Die Inschrift ist heute nicht mehr da. An ihrer Stelle stehen
die Worte: »Menschengeschlechter, die ziehen vorüber wie die
Schatten vor der Sonne.« Sie stammen von dem Großgroßneffen des
Generalfeldmarschalls: _August Ludwig von Wackerbarth_, der das
Grundstück 1809 von dem Bankherrn Christian Friedrich Freiherrn
von Gregory kaufte. 1733, nach dem Tode des Generalfeldmarschalls,
hatte es zunächst sein Adoptivsohn Graf Joseph Anton Gabaleon von
Wackerbarth-Salmour besessen, der bekannte Mithelfer des Prinzen
Friedrich Christian bei Beseitigung der Brühlschen Mißwirtschaft.
Nach dessen Tode, 1761, aber hatte es oft seine Besitzer gewechselt.
1764 bis 1776 gehörte es der gräflich Rexschen Familie, 1776 bis 1789
der Gräfin Hohenthal, geborene von Rex, 1789 bis 1798 einem Kaufmann
Hetzer aus Leipzig, von dem es an den genannten Freiherrn von Gregory
überging. Der »Rauhgraf«, wie sich August Ludwig von Wackerbarth gern,
aber ohne jede Berechtigung nannte, und damit sein Sonderlingswesen
traf, übernahm den alten Wackerbarthschen Familienbesitz dem Rate
folgend, den ihm seine Großmutter auf dem Sterbebette gegeben hatte. Er
verband große Hoffnungen damit. Hier dachte er sein Leben zu genießen
inmitten seiner auf weiten Reisen gesammelten Kunstschätze (namentlich
Bilder), in eifriger schriftstellerischer Tätigkeit und in anregendem
Verkehre mit geistig hochstehenden Menschen. Er brachte aber sich
selbst um den ruhigen Genuß durch sein verschrobenes Wesen und seine
Zügellosigkeit. Trotz seines großen Reichtums von Haus aus immer in
Geldnöten, die namentlich durch die wahnwitzige Verfolgung einer in die
Hunderte von Millionen gehenden Schuldforderung an die Rechtsnachfolger
der Herzöge von Lauenburg hervorgerufen waren und 1811 sogar zum
offenen Konkurs führten, mußte er seine geliebte Wackerbarths Ruhe
zeitweise verkaufen oder vermieten. 1816 bis 1823 war sie infolgedessen
Knabenerziehungsanstalt unter dem bekannten Jugendschriftsteller
Carl Lang und seinem Schwiegersohn Dr. Carl Vogel (dem Vater des
Afrikaforschers Eduard Vogel und der Schriftstellerin Elise Polko) und
von 1835 ab Privat-Irrenanstalt, erst unter Dr. Bräunlich, dann unter
Dr. Matthiae, der die Anstalt 1864 nach dem Lindenhof in Neu-Coswig
verlegte (seit 1888 in Dr. Piersons Händen). Durch seine kostspieligen
Liebhabereien, seinen Leichtsinn in Geldsachen, seine blinde
Vertrauensseligkeit an den Bettelstab gebracht, starb dieser Sonderling
mit dem goldenen Herzen, aber eisernen Starrsinn 1850 in der Nähe von
Wackerbarths Ruhe.
[Illustration: Abb. 5 =Wackerbarths Ruhe= Blick auf das Herrenhaus vom
Park aus