzell ein recht lustiges

Leben zu führen.

Hat’s auch so gehalten, die kleine Jungfrau Gudwella, und gleichwohl in

Zucht und Strenge gehalten, zu ernsten Betrachtungen und trübseligen

Dingen angeleitet, war doch nichts, wovor Gudwella zurückschreckte;

sie war in Allem dabei und mitten d’rin, und sie verstand Allem die

leichte und heitere Seite abzugewinnen, und war immer vergnügt, oft

ausgelassen, während sie sonst Jegliches zur Zufriedenheit der Oberin

verrichtete.

Wir haben ihre Art heute auf dem Waldwege bereits ein wenig kennen

gelernt.

Als Gudwella sich nun einsam in dem dunklen stillen Wasser sah, in

welchem vorhin der Edelknabe geschwommen war, da trat sie etwas Eigenes

an, sie wußte nicht, wie ihr war, was sie sollte; es kam ihr vor, als

müsse sie in dem Gewässer noch die Wärme empfinden, die der Knabe in

ihm zurückgelassen hatte. -- Ihr Uebermuth war völlig geschwunden, es

ging ihr durch’s Mark, schier als ob ein seltsam Gift in den Tropfen

wäre. Sie rang mit den Wellen, an ihren Busen wollten diese sich legen

wie Blei und Glut. Sie war in Gefahr unterzusinken, da schrie sie

plötzlich: „Dieses Wasser ist verhext!“ und schwang sich an das Ufer.

Zitternd zog sie die Linnen an, die vom Gischten naß geworden waren,

so daß dieselben sich nun glatt und weich um die Formen ihrer Glieder

schmiegten und dermaßen wohl auch das Wandeln erschwerten.

Sie irrte im Walde umher und war in sich verloren; sie horchte

dem Wasserrauschen und erschrak wieder vor demselben. Ein weißes,

verlaufenes Kaninchen fing sie ein, setzte sich damit auf das Gras und

hub es auf ihren Schoß. Das Thierchen glotzte sie mit seinen rothen

Augen treuherzig an und zog fortwährend sein Näschen aus und ein. Dann

erhob sie sich, stellte das Kaninchen auf ihre linke Achsel und sagte:

„Pst, da oben bleibst jetzt hocken und muckst dich nicht!“ Darauf

fand sie reife Erdbeeren, pflückte dieselben in ihr Körbchen, und das

Thierchen saß wirklich ganz ruhig auf ihrer Schulter, nur daß es ein

klein wenig an dem feuchten Lockenhaar nagte und zupfte und dabei recht

aufgeweckt seine langen Ohren spitzte.

Als Gudwella endlich dem Thale des Klosters zuhüpfte, hatte sie ihre

tollwitzige Laune vollständig wieder gewonnen und versuchte, ob das

Kaninchen zur Feier ihres Einzuges in die geweihten Mauern denn nicht

auf dem Scheitel ihres Hauptes hocken wolle. Und richtig, mit solch’

lebendigem Haarschmucke schritt nun das Mädchen schalkhaft bedächtig in

das Refectorium ein, in welchem die graue Gemeinde der Nonnen bereits

beim Mahle zusammen saß.

Jetzt aber erhob sich eine ältere Schwester von ihrem hochlehnigen

Sessel, winkte, ohne auch nur ein einziges Wörtchen zu sagen, dem

Mädchen zu, umzukehren, und trieb dieses in wahrer Form zur Thür

hinaus.

Einige Stunden später saß Gudwella auf dem Sünderbänklein in der grauen

Halle; und alle Schwestern waren in diesem Raum versammelt, aber jede

hielt sich fern von der weltlustvollen Tochter des Wolf im Hag, über

die nun das Gottesgericht hereinbrechen sollte.

Bald kam die Oberin herangeschwebt; sie hielt ihr betagtes Haupt

aufrechter, als sonst; ihre linke Hand legte sie an die Brust, über

welche ein goldenes Kreuz hing, die Rechte hielt sie etwas gehoben, um

mit derselben den Gruß zu winken. Gemessen und streng stand sie nun

da. Noch hatte sie keinen Blick auf das Mädchen geworfen, das auf der

Sünderbank saß und nicht recht wußte, was es heute für ein Gesichtchen

ziehen, ob es ausnahmsweise einmal ganz ruhig und feierlich sitzen

bleiben, oder ob es sich behendig erheben und der Aebtissin ihre

heiteren und zierlichen Grüße machen sollte.

Die Oberin wendete sich an die Reihen der Nonnen und hub an so zu

reden: „Liebwerthe Schwestern! Wir hatten gehofft, eher in das Grab

steigen zu dürfen, als ein Unglück zu erleben, wie ein solches über

unser gottgeweihtes Haus hereingebrochen ist. Wohl war uns seit

geraumer Zeit schon bekannt, daß ein Weltkind in unseren Mauern weile,

für dessen Heil wir stets den Segen des Himmels erflehten; aber wir

haben nicht gewußt, daß eine gefährliche Sünderin in unserer Mitte

lebe, die, weil mit mancher bestechenden Eigenschaft ausgestattet,

leichtlich Verderben und das schrecklichste Unheil über unsere

theuere Gemeinschaft bringen könnte. Gottes Rathschluß hat uns aber

die Gefahr gnädigst aufgedeckt, freilich durch ein Vorkommniß, das

wir tief bedauern, durch ein Aergerniß, das uns erschüttert hat.

Möge das gedachte Wesen Gott danken, daß es noch nicht die ewige,

sondern vormal nur die irdische Strafe ist, der es anheimgefallen.

Die Satzungen unseres heiligen Ordens haben für eine so gröbliche

Uebertretung der Tugend kaum eine Sühne, sondern den unmittelbaren

Ausstoß aus unserem Hause. Da wir aber zu Gott hoffen, daß er das so

junge, leichtfertige Weltgeschöpf noch erleuchten werde, so wollen

wir demselben Gelegenheit geben, sein schweres Fehl in unseren Mauern

zu büßen. Wir ordnen zu Recht, daß die Novize, Gudwella genannt, die

Tochter des Wolf im Gehage, vom Feste der Apostelfürsten Petrus und

Paulus an drei Tage und drei Nächte hinter zweifachen Thüren in die

stille Herberge verschlossen werde.“

Ein Schauern ging durch den Kreis der Schwestern, und selbst Natalia,

die Jungfrau mit dem Härchen, erblaßte.

Die stille Herberge, das war kein trauter Ort, das war eine Kammer

unten im alten, verlassenen Meierhofe, der am Rande des Gottesackers

stand, in dem die alten Rüst- und Folterwerkzeuge aufbewahrt lagen,

in dem das Beinhaus und auch die Wohnung des Todtengräbers war. Die

stille Herberge, die zudem noch mit gar seltsamen Geräthen ausgestattet

war, diente dem Kloster Taubenzell zur Bußkammer. Der Meierhof stand

eine Strecke abseits vom Kloster in einem verwilderten Hain von Erlen,

Birken und blassen Weiden.

Als Gudwella gemerkt, daß sie der Gegenstand der Versammlung im

grauen Saale war, hatte sie sofort sehr aufmerksam der Rede der

Oberin zugehört, und war wirklich ein wenig erschrocken, als von

einer Sünderin verlautet wurde, die in die stille Herberge müsse. Sie

kannte die stille Herberge vom Vorübergehen; da hatte sie einmal durch

das Gitterfensterchen hineingeguckt und aus Vorwitz laut gefragt, ob

Niemand daheim sei, bis sie einen offenen Sarg gesehen, der für die

Büßerinnen als Bettstatt bestimmt war.

„Je, dies Bett wär’ mir viel zu klein!“ hatte sie hierauf hell gerufen

und war davongehüpft. --

„Ist das, weil ich mich oben im Wald gebadet habe?“ fragte jetzt die

verurtheilte Novize eine Nebenstehende, die aber sogleich zurückwich

und keine Antwort gab.

„Ehrwürdige Frau Oberin“, sagte Gudwella hernach zur Aebtissin, die auf

ihrem Platze noch stehen geblieben war, „warum zu Peter und Pauli erst?

Muß es schon sein, so will ich gleich in den Kotter hinein, daß ich

bald wieder herauskommen kann.“

Ueber diese Bemerkung war ein großer Theil der Schwestern entrüstet.

Die Oberin richtete sich noch höher auf. Sie hatte erwartet, daß das

Weltkind einen Fußfall thun und um Gnade flehen werde, die sie denn

vielleicht bereit war, auch zu geben. Nun ihr aber diese neuerliche

Leichtfertigkeit, dieser schier gotteslästerliche Trotz entgegentrat,

war sie sofort fest entschlossen, das strenge Urtheil, wie es noch

selten zu Taubenzell gefällt worden, an Gudwella auszuführen.

Nun vergingen noch der Tage sechs, da war Peter und Paul. Von den

betagtesten drei Schwestern wurde die Tochter des Wolf im Hag zum

Meierhof geleitet, von dem nur das finstergraue Giebeldach über das

hochwuchernde Baum- und Buschwerk emporragte.

Der Todtengräber, ein alter, vierschrötiger Mann, mit Knochen so

knorrig und wuchtig, als hätte er dieselben im alten Beinhause eigens

für sich herausgemustert, hatte bereits von Allem Kenntniß, über Alles

Auftrag. Der nahm nun die Jungfrau an der Hand, blickte ihr mit seinen

grauen, alterstrüben Aeuglein in das Antlitz und murmelte: „Beim Kreuz,

das ist einmal eine Sünderin, die sich gewaschen hat!“ Und er führte

sie durch einen niedrigen Thorbogen, an dem der Epheu rankte, führte

sie durch einen öden Hof, in welchem dort und da ein Fensterlein mit

eisernen Balken war, aus dessen weiten Fugen aber nichts als graue

Heuhalme hingen. Dann führte er das Mädchen einen finsteren Gang

entlang, schloß ein Thor auf und hinter sich wieder zu, führte das

Mädchen durch einen zweiten Gang, in welchem Holzmodergeruch wehte,

schloß endlich wieder ein Thor auf und sagte: „Nichts für ungut, ich

hab’ das Stüblein recht gelüftet; da sind die Bücher, da ist der

Betschemmel, da ist das Lager, da ist das Brot; das Wasser werde ich

noch bringen.“

Die Flügelfenster mit den kleinen, sechseckigen Scheibchen standen

offen; vor dem Eisengitter fächelten die thauigen Zweige einer Birke,

zwischen denselben war die Aussicht auf begraste Hügel, über welchen

braune und graue Holzkreuzlein ragten. Die Bücher, welche auf einem

altarartigen Tischchen lagen, bestanden aus Erbauungsschriften, geziert

mit Kupfern aus der Leidensgeschichte der Heiligen. Der Betschemmel

war ein eckiger Stein, der aus dem Boden ragte. Als Bettstatt diente

ein Sarg, der so grau und wurmstichig war, daß man auf die Vermuthung

kommen konnte, er habe schon drei Jahre lang unter der Erde gestanden.

Das braune Laibchen des Brotes war das Einzige, was freundlich an das

Leben gemahnte. Der irdene Wasserkrug war nun auch herbeigeschafft

worden; der Todtengräber sagte: „Drei Tage werden vergehen, wie die

siebenundvierzig Jahre vergangen sind, die ich in diesem Hause verlebe.

Hab’ manch’ Andere hier hereingeführt, in deren Haut nicht Jede stecken

möchte; Ihr ergötzt Euch leichtlich mit Euch selber, luget in den

Wasserkrug.“ Sagte es, verschloß die Pforte und schlich durch den

hallenden Gang davon.

Kaum war Gudwella allein, so streckte sie die Hand aus dem Fenster,

riß einige Birkenzweige ab und schmückte damit ihr Haar sowohl, als

auch ihre unheimliche Lagerstatt. Dann blickte sie im Gemache umher,

fand aber nichts als die grauen Wände; auf dem bestaubten Ofen lag

ein bestaubter Todtenschädel, den schlug sie mit einem Birkenzweig

herab, daß er über den Boden kollerte, dann rief sie: „Oho! Hast dir

weh gethan!“ Sie wollte den Schädel zum Fenster hinauswerfen, allein

das eng geflochtene Gitter ließ ihn nicht durch; da sagte Gudwella:

„Siehst du, jetzt haben sie dich auch eingesperrt, und jetzt halten wir

zusammen.“

So hatte das Mädchen in der stillen Herberge die erste Bekanntschaft

gemacht. Ihr natürlicher Humor, der gute Geselle, war mit ihr in

das Gefängniß gegangen; freilich hatte er eine etwas andere Farbe

und Tonart, wie da draußen im freien Wald; aber der Schalk war es

doch noch immer. -- Schließlich wand Gudwella dem Knochenschädel ein

Birkenkränzlein um die Stirne: „Könntest ja mein Bräutigam geworden

sein, wenn du nicht wahrscheinlich eine tugendsame Klosterfrau gewesen

wärest....“

Aber für die Länge unterhält sich’s mit einem Todtenkopf nicht recht

possirlich, und als der Tag vorüberging und von der reichen, heiteren

Welt draußen nicht einmal eine Mücke zum Fenster hereingeflogen war,

dachte Gudwella an das Wort des Todtengräbers: „Ihr ergötzt Euch

leichtlich mit Euch selber, luget in den Wasserkrug!“ -- Im Wasserkrug

war Wasser: sie lugte doch hinein, ob der gute Mann nicht etwa süßen

Meth in denselben gethan habe. Es war Wasser, jedoch, im dunklen

Spiegel desselben war ein rosig’ Köpfchen gezeichnet und gemalt -- ihr

eigen’ Angesicht lächelte ihr entgegen und zeigte die weißen Zähnchen

und die hellen Aeuglein und das zierliche Näschen, das glatt und

sauber war über und über, und auf dem kein böses Haar stand. -- Das

machte ihr vielen Spaß, und sie blies in den Wasserspiegel, daß alle

Theile des Gesichtchens wie Quecksilber zitterten, und darüber lachte

sie hell und ergötzte sich.

So war der erste Tag vergangen. Aber die erste Nacht? Im Sarge lag

Stroh: Gudwella warf es nicht heraus, um sich auf dem kalten Boden ein

Lager zu bereiten. „Vor dir fürchte ich mich schon lange nicht“, hatte

sie zum Sarge gesagt, „du bist auch im grünen Walde gewachsen, wie ich.“

In der Abenddämmerung blickte sie noch hinaus in das Freie, wo

Fledermäuse flatterten und Johanniswürmchen schimmerten. Zwischen den

Kreuzen huschte es wie eine dunkle Gestalt dahin....

Gudwella schloß das Fenster.

* * * * *

Der Edelknabe hieß Rodam. Er war ein Sohn der ritterlichen Krimburger

und hatte sich bislang im Kerngulder Schlosse als Page der Jugend

erfreut. Er hatte hier die Feinheit und Sittigkeit der Frauen und die

Tapferkeit und den Edelmuth der Männer gesehen. Er hatte der schönen

Schloßfrau den Becher goldbraunen Methes kredenzt, er hatte dem Herrn

das funkelnde Schwert an die Seite geschnallt. Er hatte die Armbrust

im Walde geführt, er hatte gelernt, das feurige Roß zu zähmen. So

hatte es sein Herr Vater gewollt und freute sich seines kräftigen und

wohlgestalteten Sohnes, der nun im Kerngulder Schlosse zum Ritter

geschlagen in die heimatliche Burg zurückkehren sollte.

Inzwischen jedoch ereignete sich die Geschichte, die hier erzählt wird.

Am Vortage seiner Ritterweihe zog Rodam noch durch den Wald, durch

den er so oft gewandelt und geritten war, und von dem er nun Abschied

nehmen sollte. So kam er auch zur schattigen Schlucht und zur

Wassertiefe, in die er seinen Leib so oft getaucht hatte. Das wollte er

auch heute noch einmal thun: die Knabenschaft soll weggeschwemmt, der

junge Ritter soll getauft sein in den kalten Fluthen des Waldes.

Am andern Tage aber, kaum eine Stunde danach, als das breite Schwert

auf seine Schulter niedergesunken war, vernahm es Rodam bei festlichem

Mahle wie eine Mär’, daß im Kloster Taubenzell eine wunderholde

Jungfrau zur Gefangenschaft im Todtenhause, die stille Herberge

genannt, verurtheilt worden, weil sie sich im Walde gebadet habe an der

Stelle, wo vor ihr ein Jüngling im Wasser geschwommen sei.

Als Rodam diesen Bericht vernommen hatte, setzte er seinen silbernen

Humpen an den Mund und trank ihn aus.

Und ehe er noch zurückkehrte in seiner Väter Burg, durchstreifte er

die Gegend, um die Wahrheit des Gerüchtes zu erproben, umkreiste das

Kloster, um die Jungfrau, wie sie ihm beschrieben war, zu sehen. Er

sah sie nur von ferne, aber er erfuhr genau die Tage und Nächte ihrer

Gefangenschaft. Da sagte er zu sich: „Minnedienst ist Ritterthat! Die

Jungfrau, die vielleicht meinetwegen duldet, soll nicht verlassen sein.“

Er faßte der Pläne mehrere. Vor dem Fenster stehen und Lautenspielen

zur nächtlichen Weile war ihm zu knabenhaft. Den alten Wart bestechen,

wollte ihm nicht recht möglich scheinen; denn der Alte war ein

ehrlicher Klotz, der brachte selbst die goldenen Ringlein, so an den

ausgegrabenen Gebeinen hingen, den Erben zurück. Aber ehrliche Leute

sind ja leichtgläubig, und weil sie nicht betrügen, so müssen sie

betrogen werden, damit auch an ihnen des Lebens Gleichgewicht zur

Geltung komme. --

Als jedoch am Peter- und Paulitag der Abend nahte, für den Rodam

schon so Manches vorbereitet hatte, da stieg eine Nonne nieder vom

Klosterhügel und begehrte bei dem alten Gräber Einlaß zur Büßerin, um

dem jungen Blute die nächtlichen Stunden zu mildern und ihm Litaneien

und Psalmen vorzubeten, so wie es die Oberin befohlen habe.

„Ist einmal ein vernünftig Gebaren das“, brummte der Alte, „sollte

es ihr schon nach dem Psalm nicht verlangen, so wird ihr gewiß ein

Plauderstündchen willkommen sein.“ Und er geleitete die Schwester

durch die Gänge und Pforten in die Zelle der Jungfrau. Dann drehte er

knarrend wieder die beiden rostigen Schlösser ein und schritt langsam

und schier erleichterten Herzens in sein Stübchen am Haupteingange

zurück.

Gudwella, die am Fenster saß, war eben beschäftigt gewesen, aus

Brotkrümelchen einen Edelknaben zu kneten; nun hatte sie das Gebilde

sofort zwischen sich und der Mauer hinabsinken lassen und blickte

verwundert auf die eingetretene Nonne, die im Dunkeln stand und sich

kaum regte.

„Ei,“ fragte Gudwella endlich, „habt Ihr auch die Tugend verletzt, daß

Ihr hier seid?“

„Ich habe mich auch im Waldwasser geatzt,“ versetzte die Schwester,

„und darum bin ich hier.“

Gudwella stutzte. Was war das für eine Stimme? Die kannte sie nicht,

die hatte sie im Kloster nie gehört; ein solcher Ton geht nicht aus

Frauenmund.

„Jungfrau, ich bitt’ Euch, woll’t mich nicht verdammen,“ sagte

jetzt die fremde Gestalt, „wenn es so ist, daß Ihr meinetwegen hier

schmachtet, so will ich Euch zur Gesellschaft sein an diesem rüchigen

Ort, der für ein so junges und schönes Frauenbild nicht will geschaffen

sein. Ich bin Rodam, der Sohn der ritterlichen Krimburger, und selbst

zum Ritter geschlagen vor wenigen Tagen im Schlosse der Kerngulder.

Ich bin der Knab’, den Ihr in der Bergschlucht mögt gesehen haben, dem

Ihr nachgefolgt seid und dessentweg’ Ihr der Freiheit beraubt worden.

Jungfrau, ich bitt’ Euch um die Gunst, lasset mich Euer Wächter sein.“

Bei diesen Worten war der Nonnenhabit von der Gestalt niedergesunken

und ein junger Rittersmann stand da in herrlicher Schönheit des Leibes

und im stolzen Schmucke seiner Würde.

Die Jungfrau saß unbeweglich am Fenster. Es war in der Dunkelheit nicht

zu sehen, wie sie erblaßte, wie sie zitterte und wie ihr Aug’ im Zorne

glühte. Sie wollte den kühnen Eindringling von sich weisen, sie wollte

um Hilfe schreien, allein in ihrer Brust wüthete ein Kampf, den sie

bisher noch nie empfunden, und ihre Zunge war wie gelähmt. Endlich sank

ihr Haupt und sie hub heftig zu schluchzen an.

Da sank der Ritter auf sein Knie und sagte: „Jungfrau, was soll das

bedeuten? Ich versteh’ es nimmer. Ich habe mich verleiten lassen,

vielleicht durch Uebermuth, vielleicht durch Eitelkeit, die dem Ritter

nicht geziemt; vielleicht wohl auch, weil ich Euere holdsame Gestalt

im Garten erblickt. Wie sehr Ihr angelegen mir seid -- daß ich um

Euretwillen der Ritterehr’ vergessen, zur List gegriffen hab’, das

mag’s Euch weisen. Nun bin ich da; am Morgen, wenn der erste Fink

wird singen und die Grasmücke zirpen, wird nach der Verabredung der

Pförtner wieder erscheinen und die Nonne von dannen geleiten. Rodam

aber wird hier auf seinem Knie ruhen die ganze Nacht und Euch anflehen

um Verzeihung.“

So sprach der Jüngling. Gudwella aber hatte sich erhoben und das

Lichtlein angezündet auf der rostigen Lampe. Rodam hatte eine Kohle

aus der Ofennische genommen. „Jungfrau,“ sagte er, „hier mit diesem

Griffel ziehe ich einen Kreis auf dem Boden um mich herum; und wenn ich

einen Schritt aus diesem Kreise trete, bevor der Pförtner erscheint,

so soll mich der große Gott verdammen auf Erden und bei seinem letzten

Gerichte!“ Und er zog mit der Kohle einen schwarzen Ring um sich.

Das Mädchen sah ihm dabei zu, dann sagte es leise: „Ist schon recht,

das ist der Zauberkreis, und wenn Ihr über denselben hinausspringt, so

holt Euch auf der Stell’ der Andere mit den schwarzen Hörnern und mit

der glühenden Kette!“

Es war schon wieder die Schalkheit in ihr.

So lebten sie nun; Gudwella saß am Fenster und blickte in die Nacht

hinaus auf den stillen Friedhof, der von den hohen Weiden und Birken

des Haines umgeben war, und über den die Sternlein des Himmels

funkelten. Rodam stand in seinem Kreise wie eine Statue aus Erz; die

Linke hatte er an seinen Gürtel gestemmt, in der Rechten hielt er das

entblößte Schwert, das er auf den Boden stützte. Die Locken wallten ihm

wild um das jugendzarte Gesicht; seine Lippen, über welchen kaum noch

der schattende Hauch der Männlichkeit zu verspüren war, hielt er fest

geschlossen, sein großes Auge wendete er nicht von dem Mädchen, das zu

hüten und zu schützen er gekommen war.

Endlich wollte Gudwella ein wenig ruhen, und als sie sich in den Sarg

niederließ, rief sie lustig wie einst durch das Fenster herein: „Je,

dies Bett ist mir viel zu eng!“

Das Licht wurde nicht ausgelöscht; da könnte, schloß das Mädchen, der

Rittersmann ja seinen Kreis nicht sehen und möchte leichtlich aus

Zufall die Grenze überschreiten.

Draußen stand nun der Mond über den schwarzen Wipfeln des Haines, und

die Kreuze warfen ihre Schatten über die thaublassen Grashügel, und es

war, als ging ein silbernes Spinnengewebe über Alles.

„Geht,“ rief die Jungfrau plötzlich aus ihrem Schreine hervor, „geht,

Herr Ritter, laßt Eure schauerliche Weis’ und legt das Schwert aus der

Hand, das kann ich nicht leiden.“

Gelassen lehnte Rodam das Schwert an die Mauer, stand aber nichts

destoweniger nach wie vor bewegungslos auf seiner Stelle.

Als es aber gegen den Morgen ging und Rodam merkte, daß Gudwella

nicht schlummere, sagte er: „Jungfrau, habt Ihr Euch in dieser Nacht

gefürchtet?“

„Wovor hätte ich mich fürchten sollen?“ entgegnete das Mädchen, „nicht

vor den Todten habe ich mich gefürchtet, weil ~Ihr~ dagewesen; und

nicht vor Euch habe ich mich gefürchtet, weil die Todten nahe sind.“

„So werde ich in der nächsten Nacht wiederum kommen, um bei Euch zu

wachen.“

Auf dieses Wort hatte das Mädchen nichts entgegnet.

Nun mußte draußen schon der Fink singen und die Grasmücke zirpen, im

Gange hallten die Schritte des Thorwarts. Rodam hüllte rasch den grauen

Habit um, that die dazugehörige Kapuze über das Haupt, und als der

Schlüssel im Schlosse knarrte, stieg er aus seinem Kreise und machte

eine schier minnesame Verneigung vor der Jungfrau, die sich in ihrem

leichten Kleidchen halb auf dem Lager erhoben hatte.

Der schlaftrunkene Alte führte hierauf die Nonne hinaus, schloß die

Pforten; und als die letzten Schritte in den Gängen verhallt waren, da

fand es Gudwella gar einsam und öd in der Kammer, genannt die stille

Herberg.

* * * * *

Am zweiten Tag versuchte es die junge Büßerin, einen großen, roth und

blaugefleckten Schmetterling durch das Fenster zu locken, was ihr aber

nicht gelang; der schöne Falter setzte sich wohl an ein Birkenreis und

lugte ein wenig in das Gemach; der goldlockige Mädchenkopf mochte ihm

gefallen, aber die Kammer war ihm zu dunkel und so flatterte er wieder

davon. Bald darauf sah Gudwella auf einem Birkenblatte eine schwarze

Puppe mit hellrothen Sternchen kleben. „Wart,“ sagte sie freudig,

„jetzt bekomme ich aber doch noch einen herein!“ Sie löste das Blatt

behutsam ab und legte es in der Kammer auf das Tischchen. Sie legte

auch noch andere Blätter dazu, deren sie vom Fenster aus habhaft werden

konnte; und sie verwahrte das Püppchen sorgfältig zwischen all’ dem

Grünen, und wartete nun, bis das Ding flügge werden sollte.

Es verging der Tag, es kam frisches Brot und frisches Wasser; es ließ

sich die Oberin erkundigen, ob die Novize ein besonderes Bedürfniß

oder ein Seelenanliegen habe; sie sandte bei dieser Gelegenheit ein

Fläschchen erfrischenden Getränkes, welches die Büßerin aber mit einer

etwas störrigen Bemerkung zurückschickte. Es kam auch sonst der Alte

noch mehrmals in die Kammer, aber der Schmetterling schlüpfte nicht aus.

Und zur späten Abenddämmerung meldete sich wieder die Schwester bei

dem Pförtner und verlangte Einlaß zur Büßerin, um dem jungen Blut

die nächtlichen Stunden zu mildern und ihm Litaneien und Psalmen

vorzubeten, wie es die Oberin befohlen habe.

Der Eintritt war ganz wie in der ersten Nacht, nur daß Gudwella

diesmal den Ritter schon erwartet zu haben schien. Sie hatte ein

Schnürchen in Bereitschaft, das sie vom Henkel des Fensters bis an die

gegenüberliegende Wand so ziehen wollte, daß es die Kammer in zwei

Theile schnitt, den einen für Gudwella, den andern für den feinen

Rittersmann. Der Kohlenkreis, meinte sie bei sich, sei doch zu eng

gezogen und könne gar so leicht übersehen werden in der nächtlichen

Dunkelheit, wenn etwa das Oel der Lampe ausginge und das Licht

verlösche.

Rodam hatte nichts dagegen einzuwenden. Er legte die Vermummung ab und

konnte sich nun in dem ihm angewiesenen Raume etwas freier bewegen, als

in der vorigen Nacht.

Gudwella blickte wieder zum Fenster hinaus und sagte auf einmal: „Ei,

das ist doch schön, jetzt steigen aus den Gräbern die Funken auf.“

Rodam eilte, um zu sehen. Glühende Johanniswürmchen schwebten über den

Hügeln. Gudwella lachte, daß sie durch ihren bildlichen Ausdruck den

Ritter an’s Fenster gelockt habe. Der Jüngling, dem Mädchen einmal so

nahe gekommen, wahrte seinen Vortheil, ohne jedoch im Geringsten an die

Grenzschnur zu streifen.

Das Mädchen hub an zu schwätzen, erzählte vom Walde, vom heimatlichen

Hofe, mischte allerlei kleine Schwänke darunter; dann aber begann es

auch an den jungen Rittersmann in recht zierlicher Art unterschiedliche

Fragen zu stellen, die er mit Freundlichkeit und Minne beantwortete.

Dann sagte sie, wie ihm doch das schwarze, weite Wamms mit den

hellrothen Schlitzen über der Brust so gut lasse, aber die obere

Schleife, achte sie, müsse er etwas knapper ziehen. Rodam stellte sich

an die Schnur und sagte: „Jungfrau Gudwella, ich kann es mit meinen

Augen nicht sehen, wie mir die Schleife am Halse steht; ich bitt’ Euch

daher, daß Ihr mir sie nach Eurem Ermessen zurechtrücken wolltet.“

Da hob das Mädchen die zarten Hände bis gegen das Kinn seines jungen

Hüters, zog die Sammtschleife knapper, ließ sie wieder locker, daß

der weiße schlanke Hals ein wenig herauslugte, und band sie dann um

so fester und enger zusammen. Rodam versäumte nicht den Augenblick,

als nach vollbrachtem Werke die Händchen sanken, um dieselben mit den

seinen aufzufangen und minniglich zu küssen. -- Dabei nun strich er

freilich ein wenig an die Schnur, daß dieselbe bis an ihre Enden hin

erzitterte.

Ueber den Wipfeln des Haines stand wieder der Mond und goß, trotz

des trübflackernden Lämpchens das weiße Bild des Fensters mit seinen

dunklen Rahmen und Gittergewinden auf den Boden der Kammer.

„O nein, Mond“, sagte da Gudwella, „mit dem bloßen Schein bin ich nicht

zufrieden, ich will dein ganzes kugelrundes Leiblein bei mir im Kämmerl

haben.“

Sofort stellte sie den vollen Wasserkrug an’s Fenster. „Gucket, Herr

Ritter,“ rief sie, „da d’rin hockt er jetzt, der Schelm; nur zum

Trinken muß man ihm was vorsetzen, gleich ist er da.“

Die ganze Mondscheibe blinkte aus dem schwarzen Grunde des Wassers.

„Ja, der hat’s gut,“ entgegnete Rodam, „der braucht nicht erst die

Kleider abzulegen, wenn er badet.“

Gudwella schwieg diesmal. Sie entfernte sich ein wenig von der Schnur,

und der Jüngling wog erst jetzt das ausgesprochene Wort, und es war

ihm weh’, das reizende Kind verscheucht zu haben. Es war ihm jählings

gar schwül in seiner Brust, er schlug den Fensterflügel auf und lehnte

sich an die Brüstung.

„Warum thut Ihr das?“ sagte Gudwella, „Ihr müßt das Tuch über’s Haupt

legen, wenn Ihr zum Fenster geht.“

„Es schreit der Nachtvogel so stark,“ sagte der Jüngling.

„Der Nachtvogel? Herr Ritter, vielleicht fliegt er herein, daß wir ihn

füttern könnten,“ versetzte das Mädchen, welches alles Gethier und

selbst die Nachteule um sich versammelt haben wollte. Sie eilte an das

Fenster, um zu horchen; und jetzt waren da die beiden Häupter so nahe

beisammen, daß Gudwella fühlte, der Rittersmann habe eine heiße Wange,

daß Rodam vernahm, wie der Jungfrau das Herzchen schlug. Und da war es

plötzlich dem jungen Edelmann, der rechts stand, als ob er den Vogel

nur mit seinem linken Ohre höre, dem Mädchen hinwiederum schien es,

als ob derselbe zur Rechten schreie -- sie wendeten ihre Köpfe, und so

fügte es sich, daß jählings die zwei Paar Lippen aneinander glitten....

In demselben Augenblicke hallten draußen im Gange die Schritte eines

Nahenden. Es sang noch nicht der Fink, es war erst Mitternacht. Rodam

schlüpfte nicht in seine Vermummung, er griff nach dem Schwerte.

Gudwella aber erhaschte ein Psalmenbuch, schlug es auf und betete laut

im gewohnten Litaneienton:

„Mein Leben wollten sie vertilgen in der Grube, sie legten einen

Stein auf mich. Schon schlug das Wasser über meinem Haupte zusammen,

ich dachte, es ist aus mit mir. Da rief ich aus des Abgrundes Tiefe,

Jehova, Deinen Namen. Du nahtest Dich am Tage, als ich Dich um Hilfe

flehte, und sprachst: Fürchte Dich nicht! Du, Herr, führtest die Sache

meiner Seele, Du rettetest mein Leben!....“

Als der alte wachsame Todtengräber vor der Thür hörte, daß die Büßerin

so bete, und also Alles seine Ordnung haben werde, ging er wieder

davon. Gudwella aber erschrak baß über das Klagelied des Jeremias,

durch welches sie zufällig ihre eigene Herzensstimmung dem Rittersmanne

vorgesungen hatte. -- Ihre Seele zitterte, ihr Gemüth war schwer. Ohne

noch ein Wort zu sagen, legte sie sich in ihren Schrein.

Rodam stand an der Markschnur, die von der Bewegung bei dem vorigen

Ereignisse kaum noch zur Ruhe gekommen war, und seine Gestalt sah

wieder einer ehernen Statue gleich; nur sein offenes Antlitz war

geröthet, und sein großes, dunkles Auge glühte und wollte sich von der

lieblichen Schläferin nimmer wenden.

Draußen jauchzte noch zweimal die Nachteule; des Mondes blasse Tafel

auf dem Boden hatte sich gar seltsam gegen den Sarg hin verschoben. Das

matte Licht der Lampe war verloschen.

Endlich sang der Fink, zirpte die Grasmücke; der alte Wart kam und

geleitete die fromme Schwester von dannen. Und als Gudwella erwachte,

war sie allein.

* * * * *

Am dritten Tage ließ die Aebtissin der jungen Novize sagen, sie und

alle ehrwürdigen Schwestern seien erfreut, daß Gudwella so geduldig und

standhaft in ihrer Buße verharre, und man bete für sie, daß sie auch

noch den letzten Tag und die letzte Nacht in christlicher Ergebenheit

zubringe, auf daß sie rein und gerechtfertigt in die heiligen Mauern

des Klosters zurückkehren könne.

Es war dem Stifte viel gelegen an diesem Weltkinde, welches, wenn

auch launig, übermüthig und ausgelassen, doch sein irdisch’ Gut der

himmlischen Gemeinde zum Opfer brachte. Die bösen Begierden erachtete

man durch die stille Herberge wohl als gebrochen; und so wurde

erwartet, daß Gudwella, die in dieser Sache weder an ihrem strengen,

gottesfürchtigen Vater, noch an einem anderen Freund oder Verwandten

eine Zuflucht hatte, nach Verlauf des Probejahres den bindenden Segen,

der sie bis zum Tode an das Haus des Friedens fesseln soll, dankbar

annehmen werde.

Darum wurden dem Mädchen am dritten Tage seiner Gefangenschaft die

obigen gütigen Worte gesagt. -- Zwei Schwestern hatten sie gebracht,

waren aber bald wieder aus dem unheimlichen Gemache davongegangen. --

Die haben es eiliger, als die brave Nonne, die zur Nachtzeit kommt, um

der armen Büßerin christliche Beistandschaft zu leisten -- hatte sich

der Pförtner gedacht.

Dann hatte der Alte der Gefangenen wieder die nöthigen Dinge gebracht,

und hatte schließlich gefragt, ob noch Oel in der Lampe, worauf

Gudwella „ja“ geantwortet, und hatte die Zelle verlassen.

An diesem Tage waren zwei Hummeln in das Kämmerlein geflogen, hatten

um das Haupt des Mädchens eine Weile herumgeläutet, hatten hierauf

Hochzeit mit einander gehalten.

Der Schmetterling unter den Birkenblättern aber hatte sich noch immer

nicht entpuppt, und das Mädchen blickte sehnsüchtig in den sonnigen,

blühenden Tag hinaus, in welchem überall das Leben spann und klang. Die

Hügelchen schienen sich nach und nach zu ebnen, selbst die hölzernen

Kreuze morschten und sanken der Erde zu, während aus dieser Halm um

Halm, Blüthe um Blüthe in reicher Fülle sproßte.

Endlich kam auch des dritten Tages Abend und mit ihm die Nacht. Bei dem

Pförtner meldete sich wieder die Klosterfrau, im Kämmerlein erschien

der Ritter.

Er grüßte minniglich, sie dankte fein. Er hob ihre weiche Hand zu

seinen Lippen, sie lächelte mild. Sie war heute nicht übermüthig und

sie war nicht verzagt; sie war der Jungfrauen holdeste -- sie dankte

süß, daß er gekommen.

Sie hatte heute keine Schnur gezogen, und auch der Kohlenkreis war

verwischt. Als sie die Lampe wollte anzünden, war kein Oel darin. Also

bat sie den jungen Rittersmann, daß er auch in dieser Nacht, wie in den

vorhergehenden Nächten, ihr tugendsamer und treuer Hort verbleiben möge.

„Meine liebholde Jungfrau,“ antwortete der Jüngling, „Rodam hätte Euch

Folgendes zu sagen: Seines Vaters Landgüter sind groß, aber sie haben

ihre Grenzen ringsum, und diese Grenzen sind mit Marksteinen besetzt,

auf daß der Landmann und der Hirt und der Jäger weiß, wie weit sich das

Reich erstrecke. Und so muß auch, schöne Jungfrau Gudwella, Rodam’s

Reich in Euerem Gemache eine sichtbare Schranke haben, über die er

nicht greifen darf, innerhalb derselben er aber schalten und walten

mag nach Lieb’ und Lust. -- Ihr seht, mildreiche Maid, dort über den

Weiden steht der Mond; er legt seine lichte Tafel auf den Boden dieses

Kämmerleins; wollet Ihr es erlauben, daß ich Besitz nehme von diesem

hellen Viereck und darin verbleibe die ganze Nacht, und darin schalte

und walte nach meinem Belieben?“

„Das will ich Euch gerne gestatten, mein höflicher Rittersmann,“

versetzte Gudwella gemessen, „die Zelle ist nicht groß, und es mag mich

daher sehr freuen, daß Euere Ansprüche so bescheiden sind.“

Sie hatte erwartet, daß sich wieder Gelegenheit bieten würde, an seiner

vielleicht etwas lockeren Bekleidung Einiges zu ordnen. Nun er dort am

Ofen wie eine Bildsäule stand und stehen sollte, war an derlei nicht zu

denken.

Gudwella hatte von seiner und ihrer Tugendlichkeit einen hohen Begriff,

und dachte an nichts, und wußte von nichts, was es außer derselben

etwa noch geben könnte. Aber darin war ihre Weltanschauung im Klaren,

daß allzu große Bescheidenheit den Rittersmann nicht ziere. Sie that

schweigend ihr Oberkleid ab und legte sich in das bereits völlig

traulich gewordene Bettlein. Sie löste ihr Haar, sie legte ihren

Arm unter das Haupt; dann rührte sie sich nicht mehr, betete still,

träumte, schlief endlich ein. --

Rodam aber stand, stets seines Ritterwortes eingedenk, auf dem silberig

schimmernden Viereck. Gar still war es im Kämmerlein und draußen, und

das freundliche Rund des Mondes zog so langsam über den Wipfel des

Haines dahin.

Einmal bewegte sich die Jungfrau ein wenig und hauchte träumend ein

süßes Wort.

Rodam sah zum Boden nieder, auf dem sein helles Reich sich still und

sachte der mitternächtigen Himmelsgegend zu bewegte.

Es war eine schwüle Nacht; Rodam mußte am Kinne seine Schleife lockern

und sein schwarzes Wamms mit den hellrothen Schlitzen über der Brust.

Die reichen Locken seines Hauptes waren ein wenig feucht; einzelne

Härchen regten sich und zitterten wie im Hauche eines südlichen

Lüftchens. Wer es gesehen hätte: aus den Spitzen dieser Lockenhaare

haben blaue, glanzlose Flämmchen gezuckt zur selbigen Stunde.

Rodam dürstete nach einem Schluck Wassers, allein von seiner Stelle

aus konnte er den Krug nicht erreichen. Die Spitzen seiner Finger

waren kalt, er legte sie an die Stirne, an die glühenden Wangen, an die

lechzenden Lippen.

So verging Stunde um Stunde in heißer Glut und in stiller Ruh’. Und

als die Mitternacht und ein halb’ Stündchen noch verflossen war, da

ereignete es sich, daß Jungfrau Gudwella plötzlich vom Schlummer

emporfuhr und einen schweren Schreckhauch that.

Die Augen schlug sie auf, da sah sie über sich das helle silberperlende

Rad -- und die Tafel des Mondes lag auf ihrem Schreine....

In demselben Augenblicke aber schob sich ein Wolkenstreifen, der lange

schon am nächtlichen Himmel stand, vor den Planeten; tiefer Schatten

stand im Kämmerlein allerwärts. -- Der Jüngling hatte keinen eigenen

Boden mehr unter seinen Füßen. Das lichte Bereich war verloren. -- -- --

Am Morgen, als Rodam wieder davon war, flatterte ein buntes Flämmchen

im Kämmerlein umher. Der Schmetterling hatte sich entpuppt.

Und als die Sonne aufging und das Glöcklein schallte oben in der

Kapelle des Klosters, da kamen der Schwestern sieben, um die standhafte

Büßerin aus ihrem düsteren Gewahrsam zu befreien.

Gudwella schritt mit blassem Antlitz und gelöstem Haar aus der Zelle,

und ihr Auge senkte sich demuthsvoll zur Erde.

Da war es zur Stunde, daß der alte Thorwart und Todtengräber einen

heiseren Ruf der Ueberraschung ausstieß.

Auf einem hohen, wildschnaubenden Hengste kam herangeritten, genau nach

Mannesart im Sattel sitzend, die Schwester im grauen Habit, welche die

drei Nächte hintereinander gekommen war, um der Büßerin, dem jungen

Blut, die nächtlichen Stunden zu mildern.

Und in einem kühnen Satze sprang diese Nonne jetzt vom Roß, weithin

flatterte der Habit auf den Sand und ein schmucker Ritter stand da, dem

Alten drei schwere Goldstücke in den Hut werfend -- als Schlüsselgeld.

Dann, als die sieben ehrwürdigen Frauen mit der jungen Büßerin

herankamen, stellte sich der Rittersmann trotzig ihnen in den Weg,

begehrte in kühner Sprache, daß man anhalte und ihn höre, und warb dann

schön und minniglich um die junge Maid Gudwella.

Und die junge Maid schlug entzückt ihr Auge auf und sah im strahlenden

Tageslichte die Anmuth und Herrlichkeit ihres vielgetreuen Hüters. Mit

züchtigem Schritt abwendete sie sich von den sieben würdigen Schwestern

und legte ihre Hand in die des Ritters.

Im Niedergange stand die blasse Scheibe des Mondes; im Aufgange aber

loderte das Flammenrad der Sonne, voll ewiger Majestät verkündend:

„~Das Leben siegt!~“

[Illustration]

Verlag von L. Staackmann in Leipzig.

Peter Rosegger.

Ein Beitrag zur Kenntnis seines Lebens u. Schaffens.

~Von Hermine und Hugo Möbius.~ Ca. 9 Bogen in Lexikon 8^o, reich

illustriert mit verschiedenen Beilagen; elegant kartoniert. Preis M.

3.50.

Der Inhalt zerfällt in: I. =Roseggers Leben= (Jugendzeit in

Alpl, Handwerkerzeit in der Waldheimat, Studienzeit in Graz; sein

Leben in Graz und Krieglach, Rosegger als Vorleser, seine religiösen

Anschauungen, die Heilandskirche und das Waldschulhaus, Roseggers

60. Geburtstag). II. =Roseggers Werke=: Charakteristik des

Dichters, Einführung in seine Werke (Besprechung der Hauptwerke, der

kleineren Erzählungen und Schilderungen, der Schriften in steirischer

Mundart). III. =Aufzählung der Werke= und =vollständiges

Inhaltsverzeichnis= derselben (alphabetische Reihenfolge der

mehr als 1300 verschiedenen Erzählungen etc.) -- =Eine Fülle von

interessanten Illustrationen=, die zum Teil noch nie veröffentlicht

wurden, werden dem Werk zur besonderen Zierde gereichen; der Preis ist

ein außergewöhnlich niedriger.

=Leipz. N. N.= sagen u. a.: Ein zuverlässiger Führer ist das

vorliegende Buch in jedem Falle. Und es liest sich gut. Auch zu

Geschenkzwecken dürfte es sich seiner geschmackvollen Ausstattung wegen

gut eignen.

=Pädagog. Brosamen=: Das ist ein wunderhübsches Buch nach Inhalt

und Ausstattung, ein höchst empfehlenswertes Geschenk! Wie sehr mir

das Buch gefallen hat, erhellt wohl daraus, daß ich das Buch ohne

abzusetzen, durchgelesen habe.

=Neues Wiener Tageblatt=: Reich an Schilderungen und

Charakteristik ist dieses Rosegger-Buch und wert, von jedem gelesen zu

werden, der den Dichter liebt, so wie er es verdient, geliebt zu werden.

Das Buch der Novellen. Erster Band · 第 26 / 32 题