Georg stand vor dem großen Spiegel im Schlafzimmer und betrachtete sein
Abbild auf einem schönen Hintergrunde offener Fenster voll Gartengrün,
Sonnenlichter, Goldregen und windiger Bewegung. Ein Ladenknabe, so
dachte er, könnte sich leicht eleganter anziehn als ich. Zum Beispiel
würde er doppelt so weite Hosen tragen, um zart anzudeuten, daß er die
Mode kenne; aber ihm würde nicht einfallen, dunkelblauen Marengo zum
Cutaway zu nehmen wie ich -- hier lachte er und freute sich --, denn das
ist eine Kunst. -- Er atmete auf. Ich glaube, heut bin ich glücklich.
Plötzlich, nahe an sein Spiegelbild herantretend, faßte er mit Gewalt
sein Antlitz ins Auge, und so, Auge in Auge mit sich selber, mit
festgebissenen Zähnen, murmelte er sich zu: Sage! Sag, bist du ein
Prinz, oder nicht? Schurke! sagte er besinnungslos, gesteh! --
Irgendetwas im Gegenüber schien zu bejahen. Das Blut stieg ihm in die
Schläfen, er schüttelte den Kopf, lächelte und wandte sich ab. Am
Fenster stehend, empfand er die überschwängliche Güte des Tages. Der
Garten vor ihm lag im Schatten, still die Wege, ins Buschwerk
entschwindend; über den schillernd grünen Wipfeln flammte der feuerblaue
Himmel und im tiefen Blau große, gewaltige, schneeweiße Wolkenballen mit
majestätischen Schatten. O göttlicher Tag, dachte er. Und außerdem
Korso! und ein fabelhaftes Tandemgespann! Und Renate! Und mein Plan.
Mein Plan. Langsam, langsam -- aber näher werde ich ihr kommen. Und in
den Sommerferien dann Helenenruh. Da werde ich sie ganz ...
Augenblicks meldete hinter ihm der blasse Egon: Fräulein von Montfort.
-- Georgs Herz erschrak wunderbar angstvoll. Mit der Pünktlichkeit der
Könige ... murmelte er und eilte hinaus.
Drüben, mit ausgestreckter Hand auf Renate zueilend, umfaßte er ihre
Gestalt mit Blicken und sah alles: das graue Schneiderkleid, den
flachen, grauen Hut und die schwarze, hangende Feder. Er strahlte.
»Ach, Sie sehen ja wie eine Prinzessin aus!« sagte er glücklich. »Ja,
jetzt wollen wir Tee trinken. Oder lieber Kaffee?«