6. Mai

Nun, dies wenigstens hat ein Ende, so ekelhaft es bis zur Neige war. Ich

will auch dies aufschreiben, um mich später zu erinnern.

Jason schickte Ch.s Diktat an den Herzog mit ein paar Zeilen von ihm

selber, in denen er ihm kühl vorlog, daß Ch.s Verdächtigung

selbstverständlich aus der Luft gegriffen sei.

Diesen Brief hat der Herzog mit dem von Ch. an seinen Sohn geschickt und

ist nach empfangener Antwort gestern hier eingetroffen. Ich sprach eine

halbe Stunde mit ihm und hätt es gern länger getan. Ich hielt ihn für

einen ergrauten Mann in den Fünfzigern, aber nun ist er kaum

fünfundvierzig und sieht aus wie Ende Dreißig, ein wenig zu bärtig, aber

kühn, und ein Riese, wenn er sitzt. Ihn gehen zu sehn, ist freilich ein

Jammer. Georg also hat gelogen wie Jason, und somit hat der Herzog dem

Ch. einfach eine donnernde, ungeheure Standrede gehalten -- wir konnten

sie in allen Zimmern und bis in den Obstgarten hören -- und ihn

wahrhaftig damit niedergeschmettert. Das alte Vasallenempfinden hat

vielleicht auch mit geholfen, jedenfalls hat er sich geduckt und in

alles gewilligt. Der Herzog hat Magda sehr gestreichelt und gutherzig

bedauert, daß zwischen ihr und seinem Sohne alles aus sei, denn er hätte

sich gefreut und so weiter, und sie solle Helenenruh nur jetzt schon als

ihr Eigentum betrachten, erben würde sie es sicher einmal, und der neue

Verwalter sei unverheiratet und könne vorderhand im Gestüt wohnen.

Übrigens ist der Herzog ein Filou, denn als der Sandschneider, den er

selber kutschierte, den Heckengang hinunterrollte, stand ich gerade am

Goldregen und schnitt Dolden herunter, und er rief: Danae! daß es

schallte, nickte, freute sich, hieb auf den Schimmel ein und jagte ums

Haus, daß die Funken stoben.

Helianth. Band 2 Bilder aus dem Leben zweier Menschen von heute und aus der norddeutschen Tiefebene · 第 8 / 124 题