Im Spessart

Götz. Selbitz. Georg.

Selbitz. Ihr seht, es ist gegangen, wie ich gesagt habe.

Götz. Nein! Nein! Nein!

Georg. Glaubt, ich berichte Euch mit der Wahrheit. Ich tat, wie Ihr

befahlt, nahm den Kittel des Bambergischen und sein Zeichen, und damit

ich doch mein Essen und Trinken verdiente, geleitete ich Reineckische

Bauern hinauf nach Bamberg.

Selbitz. In der Verkappung? Das hätte dir übel geraten können.

Georg. So denk ich auch hintendrein. Ein Reitersmann, der das voraus

denkt, wird keine weiten Sprünge machen. Ich kam nach Bamberg, und

gleich im Wirtshaus hörte ich erzählen: Weislingen und der Bischof

seien ausgesöhnt, und man redte viel von einer Heirat mit der Witwe

des von Walldorf.

Götz. Gespräche.

Georg. Ich sah ihn, wie er sie zur Tafel führte. Sie ist schön, bei

meinem Eid, sie ist schön. Wir bückten uns alle, sie dankte uns allen,

er nickte mit dem Kopf, sah sehr vergnügt, sie gingen vorbei, und das

Volk murmelte: "Ein schönes Paar!"

Götz. Das kann sein.

Georg. Hört weiter. Da er des andern Tags in die Messe ging, paßt

ich meine Zeit ab. Er war allein mit einem Knaben. Ich stund unten

an der Treppe und sagte leise zu ihm: "Ein paar Worte von Euerm

Berlichingen." Er ward bestürzt; ich sahe das Geständnis seines

Lasters in seinem Gesicht, er hatte kaum das Herz, mich anzusehen,

mich, einen schlechten Reitersjungen.

Selbitz. Das macht, sein Gewissen war schlechter als dein Stand.

Georg. "Du bist Bambergisch?" sagt' er.--"Ich bring einen Gruß vom

Ritter Berlichingen", sagt ich, "und soll fragen--"--"Komm morgen

früh", sagt' er, "an mein Zimmer, wir wollen weiterreden."

Götz. Kamst du?

Georg. Wohl kam ich, und mußt im Vorsaal stehn, lang, lang. Und die

seidnen Buben beguckten mich von vorn und hinten. Ich dachte, guckt

ihr--Endlich führte man mich hinein, er schien böse, mir war's

einerlei. Ich trat zu ihm und legte meine Kommission ab. Er tat

feindlich böse, wie einer, der kein Herz hat und 's nit will merken

lassen. Er verwunderte sich, daß Ihr ihn durch einen Reitersjungen

zur Rede setzen ließt. Das verdroß mich. Ich sagte, es gäbe nur

zweierlei Leut, brave und Schurken, und ich diente Götzen von

Berlichingen. Nun fing er an, schwatzte allerlei verkehrtes Zeug, das

darauf hinausging: Ihr hättet ihn übereilt, er sei Euch keine Pflicht

schuldig und wolle nichts mit Euch zu tun haben.

Götz. Hast du das aus seinem Munde?

Georg. Das und noch mehr--Er drohte mir-Götz. Es ist genug! Der

wäre nun auch verloren! Treu und Glaube, du hast mich wieder betrogen.

Arme Marie! Wie werd ich dir's beibringen!

Selbitz. Ich wollte lieber mein ander Bein dazu verlieren, als so ein

Hundsfott sein. (Ab.)

Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand: Ein Schauspiel · 第 31 / 98 题