D. J. M. Und ein Frechdachs! Sie wollen mich wohl uzen, Verehrter?

D. D. D. Ich wollte Ihrer gesalzenen Weisheit blos einen

rassepsychologischen Wink geben, aus welchem Pökelfaß sie stammt. Dumm,

geil und verrückt -- das ist der Künstler, wie er heute bei allen

Professoren der höheren Zoologie im Buch steht.

D. J. M. Na, ich meinte natürlich nur: während er Kunst macht! Im Leben

kann er der klügste Geschäftsmann und bravste Familienvater sein; je

klüger und braver, umso besser für ihn.

D. D. D. Also während er Kunst macht, soll er gewissermaßen seine

besseren menschlichen Qualitäten an den Nagel der Theoretik hängen. Ich

fürchte nur, daß er dann zugleich seine besseren Rassequalitäten mit

weghängt.

D. J. M. Nanu, so plötzlich? Sie haben doch eben ganz deutlich gesagt,

Sie glauben an solche Qualitäten nicht!

D. D. D. Ich nicht; aber Rassetheoretiker glauben, daß Familiensinn und

Lebensklugheit die besonderen jüdischen Tugenden sind.

D. J. M. Ja natürlich! Was blieb uns denn auch weiter übrig, solange

wir im Ghetto hockten --

D. D. D. und nachdem in aller Herren Ländern aus einigen tollkühnen

Nomadenstämmen, die wahrscheinlich auch bereits nur zur Hälfte echte

Semiten gewesen sind, allmählich eine brave Sippschaft von allerlei

Krethi und Plethi geworden war.

D. J. M. Also Karnickel- und Hasen-Hecke. Na ja, das stimmt, da haben

die Antisemiten ganz Recht: das ist heute genau solche jüdische

Spezialität, wie’s auch deutsches Vettermichelpack gibt. Aber was

hat das speziell mit Kunst zu tun? Die verdolmetscht doch eben das

Generelle! Da entpuppt sich das ursemitisch Rassige wieder.

D. D. D. Merkwürdig nur, daß das alte Volk Israel, solange sein

Hauptstamm wirklich noch reinrassig war, d. h. längstens bis etwa zur

Zeit Samuelis, fast gar keine Kunst hervorgebracht hat; die spärlichen

religiösen Psalmen, die vielleicht in die Zeit vor David zurückreichen,

sind doch wohl erst embryonische Dichtkunst.

D. J. M. Nebbich! Das war ihnen doch verboten! Siehe Moses: Ihr sollt

euch kein Bildnis noch Gleichnis machen.

D. D. D. Mir deucht, in einem kunstfähigen Volk hätte solch Verbot

garnicht erst laut werden können. Was meinen Sie wohl, was die Griechen

gesagt hätten, wäre Solon ihnen mit so’was gekommen! Das haben sich

nicht mal die Deutschen bieten lassen, die doch, solange sie reine

Germanen waren, gleichfalls kein nennenswertes Kunstvolk gewesen sind;

und dasselbe gilt von den alten Römern. Überhaupt: betrachten Sie’s

mal historisch! Die sogenannte reine Kunst entsteht überall erst in

Mischvölkern, also wo mehrere Rassen einander kreuzen und -- mag man

das nun einen günstigen Zufall oder „Ergänzung passender Anlagen“

nennen -- eine neue zu bilden beginnen. Da tritt dann die Kunst

gleichsam vorbildnerisch auf, aus Verlangen nach neuem Menschentum.

Gesammelte Werke in drei Bänden (3/3) · 第 71 / 272 题