_Der 3. König_:
Sie leben wohl zu allerzeit.
_Der Gardeson_:
Das das mögen wohl rechte narren sein --
Ich kann mir es fürwar nicht anders bilden ein:
Das ein klein Kind von Bethlehem
Soll herrschen zu Jerusalem --
Mein Herr giebt das gar schwerlich zu!
Es wird sonst da werden die gröste unruh.
_Der 1. König_:
Ihr lieben Herrn, seth doch an!
Der Stern zeigt uns noch mehr die ban
Zu dieses Prinzeß Residenz:
Wir sind gewiß bald an die Grenz.
_Der 2. König_:
Ich seh den Stern ganz stille stehn;
Ein jeder mag es selbst ansehn:
Er stralet auf ein Haußlein dort,
Gewis ist dies des Prinzens ort.
_Der 3. König_:
So wollen wir alda kören ein,
Wo uns hinfirt der Sternenschein.
Der 1. König giebt das geschenke ab und spricht:
Dies sei, Heiland, Dir verörth
Aniezt aus Herzensgrunde:
Arabisches Gold, Weirauch und Mirren.
Ich glaubs zu dieser Stunde,
Das du bist wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich,
So nimm mich endlich doch zu dir ins ewige reich!
_Der 2. König_:
Du bist, o Jesulein
Ein König hochgebohren;
Dein Vater ist mein Gott,
Der hat Dich auserkoren:
So nim von mir doch an,
Was ich aus Schwachheit dir aniezo bringen kan.
_Der 3. König._
Nim hin von mir, du helt
Aus Davids Stamm entsprossen,
Was ich Dir bringe mit.
Las mich auch einst geniesen,
Einst sein in deinen Reich, das dir bereitet ist,
Bis ich beschliß meine lebensfrist.[16]
_Der Joseph_:
Habt Grosen Dank, meine lieben Herrn!
Gott wird euch davor viel bescherrn
Und machen an der Seelle reich,
Ja gar den lieben Engeln gleich.
Die 3 Könige gehen ab, und der Engel geth hin und spricht zu den
Königen:
Ihr Herrn Weisen, ich mach euch bekand;
Nehmt einen andern Weg in euer Land!
Geth nicht wieder zu Herodes hin,
Den er ist falsch in seinen Sinn;
Ihr werdet sonst kommen in gefahr.
Dies zeig ich euch; nehmt meiner wahr!
_Die Mutter Maria_:
Schlaf ein, mein liebes Kindelein,
Und thu dein Aeuglein zu:
Der liebe Gott, der wil dein Vater sein,
:,: Drum schlaf in guter Ruh! :,:
_Der Joseph spricht_:
Ich bin sehr müth, ich armer Mann,
Weil ich heut sehr viel Arbeit hab gethan;
Und da ich nun bin kommen zu Hauß,
Wold ich gern wieder ruhen aus!
So mus ich erstlich nehmen her
Den Milchtopf, Mehl und Quirl schwer
Zu kochen meinen Kinde einen Brei --
Ist das nicht eine schöne Köcherei?
Und weil ich sehr erschroken bin,
Hab ich nichts in meinen tüpfel drin.
Der _Engel_ zu Joseph und spricht:
Auf, auf, Joseph, und säum dich nicht,
Weil ietzt vorgeth ein schwer gericht.
Herodes wüthet wie ein Hund:
Er will ausrotten diese Stundt
Die Kinder so in Unschuld sein --
Es soll auch treffen dein Kindelein.
Drum zeigt dir Gott den unterricht,
Drum auf, Joseph, und säume nicht!
_Joseph_ spricht zu Maria:
Maria, mein vertrautes Weib,
Hör an was mir Gott anzeigt!
Steh auf, begleite deinen Leib,
Ein Groß Unglück sich erreigt:
Herodes will, die Kindelein
Alsbald müssen getötet sein.
Auf, auf! Hier ist kein Bleibens mehr,
Der Engel Schutz ist um uns her.
_Maria_ steth auf und spricht:
Weil uns Gott dies zeiget an,
Das wir uns machen auf die bahn,
So wollen wir fliehen in Egiptenland!
Gott wird uns schon leisten sein Beistand,
Das wir alda sicher sein
Mit unsern lieben Kindelein.
Der eine Hirte stößt in das Horn und die ganze Cumun fängt an zu singen:
Die Hirten auf den Felde warn,
Erfahren neue Mähre
Von der Englischen Schaar,
Das Christus geboren wäre,
Ein König über alle Könige Groß;
Herodes die rede gar sehr verdroß,
Aussand er seine Bothen.
Ey wie gar eine falsche list
Ertacht er wieder an Jesum Christ!
Die Kindelein lies er töden.
_Der König Herodes_ spricht ganz traurich:
Gardeson, gieb guten Rath!
Ich mögt vor angst fliehen aus der Stadt,
Da ichs verstehe und sehs auch an,
Das mich die Weisen betrogen han!
Was üben wir vor eine that? --
Gardeson gieb guten Rath!
_Der Gardeson_ antwordet edwas zornig:
Herr König, hab ichs nicht gesagt,
Ihr solt mich lasen unbefragt,
Da ich nun klärlich zeigte an,
Es wären Kundschafter auf der ban?
Ihr glaubt mir aber nicht!
Machts, wie ihr wold, ist mein bericht!
_Herodes_ Andwordet ganz zornig:
Nicht, nicht so trotzig, Gardeson!
Ich mus doch gleich wohl hören an,
Was fremde Leute bringen für,
Die sich erzeigen gegen mir
Mit aller Ehr und Höflichkeit!
Ich will bald enden diesen Streitt. --
Mein Kammerdiener geh geschwind
Und nimm zu dir das Kriegsgesind,
Geh hin nach Bethlehem ins Jüdische land,
Würg alle Kinder vor der Hand,
Die du allso findest klein,
Die zwey Jahr und trunter sein.
_Der Kammerdiener_ spricht und zieth den Säbel geth naus ins Haus:
Herr König, ich bin schon bereit
Zu ziehen aus in solchen Streitt;
Nur Geld zur reis, es geth nun fort,
Das ich beschlis das Königswort.
_Der Gardeson_:
Mein Herr rasst und ist nicht klug!
Ich sagts ihn vorhin gut genung:
Was vermögens die kleinen Kindelein,
Die ietzunt so erbärmlich schrein!
Die drey kundschafter werden lange
Mit ihren Prinzen sein gegangen,
Einen andern gang gesuchet ham nach ihren Land!
Die Thorheit nimt gar überhand.
Drum lustig, wer kan lustig sein,
Wen gleich die kleinen kinder schrein!
Das Unglück ist auf meinem Herrn,
Mich wird es gar nicht sehr beschwerrn!
_Der Kammerdiener_ tritt wieder rein, bei die Stubenthüre, nimmt den
Degen ab und spricht:
Von Betlehem kom ich zu Hauß
Und hab meine Sache recht gerichtet aus:
Viele tausend Man hab ich erschlagen
Truz dem, der mir ein Wort kan sagen.
Die Kinder schrieen Jämmerlich,
Bey mir war keine Verschonung nicht. --
Herr König, der will ist vollbracht:
Sie geben der furcht gute nacht!
_Herodes_ steth auf von den Stuhle:
Victoria! ruf ich izt aus,
So steht in Ruh mein Königshauß
Nebst diesen ganzen land!
Niemand kan mir thun widerstand
Ich bin ein Herr von großer macht,
Des rühm ich mich gar wohl betacht.
_Gardeson_:
So truzig als mein Herr ist,
Bin ich auch zu jeder[17] frist,
Drum sag ich gleich wohl mit betacht:
Leben sie alle wohl um und um zur guten Nacht!
Wen sie zur thüre nausgehen, da wird gesungen:
So wollen wir nun Dank sagen
Vor solche wohlthat groß,
Die sie uns zugetragen
Zu unsern erdeloß.
Drum singe, wer da kan:
Ihr Thun muß wohl gelingen,
Bis wir mit Freuden singen:
Was Gott thut, das ist wohl gethan!
Das Wiesenthaler Spiel.
Dieses ist 1910 von Pastor Böhme aufgezeichnet worden und wird zuerst
im »Glück auf«, Jahrgang 1910, Seite 183 ff, veröffentlicht. Im
nächsten Jahrgang (1911, Seite 39) bringt Schuldirektor O. Borges in
Leipzig einige Berichtigungen und Ergänzungen. Wir stellen die beiden
Bearbeitungen nebeneinander. Die alte Fassung (Borges) scheint die
volkstümlich wertvollere zu sein.
_Personen_:
Maria, Josef, Hohenpriester, Diener Laban, 3 Könige, 3
Bediente, Wirt, Herodes, Engel, 2 Hirten.
_Gesang_: Vom Himmel hoch.
Alte Fassung.
_Hohenpriester._
Einen schönen guten Abend zu dieser heiligen Zeit,
ein frohes Jahr, gesunden Leib
Und was Ihr Herz tut mehr begehren,
Das wünsch ich Euch, großgünstge Herrn,
weil sich die Zeit jetzt tut herwenden,
der Weisen Freude zu gedenken,
so wollen wir etwas diskurieren,
von der Geburt Jesu, unsres Herrn,
und wie sie hat geführt der Stern.
(Geht ab.)
Neue Fassung.
_Hohenpriester._
Nun ist das schönste Fest auf Erden,
Das heilge Christfest wieder da.
Wie soll an diesem Fest der Herr gepriesen werden,
der, als er einer Welt voll Sünder elend sah,
vor Mitleid gegen sie so inniglich entbrannte,
daß er -- was ihm das Teuerste und Liebste war, --
selbst seinen Sohn, den eingebornen an sie wandte
und ihn, -- doch wer erstaunt hier nicht sogar? --
vom Throne seiner Herrlichkeit ins Tal der Tränen sandte,
wo die Maria ihn gebar,
gebar in einem finstern Stalle,
wo nichts von Herrlichkeit an ihm zu sehen war.
Hier lag er nun zur Rettung für uns alle,
uns zu erretten von dem Sündenfalle,
der leider uns die Gnade Gottes nahm.
Ein Engel, der vom Himmel kann,
rief: »Ich verkündige euch große Freude,
die allem Volke widerfahren soll,
denn heute ist der Heiland euch geboren,
der euch das wiederbringt, was ihr verloren.«
Freut euch, Erwachsene, auch nicht minder
ihr guten, ihm so teuren Kinder,
freut sämtlich euch, daß er des Himmels Paradies
eröffnet und uns Sünder nicht verloren ließ.
Dankt ihm vereint, verherrlicht seinen Namen
und sucht schon früh sei Beispiel nachzuahmen!
Nehmt seine Lehre an, die er von Gott gebracht!
Befolgt sie gern, befolgt sie Tag und Nacht,
so habt ihr euer Glück dann ganz gewiß gemacht,
so seid ihr selig hier, und schließt ihr euer Leben,
so wird der Heiland euch dort seinen Himmel geben.
(Geht ab.)
In beiden Fassungen.
_Wirt_:
Was gibts heut für ein Wunderspiel?
Hab ich der Gäste doch soviel
wie oftmals nicht? oft ist das Haus
so leer, daß mich befällt ein Graus.
Heut will ich mir den Beutel spicken,
auf lange Zeit die Früchte pflücken,
mein Haus soll mir, bei meinem Eid,
bezahlet werden von solchen Leut.
Ich will die Gäste gar gut traktieren,
dabei auch doppelte Kreide führen,
bei hohem Preis und blankem Geld,
weil beides nur den Wirt erhält.
(Maria und Josef kommen von rechts.)
Doch halt, was kommt dort für ein Alter her,
der trägt seinen Kober ganz die Quer,
der wird gewiß wollen Herberg haben,
eine warme Stube, die wird ihn laben.
Er sieht so frostig um sein Maul,
ich will hingehn, will sein nicht faul,
will hören was sein Begehr ist.
Woher, Alter, zu dieser Frist?
_Josef._
Ach mein allerliebster Herr,
ich komme gar von Weitem her,
meiner gnädigen Herrschaft zu gehorchen.
Ich bitt, wollt mich beherbergen bis morgen.
_Wirt._
Ihr seht mir viel zu ärmlich aus,
paßt heute gar nicht in mein Haus,
ist auch kein Raum für euch mehr hier,
sucht euch ein anderes Nachtquartier.
_Josef_ spricht zu Maria:
Maria gieh du na, weil iech nichts richten ka.
oder
Maria, bitte du, weil ich nichts richten tu.
Alte Fassung.
_Maria._
Herr Wirt, Herr Wirt, versag er uns doch nicht
und geb er uns doch guten Bericht,
seh er doch meinem Umstand an
und meinen alten grauen Mann.
_Wirt._
So gehet hinter in den Stall
zum Ochsen und zum Esel all.
Und was ich euch lasse tragen für,
so kommet und bezahlet mir.
_Josef._
Kumm, Maria, wolln wir uns ins Winkel packen,
Gott wird schicken all unnere Sachen.
_Maria._
Ach Josef, mein getreuer Mann,
ich dir nicht mehr verhehlen kann:
Ich werde nach des Herrn Wort
ein Kind gebären in diesem Ort.
_Josef._
Daß mir die Sach net kund mog sei,
Maria, mit den Kindelei!
Ich hob mich a besunne schu,
ich war noch lafen gar drvu.
_Engel._
Ach Josef, ändere deinen Sinn,
weil ich von Gott gesendet bin.
Wenn du verlassen wirst dein Weib,
das wird dir bringen großes Leid.
Denn was von ihr geboren ist,
das soll heißen Jesus Christ,
soll der ganzen Welt Erlöser werden,
ja, allem Volk, das lebt auf Erden.
Neue Fassung.
_Maria._
Ach Herr, verstoßt mich doch nicht,
und gebt mir einen guten Bericht,
weist mir ein Plätzchen im Stall an
mit meinem alten grauen Mann.
_Wirt._
So geht nun hinter in den Stall
zum Ochsen und zum Esel all!
Da sollt ihr euer Wohnung han
mit eurem alten, grauen Mann.
Und alles, was ich euch laß tragen für,
so kommet und bezahlet mir.
_Josef._
Jetzt hab ich mir das Ding bedacht,
und das wird auch so gleich vollbracht
Ich geh halt fort ganz in der Still,
kann Maria machen, was sie will.
_Engel._
Ach Josef, ändre deinen Sinn,
weil ich von Gott gesendet bin,
behalt Maria, dein Gemahl,
und änder die getroffne Wahl!
Bleib du bei ihr und liebe sie
Gott lohnt dir alle deine Müh.