Porta sagt in der gleichen Stelle auch, daß man Eisen unter Beifügung
von Schmirgel und Öl mit einem Kupferdraht schneiden könne[57].
Portas Vorschlag scheint in dem betriebsamen England nicht unbeachtet
geblieben zu sein; denn am 11. Dezember 1618 erwarb Bewis Bulwer eines
der ersten britischen Patente auf eine Sägemaschine zum Zersägen von
Eisenbarren. Er wollte aus den abgesägten Streifen Nägel herstellen[58].
[Illustration: Säge zum Zerkleinern von Brasilholz, Ausschnitt eines
Kupferstiches von 1613.]
Besondere Sägen hatte man früher, um das sehr harte, als Farbholz
geschätzte Brasilholz zu zerkleinern. Den Namen hat dieses Holz nicht
von Brasilien, sondern es war schon Jahrhunderte vor der Entdeckung
dieses Landes in Europa bekannt und hieß »lignum bresilium« oder
»lignum braxillii«[59]. In Nürnberg bildeten die Brasilholzstoßer oder
»Prisilgstoßer« ein eigenes Gewerbe[60].
[Illustration: Sträflinge, Brasilholz sägend, Kupferstich von 1663.]
Das Zersägen dieses harten Holzes geschah im 17. Jahrhundert und
später in den Zuchthäusern, d. h. in den Anstalten, in denen
verwahrloste Jugendliche, Landstreicher und Dirnen wieder zum
ordentlichen Lebenswandel erzogen werden sollten. Von unsern heutigen
Zuchthäusern unterschieden sich diese Anstalten also sehr. Auf
einem niederländischen Kupferstich vom Jahr 1613 ist das Sägen des
Brasilholzes deutlich zu erkennen (Seite 46). An einem langen Eisen,
das mit Handhaben versehen ist, sind zwei starke Sägeblätter seitlich
in Knopfschlitzen befestigt und oben durch zwei Paar Eisenbügel
gehalten. Zwei Sträflinge ziehen diese Doppelsäge über das in einem
Bock eingespannte Farbholz, das dadurch in kleine Stücke zerteilt wird,
hinweg[61].
[Illustration: Porträt von Adam Wybe, Erfinder der Eissäge, im Jahr
1637. Das Porträt von 1644.]
Auch gemeingefährliche Verbrecher, die man fesseln mußte, wurden
(Seite 47) mit dem Sägen von Brasilholz in ihrer Zelle beschäftigt.
Hier hat die Säge im Jahr 1663, wenn die Zeichnung richtig ist, drei
nebeneinander liegende Blätter[62].
[Illustration: Nürnberger Tischler mit leichter Rahmensäge. Malerei von
1679.]
Die Eissäge scheint eine deutsche Erfindung zu sein; denn der aus
den Niederlanden stammende Ingenieur Adam Wybe (Seite 48) erhielt im
Jahr 1637 von der Stadt Danzig ein Patent auf seine Erfindung »Eis
zu schneiden«. Wybe hat diese Erfindung bis zu seinem Tod mit Vorteil
ausgenutzt. Aus den noch vorhandenen Akten[63] ließ sich aber nicht
ersehen, welcher Art die Konstruktion dieser Eissäge war. Dieser
Wybe wurde später, 1644, berühmt durch seine große Anlage einer
Seilschwebebahn, die bei den Danziger Festungsbauten zur Wegschaffung
großer Erdmassen lange in Betrieb war[64].
Ein sehr ausdrucksvolles Porträt eines Schreiners aus dem
Landauer'schen Bruderhaus (vgl. Seite 49) ist hier aus dem Jahre 1679
abgebildet[65].
Das Wappen der Nürnberger Säger ist in einer mit Hunderten von Wappen
gezierten Handschrift abgebildet, die alle Ordnungen der Nürnberger
Handwerker, die um 1680 in Gültigkeit waren, enthält (Seite 50). Die
Säger führen ein aufrechtstehendes, bauchiges, blaues Sägeblatt im
Wappen[66].
[Illustration: Säge im Wappen der Nürnberger Säger, Malerei um 1680.]
Die Werkstatt eines Sägemachers bildet im Jahre 1698 Christoff Weigel
in einer Zusammenstellung der wichtigsten Handwerke ab[67]. Die Verse
bei dem Bild stammen von dem berühmten Kanzelredner Abraham a Sancta
Clara, der wegen seiner drastischen Vergleiche bekannt war. Wir
sehen, wie der »Eberschmied« dabei ist, die Zähne einer großen Säge
einzufeilen. Neben ihm liegen eigentümlich geformte, lange Sägeblätter,
Meißel und Bohrer; denn außer Sägen macht der Eberschmied besondere
Bohrer. An der Wand hängen Rahmensägen und eine Metallsäge mit Griff.
Außen am Fensterkreuz hat der Meister eine Säge ausgehangen, um Käufer
anzulocken. Eigentliche Auslagen, Schaufenster, gab es damals bei
Handwerkern nicht immer.
Bei der Beschreibung der Arbeiten des Messingbrenners, des heutigen
Gelbgießers, erwähnt Weigel sogar Gattersägen für Metall: »so gießen
sie (Messing) zu großen Tafeln und Platten, welche nachgehends durch
den Messing-Schneider oder Säger auf einem Werk-Tisch, gleich den
Holtz-Schneide-Mühlen fest gemachet zu ein- zwei- auch wohl drey
Finger breiten Schienen, Zainen oder Stäben zerschnitten oder gesäget
werden«[68].
[Illustration: Der Eberschmied, Neberschmied oder Bohrerschmied, der
auch Sägeblätter für Holz und Metall angefertigt. Kupferstich von 1698.]
Schiller hat sich in »Wallensteins Lager« die ergötzlich polternde
Redeweise des Abraham a Sancta Clara zum Vorbild für seinen
Kapuzinerpater genommen. Hier ein Beispiel, wie Abraham in der
Barockzeit beim »Säg-Müller« erbaulich schrieb: »Ich weiß eine Sau /
die hat keine Augen / keinen Rüssel / keinen Kopff / keine Füße / und
ist doch eine Sau / das ist wunderbarlich; Ich weiß eine Sau / die
hat keine Haut / keine Börsten / kein Fleisch / kein Speck / ist doch
eine Sau / das ist seltzsam; Ich weiß eine Sau / die lebt nicht / und
frißt doch mehr als eine gantze Heerde Säu / das ist achtlich.« Dann
erzählt er unmittelbar von allerhand Flüssen des Altertums und der
neueren Zeit und sagt dann plötzlich: »Savus auf Deutsch die Sau / ein
vornehmer Fluß in Sclavonien. Diese Sau hat kein Maul / lebt nicht /
und frißt doch viel / da beist sie ein Stuck Acker hinweg / dort eine
Reyh Wiesen / anderwärts ein große Gestätt / an einem Ort ein halbes
Dorff / unterhalb eine gantze Au: Ey du grobe Sau!« Anfänglich sei
diese Sau ganz klein, später aber werde es eine großmächtige Sau. So
werde auch kein Mensch »auf einmal eine grobe Sau / eine unzüchtige
Sau.« Also müsse man sich vor den kleinen Sünden hüten, wenn man nicht
in die großen fallen wolle. Zu seiner Überschrift, dem Sägemüller,
schwenkt Abraham nach dieser Betrachtung virtuos mit dem Satz: »Wann
die Säg einmahl recht ankommt und das Wasser treibt / ists gewiß /
daß es bey Vorigem bleibt.« Von da ab erzählt er alles mögliche über
die Sägemühle, wo man sie anlegen soll, und was man drauf schneidet.
Plötzlich schwenkt er wieder in geistliche Betrachtungen ab und
schließt dann das Kapitel mit den Worten: »Der Säg-Müller gewohne sich
gleich im Anfang zum Guten / so wird man von ihm sagen können / daß er
allezeit bey demselben verbleiben wird«[69].
[Illustration: Die Sägen des Bleistiftmachers. Kupferstich von 1711.]
Die Säge eines verschwundenen Handwerks ist auf Seite 52 abgebildet.
Sie ruht in einem Bügel zwischen Werktisch und Sitzbank des
»Bleiweißschneiders.« Dieser Handwerker zerschnitt den Graphit --
damals Bleiweiß genannt -- zu feinen Stäbchen, die man in Holz faßte.
Es ist also der Ahne unserer heutigen Bleistiftfabrikanten[70].
Eine reichverzierte, mit künstlichem Eisenschnitt versehene Bügelsäge
mit Metallsägeblatt befindet sich im Kunstgewerbemuseum zu Berlin
(Seite 54). Sie stammt etwa aus dem Jahr 1700[71].
Es ist mir aufgefallen, daß die Sägemühle den Zeichnern und Malern
sehr selten und recht spät eine Anregung gab; denn man findet die
Mahlmühle für Brotgetreide seit dem Mittelalter in einer endlosen Zahl
von Darstellungen, niemals aber die Sägemühle. Die frühste mir bisher
bekannt gewordene Darstellung einer solchen auf einem Kunstblatt stammt
aus dem Jahr 1701 und auch hier ist sie mit der Wassermühle und der
Windmühle zusammen in der gleichen Landschaft zu sehen[72]. (Seite 55).
[Illustration: Bügelsäge für Metall, der Bügel in reicher,
durchbrochener Eisenschnitt-Arbeit. Kunstgewerbe-Museum zu Berlin. Um
1700.]
An einer recht versteckten Stelle fand ich, daß ein eiserner Spanndraht
anstelle des Spannstrickes bei der Rahmensäge ums Jahr 1700 von einem
Niederländer erfunden wurde. Der Frankfurter Patrizier[73] v. Uffenbach
besuchte im Jahr 1710 den Amsterdamer Mechaniker Metz und sah bei ihm
»Sägen, welche ein Gestell wie die gemeine Holz-Sägen hatten, außer
daß an statt des Stricks ein eiserner Drat mit einer Schraube an einer
Seite daran war.« Man hat diese Rahmensägen, wie so manches andere
Werkzeug, bisher irrtümlich für eine amerikanische Erfindung gehalten.
[Illustration: Sägemühle. Kupferstich von 1701.]
[Illustration: Säge in der Hand einer mit ihren eigenen Werkzeugen
eingekleideten Wagnersfrau. Kolorierter Kupferstich um 1730.]
Ums Jahr 1695 erschienen in Paris Abbildungen von Handwerkern, die
im damaligen barocken Geschmack mit ihren eigenen Werkzeugen oder
Fabrikaten bekleidet waren. Man fand an solchen Bildern Geschmack
und es kamen bis etwa 1730 mehrere Serien solcher Kunstblätter »der
mit ihren eigenen Arbeiten und Werckzeugen eingekleideten Künstlern,
Handwerckern und Professionen« heraus. Hier ist auf Seite 56 die
Frau des Wagners dargestellt, die in der rechten Hand eine große Säge
hält. Die Schnecken des Haares, die Puffärmel und die Krinoline sind
aus Wagenrädern gebildet und rings um den Reifrock herum hängen alle
möglichen Werkzeuge[74].
[Illustration: Laubsäge. Französischer Kupferstich von 1763.]
Der Laubsägen-Bügel wird 1763 in dem gewaltigen französischen Werk
abgebildet, das eine Reihe von Gelehrten, die Encyclopédisten, über
alle die bis dahin unbeachtet gebliebenen Gebiete des menschlichen
Wissens verfaßte. Sie wollten das zur menschlichen Tätigkeit
Notwendige, bis in die kleinsten Einzelheiten wissenschaftlich ebenso
sorgfältig behandeln, wie man seit Jahrhunderten die Einzelheiten der
reinen Geisteswissenschaften behandelt hatte. So entstand unter dem
Titel »Encyclopédie« ein Werk von 34 Foliobänden mit über 3000 großen
Kupfertafeln. Jedes einzelne Gewerbe, jedes Handwerk wird sorgsam
beschrieben und alle seine Maschinen und Werkzeuge werden bis in die
Einzelheiten abgebildet. Hier sehen wir oben die Laubsäge samt der
Spannvorrichtung. Sie wurde damals von den Schachtelmachern benutzt[75].
Die Rahmensäge des französischen Schachtelmachers hatte ums Jahr 1750
die auf Seite 58 angegebene Form[75].
Der erste, der den später so überaus fruchtbar gewordenen Plan
hatte, Papier aus Holz herzustellen, der Regensburger Prediger Jacob
Christian Schäffer, erfand 1768 eine originelle Sägemaschine (Seite
59). Der alte Herr hatte wohl selbst ein Bedürfnis, sich zwischen
den anstrengenden gelehrten Arbeiten Bewegung zu verschaffen. So ließ
er sich von dem Regensburger Tischler Simmerding die hier abgebildete
Maschine bauen, probierte sie aus und schrieb flugs ein Buch darüber.
In einem großen, geschweiften und verzierten Gestell hängt an einem
Pendel eine Rahmensäge. Legt man auf zwei Konsolen ein Stück Holz, dann
kann man im Wohn- oder Arbeitszimmer »zur Leibesbewegung für Gelehrte
und Kränkliche« nützlich Brennholz sägen[76].
[Illustration: Rahmensäge eines französischen Schachtelmachers.
Kupferstich von 1763.]
Die soeben auf Seite 57 erwähnte Encyclopédie wurde von dem Berliner
Gelehrten Johann Georg Krünitz für die deutschen Verhältnisse passend
übersetzt und ergänzt. So entstand das größte bisher in Deutschland
überhaupt erschienene, zusammenhängende Werk, ein Lexikon, das von A
bis Z 242 Bände umfaßt. Im 10. Band dieses Riesenwerkes steht auch eine
Nachricht von der Eissäge: »Um das Eis eines Grabens oder Flusses zu
durchschneiden und zu öffnen, bedient man sich einer Maschine, entweder
in Gestalt eines Pfluges, oder in Gestalt einer Säge, welche von
Menschen in Bewegung gesetzt wird«[77].
Im 34. Band sagt Krünitz, daß man in der Geschützgießerei die
angegossenen Trichter nach dem Erkalten »mit einer großen Säge,
welche von 4 oder 5 Menschen an ihrem eisernen Bogen geführt wird«
abschneide[78]. Hier wird also eine Bügelsäge zum Metallschneiden in
recht beträchtlichen Abmessungen verwendet.
Wir hörten auf Seite 38, daß der Nürnberger Mechaniker Lobsinger ums
Jahr 1550 die Kreissäge zum Schneiden von Stein erfunden hatte. Die
Kreissäge für Holz und Metall ist eine Erfindung von Samuel Bentham in
Westminster. Er nahm am 23. April 1793 das britische Patent Nr. 1951.
Der Antrieb sollte durch Dampfkraft erfolgen und die Beschreibung
läßt, obwohl sie ohne Zeichnung eingereicht wurde, erkennen, daß ein
kreisrundes, gezahntes Sägeblatt zwischen zwei Flanschen eingespannt,
nach einer Richtung hin umläuft. Die Säge soll rohe Werkstücke, wie
sie aus der Gießerei oder aus der Schmiede kommen mit geraden Kanten
versehen. Die Auflage für das Werkstück läßt sich gegen die Säge
vorschieben und hoch und tief verstellen. Die Sägeblätter sollen
entweder aus Stahl oder aus Eisen mit aufgeschweißtem Stahlkranz
bestehen. Größere Blätter werden aus einem eisernen Stammblatt mit
angesetzten Ringausschnitten hergestellt[79].
[Illustration: Reich verzierte Sägemaschine, die im Zimmer zur
Leibesbewegung benutzt wurde. Kupferstich von 1768.]
In der Literatur ist die Angabe verbreitet, die Kreissägen seien die
Erfindung eines Deutschen namens Gervinus. Trotz vieler Mühe habe ich
nichts über einen Mann dieses Namens und über diese seine angebliche
Erfindung feststellen können. Nach einer andern Lesart sollen die
Kreissägen zum Zersägen von Eis im 18. Jahrhundert im Uralgebirge[80]
verwendet worden sein. Mir erscheint diese Nachricht, obwohl keine
Quelle dafür angegeben wird, glaubhaft, weil man im Ural auch
frühzeitig rotierende Steinfräser benutzte[81].
Im Jahr 1799 ließ sich L. C. A. Albert in Paris die gezahnte Kreissäge
als »scie sans fin« patentieren. Sie ist, wie wir unten erkennen, aus
mehreren Segmenten zusammengesetzt[82]. Die Erfindung wurde alsbald
auch in Deutschland bekannt gemacht[83].
Die französische Bezeichnung »Säge ohne Ende« hat oberflächliche
Beobachter veranlaßt[84], die Albertsche Kreissäge für das zu halten,
was der Franzose heute darunter versteht: für eine Bandsäge.
Im Jahre 1801 erfand Marc Isambard Brunel die Kronsäge, die aus einem
zum Vollkreis gebogenen Sägeblatt besteht und mit der gezahnten Kante
kreisförmige und bogenförmige Ausschnitte aus Holz macht[85].
Im Jahr 1806 werden in den vornehmen Häusern der Engländer große
Vorlegemesser gebräuchlich, die am Rücken scharfe Sägezähne haben, um
die Knochen der großen englischen Braten zu zersägen[86].
Im Jahr 1807 erfand der englische Ingenieur William Newberry die
Bandsäge[87]. Ob er sie im gleichen Jahr, wie man gelegentlich
liest[88], auch gebaut hat, ist nicht nachweisbar.
[Illustration: Kreissäge. Patentzeichnung von 1799.]
Und im Jahre 1808 ist die Erfindung der Furnierholzsäge für England zu
verzeichnen. Der Erfinder ist der soeben genannte berühmte englische
Ingenieur Brunel[89].
Eine verschwundene Erscheinung im Straßenbild ist der Sägenausrufer.
Er durchzog ehemals, wie viele andere Ausrufer, die großen Städte und
pries seine Ware durch einen melodischen Gesang an. Jahrhundertelang
gab es fast für jede Gruppe von verwandten Gegenständen solche
Straßenausrufer, die ihre eigenen Melodien riefen, denn durch den
Tonfall konnten sie sich von der Straße aus besser kenntlich machen,
als durch ihre meist in fremdem Dialekt stehende Aussprache. Die
Sägenverkäufer kamen aus Thüringen, aus Westfalen und aus der
damaligen Grafschaft Henneberg in Franken. Ein nach Hamburg kommender
Sägenhändler ist im Jahr 1808 abgebildet (Seite 61). Er ruft singend:
»Sagen koop!«[90].
[Illustration: Hamburger Sägenhändler, Kupferstich von 1808.]
Aus einem Brief vom 27. Juli 1821 erfahren wir etwas über die ersten
Anfänge der deutschen Gußstahlindustrie zur Sägenfabrikation. Friedrich
Krupp schrieb damals an eine Remscheider Firma, er bäte sie »recht bald
die bewußten fertig gewordenen Sägen zu übersenden, denn in circa
8 Tagen wünsche ich dieselben einem hohen Beamten, der alsbald von
Berlin hier eintreffen wird, als Muster vorlegen zu können«[91]. Krupp
bittet, in dem Begleitbrief zu bemerken, daß diese Sägen von seinem
Gußstahl gefertigt seien. Er will diesen Brief dem hohen Beamten zeigen
und deshalb soll der Brief so eingerichtet sein, »daß ich ihn darf
lesen lassen und mich auch auf Ihnen als Sachkenner beziehen kann.«
Weiter erfahren wir aus dem Briefe, daß man sich über die Härte des
zu verwendenden deutschen Gußstahles noch nicht einig war. Krupp
wünschte einen möglichst harten Gußstahl zu verwenden, der nur nicht so
spröde sein durfte, daß die Zähne beim Schränken abbrechen.
[Illustration: Steinsäge nach der Patentzeichnung von 1833 (vgl. hier
Seite 38-39).]
Eine selbständige Sägenindustrie gab es in Deutschland damals noch
nicht. Die Eisenwaren-Fabriken machten schlecht und recht Sägen mit
anderen Werkzeugen zusammen. Das ersieht man am besten aus einer
Zeichenrolle vom Jahr 1765, in die auf Anordnung des Kurfürsten Karl
Theodor v. Berg die Warenzeichen der im Bergischen Land tätigen
Handwerker niedergelegt -- meist in Siegellack abgedruckt -- sind.
Da manche Handwerker angaben, wie lange ihre Vorfahren diese Zeichen
schon führten und für welche Gegenstände sie die Zeichen verwendeten,
kann man die bergische Sägenfabrikation bis etwa zum Jahr 1600
zurückführen. Hundert Jahre später -- um 1700 -- sind schon viele
Werkzeugmacher in dieser Industrie beschäftigt. Heute sind in Remscheid
eine Anzahl Fabriken ausschließlich mit der Herstellung von Sägen
beschäftigt. Unter ihnen ist die im Jahr 1822 -- also vor 100 Jahren --
gegründete, im Besitz der Firma J. D. Dominicus & Soehne befindliche
Fabrik eine der ältesten. Das älteste deutsche »Fabriken- und
Manufacturen-Address-Lexicon« von J. C. Gädicke (erschienen 1799) kennt
selbständige Sägenfabriken nicht. Es sagt: »Sägeblätter, mehrartige,
lange, dünne, auf einer Seite mit Zähnen versehene Werkzeuge, so die
Eisenfabriken nach Gewicht, Dutzenden oder Stücken in den Handel
bringen«.
[Illustration: Eissäge, aus der Illustr. Zeitung, 1858.]
Eine Säge, die sowohl wegen der Antriebsart, als auch wegen ihrer
Wirkungsweise für die Zeit, da sie aufkam, originell ist, stammt
vom Erfinder des Dampfhammers, vom englischen Ingenieur Nasmyth.
Dieser ausgezeichnete Konstrukteur setzte 1849 eine ungezahnte,
weiche, kreisförmige Stahlscheibe auf die Welle einer Dampfturbine.
Er erhielt also eine Umdrehungsgeschwindigkeit von mehreren tausend
Drehungen in der Minute. Näherte man dieser Rundsäge Schmiedeeisen,
ungehärteten oder gehärteten Stahl, hartes Messing oder andere Metalle,
dann entstand eine breite Schnittfuge, aus der die Metallteilchen in
glühendem Zustand als gewaltige Funkengarbe herausschossen. Man hat
diese Sägen »Schnellreibsägen« genannt[92].
[Illustration: Transportables Dampfsägewerk, 1857.]
Besonders starke Sägeblätter wurden zu den Ausrüstungen der
Polarexpeditionen des vergangenen Jahrhunderts angefertigt. So sehen
wir auf Seite 63 ein Bildchen von der Expedition des »Northstar«, der
in den 40er Jahren in das Polarmeer gefahren ist, um den verschollenen
Nordpolfahrer Franklin aufzusuchen. Man hatte diese Säge mitgenommen,
um das Schiff, wenn es ins Eis eingefroren war, heraussägen zu können.
Das Blatt hatte eine Länge von 20 Fuß. Es wurde, wie wir sehen, an
einem Strick gezogen und unten im Wasser durch ein Gewicht beschwert.
Ein transportables Dampfsägewerk (unten), das man im Wald aufstellte,
wurde 1857 auf der Wiener Ausstellung bekannt. Das Gerüst der Maschine
wird zwischen zwei Bäumen befestigt. Auf diese Weise wollte man Zeit
und Arbeit ersparen und auch den Holzverlust, den die Axtarbeit mit
sich bringt, vermeiden. Der Erfinder dieser Maschine war der sächsische
Ingenieur Ludwig Zeschke[93].
[Illustration: Transportables Handsägewerk, 1861.]
Sägen dieser Art wurden, wie wir auf Seite 45 lasen, um 1675 von dem
deutschen Nationalökonom Becher angegeben. Neuerdings wurden sie wohl
durch den Pariser Mechaniker Mourey wieder in Erinnerung gebracht[94].
Im Jahr 1861 kam in Amerika eine transportable Säge auf, die von
Hamilton erfunden war. Mit ihr konnte man nicht nur Bäume fällen,
sondern -- nachdem man das Blatt senkrecht gestellt hatte -- auch in
kurze Stücke sägen. Der Antrieb erfolgte durch Kurbeldrehung (Seite
65)[95].
[Illustration: Der Sägemann, Museum in Celle.]
Die Bandsäge für Metall wurde von der Firma Panhard & Levassor in
Paris im Jahr 1866 zuerst versucht und zwei Jahre später in Havre
ausgestellt. Ein Jahr vorher hatten die Engländer Schnittproben
an Panzerplatten, die mit der Bandsäge ausgeführt waren, in Paris
ausgestellt[96].
[Illustration: Spottbild auf den schrillen Ton beim Feilen der Sägen,
1864.]
Zum Schluß etwas Humoristisches.
In der Lüneburger Heide hatten die Bauern ehemals in der Kinderstube
den »Sägemann«. Es ist eine vom Dorfschmied aus Eisenblech hergestellte
Figur, die man (Seite 66) mit zwei scharfen Spitzen neben die Wiege
des Kindes auf die Kante einer Truhe oder eines Stuhles setzte. Der
blecherne Mann hält eine gewaltige Säge, an der unten ein Stück Blei
befestigt ist. Stößt man die Säge an, dann schwingt der Sägemann lange
Zeit, das Kind sieht ihm aufmerksam zu und vergißt das Weinen[97].
[Illustration:
Es fällt durch der Sägen und Aexte Gewalt,
Der frische, fröhliche freie Wald;
Was Wunder, wenn endlich der Baum sich rächt
Und seinen Mörder in Stücken sägt.
Verkehrt ist die Welt!
Spottbild von 1852.]
Daß das Schleifen der Sägezähne einen üblen Ton gibt, illustriert ein
englisches Spottbild aus dem Jahr 1864 (Seite 67). Der Meister, der die
Säge kreischend schleift, sieht neidisch zu dem singenden Pfau empor,
dessen Töne die Schönheit des Sägetons fast zu übertreffen vermögen[98].
Zum Schlußbild auf Seite 68 ist nichts zu sagen; es ist eine der
trefflichen Karikaturen, die selbst deutlich genug reden[99].
[Illustration]
LITERATUR-NACHWEIS
[1] Museum für Völkerkunde Berlin, Prähistorische Abteilung II, 3948.
[2] R. Forrer, Reallexikon der prähistorischen Altertümer, Berlin 1907,
S. 669.
[3] R. Forrer, Reallexikon der prähistorischen Altertümer, Berlin 1907,
Taf. 29, F. M. Feldhaus, Technik der Vorzeit, Leipzig 1914, Abb. 94.
[4] Forrer, ebenda, S. 780; Feldhaus, ebenda, Abb. 871.
[5] W. M. Flinders Petrie, Tools and Weapons, London, 1917, Taf. 51.
[6] G. Steindorff, Das Grab des Ti, Leipzig 1913, Taf. 133.
[7] P. E. Newberry, Life of Rekhmara, Westminster 1900.
[8] R. Forrer, Reallexikon der prähistorischen Altertümer, Berlin 1907,
Fig. 237, 530 und 531.
[9] Original in der Sammlung Meyer-Steineg in Jena (Meyer-Steineg,
Chirurgische Instrumente des Altertums, Jena 1912, S. 46).
[10] Ovid, Metamorphosen, Buch 8; Seneca, Epistolae 90; Plinius,
historia naturalis, Buch 7, Kap. 57.
[11] Daremberg et Saglio, Dictionnaire des antiquités, Paris 1877 ff,
Artikel: Daedalos.
[12] A. F. Gorius, Museum Etruscum, Bd. 1, Florenz 1737, Taf. 199.
[12a] Einen ägyptischen Schmelzofen sah man lange als einen
Glasbläserofen an (F. M. Feldhaus, Technik der Vorzeit 1914, Sp. 449).
Ein ägyptisches Bild des Seilers bei der Arbeit wird noch ganz
phantastisch erklärt (Geschichtsblätter für Technik, Bd. 2, 1915,
S. 32). Die Darstellung eines Blasbalges in einer Goldschmiedewerkstatt
wird als goldene Schüssel ausgegeben (ebenda, S. 35). Laienhafte
Ansichten von der antiken Technik und auch von der Säge im Altertum
veröffentlichte 1919 Albert Neuburger in seinem Buch über die Technik
des Altertums.
[13] Antichi Monumenti, Florenz 1810, Taf. 49.
[14] Ebenda.
[15] Museum Capitolinum, Rom 1782, Taf. 15.
[16] Journal de la Société d'Archéologie Lorraine, Nancy 1888, S. 83.
[17] Dictionnaire des antiquités von Daremberg und Saglio, Paris 1877
bis 1904, Fig. 6375.
[18] L. Jacobi, Römerkastell Saalburg, Homburg 1897, Taf. 34, Fig. 6;
ebenda Seite 209, Nr. 28, Taf. 34, Fig. 5.
[19] Jacobi, ebenda, Seite 209, Nr. 26.
[20] Jacobi, ebenda, Taf. 37, Fig. 12; Der Limes, Band 10, Taf. 9, Fig.
19.
[21] Inventar-Nr. 8627.