Dieses Buch erzählt die Geschichte eines jener unglücklichen Mädchen, wie

sie zu tausenden in großen und kleinen Städten, ohne häusliche Zucht und

Wurzel in dem göttlichen Worte, von schwankenden Eltern er- und verzogen,

aufwachsen, von Ansprüchen einer weniger als halben Bildung gestachelt, und

von Romanlectüre und leichter Gesellschaft getragen, in allerlei schöne

und hohe Gedanken hinauswuchern, hinter deren Gefühl sich doch die

bloße Sinnlichkeit und hinter deren Phantasien sich die gewöhnlichsten

Spekulationen verbergen, daß wenn dann die gar losen Blumenblätter im

ersten Windstoße abfallen, die innere Armuth und Hülflosigkeit in ihrer

Blöße dasteht. Die Heldin dieser Erzählung bleibt vor dem tiefsten Sumpfe

der Sünde, in welchem schließlich unzählige ihres gleichen für ein ganzes

Leben versinken, schon durch die Keuschheit der Feder einer weiblichen

Verfasserin bewahrt. Sie gelangt mitten in ihren edlen Gefühlen nur bis zum

gewöhnlichen Hausdiebstahl, und auch der wird ihr verziehen. Sie empfängt

aber ihren Lohn dadurch, daß sie »ihr Glück macht« durch eine »gar nicht

üble Partie«, von deren Jammer sie endlich das Durchgehen ihres Mannes

befreit. Durch das alles hat die Gnade Gottes ihr leichtfertiges und

widerstrebendes Herz aber immer stärker und stärker an sich gezogen, bis

sie zu einer rechtschaffenen Buße und Umkehr gelangt. Als Gegenbild steht

daneben die einfache, heitere und anmuthige Gestalt ihrer Jugendfreundin,

eines ehrbaren, schlecht und recht in der Furcht Gottes aufgewachsenen

Bürgermädchens. Durch die psychologische Wahrheit, und die gefällige

Weise, womit die Begebenheiten von dem vielfach anerkannten Talente der

Verfasserin dargestellt sind, vermag die Erzählung auch das Interesse von

Leserkreisen aller Stände zu fesseln. Vorzüglich aber wäre es zu wünschen,

daß Freunde der inneren Mission Mittel und Wege aufsuchten, um sie recht

zahlreich in jenen Kreisen, aus deren Leben sie redet und auf welche sie

als eine Warnungs- und Weckstimme insonderheit zu wirken bestimmt ist, zu

verbreiten. --

[ Hinweise zur Transkription

Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt.

Symbole für abweichende Schriftarten:

_gesperrt_ : =Antiqua= : ~kursiv~ : #fett#.

Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, einschließlich

uneinheitlicher Schreibweisen wie beispielsweise "erwidert" -- "erwiedert",

"heitzte" -- "geheizt", "Spatziergang" -- "Spaziergang",

mit folgenden Ausnahmen,

Seite 9:

"deinen" geändert in "Deinen"

(Schäme Dich was mit Deinen Grobheiten)

Seite 17:

"bemerke" geändert in "bemerkte"

(kurze Zeit darauf bemerkte Auguste, daß Fritz fortgegangen)

Seite 24:

"Ihr" geändert in "ihr"

(den lieben Sommer über fast ihr alleiniger Wohnsitz)

Seite 34:

"Louisdo'r" geändert in "Louisd'or"

(vom Louisd'or kaum etwas für ihre Mutter übrig blieb)

Seite 39:

"." eingefügt

(Er begann mit dem 90. Psalm)

Seite 49:

"ihn" geändert in "ihr"

(ihr auf diese Weise die Zeit vertreiben)

Seite 68:

"ihren" geändert in "Ihren"

(der Wahrheit gemäß Ihren Frevel gestehen)

Seite 85:

"gedehmüthigt" geändert in "gedemüthigt"

(ihr Stolz war gedemüthigt, sie war innerlich erboßt)

Seite 98:

In Zeile 6 "," geändert in "."

(Halleluja, Halleluja.)

Seite 119:

"hinzugegehen" geändert in "hinzugehen"

(geradezu hinzugehen war ihr unmöglich)

Seite 131:

"," eingefügt

(Klärchen schied von ihr, das Herz voller Trost) ]

Die Kammerjungfer: Eine Stadtgeschichte · 第 9 / 9 段