Herr Götting, Adolf Götting, Privatgelehrter, wohnhaft Albrechtstraße 15,
drei Treppen rechts bei Frau Schülke. Er sitzt in seinem Zimmer auf einem
Sofa und läßt sich von der Lampe wärmen. Ein gedrücktes Männlein mit
verschrumpeltem Gesicht, gelblich, entzündeten Augen und rascher weicher
Stimme. Seine Finger spielen mit den Fransen der braunen Wolldecke, welche
über seinen dünnen Beinen liegt.
Mit kurzen Handbewegungen belehrt das Männlein seine Frau, ein blasses
angenehmes Wesen, welches ihm gegenüber auf einem Stuhl mit gefalteten
Händen sitzt, daß Übung die Grundlage der Kultur sei und daß es wisse, was
es sage. Auch wirke der Most erfreulich auf Magen und jegliche Schleimheit
und werde wahrscheinlich im Darm zu Wein umgewandelt. Die Kraft des Lebens
zur Verwandlung sei unermeßlich. Es wisse, was es sage.
Sanft haucht die verblühte Frau etwas über feuchte Herbstwitterung, über
Aufregungen einer Sitzung, über vieles Trinken.
Indessen hebt das katarrhalische Männlein langsam mit gespreizten Fingern
die Wolldecke von seinen Beinen auf, legt sie neben sich auf das Sofa.
Schlurrend, mit geknickten Beinen geht es an das Fenster, öffnet es mit
Knarren und sieht in den Nachthimmel.
Seine Stimme klingt geduldig und fromm.
»Ich sollte dich nicht anhören, Elfriede. Du weißt nicht, was du sprichst.