Nadelholzbäumen, die in Norwegen, Deutschland und anderen Ländern
angepflanzt werden. Meistens ist es Kiefern- und Fichtenholz. Ohne
Zweifel habt ihr schon die kleinen, runden Stellen, „Äste“ genannt,
in einer Planke bemerkt und habt diese ausgepocht, so daß ein Loch
entstand. Es sind dies Stellen, wo Zweige wuchsen und abbrachen, und
sich der Stamm um sie herum schloß; sie sind gewöhnlich in Kiefern- und
Fichtenholz. Der Saft in diesen Bäumen ist harzig, und man zapft ihn
ab, um Terpentin daraus zu gewinnen. Wenn man bei einem Spaziergange
durch den Wald die Blätter eines Nadelholzbaumes zerdrückt, so wird man
den starken Geruch nach dem harzigen Safte bemerken.
Jedes Kind hat wohl schon die Zapfen von Nadelholzbäumen aufgelesen;
man kann leicht drei verschiedene Arten finden, die von der Kiefer, von
der Fichte und der Lärche.
Die Kiefer ist ein mächtiger Baum mit ausgebreiteter Krone, dessen
Stamm mit einer rotbraunen, tiefrissigen Rinde bedeckt ist. Die
dunkelgrünen Blätter sind sehr schmal und ungefähr 5 ~cm~ lang (vergl.
bunte Tafel V, 1). Sie wachsen zu zweien in einer Scheide aus braunen
Schuppen. Ihre Zapfen haben fast keine Stiele, sie buchten sich am
unteren Ende aus und verjüngen sich nach oben hin zu einer stumpfen
Spitze. Sie bestehen aus einer Anzahl dicker holzartiger Schuppen,
die aussehen, als wären sie am Ende zurückgebogen. Das bewirkt eine
verdickte kopfförmige Stelle mit einem braunen, schuppigen Flecke am
Ende der Schuppenspitze. Diese Schuppen liegen so dicht übereinander,
daß, ehe die Zapfen reif sind, kein Tropfen Regen hineindringen kann,
und es dauert zwei, auch drei Jahre, bis sie reif werden. Manchmal
hängen sie während dieser ganzen Zeit an dem Baume. Manchmal fallen sie
früher ab. Sobald sie reif werden, biegen sich die holzartigen Schuppen
nach außen, und man kann im Innern einer jeden zwei durchscheinende
Schuppen sehen, die die Form eines Fliegenflügels haben. Sie stehen
aufrecht an der holzartigen Schuppe.
Schiebe vorsichtig ein Messer unter das untere Ende einer solchen
Schuppe und ziehe sie heraus! Man wird am Ende einer jeden einen Samen
finden, wenn man nicht etwa die zarte durchscheinende Haut zerstört hat.
Diese Samen sind nämlich geflügelt; sie haben keine Samenkapsel über
sich, sondern wachsen nackt an der Innenseite der holzartigen Schuppe.
Nach einer gewissen Zeit fallen sie heraus und werden vom Winde
fortgeweht. Hat man einen Zapfen, der zu alt ist, so wird man keine
Samen mehr darin finden.
Alle zapfentragenden Bäume haben solche geflügelte Samen; ihre Zapfen
sehen sich zwar alle ähnlich, doch kann man an ihnen recht gut die
einzelnen Arten unterscheiden.
Die Fichte (vergl. bunte Tafel V, 2) ist sehr verschieden von
der Kiefer. Ihre sich weit ausbreitenden Zweige wachsen fast bis
auf den Boden hinunter, und ihre nadelförmigen Blätter, die 1½–2
Zentimeter lang sind, stehen einzeln. Ihre Zapfen sind lang und
schmal, und die Schuppen sind nicht so dick wie bei den Kiefern.
Aber der Hauptunterschied ist, daß die Enden der Schuppen nicht
knopfförmig verdickt sind; sie sind vielmehr zugespitzt und ganz wenig
einwärts gebogen, und daran kann man Fichtenzapfen von Kiefernzapfen
unterscheiden. Die Fichten haben zwei Samen in jeder Schuppe wie die
Kiefern, aber diese reifen in einem Jahre. Die Fichte ist ein echt
deutscher Baum.
[Illustration: Zweig der Lärche mit Zapfen.]
Bei der Lärche, die besonders häufig in kälteren Ländern anzutreffen
ist, und der Zeder, die vom Libanon in Palästina kommt und bei uns
häufig in Parkanlagen, Gärten usw. anzutreffen ist, wächst der Samen
gleichfalls in Zapfen, aber diese Bäume sind recht verschieden von der
Kiefer und Fichte. Ihre nadelförmigen Blätter sind sehr dünn und stehen
zu Büscheln von 18 oder 20 zusammen in derselben Scheide. Die Zapfen
der Zeder stehen aufrecht und sind eiförmig, aber dieser Baum erzeugt
in Deutschland selten Zapfen.
Lärchenzapfen sind ganz klein, nicht größer als 2 bis 3 ~cm~ lang; sie
wachsen in einer Reihe an den Zweigen. Die holzigen Schuppen liegen
nicht sehr dicht übereinander.
Ich denke, ihr könnt die Zapfen von allen diesen Bäumen, ausgenommen
die der Zeder, finden. Natürlich muß man nach den Zapfen der Fichten
und Lärchen im Herbst suchen, weil sie jedes Jahr reif werden; aber
Kiefernzapfen sitzen das ganze Jahr hindurch auf den Bäumen. Wenn ihr
diese Bäume im Frühling und im Anfang des Sommers anseht, so werdet
ihr die männlichen Blütenstände an den Zweigen stehen sehen. Der gelbe
Blütenstaub wird dann in ganzen Wolken umhergeblasen, so daß er auf die
Narben der Samenknospen in den jungen Zapfen fällt.
[Illustration: Zweig der Eibe.
1. Mit Blüten im Frühling.
2. Mit roten Beeren und Samen im Herbst.
]
Kiefern, Fichten und Zedern sind immergrüne Bäume. Ihre Nadeln bleiben
drei oder mehr Jahre lang auf dem Baume, und da die Zweige nicht von
demselben Alter sind, so fallen sie in verschiedenen Jahren ab, so
daß die Bäume immer grün sind. Die Lärche hingegen wirft ihre Nadeln
jedes Jahr ab, und man kann sie leicht im Herbste an ihren kahlen,
herabhängenden Zweigen erkennen, die mit kleinen braunen Zapfen bedeckt
sind.
Kiefern und Fichten gedeihen auch in sehr magerem Boden und ihre Samen
keimen sehr leicht. Wenn ihr einen Kiefernwald oder einen Wald, in dem
Kiefern und Fichten gemischt stehen, in der Nähe habt, so versucht eine
junge Keimpflanze zu finden. Sie ist sehr eigenartig, denn sie schießt
in einem langen dünnen Stämmchen auf und trägt die Samenschale mit sich
empor. Fällt diese ab, so sieht man fünf oder sechs lange Keimblätter
darunter und in ihrer Mitte eine Knospe mit den wirklichen Kiefern-
oder Fichtenblättern.
Es gibt noch einen anderen Baum, den ihr gut kennt, und der auch
nadelförmige Blätter hat. Diese wachsen alle um den Stamm herum, zwei
zusammen in jeder Scheide, aber sie stehen in Reihen an den beiden
Seiten des Zweiges wie die Federstrahlen an dem Schaft der Feder.
Dies ist die Eibe, die man so oft in Parks und Gärten findet. Sie
trägt keine Zapfen. Ihre nackten Samen sitzen einzeln in einer roten,
saftigen Beere. Die Staubgefäßblüten wachsen nicht auf demselben Baume
wie die roten Beeren, aber wenn ihr sorgfältig sucht, werdet ihr sie
auf einem anderen Baume finden.
Suche einen Kiefern- und einen Fichtenzweig. Vergleiche die Zapfen
der beiden Bäume. Versuche den Zweig einer Zeder, den Zweig einer
Lärche mit Zapfen, eine Kiefern- oder Fichtenkeimpflanze, den Zweig
einer Eibe mit Staubgefäßblüten im April und einen anderen mit den
roten Beeren und den nackten Samen im Herbst zu finden.
Lektion 9.
Hecken-Sträucher und -Bäume.
Als Umzäunung von Dorfgärten oder als Einfassung der Wege in
Parkanlagen finden wir überall in Deutschland Hecken. Am meisten aber
sind Hecken im Bereiche des ehemaligen Herzogtums Holstein angelegt, wo
sie auch zur Einfassung und Abgrenzung der Felder und Wiesen dienen. So
unansehnlich diese Hecken auch auf den ersten Blick erscheinen mögen,
sie haben doch alle ihre besonderen Schönheiten, und muntere Vögel
haben sich in allen angesiedelt, da sie im dichten Gezweig Schutz für
sich und ihre Nester haben.
Laßt uns zuerst die Gartenhecken betrachten! Habt ihr jemals daran
gedacht, daß diese aus jungen Bäumen hergestellt sind, die immer wieder
geschoren werden, so daß nur Zweige und Blätter verbleiben, die nicht
zu großen Stämmen heranwachsen können? Eine Buchsbaumhecke besteht aus
scharf beschnittenen Buchsbäumen, die in unseren Gärten sehr niedrig
bleiben. In England sind die Stechpalmenhecken sehr beliebt, deren
stachelige Blätter das Vieh verhindern, hindurchzubrechen. Wenn man
einzelne der Stechpalmen in einer solchen Hecke wachsen läßt, so werden
sie oft dreißig Fuß hoch.
Die Weißdornhecke besteht aus dem Hage- oder Weißdorn, den wir oft
auf Rasenplätzen als stattlichen Baum finden. Die Buchenhecke ist aus
wohl beschnittenen Buchen gezogen, und die verwelkten Blätter bleiben
im Winter an ihr hängen wie an jungen Buchen. Aus den Eiben, die nur
selten noch in Deutschland wild wachsen, kann man gleichfalls schöne
Hecken herstellen, aber man muß sich hüten, sie da zu pflanzen, wo
Pferde und Rindvieh in der Nähe sind, denn in einem harten Winter
fressen die Tiere oft die giftigen Blätter und sterben.
[Illustration: 1. Vogelbeere, Blüte (links) und Frucht (rechts unten).
2. Pfaffenhütlein (Spindelbaum), Blüte rechts, Frucht links.
V. 6.
]
Alle diese Hecken bestehen nur aus einer Art von Bäumen. Sie sind
lange nicht so interessant wie die gemischten Hecken, in denen wir
Brombeeren, Nüsse und alle möglichen Früchte und Blumen finden.
Ihr kennt wohl alle den Schwarzdorn, dessen kleine weiße Blüten an
dem schwarzen Stamme aufblühen, wenn kaum der Winter vorbei ist,
während er noch ohne Blätter ist. Ist dies der Fall, so wißt ihr wohl
auch, daß ihr im Herbst unter seinen kleinen dunkelgrünen Blättern
dunkelblaue Schlehen findet, und daß man diese Früchte sammeln kann,
um Schlehensyrup oder Schlehenwein zu bereiten. Der Schwarzdorn eignet
sich nicht so gut zu Hecken, da seine Wurzeln weit ins Feld hinaus
wandern, und er sich oft zu einem Baume auswächst und so eine Lücke in
der Hecke läßt.
Der Weißdorn oder Hagedorn eignet sich viel besser dazu, denn er wächst
schnell zu einer lebenden Hecke heran, wenn er ordentlich beschnitten
wird, und das Vieh kann diese wegen der Dornen nicht durchbrechen. Man
kann aber die Früchte des Weißdorns, die sogenannten „Mehlbeeren“,
nicht benutzen und muß sie den Vögeln überlassen.
Dann wird man in den Hecken oder im Walde wahrscheinlich auch den
Holzapfelbaum finden mit sich weit ausbreitenden Zweigen, die häufig
mit Dornen besetzt sind. Er hat ovale Blätter mit scharfen Spitzen, die
auf der Unterseite, wenn sie jung sind, Flaum haben. Seine rot-weißen
Blüten kommen im Mai hervor, und im Herbst findet man den rot und
gelben Holzapfel an ihrer Stelle. Die Frucht ist sauer, herb und
ungenießbar.
Ein anderer Heckenbaum ist die wilde Kirsche, von deren Früchten
die Vögel im Sommer fressen, so daß er dazu beiträgt, sie vom Korn
fernzuhalten. Es ist ein buschartiger Strauch mit roter Rinde und
eiförmigen Blättern, die am Rande doppelt gesägt sind. Seine Blüten
wachsen auf kurzen Stielen und zwar zu vier oder fünf wie unsere
Gartenkirschen; die Frucht ist glänzend rot, wenn sie reif ist. Ebenso
findet man in Hecken die Trauben- oder Vogelkirsche (siehe Abb. S. 47),
deren Blüten in langgestielten, überhängenden Trauben wachsen, und
deren Früchte glänzendschwarz gefärbt sind.
Schwarzdorn, Weißdorn, Holzapfel und Kirsche gehören alle zu der
Familie der Rosenblütler, die, wie ihr euch erinnert, so viele Früchte
tragende Pflanzen enthält. Dazu gehört auch der hübsche Vogelbeerbaum
(vergl. bunte Tafel IV, 1), oft auch gemeine Eberesche genannt, weil
die Blätter in Blättchen zerschnitten sind gleich denen der Esche. Man
findet die kleinen, weißen Blüten der Eberesche im Mai geöffnet. Aber
viel schöner sieht diese im Herbst aus, wenn die roten Beeren reif sind
und in vollen Büscheln am Baume hängen. In manchen Gegenden wurden
Ebereschen früher gepflanzt, um Hexen fernzuhalten, da man ihnen eine
derartige Kraft zuschrieb.
Noch von zwei anderen Heckensträuchern will ich euch erzählen. Der eine
ist der Schneeball (2, S. 47), der dunkelgrüne, drei- oder fünfzackige
Blätter mit gekerbtem Rande hat. Diese Blätter färben sich im Herbste
schön rot. Seine weißen Blüten wachsen in einer flachen Dolde. Die
äußeren sind groß und haben weder Staubgefäße noch Fruchtknoten. Ihr
Zweck ist, Bienen und andere Insekten anzulocken, die zu den kleineren
Blüten in der Mitte kommen, um Honig zu holen. Diese mittleren Blüten
sind vollständig, und die Insekten bringen Blütenstaub auf die Narbe,
so daß dann im Fruchtknoten Samen gebildet werden kann. Der Schneeball
trägt im Herbste schöne korallenrote Beeren.
[Illustration: 1. Trauben- oder Vogelkirsche. 2. Schneeball.]
Der andere Busch, der in einer Höhe von ungefähr fünf Fuß in den
Hecken wächst, heißt Pfaffenhütlein oder Spindelbaum, weil sein Holz
zu Spindeln verarbeitet wird. Er hat einen glatten, grauen Stamm
und schmale, grüne Blätter, die =sehr giftig= sind. Die kleinen,
grün-weißen Blüten im Mai wird man kaum bemerken. Aber im Herbst hat er
hübsche, eigentümliche Früchte. Vier rote Fruchtknoten wachsen zu einer
Kapsel zusammen, die auf einem kurzen Stiele sitzt. Sie sehen sehr
sonderbar aus, und wenn man sie öffnet, so wird man finden, daß der
Samen im Innern mit einer glänzenden orangefarbigen Haut bedeckt ist.
Suche Blumen und Früchte des Schwarzdorns, des Weißdorns, des
Holzapfels, der wilden Kirsche, der Eberesche, des Schneeballs und
des Spindelbaums.
Lektion 10.
Blühende Gartensträucher.
In Hausgärten, wo kein Platz ist, große Bäume anzupflanzen, kann man
doch in den Ecken viele blühende Sträucher ziehen, und viele von ihnen
sind sehr hübsch. Der erste, der im Jahre blüht, ist die japanische
Quitte (vergl. bunte Tafel VII). Sie wächst an den Mauern der
Landhäuser und verleiht ihnen ein freundliches Ansehen, auch wenn die
Bäume kahl sind. Ihre dunkelroten Knospen zeigen sich schon im März,
und während des April entfalten sich die tiefroten Blüten. Sie gleichen
in der Form Birnblüten und wachsen in kleinen Büscheln dicht am Stamm.
Wenn man keine im Garten hat, wird es leicht sein, einen Ableger von
dem Strauch irgend eines Nachbars zu erhalten und groß zu ziehen. Im
Herbste trägt sie eine harte grüne Frucht.
Bald nachdem die japanische Quitte in voller Blüte steht, wird die
rotblühende Johannisbeere ihre Blütentrauben in vielen Gärten zeigen.
Sie stammt aus Nordamerika und ist über ganz Deutschland verbreitet.
Man wird sie leicht daran erkennen, daß ihre Blätter ganz denen der
Johannisbeerbüsche im Gemüsegarten ähnlich sehen und ihre hübschen
herabhängenden roten oder rosa Blütentrauben den grünen Blüten unserer
Johannis- und Stachelbeeren. Im Herbst hängen dann Büschel von
schwarzen Beeren an dem Strauche, die nicht gut zu essen sind. Ein
Ableger der rotblühenden Johannisbeere wird ohne jede Mühe aufwachsen.
[Illustration: Die wilde Berberitze.]
Ein anderer sehr hübscher Strauch blüht im frühen Sommer. Es ist die
Berberitze, deren kleine scharlachrote Früchte manchmal zur Füllung
von Konfituren verwendet werden. Die Berberitze ist ein interessanter
Strauch, denn bei ihr sind einige Blätter in Dornen verwandelt, so
daß an jedem Gelenk ein dreispitziger Dorn sitzt neben den weichen,
gefransten Blättern. Die wilde Berberitze hat gelbe Blüten mit
hellroten Staubbeuteln, aber es gibt eine Gartenart mit immergrünen
Blättern, die tieforangefarbige Blüten hat. Sie sind klein und hängen
in einer langen Traube herunter, und wenn ihr geschickt seid, könnt ihr
einen Versuch machen sowohl mit der wilden wie mit der Gartenberberitze.
Seht sorgfältig eine der Blüten an, und ihr werdet bemerken, daß von
den sechs Staubgefäßen je eins auf einem Blumenkronblatt liegt. Unten
an dem letzteren, fast in der Mitte der Blüte, sind zwei Drüsen, aus
denen tropfenweise Honig quillt. Die klebrige Narbe auf dem Fruchtboden
steht aufrecht in der Mitte der Blüte.
Nehmt nun eine Nadel und berührt eins der Staubgefäße am Fuße, gerade
da, wo die Honigtropfen sitzen. Es schnellt auf, wie von einer Feder
bewegt, und berührt die klebrige Narbe; nach einer Weile wird es wieder
zurückschnellen. Wenn nun die Biene auf der Suche nach Honig ihren
Kopf in die Blüte steckt, berührt sie mit dem Rüssel das Staubgefäß,
so daß es aufspringt und den Kopf des Insekts trifft. Dieses wird mit
Blütenstaub bedeckt, den es zu einer anderen Blüte trägt. Oder der
Staubbeutel läßt etwas Blütenstaub auf seiner eignen Narbe, ehe er
wieder zurückschnellt.
Aber wir müssen weiter, denn wenn die Aprilwinde wehen, und der
Sonnenschein überall Blumen hervorlockt, wird es eine Menge Sträucher
geben, die zu beobachten sind. Da ist der Besenginster mit seinen
hellgelben Blüten, die wie Erbsenblüten geformt sind. Man kann den
Besenginster auf der Heide wachsend finden. Er ist dem Stechginster
sehr ähnlich, hat aber einen glatten grünen Stamm ohne Stacheln. Aber
bei dem Besenginster stehen die Blüten einzeln, während sie beim
Stechginster hellgelbe Trauben bilden. Der Ginster hat keinen Honig,
aber die Bienen kommen zu ihm, um Blütenstaub zu holen, aus dem sie
Bienenbrot machen.
In der Nähe des Ginsters steht vielleicht ein Fliederbusch, und
ihr könnt beobachten, wie hübsch die beiden Farben, gelb und lila,
zusammenpassen. Man kann aus den beiden Sträuchern einen sehr hübschen
Strauß binden. Aber ein solcher wird noch viel schöner, wenn man einen
Goldregen mit seinen langen goldigen Blütentrauben hinzunehmen kann.
Der Goldregen hat viel Honig in seinen Blüten, und wenn die Bienen erst
einmal ihren Weg zu ihm gefunden haben, bleiben sie oft lange Zeit in
jeder Blüte stecken. Du kannst viele von ihnen auf einem Baume sehen.
Goldregenschoten sehen kleinen Erbsenschoten sehr ähnlich, =aber
hütet euch, die Samen in ihnen zu essen, denn sie sind sehr giftig=.
Hierauf wird der Rhododendron seine schönen purpurroten Blüten über
den glänzend grünen Blättern öffnen. Der Rhododendron stammt aus
Nordamerika. Aber der Holunder, der dort in der Ecke steht und seinen
freundlichen Schatten über eine Bank wirft, ist ein echter deutscher
Strauch, der fast verdient, ein Baum genannt zu werden. Er blüht im
Juni; aber er ist einer der ersten, der sich im Frühling mit Blättern
bedeckt. Obgleich nicht groß, hat er doch einen dicken Stamm, und seine
Rinde ist rauh und korkartig.
Wenn man sich Knallbüchsen machen will, muß man junge Zweige nehmen,
denn in den alten ist das Mark durch die äußeren Holzringe auf
einen geringen Raum zusammengedrückt. Die Blätter des Holunders
sind gegenständig, und jedes Blatt ist in fünf bis sieben einzelne
Teilblättchen zerschnitten mit einem an der Spitze. Die kleine weiße
Blüte wächst in breiten, flachen Dolden, die als Frucht im Herbste die
süßen schwarzen Holunderbeeren hinterlassen.
Wenn ihr keinen Holunder im Garten habt, so findet sich dafür
vielleicht ein Schneeballstrauch (siehe bunte Tafel VII). Dies ist eine
Gartenspielart des wilden Schneeballs. Seine Blüten sind keine flachen
Dolden wie bei letzterem, sondern wachsen mehr in Form eines Balles.
Sie haben keine Staubgefäße und keinen Fruchtboden und erzeugen keinen
Samen. Die Blätter färben sich im Herbste purpurrot und sehen dann sehr
hübsch aus.
Nach dem Schneeball blüht auch die Waldrebe, deren wilde Art
unscheinbare gelbgrüne, innen weißgefärbte Blüten besitzt. In unseren
Gärten und an den Portalen vieler Häuser werden Waldrebenarten
gezüchtet, die aus Südeuropa stammen und sich von unserer heimischen
Waldrebe durch große blaue oder weiße prächtige Blüten unterscheiden.
Die Waldrebe ist eine Kletterpflanze wie das Geißblatt und der wilde
Wein, neben denen sie zuweilen auch zur Bekleidung von Lauben und
Veranden benutzt wird.
Suche Blüten und Blätter der erwähnten Sträucher!
Lektion 11.
Esche und Ulme.
Nächst der Eiche sind die beiden nützlichsten, hartes Holz liefernden
Bäume die Esche und Ulme. Sie blühen sehr früh im Jahre, ehe sie sich
mit Blättern bedecken.
[Illustration: Rote Blüten der japanischen Quitte (~Pyrus japonica~).
Weiße Blüten des Schneeballes (~Viburnum opulus~).
V. 7.
]
Man kann Eschen selbst im Winter überall an zwei Merkmalen erkennen.
Erstens an den Spitzen der Zweige, die plattgedrückt sind, als wenn
sie unter einer Presse gelegen hätten, und zweitens an den schwarzen
Knospen, die wie kleine Pyramiden geformt sind (siehe Abbildung S. 54).
Kein anderer Baum hat solche schwarzen Knospen. Die Farbe des Stammes
ist aschgrau, und die Zweige wachsen sehr zierlich, erst fliehen
sie seitwärts von dem Stamm, um dann zu einer zarten, lichten Krone
emporzustreben.
Im April fangen die Eschenknospen der Seitenzweige in der Nähe des
Gipfels an, sich zu schwarzroten Blütentrauben zu öffnen. Die einzelne
Blüte ist sehr klein. Sie hat keine Blumenblätter; sie besteht nur aus
einem Fruchtknoten und zwei dunkelvioletten Staubgefäßen. Aber diese
zierlichen Blüten stehen so dicht gedrängt, daß der ganze Baum von
ihnen bunt schimmert.
Gegen Ende Mai beginnen dann die Blätter sich zu öffnen. Sie stehen
sich gegenüber an den Seiten der Zweige, und jedes Blatt ist in sieben
oder neun Blättchen zerschnitten, von denen eins als überzählig an
der Spitze steht. Auch von anderen Pflanzen sind die Blätter so wie
hier zerteilt und du könntest denken, jedes Teilblättchen wäre ein
ganzes Blatt. Doch wenn es Blätter wären, müßte eine Knospe an dem
Grunde eines jedem, nahe dem Stamme, wachsen und außerdem müßte eine
weiter wachsende Spitze am Ende stehen. Doch ist weder das eine
noch das andere der Fall, und daraus magst du ersehen, daß alle die
Einzelblättchen zusammen ein Blatt bilden, und beim Welken fallen alle
Blättchen zusammen ab.
[Illustration: Spitze eines Eschenzweiges.
1. Blatt mit neun Teilblättchen.
2. Blüten.
3. Junge Früchte.
]
Der Baum ist den ganzen Sommer hindurch sehr schön, und seine
blaugrünen Blätter unterscheiden sich deutlich von denen aller anderen
Bäume. Aber früh im Herbste werden sie gelb und fallen ab. Dann kann
man den Baum an seinen sonderbaren, langen, flachen, schmalen Früchten
(siehe Abbildung, 3) erkennen, die in Büscheln von den Zweigen hängen
wie ein Schlüsselbund. Sie hängen manchmal noch mitten im Winter am
Baume, bis die rauhen Winde sie abreißen.
Man findet oft junge Eschen im Garten wachsend, denn ihre Samen sind
sehr keimfähig. Aber Kaninchen lieben die jungen Schößlinge, und so
kommen sie selten hoch. Junge Eschenstämme werden oft zu Spazierstöcken
und Hopfenstangen verarbeitet, und das Holz der ausgewachsenen Bäume
verkauft sich sehr gut zum Wagen- und Möbelbau.
Die Ulme oder Rüster ist ein so allgemein bekannter Baum, daß ihr
vielleicht denkt, es sei nichts Interessantes an ihm. Aber habt ihr
wohl bemerkt, daß die Zweige einer Ulme bis tief zu dem Boden hinab
am Stamme wachsen, wenn sie nicht abgehauen werden. Und sicher wissen
viele von euch nicht, daß sich an dem Zweige oft Verdickungen bilden,
die ein der Korkrinde ähnliches Aussehen haben. Dies verleiht dem Baume
ein kränkliches Aussehen.
[Illustration: Zweig der Ulme, der mit korkähnlichen Verdickungen
bedeckt ist.]
Er ist in Wirklichkeit ganz gesund, aber diese Zweige zeigen, daß die
Ulme eine der Korkrinde ähnliche Rinde hat. Schon am Stamme ist sie
dick und rauh und an den kleinen Zweigen, wo sie keinen Platz hat,
sich auszubreiten, bildet sie diese Verdickungen. Der innere Teil der
Rinde, Bast genannt, ist sehr zähe und wird zur Anfertigung von Matten
und Seilen gebraucht.
Die Feld-Ulme kommt bei uns sehr häufig vor und zwar besonders als
Alleebaum und in Parkanlagen, auf Wiesen und Weideplätzen.
Die Berg-Ulme findet in bergigem Gelände ähnliche Verwendung,
unterscheidet sich aber von der vorigen durch ihren schwächeren Wuchs
und ihre größeren Blätter, die sehr lang zugespitzt und auch behaart
sind.
Selbst im Winter könnt ihr eine Menge Knospen an der Ulme zählen,
und wenn der April kommt, und ihr durch die Zweige blickt, so werdet
ihr eine purpurne Färbung sich über den Gipfel des Baumes ziehen
sehen. Dies verursachen die zierlichen purpurnen Blüten, die sich an
den Zweigen öffnen. Nun beobachtet den Baum! Gegen Ende April lugen
die frischen, grünen Blätter aus den Blattknospen hervor. Aber schon
beginnen die breitgeflügelten Früchte zu fallen und werden vom Winde zu
Haufen zusammengeweht.