einem Klümpchen in der Mitte, das anzeigt, wo der Same sitzt. Sie
werden vom Winde am Rande des Feldes und in den Straßen hingetrieben
und füllen oft die Rinnsteine. Wenn sie von der kleinblättrigen
Feldulme herrühren, so ist es zweifelhaft, ob sie aufwachsen werden.
Aber wenn ihr eine großblättrige Bergulme im Garten habt, könnt ihr die
Früchte leicht erkennen, weil sie ganz in der Mitte des Scheibchens
sitzen, während sie bei der Feldulme näher an die Spitze heranliegen.
Diese Samen sind reif, und es lohnt sich, sie zu säen.
Alle großen Waldulmen liefern sehr gutes Bauholz. Sie leben oft vier-
bis fünfhundert Jahre, aber die beste Zeit, sie abzuholzen ist, wenn
sie ungefähr 120 Jahre alt sind.
[Illustration: Ulmenzweige. 1. Zweig mit Blüten. 2. Zweig mit Früchten.]
Auf der Ulme leben eine Menge Insekten. Das schädlichste von ihnen
ist ein Käfer, der sich nach der inneren Rinde durchfrißt und den
Saft aufsaugt. Dann bohrt der weibliche Käfer kleine Gänge an beiden
Seiten der Röhre. In jeden Gang legt er ein Ei, und wenn die Larven
auskriechen, fressen sie das Holz. Die Bäume ganzer Wälder sind schon
manchmal durch diesen Ulmensplintkäfer zerstört worden.
Suche den Zweig einer Esche und betrachte Zweige und Knospen. Suche
ein Büschel von Eschenfrüchten. Suche die korkartigen Zweige der Ulme
und die grünen Samenscheibchen im Mai. Suche in vermoderten Ulmen
nach den Gängen des Ulmensplintkäfers.
Lektion 12.
Im Parke.
In unseren großen Parks wird man alle Arten der deutschen Bäume finden
neben vielen anderen, die deshalb interessant sind, weil sie aus dem
Auslande stammen. Alleen von mehreren Kilometern Länge werden oft mit
einer Art von Bäumen bepflanzt, mit Kastanien, Buchen, Eichen oder
Linden, und da die Bäume hier frei stehen, so entwickeln sie sich
meist schöner als in den Wäldern. Wir haben bis jetzt noch nicht von
der Linde gesprochen, aber ihr kennt diesen schönen Baum sehr gut
mit seinem geraden, glatten Stamme, seinen hellgrünen, herzförmigen
Blättern, die auf der einen Seite größer als auf der anderen und oben
zugespitzt sind, und seinen gelblichgrünen Blüten, die an einem langen
Stiele hängen, der aus der Mitte eines gelbgrünen Blattes hervorwächst
(siehe bunte Tafel VIII, 2).
Pflückt einige von diesen Blüten im Juli oder einige der runden,
flaumigen Früchte, die gerippt sind, im Herbste, wenn sie reif sind.
Das Blatt, aus dem sie hervorwachsen, heißt Deckblatt und ist etwas
Ähnliches wie die Schuppen, auf denen die Staubgefäße der Weide und
die Samen der Fichte wachsen. Bei der Linde ist das Deckblatt lang
geworden, und dient dazu, im Winde die Frucht mit fortzutragen. Die
innere Rinde oder der Bast der Linde ist sehr nützlich zur Anfertigung
von Tauen, und die Bienen lieben die Linde von allen Bäumen am meisten,
weil ihre Blüten einen süßen Duft ausströmen und eine Menge Honig in
ihren Kelchen bergen.
Ein anderer Baum, der den Bienen fast ebenso nützlich ist wie die Linde
und noch früher blüht, ist der Bergahorn. Seine grünen Blütentrauben
hängen von den Zweigen herab, ehe die Blätter ganz heraus sind. Der
Bergahorn ist ein sehr schöner Baum mit großen fünflappigen Blättern,
der dem Feldahorn sehr ähnelt. Wenn man bei warmem Wetter unter
einem Bergahorn steht, so wird man oft bemerken, daß Tropfen davon
herunterfallen, und daß seine Blätter klebrig sind. Alle Ahornarten
enthalten nämlich eine große Menge zuckerigen Saftes, der aufsteigt
und aus den Blättern quillt, entweder da, wo sich ein Riß in ihnen
befindet, weil sie trocken sind, oder da, wo ein Insekt ein Loch
gebissen hat. Ihr habt gewiß schon die kleinen, schädlichen Blattläuse
bemerkt, die an Rosen und anderen Pflanzen dicht zusammensitzen und
ihnen den Saft aussaugen. Hunderte und Tausende von ihnen nähren sich
von dem Saft der Bäume, und dazu kommen noch andere Insekten, wie
z. B. die Schaumzikade, deren Larve sich ganz mit Schaum bedeckt, der
vom Volke „Kuckucksspeichel“ genannt wird. Durch die Risse, die die
Insekten verursachen, sickert der Saft des Ahorns heraus und fließt
über die Blätter.
Die Frucht dieses Baumes ist sehr sonderbar. Sie ist geflügelt wie
die der Esche, aber zwei Früchte wachsen zusammen, so daß die beiden
Flügel sich wie die eines Schmetterlings ausbreiten (siehe Abbildung).
Die Flügel der Feldahornfrucht breiten sich weiter aus als die des
Bergahorns.
[Illustration: Ahornzweig mit Frucht.]
Das Holz des Ahorns wird zur Anfertigung von Möbeln gern benutzt. Sehr
viele unserer Pulte und Kleiderschränke werden aus amerikanischem
Ahorn gemacht, denn dort sind Ahornarten viel verbreiteter als bei
uns. Ahornzucker, den amerikanische Kinder sehr lieben, wird aus dem
zuckerhaltigen Safte einer amerikanischen Art bereitet, der deshalb
„Zuckerahorn“ heißt.
[Illustration: 1. Erdbeerbaum mit Blüte und Frucht. 2. Lindenzweig in
Blüte.
V. 8.
]
Ein anderer Baum, den man in Gärten und Parks findet, ist der
Walnußbaum, der von den Römern nach Deutschland gebracht wurde. Es ist
ein großer, sich weit ausbreitender Baum mit einem rauhen Stamm und
starken, krummen Ästen und Zweigen. Die Blätter sind gefiedert wie
die der Esche, aber sie sind viel größer. Sie haben einen hübschen,
rötlichen Schimmer, wenn sie jung sind, und einen starken Geruch, wenn
man sie zerdrückt.
Diese Bäume wachsen so schnell, daß sie in zehn Jahren ungefähr 7 Meter
hoch werden; dann beginnen sie zu blühen und Früchte zu bilden. Sie
wachsen bis zu einer Höhe von 20-25 Meter. Im April kann man die langen
Kätzchen von dem Baume herabhängen sehen, gerade wenn die Blätter
hervorbrechen. Die männlichen Blüten sitzen an der Spitze der Zweige
des letzten Jahres. Aber die kleinen Gruppen von Blüten, aus denen sich
die Walnüsse entwickeln, sitzen auf den neuen Zweigen, die sich gerade
aus den Knospen gebildet haben. Ihr alle kennt die Walnuß. Sie ist in
eine grüne Schale eingeschlossen, deren Saft eure Finger braun färbt,
wenn ihr sie abschält. Sobald die grüne Schale entfernt ist, kann man
ein Messer zwischen die beiden Hälften der harten Schale schieben und
sie auseinander spalten. So trennt man den Fruchtkern, den man essen
kann, in der Mitte, gerade da, wo der Keim der zukünftigen Pflanze
liegt. Wenn man genau hinsieht, kann man die kleine weiße Knospe und
die Wurzel unterscheiden, die zwischen den Samenblättern am spitzen
Ende der Nuß liegt. Das Holz des Walnußbaumes ist sehr wertvoll für die
Anfertigung von Möbeln, denn es wird dunkelbraun, wenn der Baum alt
ist, und ist sehr schön gemasert.
Ich möchte euch nun noch von einem anderen baumartigen Strauche
erzählen, der in Südeuropa heimisch ist und bei uns zuweilen in
Parkanlagen und Gärten gezogen wird. Es ist der Erdbeerbaum, so
genannt, weil seine Früchte Erdbeeren ähnlich sehen. Es ist ein
immergrüner Strauch mit grünen, glänzenden Blättern von der Form eines
Lorbeerblattes, die am Rande grob gezähnt sind. Die krugförmigen Blüten
sind wachsgelb und hängen an gebogenen Stielen. Aber das Sonderbarste
an diesem Strauche ist, daß es ein Jahr dauert, bis die Früchte
reif werden. Zuerst sind sie blaßgelb, dann färben sie sich immer
dunkler bis sie glänzend rot sind und zu zweien oder dreien zwischen
den dunkelgrünen Blättern hängen, gerade wenn der Baum wieder seine
hübschen weißgrünen Blüten treibt.
Unter den Bäumen, die man in Parks finden kann, wirst du besonders
viele Nadelbäume bemerken, die aus fremden Ländern bei uns eingeführt
sind und entweder ihres schönen Wuchses oder auch ihrer eigenartig
gefärbten Nadeln wegen von den Gärtnern gezüchtet werden. Häufig finden
wir auch die großen Magnolien und die Tulpenbäume, von denen erstere
so schöne, große, weiße und rötliche Blüten haben. Aber dies sind
Fremdlinge, und wir müssen zufrieden sein, wenn wir etwas über deutsche
Bäume wissen.
Suche die Blüten und Früchte der Linde; die Blätter der Ahornarten,
die von Honigtau kleben; die Blätter und Kätzchen des Walnußbaumes.
Öffne eine Walnuß und suche im Innern die junge Keimpflanze.
Lektion 13.
Blätter. Ihre Gestalt und ihr Stand.
Im Sommer, wenn die Bäume voll belaubt sind, und ihr sie kennen gelernt
habt, solltet ihr Zweige von verschiedenen Bäumen holen und beobachten,
wie die Blätter an den Ästen wachsen, und welche Formen sie haben.
Wir haben schon bemerkt, daß einige Bäume wie die Roßkastanie und der
Ahorn gegenständige Blätter haben, wo eins dem anderen am Stengel
gegenübersteht, also zwei aus einem Sproßknoten wachsen. Andere
dagegen, wie die Ulme und die Buche z. B., haben wechselständige
Blätter, so daß jedes seinen Sproßknoten hat. Aber es gibt viele Arten
von wechselständigen Blättern, und es wird euch Vergnügen bereiten, sie
ausfindig zu machen.
Bei der Ulme und der Buche kommt jedes zweite Blatt genau über dem
darunter stehenden heraus. Blatt 1 entspringt an der einen Seite des
Zweiges, Blatt 2 auf der anderen Seite, Blatt 3 genau über Blatt
1. Aber wenn ihr einen Zweig der Zitterpappel oder Espe nehmt, so
wird es Blatt 4 sein, das genau über Blatt 1 steht. Dann nehmt einen
Eichenzweig. Ihr werdet sehen, daß ihr sechs Blätter zählen müßt, ehe
ihr eins genau über dem ersten stehend findet. Alle diese Unterschiede
haben ihren Zweck, und wenn man die Bäume im Walde genau ansieht, so
wird man finden, wie diese verschiedenen Anordnungen die Blätter in
Stellungen bringt, wodurch sie am besten Licht und Luft erhalten.
Ferner ist dann die Form der Blätter zu beachten. Botaniker haben sehr
viele Namen, um die Gestalt, den Rand, die Adern und die Abteilungen
der Blätter zu beschreiben. Ich kann euch nur einige davon sagen, so
daß ihr eure Augen öffnen und andere selbst finden mögt.
Blätter, die ungeteilt sind, so daß man nicht ein Stück abreißen kann,
ohne das Ganze zu beschädigen, heißen einfache. Die Blätter der Ulme,
Buche, Edelkastanie, Linde, Eiche, Weide, des Bergahorns und viele
andere sind einfach.
Blätter, die in verschiedene Teile zerschnitten sind, so daß man einen
abreißen kann, ohne die anderen zu berühren, heißen zusammengesetzte.
Die Blätter der Roßkastanie, Esche, Rose, des Vogelbeerbaumes und
des Holunders sind zusammengesetzt. Ihr müßt euch ins Gedächtnis
zurückrufen, daß die Abteilungen Blattabschnitte und nicht Blätter
sind, weil sie am Ende keine wachsende Spitze und im Blattwinkel keine
Knospen haben. Die Blättchen wachsen aus der Spitze des Blattstengels
heraus (Roßkastanie) oder aus der schmalen grünen Mittellinie (Rose),
die nicht der Stengel, sondern die Mittelrippe des Blattes ist.
Nehmt nun alle einfachen Blätter, die ihr habt und seht, wie sie
gestaltet sind. Die beste Weise, dies herauszufinden ist, ein Blatt auf
eure Schiefertafel zu legen und eine Linie herumzuziehen. Das ist sehr
leicht bei einem Buchenblatt oder dem Blatte einer Edelkastanie. Aber
wenn ihr ein Eichenblatt nehmt, so geht der Rand zuweilen bis an die
Mittelrippe, so daß man meinen kann, ein geteiltes Blatt zu haben.
Um die Form eines Blattes festzustellen, muß man es anders machen. Man
muß, am Stengel des Blattes beginnend, eine Linie um die äußersten
Punkte desselben herumziehen, bis man wieder an den Stengel kommt.
Wenn man ein Ahornblatt so mit einer Linie umzieht, so wird eine Figur
heraus kommen, die einer Niere ähnlich ist. Das Blatt des Bergahorns
wird mehr herzförmig sein, länger und in einer stumpfen Spitze endend.
Ein Eichenblatt ist länglich rund, länger als breit. Das Ulmen- und
das Buchenblatt ist eiförmig oder oval, wie man sagt, während das
der Edelkastanie schmal und lang ist. Ein Lindenblatt endlich ist
herzförmig, aber ungleich, da eine Seite größer ist als die andere. Es
ist ungleichseitig.
[Illustration: Zusammengesetzte Blätter. 1. Roßkastanie. 2. Rose.]
Nun laßt uns untersuchen, wie die verschiedenen Blätter am Rande
ausgezackt sind. Einige, wie die des Flieders und des Efeus, sind
glattrandig. Andere sind buchtig und das Blatt der Stechpalme ist
grobstachlig gezähnt zu seinem Schutze. Aber wenn ihr die Blätter an
der Spitze des Baumes betrachtet, wohin das Vieh nicht reichen kann,
so werdet ihr oft finden, daß diese Blätter keine Stacheln erzeugen.
Andere Blätter haben rund um den Rand Zähnchen. Das Blatt der edlen
Kastanie ist am Rande wie eine Säge ausgezackt. Das Blatt einer Birke
ist ebenso, aber wenn man es genau betrachtet, so wird man sehen, daß
es zwei Reihen von Zähnchen hat. Der Rand der großen Zähnchen ist
noch einmal gezähnt. Dieses Blatt hat also einen doppelt gezähnten
Rand. Andere Blätter haben tiefe Einschnitte oder Lappen. Der Rand
eines Eichenblattes ist manchmal nur buchtig, manchmal hat er tiefe
Einschnitte. Das Blatt eines Bergahorns hat fünf große, spitze
Abteilungen oder Lappen.
Vergleicht das Blatt des Bergahorns mit dem der Eiche. Ihr werdet
sehen, daß die Adern, die das Skelett der verschiedenen Blattformen
ausmachen, nicht überall gleich laufen. Beim Bergahornblatt gehen die
großen Adern oder Rippen von der Spitze des Stengels aus und breiten
sich aus gleich fünf Fingern, während die kleinen Adern von den großen
ausgehen. Ein solches Blatt heißt handförmig, weil die Adern gleich
sind den Fingern an der Hand. Beim Eichenblatt dagegen läuft eine
lange Rippe in der Mitte empor. Von ihr gehen die kleineren aus wie
die Strahlen einer Vogelfeder. So sagt man vom Eichenblatt, daß es
federartig geädert oder gefiedert ist von Fieder, was gleichbedeutend
mit Feder ist.
[Illustration: Formen und Ränder von Blättern.
1. Buche -- eiförmig, Rand buchtig. 2. Eiche -- verkehrt eiförmig,
tief buchtig. 3. Edelkastanie -- breitlanzettlich, lang und spitz
gezähnt. 4. Birke -- doppelt gezähnt. 5. Linde -- herzförmig oder
schief-dreieckig. 6. Bergahorn -- herzförmig, fünflappig, handförmig.
7. Ahorn -- nierenförmig, fünflappig, handförmig.]
Nun nehmt die zusammengesetzten Blätter der Roßkastanie, der Esche und
der Rose. Bei der ersteren wachsen die Blattabschnitte gerade wie bei
dem Bergahorn. Sieben Rippen gehen von der Spitze des Stengels aus
und verbreiten sich wie Finger; es ist also auch ein handförmiges oder
gefingertes Blatt. Aber bei der Esche und Rose geht eine Rippe in der
Mitte empor und die einzelnen Blättchen sind federartig angeordnet.
Diese Blätter nennt man also gefiedert.
Es gibt außerdem viele Übergangsformen von Blättern, und wenn ihr sie
sammelt und in einem alten Schreibhefte ordnet, werdet ihr bald eine
Vorstellung von der Bedeutung der Namen bekommen.
Beschreibe die Blätter der Eiche, der Roßkastanie und der Ulme und
ihre Stellung. Ordne die einfachen und zusammengesetzten Blätter, die
du finden kannst, in einem Schreibhefte und beschreibe sie.
[Illustration]
Kinderaugen in der Natur
Erstes Buch
Tiere und Pflanzen in Wald und Feld
Zweites Buch
Am Teich- und Flußufer
Drittes Buch
Pflanzenleben in Feld und Garten
Viertes Buch
Aus dem Leben unserer Vögel
Fünftes Buch
Bäume und Sträucher
Sechstes Buch
Aus dem Leben der Insekten
Bisheriger Absatz ungefähr 50000 Stück
Verlag von Hermann Gesenius in Halle (Saale)
Von 8 bis 10 Jahren.
~Dr.~ Hartmanns Jungmädchenbücher:
Band 1. =Rotschwanz und Büschelohr=, verfaßt von +Magda Schelling+.
Gebunden M. 1.20.
Band 2. =Kriemhilds Rosengarten.= Alten Volkssagen nacherzählt von
+Ilse Treu+. Gebunden M. 1.20.
Band 3. =Walhall.= Alten Volkssagen nacherzählt von +Ilse Treu+.
Gebunden M. 1.20.
Band 4. =Vogelgesellschaft bei Buchfinks=, verfaßt von +Magda
Schelling+. Gebunden M. 1.20.
Band 5. =Das Stuttgarter Hutzelmännlein.= +Eduard Mörike+ nacherzählt
von +Elfriede Kittelmann+. Gebunden M. 1.20.
=Die höheren Mädchenschulen=: Die Bücher wollen dem Mangel an
gediegenem Lesestoff für Mädchen von 8 bis 10 Jahren abhelfen. Sie
erfüllen ihren Zweck in jeder Weise aufs beste. Die äußere Ausstattung
mit dem Buntbild der zwei lesenden Mädchen ist sehr gefällig und
lockt die Kinder; Papier und Druck sind sehr gut und die Einteilung
in kurze Geschichten oder Kapitel für dieses Alter sehr glücklich.
Die Stoffe sind aufs günstigste gewählt. Band 1 und 4 bieten
Naturwissenschaftliches. Die Erzählungen sind so lebendig, daß man
fast menschlichen Anteil an dem Schicksal der Tiere und Pflanzen
nimmt. Dabei lernen die Kinder eine Menge, ohne die Absicht irgendwie
zu merken. Die Geschichten sind in hohem Maße geeignet, Anteil und
Liebe an der Natur bei den Kindern zu wecken. In Band 2 und 3 werden
in ebenso ansprechender Weise altdeutsche und nordische Sagen erzählt.
Der Heldenkreis um Dietrich von Bern und die Götter Walhalls treten den
Kindern nahe. In Band 5 wird die allerliebste Erzählung vom Stuttgarter
Hutzelmännchen nacherzählt. All die krausen Ranken in Stil und
Erzählweise sind abgeschnitten, die für die Kinder -- und nicht nur für
diese -- das reizende Märchen so schlimm verwirren, so daß sich alle an
seinem humorvollen Kern freuen können. Für Schülerinnen-Büchereien sind
die Bändchen eine wertvolle Bereicherung. Für den Familienkreis haben
sie noch den Vorzug, daß Knaben sie ebenso gern lesen, und daß sie sich
vorzüglich zum Vorlesen eignen, so daß sie recht zum Handbuch geeignet
sind.
J. L.
[Illustration:
KUNSTANSTALT
FR. EUGEN KÖHLER, G.m.b.H.
GERA-UNTERMHAUS.
]