Bischof, Adelheid spielen Schach. Liebetraut mit einer Zither.
Frauen, Hofleute um ihn herum am Kamin.
Liebetraut (spielt und singt).
Mit Pfeilen und Bogen Cupido geflogen, Die Fackel in Brand, Wollt
mutilich kriegen Und männilich siegen Mit stürmender Hand.
Auf! Auf!
An! An! Die Waffen erklirrten, Die Flügelein schwirrten, Die Augen
entbrannt.
Da fand er die Busen Ach leider so bloß, Sie nahmen so willig Ihn all
auf den Schoß. Er schüttet' die Pfeile Zum Feuer hinein, Sie herzten
und drückten Und wiegten ihn ein.
Hei ei o! Popeio!
Adelheid. Ihr seid nicht bei Eurem Spiele. Schach dem König!
Bischof. Es ist noch Auskunft.
Adelheid. Lange werdet Ihr's nicht mehr treiben. Schach dem König!
Liebetraut. Dies Spiel spielt ich nicht, wenn ich ein großer Herr wär,
und verböt's am Hofe und im ganzen Land.
Adelheid. Es ist wahr, dies Spiel ist ein Probierstein des Gehirns.
Liebetraut. Nicht darum! Ich wollte lieber das Geheul der
Totenglocke und ominöser Vögel, lieber das Gebell des knurrischen
Hofhunds Gewissen, lieber wollt ich sie durch den tiefsten Schlaf
hören, als von Laufern, Springern und andern Bestien das ewige:
"Schach dem König!"
Bischof. Wem wird auch das einfallen!
Liebetraut. Einem zum Exempel, der schwach wäre und ein stark
Gewissen hätte, wie denn das meistenteils beisammen ist. Sie nennen's
ein königlich Spiel und sagen, es sei für einen König erfunden worden,
der den Erfinder mit einem Meer von überfluß belohnt habe. Wenn das
wahr ist, so ist mir's, als wenn ich ihn sähe. Er war minorenn an
Verstand oder an Jahren, unter der Vormundschaft seiner Mutter oder
seiner Frau, hatte Milchhaare im Bart und Flachshaare um die Schläfe,
er war so gefällig wie ein Weidenschößling und spielte gern Dame und
mit den Damen, nicht aus Leidenschaft, behüte Gott! nur zum
Zeitvertreib. Sein Hofmeister, zu tätig, um ein Gelehrter, zu
unlenksam, ein Weltmann zu sein, erfand das Spiel in usum Delphini,
das so homogen mit Seiner Majestät war--und so ferner.
Adelheid. Matt! Ihr solltet die Lücken unsrer Geschichtsbücher
ausfüllen, Liebetraut.
(Sie stehen auf.)
Liebetraut. Die Lücken unsrer Geschlechtsregister, das wäre
profitabler. Seitdem die Verdienste unserer Vorfahren mit ihren
Porträts zu einerlei Gebrauch dienen, die leeren Seiten nämlich unsrer
Zimmer und unsers Charakters zu tapezieren; da wäre was zu verdienen.
Bischof. Er will nicht kommen, sagtet Ihr!
Adelheid. Ich bitt Euch, schlagt's Euch aus dem Sinn.
Bischof. Was das sein mag?
Liebetraut. Was? Die Ursachen lassen sich herunterbeten wie ein
Rosenkranz. Er ist in eine Art von Zerknirschung gefallen, von der
ich ihn leicht kurieren wollt.
Bischof. Tut das, reitet zu ihm.
Liebetraut. Meinen Auftrag!
Bischof. Er soll unumschränkt sein. Spare nichts, wenn du ihn
zurückbringst.
Liebetraut. Darf ich Euch auch hineinmischen, gnädige Frau?
Adelheid. Mit Bescheidenheit.
Liebetraut. Das ist eine weitläufige Kommission.
Adelheid. Kennt Ihr mich so wenig, oder seid Ihr so jung, um nicht zu
wissen, in welchem Ton Ihr mit Weislingen von mir zu reden habt?
Liebetraut. Im Ton einer Wachtelpfeife, denk ich.
Adelheid. Ihr werdet nie gescheit werden!
Liebetraut. Wird man das, gnädige Frau?
Bischof. Geht, geht. Nehmt das beste Pferd aus meinem Stall, wählt
Euch Knechte, und schafft mir ihn her!
Liebetraut. Wenn ich ihn nicht herbanne, so sagt: ein altes Weib, das
Warzen und Sommerflecken vertreibt, verstehe mehr von der Sympathie
als ich.
Bischof. Was wird das helfen! Berlichingen hat ihn ganz eingenommen.
Wenn er herkommt, wird er wieder fort wollen.
Liebetraut. Wollen, das ist keine Frage, aber ob er kann. Der
Händedruck eines Fürsten, und das Lächeln einer schönen Frau! Da
reißt sich kein Weisling los. Ich eile und empfehle mich zu Gnaden.
Bischof. Reist wohl.
Adelheid. Adieu.
(Er geht.)
Bischof. Wenn er einmal hier ist, verlaß ich mich auf Euch.
Adelheid. Wollt Ihr mich zur Leimstange brauchen?
Bischof. Nicht doch.
Adelheid. Zum Lockvogel denn?
Bischof. Nein, den spielt Liebetraut. Ich bitt Euch, versagt mir
nicht, was mir sonst niemand gewähren kann.
Adelheid. Wollen sehn.