+Der Landrat+:
Na +wirds+ bald?!
+Stimme des roten Karls+:
man stopp!!!
+Immer mehr Stimmen von draußen her+:
man stopp! man stopp! man stopp!
(Zugleich wird wieder das dumpfe Geräusch der stampfenden Maschine
hörbar.)
+Der Landrat+
(sich die Ohren zuhaltend):
Himmelkreizsackerment, tanzt denn heute der Deibel Galopp?!
(Von links erscheinen +Eulenspiegel+, der +rote Karl+
in seiner Militär-Uniform, jetzt aber mit Schlapphut und ohne
Gesichtsmaske, und die maskierten +Bergknappen+; die meisten
etwas angezecht, alle mit leeren Sektflaschen, die sie bedrohlich
wie Keulen schwingen.)
+Der rote Karl+
(während Eulenspiegel mit der Pritsche den Takt dazu klopft):
Stopp! Hie Knappschaft!
+Die Bergknappen+:
Knappschaft!
+Der rote Karl+:
Glückauf!
+Die Bergknappen+:
Glückauf!
+Der rote Karl+:
Jeder Knappe im Schacht
nehm sich vor falschen Wettern in Acht!
Licht aus!!! (_Er haut seine beiden Flaschen aneinander zu
Scherben; sofort erlöschen die elektrischen Ampeln. In der
Dunkelheit geben jetzt nur die Laternchen an den Tschackos der
Bergknappen spärliches Licht. Man sieht, wie sich Michel von seinen
Häschern losreißt, seinen Stock ergreift und um sich schlägt. Dazu
Gerassel von Säbeln und zerschmissenen Flaschen, Geschrei der
flüchtenden Damen und Herren, und Eulenspiegels Pritschengeknalle._)
+Die Bergknappen+
(durch den Tumult hin und her trottend):
+Aus+ das Licht! +Aus+ das Licht!
Irrwischfunken zünden nicht!
(Michel stimmt ein):
Sumpfgesindel! Unkenbrut!
fang mal Feuer, faules Blut!
+Der Rotbart+:
Aber Michel! Kerl! du verbläust ja mein Schwert!
+Michel+:
Immer druff! Meines Vaters Stock ist zehn Schwerter wert!!!
+Die Bergknappen+:
Wert oder nicht, wert oder nicht,
schlagt in Stücken, was zerbricht!
+Michel+:
Sind zerbrochen alle Klingen,
kann man noch den Knüppel schwingen!
Sieg!!!
(Man sieht im Hintergrund durch den Saal die letzten fliehenden
Amtspersonen mit flüchtig aufflammenden Zündhölzchen rennen.)
+Die Bergknappen+:
Sieg! Hurra, Sieg!!!
+Der rote Karl+:
Glückauf, Genossen!
+Die Bergknappen+:
Glückauf!!!
+Eulenspiegel+
(mit Schellengebimmel):
Es lebe der ganze, allbeglückende Volksfestverlauf! --
Nun, Held Michel, wie steht’s? vollständig heil und gesund?
Laßt mal sehn! (_Die Bergknappen nehmen die Tschackos ab und
beleuchten ihn mit den Grubenlichtern._)
+Michel+:
Mir fehlt blos ein guter Trunk zur Stund.
+Eulenspiegel+:
Ih! -- Na, dann mal her den Rest von der Kesselbefeuchtung!
+Michel+:
Nein, Wasser!
+Eulenspiegel+:
Ah, Wasser!
+Die Bergknappen+:
Hahahah! Pros’t!
+Eulenspiegel+
(nochmals bimmelnd und nach draußen gewendet):
Heeda! Beleuchtung!
wo gibts hier Wasser?! Licht an!!! (_Die elektrischen Ampeln
flammen zum Teil wieder auf; man sieht am Boden zerbrochene
Flaschen, zertrampelte Zylinderhüte und zerrissene Maskenstücke
liegen._)
+Michel+:
Aber erst sag ich Dank!
Roter Karl, ich werd’s dir mein Lebenlang
nicht vergessen! (_er schüttelt ihm die Hand._)
+Der rote Karl+:
Genossen, seht ihr?! was hab ich gesagt!
jetzt ist er Unser! (_klopft ihm gnädig die Schulter._)
+Die Bergknappen+:
Hurrra!
+Michel+
(_zurücktretend_): Wie??
+Der rote Karl+:
Na, man unverzagt!
Hurra schrein wir blos noch so aus alter Gewöhnung.
+Michel+:
So --: Das also ist eure Menschenbrüderversöhnung:
(draußen klappt plötzlich die eiserne Tür zu, und das Geräusch der
Maschine verstummt)
einen Mann aus den Klauen der Überzahl glücklich rauszukloppen,
um ihn dann in +euern+ Mehrheitsrachen zu stoppen --:
die Sorte Brüderlichkeit, die ist mir zu gleich und frei!
(+Ein Maschinenheizer+, unmaskiert, bringt ein Bierglas voll
Wasser; Michel schiebt ihn unsanft beiseite.)
Weg da! Bleibt mir vom Leibe mit eurer Nothelferei!
die könnt ich besser bei der Bergratsgesellschaft finden.
+Die Bergknappen+:
Hoh! Frechheit! Haut ihn!
+Michel+:
Ja, haut ihn, den Plumpsackblinden!
Ihr habt viel gelernt von denen, die euch schinden,
aber eins, darin sind sie euch doch noch voran:
sie sehn blanke Pfennige nicht für Goldstücke an,
sie wissen Bescheid über ihre eigne erbärmliche Kleinheit --
(zu Boden starrend, halb für sich:)