Die Kammerjungfer.
Eine Stadtgeschichte
von
Maria Nathusius,
Verfasserin der Dorfgeschichten: _Martha die Stiefmutter,
Lorenz der Freigemeindler, Vater, Sohn und Enkel_ u. s. w.
Halle,
Verlag von Richard Mühlmann.
1851.
Es bleibt dabei, ich vermiethe mich! sagte Klärchen zu ihrer Mutter. Eine
Schneiderin führt ein trauriges Leben, ein Tag geht so grau und einförmig
hin wie der andere, keinen vernünftigen Menschen kriegt man zu sehen,
sitzen muß man vom Morgen bis zum Abend, und sitzen bleiben und eine alte
Jungfer werden ist das Ende vom Liede.
Du weißt selbst nicht was Du willst, sagte ihre Mutter. Weißt Du noch,
was Du sagtest vorigen Martinstag, wie Tante Rieke Dir den Rath gab, Du
solltest in einen Dienst gehen? Da hast Du von Sklaverei gesprochen und die
Nase gerümpft, und ich war's auch zufrieden: es wäre doch eine Sünde und
Schande, wenn eine alte Frau allein wohnen müßte ohne Hülfe und Pflege.
Aber ich sage: Du weißt nicht was du willst. Kannst Du's besser haben,
wie Du's jetzt hast? Bist Dein eigner Herr, kannst thun was Du willst, und
brauchst Dich nicht von fremden Leuten traktiren zu lassen. Ach, wenn ich
an _meine_ Jugend denke!
Ja, ja, Deine Jugend kenne ich, fiel ihr Klärchen schnippisch in das Wort;
so dumm wie Du werde ich nicht sein, Du hättest den Rechtsgelehrten nur
festhalten sollen. Tante Rieke sagte vorgestern sehr salbungsvoll, wie
Deine Schönheit Dein Unglück gewesen; da hätte sie nur aufrichtig sagen
sollen: Dein Ungeschick. Ich sage Dir aber, _meine_ Schönheit soll
glücklicher sein. -- Hierbei lachte sie, hüpfte an den Spiegel und ordnete
noch einmal zum Ueberfluß ihren Sonntagsstaat.
So gottvergessen wie Du habe ich nie geredet, entgegnete die Mutter, und
das Unglück ist doch über mich gekommen, ich weiß nicht wie.
Das ist's eben, fiel ihr Klärchen wieder in die Rede: Du weißt nicht wie.
Gerade das nicht Wissen das ist der Fehler, ich werde aber wissen! Und nun
um alles in der Welt, höre auf zu jammern. Heute ist Sonntag. Ursach dazu
hast Du nicht, und ich sehe nicht ein, warum ich zuhören sollte. Mir steht
die ganze Welt offen, und die Welt ist schön, wunderschön! Ich vermiethe
mich, oder ich vermiethe mich nicht, es muß immer gehen. Für jetzt ziehe
ich zur alten Frau Generalin, da habe ichs gut, und Geld im Ueberfluß.
Und ich hungere, sagte die Mutter in weinerlichem Ton.
Dafür wird Tante Rieke sorgen müssen, die hat das Geld im Kasten liegen.
Es ist schändlich genug, daß sie mich hat schneidern und sticheln lassen,
damit ich ihre einzige Schwester ernähre. Das hört nun auf. Ich muß für
meine Zukunft sorgen, mein Lohn wird gespart; wenn man das Geld in
großen Partieen einnimmt, kann man's besser festhalten, die einzelnen
Viergroschenstücke trudeln unter den Händen fort. Tante Rieke, die die
christliche Barmherzigkeit immerfort im Munde führt, mag sich auch mal mit
den Händen regen. Und kurz und gut, wenn kein Anderer da ist, ist sie die
Nächste. Und Mutterchen (setzte Klärchen schmeichelnd hinzu), Du hast nur
den Vortheil davon, wenn die Tante gepreßt wird; denn ich werde auch für
Dich sorgen, da kommt's von zwei Seiten. Klage nur hübsch, und rühre ihr
Herz; aber gegen mich höre auf damit (schloß sie lachend), ich kenne Deine
Kniffe und bei mir helfen sie nichts mehr. -- Bei diesen Worten zog sie
eine schwarze seidene Mantille aus einer Schublade, und einige Geldstücke
klapperten daneben. Sie warf der Mutter ein Zweigroschenstück in den Schooß
und rief lachend: Hier, kaufe Dir Kuchen und feiere Sonntag; aber schicke
Kleist's Dortchen, dann denkt der Becker, es ist für die Herrn Studenten.
Du verstehst mich doch?
Kleiner Tausendsapperloter! sagte die schwache Mutter. Ihr Töchterchen
hatte sie völlig beruhigt. Besonders war das Letzte ein wirksames Mittel;
und auch die Bemerkung über die Tante Rieke war ganz richtig, diese mußte
mehr geben, wenn Klärchen den Haushalt nicht unterhielt. Sie konnte es
auch, sie war eine reiche Wittwe und hatte nur eine Pflegetochter; und wenn
Klärchen dann im Stillen doch noch mit sorgte, wie es sich für eine gute
Tochter geziemt, so stand die Mutter sich bei weitem besser.
Frau Krauter war die Wittwe eines Ginghan-Webers. Sie war in ihrer Jugend
schön und leichtsinnig gewesen, und hatte nach vielen Abenteuern den Mann
geheirathet, der schon damals innerlich und äußerlich ziemlich verkommen
war. Es ward aber von Jahr zu Jahr schlechter mit ihm, und er starb,
nachdem er beinahe zehn Jahr seine Frau in fortwährendem Jammer und in Noth
erhalten hatte. Zum Glück blieb Klärchen ihr einziges Kind, und zum Glück
hatte sie eine reiche Schwester, die ihr in der Noth eine Stütze war.
Noth und Jammer aber hatten keinen Einfluß auf Frau Krauter geübt; sie war
leichtsinnig geblieben, war faul, unordentlich und genußsüchtig, und wenn
sie auch reichlich Thränen über sich und ihre Schicksale vergießen konnte,
die Thränen kamen nicht tief aus dem Herzen; bei einer Tasse Kaffee und
einem leichtfertigen Geschwätz war bald Alles vergessen. Klärchen war das
Ebenbild der Mutter, nur daß sie noch schöner und zugleich schlauer war,
und so der Welt und dem Verderben noch mehr Preiß gegeben.
Tante Rieke, auch Wittwe, und zwar die sehr wohlhabende Wittwe des seligen
Seifensiedermeisters Bendler, war ganz das Gegentheil der Schwester.
Sie war eine gottesfürchtige, achtbare, schlichte Bürgersfrau. Sie hatte
vergeblich ihren Einfluß auf Mutter und Tochter zu üben gesucht; sie
erlangte nur das eine, daß beide sich vor ihr scheuten und sich soviel als
möglich von der besten Seite zeigten; und das war freilich schlimmer, als
wenn sie sich in ihrer wahren Gestalt gezeigt hätten.
Nachdem Klärchen mit ihrer Mutter das mitgetheilte Zwiegespräch gehabt,
rüstete sie sich singend zu ihrem Sonntagsvergnügen. Die seidene Mantille
ward umgethan, und das Geld, das da herausgepoltert, in die Tasche
gesteckt. Darauf suchte sie aus einem Wust anderer Sachen ein gesticktes
baumwollenes Taschentuch hervor. Sie warf es wieder fort, denn ein langes
Ende abgerissener Spitze hing daran. Sie griff nach einem zweiten, da waren
einige Risse in der Mitte.
Die infamen baumwollenen Tücher halten für gar nichts! sagte sie ärgerlich.
Gieb her, Kind, ich hefte es gleich ein Bißchen zu! tröstete die Mutter,
fädelte eine Nadel ein und zog mit langen Stichen die Risse zu. Während
dessen suchte Klärchen aus einem Häufchen heller Glaceehandschuh das
leidlichste Paar heraus.
Wo in aller Welt nur immer die rechten Handschuh bleiben! klagte Klärchen
wieder. Linke habe ich wohl sechs, sieben, und rechte nur drei, und dumm
genug habe ich vergessen sie waschen zu lassen, sie sehen aus wie die
Mohren. Ach was! setzte sie entschlossen hinzu: ich hole ein Paar neue.
Sechs Groschen mehr oder weniger! Zu meinem himmelblauen Musselin-Kleide
gehören reine Handschuh.
Tante Rieke sagte am vergangenen Sonntag: Solltest lieber
waschlederne Handschuh tragen wie Gretchen. Denke mal an, die hat ihre
Confirmationshandschuh noch.
Wahrhaftig? staunte Klärchen; nein, das Mirakel muß ich meinen Freundinnen
erzählen, es sieht aber akkurat aus wie Gretchen Bendler. Zur Kirche und
höchstens zu einem ehrbaren Spaziergang in's Feld werden die Handschuh
angezogen, aber eine Hand hat Gretchen in den waschledernen wie ein Eisbär.
Nun gut, ein jeder sehe wie er's treibe, ein jeder sehe wo er bleibe, sagt
Göthe. Auch sind die Gaben der Menschen verschieden. -- Bei diesen Worten
hatte sie die himmelblaue Hutschleife zugebunden, das geflickte Taschentuch
geschickt über die schmutzigen Handschuh gelegt, und wollte nun mit einem
leichten Adieu zur Thür hinaus.
Warte, Klärchen! rief die Mutter, da kömmt Dein Hemd an der Schulter zum
Vorschein und gerade ein rechter Ratsch darin.
Stopf' es nur tief genug unter, sagte Klärchen gleichgültig, und nachdem
das geschehen, ging sie fort.
Alle Schneiderinnen, sagt man, sind unordentlich, weil sie immer mit
der Nadel für Andere beschäftigt, nie Zeit für ihre eigne Arbeit finden.
Klärchen war es aber nicht allein als Schneiderin, sondern noch dazu als
unordentliche Tochter einer unordentlichen Mutter, und als über ihren Stand
hinaus verwöhnte und verbildete Jungfrau. Daß die Kleider sechs Ellen weit
sein mußten und wo möglich den Staub auf der Straße kehren, war ihr von
höchster Wichtigkeit; auch durften die Manschetten nicht fehlen, Mantillen,
Kragen, gestickte Taschentücher und Unterröcke mit Frisuren. Ob ihr Hemd
zerrissen, war ihr gleichgültig, ja, außerordentlich gleichgültig! Das sah
ja Niemand. Unangenehmer war es schon, fehlte der Hacken im Strumpf, oder
die Sohle am Schuh, aber auch das machte ihr nicht großes Bedenken, es
wurde geschickt verborgen, die langen Kleider waren auch hier von Nutzen.
Mit der Muhme Gretchen hatte sie neulich erst einen derben Strauß gehabt;
denn war Gretchen auch nicht gebildet, so war sie doch gescheut und derb
und kurz angebunden. Sie sah den Unterrock mit den breiten Frisuren, und
sagte, das wäre ganz verrückt nun, gar an einem Unterrock den überflüssigen
Staat. Klärchen aber erklärte sachverständig, daß eine ordentliche Toilette
-- bei diesem Worte hob Gretchen etwas höhnend Klärchens Arm in die Höhe
und zeigte wie der Aermel halb aus den Nähten war; Klärchen fuhr nach
einer kurzen Entschuldigung aber ärgerlich fort: daß zu einer ordentlichen
Toilette solch ein Rock nothwendig sei, um die Kleider unten gehörig breit
zu erhalten. Besonders, fügte sie schnippisch hinzu, paßt das für schlanke
Leute; für Biertonnen ist's nun mal nicht nöthig. Gretchen wußte darauf
keine verblümte Antwort zu geben, sie sagte aber kurz: Schäme Dich was mit
Deinen Grobheiten, dafür setz' Dich hin und flicke und stopfe wo's Noth
thut, und verthu' Dein Geld nicht unnütz; mit den Frisuren am Rock lockst
Du keinen Hund aus dem Ofen, und ich sage Dir, Du wirst es noch mal
bitterlich bereuen, daß Du so eine Thörin warest. Du hältst es so sehr mit
der Welt, aber ich sage Dir, sie wird Dir noch mal ein X für ein U machen;
und Du denkst, da ist Dein Himmelreich, aber ich sage Dir, das ist wo
anders. -- Ach Gott! jetzt kriegt' es Klärchen mit dem Schreck, gewiß
wollte Gretchen mit ihrem Herrn und Heilande kommen, denn von dem sprach
sie, als ob die Sache ganz ihre Richtigkeit hätte. Gretchen war überhaupt
so sehr in der Zeit und Bildung zurück, sie kannte keine Romane, wußte
nichts von Eugen Sue, von der George Sand und von keinem Musen- und
Liebes-Almanach, kannte nur nothdürftig die Classiker ihres Vaterlandes dem
Namen nach, und auch darüber spottete Tante Rieke. Mutter und Tochter lasen
nur in der Bibel, in Andachtsbüchern, oder in andern Büchern, die ihnen vom
Pastor an der Stephans-Kirche zugestellt wurden. Der Pastor an derselben
war nämlich ein Erzpietist, der predigte nichts weiter als vom Heiland und
machte den Leuten Himmel und Hölle heiß. Klärchen aber, als sie merkte,
wo hinaus ihre Muhme jetzt wollte, schnitt das Gespräch ab und gab gütlich
nach. Sie wollte es doch mit Gretchen ebenso wenig als mit Tante Rieke
verderben, und beide hingen aneinander wie die Kletten. Klärchen dachte
hochmüthig: Ein jeder sehe wie er's treibe, und: Eines schickt sich nicht
für Alle. Gretchen ist nun mal ein hausbackenes Mädchen; sie mag sich
drum gern ihre Hemden selber spinnen, dunkelblaue Strümpfe, hohe lederne
Schnürschuhe und waschlederne Handschuh tragen, sie macht auch keine
Ansprüche für die Zukunft und gehört so recht in den Handwerkerstand
hinein. Dagegen Klärchen? Sie seufzt, -- ihr Herz schlägt gewaltig, -- was
wird aus ihr wohl werden? jedenfalls etwas ganz Besonderes. O süße Zukunft:
lachende Kleider, lachende Gesichter, Liebe, Lust und Wonne! Jetzt zog sie
zur Frau Generalin: Da kam sie in feine Kreise, vornehme Personen gehen aus
und ein, es ist so manches in der Welt passirt, es kann auch passiren, daß
sie ihr Glück macht. Es kann? nein, es muß, es wird, sie hat eine selige
Ahnung davon in ihrem Herzen. Die nächste Seligkeit, die zu erringen, ist
ein seidenes Kleid, eine Brosche, ein unächter Shawl und ein Sammethut --
dann aber kann es ihr ganz gewiß nicht fehlen; dann kommen die wunderbaren
Begebenheiten! Und sie, die einem solchen Geschicke entgegen geht, sollte
sich mit stopfen und flicken abgeben? ein jeder begreift die Richtigkeit,
nur das hausbackene Gretchen nicht. Aber Gretchen ist nicht nur hausbacken,
sie ist auch ungebildet, denn sie glaubt an einen Herrn und Heiland, und
sagt, sie könne keine Stunde ohne ihn leben. Armes Gretchen! Klärchen hat
den Heiland nicht nöthig, sie wüßte wahrlich in aller Welt nicht, wozu sie
ihn nöthig hätte. Die Tante Rieke sagt zwar, er müßte uns von unserer Sünde
erlösen, und wir gingen ohne ihn in Nacht, in Wüsten, in Unverstand und wie
sie weiter sagt; aber das konnte Klärchen nicht fassen, sie wußte nichts
von Sünde, von Nacht und Dunkelheit und gar von Unverstand. Eine Christin
wollte sie auch sein; sie hatte, was nöthig war, gelernt, aber wozu, das
sah sie noch nicht ein, es hatte sich noch keine Gelegenheit gefunden,
um Gebrauch davon zu machen. Nur vom Einfachsten und Verständlichsten zu
reden, von den zehn Geboten, wozu war das siebente für sie da: »Du sollst
nicht stehlen?« Es fiel ihr gar nicht ein. Oder: »Du sollst nicht andere
Götter haben neben mir?« Sie war doch keine Heidin, die an Jupiter und Mars
glaubte. Oder: »Du sollst Vater und Mutter ehren?« Ei, sie that mehr als
ihre Pflicht: Tag und Nacht so zu sagen quälte sie sich, um ihre Mutter zu
ernähren. Nein, sie hatte gar Nichts an sich auszusetzen; um sie herum war
Alles licht und helle und sie brauchte keinen Erlöser. An den lieben
Gott glaubte sie wohl, sie verließ sich zwar nicht auf ihn, als ob er ihr
Schicksal leiten und lenken könne, -- das verlangte sie gar nicht, sie
wollte das allein thun; sie war schön und jung und klug und gebildet, ihr
Glück verstand sich von selbst. Nur zuweilen kam es wie Furcht über sie.
Vor nicht langer Zeit waren die schwarzen Pocken in ihrer Straße, ein
großer Schreck fuhr in ihre Glieder, sie ließ sich aber schnell impfen und
meinte nun wieder ruhig sein zu können. Als bald darauf die Cholera kam und
in ihrer Nähe Jung und Alt dahinraffte, da ging das Bangen wieder an.
So gut wie die sterben, kannst Du auch sterben, -- das sah sie ein, und
sterben war ein schrecklicher Gedanke. Was wird dann aus ihr? ja was? Tante
Rieke unterließ es nicht, in der Zeit vom Sterben zu reden und von der
Strafe und vom ewigen Verderben. Klärchen hörte solche Worte nicht gern,
sie ward bänger und bänger, und war doch wieder wie gebannt zu lauschen.
Sie konnt' es nicht fassen, daß die Tante und Gretchen so ruhig waren
und vom Tode redeten als von gar nichts Fürchterlichem; denn wenn sie des
Nachts aufwachte und so allein mit ihren Gedanken war, da befiel sie oft
eine Angst, daß ihre Glieder bebten. Ob du wohl sterben mußt? dachte sie.
Und was dann? Aber Gott sei Dank, die Zeit war vorüber, das Leben wieder
rosenroth, Klärchen dachte nicht mehr an Tod und Gericht, und wenn die
Tante jetzt von solchen Dingen redete, da hörte sie mit offenen Ohren
nicht, sie senkte den Kopf auf die Arbeit, und ihre Gedanken gingen mit
ihren tollsten Fantasien durch.
Als sie heut das Stübchen ihrer Mutter verlassen, ging sie einige Häuser
weiter um eine Freundin abzuholen. Sie klopfte an ein niedriges Fenster
parterre. Der Briefträger Vogler trank eben Kaffee und las die Zeitung
dazu. Als er Klärchen sah, machte er das Fenster auf.
Nun Ihr Jüngferchens -- wieder schwitisiren? sagte er spaßend.
Ei ja, ist man doch nur einmal jung! entgegnete Klärchen lustig.
Ja ihr Schelme! versetzte Vogler, ich wollte auch, ich wäre noch jung.
Ach, Sie sind ein Mann in Ihren besten Jahren, sagte Klärchen schmeichelnd.
Ich denke es auch manchmal; aber wenn ich denn meine Alte ansehe, wird
mir schwarz vor den Augen, lachte Vogler und sah nach seiner Frau, die ihm
gegenüber blaß und elend im Lehnstuhl saß.
Wenn ich todt bin, heirathest Du wieder, entgegnete diese bitter und holte
dann schwerfällig Athem.
Und so lange Du lebst, lasse ich Dich keifen, fügte Vogler wieder scherzend
hinzu.
Wie ungebildet sind diese Leute, dachte Klärchen; wie kann ein Mann
die Frau so roh behandeln! So aber hat es der Vater mit der Mutter auch
gemacht. Aber ich, ich werde es einst anders haben, ich nehme mir einen
vornehmen Mann, -- und nun hinaus in den lachenden Kaffeegarten!
Auguste Vogler hatte sich während der Zeit fertig gemacht und ging nun
etwas schwerfällig neben der leichtfüßigen Freundin her. Auguste war weder
schön, noch klug, noch fein; sie hatte das plumpe rothe Gesicht ihres
Vaters, grobe Manieren und sprach dabei unglaublich albern. Aber das war
gerade eine Freundin für Klärchen. Sie war fügsam und folgsam, durchschaute
nicht ihre Intriguen, war ganz zufrieden mit der Nebenrolle, und hatte
dabei immer als verzogenes Kind ihres Vaters die Börse voll Geld.
Beide Mädchen verließen die Stadt und gingen auf der Chaussee entlang dem
Orte ihres Vergnügens zu. Klärchen bemerkte, daß sie ein Gegenstand der
Aufmerksamkeit für Vorübergehende war: aber die Leute waren ihr noch nicht
die rechten, es waren meistens Gesellen, oder Soldaten, oder höchstens
ein Handlungsdiener; sie gedachte höher hinaus. Bald kam ihnen eine Reihe
Studenten entgegen, mitten darunter eine orangegelbe Mütze. Das war der
rechte; sie nahm ihr ganzes Wesen zusammen und erwiederte den Gruß mit
vieler Holdseligkeit. Auguste machte bald die Entdeckung, daß die Studenten
umgekehrt waren und ihnen auf dem Fuße folgten. Klärchen zweifelte nicht,
daß es um ihretwillen war, und Auguste gönnte der Freundin den Triumph; sie
war zufrieden, an der augenblicklichen Lust theilnehmen zu können; feine
Pläne für die Zukunft machte sie nicht. Nach einigen Minuten kam ihnen
wieder ein junger Mann entgegen, der sie grüßte, aber sehr bescheidentlich
mit nur halb hingewandten Augen. Wer war das nur? fragte Klärchen.
Ei das war ja Fritze Buchstein, der ist seit vorgestern aus der Fremde
zurück, den mußt Du doch kennen, er wohnt ja neben Tante Rieke.
Daß es ein Geselle war, sah ich an seinen großen rothen Händen, lachte
Klärchen, sonst ist's aber ein hübscher Mensch.
Aber in die Stephans-Kirche zu dem Pietisten geht er auch, ich habe ihn
selbst heute Morgen herauskommen sehen.
Na, Tante Rieke, freue Dich! sagte Klärchen, das paßt ja wie die Butter
aufs Brod, der nimmt die Grete, das ist klipp und klar. Eine Angst hatten
sie immer, er möchte auf der Wanderschaft seinem Glauben untreu werden, und
wenn er dann einen salbungsvollen Brief geschrieben, kam der alte Buchstein
mit der großen Brille und er wurde gemeinschaftlich mit Thränen und Seufzen
genossen. Nun, ich gönne ihr den Burschen, obgleich er eigentlich zu
hübsch für die Grete ist; die müßte so was Kurzes, Handfestes haben, denn
Schönheit hält sie mehr für ein Uebel als ein Glück, =nota bene= weil sie
selber nicht schön ist.
Die Mädchen traten jetzt in den Garten. An einem Tisch fanden sie schon
eine Bekannte, eine von den bescheidenen Putzmacherinnen, die in die Häuser
der Damen gehen und Hüte und Hauben in Ordnung bringen, -- und sie setzten
sich zu ihr. Die Studenten nahmen einen Tisch ganz in ihrer Nähe, wurden
beim bairischen Bier bald sehr laut, und begannen Blicke und Späße herüber
zu senden. Doch der Orangegelbe blieb nicht dabei, er machte es sich
bequemer und siedelte ganz und gar zu den Mädchen über. Klärchen wunderte
sich nicht darüber, sie hatte schon längst mit ihm auf der Straße
koquettirt, sie wußte auch, daß er in einem Hause mit der Frau Generalin,
ihrer künftigen Herrin, wohnte, und er war eigentlich die heimliche
Veranlassung zu ihrem Entschlusse, sich zu vermiethen, gewesen. Er war ein
Mediziner und dazu ein Student von Bedeutung. Er hatte gute Wechsel, hielt
sich einen großen Neufundländer Hund, ritt spaziren, oder fuhr auch seine
Freunde in einem Zweispänner. Er war Senior seiner Verbindung und überall
zu finden, wo es lustig herging, oder wo Spektakel war. Seine Gestalt
war groß und klobig, sein gelbes Haar hing schlicht an dem rothen Gesicht
herunter, das breit und platt einen gewaltig rohen Ausdruck hatte. So wie
seine Gestalt war auch sein Wesen und waren seine Reden. Er saß jetzt den
Mädchen gegenüber; beide Ellenbogen auf den Tisch gestützt, die blauen
Dampfwolken aus seiner Cigarre blasend, machte er höchst unmanierliche
Späße. Klärchen fand das nicht roh, nein, weil er reich und aus angesehener
Familie war (sein Vater war Präsident), fand sie es nur pikant, und hielt
sich nicht für zu gut, ihn zu amüsiren. Sie ward immer lebendiger und
liebenswürdiger, und es war unverkennbar, daß ihre Schönheit auf ihn
Eindruck machte, und sie in seinen Augen höher stieg, denn er nahm die
Ellenbogen von dem Tisch und nahm sich in Wort und Wesen mehr zusammen. Für
Klärchen war das ein neuer Triumph und die beiden Freundinnen bemerkten es
mit Verwunderung. Die Putzmacherin kannte den Studenten längst, sie ging
bei der Generalin aus und ein, und das war Gelegenheit genug, um eine
Studenten-Bekanntschaft zu machen. Sie hätte ihm ihr leichtsinniges Herz
gern selbst zu Füßen gelegt und beneidete jetzt die Gefährtin um diese
bedeutende Eroberung, und Klärchen ward immer stolzer und glücklicher. Nur
eines störte sie. Ihr gerade gegenüber in einer einsamen Laube saß Fritz
Buchstein. Ja, unbegreiflicher Weise war er auch umgekehrt und ihnen in den
Kaffeegarten gefolgt. Ob das wohl um ihretwillen war? Sie erinnerte sich
aus ihrer Jugend, daß, wenn sie mit Greten in seine Tischlerwerkstatt kam,
um Spielsachen zurecht zu leimen, er immer die ihrigen zuerst gemacht
hatte und Grete oft darüber böse gewesen war. Also: damals hatte er sie
bevorzugt, heute war er erstaunt über ihre Schönheit, -- so kalkulirte
sie, -- und war ihr hierher gefolgt. Obgleich ihre Eitelkeit nicht ganz
ungerührt von diesem Gedankengange blieb, so war ihr diesmal die Eroberung
doch unangenehm. Erstens war er nicht der Aufmerksamkeit werth, und ihr
Herz würde sich nie zu einem so gewöhnlichen Menschen herablassen; und dann
fürchtete sie, wenn er einmal ihren Schritten folgte, er möchte den Spion
spielen und die Tante Rieke davon benachrichtigen. Sie hatte sich so viel
als möglich so gesetzt, daß er ihr nicht in das Gesicht sehen konnte: aber
wenn sie unwillkürlich hinsah, begegnete sie jedesmal demselben bekümmerten
und theilnehmenden Blicke, der ihr wie ein Stich durch das Herz ging.
Es ist unausstehlich! rief sie endlich und wandte sich heftig nach der
anderen Seite. Der Student und die Freundinnen sahen sie verwundert an, und
sie erklärte die Ursache ihres Aergers.
Der Mediziner lachte. Er fand es von dem Burschen ganz natürlich, einem
hübschen Mädchen in das Gesicht sehen zu wollen, pflanzte aber darauf seine
breite Gestalt so dazwischen, daß Klärchen vor den lästigen Blicken sicher
war; und kurze Zeit darauf bemerkte Auguste, daß Fritz fortgegangen war.
Jetzt fühlte sich Klärchen freier, und das Vergnügen ward immer lebhafter.
Die Tanzmusik lockte, Alle gingen in den Saal, um in dem wilden Getümmel
sich zu erhitzen und zu betäuben.
* * * * *
Fritz Buchstein hatte auf seinem Spaziergange in dem schönen Mädchen das
kleine Klärchen Krauter wieder erkannt, und die schönsten und süßesten
Jugenderinnerungen gingen an seiner Seele vorüber. Jetzt noch dachte er
mit inniger Bewegung daran, wie sie damals zu ihm in die Werkstatt kam,
um irgend eine Kleinigkeit machen zu lassen, und wie es ihm, dem
achtzehnjährigen Jüngling, ganz wunderbar ward, wenn er dem zwölfjährigen
Mädchen in die dunkelblauen Augen sah. Er wollte es sich selbst nicht
gestehen, aber es war seine erste Jugendliebe. Ihr Bild begleitete ihn auf
der Wanderschaft, er schloß sie in sein Abend- und Morgengebet: der Herr
möchte dies Blümlein schön und rein bewahren, es behüten vor dem Schmutze
der Welt. Ob dies Blümlein einst für ihn blühen werde? das stand in Gottes
Hand. Sein Herz war gesund, er hatte auch nicht Romane gelesen und hing
nicht mit kränklicher Sehnsucht an seiner Liebe; frisch und fröhlich ging
er durch die schöne Gottes-Welt, er sah Berge und Thäler und Flüsse und
Fluren, manch große Stadt, manch lieblich Dörflein, schöne Kirchen und
Schlösser und Burgen, schöne Bilder und Kunstwerke, und Alles nahm er
mit Aufmerksamkeit in sich auf. Das war eine schöne Wanderung, die nicht
getrübt wurde durch ungesunde Glieder, durch ein böses Gewissen, durch
Armuth und Noth. Er hatte das Gelübde gethan, nie einen Schluck Brantwein
zu trinken, hatte es mit Gottes Gnade und der Liebe seines Heilandes
gehalten. Das bewahrte ihn vor manchem Elend und manchem Unheil des
Wanderlebens. Es führte ihn nie dahin, wo wilde Gelage und Raufereien
waren, er suchte nie seine Freunde unter dergleichen Gesellen; so blieb er
an Leib und Seele rein, hatte auch immer Geld im Beutel, denn weil er ein
braver Geselle war, fand er auch immer gute Meister. Und auch Freunde fand
er, die mit ihm dieselbe Straße zogen, die mit ihm den Herrn lieb hatten;
selten verließ er eine Stadt, daß er nicht mit Wehmuth darauf zurück sah,
weil er Freunde für sein Herz und seine Fürbitte darin gewonnen. Und kam er
zu Leuten, die ihn nicht verstanden, die seiner spotteten, ihn zu verführen
suchten, so waren auch das heilsame Tage für ihn, Tage des Kummers und der
Prüfung, in denen er noch mehr die Nähe des Trösters, seine Liebe und Gnade
fühlte. So ward seine Seele immer fester, seine Erfahrung immer reicher,
seine Hände immer geschickter. Und wie war es mit seinem Herzen? Das durfte
sich auch zuweilen regen. Wenn er an einem schönen Sommerabend auf der Höhe
am Rand des Waldes saß, die Sonne legte ihr Gold über die Gegend hin, Duft
zog über Städte und Dörfer, die Abendluft wehte weich in den Zweigen und
in den Blumen rund um, am Grasrain dort zog der Schäfer langsam mit der
Heerde, und die Schwalben hoch oben am lichtblauen Himmel: -- da ward es
ihm so wunderbar sehnsuchtsvoll zu Sinne, und durch Abendgold und Duft
und Schönheit und Stille schauten ihn die dunkelblauen Augen des kleinen
Mädchens aus der Heimath an. So hatte er noch ganz kürzlich vor einer Höhe
am Thüringer Walde gesessen; jetzt war er ja seiner Heimath so nahe, jetzt
war aus dem Jüngling ein Mann geworden und er durfte an eine Gestaltung
seiner Zukunft denken. Sein Vater war alt, seit vergangenem Winter plagte
ihn dazu ein Brustübel, er konnte dem Handwerk nicht mehr vorstehen, es
fehlte an allen Enden, und Fritz mußte des Vaters dringenden Aufforderungen
zur Rückkehr folgen. Er that es auch gern, er war nun 25 Jahr alt, nach
dem langen Umherwandern und heimathlosen Leben sollte es ihm zu Hause
wohl behagen. Er sollte nun Meister werden und dem Haus, dem Acker und der
Kundschaft allein vorstehen. Dazu gehörte auch nothwendig eine Hausfrau,
und _der_ Gedanke war es, der ihm besonders an das Herz ging. Und als er
sich diese Hausfrau dachte, so war sie schlank, mit lichtbraunem Haar und
dunkelblauen Augen. Mit so schönen Ahnungen verließ er den Thüringer Wald
und wanderte einige Tage später durch die Thore seiner Vaterstadt. Es war
spät des Sonnabends Abends; sein Vater saß schwach und krank im Lehnstuhl,
aber Dank- und Freudenthränen glänzten in seinen Augen, als der Sohn nach
so langer Abwesenheit wieder in die Thür trat, und Fritz mußte ihm am
selbigen Abend noch das Buch Hiob und den 136. Psalm vorlesen.
Der alte Vater war trotz der Brustschwäche sehr gesprächig, und in seiner
Gesprächigkeit konnte er es nicht lassen, von seiner und der Frau Bendler
liebsten Hoffnung zu reden, nämlich daß Gretchen möchte hier im Haus Frau
Meisterin werden. Frau Bendler hatte Gretchen ganz und gar adoptirt, und
mit Ausnahme einiger Legate sollte sie einst ihre alleinige Erbin sein.
Fritz ward es gar eng um das Herz als er das hörte, und hatte er schon
vorher wenig Muth gehabt, nach Klärchen Krauter zu fragen, so wagte er es
jetzt gar nicht. Am Sonntag nun sollte er hinüber zur Frau Nachbarin gehen,
aber er bat den Vater, gar nicht von der Sache zu reden, da er nicht wisse,
wie er dem Gretchen gefallen möchte. Der Vater schmunzelte. Das sei nicht
gefährlich, meinte er, Gretchen habe bei seinen Briefen die schönsten
Thränen geweint. Fritz schmunzelte nicht, sein Herz ward immer schwerer;
denn wenn Gretchen auch ein braves Mädchen war, so hatte sie doch nicht
dunkelblaue Augen, war nicht seine Jugendliebe, und hatte ihn nicht auf
seiner ganzen Wanderschaft begleitet. Als er am Sonntag Morgen aus der
Kirche kam und unter den Kirchgängern Frau Bendler in Begleitung einer
jugendlichen Gestalt erkannte, konnte er sie unmöglich anreden; er schlich
sich von der Seite, er hatte dem Vater auch nur versprochen, gegen Abend
seine Bekanntschaft drüben zu erneuern. Am Nachmittag aber trieb ihn seine
Unruhe und Sehnsucht vor Klärchens Fenster vorüber. Er konnte sie nicht
entdecken, nur ihre Mutter saß am Fenster, und zum Glück schaute sie nicht
auf, sonst hätte sie wohl seine Gedanken auf seiner Stirn lesen müssen. Er
ging zum Thore hinaus, und kehrte, nachdem er eine Strecke auf der Chaussee
entlang gegangen war, wieder um. Da kam ihm die Ersehnte wirklich entgegen.
Es war ja noch dasselbe Kindergesicht, nur die Gestalt war aufgeschossen
und hatte sich jungfräulich entfaltet. Er grüßte sie und sein Herz schlug
vor Glück, aber nur wenige Augenblicke. Er sah die Schaar Studenten hinter
ihr umkehren, er hörte ihre Witze und sah sie den Mädchen nachfolgen. Es
würde ihm nie eingefallen sein, ebenfalls umzukehren; aber Spannung und
Zorn trieben ihn. Im Nothfall wollte er die Mädchen schützen, er ahnete
nicht, daß sie durch das Nachfolgen der Studenten mehr erfreut als
geängstigt würden. Doch bald sollte er sich von der Wahrheit überzeugen.
Er saß ihnen gegenüber und beobachtete der Mädchen leichtfertiges Spiel.
Klärchen spielte die Hauptrolle dabei, bis sie ihn endlich durch ihre
verächtlichen und erzürnten Blicke forttrieb. Mit welchen Gefühlen ging er
nun nach Hause! Das Geschehene zerstörte zu hart seines Herzens Pläne.
Die Freude an der Heimath, an der Meisterschaft, an Haus und Hof war
zertrümmert; er hätte am liebsten den Wanderstab wieder in die Hand
genommen. In dieser Stimmung konnte er unmöglich zu Frau Bendler gehen,
nicht einmal in die Stube zum Vater; er ging leise an dem Dienstmädchen,
die feiernd in der Hausthür saß, vorüber nach dem Garten und setzte sich
in die Weinlaube an der Scheunenwand. Der Nachbarsgarten, der nur durch ein
Stacket getrennt, war leer. Das war ihm gerade recht, und ungestört konnte
er seinen Gedanken nachhängen. Wie war die Welt heut ganz anders als
gestern! Die verwilderten Rosen und Goldveiglein hatten ihn gestern
so traulich und heimlich angesehen, er hatte dabei gedacht: wenn erst
Frauenhände hier walten, werdet ihr noch schöner blühen. Die düstere
Weinlaube erschien ihm gar nicht düster, er dachte: bald wirst du nicht
mehr allein hier sitzen. Heut war ihm Alles wüst und leer, und es lag ihm
auch gar nichts daran, daß es anders sei. Er schaute durch die Weinranken
hindurch zum blauen Himmel hinauf. Lieber himmlischer Vater, es wird ja
wieder anders werden; jetzt aber erscheint das Kreuz meinem jungen Herzen
schwer, und nun bitte ich Dich doch wieder und immer wieder: erlöse sie vom
Uebel; wenn ich sie auch für mich aufgeben muß, laß Du sie nicht. Aufgeben?
ja das ist wohl schwer, und daß es ihm so schwer ward, ward ihm auch zum
Trost, denn wenn es seinem schwachen, menschlichen Herzen so schwer ward,
mußte es ja dem Erlöser droben noch schwerer werden, eine geliebte
Seele aufzugeben; und je tiefer er in den blauen Himmel schaute, je
zuversichtlicher ward es ihm, und sein Schmerz lösete sich in feuchten
Augen auf. Da hörte er plötzlich eine Stimme im Nachbarsgarten singen;
hell und lieblich, und doch weich und wehmüthig drangen die Töne, und ganz
deutlich die Worte zu ihm herüber:
Will ich nicht, so muß ich weinen,
Wenn ich mir es recht betracht,
Weil verlassen mich die Meinen,
G'nommen eine gute Nacht.
Ach, wo ist mein Vater und Mutter?
Ach, sie liegen schon im Grab.
Ach, wo sind mein' Brüder und Schwestern?
Keinen Freund ich nirgends hab.
O, mein allerliebster Jesu,
Schau mich armes Waislein an,
Du bist ja mein liebster Vater,
Sonst mir Niemand helfen kann.
Weil mein' Eltern sein gestorben,
Leben nicht auf dieser Welt,
So hab ich Dich, liebster Jesu,
Für mein'n Vater auserwählt.
Fritz lugte durch die Weinblätter hindurch und sah drüben auf dem alten
schrägen Birnbaum Gretchen sitzen. Es war ihm, als ob er nur geträumt hätte
von Wandern und Fortsein; als ob er wieder achtzehn Jahr, und Gretchen
ein Kind sei. Damals war der alte Birnbaum den lieben Sommer über fast ihr
alleiniger Wohnsitz. Des Nachmittags ging sie mit dem Strickzeug hinauf,
und jedesmal wenn sie eine Tour herum gestrickt, rief sie es dem alten
Benjamin zu. Benjamin aber war ein Flickschuster, der schon fast dreißig
Jahr bei Buchsteins im Hinterhäuschen über der Werkstatt wohnte. Er war der
Kinderfreund der Nachbarschaft, und Gretchen war sein besonderer Liebling.
Für sie war ihm keine Mühe zu groß, und jedesmal, wenn sie ihm die Tour
zurief, machte er einen Kreidestrich auf eine schwarze Tafel, und immer
zählte er, wie viel noch fehlten an der Zahl; und wenn es so weit war, rief
er: nun Gretchen mach Schicht! Gretchen wand sich dann an einem Bindfaden
ein Körbchen mit dem Vesperbrod in die Höhe und meinte, da oben stricke und
esse es sich besser. Benjamin legte auch den Pfriemen für ein Weilchen aus
der Hand, schaute zum Fenster hinaus, sein Staarmatz schnarrte »Gretchen,
so recht, so recht,« und sein Dompfaffe sang »Lobe den Herrn o meine
Seele«. Wenn dann Gretchens Kinderstimme einfiel, sagte Benjamin:
»Gretchen, so recht,« und der Staarmatz schnarrte: »Gretchen, so recht.«
Auch jetzt sah Benjamins weißer Kopf zum Fenster hinaus; der Staarmatz
aber rief: »Jungfer Gretchen,« und Fritz ward dadurch erinnert, daß es doch
andere Zeiten seien.
Ei Gretchen, sagte Benjamin, Du singst einem heut ordentlich das Herze
weich; was ist Dir denn?
Wenn ich wußte, daß Du heim warst, hätte ich nicht gesungen, sagte
Gretchen; ich glaubte, ich wäre ganz allein hier in der Welt. Jetzt komm
aber herüber und bring die große Bilderbibel mit, ich weiß nicht recht, was
ich so mutterseelen allein mit dem Sonntag-Nachmittag beginnen soll.
Gretchen war nämlich von ihrer Pflegemutter, die einige Krankenbesuche
machen wollte, als sie Nachmittags aus der Kirche kamen, allein nach Hause
geschickt; und weil sich Gretchen eigentlich gefreut hatte, zu verwandten
Gärtnersleuten vor dem Thor zu gehen, so war ihr das zu Hause bleiben gar
nicht recht. In der Stube war es ihr einsam, sie nahm mancherlei in die
Hand, ein Buch, ein Arbeitszeug, -- nichts behagte ihr. Der Nachmittag
wollte nicht kürzer werden, und sie begriff nicht, warum sie so unruhig
war. Sollte es sein, weil Fritz Buchstein sich zum Abend angemeldet hat?
Sie ward feuerroth bei dem Gedanken. Warum aber sollte sie sich freuen ihn
wieder zu sehen? sie war wenigstens begierig zu sehen was aus ihm geworden,
und ob er so aussähe wie sie sich ihn nach seinen Briefen gedacht. Sie ging
in den Garten. Bei Buchsteins war alles still, und ungestört ging sie in
dem geraden Stachelbeerwege auf und ab. Hinter den Büschen hatte sie
als Kind mit Luischen Buchstein und anderen Freundinnen Schaf und Wolf
gespielt; Luischen Buchstein war todt, die anderen Freundinnen zerstreut,
und sie mußte zum Sonntag-Nachmittag so allein hier wandeln. Auf der Bank
unter dem alten Birnenbaume hatte sie auch oft vergnügt gesessen, noch
lieber aber oben auf dem Baum: da konnte sie doch ein Bischen weiter in
die Welt schauen, in die Nachbarsgärten, einem Böttcher auf den Hof, dem
Benjamin in die Stube. Nach der andern Seite hin war der Garten zwar durch
eine hohe Mauer begränzt, aber sie sah doch die blühenden Flieder- und
Goldregen-Wipfel, auch zuweilen die weiße Spitzenhaube der Frau Stadträthin
und die bebänderten Strohhüte der Fräulein. Gretchen konnte nicht
widerstehen; sie stieg auf den Baum. Heut war aber gar nichts zu sehen,
an den Goldregen hing trockner Samen, die Fliederbüsche sahen dunkel und
glanzlos aus, weder Haube noch Strohhüte ließen sich sehen, Stadtraths
waren in ein Bad und die Fräulein längst verheirathet. In den anderen
Nachbarsgärten war es auch still, nicht einmal Benjamin war am Fenster. Da
ward es dem Gretchen immer enger um das Herz, immer sehnsüchtiger schaute
sie zum Himmel hinauf. So ists. Wenn der Herr uns die Welt einsam und öde
macht, so zieht er uns desto mächtiger zum Himmel hinauf. Und der Himmel
war heute so licht, die Wolken daran von der sinkenden Sonne mit Gold
umsäumt. Gretchen schaute, wie sie über den dunkelen Dächern am blauen
Himmel langsam hinzogen und im Ziehen Gestalt und Farbe wechselten. Da zog
ein Schwan, bald eine Rose, ein Schloß, bald Engelsflügel, bald gar eines
Engels Angesicht. Sie dachte an ihre Eltern, an ihre Brüderlein, deren
sie sich noch ganz leise aus frühester Jugend erinnern konnte, und mit
sehnsuchtsvollem Herzen sang sie das Lied, das Benjamin an das Fenster
lockte.
Benjamin kam mit der großen Bilderbibel herunter, schwang sich unten an der
Scheuer und am alten Hollunderstamm noch ganz rüstig über das Stacket, und
war nun in Bendlers Garten. Da trat Fritz aus der Laube, er wollte nicht
schuldiger Weise den Horcher spielen. Gretchen erschrak, denn er hatte sie
ja auf dem Baume gesehen und hatte sie singen hören; er aber reichte ihr
freundlich die Hand über das Stacket hinüber. Das war nun Gretchen mit dem
blonden Haar, den Sommerflecken, den runden braunen Augen und dem runden
rothen Mund. Sie war nicht groß nicht klein, nicht schlank nicht stark, und
stand mit dem braunen Kattunkleide und weißen Kragenstrich gar sittig vor
ihm. Er sprach einige verlegene Worte des Willkommens, sie merkte seine
Verlegenheit nicht, sie hörte kaum, was er sagte, so gewaltig schlug ihr
Herz, aber einsam kam ihr die Welt nicht mehr vor; und als er fragte, ob er
auch hinüber kommen dürfe, nickte sie ein freundliches Ja und machte einen
höflichen Knix.
Aber nicht den Weg, den ich gekommen bin, scherzte Benjamin; jungen
Burschen muß man solche Schliche nicht zeigen. Du gehst in die Hausthür,
wie es sich gehört.
Fritz hatte gar nicht daran gedacht; denn wenn er auch ganz stattlich
in der schwarzseidenen Weste, dem seidenen Halstuch und dem Sonntagsrock
aussah, so hatte er doch die Mütze und die Handschuh im Hause liegen, und
überhaupt mußte der erste Besuch etwas feierlich gemacht werden. Er kam
aber nicht so bald als Gretchen gehofft hatte; sie hatte schon einen großen
Theil der Bilderbibel mit Benjamin durchgesehen, als es an der Hausthür
klopfte. Sie ging zu öffnen und fand außer Fritz auch noch die Mutter vor
der Thür. Diese war beiden jungen Leuten sehr erwünscht. Gretchen hätte gar
nicht gewußt wie sie als Wirthin thun sollte, und Fritz mochte mit seinem
schweren Herzen dem Gretchen am wenigsten allein gegenüber sein. Frau
Bendler übernahm nun das Sprecheramt, aber auch das Frageamt, und Fritz
mußte wohl oder übel gesprächig werden. Daß es ihm schwer ward, merkte Frau
Bendler nicht, wohl aber Gretchen. Der tiefe Ausdruck der Trauer, der ihm
zuweilen unbewußt über die Züge glitt, ging ihr wie ein Schwert durch das
Herz. Was mag er nur haben? ist er traurig, wieder daheim zu sein? zieht
es ihn zurück in die Ferne? Wenn er nur nicht unglücklich ist! dachte sie
bange, und wie mag es zugehen, da doch sein letzter Brief so fröhlich war?
Als sie spät am Abend allein in ihrem Kämmerlein war, schaute sie hinauf
zu den Sternen mit gefalteten Händen; hinein in ihr Abendgebet mischte sich
Fritzens trauriges Gesicht, und sie empfahl es Dem, der da Freud und Leid
auf die Herzen der Menschen legt.
* * * * *
Die Frau Generalin von Trautstein saß mit einer jüngeren Dame in eifrigem
Gespräch.
Ich versichere Sie, sagte die jüngere, das Mädchen passt ganz besonders für
Sie, und ich kann sie Ihnen mit vollem Herzen empfehlen. Seit zwei Jahren
näht sie mir alle Kindersachen und sie ist wirklich die Liebe des ganzen
Hauses, immer freundlich, gefällig, sehr gewandt und fleißig, und aus
einer sehr rechtlichen Familie. Ihre Tante ist die Frau Bendler, die dem
Wöchnerinnenverein an der Spitze steht, eine außerordentlich geachtete
Frau. Von der ist Klärchen eigentlich erzogen, die hat sie auch das
Schneidern lehren lassen, denn Klärchens Mutter ist kränklich.
Warum will sie sich aber vermiethen? fragte die Generalin.
Um einmal unter andern Leuten zu sein, war die Antwort. Ich finde es recht
vernünftig. Die Mutter nämlich soll das Mädchen sehr beherrschen und
ihr jeden Groschen aus dem Beutel nehmen. Sie deutete es mir neulich mit
Thränen an, daß sie sehr schlecht mit der Wäsche bestellt sei, weil sie
dazu kein Geld habe erübrigen können und nur immer froh gewesen sei, der
Kundschaft wegen für das Aeußere zu sorgen.
Das sind eben meine Bedenken. Die Mutter soll unordentlich sein und gern
jeden Groschen durch den Mund spediren; zweitens ist das Mädchen zu
jung und wird mir auch wahrscheinlich zu hübsch sein, -- entgegnete die
Generalin.
Die Jüngere lachte. Gerade darum wünsche ich sie Ihnen, weil sie so
liebreizend ist. Bei jedem Unwohlsein wird sie Ihnen die angenehmste
Gesellschaft sein; sie kann Ihnen vorlesen, denn sie spricht sehr hübsch;
aber vor allen Dingen -- Sie müssen sie sehen, theuerste Frau!
Die Sprecherin war die Lieutenant von Reisen, Klärchens besondere Gönnerin.
Sie suchte ihr jetzt den Dienst bei der Generalin zu verschaffen und hatte
Klärchen deßhalb hinbestellt; vorher aber bemühte sie sich sie in das beste
Licht zu stellen. Es währte nicht lange, so wurde Klärchen gemeldet. Sehr
nett angezogen, zugleich aber sehr bescheiden und anspruchslos stand sie
vor den Damen. Die Generalin war wirklich erstaunt über die Schönheit
des Mädchens, aber die Anmuth in Worten und Wesen machte jedes Bedenken
verstummen -- und sie schloß den Miethsvertrag. Vierzig Thaler Gehalt, ein
Louisd'or zu Weihnachten, außerdem Geschenke, das war für Klärchen sehr
erfreulich. Aber nicht allein das: der ganze Haushalt der Frau Generalin
entzückte sie, ja so sehr, daß der Mediziner fast darüber vergessen
ward. Die großen Zimmer, prächtigen Teppiche und Meubeln, Equipage und
Dienerschaft, so etwas fand man nicht oft beisammen. In diesem Haus war sie
als Kammerjungfer engagirt, so zu sagen als Kammerjungfer, denn eigentlich
-- redete sie sich vor -- sollte sie doch Gesellschafterin der Dame sein,
sie sollte ihr des Abends vorlesen und in traulichen Zirkeln den Thee
serviren. Sie unterließ auch nicht, ihren Bekanntinnen die Sache so
vorzustellen. Als sie zu Tante Rieke kam, machte die ein ernsthaftes
Gesicht. Du hast nun meinen Wunsch erfüllt und Dich vermiethet, sagte sie,
der Herr mag Dir Kraft zu Deinem neuen Berufe geben, den Du Dir nicht zu
leicht denken mußt. -- Klärchen, die voll der schönsten Hoffnungen und sehr
guter Laune war, versprach alles Mögliche, und die Tante war zu gutmüthig,
um das nicht glauben zu müssen. Auf die Fragen über den Zustand ihrer
Wäsche, hatte sie geschickte Antworten; sie hätte unmöglich die Wahrheit
sagen können, und ihre Angst war schon längst gewesen, die Tante möchte
sich einmal selbst davon überzeugen wollen. Für das Nöthigste sei gesorgt,
sagte sie, und sie freue sich, von dem schönen Lohn ganz besonders Wäsche
anzuschaffen. Die Mutter muß sich einschränken lernen, fügte sie hinzu;
Du weißt, wenn ich Geld hatte, konnte ich es als Tochter nicht abschlagen;
wenn ich keines habe, kann ich keines geben; und bekomme ich mein
Lohn, gebe ich ihr ein Theil, kann aber vom Uebrigen gleich ordentlich
anschaffen. -- Das klang vernünftig, und die Tante war damit einverstanden.
Gretchen ging vor die Schublade und holte ein halbes Dutzend leinene
Taschentücher und zwei Paar Strümpfe.
Das darf ich Dir schenken, sagte sie; zum Stricken hast Du nicht viel Zeit
gehabt, und die Taschentücher sind gesäumt und für Dich gezeichnet. Wenn Du
zu uns kommst, nimmst Du nun aber auch die leinenen, scherzte Gretchen: Du
weißt, wir können die baumwollenen nicht leiden.
Klärchen war gerührt von dieser Güte. Du meinst es doch wirklich gut! sagte
sie herzlich.
Das kannst Du glauben, entgegnete Gretchen treuherzig, und beide Cousinen
waren jetzt sehr freundlich auf einander gesonnen.
Am Michaelis-Tage zog Klärchen an. In ihrer Stube stand eine Kommode und
ein Kleiderschrank, dahinein wurden ihre Sachen so weitläuftig als möglich
geordnet. Einige Sommerkleider und dünne wollene Kleider, Mantillen,
Mäntelchen, ein Frisuren-Unterrock in den Schrank; in die Kommode, außer
der wenigen Wäsche, Bänder, Schleifen, Kragen, Handschuh, Taschentücher;
die sechs leinenen Taschentücher und zwei Paar ganzen Strümpfe von Gretchen
bildeten den guten Grund dieser leichten Gesellschaft. Außerdem aber
stellte sie einige Blumentöpfe in das Fenster, hing ein Porzelan-Bildchen
an die Scheiben, ein anderes Bild unter den Spiegel und eine Blumenvase auf
die Kommode. Der Bediente hatte in die Stube gesehen und gegen die Köchin
bemerkt: man sähe dem Geschmacke des Mädchens an, daß sie von guter
Erziehung und Bildung sei; nur schlimm, daß das Stübchen im Nebenhaus, und
der Mediziner gerade hineinsehen könne, da möcht' es am Ende eine Liebelei
im Hause geben. Die Köchin aber nahm Klärchens Partie. Ihre Küche lag
gerade gegenüber im anderen Seitenhaus; sie hatte gesehen wie Klärchen das
Rouleau niederließ, als der Mediziner mit der langen Pfeife aus dem Fenster
sah. Klärchen aber hatte die Köchin gesehen und gedacht: Du mußt dich
in Respekt setzen, und etwas Sprödigkeit gegen den Mediziner kann nicht
schaden.
Es kamen nun für sie unterhaltende Tage. Das Haus der Generalin war
vielfach belebt, die verheirathete Tochter mit den Kindern 4 Wochen dort,
und dies gab Gelegenheit zu mancher Geselligkeit. Außerdem ward Klärchen in
die eleganten Läden der Stadt geschickt, um Besorgungen zu machen, und das
war ihr besonders unterhaltend. Sie war bald mit allen Commis befreundet
und hatte ihre leichte Commodengesellschaft um manches bereichert. Freilich
waren ihre wenigen Groschen, die sie in den Dienst mitgebracht, auch
ausgegeben, aber die Paar Groschen lohnten kaum der Mühe zum Sparen.
Daneben ward das Spiel mit dem Mediziner gar eifrig betrieben. Die
Generalin hatte meistens nur Damenverkehr: von _der_ Seite war also für
ihre Zukunft nichts zu hoffen. Bald merkte sie, der Mediziner war in Feuer
und Flammen und ein recht demüthiger Liebhaber. Wenn sie das Rouleau einen
Tag nicht aufzog, sang er die schwermüthigsten Lieder; oder wenn sie sonst
spröde gegen ihn war, nahmen seine rohen großen Züge einen gar sanften
Ausdruck an. Sie that das mit Wohlbedacht, denn ehe er nicht in die rechte
Höhe der Leidenschaft kam, würde er nicht Ernst aus der Sache machen. Sie
berechnete freilich nicht, daß sie auch mit der Zeit warm wurde, und ein
verliebtes Herz ist ein schwaches Herz, und der Mediziner war nicht ohne
Erfahrung, das zu wissen und zu merken.