Weislingens Schloß

Weislingen.

Weislingen. Ich bin so krank, so schwach. Alle meine Gebeine sind

hohl. Ein elendes Fieber hat das Mark ausgefressen. Keine Ruh und

Rast, weder Tag noch Nacht. Im halben Schlummer giftige Träume. Die

vorige Nacht begegnete ich Götzen im Wald. Er zog sein Schwert und

forderte mich heraus. Ich faßte nach meinem, die Hand versagte mir.

Da stieß er's in die Scheide, sah mich verächtlich an und ging hinter

mich.--Er ist gefangen, und ich zittre vor ihm. Elender Mensch! Dein

Wort hat ihn zum Tode verurteilt, und du bebst vor seiner Traumgestalt

wie ein Missetäter!--Und soll er sterben?--Götz! Götz!--Wir Menschen

führen uns nicht selbst; bösen Geistern ist Macht über uns gelassen,

daß sie ihren höllischen Mutwillen an unserm Verderben üben. (Setzt

sich.)--Matt! Matt! Wie sind meine Nägel so blau!--Ein kalter,

kalter, verzehrender Schweiß lähmt mir jedes Glied. Es dreht mir

alles vorm Gesicht. Könnt ich schlafen. Ach-(Maria tritt auf.)

Weislingen. Jesus Marie!--Laß mir Ruh! Laß mir Ruh!--Die Gestalt

fehlte noch! Sie stirbt, Marie stirbt, und zeigt sich mir an.--Verlaß

mich, seliger Geist, ich bin elend genug.

Maria. Weislingen, ich bin kein Geist. Ich bin Marie.

Weislingen. Das ist ihre Stimme.

Maria. Ich komme, meines Bruders Leben von dir zu erflehen. Er ist

unschuldig, so strafbar er scheint.

Weisling. Still, Marie! Du Engel des Himmels bringst die Qualen der

Hölle mit dir. Rede nicht fort.

Maria. Und mein Bruder soll sterben? Weislingen, es ist entsetzlich,

daß ich dir zu sagen brauche: er ist unschuldig; daß ich jammern muß,

dich von dem abscheulichsten Morde zurückzuhalten. Deine Seele ist

bis in ihre innersten Tiefen von feindseligen Mächten besessen. Das

ist Adelbert!

Weislingen. Du siehst, der verzehrende Atem des Todes hat mich

angehaucht, meine Kraft sinkt nach dem Grabe. Ich stürbe als ein

Elender, und du kommst, mich in Verzweiflung zu stürzen. Wenn ich

reden könnte, dein höchster Haß würde in Mitleid und Jammer

zerschmelzen. O Marie! Marie!

Maria. Weislingen, mein Bruder verkranket im Gefängnis. Seine

schweren Wunden, sein Alter. Und wenn du fähig wärst, sein graues

Haupt--Weislingen, wir würden verzweifeln.

Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand: Ein Schauspiel · 第 93 / 98 题