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Pfarre und Schule.
Eine Dorfgeschichte
von
Friedrich Gerstäcker.
Erster Band.
Leipzig,
Georg Wigand's Verlag.
1849.
_Vorwort._
Wenn der Leser auf kurze Zeit Lust hat mir zu folgen, so will ich ihn
auf ein ganz nahe liegendes und ihm doch vielleicht vollkommen fremdes
Terrain führen -- mag er dann aber nicht zürnen, wenn er die Gestalten,
die er sich vielleicht idealisirt gedacht, nicht auch idealisirt wieder
findet. Rechts und links habe ich in das Leben hineingegriffen und
hingestellt was und wie ich es fand -- wir Menschen sind nun einmal
keine Ideale, und selbst aus dem Romane müssen diese verschwinden, wenn
er der Wirklichkeit gehören soll.
Auch kein vollendetes Ganzes war ich im Stande ihm zu bieten --
diese Blätter haben _Deutschland_ zum Schauplatz, und spielen in der
_Jetztzeit_ -- _könnte_ der Leser da ein vollendetes Ganzes auch nur
verlangen? Gewiß nicht, wenn er Wahrheit dabei haben will.
Ich bin aber kein Freund von langen Vorreden, die Einleitung mag daher
den Leser auf den Schauplatz vorbereiten, und das Buch selbst ihm sagen,
was er zu erwarten hat. Ich habe geschrieben, wie mir's aus dem Herzen
kam -- möge er es in dem Sinne nehmen und verstehn.
_Der Verfasser._
Inhalt des ersten Bandes.
Erstes Kapitel. Seite
Einleitung 1
Zweites Kapitel.
Flucht und Verfolgung 12
Drittes Kapitel.
Diaconus und Hülfslehrer 39
Viertes Kapitel.
Parterre und erste Etage 57
Fünftes Kapitel.
Der alte Jäger 75
Sechstes Kapitel.
Die Hornecker Schenke 101
Siebentes Kapitel.
Die Pfarre 128
Achtes Kapitel.
Jägers Fritz und Schulmeisters Lieschen 160
Neuntes Kapitel.
Die Schule 182
Zehntes Kapitel.
Die Schulmeister 214
Elftes Kapitel.
Des Musikanten Tochter 245
Zwölftes Kapitel.
Die Gutsherrschaft 270
Erstes Kapitel.
Einleitung.
Der Frühling des Jahres 1848 war gar außergewöhnlich früh und mild durch
die starren, kalttrüben Winterwolken hereingebrochen, und hatte Felder
und Fluren zu einer Zeit mit Grün bekleidet, wo diese sonst noch
gewöhnlich unter bergender Schneedecke gleich sicher gegen bittere
Nachtfröste wie eisige Nordweste geschützt lagen. Der Thau reinigte
selbst die Gebirgsschluchten, in denen bei anhaltenderen Wintern
manchmal wohl bis Anfang Mai frostige und schmutzig braune
Schneeschichten gelegen, von jedem Nachzügler nordischen Herrscherthums,
und Schneeglöckchen und Primeln küßten sich im Thal, und weinten
perlende Freudenthränen, als die Lerche über ihren Häuptern emporstieg
und dem sonnigen Himmelsblau ihre schmetternden Jubellieder entgegen
wirbelte.
Aus dem Süden kam der ernste Storch und eilte mit raschem und immer
rascherem Flügelschlag der Stelle zu, wo er im vorigen Jahre sein Nest
gebaut und der jungen Brut das Fliegen gelehrt, und die Staare strichen
von allen Seiten herbei, erzählten sich die bestandenen Abenteuer, die
überstandenen Gefahren und Beschwerden, und schwatzten und zwitscherten
und flatterten und schwirrten, daß die Sperlinge auf den Dächern ganz
eifersüchtig wurden, und der ernste Rabe, der oben in der am Weiher
stehenden Fichte saß, erst eine lange Weile mit dem Kopfe schüttelte,
rechts und links hinunterschaute auf die lärmende Schaar, und dann mit
langsam scharfem Flügelschlag dem stilleren Felde zustrebte, wo er mit
den Brüdern gravitätisch hinter dem einsamen Pfluge herschritt, und sich
aufmerksam die frischgewühlten Furchen betrachtete, was sie ihm neues
und wohlschmeckendes zum Mahle böten.
Draußen im Raps lockte mit dem wehmüthigen Rufe das Rebhuhn; über die
Raine und Feldflächen jagten sich spielend die Hasen; der Finke sang
seine schmelzenden Melodieen im keimenden Wald; Huhn und Taube scharrten
sich nicht mehr die kleinen Füße auf dem harten Erdboden wund und
blutig, und über die Teichwiesen und den von Felsen umdämmten Fluß
strich schwirrend und blitzschnell die Wildente hin, und suchte unter
den dichten Zweigen und Dornen, die den kleinen Wald umhingen, Schutz
und Verborgenheit.
Aber auch die Pflanzenwelt war nicht müßig; in gewaltiger Kraft brach
sich das junge quellende Leben die freie fröhliche Bahn aus dem starren
Holze; überall sproßten und schossen Halme und Gräser empor, die Blüthen
schwollen in farbenduftiger Fülle und Tulpe und Hyacinthe, das stille
Veilchen und die schüchterne Aurikel, und vor allen anderen das
neugierig muthige Leberblümchen, das sich mit seinen herzig rothen
Lippen oft schon Bahn selbst durch die Schneedecke bricht, erschlossen
die würzigen Kelche und sandten Weihrauchopfer zu der freundlich über
sie hingebeugten heiligen Pfirsichblüthe empor.
Und der Mensch?
Im Norden und Süden, im Osten und Westen der schönen deutschen Gauen,
zwischen der erwachenden lächelnden Natur, unter den duftigen Blüthen
und Knospen der Frucht- und Waldesbäume -- strömte Blut; Barrikaden
füllten die Straßen der sonst so friedlichen Städte, und hemmten den
Verkehr -- zerfleischte Leichen sahen stieren glanzlosen Blicks in die
warme sonnige Luft hinauf, die für ihre Wange keinen fächelnden Hauch
mehr hatte, und Verwundete mischten ihr Stöhnen und Schmerzenswinseln
mit dem freudigen Jubelrufe der Frühlingsboten. Heeresmassen mit
blitzenden Waffen füllten die Straßen, und Flammensäulen lodernder
Gebäude leuchteten weit in die Nacht hinaus.
Auch in den Geistern der Menschen war es Frühling geworden, aber der
Winter des kalten Zwangs und der starren Willkür hatte so lange, lange
Jahre gedauert, daß es Gewalt brauchte, die übereisten Knospen zu
brechen und die Banden zu lösen, mit denen die nach Freiheit Strebenden,
Drängenden, so fest, ach so gar fest und streng umschlossen waren. Und
die Glieder bluteten in der rasenden Kraftanstrengung, mit der sie
sich dem, ihnen nur einmal dämmernden Lichte entgegen arbeiteten; aber
»_durch Nacht zum Sieg_« tönte der Freiheitschrei, die Männer der Gewalt
erbebten und die eiserne Bande, die Herzen und Arme des Volkes bis dahin
gefesselt gehalten -- borst.
In Deutschland war Frühling; aus Süden und Westen her wehte die frische
belebende Luft herüber und vom nordischen und adriatischen Meer, vom
Rhein und von der Donau zogen mit den fröhlichen Farben des Reichs,
mit dem so lang verpönten und verschmähten Schwarz, Roth und Gold
geschmückt, die Vertreter der Stämme zur Vorberathung des ersten
deutschen Parlaments.
In Deutschland war Frühling, und in den Sitzen der bedeutenderen
Intelligenz, in den größeren und bevölkerteren Städten, kochte und
gährte es in Versammlungen und sich anschließenden Vereinen, in
Ausbrüchen des Zorns und Ingrimms gegen verhaßte, des Jubels und Dankes
gegen beliebte Bürger; wo die Waffen ruhten, nahm die befreite Presse
den Kampf von Neuem auf, und jedes andere Interesse schwand in dem
einzigen Worte _Politik_.
Anders und ruhiger zeigte sich dagegen noch die Wirkung in den
kleineren, besonders den vom Hauptverkehr mit der geschäftigen wirkenden
Welt mehr abgesonderten Städtchen und Flecken. Die Tagespresse hielt
dort nicht den ruhigen Arbeiter in steter peinlicher Spannung des
Kommenden, und imponirende Massen vermochten nicht von seinen Geschäften
ihn loszureißen; wohl las er die Zeitung, aber meistens fand er hier nur
wöchentliche Berichte, die das _Geschehene_ ruhig erzählten, und deren
enge Spalten keinen Raum ließen für weitere ausführliche Besprechungen
und Pläne. Allerdings drang auch bis zu ihm der Ruf, einen Abgeordneten
für das deutsche Parlament zu wählen, um auch ihre Stimme in Frankfurt,
wo Deutschland stark und einig tagte, vertreten zu sehen, um auch
ihren Wünschen, Forderungen und Beschwerden Worte zu geben, die nicht
wirkungslos mehr im Papierkorb der Minister schlummern sollten. Aber sie
begriffen größtentheils noch nicht die Wichtigkeit solcher Vertretung,
sie wußten nicht, was man in Frankfurt, von woher ihnen bis dahin
noch nie etwas Gutes gekommen, großes für sie ausrichten könne, und
gleichgültig und schläfrig betrieben sie eine Sache, die ihrer ganzen
ausschließlichen Energie bedurft hätte, um nicht als Fluch, statt als
Segen auf sie zurückzuwirken.
Desto eifriger wurde aber dafür das, hier so plötzlich dem Ehrgeiz
geöffnete Feld von allen denen benutzt, die nun, ob Beruf, oder nicht
dafür im Herzen, Hoffnung zu haben glaubten, irgend einen Winkel
Deutschlands für ihre Wahl bestimmen zu können. Besonders galt dies von
einer Klasse Menschen, die sich gleich von vorn herein in den größeren
Städten, oder da, wo man ihre bisherige Thätigkeit kannte, unmöglich
wußten; diese stoben nach allen Seiten in kleine Städte und Ortschaften
hinaus, stifteten Vereine, hielten Reden, haranguirten das Volk mit den
Schlagwörtern des Tages und stürzten in Bierstuben und Tanzsälen Throne
um und vernichteten Fürstenthümer.
Und war die Reaction so ganz müßig? That sie gar Nichts, dem Feuereifer
der Republikaner entgegen zu wirken? Nein, wahrlich nicht; müßig
keinen Augenblick, aber noch zu schüchtern, in der ersten Zeit wilder
Begeisterung den Kampf auf offene unerschrockene Art zu beginnen. Der
Begriff einer Reaction war auch noch zu wenig festgestellt worden, ja
die meisten, dem _zu_ raschen Fortschritt _nicht_ geneigten, schienen
sich kaum klar darüber zu sein, wie weit die Männer der Zeit eigentlich
zu gehen beabsichtigten, und wie stark daher der Gegendruck sein
müsse, sie zurück zu halten, ja ob nicht doch das Ganze am Ende nur
ein einfacher Aufstand sei, der von dem Militair bald und rasch wieder
unterdrückt werden könne, und dann -- aber Berlin -- Berlin -- die
dort umsonst abgefeuerten Kartätschen machten einen höchst unangenehmen
Eindruck auf Jeden, der bis dahin an die Wiederherstellung des alten
stillen Friedens geglaubt, und die höchst ungewisse Lage, in der man
sich befand, ja wo sogar noch der Zweifel aufstieg, ob man die wirklich
dagewesene Revolution auch eben so wirklich anerkennen solle oder nicht,
vereiteltete jedes entschiedene und planmäßige Handeln. Nur die einzige
Hoffnung blieb noch, im Geheimen und mit stillem unbeobachteten Wirken
einen künftigen Sieg anzubahnen, und das schien um so nöthiger,
da selbst ein großer Theil der Beamten, die große Majorität des
Mittelstandes, ja sogar eine nicht unbedeutende Zahl der reicheren
und intelligenten Bürger, zwar dem Wühlen der Hitzköpfe und unreifen
Politiker nicht geneigt, aber doch zugleich auch fest entschlossen
schien, sich die gegenwärtigen Errungenschaften zu wahren und gleich
stark der Anarchie von unten wie von oben zu begegnen.
So lebendig nun also die Zeitverhältnisse in der Residenz des kleinen
Landes, das ich mir zum Schauplatz dieser Erzählung ausersehen,
besprochen wurden, wo Katzenmusiken und Fackelzüge anfingen zu den
allergewöhnlichsten Begebenheiten zu gehören, so still und ruhig
verhandelte man in dem, nur wenige Stunden davon entfernten Dorfe
Horneck die Tagesfragen. Der ganze März war verflossen, und noch kein
einziger Verein gegründet worden, die Nachrichten aus den benachbarten
Reichen klangen den friedlichen Bewohnern wie Mährchen aus tausend und
eine Nacht und sie hätten das Ganze am Ende nur ebenfalls wie eine
Fabel und nicht einmal für möglich gehalten, wären nicht der Schulze
und Gerichtsschreiber -- Beides sonst ein paar sehr ernste und furchtbar
strenge Gestalten, plötzlich so ganz unerklärbar freundlich geworden, ja
selbst der Rittergutsbesitzer, ein unerhörter Fall, zweimal in eigener
Person in die Schenke zu Biere gekommen.
Richtig war's nicht in der Welt, so viel stand fest, und umsonst
steckten der Pastor und ihr Gerichtsherr auch nicht immer die Köpfe
zusammen und lasen in Zeitungen, die sonst zu Horneck gar nicht gehalten
wurden. Die Bauern fingen daher, durch dies Alles neugierig gemacht,
selbst ein wenig mehr an, die sonst ziemlich vernachlässigten Berichte
»von draußen her«, von Frankreich und Berlin und von Leipzig und der
Türkei zu lesen, und in der Schenke gab dann ein Wort das andere. Die
Köpfe wurden heiß, die Gemüther erregt, die Worte hitzig -- Partheien
bildeten sich und Leute traten auf, die mit donnernden Fäusten den
erstaunten Zuhörern die Beweise auf den Tisch schlugen. Aber es blieb
auch nur bei den hausbackenen einfachen Reden der Leute selber und die
konnten weiter keine aufreizende oder bedenkliche Folgen haben, denn
besonders der Landmann hält sich gern für eben so klug, als sein
Nachbar, und glaubt das, was der ihm sagen kann, erst recht schon, und
wer weiß wie lange, besser zu wissen.
Dem konnte auch der Pastor Scheidler, der sich überhaupt gleich
von seinem ersten Amtsantritt her, viel um das Familienleben seiner
Beichtkinder bekümmert hatte, leicht begegnen, und jedes Unheil und jede
Störung durch Predigt und Wort abwenden, und nur erst, als die Zeitungen
immer unaufhaltsamer kamen und die »Preßfreiheit« dem guten besorgten
Mann doch etwas bedenklich wurde, da gründete er einen »Lesezirkel« und
schickte seinen Diaconus hinein, um den Leuten die einzelnen Artikel
auszulegen und ihnen, gleich an Ort und Stelle über verfängliche oder
solche Sätze, die sie zu längerem Nachdenken zwingen könnten, Aufklärung
zu geben.
Der einzige Mann vielleicht im ganzen Orte, der sich _gar_ nicht um
Politik bekümmerte und vollkommen damit zufrieden schien, wenn ihm der
Hülfslehrer, der ihm im letzten Jahre beigegeben worden, nur manchmal
Abends die »Neuigkeiten aus der Stadt« erzählte, das war der alte
Schulmeister von Horneck, Sebastian Kleinholz, der seinen Jungen nach
wie vor die zehn Gebote und das Ein mal Eins einprägte, und das Jahr
1848 mit einer wahrhaft gründlichen Verachtung behandelte. Mit der
Revolution schien er aber nicht besonders einverstanden; der Pastor --
sein Vorgesetzter, so lange er denken konnte -- schüttelte stets, wenn
er davon sprach, sehr bedenklich mit dem Kopfe, und der wußte was er
that, denn der las _alle_ Zeitungen von A bis Z und legte die Bibel aus,
wie noch keiner vor ihm. Papa Kleinholz kümmerte sich übrigens nur wenig
um die Außenwelt und mußte oft förmlich dazu gezwungen werden, wichtige
neu eingelaufene Berichte mit anzuhören; ihm genügte es, daß in
Horneck die Alten -- noch die Alten blieben, und mit den Jungen -- ei
sapperment, da wollte er allein -- heißt das mit dem Hülfslehrer --
schon fertig werden.
Zweites Kapitel.
Flucht und Verfolgung.
Horneck lag in einer reizenden Gegend unseres schönen deutschen
Gaues, an einem kleinen, aber malerisch gebetteten Strome, den wir die
_Rausche_ nennen wollen. Von hoher Bergeskuppe überschaute es weit und
breit die benachbarten Thäler und die ausgedehnte Niederung, die sich
gen Süden in flache fruchtbare Felder hinabzog, und dichte schützende
Kieferkämme umdrängten den kleinen Ort gegen Norden, wo sie festen
Schirm und Hort gegen die kalten Winterstürme bildeten. Tief unten aber
rauschte und brauste der Strom über künstliches Wehr hinweg in das Bett
hinein, das ihn der klappernden Mühle entgegenführte, und drüben am
anderen Ufer, wo der Kahn so dicht und schaurig versteckt unter der
frisch ausschlagenden Trauerweide lag, stand, von Buchen und jungem
Eichenschlag fast verdeckt, die stille kleine Försterwohnung, mit
dem blendendweißen Anwurf und dem schindelgrauen Dach, den mächtigen
Hirschgeweihen über der Thür, zu denen der alte Forstmann bei jedem
eine lange prächtige Geschichte erzählen konnte, und dem schmalen
freundlichen Garten vor der Schwelle, in dem schon Tulpe und Aurikel
blühte und die duftenden Veilchen das enge Rundtheil in der Mitte mit
blauem reizenden Kranz umzogen.
Unten am Fuß des Berges, auf dem Horneck lag, standen von fruchtbaren
Feldern und Wiesen gleich umschlossen und von dichten Obstgärten
begrenzt, die Wirthschaftsgebäude des Rittergutes, das denselben Namen
trug, oben aber, auf der höchsten Kuppe, ja selbst auf einem theilweis
als Steinbruch benutzten Felskegel gebaut, der ihr auch großentheils
aus seinem eigenen Selbst das Material zu den starken Mauern geliefert,
ragte die kleine Kirche mit dem stumpfen abgerundeten Thurme hervor, und
gewährte einen Fernblick selbst über die spitzen dunkelgrünen Wipfel des
Nadelholzes hin nach den blauen zackigen Gebirgsrücken gen Norden, in
denen die Rausche ihren Ursprung fand.
Die Pastorwohnung lag dicht unter der Kirche an der Nordseite, und eine
enge in den Stein gehauene Treppe führte zu der kleinen Thür hinauf,
durch die der Pastor das heilige Gebäude gewöhnlich betrat; an der
Südseite dagegen schmiegte sich die Schulwohnung an und vor dieser
vorbei führte auch der breite steile Fuhrweg selbst bis vor die
Hauptthür der Kirche.
Der Diaconus wohnte mit in der Pfarre, der Hülfslehrer in einem kleinen
Dachstübchen der Schule, das die Aussicht, über die unter ihr liegenden
Dächer der Nachbarhäuser hinweg, gerade nach dem schattigen düsteren
Schwarzholze hatte. Von der Schulwohnung aus führte ein kleiner schmaler
Pfad dicht an einem niederen Kieferdickicht hin, wo sich die stachlichen
Nadelzweige fest in einander schoben und ein Durchbrechen derselben fast
zur Unmöglichkeit machten.
Auf dem Wege nun, der über die Felder bis weit an die oben gen Norden
ziehende Straße lief, schritt, am Morgen des ersten April, wo die
Sonne so recht warm und freundlich auf die Erde herniederschien, Vater
Kleinholz, einen Spaten auf der Schulter, und für sein Alter noch
rüstig genug, vorwärts, und rastete nicht eher, bis er an einen kleinen
schmalen Streifen Feld kam in dessen einer Ecke, und dicht am Wege, ein
mächtiger Steinblock wohl zwei Schuh hoch aus der Erde emporragte. An
diesen lehnte er seinen Spaten, setzte sich selbst auf den Stein, und
legte für einen Augenblick, wie ausruhend, die beiden zusammengefalteten
Hände in den Schooß; sein Blick schweifte dabei prüfend über das kleine
Stückchen Erde hinüber, das er sein nannte, und das noch starr und
ungelockert, wie es der Winter gelassen, mitten zwischen den bestellten
und wohl hergerichteten Feldern der Nachbarn lag.
»Ja ja,« sagte er da nach langer Pause, während er langsam und bedächtig
dazu mit dem Kopfe nickte -- »ja ja, ich kann es Meiers Frieden nicht
verdenken, daß er mir den Zwickel hier nicht aufpflügen will -- oder
nicht kann, wie er meint; so mitten in Gräben drinn und hier noch
den Stein, und da drüben den Wegweiser, da bleibt in der That kein
Plätzchen, wo man Kuh oder Pferd umlenken könnte, und am Rande ist man
auch immer gleich wieder. Nun mit Gott, dieß Jahr werden diese alten
Knochen wohl noch im Stande sein, das bischen Arbeit zu thun, und im
nächsten -- na da laß ich vielleicht dem Hülfslehrer seinen Willen, der
mich lange d'rum gequält hat -- eigene Passion das -- wer weiß -- hm,
ja -- wer weiß, ob er's im nächsten Jahr nicht ohnedieß für sich selber
bestellen muß.«
Der alte Mann zog seinen schwarzen, schon sehr abgetragenen Rock aus,
faltete ihn sauber zusammen und wollte ihn eben neben sich auf den Stein
legen, als sein Blick auf die deutlich hervortretenden hellblauen
Näthe fiel, die dem sonst ganz schwarzen und ehrwürdigen Kleide ein
eigenthümliches Ansehn gaben.
»Hm« sagte er, und betrachtete aufmerksam das abgenutzte Kleidungsstück
-- »der Färber hat mir die Montur doch nicht so recht ächt in der Kur
gehabt, und der Müller guckt überall durch -- das Blau muß eine
sehr gute Farbe gewesen sein, daß es sich so durch das Schwarz
hindurcharbeitet -- ich wollte ich hätte den Rock gehabt, wie er neu
war; mein Samuel soll mir doch einmal ein Bischen wieder mit Tinte
nachhelfen -- das hält eine lange Weile und sieht ordentlich gut aus;
aber komm Sebastian, komm, der schöne Sonnabend vergeht und ich darf
doch nicht wieder zu Hause gehen, ohne mich wenigstens ein Stückchen in
die Ecke hier hineingestochen zu haben.«
Und vorsichtig, als ob er bange wäre von dem verwitterten Kleidungsstück
vielleicht eine Ecke abzubrechen, legte er den Rock auf den Stein, griff
nach dem Spaten, und war bald beschäftigt den, durch den letzten
Regen ziemlich locker gewordenen und überdieß etwas sandigen Boden
umzustechen.
Noch nicht lange hatte er so, dem Waldpfad den Rücken zukehrend,
gearbeitet, als zwei Personen den kleinen Weg entlang kamen, und ruhig,
von ihm unbemerkt, den eben erst verlassenen Platz auf dem Steine
einnahmen. Es war ein Greis und ein junges Mädchen; beide bleich, und in
anscheinend ärmlichen Verhältnissen, -- das Mädchen aber auch noch von
kränklichem Aussehn, mit blassen eingefallenen Wangen und glanzlosen
Augen.
Sie mußte einmal recht schön gewesen sein, die arme Maid, weich und
seidendicht schmiegten sich die langen nußbraunen Haare um die weiße,
hohe und edelgeformte Stirn, dunkle und lange Wimpern überschatteten den
Blick; auch ihre Gestalt war schlank und zart gebaut, und die Hand klein
und zierlich wie der Fuß, aber die Elasticität der Jugend war aus der
jugendlichen Form gewichen, und ernst und schwermüthig neigte sich das
schöne bleiche Haupt.
Keines von beiden sprach ein Wort, der Alte aber, der eine in ein
braunes Tuch gewickelte Violine unter dem Arme trug, stemmte diese jetzt
vor sich auf den Stein, umklammerte sie mit beiden Händen, stützte dann
sein Kinn oben darauf, schaute dem greisen Schulmeister eine ganze Weile
schweigend zu und sagte mehr mit sich selbst redend, als zu dem Anderen
gewandt:
»Auch ein sauer Stück Brod für weiße Haare -- aber doch besser wie gar
keins -- ich kenne Leute, die recht gern grüben, wenn ihnen nur auch der
Boden Kartoffeln trüge.«
Der Schulmeister richtete sich auf, schaute sich um, und blieb, die
Rechte auf den Spaten stemmend, in eben der Stellung stehn.
»Guten Morgen, ihr Leute -- woher des Weges?« sagte er tief Athem holend
-- »Ihr müßt früh aufgebrochen sein, wenn Ihr schon von Sockwitz kommt,
und es liegt doch kein anderes Dorf mehr da hinüber zu.«
»Wir brauchten nicht zu warten bis der Kaffee fertig war« erwiederte ihm
trocken und mürrisch der Alte, »da hält's nicht auf, wenn man morgens
rasch fort will, das Frühstück hat uns auch nicht am Gehn gehindert.«
Es lag so viel Bitterkeit in dem Tone, mit dem der Fremde diese Worte
sprach, daß der Schulmeister ihn lange mitleidig betrachtete; endlich
ging er auf den Stein zu, auf dem sie saßen, nahm seinen Rock herunter,
griff in die eine Rocktasche und frug, während er aus dieser irgend
etwas in Papier gewickeltes herausnahm:
»Ihr seid wohl noch nüchtern liebe Leute? -- ja, die Zeiten sind
schlecht, und ein armer Mann muß sehn wie er sich durchschlägt; nun
nehmt nur, ich finde was wenn ich wieder zu Hause komme.«
»Ihr seid der Schulmeister?« frug der Bettler, und schaute während er
das Dargebotene zögernd annahm, etwas mißtrauisch nach dem schwarzen
Rock hinüber, den Jener noch in der linken Hand hielt.
»Von Horneck,« bestätigte der Greis.
»Heißt Ihr Horneck?«
»Seh' ich aus wie ein Adelicher?« lächelte der alte Mann.
»Ih nun« brummte der Fremde, und warf einen finsteren Blick nach der
Häusermasse des kleinen Orts hinüber; »nach einer Weile könnte das
wahr werden -- jetzt ist's freilich noch nicht -- wenn Ihr aber der
Schulmeister vom Dorfe seid, und uns Euer Frühstück schenkt, so muß ich
mich wohl, und das recht herzlich dafür bedanken; die Schulmeister haben
sonst auch gewöhnlich nicht viel wegzuschenken.«
»Besonders der von Horneck,« sagte Papa Kleinholz mit einem wehmüthigen
Zug um die Lippen, der in diesem Fall wohl eben wieder zu einem Lächeln
werden sollte, es aber doch nicht im Stande war, und nur zu einer
leisen, kaum bemerkbaren Bewegung der Lippenmuskeln wurde, -- »nun, es
hat jeder sein Bündel Leid und Noth zu tragen, und da darf man nicht
murren, wenn unseres vielleicht ein klein Bischen größer ist, als das
des Nachbars; der Eine vermag auch mehr zu tragen, als der Andere, und
der liebe Gott theilt das eben jedem nach seinen Kräften zu.«
»Herr Gott, was müssen wir doch für Riesen sein, Marie;« lachte der
Alte, und wandte sich nach seiner Tochter um; die aber antwortete
Nichts, nahm ihm nur das vom Schulmeister erhaltene Frühstück -- ein
Stück trockenes Brod -- aus der Hand, brach sich einen kleinen Theil
davon ab, und verzehrte es schweigend. -- Ihr Blick heftete in dem Thale
unten an irgend einem Gegenstand -- sie sprach kein Wort und verzog
keine Miene.
»Eure Tochter ist wohl stumm?« frug mit mitleidigem Blicke der
Schulmeister.
»Stumm? nein,« lautete die Antwort, »nur maulfaul -- sie denkt
wahrscheinlich viel, aber sie hat die Gabe nicht, es von sich zu geben.
Schade drum, die Welt wird viel verlieren.«
Ein vorwurfsvoller Blick des Mädchens fiel auf den Vater, als er die
Worte sprach, doch es war nur ein Blick, und es wandte rasch wieder
den Kopf. Dem Schulmeister fing es aber an unheimlich bei den Beiden zu
werden. Das Mädchen hatte augenscheinlich schon bessere Tage gesehn;
ihr Anstand war edel und selbst die Züge verriethen einen Grad von
Ueberlegenheit, der um so auffallender gegen das gleichgültige Wesen
ihres Begleiters abstach. Auch ihr Anzug gab Zeugniß einer besseren
Zeit und ganz verschiedener Verhältnisse, wenn nicht die Ueberreste der
Kleider von mitleidiger Hand kamen, und jetzt nur, wie zu Spott und Hohn
die hageren Glieder mehr verhüllten als bedeckten.
Marie, wie sie der Alte nannte, trug ein zerrissenes, beschmutztes Kleid
von schwerer schwarzer Seide, das an mehreren Stellen durch Stücken
bunten gewöhnlichen Kattuns, ja über dem linken Aermel sogar mit
Bindfaden zusammengehalten wurde. Die bloßen Füße staken in zerrissenen,
aber feinen, mit Pelz noch hie und da verbrämten Lederschuhen, und den
Kopf bedeckte ein sonngebleichter blauer Atlashut, von dem jedoch jeder
Zierrath, der ihn sonst vielleicht bedeckte, heruntergeschnitten war,
während darunter einzelne unordentliche Locken des üppigen Haares
hervorquollen. Die Arme trug sie bloß, und einen in früherer Zeit
vielleicht schön gewesenen Shawl, der aber jetzt durch Straßenschmutz
und Regen höchst unansehnlich geworden, hatte sie, als sie mit ihrem
Vater an dem jetzigen Ruheplatze angekommen, fest um sich hergeschlagen,
jetzt aber, durch was nun auch ihre Aufmerksamkeit abgelenkt sein
mochte, nachlässig niederfallen lassen, daß der bleiche Nacken, unter
dessen durchsichtiger Haut die blauen Adern schimmerten, und die eine
Schulter hervorschaute.
»Nun, kannst du den Mund nicht aufmachen, Mamsell?« fuhr sie nach kurzer
Pause der Alte noch einmal an, »oder ist die _Madame_ vielleicht heute
Morgen nicht zu sprechen, und läßt sich absagen?«
Das Mädchen erwiederte keine Silbe, schien auch den Hohn, der in den
Worten lag, gar nicht zu beachten oder zu bemerken, und deutete jetzt
nur schweigend, mit der rechten, abgemagerten Hand nach dem Thale
hinunter, wo sich eine Gruppe bewegte, die auch die Aufmerksamkeit
der Männer, sobald sie ihrer nur ansichtig wurden, im höchsten Grade
fesselte, und jedes weitere Gespräch für den Augenblick abschnitt.
Das Thal, durch welches sich ein schmaler Fußpfad links hinüberwand,
und der, nach dieser Richtung hin etwa eine halbe Stunde entfernten, zur
Residenz führenden breiten Chaussee zulief, war ziemlich offen und nur
größtentheils von nackten Feldern und Wiesenstrichen durchkreuzt; erst
gegen den Fuß der Anhöhe hin bildeten sich kleine, der Höhe zustrebende
Schluchten, die mit niederem aber dichtem Gebüsch bewachsen, schon
gewissermaßen die Vorpostenkette der stattlicheren Waldmassen bildeten,
welche nachher von der Kuppe des Berges aus weit hin gen Norden und
Osten zogen.
Zwischen diesen Schluchten lagen immer wieder freie Feldstrecken, und
gegen den Kamm des Hügels hin, wo wir gerade den Schulmeister mit den
beiden Fremden verlassen haben, verschwanden auch die Büsche, so daß
hier eine einzige ununterbrochene Fläche diese von dem Walde selber
vollkommen abschnitt. Nur ein kleines Weidendickicht lag gerade mitten
auf der Kuppe, und dahinter hin dehnte sich, durch mehrere hier
kräftig vorsprudelnde Quellen erzeugt, ein schmaler Streifen sumpfigen
Moorgrundes aus.
Ueber das offene Feld aber, das noch unterhalb der Schluchten, und
von dem Fußpfad durchzogen lag, lief, als die Dreie eben dort
hinüberschauten, ein Mann, und schien mit aller nur möglichen
Kraftanstrengung den nächsten Büschen zuzustreben. Hinter ihm aber, in
kaum zweihundert Schritten Entfernung, sprengte ein Reiter, und
trieb mit Peitsche und Sporn sein Pferd zu wildester Eile an, um den
Flüchtigen einzuholen, oder ihn doch wenigstens von dem schützenden
Dickicht abzuschneiden, wo Verfolgung im Sattel unmöglich gewesen wäre,
und ihn aufzuhalten, bis ein anderer Hülfstrupp, der aus vier Fußgängern
bestand, und ebenfalls so rasch als möglich, aber schon anscheinend
erschöpft, herbeistürmte, die Anstrengungen des Berittenen zu
unterstützen vermochte.
Der Flüchtling zeigte übrigens, wenn er Grund und Boden, auf dem er sich
befand, nicht schon von früher kannte, einen so richtigen Blick in der
Richtung, die er einschlug, und der Bahn, der er folgte, daß er nicht
allein die für den Reiter schwierigsten Stellen rasch nach einander
benutzte, sondern auch den alten Musikus durch seine Kraft und
Gewandtheit zu lauter Bewunderung hinriß.
»Bei Gott!« rief dieser, »das ist nicht das erste Mal, wo der einem
Gensdarmen aus dem Wege geht -- hurrah mein Junge -- nur noch ein paar
Minuten ausgehalten, und der Schnurrbart mag nachher sehn, wo er zuerst
in den Büschen hängen bleibt -- hurrah mein Herzchen -- das ist recht
-- ha ha ha -- wie der die kleine Hecke und den Dornenbusch benutzt --
jetzt links mein Schatz -- noch mehr links, nachher kommen die Steine,
und in denen bricht er Hals und Bein, wenn er sich hineinwagt -- so brav
-- so brav, hol' mich der Teufel, das war ein kapitaler Sprung -- jetzt
hinein in's Dickicht -- ha ha ha ha das thuts, das war famos ausgeführt:
»Heißa juchheißa, die Hetze ist aus,
Guten Morgen Herr Förster, itzt gehn mer zu Haus;
Itzt gehn mer zu Haus und itzt gehn mer zu Bett,
Und wer z'erst in den Federn liegt, g'winnet die Wett'!«
Der Alte schwang sein eingewickeltes Instrument jubelnd um den Kopf
und sprang dann auf den Stein, um den weiteren Verfolg der Sache besser
übersehn zu können.
Der Gehetzte hatte auch wirklich, wie es ihm der Alte in eigenthümlicher
Theilnahme, obgleich weit außer Rufsweite, mit lauter ängstlicher Stimme
angerathen, eine kleine Spitze dürren Haidelandes, auf dem scharfe
Felsblöcke wild zerstreut umherlagen, gewonnen, und endlich, indem
er diese zwischen sich und dem Reiter ließ, die Schlucht gerade in
demselben Moment erreicht, als der Gensdarm eine Pistole aus der Holfter
zog und nach ihm feuern wollte. Gählings aber in das tiefe Geröll
hinabspringend tauchte er in dem maigrünen Laube unter, und verschwand
den Blicken der auf dem Hügel Stehenden, wie auch wahrscheinlich denen
des Gensdarmen, denn dieser wandte sich jetzt nach einigen vergeblichen
Versuchen, mit dem Pferde in das Dickicht zu dringen, gegen seine
herankeuchenden Genossen, winkte ihnen, den bewachsenen Platz zu
umzingeln und sprengte dann selbst, um den Rand des Busches hin, der
Höhe zu.
Die Dreie am Stein aber, standen wieder schweigend und in gespannter
Erwartung da, und erharreten ängstlich das Resultat dieser merkwürdigen
Jagd; ja selbst der Schulmeister, obschon sonst ein abgesagter Feind
jeder Ungesetzlichkeit, ertappte sich zu seiner eigenen Ueberraschung
auf dem Wunsch, _den_ Menschen, der doch sicherlich irgend ein
Verbrechen begangen hatte und Strafe verdiente, entwischen zu sehn -- es
ist das jenes eigene Gefühl, das unsere Theilnahme stets dem schwachen,
anscheinend unterdrückten Theile zuwendet, und der Vernunft nicht Raum
gewährt, kalt vorher zu entscheiden, auf welcher Seite das Recht, auf
welcher das Unrecht sei.
Die Jagd nahte sich aber auch jetzt ihrer Entscheidung; denn hielt sich
der Verfolgte, wie das auch das wahrscheinlichste war, da er jedenfalls
einer kurzen Rast bedurfte, in dem Gebüsch, so konnte der Berittene
leicht den oberen Theil der Schlucht besetzt halten, und ihm dadurch die
Flucht zu dem dichten Wald vollkommen abschneiden; die anderen Verfolger
aber hätten zu dreien das noch lichte und durchsichtige Gebüsch mit
leichter Mühe abgetrieben, so daß er entweder diesen, die leichte
Jagdflinten auf den Schultern trugen, in die Hände gefallen, oder von
dem Gensdarmen, hätte er den Ausbruch erzwingen wollen, auf dem nun
ebenen Boden eingeholt wäre, und was konnte der arme Teufel dann gegen
den vollkommen Bewaffneten ausrichten?
»Wenn er nur nicht in dem verdammten Loch da unten stecken bleibt!« rief
der Musikus, und hob sich hoch auf die Fußzehen, um den ganzen Umfang
der buschbewachsenen Schlucht so weit als möglich zu übersehn --
»Wetter noch einmal! wenn er den Wald erreichte, ehe der Himmelhund von
Gensdarmen nachkommt, ich gäb' meiner Seel' --«
Er schwieg plötzlich, denn entweder fiel ihm ein, daß er gar nichts
zu geben hatte, oder er war sich auch vielleicht nicht so ganz klar
darüber, ob er in der That der Sicherheit eines Anderen, Fremden wegen,
irgend etwas geben sollte -- wenn er es hätte.
»Vater«, sagte da das Mädchen -- »wenn er wirklich bis hier oben
her kommt, so fürchtet er sich vielleicht, so lange wir hier stehen,
herauszubrechen, weil er nicht wissen kann, ob wir Freunde oder Feinde
sind. Sind wir hier nicht gerade zwischen ihm und dem Wald? -- wir
wollen auf die Seite treten!«
»O, geh' zum Teufel!« brummte der Alte, »da drüben kann man Nichts
sehen, und glaubst Du etwa, der würde sich vor uns geniren, wenn er dort
hinten in's Dickicht wollte? -- Bist Du dumm, das ist ein alter Fuchs,
und spürt mit einem Blick, ob wir Ehrenmänner oder Polizeigeschmeiß
sind. -- Bei Gott, da kommt der vermaledeite Hegereiter um die Spitze
herum, wenn er doch den Hals bräche, der Lump!«
»Aber lieber Freund,« fiel ihm hier der Schulmeister, dem das doch
zu arg werden mochte, in's Wort, »der Mann ist nur ein Vollzieher des
Gesetzes, und was sollte _ohne_ Gesetze aus uns werden? Wer weiß, was
der Mensch, den sie da einfangen wollen, verbrochen hat; es sind jetzt
schlimme Zeiten, und vieles böse Volk treibt sich im Lande herum.«
Der Musikant warf ihm einen halb verächtlichen, halb ärgerlichen Blick
zu.
»Verbrochen?« brummte er -- »ja, ein großes Verbrechen wird der begangen
haben -- vielleicht hat er im Wald ein trockenes Stück Holz abgebrochen,
um daheim die Kinder nicht erfrieren zu lassen, oder gar einen
hochfürstlichen Hasen erschossen, dem der liebe Gott das erlaubt hatte,
was ihm versagt war, in Feld und Wald sein tägliches Brod zu suchen.
Schreckliche Verbrechen das, aber -- he he he he he -- seht den
Hegereiter:
»Holter polter alle zwei,
Wir fielen den Berg hinunter,
Das Rößlein streckt die Bein empor,
Der Reiter der liegt drunter,
Das Rößlein streckt sich einmal aus,
Und wie sie den Reiter suchen,
Da liegt er unter Rößleins Bauch
So flach als wie ein Kuchen.«
Sein jubelndes Lied war nicht ohne Grund; das Pferd des Gendarmen mußte
mit dem einen Vorderbeine in eins der vielen Löcher, die hier den
rauhen Boden überall zerrissen, getreten haben und dadurch plötzlich
einknickend, schleuderte es den Reiter weit über sich weg zur Erde.
Dieser aber, wenn er auch in die scharfen Steine hinein keineswegs sanft
gebettet fiel und an Stirn und Händen blutete, raffte sich doch
rasch empor, hob seine Mütze auf, sprang in den Sattel des zitternden
schweißtriefenden Thieres und strebte schon nach wenigen Secunden mit
fest zusammengebissenen Zähnen und zornfunkelnden Augen seinem Ziele
wieder zu. So gering aber auch der Aufenthalt gewesen sein mochte, der
durch den Sturz herbei geführt worden, so hatte er doch genügt, dem
Verfolgten einen kleinen Vorsprung und so viel Zeit zu geben, das obere
Dickicht, das er indessen erreicht, ohne Säumen zu verlassen, um vor
allen Dingen den wirklichen Wald zu gewinnen, wo er dann, erst einmal
dort, nicht zu fürchten brauchte, so rasch entdeckt zu werden.
Wie der Musikant vermuthet, kümmerte sich jener auch wenig um die
drei Menschen, die er bald als harmlos erkannt hatte, ja er floh sogar
stracks auf sie zu, da gerade hinter ihnen die ihm nächste Waldecke lag.
Seine Lage wurde aber eine sehr mißliche, denn das Pferd war nur noch
eine kurze Strecke von dem Kamm des Hügels, der Wald aber wenigstens
vierhundert Schritte entfernt, und konnte der Reiter erst den
obenliegenden verhältnißmäßig ebenen Grund benutzen, wo er den
Verfolgten augenblicklich entdecken mußte, so war nur geringe Hoffnung,
daß dieser mit seinen fast erschöpften Kräften aushalten würde gegen das
kräftige Thier, das seinen Verfolger trug.
Jetzt flog dieses, mit kühnem Sprung, und von dem Sporn des Reiters
gestachelt, auf den letzten, wohl zwei Fuß hohen Rain hinauf, der schräg
am Rande des Hügels hinlief und kaum erblickte hier der, durch den Sturz
nur noch mehr erbitterte und angereizte Mann den Flüchtigen, der mit
raschen Sätzen über das holprige Feld dahin sprang, als er seinem
Gaul fast die Schenkel in die Flanken drückte und zugleich, mit lautem
Triumphruf den Arm emporwarf; denn auf der offenen Fläche sah er den
Flüchtigen schon rettungslos in seine Hand gegeben.
Der also Gehetzte befand sich jetzt kaum funfzig Schritte von da, wo der
Schulmeister mit dem Musikanten und seinem Kinde stand, ein niederer,
flacher Graben aber, der auf der einen Seite mit Schlehen bewachsen war,
und den er hier annahm, um die Sturzäcker zu vermeiden, die seine Flucht
aufhalten mußten, entzog ihn auf etwa hundert Schritte ihren Blicken.
Als er wieder daraus emportauchte und jetzt von ihnen fortfloh, führte
ihn seine Richtung gerade auf den kleinen Weidenbusch zu, der, wie schon
erwähnt, inmitten dies offenen Feldes stand, der Schulmeister aber,
der, die Hände gefaltet und mit ängstlich klopfendem Herzen diesem
eigenthümlichen Schauspiele zugeschaut, sagte halblaut und fast
unwillkürlich:
»Großer Gott! in den Weiden ist er verloren -- dort sinkt er ein.«
»Vermeidet den Busch!« rief da rasch entschlossen das Weib, und der
Flüchtige, der die Worte nicht zu verstehen schien, wandte den Kopf nach
ihr um -- »in den Weiden ist Sumpf!« wiederholte eben mit noch lauterer
Stimme die Frau, und das letzte Wort wenigstens mußte jener begriffen
haben, denn ohne Weiteres rechts abbiegend, blieb er auf dem Raine, der
die nächste Feldgrenze bildete. Dadurch aber beschrieb er einen kleinen
Bogen um den moorigen Busch, und so nah kam ihm dadurch der Verfolger,
daß dieser, in voller Hast und der freudigen Gewißheit, den Flüchtigen
endlich erreicht zu haben, die eine Pistole wieder aus der Holfter riß,
und, mit den Verhältnissen des Bodens hier unbekannt, gerade auf den
Busch zu sprengte, über dessen niedere Sträucher hin, und anscheinend
dicht vor sich er den nun wieder gerade dem Walde zu Fliehenden sehen
konnte.
»Dort ist ein Sumpf!« wollte auch jetzt, fast unwillkürlich, der
Schulmeister rufen, die breite Hand des Musikanten lag ihm jedoch bei
der ersten Sylbe auf den Lippen, und gleich darauf betrat das Roß den
gefährlichen Boden.
Die dem Flüchtenden gegebene Warnung schien aber keineswegs unnütz
gewesen; schon bei den ersten Sätzen sprang das Pferd bis über die
Fesseln in den weichen Moor; der Gensdarm übrigens, anstatt es rasch
herumzuwerfen, glaubte durch Schnelle des Bodens Schwierigkeiten am
Besten besiegen zu können, preßte noch einmal mit den Sporen nach,
und fand sich wenige Secunden später bis an den Sattelgurt in einem
schlammigen Graben, aus dem sich sein erschöpftes Thier nur nach langer
mühseliger Anstrengung wieder heraus und auf festen Grund arbeiten
konnte.
Der Verfolgte warf, als er das plätschernde Geräusch so dicht hinter
sich hörte, einen scheuen Blick zurück, setzte aber seine Flucht
ununterbrochen fort. Wohl sprengte der Reiter, als er sein Thier
wieder befreit sah, ihm noch einmal nach, und wäre der Wald nur hundert
Schritte weiter entfernt gewesen, so müßte er den zum Tode Ermatteten
dennoch eingeholt haben, so aber erreichte dieser das schützende
Dickicht und verschwand gerade, als der Gensdarme in vollem Ingrimm
seinem Pferde in die Zügel griff und beide Pistolen hinter ihm her
feuerte, zwischen dem dichten Nadelholzanwuchs, dem sich gleich dahinter
ein noch weit undurchdringlicher Eichenschlag anschmiegte.
»Ha ha!« lachte und jubelte aber jetzt der Musikant.
Wirst mer's net so ibel nehme,
Wenn i net zerückkomm heut',
Denn i bin in schenster Arbeit
Und da han i, Schatz, kei Zeit.
»Ha ha ha! Se. Excellenz der Herr Gensdarme haben sich umsonst bemüht;
kleine Bewegung schadet dem Pferdchen gar Nichts -- wird doch blos
gefüttert, um einen Faullenzer zu tragen, daß er keine Hühneraugen
kriegt.«
»Ihr werdet uns den Gensdarmen auf den Hals ziehen,« sagte der
Schulmeister und schaute sich etwas ängstlich nach dem Reiter um, der
auch wirklich jetzt, während er zugleich frische Patronen in seine
Pistolen hinunterschob, auf die kleine Gruppe zu trabte.
»Hallo da!« rief er, sobald er sich den Dreien gegenüber sah, und sein
in Schweiß gebadetes keuchendes Thier einzügelte, »wer von Euch hat dem
entwischten Schuft da etwas zugerufen? -- nun? -- könnt Ihr die Zähne
nicht auseinander bringen? oder soll ich Euch erst gesprächig machen?«
»_Ich_ war's!« sagte das Mädchen, und schaute dabei dem zornigen
Soldaten fest und unerschrocken in das finster auf sie niederblickende
Auge.
»Und was hast _Du_ mit einem entflohenen Sträfling zu verkehren,
Mamsell?« fuhr sie der ingrimmig an -- »willst Du gestehen, Du -- Ding
Du? oder --«
»Bitt' um Verzeihung, Euer Gestrengen,« schnitt hier der alte Musikant
rasch, aber mit einem eigenthümlichen Gemisch von Trotz, Unverschämtheit
und Scheu der Tochter die Antwort ab -- »Sie wissen wohl, die Weiber
sind neugierig und wollen immer gern mehr wissen, als sie vertragen und
behalten können, und da frug mein dummes Ding von Mädchen da den jungen
Menschen, der in solcher Eile war, was er denn so liefe, und weshalb die
anderen Herren hinter ihm drein rennten.«
»Du Lügenhund verdammter! hab' ich Dich schon gefragt?« schnauzte der
Gensdarme den Alten an -- »wer bist Du überhaupt, und wo kommst Du her?
wo ist Dein Paß?«
»Hm« brummte der Musikant und fuhr sich langsam mit der rechten Hand
in die Brusttasche, »Lügenhund werd' ich eigentlich gewöhnlich
nicht gerufen -- aber was thuts -- hier Herr Lieutenant -- bitt' um
Verzeihung, wenn die Anrede nicht klappt -- am Verdienst wird's nicht
fehlen -- hier ist der Paß -- wird wohl Alles in Richtigkeit sein.«
Der Gensdarme riß das zerknitterte, beschmutzte und vielmal
zusammengefaltete Papier, das ihm der Alte reichte, an sich, öffnete und
durchflog es mürrisch, denn nicht freundlicher schien ihm das gerade zu
stimmen, daß er keinen Halt an dem Musikanten fand, um seinem _Zorne_
Luft zu machen.
»Jacob Meier,« las er halb laut, und verglich dabei mit rasch und
mißtrauisch hinüberschweifenden Blicken die Figur mit dem in dem Paß
befindlichen Signalement -- »Alter 53 Jahr -- Haare grau gesprenkelt --
Nase kurz -- Backenknochen vorstehend -- Pockennarben -- mit Tochter
-- Marie Meier -- Haare schwarz -- Augen dunkel -- Zähne vollständig --
Gesichtsfarbe gesund -- nun, das ist _die_ doch nicht?« und er deutete
dabei auf das Mädchen, in deren Wangen bei den rohen Worten ein
leichter Hauch stieg und auf wenige Secunden zwei rothe eckige Flecken
zurückließ, dann aber eben so rasch wieder verschwand, wie er gekommen.
»Das Kind sieht jetzt krank und angegriffen aus,« sagte hier der
Schulmeister, dem es doch weh that, daß die armen und überdies schon so
unglücklichen Leute so barsch und rauh angefahren wurden -- »es wird ihr
nicht wohl sein.«
»Wer ist _Er_, und was hat er hier d'rein zu reden?« fuhr der gewaltige
Mann des Gesetzes grob genug den erschreckt Zusammenfahrenden an.
»Ich bin der Schulmeister aus Horneck,« sagte dieser fast unwillkürlich,
aber selbst der schüchterne Greis fühlte sich entrüstet über das
Entehrende solcher Behandlung, und mit etwas schärferer Betonung setzte
er gleich darauf hinzu: »auch steh' ich hier auf meinem eigenen Grund
und Boden und habe keinen Menschen beleidigt, daß ich verdiente, so
angefahren zu werden.«
»Dann kümmern Sie sich auch um ihre Schule und stecken Sie die Nase
lieber in ihre Bücher und nicht in anderer Leute Geschäfte,« entgegnete
ihm, wohl nicht mehr so herrisch, aber doch noch immer ärgerlich und
trotzig genug der Gensdarme, und wandte sich wieder von ihm ab. Den Paß
dann dem alten Musikanten vor die Füße werfend, und, die Dreie weiter
keines Blickes oder Wortes würdigend, sprengte er rasch seitwärts den
Hügel hinab und der Stelle zu, wo jetzt seine den Berg heraufklimmenden
und nicht berittenen Begleiter sichtbar wurden.
»Ist das ein rauher grober Mensch,« sagte Kleinholz und sah
kopfschüttelnd dem Davongallopirenden nach, »und doch eigentlich weiter
Nichts als ein berittener Polizeidiener, und das muß man sich gefallen
lassen.«
»Wird schon zahm werden, Alterchen,« lachte der Musikant, »wird schon
zahm werden, und lange kann's nicht mehr dauern; in Wien und Berlin sind
sie mit Kolben gelaufen, und wenn wir hier ihnen noch nicht den Daumen
auf's Auge gesetzt, so -- aber komm Marie, 'swird spät und ich muß noch
gehörig herumlaufen, daß ich auch morgen die Erlaubniß auftreibe --
guten Tag Schulmeister, guten Tag, schönen Dank für den Imbiß und
bessere Zeiten für den Morgen -- Morgen? 'sist ein komischer Trost;
Und wenn wir am Morgen zusammenkommen,
Und denken zurück an das Heute,
Dann finden wir, daß wir zum Nutzen und Frommen
Der alten und jüngeren Leute
Gehofft und geharret, gewünscht und geträumt
Von nächst zu erhaschendem Glücke;
Und was ist uns worden -- wir waren geleimt --
Der Bettler behielt seine Krücke.
Der Morgen bleibt morgen, wir aber wir harren
Und hoffen und träumen -- wie Allerweltsnarren.«
Und mit dem Liede noch auf den Lippen wandte er sich, von seiner Tochter
gefolgt, dem Dorfe zu, und verschwand bald darauf hinter den Hecken und
Obstgärten, die dasselbe rings umschlossen.
Drittes Kapitel.
Der Diaconus und der Hülfslehrer.
Es war gegen Mittag desselben Sonnabends, mit dem ich diese Erzählung
begonnen, als Pastor Scheidler in seiner Studierstube saß und sich gar
eifrig für die morgende Predigt vorbereitete. Um ihn her lagen eine
Masse Bücher, Hefte und Zettel, und er selber stand oft auf, ging mit
auf den Rücken gefalteten Händen eine Zeit lang rasch im Zimmer auf und
ab und memorirte laut und heftig.
Es mußte aber heute etwas ganz Wichtiges sein, was ihm bei seinem
Studium so schwere Sorge machte, denn sonst wurden ihm die Predigten gar
nicht so sauer, und ein paar Candidaten hatten in der benachbarten Stadt
schon ausgesprengt, er wisse genau, wo er in alten staubigen Büchern
nagelneue Sermone auffinden und benutzen könne. War das wirklich einmal
der Fall, so durfte es sicherlich auf diese keine Anwendung finden,
denn die ganze Nacht hatte er geschrieben, wieder ausgestrichen,
wieder geschrieben, und endlich schon mit Tagesdämmerung den zu Papiere
gebrachten Entwurf auswendig gelernt.
In derselben Etage, aber dicht an der Treppe und nach der Kirchmauer
zugewandt, die nur wenig Licht und Wärme in das kleine Gemach ließ,
hatte der Diaconus Brauer sein Arbeitszimmerchen, und hier saß er heute
mit dem Hülfslehrer Hennig traulich auf dem Sopha, und Beide studierten
die eben durch die Botenfrau aus der Stadt gebrachte Zeitung, in der sie
des Neuen wohl viel, des Erquicklichen aber gar wenig fanden.
»Ich wollte, ich wäre jetzt Soldat,« seufzte Hennig endlich, und warf
das Blatt unmuthig vor sich nieder auf den Tisch, »in der Welt giebt's
nichts als Krieg und Aufruhr, und _wir_ sollen hier indessen den Jungen
noch die alte Geduld und Christenliebe einbläuen, während ihre Brüder
und Vettern draußen, und ohne beides, in's Feld laufen. Es giebt doch in
solcher Zeit nichts Elenderes, als einen Schulmeister.«
»Einen Diaconus vielleicht ausgenommen,« sagte Brauer trocken, und blies
eine dichte Wolke blauen Tabacksdampfes in Ringeln gegen den Wachsstock
hin, der vor ihm auf dem Tische stand.