Liebetraut. Nun, gnädige Frau, was verdien ich?
Adelheid. Hörner von deinem Weibe. Denn nach dem zu rechnen, habt
Ihr schon manches Nachbars ehrliches Hausweib aus ihrer Pflicht
hinausgeschwatzt.
Liebetraut. Nicht doch, gnädige Frau! Auf ihre Pflicht, wollt Ihr
sagen; denn wenn's ja geschah, schwatzt ich sie auf ihres Mannes Bette.
Adelheid. Wie habt Ihr's gemacht, ihn herzubringen?
Liebetraut. Ihr wißt zu gut, wie man Schnepfen fängt; soll ich Euch
meine Kunststückchen noch dazu lehren?--Erst tat ich, als wüßt ich
nichts, verstünd nichts von seiner Aufführung, und setzt ihn dadurch
in den Nachteil, die ganze Historie zu erzählen. Die sah ich nun
gleich von einer ganz andern Seite an als er, konnte nicht
finden--nicht einsehen--und so weiter. Dann redete ich von Bamberg
allerlei durcheinander, Großes und Kleines, erweckte gewisse alte
Erinnerungen, und wie ich seine Einbildungskraft beschäftigt hatte,
knüpfte ich wirklich eine Menge Fädchen wieder an, die ich zerrissen
fand. Er wußte nicht, wie ihm geschah, fühlte einen neuen Zug nach
Bamberg, er wollte--ohne zu wollen. Wie er nun in sein Herz ging und
das zu entwickeln suchte, und viel zu sehr mit sich beschäftigt war,
um auf sich achtzugeben, warf ich ihm ein Seil um den Hals, aus drei
mächtigen Stricken, Weiber-, Fürstengunst und Schmeichelei, gedreht,
und so hab ich ihn hergeschleppt.
Adelheid. Was sagtet Ihr von mir?
Liebetraut. Die lautre Wahrheit. Ihr hättet wegen Eurer Güter
Verdrießlichkeiten--hättet gehofft, da er beim Kaiser so viel gelte,
werde er das leicht enden können.
Adelheid. Wohl.
Liebetraut. Der Bischof wird ihn Euch bringen.
Adelheid. Ich erwarte sie. (Liebetraut ab.) Mit einem Herzen, wie
ich selten Besuch erwarte.