Herberge Bauernhochzeit. Musik und Tanz draußen

Der Brautvater, Götz, Selbitz am Tische. Bräutigam tritt zu ihnen.

Götz. Das Gescheitste war, daß ihr euern Zwist so glücklich und

fröhlich durch eine Heirat endigt.

Brautvater. Besser, als ich mir's hätte träumen lassen. In Ruh und

Fried mit meinem Nachbar, und eine Tochter wohl versorgt dazu!

Bräutigam. Und ich im Besitz des strittigen Stücks, und drüber den

hübschten Backfisch im ganzen Dorf. Wollte Gott, Ihr hättet Euch eher

drein geben.

Selbitz. Wie lange habt ihr prozessiert?

Brautvater. An die acht Jahre. Ich wollte lieber noch einmal so lang

das Frieren haben, als von vorn anfangen. Das ist ein Gezerre, Ihr

glaubt's nicht, bis man den Perücken ein Urteil vom Herzen reißt; und

was hat man darnach? Der Teufel hol den Assessor Sapupi! 's is ein

verfluchter schwarzer Italiener.

Bräutigam. Ja, das ist ein toller Kerl. Zweimal war ich dort.

Brautvater. Und ich dreimal. Und seht, ihr Herrn: kriegen wir ein

Urteil endlich, wo ich so viel Recht hab als er, und er so viel als

ich, und wir eben stunden wie die Maulaffen, bis mir unser Herrgott

eingab, ihm meine Tochter zu geben und das Zeug dazu.

Götz (trinkt). Gut Vernehmen künftig.

Brautvater. Geb's Gott! Geh aber, wie's will, prozessieren tu ich

mein Tag nit mehr. Was das ein Geldspiel kost! Jeden Reverenz, den

euch ein Prokurator macht, müßt ihr bezahlen.

Selbitz. Sind ja jährlich Kaiserliche Visitationen da.

Brautvater. Hab nichts davon gehört. Ist mir mancher schöne Taler

nebenaus gangen. Das unerhörte Blechen!

Götz. Wie meint Ihr?

Brautvater. Ach, da macht alles hohle Pfötchen. Der Assessor allein,

Gott verzeih's ihm, hat mir achtzehn Goldgulden abgenommen.

Bräutigam. Wer?

Brautvater. Wer anders als der Sapupi?

Götz. Das ist schändlich.

Brautvater. Wohl, ich mußt ihm zwanzig erlegen. Und da ich sie ihm

hingezahlt hatte, in seinem Gartenhaus, das prächtig ist, im großen

Saal, wollt mir vor Wehmut fast das Herz brechen. Denn seht, eines

Haus und Hof steht gut, aber wo soll bar Geld herkommen? Ich stund da,

Gott weiß, wie mir's war. Ich hatte keinen roten Heller Reisegeld im

Sack. Endlich nahm ich mir 's Herz und stellt's ihm vor. Nun er sah,

daß mir 's Wasser an die Seele ging, da warf er mir zwei davon zurück

und schickt' mich fort.

Bräutigam. Es ist nicht möglich! Der Sapupi?

Brautvater. Wie stellst du dich! Freilich! Kein andrer!

Bräutigam. Den soll der Teufel holen, er hat mir auch funfzehn

Goldgülden abgenommen.

Brautvater. Verflucht!

Selbitz. Götz! Wir sind Räuber!

Brautvater. Drum fiel das Urteil so scheel aus. Du Hund!

Götz. Das müßt ihr nicht ungerügt lassen.

Brautvater. Was sollen wir tun?

Götz. Macht euch auf nach Speier, es ist eben Visitationszeit,

zeigt's an, sie müssen's untersuchen und euch zu dem Eurigen helfen.

Bräutigam. Denkt Ihr, wir treiben's durch?

Götz. Wenn ich ihm über die Ohren dürfte, wollt ich's euch

versprechen.

Selbitz. Die Summe ist wohl einen Versuch wert.

Götz. Bin ich wohl eher um des vierten Teils willen ausgeritten.

Brautvater. Wie meinst du?

Bräutigam. Wir wollen, geh's wie's geh.

(Georg kommt.)

Georg. Die Nürnberger sind im Anzug.

Götz. Wo?

Georg. Wenn wir ganz sachte reiten, packen wir sie zwischen Beerheim

und Mühlbach im Wald.

Selbitz. Trefflich!

Götz. Kommt, Kinder. Gott grüß euch! Helf uns allen zum Unsrigen!

Bauer. Großen Dank! Ihr wollt nicht zum Nacht-Ims bleiben?

Götz. Können nicht. Adies.

Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand: Ein Schauspiel · 第 33 / 98 题