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DIE SÄGE
EIN RÜCKBLICK AUF VIER
JAHRTAUSENDE
VON
FRANZ M. FELDHAUS
INGENIEUR
HERAUSGEGEBEN UND VERLEGT VON
J. D. DOMINICUS & SOEHNE G.M.B.H.
BERLIN SW. 68
REMSCHEID-VIERINGHAUSEN
NACHDRUCK VERBOTEN
Copyright 1921
by J. D. Dominicus & Soehne G. m. b. H.
Berlin-Remscheid
DIE SÄGE
EIN RÜCKBLICK AUF VIER
JAHRTAUSENDE
VON
FRANZ M. FELDHAUS
INGENIEUR
MIT
66 ABBILDUNGEN NACH ALTEN ORIGINALEN
[Illustration]
HERAUSGEGEBEN UND VERLEGT VON
J. D. DOMINICUS & SOEHNE G. M. B. H.
BERLIN SW. 68
UND REMSCHEID-VIERINGHAUSEN
Wo der Mensch vor vielen hundert Jahrtausenden seine werktätige
Laufbahn begann, nahm er den Dorn des Waldes, den spitzigen Stein
und den scharf gebrochenen Knochen eines verendeten Tieres, um zu
schaben, zu bohren, zu glätten. Es gab keine Werkleute und keine
Werkstattsregeln. Tastend mußte jeder Urmensch den Widerstand der
Materie zu überwinden suchen. Was gab es auch viel zu tun? -- Die
ersten Menschen trugen Waffen und Werkzeuge noch als Gaben der
Natur bei sich: muskulöse Kiefer mit starken Zähnen, lange Arme mit
kraftvollen Händen und einen gedrungenen Körperbau auf Füßen, die den
Händen gleich gebrauchsfähig waren. Keine Sorge um Wohnung, Kleidung
und Gerät. Nur ein kleines Hirn, das die Listen des Tieres und die
widrigen Naturgewalten überlisten wollte.
Hunderte von Jahrtausenden, Zeiten von einer Ausdehnung, gegen die die
paar tausend Jahre unserer Kultur winzig sind, mußten vergehen, bis die
Urmenschen sich Arbeitsmethoden zu eigen machten. Von da ab bewahrten
sie in ihren Höhlen den spitzen Stein als Bohrer, den knolligen als
Hammer, den scharfkantigen als Schneidewerkzeug. Und dann begann der
Wettkampf, denn wer das schärfste Messer hatte, bekam vom gefallenen
Wild das größte Stück. Und neben dem Hunger waren es Habsucht und Geiz
und Selbstsucht und Roheit, die unsere Ur-Urväter zur Verbesserung
ihrer Lebensbedingungen trieben und sie zur Erzeugung neuer Werke mit
immer neuen Werk-Zeugen zwangen.
So finden wir denn in den ältesten sichtbaren Siedelungen der
Menschen tief unter der heutigen Erdoberfläche rohe steinerne Äxte,
steinerne Schaber, steinerne Messer, steinerne Bohrer und Pfrieme,
steinerne Pfeilspitzen, knöcherne Nadeln, Angelhaken und Harpunen, und
Schleifsteine für solche Knochenwerkzeuge. Funde dieser Art, aus der
sogenannten älteren Steinzeit, sind zum Teil weit über 25000 Jahre alt.
In der jüngeren Steinzeit, die in Mitteleuropa zwischen 5000 bis 2000
Jahre vor unserer Zeitrechnung liegt, werden die steinernen Waffen
und Werkzeuge in ihren Arten nicht nur vermehrt, sondern an den
Arbeitskanten und auf den Oberflächen auch sorgsam geschliffen und
poliert. Wir werden bald hören, wie die jüngere Steinzeit mit Säge und
Sägemaschine zu schaffen wußte.
* * * * *
Ehe wir uns die Entwicklung der Säge von vier Jahrtausenden ansehen,
müssen wir uns darüber klar werden, daß man wohl bis zur Hälfte dieser
Zeit die Säge recht gut entbehren konnte. Der vor einigen Jahren
verstorbene Südseeforscher Finsch zeigte mir einmal, als ich ihn in
seinem Braunschweiger Museum besuchte, wie die von fremder Kultur
unberührten Südseevölker ein Stück Holz zerteilen: sie schaben mit
einem scharfen Stein, der in einem Handgriff befestigt ist, in das Holz
gemächlich eine Rinne. Dann drehen sie das Holz um und arbeiten sich
mit dem scharfen steinernen Zahn noch einmal in das Holzstück hinein.
Je nach der Dicke des Holzes wird die Arbeit mit dem Steinzahn so
lange fortgesetzt, bis der Eingeborene das Stück mit wuchtigem Schlag
zwischen den beiden Rinnen zu Bruch bringen kann.
Ich sehe nicht ein, weshalb man diese Technik nicht »sägen« nennen
soll, stößt doch ein scharfer Zahn nach und nach eine Rinne in ein
Werkstück. Wir tun heute beim Sägen nichts anderes, nur fügen wir
im Werkzeug viele Zähne aneinander und lassen diese mit größerer
Geschwindigkeit durch das Material hindurchgehen.
Wir werden aber noch von den Römern und weit später von den Nordländern
hören, daß man in Zeiten großen Holzreichtums gar nicht an ein Zersägen
der Stämme dachte, sondern die Bretter mit der Axt heraushaute.
[Illustration: Steinerne Säge, um 3500 vor Chr.]
Wie die Säge in der älteren Steinzeit aussah, erkennen wir an einem
(s. Abb.) schönen, handgroßen Stück einer bei Flensburg gefundenen
Säge aus Feuerstein, die sich im »Museum für Völkerkunde« in Berlin
befindet. Es ist deutlich zu erkennen, daß die schwach gebogene Kante
dieses Stücks absichtlich gezähnt ist.[1]
Eine hölzerne Schäftung solcher steinernen Sägen ist erst aus der
jüngeren Steinzeit bekannt. Auch Schäftungen aus Horn kommen damals
vor.[2]
Diese gezähnten steinernen Sägen wurden zur Zerteilung von Holz
benutzt. Wollte man Steine zerteilen, dann benutzte man ein aus dem
Holz herausgespaltenes dünnes Brett, das man unter Zugabe von scharfem
Sand schleifend über den Stein bewegte.
[Illustration: Rekonstruierte Sägemaschine für Steine, um 3500 vor Chr.]
Wir haben aus der jüngeren Steinzeit, als man die steinernen Waffen und
Werkzeuge an ihren Oberflächen sorgsam schliff, wiederholt Steinbrocken
gefunden, die eigentümliche Sägeschnitte aufweisen. Sägt man mit einer
steinernen oder hölzernen Säge, dann wird der Schnitt am Anfang und
am Ende gewöhnlich tiefer in das Material hineingehen, als in der
Mitte des Werkstückes. Der Schnitt wird um so mehr konvex verlaufen,
je ungeübter oder sorgloser die menschliche Hand arbeitet. Bei den
aufgefundenen Steinbrocken verläuft der Schnitt aber konkav, d. h. er
hat in der Mitte des Werkstücks seine tiefste Stelle. Das läßt sich
erklären, wenn man eine besondere Sägemaschine annimmt. An der gleichen
Fundstelle sind die in den Steinen liegenden Bogen stets die gleichen.
Mithin ging die Säge in einer Führung mit gleichbleibendem Radius
(s. Abb.). Der Straßburger Archäologe Robert Forrer hat an Hand solcher
Steinfunde eine Sägemaschine rekonstruiert, wie sie rund ums Jahr 3500
vor unserer Zeitrechnung benutzt wurde. Sie entspricht im Aufbau einer
gleichzeitigen Steinbohrmaschine.[3] Wir erkennen auf einem Grundbrett
A eine Säule B, sie trägt auf einem Holzzapfen oben in einer Bindung
einen wagerecht liegenden Hebel C. Damit dieser Hebel nicht seitlich
ausweichen kann, wird er von zwei Balken E, die oben durch Bindung im
nötigen Abstand gehalten werden, geführt. Auf den Hebel ist ein Stein
D gebunden, um beim Sägen einen gleichmäßigen Druck zu geben. Der
schon erwähnte Sägearm F trägt unten in einem Schlitz die steinerne
oder hölzerne Säge. Wird sie über den darunterliegenden Werkstein
hinweggeführt, dann entsteht -- bei hölzernen Sägen unter Hinzugabe von
Sand -- der Sägeschnitt. Selten wird man diesen Schnitt tief in den
Stein hineingeführt haben. Dann drehte man den Stein um und sägte von
der anderen Seite einen gleichen Schnitt, so daß man den Stein zwischen
den beiden Schnitten zerschlagen konnte.[4]
[Illustration: Bronzene Sägeblätter aus Ägypten.]
Die ältesten metallenen Sägen, die wir kennen, stammen aus Ägypten.[5]
Es sind winzige Bruchstücke von bronzenen Sägeblättern, teils mit
feiner, teils mit grober Zahnung. Zwei Originale aus Fayum in Ägypten
sind auf Seite 8 abgebildet. Das Sägeblatt mißt von Loch zu Loch 560
mm, die Bügelsäge am Blatt innerhalb der Bügel 690 mm.
Wie man mit Bronzesägen arbeitete, erkennen wir aus den Reliefs der
berühmten Grabkammern eines ägyptischen Totenpriesters, namens Ti, der
ums Jahr 2700 v. Chr. bei Sakarah in Ägypten beigesetzt wurde. Es ist
eine lange Reihe von Handwerkern bei den verschiedensten Verrichtungen
dargestellt, so auch die hier wiedergegebenen Säger (Seite 10).[6]
Rechts hockt der Mann, der mit der linken Hand ein Brett hält und es
mit der bronzenen Säge zersägt. Links sägt ein Mann stehend. Das Brett
ist hier an einem kürzeren Pfahl angebunden. In der Bindung steckt
ein Hebel, der durch einen, an einem Seil hängenden Stein beschwert
ist. Hier ist die Darstellung wohl ungenau, denn der Stein würde den
Sägeschnitt zusammenpressen. Vermutlich müssen zwei verschiedene
Bindungen vorhanden gewesen sein. Die eine hielt das Brett an einem
Pfahl fest, während die andere den kleinen Hebel hielt. Dieser war wohl
am unteren Ende zugespitzt, steckte mit dieser Schneide im Sägeschnitt
und öffnete ihn beim Fortschreiten der Säge immer mehr. Auch auf
anderen ägyptischen Darstellungen ist der sägende Holzarbeiter zu
sehen, so z. B. auf Seite 9, die eine Malerei aus dem Grab des Rekhmara
von etwa 1450 v. Chr. zeigt.[7]
[Illustration: Ägyptischer Tischler, sägend. Links Holzklotz, darauf
Deixel. Um 1450 vor Chr.]
[Illustration: Ägyptische Holzarbeiter. Links Säger stehend, rechts
hockend. Um 2700 vor Chr.]
Etwa um's Jahr 2100 v. Chr. lernte man in Europa die Bearbeitung des
Kupfers kennen, und man fertigte daraus Werkzeuge und Waffen. Bald
wurde das Kupfer durch Mischung mit Zinn von der widerstandsfähigeren
Bronze abgelöst und Waffen, Werkzeuge, Gerät und Schmuck wurden
von einer ausgedehnten Bronzeindustrie in erstaunlicher Vollendung
hergestellt.
[Illustration: Unterteil einer steinernen Gußform für 4 bronzene Sägen,
aus Skane in Schweden, um 1500 vor Chr.]
Wie die Sägen der Bronzezeit um's Jahr 1500 v. Chr. aussahen, wissen
wir nicht nur aus Funden von Sägen, sondern auch aus Funden von
steinernen Gußformen (Seite 11). Vergleicht man die in schweizerischen
Pfahlbauten gefundenen Sägen mit denen der Nordländer, dann muß man zu
der Annahme kommen, daß man in Mitteleuropa damals kleine Bronzesägen
in Form gerader Stichsägen verwendete. Das Blatt verjüngt sich zur
Spitze hin nur wenig. An einem Ende hat es ein Loch, um es im Handgriff
festzuhalten. Ein Exemplar aus dem Pfahlbau Möringen, das sich jetzt
im Landesmuseum zu Zürich befindet, ist 140 mm lang und an den Zähnen
nicht ganz 2 mm breit.
Die nordischen Sägen haben eine eigenartige Form, die sich sowohl an
gefundenen Originalstücken, wie auch an Gußformen findet. Ihre Länge
schwankt zwischen 12 und 18 cm. Höcker am Rücken müssen zu einer bisher
nicht bekannten Art der Schäftung gedient haben[8].
Die Bronzesäge ging auch in den griechischen Kulturkreis über. Auf
Seite 12 ist eine feine, bronzene Knochensäge mit angegossenem Griff
abgebildet, wie sie ums Jahr 200 v. Chr. von griechischen Ärzten
bei Amputationen benutzt wurde. Die ganze Länge dieses zu Ephesos
gefundenen Stückes mißt 205 mm[9].
Die römischen Schriftsteller verlegten die Erfindung der Säge in die
Zeit, da der sagenhafte Daedalos zu Athen lebte. Und sie erzählen:
Thalos, ein junger griechischer Künstler, der bei Daedalos in der
Lehre war, fand einst die Kinnlade einer Schlange, die er spielend
an einem Holz hin- und herrieb. Da bemerkte er, daß die Zähne in das
Holz einschnitten und das Holz sich so teilen ließ. Dies brachte ihn
auf den Gedanken, ein Werkzeug zu machen, das die Schärfe der Zähne
der Schlange nachahmte. Er nahm also ein Stück Metall, schnitt nach
dem Muster der kleinen, kurzen und eng bei einanderstehenden Zähne der
Schlange Zacken hinein und so entstand die erste Säge. Der Erfinder
soll damals erst 12 Jahre alt gewesen sein. Daedalos sei auf seinen
Lehrling wegen dieser Erfindung so neidisch geworden, daß er den Thalos
von der Burg zu Athen hinabstürzte und deshalb flüchtig werden mußte.
Daedalos ging nach der Insel Kreta, wo er das berühmte Labyrinth gebaut
haben soll. Doch er »haßt indessen die kerkernde Kreta, wohin ihn
lange verbannt das Geschick. Und, gelockt von der Liebe der Heimat,
war er umschlossen vom Meer. So werde denn Land und Gewässer, rief
er, gesperrt, doch öffnet der Himmel sich: dort sei die Laufbahn!«
Und wir wissen, daß die Sage uns vom Flug des Daedalos und des Ikaros
berichtet, noch ehe wir Kunde von einem menschlichen Flugversuch
haben[10].
Daedalos wird im Altertum mit einer Säge in der Hand abgebildet
(Seite 13). Hier sehen wir ihn mit diesem Werkzeug vor der von ihm
angefertigten hölzernen Kuh, die er für die Gattin des Königs Minos
lebenswahr gebildet hatte[11].
Betrachten wir die Darstellungen von Sägen auf Bildwerken des
Altertums, dann dürfen wir nicht allzuviel technische Kritik aufwenden,
denn der Künstler ging damals -- und geht noch heute -- bei der
Gestaltung realer Dinge von ästhetischen Gesichtspunkten aus. Und dann
müssen wir beachten, daß die feinen Einzelheiten einer Säge, zumal
die Zahnform, auf bildlichen Darstellungen leicht verloren gehen und
auch von den Altertumsforschern, die die antiken Denkmäler ehemals
abzeichneten, wohl nicht allzu sorgsam wiedergegeben worden sind.
[Illustration: Griechische medizinische Bronzesäge (Griff gekürzt), um
200 v. Chr.]
[Illustration: Daedalos mit der Säge. Antikes Relief.]
Wie schlecht die Archäologen technische Dinge sehen können, erkennen
wir aus der Betrachtung eines alten Gemmenbildes (Seite 15), das einen
»Herkules mit der Säge« darstellen soll. Tatsächlich hat Herkules das
Löwenfell hinter sich. An seinem linken Arm sehen wir es deutlich nach
unten hängend. Die am Fell sitzenden Krallen des Löwen sind als vier
Zier-Kugeln gezeichnet. Die gleichen Kugeln erkennen wir unten an der
»Säge«, die nichts anderes, als die zottige Fell-Kante ist! So hat also
dieser Herkules gar keine Säge bei sich. Das Original der Gemme würde,
wenn man es ohne Vorurteil ansähe, sicherlich eine viel ungezwungenere
Form der Fellkante und wohl auch der Krallen des Felles zeigen. Die
in Florenz erhaltene Gemme soll etruskisch sein[12]. Es hätte den
Altertumskennern doch auffallen müssen, daß Herkules mit der Säge
auftritt. Ich wüßte nicht, bei welcher seiner »Taten« er sie benutzt
haben sollte.
[Illustration: Zwei Säger. Römisches Alabaster-Relief.]
[Illustration: Herkules, angeblich mit Säge. Antike Gemme.]
Es sind noch manche andere Zeichnungen der Archäologen von Werkzeugen,
Geräten und Maschinen falsch gedeutet worden[12a].
Im Museum zu Volterra in Italien befindet sich eine römische
Alabastervase (Seite 14), auf der man sieht, wie zwei Männer einen
aufrechtstehenden Balken zersägen[13]. Und das gleiche Museum besitzt
eine Vase aus Tuffstein, auf der die Handhabung einer römischen
Rahmensäge klarer zu sehen ist (Seite 16)[14].
[Illustration: Zwei Säger. Römisches Relief um's Jahr 325 nach Chr.]
Auf einem Altarstein aus der Zeit des römischen Kaisers Domitianus,
der von 81 bis 96 regierte, sind unter verschiedenen Werkzeugen eine
Rahmensäge und eine Schrotsäge abgebildet (Seite 20). An beiden erkennt
man deutlich die stark geneigte Dreiecksverzahnung und den gewölbten
Rücken des Sägeblattes. Die Rahmensäge ist mit Nägeln in den Rahmen
eingehangen. Das Blatt konnte also nicht, wie bei uns, gedreht werden.
Die Schrotsäge ist an den Enden verstärkt und länglich durchlocht[15].
Dieser Altarstein wird im Capitolinischen Museum der Stadt Rom
aufbewahrt.
[Illustration: Römische Säger. Tuffstein-Relief.]
Im Jahre 1883 fand man in Deneuvre (Departement Meurthe-et-Moselle)
einen Stein mit dem hier neben wiedergegebenen Relief. Da man
gleichzeitig eine Münze des römischen Kaisers Constantinus fand,
kann man diese Darstellung auf etwa 325 nach Chr. datieren. Wir sehen
in einer Nische die Darstellung eines auf gespreizten Beinen stehenden
Sägebockes. Auf ihm liegt -- was an dem arg beschädigten Stein nicht
mehr sichtbar ist -- das zu sägende Bord. Ein Säger steht auf dem
Bock, der andere darunter. Die Säge ist so stark beschädigt, daß sie
nicht mehr in den Einzelheiten zu erkennen ist. Ja, das über dem Bord
herausragende Stück der Säge verläuft wesentlich anders, als das unten
sichtbare[16].
[Illustration: Bronzene römische Stichsäge.]
Die Altertumswissenschaft hat diese Darstellung bisher stets für
eine Säge gehalten, und obwohl ich wegen des eigenartigen Verlaufs
des Sägeblattes erhebliche technische Bedenken habe, gebe ich die
Darstellung hier wieder. Ich wüßte keine andere Erklärung für sie.
Vielleicht ist der obere Teil des Sägeblattes so weggebrochen, daß man
den Bruch nicht mehr erkennen kann, die helle Bruchstelle unterhalb der
Hände des oberen Sägers kann ja auch zum Hintergrund gehören.
[Illustration: Bruchstück eines römischen Sägeblattes um 250 nach Chr.]
Funde römischer Sägen bieten im Vergleich zu den bisher besprochenen
Darstellungen auf Denkmälern nichts Neues. Meist kamen nur die
Sägeblätter, und auch diese nur bruchstückweise, zu Tage. Eine in Rom
gefundene Bronzesäge mit Heft ist hier auf Seite 17 abgebildet[17].
[Illustration: Primitive römische Säge um 250 nach Chr.]
Diesseits der Alpen fand man im Römerkastell Saalburg die hier auf
Seite 17 bis 18 abgebildeten Sägen aus Eisen. Das auf Seite 17 (unten)
dargestellte Stück ist das eine Ende von einem Blatt einer Rahmensäge.
Wir sehen rechts die Öse zum Einhängen des Blattes. Der dritte
Fund auf Seite 18 (oben) beglaubigt, daß der römische Kulturkreis
für Schrotsägen eine Verzahnung kannte, die auf jedem Zahn eine Art
Vorschneider trägt[18].
[Illustration: Eisernes römisches Sägeblatt mit Vorschneidern an den
Zähnen um 250 nach Chr.]
Auffallend ist, daß man auf der Saalburg wohl erhaltene hölzerne Arme
zu Rahmensägen fand [19], die eine recht ungünstige Anordnung der
Spannung zeigen. Unser Mittelbaum ist hier so beiseite gerückt worden,
daß bis zur Spannkordel ¼, bis zu den Nieten des Sägeblattes etwa ¾
Abstand ist. Bedingt wurde diese Anordnung dadurch, daß die Römer,
wie wir auch auf Seite 19 sehen, drehbare Hefte zur Verdrehung der
Sägeblätter nicht kannten.
[Illustration: Römische Rahmensäge um 250 nach Chr.]
Bei den Sägen der Saalburg läßt sich deutlich nachweisen, daß die
Sägezähne geschränkt wurden. An einem messerartigen Werkzeug der
Saalburg findet sich nahe am Heft ein Einschnitt, der in seiner Weite
und Tiefe den Einschnitten unserer Schränkeisen entspricht[20]. Man
nimmt an, daß es sich um ein Schnitzmesser eines Tischlers handelt, der
den Einschnitt zum Schränken der Sägen verwendete.
In den Pfahlbauten zu Wollishofen am Züricher See fand man ein Stück
von einem Sägeblatt, das hinter einer Reihe von Zähnen eine eigenartige
Strichteilung enthält. Es scheint so, als ob der Handwerker sich
ehemals diese Teilung zuerst gemacht habe, um danach die Zähne in
gleichen Abständen einfeilen zu können. Die Wiedergabe der Photographie
(siehe unten) ist leider nicht so deutlich wie das Originalstück, das
sich im römisch-germanischen Zentralmuseum in Mainz befindet.[21]
[Illustration: Fragment einer feinen Säge aus dem Pfahlbau zu
Wollishofen am Züricher See.]
Das römische Altertum kannte neben diesen verschiedenartig gezahnten
Sägen für Holz die ungezahnte Säge für Stein. Plinius, der Verfasser
der römischen Naturgeschichte, berichtet ums Jahr 77 unserer
Zeitrechnung[22] über den Marmor: »das Schneiden geschieht durch Sand
und nur scheinbar durch Eisen, denn die Säge drückt in sehr schmaler
Linie auf den Sand, wälzt denselben durch Hin- und Hergehen, und
schneidet so unmittelbar durch die Bewegung.« Das ist die gleiche
Technik des Steinsägens, die wir noch heute ausführen.
Die großen Sklavenmassen des Altertums verrichteten alle, auch die
schwierigsten und eintönigsten Arbeiten, und so kam es, daß die
Maschine nur da einzugreifen brauchte, wo der Sklavenarm nicht zufassen
konnte. Das Altertum kannte Windräder, Wasserräder und Göpel, aber es
verwendete sie nur selten, weil Mühlen, Pumpen und andere Maschinen von
Sklaven bewegt wurden.
Eine der wenigen Nachrichten über Wasserkraftanlagen des Altertums
bezieht sich auf Sägemühlen. Der römische Dichter Ausonius besingt ums
Jahr 369 n. Chr. in seinem Mosel-Gedicht (Vers 361) mit wenigen Worten,
daß man an der Roer Steinsägen durch Wasserräder betreibe.
[Illustration: Zwei Sägen auf einem römischen Altarstein. Um 90 nach
Chr.]
Diese Nachricht von einem mechanischen Sägewerk bleibt aber lange
vereinzelt.
Im Gotischen ist eine Benennung für das Sägewerkzeug nicht nachweisbar.
Im Altnordischen heißt das Werkzeug »sog«, im Angelsächsischen »saga«
und »sagu« und im Althochdeutschen schrieb man »saga« und »sega«.
Moritz Heyne, der ausgezeichnete Kenner der deutschen Vergangenheit,
glaubt[23], daß das alte, unvollkommene, heimische Sägewerkzeug, wie es
uns aus Funden der Stein- und Bronzezeit bekannt ist, nach römischen
Vorbildern in Deutschland zu einem leistungsfähigen Instrument für
die Bauleute wurde. Ich kann dieser Ansicht nicht beistimmen. Sie
ist eine rein philologische. Wir wissen ja nicht einmal lückenlos,
was die Römer an Sägen hatten. Ein paar Textstellen und die wenigen
zufällig erhaltenen, hier auf Seite 13 bis 19 abgebildeten großen
Sägen sind uns bekannt. Jeder Tag kann uns einen neuen Fund, ein neues
Relief bringen und uns mit neuen Formen bekannt machen. Alles, was
wir heute über Geschichte der Technik schreiben, ist von dem zufällig
erhaltenen Material abhängig und deshalb bin ich sehr vorsichtig, etwas
Wahrscheinliches für etwas unbeugsam Sicheres auszugeben.
Neben dem gemeingermanischen Wort »saga« findet sich im
Angelsächsischen auch die Bezeichnung »snîde«. Die Säge ist
ethymologisch mit andern schneidenden Instrumenten verwandt. So heißt
die Sense im Althochdeutschen »segansa«, die Pflugschar »seh«, die
Sichel »sihhila« und das Messer »sahs«. Ursprünglich gehen diese Worte
auf die lateinische Bezeichnung für »schneiden« = »secare« zurück.
Bemerkenswert ist, daß man im Althochdeutschen unter einer Saga oder
Sega auch eine Feile verstand.
[Illustration: Symbolische Säge, Malerei des 10. Jahrhunderts, aus
einer Bibel zu Paris.]
In einer lateinischen Bibel des 10. Jahrhunderts ist eine große Säge
abgebildet, die einem Heiligen durch den Kopf gezogen wird. Die
Zeichnung ist wohl ungenau, weil an dem Rahmen keine Spannung für das
Sägeblatt zu sehen ist.[24].
Eine frühe mittelalterliche Malerei des Sägens findet sich in einer
kostbaren Bilderhandschrift im Kloster Monte-Cassino in Italien. Die
Handschrift ist im Jahre 1023 entstanden, enthält eine Übersicht
über das menschliche Wissen und Können und ist mit vielen Malereien
geziert. Wir sehen hier unten zwei Arbeiter, nach damaliger Sitte
wenig bekleidet, beim Sägen. Das Bild gehört zum Abschnitt »Über den
Marmor« und soll darstellen, wie eine Säule aus buntem Marmor in
Platten zersägt wird. Wir sehen unten die hölzerne Befestigung der
Säule, oben aber eine Rahmensäge, wie sie die Tischler benutzen[24a].
Der Maler hat nicht bedacht, daß man Steine mit einer ungezähnten Säge
zerteilt.
[Illustration: Rahmensäge ohne drehbares Sägeblatt. Malerei aus dem
Jahre 1023.]
Eine einzähnige Säge wird uns ums Jahr 1100 von einem Mönch Namens
Theophilus beschrieben, der ein umfangreiches Buch mit Anweisungen für
die Herstellung aller möglichen kirchlichen Geräte verfaßte. In dem
Abschnitt über das Tauschieren beschreibt Theophilus eine Maschine, die
ich hier mit aller Vorsicht rekonstruiert habe. Beim Tauschieren ritzt
man das zu verzierende Eisen nach einer aufgetragenen Zeichnung ein
und hämmert in dieser Ritz silberne oder goldene Fäden. Der Ritz muß
möglichst gleichmäßig werden, sonst wird die Verzierung unansehnlich.
Theophilus sagt[25]:.... ».... Wenn du also das Eisen bearbeitet und
daraus Sporen oder andere Gerätschaften .... gemacht hast und sie
mit Gold oder Silber schmücken willst, so nimm reinstes Silber und
mache es durch Hämmern sehr dünn.« Theophilus spricht also hier von
der Verzierung durch Tauschieren. Man muß zur Anbringung der dünnen
Silberstreifen Einschnitte in das Eisen machen. Dies soll mittels
folgender Maschine geschehen: »Dann habe eine Maschine aus Eichenholz,
einen Fuß im Durchmesser und gedrechselt. Sie sei am Umfang dünn und in
der Mitte auf jeder Seite dicker, hier sei ihr ein anderes gekrümmtes
Holz, daran sie sich drehen läßt, durchgesteckt. Diesem sei an einem
Ende ein anderes gebogenes Stück Holz angefügt, mit welchem (das
Ganze) herum bewegt wird. Hast du dieses Rad nun zwischen zwei Säulen
gestellt, so mache an dem Umfang desselben Einschnitte gleich Stufen,
die nach rückwärts gekehrt sind. Die Säulen, zwischen denen das Rad
liegt, seien fest und der Breite nach am Gestell befestigt, so daß das
gekrümmte Holz zur Rechten stehe. Noch befinde sich zur Linken vorn
neben dem Rad eine Säule, an der ein dünnes Holz angebracht sei, und
zwar so, daß es auf das Rad zu liegen komme, und es habe an der Spitze
ein dünnes Stück Stahl, so lang und breit, wie der Nagel eines Daumens.
Dies (Stück Stahl sei) in einem Loch fest eingefügt und sehr scharf,
sodaß bei der Umdrehung des Rades, während das Holz immer von Stufe zu
Stufe fällt, der so in zuckende Bewegung gebrachte Stahl, was in seine
Nähe gebracht wird, schneidet (incidat). Wenn du nun einen Sporn....
hast, so stelle ihn auf brennende Kohlen, bis er schwarz wird, wenn er
kalt wurde, halte ihn in der Linken und drehe das Rad mit der Rechten,
nähere ihn dem Stahl, schneide mit Sorgfalt überall....« Unklar ist die
Textstelle von Theophilus nur dort, wo er zum zweiten Mal von einem
gekrümmten Holz spricht. Mindestens ist die zweite Krümmung nicht
notwendig, und ich habe sie deshalb in der Rekonstruktion durch einen
geraden Kurbelgriff ersetzt.
[Illustration: Rekonstruktion einer einzähnigen Säge, die man auch als
Meißelmaschine ansprechen kann. Nach der Beschreibung von Theophilus,
etwa aus dem Jahr 1100.]
[Illustration: Selbsttätig arbeitendes Sägewerk mit Wasserradbetrieb.
Reiseskizze um 1245.]
Ein selbsttätig arbeitendes Sägewerk mit Wasserkraft wird von dem
um 1245 wirkenden französischen Ingenieur Wilars entworfen (unten).
Bei der Skizze steht nur vermerkt: »Auf diese Art macht man eine
Säge, um selbsttätig zu sägen.« Um die Skizze besser verständlich zu
machen, habe ich Buchstaben eingefügt: _a_ stellt den Bach dar, der
das unterschlägige Wasserrad _b_ treibt, auf dessen Wellbaum die vier
Daumen _c_ sitzen. Diese drücken die Hebel _d_ und mit ihnen die Säge
_e_ nieder, die durch den federnden Baum _f_ wieder hochgezogen wird,
_g_ ist der in den Führungen _h_ gleitende Balken, den das Zackenrad
_i_ gegen die Säge vorschiebt.
[Illustration: Symbolische Säge, mit der ein Herz zersägt wird.
Stickerei um 1350-1400.]
Diese Zeichnung des Wilars ist ein interessantes Beispiel für die
Projektionsart des Mittelalters, die einen noch so komplizierten
Apparat in einer einzigen Ebene klar und deutlich darzustellen
imstande ist. Im ersten Moment vermutet wohl niemand in dem hoch
oben schwebenden Rad ein Wasserrad, doch wenn man sich in diese
Darstellungsart hineingelebt hat, gewinnt auch der Laie hieraus
schneller ein Verständnis von einer Maschine, als aus unserer
dreiseitigen Projektionsart. Ebensoviel Großzügigkeit wie Wilars und
viele seiner Nachfolger in diesen Darstellungen bekunden, ebensoviele
Fehler und Unmöglichkeiten bergen sie darinnen. Es würde hier z. B.
nach der Stellung der Schaufeln am Rad _b_ der zu sägende Balken _g_
durch das Zackenrad _i_ von der Säge weg statt gegen sie bewegt werden.
Es müßte das Transportrad _i_ im Gegensatz zum Wasserrad _b_ viel
kleiner sein. Es müßte endlich das Hebelwerk _d_ genauer angegeben
werden.
Wilars war ein weitgereister französischer Architekt und Ingenieur, der
in einem uns erhalten gebliebenen Skizzenbuch verschiedene Maschinen,
Brücken und Bauwerke aufgezeichnet hat[26], die er auf seinen Reisen
kennen gelernt.
Das älteste in Deutschland beglaubigte Sägewerk mit Wasserbetrieb war
die Hanrey-Mühle in Augsburg, die für das Jahr 1322 nachweisbar ist[27].
Soweit sich die Chroniken der deutschen Städte übersehen lassen,
wird erst weit über hundert Jahre später von einer andern deutschen
Sägemühle aus Breslau berichtet, die im Jahr 1427 in einer
Pacht-Abrechnung genannt wird[28]. 1490 kaufte Erfurt einen Wald, um
eine Sägemühle darin anzulegen[29].
Eine prächtige Stickerei in Seide und Gold (Seite 25), die aus dem
Besitz der Grafen von Champagne stammt, wird im Schatz der Kathedrale
zu Troyes aufbewahrt[30]. Die Kleidung der Figuren läßt darauf
schließen, daß dieses Stück, das wohl ein Geldbeutel oder Klingelbeutel
gewesen ist, aus der Zeit von 1350-1400 stammt. Zwei Frauen sägen
mit einer Rahmensäge ein menschliches Herz. Es soll sinnbildlich
dargestellt werden, daß die Frauen den Männerherzen blutige Schmerzen
bereiten. Rettend kommt aus einem Wolkengebilde eine Hand mit einem
Beil, um die Säge zu zerschlagen. Vom Himmel her kommt also den
irdischen Liebesschmerzen die einzige Rettung.
Der Nürnberger Bürger Konrad Mendel stiftete 1380 ein Asyl für zwölf
alte, jedoch gesunde arme Handwerker. Jedes Mitglied der Brüderschaft
porträtierte man in arbeitender Stellung in Hausbüchern[31] der
Stiftung. So besitzen wir von 1380 bis 1797 über 300 sehr wertvolle
Bilder von arbeitenden Nürnberger Handwerkern. Leider ist eines der
Porträtbücher, das von 1549 bis 1791 reicht, verschollen.
Unter den ersten 12 Brüdern ist als fünfter ein »Säger« abgebildet.
Das Blatt ist aber leider stark beschädigt, denn es ist seit langer
Zeit das erste Blatt des Buches, weil die vier voraufgehenden Blätter
weggerissen sind. So hatte es keinen Zweck, die Bruchstücke dieses
Bildes photographieren zu lassen. Eine Beischrift zu dem Bilde sagt:
»Der fünft bruder hyess Hans vnd was ein Seger«.
[Illustration: Rahmensäge mit drehbarem Sägeblatt. Nürnberger Malerei
von etwa 1398.]
Ums Jahr 1398 wurde im Mendelschen Stiftungsbuch der 47. Bruder der
Stiftung, Karl Schreyner, porträtiert (Seite 27). Wir sehen ihn an
einer der damals gebräuchlichen sehr einfachen Hobelbänke bei der
Arbeit. Die Bank hat noch keine Schraubklemmen, sondern nur Löcher zum
Einschlagen hölzerner Bankpflöcke. Im Vordergrund steht eine Truhe
und daneben ein kleiner Schrank. An der Wand der Werkstätte hängt eine
schön geschweifte Rahmensäge.
[Illustration: Rahmensäge mit drehbarem Sägeblatt. Malerei vom Jahr
1444.]
Eine ähnliche Säge sehen wir beim 136. Bruder der Mendelschen Stiftung,
der 1444 starb (Seite 28).
[Illustration: Sägen französischer Zimmerleute aus dem Jahr 1460.]
Zwei interessante Sägen sind auf einem militärischen Zimmerplatz zu
sehen, der im Jahr 1460 in einer französischen Bilderhandschrift
sorgfältig dargestellt ist. Die in der Nationalbibliothek zu Brüssel
befindliche Handschrift verherrlicht die Taten Karls des Großen[32].
Auf einem der Bilder (oben) ist ein Brückenbau zu sehen, der von
den Soldaten Karls des Großen vor einer feindlichen Festung
ausgeführt wird. Die an der Brücke arbeitenden Werkleute sind durch
eine Plankenwand gegen die feindlichen Geschosse, die damals keine
große Reichweite hatten, geschützt. Hinter der Brücke steht --
anscheinend auf Pontons -- ein sogenannter Wandelturm, von dem aus die
Bedeckungsmannschaft der Handwerker den Feind in der Festung beschießen
kann.
[Illustration: Der Prophet Jesaias mit der Säge. Kupferstich des 15.
Jahrhunderts.]
Am Ufer sehen wir werktätiges Leben: es wird alles hergerichtet, was
zum Bau notwendig ist. Im Hintergrund, am Wald, werden die gefällten
Bäume von Zimmerleuten zugerichtet und im Vordergrund zu Konstruktionen
zusammengesetzt.
Auf zwei Böcken liegt ein schweres Bord, das von zwei Mann zersägt
wird. Beachtenswert sind an der hier abgebildeten Säge die beiden
voneinander verschiedenen Handgriffe. Der obere sitzt an zwei schräg
stehenden Eisen in der Verlängerung des Rahmens, der untere auf dem
Querholz des Rahmens.
Ein Vergleich mit der Preisliste einer heutigen französischen
Sägen-Fabrik ergab, daß diese Form der Säge noch in Frankreich zu
finden ist. Es ist beachtenswert, wie sich die Formen der Werkzeuge
oft Jahrhunderte lang unverändert erhalten. Rechts im Vordergrunde
sehen wir neben dem Mann, der ein Loch in das Gebälk bohrt, eine der im
Mittelalter beliebt gewesenen schwertförmigen Stichsägen. Bei diesen
Sägen stehen die Zähne immer auf Stoß und die Zahnkante ist bauchig.
Der Griff ist so lang, daß er mit beiden Händen erfaßt werden kann.
Griff und Sägeblatt sind durch einen runden Schutzteller von einander
getrennt.
[Illustration: Bohr-Säge aus dem Dresdner Zeughaus. Etwa von 1640.]
Die Säge ist das Symbol des Propheten Jesaias, den wir hier (Seite 30)
mit einer mächtigen Trecksäge mit rundem Rücken sehen. Die technisch
wie künstlerisch gleich wertvolle Darstellung ist von einem unbekannten
Meister in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Kupfer gestochen
worden[33].
In den Ingenieur-Handschriften, die im Mittelalter vor Erfindung des
Buchdrucks für Städte und Burgen zu Verteidigungszwecken geschrieben
wurden, wird die Säge als notwendiges Werkzeug häufig erwähnt.
Da wir die Zeiten verlassen, die man als Mittelalter bezeichnet, wären
einige Spielformen von Sägen zu besprechen.
Im Zeughaus zu Schwarzburg in Thüringen wird ein Schwert aufbewahrt,
das an einer Kante der Klinge eine starke Säge trägt. Die Klinge ist
108 cm lang, nahe der Spitze befindet sich ein Loch. Hier zog man ein
Seil durch, um einen zweiten Mann an der Säge anfassen zu lassen.
Diese eigenartige Verbindung von Waffe und Werkzeug soll ums Jahr 1490
entstanden sein.
Im Germanischen National-Museum zu Nürnberg wird ein Kriegswerkzeug
aufbewahrt, das man »Bohr-Säge« nennen könnte (Seite 31). Es besteht
aus einem starken hölzernen Stiel von 120 cm Länge, der an einem Ende
mit einer kräftigen Eisentülle versehen ist. Aus dieser Tülle läßt sich
ein vierkantiges Werkzeug herausziehen und durch ein eingeschobenes
Eisen feststellen. Oben trägt das Werkzeug einen Bohrer und darunter
eine kräftige Säge. Man näherte sich mit diesem Stück einem feindlichen
Tor, bohrte dieses an und sägte dann schnell das Schloß oder die
Schloßnieten heraus. Die ausgezogene Säge hat eine Länge von 28 cm.
Diese Bohrsäge stammt aus dem Dresdner Zeughaus und ist, wenn man eine
Datierung versuchen soll, wohl ums Jahr 1640 entstanden[34].
Seilsägen waren bei den Bewohnern der Landenge von Panama in Gebrauch,
ehe die Europäer nach Amerika kamen. »Die Einwohner machen Seile von
einem gewissen Kraute, welches von ihnen Neqvon oder Henechen genennet
wird, und solche Blätter hat, die einer Distel ähnlich sehen, mit
denen sie so, wie wir mit dem Hanff oder Flachs, umzugehen pflegen,
und sie nicht allein zum binden brauchen, sondern auch Eisen damit zu
schneiden: Denn sie ziehen diese Stricke wie eine Säge hin und her,
und thun das rauhe Ende auf die Stelle, wodurch sie schneiden wollen.«
Der Berichterstatter vergaß hier zu sagen, ob die Eingeborenen mit den
Pflanzenfasern allein mühsam sägten, oder ob sie Corund, Schmirgel oder
etwas ähnliches hinzufügten[35].
Im Jahr 1709 sägte ein Italiener, der in Kassel ansässig war,
Mosaik-Steine mit einer »zärtern Säge, von doppeltem übereinander
gedrehtem Drat«[36].
Der Kuriosität halber sei hier ein Versuch angeführt, den man 1850
machte: »Papierscheiben von 6 Zoll Durchmesser, die mit einer
Umfangs-Geschwindigkeit von 500 Fuß per Secunde rotiren, schleifen
von englischen Feilen an den entgegengehaltenen Stellen den Hieb
augenblicklich ab«[37].
[Illustration: Zwei Metallsägen und eine türkische Säge des Kurfürsten
August von Sachsen von etwa 1570.]
Als »türkische Sägen« bezeichnet man heute diejenigen, deren spitze
Sägezähne auf das Sägeheft hin stehen. Diese Sägen schneiden also
nicht beim Stoß, sondern beim Zug. Das Wort »türkisch« hat nach alter
Überlieferung die Bedeutung »weit hinten, im Orient«. Und in der Tat:
irgendwo im Orient liegt eine Grenzlinie, jenseits der verschiedene
technische Bewegungen entgegengesetzt den Bewegungen bei uns verlaufen.
Einige Beispiele: die weisende Spitze der Nadel im Kompaß ist bei den
Chinesen und Japanern die nach Süden zeigende, das Hobeleisen steht
mit der Schneide gegen den Arbeiter hin, man dreht die Schraube nach
links hinein und nach rechts hinaus. So sägt man auch jenseits dieser
noch unbekannten Grenzlinie im Orient ziehend, nicht stoßend. Dies ist
besonders bei den Chinesen und den Japanern der Fall.
[Illustration: Prächtig verziertes großes Sägeblatt aus dem Besitz des
Kurfürsten August von Sachsen. Um 1570.]
Die älteste mir bekannte Säge dieser Art wird im Historischen Museum
zu Dresden aufbewahrt (Abbildung Seite 33 unten). Sie stammt aus dem
Besitz des Churfürsten Vater August von etwa 1570.
Als »ostindische Sägen« wurden die beim Zurückziehen wirkenden
Sägeblätter im Jahr 1834 in unserer technischen Literatur bekannt, und
es wurde dabei darauf hingewiesen, daß das Sägeblatt hier viel dünner
sein könne. Mithin säge man mit einer ostindischen Säge leichter, als
mit einer europäischen[38].
[Illustration: Säge mit M-Zähnen. Skizze von Leonardo da Vinci, um
1488-1497.]
Mögen die Sägezähne auf Zug oder Stoß gestellt sein, immer bedingen
sie Verlust an Zeit, weil man die Säge der Zahnstellung entgegen
wieder zurückbringen muß. Es war deshalb eine bedeutsame Erfindung,
die Sägezähne so anzuordnen, daß sie sowohl beim Zug als auch
beim Stoß wirkten. Man könnte glauben, diese Erfindung sei eine
absichtliche Vereinigung unserer stoßenden Säge mit der ziehenden
Säge der Orientalen. Solche Schlüsse aber darf man in der Geschichte
der Erfindungen nicht machen. Aus Abbildungen des Altertums und des
Mittelalters und aus den wenigen gefundenen Stücken ist nicht zu
ersehen, welche Gestaltung die Zähne hatten. Man kann nur annehmen,
daß die Formgebung bei jedem Meister, der Sägen machte, eine
willkürliche war. Der erste, von dem wir mit Sicherheit wissen, daß
er M-förmige Zähne bewußt verwandte, war Leonardo da Vinci, der
vielseitige italienische Künstler und Generalingenieur[39]. Aus den
tausenden Skizzen, die Leonardo aus seiner technischen Praxis, wie
auch als Erfinder hinterlassen hat, besitzen wir in einem kleinen,
zu Paris aufbewahrten Notizbuch die hier (Seite 35) wiedergegebene
Skizze, unter der die Worte stehen: »Doppelte Säge, die ziehend und
stoßend operiert.« Dieses Notizheft Leonardos stammt aus den Jahren
1488-1497[40].
[Illustration: Sägewerk mit Handbetrieb und Drehbank. Skizzen von
Leonardo da Vinci ums Jahr 1500.]
Leonardo da Vinci beschäftigte sich auch mit der Konstruktion von
Sägewerken. Den Antrieb zu einem solchen skizziert er dicht neben dem
frühsten bekannten Entwurf zu einer Drehbank mit Tretvorrichtung (Seite
35). Die Drehbank stößt mit dem Spindelstock-Balken und dem Fußtritt an
das Schwungrad des Sägewerks, es ist also nicht schwer, die Zeichnungen
der beiden Maschinen auseinander zu halten. Die Säge sitzt in einem
Rahmen und wird oben und unten von je einer Kurbel gefaßt. Unten trägt
die Kurbelachse eine Schwungscheibe, und wir müssen annehmen, daß die
beiden Kurbelachsen irgendwie zwangsläufig verbunden waren. Der Antrieb
der unteren Kurbel erfolgt mittelst einer am Ausgang des Mittelalters
gebräuchlichen Hand-Schubstange.
Eine Reihe kleiner Skizzen von Leonardos Hand bezieht sich auf
Sägewerke, doch diese Skizzen sind nur flüchtig ausgeführt und stark
vergilbt. Da sie nichts Bemerkenswertes bieten, lohnt sich die
Wiedergabe nicht[41].
Daß man in holzreichen Ländern die Axt der Säge vorzog, lesen wir in
der »Natürlichen Historie von Norwegen«, die 1753 erschien. Es heißt
dort: »Vor der Mitte des 16. Jahrhunderts behaute man jeden Stamm und
spaltete ihn mit der Axt in zwei Planken, da er jetzt sieben bis acht
Bretter gibt, da denn das meiste Holz in Spähne zersplittert wird.
Dieses geschieht noch an einigen Orten, wo keine Sägewerke in der Nähe
sind, insonderheit auf Sudenöer und im Amte Nordland, wo sehr viele
Jagden und Böte aus lauter dergleichen gehauenen Brettern gebauet
werden, die zwar doppelt so stark sind, aber auch allzuviele Stämme
kosten«[42].
Mit der Angabe, daß man bis ums Jahr 1550 in Norwegen hauptsächlich mit
der Axt arbeitete, stimmt die Nachricht überein, daß erst um 1530 das
erste Sägewerk in Norwegen angelegt wurde[43].
Den späteren Kaiser Maximilian sehen wir in seiner Jugend mit einer
großen Säge in der Hand auf einem Holzschnitt von Hans Scheuflein aus
dem Jahre 1514 (Seite 37). Der junge Fürst ist hier als Lehrling der
Zimmerleute dargestellt[44].
Außer dem Propheten Jesaias (Seite 30) wird der Apostel Simon -- nicht
zu verwechseln mit Simon Petrus -- mit der Säge dargestellt, ja, er ist
auch der Schutzpatron der Säger, denn es wird von ihm berichtet, daß er
auf einer Missionsreise in Persien von fanatischen Priestern lebendig
in Stücke zersägt worden sei[45]. Der große Meister Lucas Cranach
der Ältere hat 1539 in einer Serie »Das Symbolum..... der zwelff
Aposteln«[46] den Martyrertod des Simon grausig dargestellt (Seite 38).
Die Werkzeuge des Zimmermanns, darunter auch 2 Sägen, sind sehr
deutlich auf einem Holzschnitt dargestellt (Seite 39), der im Jahre
1546 in einem Buch über die Perspektive erschien.[47]
[Illustration: Der jugendliche Maximilian als Zimmermann mit der Säge.
Holzschnitt von 1514.]
Um's Jahr 1550 überreichte der Nürnberger Mechaniker Hanns Lobsinger
den Stadtvätern ein handschriftliches Verzeichnis seiner mechanischen
Erfindungen. Es ist nicht veröffentlicht worden und neuerdings auch
im Original verschwunden. Aus einem älteren Auszug wissen wir aber,
daß Lobsinger eine ganze Reihe bedeutsamer Erfindungen machte und
daß einige von ihnen der Zeit um Jahrhunderte vorauseilten. So
fertigte er auch Maschinen, »in welchen ein Rad den Marmor oder andere
Steine, welche man sonsten mit einer kupffern Sägen sehr langsam
durcharbeitete, ziemlich förderlich durchschneiden muste«[48]. Demnach
verwendete Lobsinger schon vor 350 Jahren in Nürnberg die ungezahnte
Kreissäge zum Steinschneiden. Diese Erfindung ist um so erstaunlicher,
als doch unsere heutige Kreissäge für Steine (Seite 62) erst im Jahre
1833 in England erfunden wurde[49]. Sonderbar nur, daß Lobsinger
nicht auf den Gedanken kam, die Scheibe zu zahnen, um Holz damit zu
schneiden. Die Kreissäge für Holz wurde, wie wir noch hören, erst 1793
erfunden.
[Illustration: Die Säge als Marterinstrument. Holzschnitt von Lucas
Cranach, 1539; nach der im Mittelalter gebräuchlichen Strafe des
Zersägens für Landesverräter.]
[Illustration: Zimmermannssägen. Holzschnitt von 1546.]
Jacques Besson, Ingenieur des Königs von Frankreich, und der Nachfolger
Leonardo da Vincis in diesem Amte, hat ums Jahr 1565 eine Reihe von
Maschinen gezeichnet. Nach seinem Tode (1569) wurden diese Zeichnungen
mit einem kurzen Text im Jahr 1578 zum ersten Mal veröffentlicht. Und
später sind sie wiederholt neu gedruckt worden und auch in andern
Ländern erschienen[50].
[Illustration: Gatter-Sägewerk. Kupferstich aus dem Maschinenbuch von
Besson 1578.]
Zwei recht umständlich gebaute Sägewerke von Besson (Seite 40 und 41)
sind für uns interessant, wegen der Zahnstellung und der Zahnform.
Besson hängt in den Gatterrahmen, der bei ihm schon aus Eisen
konstruiert ist (Seite 40) das erste Sägeblatt mit den Zahnspitzen nach
unten, das zweite mit den Zahnspitzen nach oben, das dritte wieder nach
unten und das vierte wieder nach oben. So will er erreichen, daß das
Gatter beim Auf- wie beim Niedergang in je zwei Schnitten gleichmäßig
belastet ist.
In einem andern Sägewerk (Seite 41) hängt Besson zwei Sägeblätter in
den Gatterrahmen ein, und er gibt den Zähnen eine Form, die man als
ein umgedrehtes M bezeichnen kann. Er erhält dadurch ein Sägeblatt, das
in beiden Richtungen schneidet.
[Illustration: Gatter-Sägewerk. Die Sägeblätter mit M-Zähnen. Nach
Besson. 1578.]
In dem Porträtbuch der Landauerschen Handwerkerstiftung in
Nürnberg wird im Jahr 1571 ein Tischler abgebildet (Seite 42), in
dessen Werkstatt wir eine Rahmensäge sehen. Die Form hat sich so
herausgebildet, wie sie noch heute meist zu finden ist. Zwanzig Jahre
später wird einer der Landauerschen Brüder, der nach der bildlichen
Darstellung ein Säger war, als »Schalenschrodter« bezeichnet. Das Wort
bezeichnet einen Handwerker, der mit der Schrotsäge Bretter sägt, die
hauptsächlich zum Verschalen der Dächer verwendet wurden. Wir müssen
bedenken, daß die Häuser des Kleinbürgers damals noch mit Holz gedeckt
waren. Die Landauersche Stiftung, die von 1510 bis 1806 bestand,
nahm ähnlich der Mendelschen (Seite 26) zwölf alte, arme Nürnberger
Handwerker auf[51].
[Illustration: Säge eines Tischlers. Nürnberger Malerei von 1571.]
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts mehren sich die gedruckten Anweisungen
zum Maschinenbau. Es sind große Tafelwerke, in denen die Ingenieure
verschiedener Länder ihre Konstruktionen zeichnerisch niedergelegt
und erläutert haben. In einer Handschrift zu einem solchen später
gedruckten Maschinenbuch ist das hier auf Seite 43 dargestellte
Sägewerk um 1580 von dem deutschen Ingenieur Strada gezeichnet
worden[52].
[Illustration: Sägewerk, Handzeichnung von Strada, um 1580.]
Agostino Ramelli, Ingenieur des Königs von Frankreich, veröffentlichte
1588 in einem solchen Werk mehrere Sägegatter an denen die
gleichschenklig, dreieckige Form der Sägezähne mit zwischenliegenden
Unterbrechungen auffällt (Seite 44)[53]. Daß der Handwerker sich damals
auch noch einfache Sägewerke zu bauen wußte, erkennen wir aus zwei
Bildern, die der Italiener Veranzio um 1600 hinterlassen hat (Seite 45
und 46). Einmal ist eine Säge für Holz, das andere Mal eine Gattersäge
für Stein dargestellt[54].
[Illustration: Sägewerk nach einem Kupferstich aus dem Maschinenbuch
von Ramelli 1588. Zwischen den Sägezähnen sieht man Unterbrechungen.]
Der Antrieb der Sägewerke geschah, wie wir sehen, entweder von Hand
oder durch Wasserkraft. Im Jahr 1592 gab der Holländer Cornelisz van
Uitgeest den Windrad-Antrieb für Sägewerke an und seitdem haben sich
die sogenannten Wind-Sägemühlen besonders in Holland bis auf den
heutigen Tag erhalten. Im Jahr 1633 errichtete ein Holländer in der
Nähe von London eine solche Mühle mit Windradbetrieb. Sie ging aber
wieder ein und wurde später wiederholt neu errichtet. Es erhoben aber
gegen diese Maschinen die Arbeiter Einspruch und zerstörten sie im
Jahr 1768[55]. Auffallend spät finde ich den Antrieb eines Sägewerks
durch Göpel. Es war die Konstruktion des als Nationalökonom bekannten
Gelehrten Johann Joachim Becher. Er ging dabei von wirtschaftlichen
Gesichtspunkten aus und betrieb das Sägewerk durch Ochsen, »die man
in den Wald verfuhren kan / zu den Bäumen selbst; denn man kan mit
leichterer Mühe / die geschnittenen Bretter verführen / als gantze
Bäume«[56]. Erst 1857 hat man diesen Gedanken praktisch verwirklicht
(Seite 64).
[Illustration: Einfaches Gatter-Sägewerk, nach Veranzio, ums Jahr 1600.]
Im Jahr 1589 finde ich den ersten Hinweis auf eine gezahnte Säge
aus Metall, die Metall schneiden kann. Giambattista della Porta,
ein vermögender Edelmann aus Neapel, der lange Reisen im Ausland
gemacht hatte, verfaßte in zweiter Auflage im Jahr 1589 ein Buch,
darin er alles das sammelte, was er im Gegensatz zu der Masse seiner
Zeitgenossen als »Natürliche Magie« ansah. So erklärte er eine ganze
Reihe von physikalischen und technischen Vorgängen und zeigte durch
Experimente, daß hier keinerlei Zauber und Hexerei vorkomme. Bei dieser
Gelegenheit erwähnt er eine gehärtete »Säge aus dem Stahl«, die so
kräftig sei, »daß sie Eisen schneide.« Dies ist sicherlich eine der
frühsten, wenn nicht die frühste Nachricht von einer Kaltsäge.