Nach einem zeitgenössischen Stich]

Er wollte nicht sehen, wo Blindheit wohltat.

So fest er aber die Augen verschloß, die Ohren ließen sich nicht

verstopfen. Was er sich auszusprechen scheute, mußte er hören. Es war,

als habe die Welt sich gegen seinen guten Willen verschworen. Aus jedem

Gespräch schlug ihm das Wort Ketzerin entgegen. Es war kein Zufall.

Afranisjas Bekehrung, die sie überall als des Zarewitschs Werk pries,

hatte begreifliches Aufsehen erregt. Was Wunder, daß die nahen und die

fernen Freunde, die Gläubigen wie die Spötter zu allerhand Vergleichen

sich angeregt fühlten. Sie fielen nicht zugunsten der Prinzessin aus.

Alexei mußte manche bittere Bemerkung über ihr unentwegtes Luthertum

hinnehmen. Und er war so wenig dazu geschaffen, standhaft zu ertragen.

Jeder solcher Aussprüche wurde ihm zum Vorwurf. Er war der Lässige im

Glauben, der Ungetreue an seinem Volke. Er hatte dem Fremden aufs neue

aus Schwachheit ein Tor geöffnet.

[Illustration: Zarin Eudoxia

Ein livländisch Herz: Katharina I. von Russland; geschichtlicher Roman · 第 74 / 98 题