Der dritte September war mir heute doppelt und dreifach merkwürdig, um
ihn zu feiern. Es war der Geburtstag meines Fürsten, welcher eine
treue Neigung mit so mannigfaltigem Guten zu erwidern wußte; es war
der Jahrestag meiner Hegire von Karlsbad, und noch durfte ich nicht
zurückschauen, was ein so bedeutend durchlebter, völlig fremder
Zustand auf mich gewirkt, mir gebracht und verliehen; wie mir auch
nicht Raum zu vielem Nachdenken übrigblieb.
Rom hat den eignen großen Vorzug, daß es als Mittelpunkt
künstlerischer Tätigkeit anzusehen ist. Gebildete Reisende sprechen
ein, sie sind ihrem kürzeren oder längeren Aufenthalte hier gar vieles
schuldig; sie ziehen weiter, wirken und sammeln, und wenn sie
bereichert nach Hause kommen, so rechnen sie sich's zur Ehre und
Freude, das Erworbene auszulegen und ein Opfer der Dankbarkeit ihren
entfernten und gegenwärtigen Lehrern darzubringen.
Ein französischer Architekt mit Namen Cassas kam von seiner Reise in
den Orient zurück; er hatte die wichtigsten alten Monumente, besonders
die noch nicht herausgegebenen, gemessen, auch die Gegenden, wie sie
anzuschauen sind, gezeichnet, nicht weniger alte zerfallene und
zerstörte Zustände bildlich wiederhergestellt und einen Teil seiner
Zeichnungen, von großer Präzision und Geschmack, mit der Feder
umrissen und mit Aquarellfarben belebt dem Auge dargestellt.
1. Das Serail von Konstantinopel von der Seeseite mit einem Teil der
Stadt und der Sophienmoschee. Auf der reizendsten Spitze von Europa
ist der Wohnort des Großherrn so lustig angebaut, als man es nur
denken kann. Hohe und immer respektierte Bäume stehen in großen,
meist verbundenen Gruppen hintereinander, darunter sieht man nicht
etwa große Mauern und Paläste, sondern Häuschen, Gitterwerke, Gänge,
Kiosken, ausgespannte Teppiche, so häuslich, klein und freundlich
durcheinander gemischt, daß es eine Lust ist. Da die Zeichnung mit
Farben ausgeführt ist, macht es einen gar freundlichen Effekt. Eine
schöne Strecke Meer bespült die so bebaute Küste. Gegenüber liegt
Asien, und man sieht in die Meerenge, die nach den Dardanellen führt.
Die Zeichnung ist bei sieben Fuß lang und drei bis vier hoch.