Abb. 3 =Nußbaum= in der Hoflößnitz]

Es ist kaum anzunehmen, daß es in unseren Breiten oft zur Ablage

dieses Eies kommt, da um diese Zeit die bereits herbstlich kühlen

Nächte das Aufkommen der Geschlechtstiere in Frage stellen. Wir

müssen vielmehr annehmen, daß bei uns eine Verbreitung nur durch

Wanderung oder Verschleppung der Wurzelreblaus möglich war[4]. _Wir

wußten nicht einmal mit Sicherheit_, wohin diese Wintereier abgelegt

werden, ob an Weinstöcke, an Rebpfähle oder an die _Bäume_, welche im

Weinberge gepflanzt sind. In der Lößnitz waren es meist _Pfirsiche_

und _Nußbäume_. Ist doch das gute Gedeihen des Nußbaumes (Abb. 3) u.

a. ein besonderes Kennzeichen guter und warmer Weinlagen; auch die

_Edelkastanie_ (Abb. 4) deutet auf solche hin.

Ich mußte trotz allen Dunkels, welches über die Ablage des

Wintereies herrscht, diese Frage berühren, damit gewisse drakonische

Bekämpfungsmaßnahmen, _nämlich das Abhauen und Verbrennen der auf

infizierten Bergen stehenden Bäume_ ihre Erklärung finden. Haben

doch gerade diese Maßregeln unter der weinbautreibenden Bevölkerung

der Lößnitz besonders böses Blut gemacht, und ich erinnere mich noch

mancher Tränen und Flüche, die gerade der Vernichtung besonders

geliebter Bäume galten. Auch mir hat ebendiese Forderung gar oft meine

Pflicht besonders schwer gemacht.

Die Bekämpfungsmaßnahmen haben im Laufe der Jahrzehnte manche Wandlung

erfahren, eins aber ist sicher, daß sie eine völlige Vernichtung der

Reblaus nicht erreichen konnten!

Es war im Jahre 1886 als ich, an der Dresdner technischen Hochschule

Chemie studierend, durch Zeitungsnotizen darauf aufmerksam wurde, daß

für die Untersuchung reblaus-verseuchter Gelände Hilfssachverständige

gesucht wurden, welche mit der Handhabung der Lupe vertraut und

insektenkundig waren. Da ich zum Weiterstudium auf Gelderwerb

angewiesen war, machte ich mich eines Tages auf den Weg, mich beim

Reichskommissar um die Stellung eines Hilfssachverständigen zu

bewerben. Ich kam damals zum erstenmal in die herrlichen Gefilde der

Lößnitz und war geradezu entzückt über die harmonische Vereinigung

einer jahrhundertealten, anheimelnden, vornehmen Siedlungskultur mit

einer herrlichen, durch die grünen Höhen der Weingelände verschönten

Natur. In dem Bad-Hotel zu Kötzschenbroda wollte ich mich bei einem

Schoppen Schieler nach dem Aufenthalt des Reichskommissar Koch

erkundigen. Da sah ich – es war Frühstückszeit – am Nebentisch eine

fröhliche Runde, zu welcher, stürmisch begrüßt, ein jovialer alter

Herr trat, eben der gesuchte Herr Kommissar. Ich stellte mich ihm vor,

brachte dreist meinen Wunsch an, wurde an die frohe Tafelrunde gebeten,

und nach etwa einer Viertelstunde nicht allzu strenger Prüfung ward

ich unter frohem Gläserklingen wohlbestallter Hilfssachverständiger

für Reblausuntersuchungen in der Lößnitz; wohlgemerkt! mit sechs Mark

Tagegeld, für mich eine wertvolle Studienbeihilfe. Meine Kollegen

waren teils Forststudenten, teils Männer mit landwirtschaftlicher

Hochschulbildung, teils Gärtner. Ich habe meine Stellung als

Hilfssachverständiger genügend lange bekleidet, um aus eigener

Erfahrung erzählen zu können, wie sich Untersuchung und Vernichtung

der Weinberge damals vollzog – leider muß ich sagen »Vernichtung der

Weinberge«, denn die Bekämpfung des Schädlings gelang bei der in der

Lößnitz übermächtig auftretenden und überall verbreiteten Reblaus nicht

mehr. Nur wenige Berge waren damals beinahe reblausfrei; es waren die

vortrefflich gehaltenen von Nacke und Böhme, die auch noch heute einen

Bestand aus jener Zeit – natürlich verjüngt – besitzen.

Die Untersuchung der Weinberge auf Reblaus wurde folgendermaßen

vorgenommen.

[Illustration:

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XIII, Heft 5-6 · 第 65 / 100 题