+Christian Wach+
(sitzt lesend am Fenster, von der Vormittagssonne beglänzt)
-- -- Also auch der Galneggy hat seine Milliarde mit Menschenschinderei
erworben -- eh er Millionen verschenken konnte -- (_nickt vor sich hin
und klappt das Buch zu_) -- schauerlich! -- --
+Die alte Anne+
(tritt ins Zimmer, einen hellroten Rosenstrauß in der einen Hand,
in der andern eine weiße Serviette und schlichte blaue Glasvase)
So, Herr Christian, wenn Sie auch schelten, ich gratuliere zum
fünfzigsten Geburtstag. Kostet nur dreißig Penning bitte; der ganze
Markt war voll Bauernrosen, ich konnt der Sommerfreude nit widerstehn,
und dem erquickenden Geruch. (_Sie legt die Serviette auf den
Tisch, setzt die Vase mit dem Strauß darauf._) Nun machen Sie mal
ein helles Gesicht, wie sich’s gehört zu den schönen Blumen und dem
Geburtstagssonnenschein!
+Christian+
(ist aufgestanden und hat das Buch in den Wandbord gestellt)
Ich danke dir, Anne, du meinst es gut; aber du weißt, mich peinigt
solche Verschwendung. Für die dreißig Pfennige hättest du besser einem
Bettelkind etwas zu essen gekauft.
+Anne+
Ja, das hätt sich wohl mehr gefreut als Sie. Ach, Herr Christian, geb
Ihnen Gott ein bißchen Kindersinn zurück! Dann würden Sie bald auch
wieder gesund werden.
+Christian+
(unruhig hin und her, Kopf gesenkt, Hände auf dem Rücken, in der
Erregtheit zuweilen stotternd, aber stets mit Zurückhaltung)
Lala-laß das Gerede, ich bin nicht krank; ich spüre blos, daß ich alt
werde.
+Anne+
Weil Sie nicht auf mich hören, Sie junger Mann. Mich drücken meine
Jahre nicht; und könnt doch fast Ihre Mutter sein, mit meinen beinah
sechsundsechzig. Nehmen Sie sich ein Kind ins Haus, wenn Sie durchaus
keine Frau nehmen wollen!
+Christian+
Bist doch auch ledig geblieben, alte Anne.
+Anne+
Ich -- was wissen denn Sie davon? Blos daß mich leider keiner heiraten
wollt, mit meinem Huckepack auf’m Rücken; da hab ich halt Kinder und
Kranke gepflegt.
+Christian+
Dein Rücken ist nicht viel krummer als meiner. Was siehst du mich
wieder so auffällig an?!
+Anne+