+Lise+:
Du --! nicht wieder gleich in die Kniee knicken!
+Michel+
(die Tür breit aufsperrend):
Aber den Trauerschleier erst ab!
(Er tritt von der Schwelle zurück zu ihr, nimmt ihr hastig Diadem
und Schleier vom Haar, will beides auf die Erde werfen)
Der soll heute Morgen für immer ins Grab!
+Lise+:
Aber der Stern, der muß in mein Kämmerlein!
(Sie wirft lachend das Diadem in den Hausflur.)
Und mein Glücksstab, Michel, hinterdrein!
(Sie schleudert den Stab, den sie bis jetzt immer festhielt, in
hohem Bogen durch die Tür; man hört ihn auf der Treppe poltern.)
So! -- (_Sie hebt winkend die Zippelmütze --: läßt plötzlich
schreckhaft den Arm wieder sinken, da Michel wie entgeistert
zurückweicht, die eine Hand aufs Herz pressend, die andre vor die
Stirn schlagend._)
Aber +was+ denn, Michel?! Was träumt dir?!
+Michel+:
Nein --
Nein! -- Sehr wirklich! -- Dieses Haus ist +nicht+ mein!
Du sollst mich nicht zu Unehr mit deinem Gewinke verführen;
lieber will ich nie wieder ein Glied von dir berühren!
Ich habe mein Wort, du, meinen Handschlag dem Mann da verpfändet;
das wird nicht durch Weiberfingerspiel umgewendet!
(Auf die Papierfetzen weisend):
Da, die Schrift da, die kann der Wind verwehn;
hier das Wort in mir, das bleibt ewig stehn!
Und will mich der Bergrat noch heute aufs Straßenpflaster jagen,
ich werde gehn, und müßt ich den ganzen Kram drin zerschlagen!
Das ist einfach meine verfluchte Pflicht,
schlicht und richt;
ich hab sie mir selber zuzuschreiben.
+Lise+: