Erasmus

Renate vernahm, als die Quartettgesellschaft -- Irene, Ulrika, Benno

Prager, Saint-Georges, Sigurd nebst Schwester und Magda -- an einem

Sonntagnachmittag auf dem Rasenplatz im Montfortschen Garten

buntgestreifte Reifen warf, plötzlich aus dem Gang zur Straße neben dem

Haus einen hitzig prasselnden und knatternden Lärm, und kaum daß sie

hinsah, sauste mitten in die schreiend auseinander Stiebenden ein

rädriges Ungetüm, schnaubend und zischend, mit einem ganz ledernen Kerl

darauf. Da hielts stille, und da wars Bogner, von dessen Gesicht eine

Brille fiel, und der lautlos lachte auf seine Art, während sie

ringsherum wie angewachsene Daphnes, wenigstens was die Frauen anlangt,

in mehr oder minder zierlichen Posen verharrten. Aber nun umdrängten sie

ihn und beschimpften ihn wie die Sperlinge, wie die Krähen eine muntre

Eule, und er berichtete, daß er schon wochenlang auf diese Weise unter

die Dörfer über die Haide fliege, -- »jedoch«, sagte er, »nicht jede

vernichtete Gans wird ein Stilleben.« Nun habe er allerlei Dinge

gesammelt, wolle gleich anfangen, und zwar, mit Renates Erlaubnis, in

der Kapelle, die er mit sechs schönen Engeln schmücken wolle.

»Was kostet ein Engel?« fragte Irene, fragten sie Alle. Alle wollten

möglichst einen Engel haben. Bogner sagte, er verkaufe nur an fremde

Leute und an Herzöge, und da waren sie tief niedergeschlagen, denn

keiner wollte ein fremder Mensch sein, und keiner war ein Herzog, und

schenken lassen konnten sie sich doch auch nichts, woran der Maler ja

nun auch keineswegs dachte. Sie sollten nicht böse sein, sagte er

begütigend, er wollte später jeden von ihnen in schwarzem Papier

ausschneiden, dann könnten sie sich gegenseitig mit ihren Konterfeis

beschenken und dann hätten sie jeder einen Engel. -- Dies, meinten sie,

wäre nicht ganz das Richtige. --

Bogner, der sein Rad gegen das Postament der Sonnenuhr gelehnt hatte,

fragte Renate, ob Erasmus im Hause sei, denn mit ihm müßte geredet

werden. Er wäre ein Sonderling und möchte am Ende nicht zugeben, daß er,

Bogner, Renate Bilder schenkte. --

Helianth. Band 2 Bilder aus dem Leben zweier Menschen von heute und aus der norddeutschen Tiefebene · 第 17 / 124 题