+Der schwarze Karl+
(an der Flasche fingernd):
jo, jo --
+Der rote Karl+:
Und wie willst denn Du dich verkleiden?
+Michel+:
Ich geh einfach in Vaters Schäferhut-und-rock
und mit seinem langen Hirtenstock.
Hat nun manch Jahr schon still in der Ecke gestanden,
und strich früher wie’n Feldherrnstab hier herum in den Landen.
Ja: kannst mirs glauben: gern zieh ich auch nicht heraus
aus dem lieben alten Haus,
wo ich von Kind auf jeden Holzpflock drin kenne.
Aber wenn ich Morgen für Morgen zur Schicht auf die Zeche renne
und ich denk mir, wir solln hier ewig so hocken,
uns immer wieder denselben Alltagsbrei einbrocken --
denn ihr, was wollt +ihr+ denn? blos lüstern aufmucken
und euch dann untern öffentlichen Suppenlöffel ducken,
zu dem schon jetzt alle Ja und Amen nicken,
bis selbst die Bettelleute schließlich im Fett mitersticken --
hrr, dann fühl ich’s heiß mir durch jede Pore toben:
Luft!!! schenkt uns einen Krieg, ihr Herrn da oben!
(Er greift nach der Flasche, gießt sich das Glas voll und trinkt.)
+Der schwarze Karl+
(sich bekreuzend):
Josef-Maria, Krieg! Gevatter, das heißt Gott versuchen! Mit Verlaub --
(_er gießt sich gleichfalls ein_) --
+Der rote Karl+:
Ja, erlaube, Michel: du hast leicht fluchen.
Du bist noch jung, und kennst den Krieg nicht, und meinst voll
Feuer,
er sei ’ne Art Welteroberungsabenteuer.
+Ist+ er auch; und tät heute die Sturmtrommel schlagen
ich würd meine Knochen wieder mit auf die Schanze tragen;
das steckt uns im Blut, uns Bestien. Ja, ’ne Wollust ist der Krieg,
verhilft unsern Raubtiergelüsten zum Sieg;
aber Glück, Michel, menschlich Glück schafft er keins.
+Michel+:
Papperlapapp, Karl; ist dein Glück etwa meins?
Halt keine Volksreden, Roter! trink lieber eins!
(Ihm einschänkend und dann mit Beiden anstoßend:)
Glück, das ist ein Wort wie’ne Fliegenfalle;
Glückauf! es lebe der Sirup für Alle!
(Sie trinken.)
+Lise+
(tritt lachend aus der Tür an die Hausecke):
Wohl bekomm’s! -- Ihr beherrscht euch aber lustig.
+Michel+:
O, du Kobold du! Seht ihr’s, da habt ihr’s, das wußt’ich.
+Lise+
(tritt an den Gartentisch und nimmt die Flasche):
Will sie aber doch vor euch Selbstbeherrschern lieber verstecken.
Gute Nacht, ihr Herrn! und laßt’s euch schön langsam schmecken!
(Sie geht wieder ins Haus.)
+Der schwarze Karl+: