Zu Seite 2:
+ἄλλως+ kündigt in den chemischen Papyri ein neues Rezept ähnlichen
Inhaltes (als ἄλλο oft auch nur ein neues Kapitel) an, in den
Zauberpapyri aber eine Variante in textkritischem Sinne. Dies zeigte
schon ~Wessely~ in seiner Ausgabe der Londoner und Pariser Zauberpapyri
(„Denkschriften der Wiener Akademie“ 1888; mit reichen Indices), in
den „Wiener Studien“ (1886), usf.; von den dort aufgespeicherten neuen
Materialien machte ~Dieterich~ ausgiebigen Gebrauch (~Reitzenstein~;
~Wessely~).
Zu Seite 5:
+Magnesia+ (im heutigen Sinne) als Abführmittel kennt bereits
~Hippokrates~ im 5. Jahrhundert v. Chr. (~Hoppe~, A. Nat. 8, 97). --
Den Namen Magnesia führten bekanntlich mehrere Städte: Magnesia am
Mäander, am Sipylos, in Thessalien usf.
Zu Seite 9:
+ἐπίβαλε+ = wirf ein, wirf hinein, ist schon bei ~Hippokrates~ (5.
Jahrhundert v. Chr.) ein gebräuchlicher Ausdruck, der oft angewandt
wird, wenn vom Zusammenmischen der Arzneien die Rede ist (z. B. üb.
~Fuchs~ 3, 506).
Zu Seite 14:
+Marienglas+, eine Abart des Gipses, ist selbstverständlich nicht
identisch mit Glimmer, wie aus Zeile 8 von oben herausgelesen werden
könnte.
Zu Seite 20 und 21:
+Vitriole.+ Vgl. den eingehenden Aufsatz ~K. B. Hofmanns~ „Über die
Kenntnis der klassischen Völker von den Vitriolen und der Stypteria“
(„Journal für praktische Chemie“ II, Bd. 86, 305).
Bemerkenswert ist es, daß im Spätlateinischen „Atramentum“ die
Bedeutung „Interpunktionszeichen“ annahm (~Maigne d’Arnis~, 234).
Zu Seite 24:
+Leidener und Stockholmer Papyrus.+ Frau ~Hammer-Jensen~ versuchte
den Nachweis, daß diese Papyri in keiner Beziehung zur Alchemie
stünden, und daß bei vielen ihrer Vorschriften hauptsächlich gallische
und indische Herkunft vorauszusetzen sei („Berichte der Dänischen
Akademie“, Kopenhagen 1916, 279). Nach ~Diels~ liegt der Hauptmangel
ihrer Abhandlung darin, daß sie die beiden Papyri für sich herausgriff,
den allgemeinen Zusammenhang mit der gesamten zugehörigen Litteratur
aber nicht verfolgte, ja anscheinend gar nicht einsah („Deutsche
Litteratur-Zeitung“ 1917, 592). Eine ausführlichere Widerlegung, die
auf eine Reihe von Einzelheiten eingeht, veröffentlichte ~Lippmann~
(„Chemiker-Zeitung“ 1917, 589).
Vgl. auch ~Hammer-Jensens~ Artikel „Färbung“ (PW., Spl. 3, 461), der
die nämlichen Ansichten verficht wie ihre oben erwähnte Abhandlung und
in chemisch-technischer Hinsicht vieles zu wünschen übrig läßt.
Zu Seite 26:
+Bücher aus Gräbern.+ Das Einlegen von Büchern in Gräber und ihre
Benützung als Toten-Beigaben war in Ägypten sehr häufig, daher
konnten sagenhafte Erzählungen mit Recht an diesen Gebrauch anknüpfen
(~Schubart~, „Das Buch bei Griechen und Römern“, Berlin 1907, 10;
~Boll~, „Offenb.“ 136 ff.).
Zu Seite 26:
+Beiblatt des Stockholmer Papyrus.+ Vermutlich ist κοίνα (κοινοῦ?)
der Imperativ des seltenen κοινάω (κοινοῦσθαι) = „sich anvertrauen“,
z. B. θεῷ, dem Gotte. Hiernach umfaßt die Zauberhandlung zuerst ein
Gebet: „Sonne usf. nimm mich an, der ich vor dich trete“; sodann
heißt es „vertraue dich [dem Gotte] an“ (teile ihm dein Anliegen
mit); „hierauf salbe dich, und du wirst ihn mit eigenen Augen sehen
(καῖ ἀυτοπτήσεις)“, d. h. er wird erscheinen und dir Antwort geben
(~Reitzenstein~).
Zu Seite 32:
+Lexikon der χρυσοποιία.+ Dieses sog. Lexikon ist eine Sammlung
kurzer, ursprünglich nicht alphabetisch geordneter Worterklärungen,
wie es deren auch z. B. zur Septuaginta und zu ~Homer~ gab; da die
Veröffentlichung ~Berthelots~ aber nicht seiner Anordnung und Abfolge
in den Handschriften folgt, so läßt sich vorerst nicht absehen, zu
welchem Corpus chemischer Schriften es gehört haben mag und ob es auch
die Deutung jener Ausdrücke anstrebt, die gerade in den Schriften des
~Pseudo-Demokritos~ vorkommen (~Reitzenstein~).
Zu Seite 35:
+Kobalt.+ In altägyptischen Gläsern und Perlen wies zuerst ~Davy~
Kobalt nach (~Berthelot~, „Coll.“ 2, 9; „Intr.“ 245); verschiedene
Forscher fanden es in Glasuren und Tonwaren (~Blümner~ 2, 97; 4,
413, 503), und letztere enthalten zuweilen bis 5,3% davon (~Klein~,
„Chemisches Zentralblatt“ 1913, 587). -- Über den Zusammenhang zwischen
Kobathia und Kobalt s. „Coll.“ 1, 245, sowie ~Rulandus~, „Lexicon
Alchemiae“ (Frankfurt 1612, 158), über Kobalt in „deutschen Sagen“
~Maigne d’Arnis~ („Lexicon“ 527). Nach ~W. Hommel~ bezeichnete „Kobelt“
ehedem Abfälle der verschiedensten Art („Chemiker-Zeitung“ 1912, 918).
Zu Seite 46:
+~Homer.~+ Die Gegensätze, in denen ~Homers~ „altväterische“ Art und
Denkweise mit jener der „neueren“ Zeiten stand, waren schon im 5.
Jahrhundert v. Chr. so lebhafte geworden, daß bereits ~Anaxagoras~
(500-428?), nach anderen aber erst sein Schüler ~Metrodoros~ mit der
allegorischen Auslegung begann und ~Homer~ als „Physikos“ hinzustellen
bemüht war, d. h. als Erforscher und Darsteller des Weltganzen[7201].
Daß ~Platon~, Gründen allgemeiner Art folgend, die homerischen Gedichte
als Bildungsmittel der Jugend in seinem Idealstaate verwarf[7202], trug
vielleicht bei, derlei Bestrebungen zu fördern, und jedenfalls gewannen
sie in der Folgezeit fortdauernd an Boden, namentlich bei den ohnehin
der allegorischen Deutung so geneigten Stoïkern; dies gilt schon
für die älteren Mitglieder der Schule[7203], in weit höherem Grade
aber für die jüngeren. Zu Beginn der Kaiserzeit erklärte der Stoïker
~Heraklit~ (der im übrigen nicht näher bekannt ist und fälschlich mit
seinem großen alten Namensbruder identifiziert wurde)[7204], anders als
allegorisch aufgefaßt wäre ~Homer~ geradezu ein Frevler gewesen[7205],
daher habe man z. B. das Beilager der ~Aphrodite~ und des ~Ares~ als
Zusammentreffen dieser beiden Gestirne aufzufassen, die Kämpfe der
Götter als Konjunktionen der Planeten, u. dgl. mehr[7206], -- wie
denn auch schon im 1. Jahrhundert v. Chr. ~Asklepiades~ von ~Myrleia~
einen ausführlichen Kommentar zu ~Homer~ in rein astrologischem Sinne
verfaßte[7207]. Des ~Heraklit~ Zeitgenosse, ~Apion~ von Alexandria,
sowie ~Krates~ von Mallos und deren Nachfolger erblickten in ~Homer~
die denkbar tiefste Quelle verborgener Weisheit aller Art[7208], und
in seinen Epen eine Enzyklopädie, enthaltend die Summe aller Künste
und Wissenschaften[7209]; neu war damals, allem Anscheine nach, diese
Auffassungsweise nicht mehr, denn schon zur Zeit der späteren Ptolemäer
soll sie mit Anlaß gegeben haben, ~Homer~ zu vergöttern und ihm Altäre
und Tempel zu bauen[7210], seine Werke aber als „Losbücher“ und die
aufgeschlagenen Verse als „Omina“ anzusehen, ganz so wie dies später
betreff des ~Vergil~, und bis in die Neuzeit hinein bezüglich der Bibel
geschah[7211]. Ähnlichen Anschauungen und den bewährten Grundsätzen
allegorischer Auslegung huldigten auch ~Plotinos~ (204-270)[7212]
nebst seiner Schule sowie ~Porphyrios~ (272-304?), wofür als Beispiele
nur die Symbolik der Grotte auf Ithaka angeführt sei, ferner die der
~Circe~ als Urbildes magischer Kunst, und die des ~Achilleus~ als
Dämons, -- unter welcher Gestalt er seit dem 3. Jahrhundert steigende
kultische Verehrung genoß[7213].
Die Kirchenväter waren mit ~Homer~ meist wohlvertraut; ~Irenäus~
z. B. (um 180) führt als Belegstellen willkürlich zusammengestoppelte
homerische Verse an[7214], und noch der hl. ~Basilius~ (um 350)
zitiert solche wiederholt zu den Wundern, die die hl. ~Thekla~ zu
Seleukia vollbrachte, wo sie als Nachfolgerin der ~Athene~ in deren
Tempel hauste, vor dem man den Gläubigen nach wie vor geweihte Seife
verkaufte, damit sie dem Heiligtume in ritueller Reinheit zu nahen
vermöchten[7215]. Wie also im christlichen Seleukia, so war die
Kenntnis ~Homers~ auch sonst in Vorderasien sehr verbreitet, und
teilweise Übersetzungen besaßen selbst die Armenier und Syrer[7216],
welchen letzteren aber ~Homer~ auch als „Vater der Lügenreisen“ und
deshalb als Babylonier galt[7217]. Für einen Ägypter hinwiederum, und
zwar für einen Thebaner und Sohn des Propheten ~Hermes~, hält den
~Homer~ ~Heliodorus~ (um 250)[7218]; nach einem etwa gleichalterigen
magischen Papyrus ist er wie „der Gewährsmann aller Dinge“ so auch
der Verfasser eines Zauberbuches, und der 18. Absatz der unter dem
Namen des ~Afrikanos~ überlieferten „Kesten“ enthält eine magische
Interpolation in eine sog. homerische Hymne, die ~Homer~ zum Erfinder
der Zauberkunst zu stempeln sucht[7219]. Verschiedene Überlieferungen
der ersten nachchristlichen Jahrhunderte lassen ~Homer~ seine
Weisheit bald aus den Archiven des ~Isis~-Tempels schöpfen, bald
sie von Geistern und Dämonen empfangen, woraufhin dann seine Werke
als teuflisch und deren Leser als verdammt bezeichnet wurden[7220];
homerische Verse und Fragmente finden sich auch in Zauberbücher und
-sprüche eingeschoben[7221], und da ~Homer~ auch den ihn allegorisch
auslegenden Gnostikern[7222] als Autorität, den Ssabiern aber sogar als
Mitbegründer ihrer Religion galt[7223], können Äußerungen wie die der
(syrischen) Schriften des ~Pseudo-Demokritos~ oder des „Papyrus Kenyon“
nicht überraschen.
Erwähnt sei noch, daß auch mittelalterliche medizinische Abbildungen
nach antiken Vorlagen den „~Omerus~ auctor“ nebst ~Hermes~ mit
der Zauberwurzel Moly[7224], oder „~Omerus~“ mit der heil- und
zauberkräftigen Wurzel der Paeonia (Pfingstrose) zeigen[7225], sowie
daß mittelalterliche alchemistische Pseudepigraphen, z. B. die des
~Pseudo-Platon~, ~Homer~ neben ~Pythagoras~, ~Euklid~, ~Ptolemaios~ u.
A. als alchemistischen Autor anführen[7226].
Zu Seite 47:
+Männliches und Weibliches.+ Nach ägyptisch-hellenistischer Lehre, die
selbst aber wieder iranischen Ursprunges ist, entsteht die Welt durch
Vereinigung zweier Elemente, eines männlichen und eines weiblichen
(~Reitzenstein~).
Zu Seite 48:
+Lutieren+ von Töpfen mit Lehm oder einem Gemenge von Lehm und Haaren
erwähnt schon ~Hippokrates~ (üb. ~Fuchs~ 3, 528; 2, 481); er gedenkt
auch des Lutierens von Rohren für Dämpfe (ebd. 3, 608).
Zu Seite 50:
+Aludel.+ Nach ~Dozys~ Wörterbuch (Supplement) ist al uthâl im
Arabischen lediglich als chemischer Fachausdruck bekannt, während für
uthâl = Rohr kein Beleg vorliegt, und Rohr im Arabischen jedenfalls
nicht uthâl heißt (~Jacob~). -- Nicht ausgeschlossen scheint es, daß,
wie Alambik aus al und ἄμβιξ (Ambix), so Aluthâl aus al und αἰθάλη
(Aithále) zusammengesetzt ist; das Wort bezöge sich dann ursprünglich
nicht sowohl auf die (tönerne oder gläserne) Hülle, als auf deren
Inhalt, also auf den in ihr zu kondensierenden Dampf. Vermutlich ist
Vermittlung durch das Syrische anzunehmen (~Ruska~). -- Tatsächlich
bezeichnet ~Bar Bahlul~ in seinem im 10. Jahrhundert auf Grund weit
älterer Quellen verfaßten „Syrischen Lexikon“ (ed. ~Duval~, Paris 1901)
das Gerät Atâl als „zur Destillation [Sublimation] dienend“, und schon
in einem Papyrus, der aus dem 8. oder 9. Jahrhundert herrühren dürfte,
findet sich neben dem „Topf auf dem Topf“ auch das Atâl genannte Gefäß
erwähnt (~Seidel~, „Der Islam“ 1, 238, 263). -- Nach ~E. Wiedemanns~
Angaben im „~Kahlbaum~-Gedenkbuch“ vertritt al uthâl die Stelle des
griechischen σωλήν = Röhre, Rohr, und auch die sog. Aludeln, wie sie
z. B. in Idria noch bis in die neueste Zeit hinein zur Kondensation von
Quecksilberdämpfen dienten, sind Rohre oder rohrähnliche Gebilde.
Zu Seite 58:
+Tabula smaragdina+: die Tafel (στήλη) aus Edelstein ist in der
Offenbarungslitteratur häufig, ja fast für sie typisch (~Reitzenstein~).
Zu Seite 60:
+~Agathodaimon.~+ Vgl. die ausführlichen, zahlreiches Neue bietenden
und vieles Ältere berichtigenden Aufsätze von ~Ganschinietz~ (PW., Spl.
3, 38) und von ~Andres~ (ebd. 3, 101). Nach ersterem sind getrennt zu
behandeln: 1. Die menschengestaltige griechische Gottheit, die eine
weder ursprüngliche noch eines eigentlichen Kultus gewürdigte war und
vermutlich in ähnlicher Weise Boden faßte wie die ~Agathe Tyche~. 2.
Die Schlangengottheit, d. i. der griechische Schutz- und Hausgott
in Schlangenform. 3. Der Gott der hellenistischen Zeit, entstanden
(wohl in Alexandria) durch Verbindung des vorigen mit dem in gleicher
Form dargestellten und verehrten ägyptischen ~Agathodaimon~, sowie
durch Identifikation mit dem schlangenförmig abgebildeten ~Chnum~
oder ~Kneph~ und mit ~Hermes-Toth~; in dieser Gestalt tritt er, nicht
selten neben seinem Gegenbilde ~Kakodaimon~, in der okkultistischen
Litteratur auf, in der Hermetik, Astrologie, Alchemie, Gnostik, in den
Zauberbüchern usf.
Der Eigenname ~Agathodaimon~ bleibt bis in das 4. Jahrhundert
nachweisbar; sein bekanntester Träger ist wohl der alexandrinische
Geograph des 2. nachchristlichen Jahrhunderts, ein Nachfolger des
~Ptolemaios~, der u. a. auch die fälschlich als „ptolemäische“ bekannte
Weltkarte entwarf (~Fischer~, ebd. 3, 59; M. G. M. 16, 178).
Im Orient lebte ~Agathodaimon~ zusammen mit ~Hermes~ bis in die
spätesten Zeiten fort, wie u. a. das philosophische Handbuch des
Persers ~Schirazi~ (gest. 1640) zeigt (~Horten~, „Der Islam“, Beiheft
2; Straßburg 1913). Den alten Quellen gemäß, aus denen er schöpft,
sind ihm ~Agathodaimon~ und ~Hermes~ neben ~Empedokles~, ~Pythagoras~,
~Sokrates~ und ~Platon~ „die ältesten griechischen Philosophen“
(a. a. O. 14, 16, 146, 254) und neben ~Platon~ und ~Pythagoras~ die
ältesten Astrologen (ebd. 16, 147, 229); ~Agathodaimon~ stammte wie
~Thales~ und ~Anaximenes~ aus Milet (ebd. 199), er war ein guter Geist
und Engel, der u. a. dem ~Hermes~ die Offenbarung vermittelte (ebd.
201), und verfaßte vielerlei Bücher und Schriften (ebd. 242, 254).
Zu Seite 63:
+Schreiben der ~Isis~ an ~Horos~.+ Die Form des Briefes ist eine bei
den Herausgebern magischer Schriften sehr beliebte (~Wessely~; vgl.
dessen „Ephesia Grammata“, Wien 1886, 4).
Zu Seite 64:
+Eid der ~Isis~+: Eide dieser Art sind in den Ritualen der
Mysterien-Religionen nicht selten und gelten auch in der
Buch-Offenbarung noch als bindend für den Leser. Der vorliegende
[dessen Überlieferungen nicht unerheblich auseinander gehen, s.
bei ~Kopp~, a. a. O.] gehörte ursprünglich wohl einem griechischen
Mysterienbrauche an, worauf das Schwören beim Acheron (nicht Charon!)
zurückweist, doch ist ihm durch Interpolationen eine mehr orientalische
Fassung zuerteilt (~Reitzenstein~).
Zu Seite 64:
+Gleich- und Einswerdung.+ Formeln wie die zwischen ~Horos~ und dem
durch ~Amnael~ vorgestellten ~Chnum~ gebrauchte sind in der Mystik
des Zeitalters weitverbreitet (~Reitzenstein~, „Poimandres“ 142;
~Weinreich~, A. Rel. 19, 166).
Zu Seite 68:
+Moses (Pseudo-Moses).+ In der mystischen Litteratur werden ihm
zahlreiche Werke zugeschrieben, u. a. ein Schlüssel-, Mond-,
Erzengel-Buch u. dgl. (~Wessely~, „Ephesia Grammata“, Wien 1886, 6).
Zu Seite 68, 195:
+~Jamnes~ und ~Mambres~+ gelten in der mystischen Überlieferung als
die beiden Zauberer, die dem ~Moses~ am Hofe des Pharao entgegentreten
(~Reitzenstein~).
Zu Seite 71:
+Euagia.+ Einen angeblichen Ort dieses Namens gibt es in Wirklichkeit
nicht, ~Johannes~ wird vielmehr bezeichnet als Oberpriester τῆς ἐν
εὐαγἰᾳ θυσίας, bei dem in frommem Sinne [dargebrachten] Opferfeste
(~Reitzenstein~). -- Möglicherweise war aber die ganze Abhandlung
auch betitelt als die des Oberpriesters ~Johannes~ „τοῦ τῆς εὐαγίας
[μνήμης]“ = „seligen Angedenkens“; derartige Beinamen sind nämlich in
der frühchristlichen Zeit außerordentlich häufig, und wir besitzen
auch ausreichende Belege dafür, daß das Weglassen des Wortes μνήμης in
dieser Verbindung zum Sprachgebrauche geworden war (~Wessely~; s. „Neue
philologische Rundschau“ 1889, Nr. 11, S. 174).
Zu Seite 71, 384, 415, 436:
+Tutia.+ „Al Tûtijâ ist ein Rauch“ (arab. duchân, auch dukhân) sagt
~Alqazwini~ im „Steinbuch“ („Das Steinbuch aus der Kosmographie des
~Alqazwini~“, üb. ~Ruska~, Heidelberg 1896, 11). -- Nach ~Vullers~
bezeichnet im Sanskrit Tuthia ursprünglich ein Collyrium aus der
Pflanze Amomum xanthorhiza, später aber auch Präparate, die anscheinend
aus Vitriolen gewonnen wurden; der Zusammenhang von Tutia mit dem
persischen Dûd = Rauch, Ruß (Lampenruß) muß daher für mindestens
fragwürdig gelten (~Jacob~). -- Nach vor Jahren erteilter Auskunft des
verstorbenen Prof. Dr. ~R. Pischel~ ist Tuthia im Sanskrit selbst ein
Fremdwort.
Zu Seite 73:
+Zu ~Saʿdi~.+ Das angeführte Gedicht fährt fort:
„Kein Märlein ist’s, daß Ihr es wißt:
Genügsam seid, und Silber ist
Mit Stein von gleichem Werte“,
und zeigt jedenfalls keine Beziehung zu einer bestimmten Persönlichkeit
(~Jacob~). -- [Bei ~Schlechta~, a. a. O., lautet die Überschrift:
„Alchemie“.]
Zu Seite 74:
+~Afrikanos~+ schöpfte vielfach aus den Schriften des (Pseudo-)
~Demokritos~, namentlich auch aus dem Buche über „Sympathien und
Antipathien“ (~W. Kroll~, PW. 10, 116).
Zu Seite 78:
+Amalgam+ = μῖγμα, Magma, arab. „Almagma“? -- In der arabischen
Arithmetik wird als Magmuʿ, Almagmuʿ, das Vereinigte, die Summe, die
Summation bezeichnet (~Ruska~, „Zur älteren arabischen Algebra und
Rechenkunst“, Heidelberg 1917, 17).
Zu Seite 81:
+Hen to pan (ἕν τὸ πᾶν)+ ist eine ursprünglich religiöse Formel =
„Eines und Alles“, „Eins ist das All“, und wird oft mit den Worten
fortgesetzt καῖ πᾶν ὁ θεός = „und Alles die Gottheit“; für dieses
mysteriöse All dient die Schlange Uroboros als Symbol (~Reitzenstein~).
Zu Seite 86:
+Kerátion.+ Seitdem Kaiser ~Konstantin~ die reine Goldwährung
festgestellt hatte, ist Keration (κεράτιον) eine der
allergewöhnlichsten byzantinischen Münzen: ¹⁄₇₂ des Goldpfundes war das
νομισμάτιον (Nomismátion; Solidus), und dieses zerfiel in 24 aus Silber
gemünzte Teile namens κεράτιον (Kerátion). Goldwechsler und Agioteure
erklärten dann einzelne goldene Solidi für minderwertig und nahmen sie
nur mit einem Aufgelde von 1, 2, 3, ... Karaten an; hieraus erklärt
sich die Entstehung der Ausdrücke 18- oder 14karätiges Gold, die also
Gold bedeuten, das statt 24 Karate nur 18 oder 14 Karate Wert besitzt
(~Wessely~).
Zu Seite 88:
+Milch der schwarzen Kuh+: sie ist im Zauberwesen ein häufig
angewandtes Mittel zur Vergottung und war ursprünglich wohl die „Milch
der Göttin“, die den Genießenden, also auch den Mysten, unsterblich
machen soll (~Reitzenstein~).
Zu Seite 101:
+Artabe.+ Der Name dieses Maßes, „Artab“, ist nach ~Sethe~ ursprünglich
ein persischer, gewann aber allmählich weite Verbreitung und findet
sich im Assyrischen, Armenischen, Aramäischen, Griechischen und
Spätägyptischen. (Zitat in Verlust geraten.)
Zu Seite 109:
+~Salmanas.~+ ~Selman~ ist ein gut arabischer Name, und ~Selman
al-Farisi~ (= ~Selman~ der Perser) ein wohlbekannter Genosse des
Propheten, der bei verschiedenen Sekten der Derwische eine sehr
wichtige Rolle spielt, und über den eine umfangreiche Litteratur
vorhanden ist; vgl. ~Müller~, „Der Islam im Morgen- und Abendlande“
(Berlin 1885; 1, 135); ~Jacob~, „Türkische Bibliothek“ 9, 26 und
16, 26, 32 und oft; ~Huart~, „~Selman du Fars~“ (in „Mélanges
~Derenbourg~“, Paris 1909, 297 und „École pratique des hautes études“,
Paris 1913). -- Der griechische Name ~Salmoneus~ ist als lautlich
abweichend anzusehen (~Jacob~).
Zu Seite 112:
+Tartarum.+ Durdijj ist im Persischen ein Bodensatz, z. B. in Milch, Öl
oder Wein (~Wessely~). -- Durd bezeichnet im Persischen die Hefe; eine
Form Durdijjun erscheint sprachlich fehlerhaft, und die Gleichsetzung
mit Tartarum trägt willkürliches, ja gewaltsames Gepräge, kann aber
immerhin vorgekommen sein (~Jacob~). -- Durdî = Hefe findet sich
erwähnt bei ~Hirschberg-Lippert~, „Die arabischen Augenärzte“ (Leipzig
1906) 2, 245.
Zu Seite 116:
+Kurkuma.+ Bei den Arabern ist dies die Gelbwurzel (Curcuma longa)
und ihr gelber Farbstoff, bei den Syrern aber häufig der Safran
(~Meyerhof~, nach ~Löw~, „Der Islam“ 6, 263).
Zu Seite 123:
+Logos+: vgl. ~Schmidt~, „Realistische Stoffe im humanistischen
Unterricht“ (Leipzig 1913, 58).
Zu Seite 125, 127, 186:
+Orphiker und Pythagoräer.+ Die mystischen Lehren der Orphiker,
wie die Theorie vom Kreislauf, von der Parallelität des Mikro-
und Makrokosmos usf., weisen entschieden auf den Orient zurück,
desgleichen lassen verschiedene Züge bei den Pythagoräern erkennen,
daß sie auf die babylonische Astrologie aufmerksam geworden waren;
hieraus wieder erklären sich die entsprechenden Anspielungen in den
Werken ~Platons~, bei dem z. B. am Schlusse des „Staates“ als Träger
der Offenbarungs-Bilder auch geradezu der Pamphylier ~Er~, Sohn des
~Armenios~, genannt wird (~Boll~, „Aus der Offenbarung Johannis“,
Leipzig 1914, 2; ~Boll~ und ~Bezold~, „Sternglaube und Sterndeutung“,
Leipzig 1918, 23 ff., 97). -- Betreff der Vermutung, daß gewisse
Überlieferungen der Pythagoräer und Hippokratiker (etwa seit der Mitte
des 5. Jahrhunderts) auf die 7 Planeten und auf die Stellung der Sonne
unter ihnen anspielen, s. ~Pfeiffer~, „Sternglauben“ (35, 38, 110, 128).
Zu Seite 126:
+Äther+ ist bei ~Porphyrios~ der Name des Feuers (~Thomas von Aquino~,
üb. ~Schneider~ 3, 229).
Bei ~Homer~ bedeutet αἴθων (aíthon) als „der Feuergelbe“ den Löwen;
doch heißt so auch eines der vier Sonnenrosse des ~Helios~ (~Keller~,
„Die antike Tierwelt“, Leipzig 1909 ff.; 1, 25, 247).
Zu Seite 129:
+~Parmenides.~+ Verschiedene wichtige Anschauungen dieses Philosophen
sind durch Vermittlung der Orphiker und der Mysterienkulte dem Orient
entlehnt, u. a. die von der Herabkunft der Seele aus dem Himmel, von
ihrem Wiederaufstiege nach dem Tode, von der Umwandlung der Seelen in
Sterne, vom Zusammenwirken des Männlichen und Weiblichen, usf.; wie
weit sie babylonischen oder iranischen Ursprunges sind, bleibt noch zu
untersuchen (~Pfeiffer~, „Sternglauben“ Leipzig 1916, 128 ff., 124 ff.;
~Boll~, „Offenb.“ 32).
Zu Seite 136:
+ἄνω und κάτω.+ Diesen Gegensatz kennt auch bereits ~Hippokrates~ (5.
Jahrhundert v. Chr.) und spricht von ἄνω und κάτω als von „+einem+
Wege, ... der in stetem Wechsel eingeschlagen wird“ (üb. ~Fuchs~ 1,
284, 291 und oft).
Zu Seite 156:
+Askese.+ Über Wichtigkeit und Macht der Askese, namentlich der
kultischen Keuschheit, vgl. ~Boll~, „Offenb.“ 32.
Zu Seite 163:
+Babylonische Astronomie.+ Nach ~Boll~ waren die Babylonier zwar
gute Beobachter und Rechner, aber keine Systematiker (M. G. M. 16,
173), und dies ist betreff der Entwicklung einer wissenschaftlichen
Astronomie sehr beachtenswert. -- Während z. B. die Erkenntnis der
Identität von Morgen- und Abendstern bei beobachtenden Astronomen
bis gegen 2000 v. Chr. zurückzureichen scheint, galt trotzdessen
~Venus~ allgemein als Morgenstern für männlich und als Abendstern
für weiblich, demnach als zweigeschlechtlich. Ihre Bezeichnung als
„einen Bart tragend“ (Venus barbata) ist aber auch den Beziehungen zu
sonstigen, in ihre Nachbarschaft tretenden Gestirnen zuzuschreiben; in
ähnlicher Weise nimmt sie bei Annäherung der anderen Planeten, z. B.
des Mars, Merkur, Jupiter, eine gelbe, rote, weiße (?) „Krone“ an, ganz
so wie in gleichem Falle der Mond eine goldene, silberne, bronzene,
kupferne, eiserne, glänzende, weiße, rote, usf. (~Boll~ und ~Bezold~,
„Sternglauben“ 7, 10 ff.; ~Boll~, „Offenb.“ 48).
Zu Seite 166:
+Stellvertretung der Gestirne+, u. a. zwischen Sonne und Saturn, aber
auch zwischen Planeten und Fixsternen, erfolgte bei den Babyloniern
gemäß der Ähnlichkeit der +Farben+, für die hier Abstufungen vom Roten
zum Weißen festgelegt waren; die der nämlichen Farbenklasse zugehörigen
Gestirne wurden gleichgesetzt und konnten sich vertreten (~Boll~ und
~Bezold~, „Sternglauben“ 7, 17, 103).
Zu Seite 167:
+Planetenzahl.+ Die Zahl der Planeten betrug bei den Babyloniern
ursprünglich 5 und erst später, von einem vorerst nicht genau
bestimmbaren Zeitpunkte an, 7; ~Petosiris~ redet noch bald von 5, bald
von 7, ~Vettius Valens~ (im 2. Jahrhundert n. Chr.) dagegen nur von 7
(~Boll~, „M. G. M.“ 16, 54). Nach ~Josephus~ (1. Jahrhundert n. Chr.)
entsprach der siebenarmige Leuchter im Tempel zu Jerusalem den sieben
Planeten (~Thomas von Aquino~, üb. ~Schneider~, 6, 426).
Neun Planeten, durch Mitzählung von Kopf und Schwanz des „Drachens“
nach indischer Art kennt bei den Arabern schon im 10. Jahrhundert
~Alkhwarizmi~ (~E. Wiedemann~, „Beitr.“ 47, 229).
Zu Seite 169:
+Zikurrat.+ Nach ~Koldewey~ ist an den bisher allein genau geprüften
Unterteilen der Zikurrat, u. a. derer von Assur, Borsippa („welche
Stadt zu Babylon etwa im Nachbarverhältnis von Charlottenburg zu Berlin
steht“) und Khorsabad, weder eine Spur von stufenförmigem Aufbau
nachweisbar, noch gar eine solche von Etagen in verschiedenen Farben,
noch endlich die angenommene Art des Zuganges. Insbesondere betreff
Borsippas „ist alles Einbildung und die Ruine zeigt heutigen Tages
nichts davon“. Was ~Place~ hinsichtlich Khorsabads von „Verbrämung
mit emaillierten Ziegeln“ sowie von „äußerem, schneckenförmig
herumführendem Rampenaufgang“ angibt, stimmt entweder mit der
Wirklichkeit gar nicht überein, oder ist doch durchaus unsicher. Beim
Zikurrat in Assur ist ein Teil des Belages noch gut erhalten, aber
auch er besitzt weder Aufgänge, noch Etagen, noch Verbrämungen von
gebrannten Steinen („Die Tempel von Babylon und Borsippa“, Leipzig
1911; 58, 66; 65, 66; 63). -- Auf dieses wichtige Werk machte mich
Herr Prof. Dr. ~Prinz~ aufmerksam; wie es sich hiernach mir den sehr
bestimmten antiken Berichten (besonders bei ~Herodot~) und mit den
mittelalterlichen (bei den arabischen Autoren) verhält, bleibt vorerst
dahingestellt, und ebenso muß erst neu ermittelt werden, was die im
Laufe des 19. Jahrhunderts tätigen Reisenden eigentlich ausgegraben und
untersucht haben.
Vgl. noch ~Koldeweys~ neuesten Aufsatz, der sich u. a. auf eine von
~Scheil~ herausgegebene babylonische Tontafel von 229 v. Chr. stützt
(„Mitteilungen der Deutschen Orientalischen Gesellschaft“, Maiheft
1918; Auszug mit Abbildung: „Leipz. Illustr. Zeitung“ 1918, 166).
Zu Seite 175:
+Carmen+ = Beschwörung kommt schon bei ~Tibull~ sowie bei ~Juvenal~ vor
(ed. ~Friedlaender~, Leipzig 1895, 298).
Zu Seite 176, 200:
+Elemente.+ Ein Rest der Elementen-Verehrung hat sich in den
österreichischen Alpenländern erhalten, z. B. in Tirol und Salzburg:
am Christabend findet das „Füttern der Elemente“ statt, indem man Mehl
und allerlei Speisen in Luft, Wasser und Feuer wirft sowie in die Erde
vergräbt (~Andree~, „Votive und Weihgaben ...“, 21).
Zu Seite 180:
+Athanasia.+ Als ἀθανασίας φάρμακον, ἀντίδοτον τοῦ μὴ ἀποθανεῖν =
„Mittel der Unsterblichkeit, schützend vor dem Tode“ bezeichnet noch
der hl. ~Ignatius~ (um 100) das „Genießen des Fleisches Christi“ bei
der Eucharistie (~Goguel~, A. Rel. 15, 280). -- ~Galenos~ erwähnt
ἀθανασία als eine Arznei der alexandrinischen Ärzte (~Berendes~, „Das
Apothekenwesen“, Stuttgart 1907; 34).
Zu Seite 183:
+Astrologúmena.+ Das Buch, in dem die Anrede mit τέκνον (Kind) der
üblichen Weitergabe des Geheimnisses vom Vater an den Sohn entspricht,
ist vor 150 v. Chr. geschrieben, und „nur +ein+ Autor spielt hinter
den +beiden+ Masken des Oberpriesters ~Nechepso~ und des Königs
~Petosiris~“, der vielleicht mit einem Herrscher aus dem 7. Jahrhundert
zu identifizieren ist. Einem hellenistischen Zuge gemäß gelten Könige,
oft zusammen mit Priestern, als bevorzugte Empfänger göttlicher
Offenbarungen (~Boll~, „Offenb.“ 6, 138 ff.; ~Boll~ und ~Bezold~,
„Sternglaube“ 29). Könige werden „als von höherem und stärkerem Wesen“
angesehen, und haben daher auch das Geisterreich und das Naturleben in
ihrer Gewalt; hiermit wieder hängt es zusammen, daß die Metallgötter
(s. oben S. 81) und die Planetengötter als „Könige“ erscheinen, so die
Planetengötter als „Scepterträger“ schon auf dem Zodiakus (Tierkreis)
von Denderah (~Pfeiffer~, „Sternglauben“ 100; ~Boll~, „Sphaera“, Tafel
2-5).
Zu Seite 184:
+Wochentage+ (die 7) waren in Rom zu Beginn der Kaiserzeit bereits
wohlbekannt; ~Tibull~ will am Sabbat, der wegen seines Zusammenhanges
mit ~Saturn~ für verdächtig und verrufen galt, nicht verreisen
(„Elegien“ lib. 1, Nr. 3, Vers 18), ~Horaz~ am Sabbat nichts
Geschäftliches unternehmen („Satiren“ lib. 1, Nr. 9, Vers 69). Aber
auch im ~Evangel. Matthaei~ (cap. 20) soll die Flucht nicht am Sabbat
stattfinden (~Boll~, „Offenb.“ 134). Durch römische Soldaten wurde
der Gebrauch der Wochentage auch schon frühzeitig nach Gallien und
dem Rheinlande gebracht (~Nilsson~, A. Rel. 19, 68, 118; ~Boll~ und
~Bezold~, „Sternglauben“ 84).
Zu Seite 186:
+Orientalische Einflüsse.+ Die sog. hippokratische Schrift über die
„Siebenzahl“, die bald nach 450 v. Chr. verfaßt sein dürfte, zählt
die 4 Elemente in der Reihenfolge Erde, Feuer, Wasser, Luft, oder
Feuer, Wasser, Luft, Erde auf. Als bedeutsame, wenngleich nicht genau
entsprechende Parallele ist anzuführen, daß nach der iranischen
Eschatologie die auferstehende Seele zurückfordert: von der Erde das
Gehirn, vom Wasser das Blut, vom Feuer die Lebenskraft (das Leben),
dagegen die Haare von der Pflanze (~Boll~, „Offenb.“ 61).
Zu Seite 193:
+Sophist+, σοφιστής, bedeutet in den Zauberpapyri nicht selten soviel
wie Zauberer (~Reitzenstein~, „Myst.-Rel.“, Leipzig 1910, 68, 90).
Zu Seite 200:
+~Muhammeds~ Himmelfahrt+; s. über diese die eingehende Abhandlung von
~Schricke~ („Der Islam“ 6, 1).
Zu Seite 202:
+Astrologie.+ Vom höheren geschichtlichen Standpunkte aus bezeichnet
sie ~Günther~ als eine Durchgangsepoche menschlichen Wissens und
Denkens, die überwunden werden muß, wenn Fortschritte erzielt werden
sollen (M. G. M. 16, 175). -- Dem Umstande, daß die Astrologie (was als
höchst wichtiger Vorzug erschien!) zugleich als Wissenschaft und als
Religion, oder, wie ~Cumont~ sagt, als „wissenschaftliche Theologie“
galt, ist der ungeheure und andauernde Einfluß zuzuschreiben, den
sie auf Naturwissenschaft und Medizin ausübte; ihre Geschichte
läßt die der Völkerverbindungen mit einzig dastehender Klarheit
und Sicherheit hervortreten, und ihre Litteratur ist in wahrhaftem
Sinne Weltlitteratur (~Boll~, „Offenb.“ 114; ~Boll~ und ~Bezold~,
„Sternglauben“ 65, 71 ff., 91).
Zu Seite 204:
+Bewirken oder Anzeigen?+ Zu ~Pfeiffers~ „Sternglauben“ zu ergänzen
sind die Seitenzahlen 2 ff., 47 ff., 61, 63, 65, 68 ff., 78 ff.
Zu Seite 210:
+Planeten-Konstellationen.+ Diesen entsprechend ließen nach einer
Überlieferung bei ~Thomas von Aquino~ die „Ägypter“ verschiedene
Pflanzensamen vermengen und geschlechtliche Vereinigungen verschiedener
Tierarten stattfinden (üb. ~Schneider~ 6, 447).
Zu Seite 212:
+Farben der Sterne.+ Angaben über diese für sehr wichtig angesehenen
Farben finden sich schon im „Tetrabiblos“ des ~Ptolemaios~, woselbst
sie sichtlich babylonischen Ursprungs sind, sowie bei seinen späteren
Nachfolgern, z. B. bei ~Hephaistion~ im 4. Jahrhundert (~Boll~, M. G.
M. 16, 173).
Zu Seite 226:
+~Hermes Trismegistos~+ als angeblicher Geograph wird erwähnt in dem um
1490 verfaßten „Deutschen Ptolemäus“ (Neudruck ed. ~Fischer~, Straßburg
1910; Vorr., S. 31).
Zu Seite 231:
+~Hermes Trismegistus~+ oder +~Mercurius~+ führt gegen Ende des 12.
Jahrhunderts ~Daniel~ von ~Morley~ an (~Sudhoff~, A. Nat. 8, 8,
14, 16); im 13. erwähnt ~Thomas~ von ~Aquino~ den „Poimandres“ des
~Trismegistus~ sowie den ~Hermes Trismegistus~ selbst (üb. ~Schneider~
2, 75, 77; 7, 584). Sein Andenken geriet also auch hiernach sicherlich
niemals völlig in Vergessenheit; vgl. auch die öfteren Berufungen auf
~Hermes~ in des ~Albertus Magnus~ (echter) Schrift „De mineralibus“
(Cöln 1569), die selbst wieder ausschließlich aus den Werken älterer
Vorgänger schöpft.
Nach einer Bemerkung in der „Κόρη κόσμου“ verfaßte ~Hermes
Trismegistos~ seine Schriften schon +vor+ Erschaffung der
Welt! (~Boll~, „Offenb.“ 8).
Zu seinen technischen Erfindungen (vgl. S. 258 dieses Werkes) gehört
nach arabischen Autoren auch die der Seife, und zwar machte er sie
kraft einer besonderen Offenbarung (~E. Wiedemann~, „Beiträge“ 54, 317).
Zu Seite 232:
+Kore, Κόρη κόσμου.+ In frühptolemäischer Zeit erfolgte eine
Verschmelzung des ~Isis~-Dienstes mit den ~Demeter~-Mysterien zu
Eleusis, bei denen ~Kores~ Wege hinab in die Unterwelt und wieder
herauf zur Oberwelt (ἄνω καὶ κάτω, áno kai káto) eine bedeutsame Rolle
spielten (~Roeder~, PW. 9, 2128; ~Hiller~, PW. 1, 2322).
Nach ~Reitzenstein~ sind die Ansichten ~Krolls~ und ~Zielinskis~ wie
betreff der Herleitung einer „höheren Hermetik“ aus Arkadien so auch
bezüglich der in entscheidenden Punkten irrig und unannehmbar[7227].
Die Κόρη κόσμου die jedenfalls erst dem 3. Jahrhundert n. Chr. und der
Zeit +nach+ dem Auftreten ~Manis~ (des Begründers des Manichäismus)
angehört[7228], rührt von einem Verfasser her, der ein umfangreiches
Material nach vielen Richtungen hin trefflich beherrscht, es aber rein
synkretistisch und völlig kritiklos verarbeitet, um ein religiöses Buch
für Gebildete zu schreiben, aber nicht der +religiösen+, sondern der
+litterarischen+ Wirkung halber, -- was schon an sich als ein für die
ganze Epoche höchst charakteristisches Zeichen anzusehen ist[7229]. Dem
Werke liegen, abgesehen von der vielfachen Benützung des platonischen
„Timaios“ (besonders in stilistischer Hinsicht)[7230], drei
Hauptquellen zugrunde[7231]: 1. eine ursprünglich iranische Kosmogonie,
2. eine griechische philosophische Schrift, deren Begriffsbildungen
mit den religiösen Überlieferungen der ersteren verschmolzen
werden[7232], 3. die hellenistisch-ägyptische ~Osiris~-Tradition, der
die entscheidenden Erlösungslehren entnommen sind.
Dem iranischen Schöpfungsmythus, der sich allmählich durch ganz
Vorderasien verbreitet zu haben scheint, jedoch unter Verdunkelung
oder völliger Abstreifung seines dualistischen Grundgedankens[7233],
entstammen verschiedene wichtige Züge. Die geordnete Welt wird in
mehreren Stufen erschaffen, und zwar durch Auflösung des Chaos, der
„schwarzen Einheit der Materie“, wobei der Himmel mit seinen Sternen,
die trockene Erde, sowie die Wasserfläche zum Vorschein kommen[7234].
Ein Urgott, eine Urgöttin, oder eine Urseele (~Psyche~), aus der alle
Einzelseelen entspringen, irrt vom Schöpfer ab, sinkt herab in die
Materie, wird aber am Ende der Dinge aufs neue mit dem höchsten Gotte
vereint und steigt wieder empor zum Himmel[7235]. Die lebendigen
Menschen sind eine innige Verbindung von Hyle und Psyche[7236]; aus
Feuer und Luft, den beiden Elementen des Lichtreiches, bestehen
die Seelen, die nach dem Sündenfalle, d. h. nach dem Abirren vom
Schöpfer, bestraft werden, nämlich durch Bindung an die aus Wasser
und Erde gebildete Hyle der Leiber, die gemeine Materie[7237]. Über
die Schicksale der Menschen berät der höchste Gott mit ~Hermes~, der
als sein νοῦς (Nûs) und seine ψυχή (Psyche) erscheint, sowie mit den
übrigen Göttern, besonders mit jenen der Planeten, die überlegen,
was jeder von ihnen für die Menschen tun könnte; schließlich wird
jenen, die einen reinen und gerechten Lebenswandel führen, Erlösung
und Rückkehr in den Himmel versprochen[7238]. Schon nach dem ersten
Erscheinen der Urseele (Psyche) tritt aber auch der „Herrscher der
Finsternis“ in Gestalt eines furchtbaren Drachen hervor[7239];
„Herrscher der Finsternis“ hießen jedoch auch die „Archonten“, d. s.
die Planetengeister, die „mit Sünde (= Materie) verbunden“ am Himmel
umherirren und die Schöpfung bedrohen[7240]. Anscheinend unter dem
Einflusse dieser bösen Geister sündigen die Menschen und häufen Frevel
auf Frevel, bis sich die Elemente klagend vor dem höchsten Gott
einfinden und von ihm eine neue Emanation (ἀπόρροια) erflehen; er
sendet ~Osiris~ und ~Isis~, die abermals Recht, Ordnung und Frömmigkeit
auf Erden verbreiten, dann aber kraft eines Zauberhymnus wieder gen
Himmel auffahren. Nach anderen Quellen vertreten jedoch ihre Stelle
~Dionysos~, „der Sohn des Gottes“ (nämlich des ~Zeus~), oder ~Mithras~,
der „Mittler“ zwischen höchstem Gott und Menschheit[7241].
Zu Seite 233:
+~Agathodaimon.~+ Nach ~Lanes~ „Manners and customs of the modern
Egyptians“ (London 1860) besaß noch um die Mitte des vergangenen
Jahrhunderts jedes Quartier der Stadt Kairo seinen Schutzgeist oder
~Agathodaimon~, der in Schlangengestalt verehrt wurde (~Rescher~, „Der
Islam“ 9, 27).
Zu Seite 236:
+Gnostik.+ Schon ~Herder~ („Werke“ ed. ~Suphan~, Berlin 1893; 9,
276) spricht sich sehr bestimmt dahin aus, daß die Gnostik in die
vorchristliche Zeit zurückreicht, also in jene des Hellenismus. Dieses
meist für sehr jung gehaltenen Ausdruckes bedient er sich öfters (vgl.
10, 184) und entlehnte ihn vermutlich seinen Quellen; schrieb doch
z. B. bereits ~Heinsius~ ein Werk „De lingua hellenistica“ (Leiden
1643).
Zu Seite 240, 244 (s. auch Seite 203):
+Buchstabenmystik+, Anrufung der 7 Vokale α, ε, η, ι, υ, ο, ω, u. dgl.,
hängen enge mit der Anschauung zusammen, daß der Name der Götter ein
Teil ihres Wesens sei; aus ihr erklärt sich die Macht, die der Kenntnis
des „wahren Namens“ zugeschrieben wird, aber auch die Scheu, diesen
auszusprechen, wie sie z. B. bei den Juden zutage tritt (~Boll~,
„Offenb.“ 32). -- Vgl. die „hundert schönen Namen“ Allahs.
Zu Seite 240, 255:
+Kraft der Worte.+ Daß bestimmte Worte eine ganz besondere Kraft
ausüben und daher bei allerlei kirchlichen Zerimonien hauptsächlich
oder ausschließlich in der vorgeschriebenen bestimmten Sprache zu
gebrauchen sind, deutet noch ~Thomas von Aquino~ unverkennbar an (üb.
~Schneider~ 11, 12).
Zu Seite 245:
+Zahlzeichen, griechische.+ Die Benützung der Buchstaben als
Zahlzeichen ist nach ~Larfeld~ im 8. Jahrhundert v. Chr. aufgekommen,
und zwar zu Milet (~Ruska~, „Zur ältesten arabischen Algebra ...“, 41).
Zu Seite 245:
+Zahlenwerte von Namen.+ Daß es nach spätgriechischen und
„syrisch-chaldäischen“ Überlieferungen von großer Wichtigkeit ist, den
Zahlenwert zu erkennen, der den Namen Erkrankter entspricht, meldet
u. a. der „Codex Hertensis“ des 9. bis 12. Jahrhunderts (~Sudhoff~, A.
Med. 10, 310).
Zu Seite 248:
+~Mithras.~+ Die älteste litterarische Erwähnung des ~Mithras~ findet
sich in der „Thebaïs“ (Ges. 1, Vers 717), die ~Statius~ zwischen 81 und
92 n. Chr. verfaßte (~Poppelreuter~, „Der Islam“ 8, 295).
Zu Seite 265:
+~Salomon.~+ Über die ungeheure Zaubermacht, die der Orient dem König
~Salomon~ zuschrieb, vgl. ~Rescher~, „Der Islam“ 9, 5 u. 49.
Zu Seite 298:
+Chamäleon+ als Namen einer Muschel hat nichts mit dem ägyptischen
Chamäleon zu tun, sondern ist eine Entstellung des persischen und
arabischen Kalamûn, das selbst wieder vom griechischen ὑποκάλαμον
(Hypokálamon) herkommt, d. i. die Steckmuschel, aus deren Byssus das
„Meerwolle“ genannte, goldig schimmernde Gewebe gemacht wurde (~Hell~,
„Enzykl. des Islam“ 1, 100).
+Chamäleon.+ Der syrische Lexikograph ~Bar Bahlul~ sagt von dem
seltenen Worte Kemelaʾaʾ: „das ist Kimia, Alkîmijâ“ (arabisch!); er
kennt auch das Tier Kemelintos oder Kemeliun, bringt jedoch die Namen
selbst nicht in Verbindung. Der Versuch einer solchen kann +nur+
aus spätgriechischer Zeit herrühren, da aber für einen Griechen der
Zusammenhang zwischen χημεία und χαμαιλέον ernsthaft nicht wohl in
Frage zu kommen vermag, so handelt es sich wohl um eine Art Wortwitz
von der Gattung jener, der so zahlreiche bei ~Isidorus~ von ~Sevilla~
auftauchende „Etymologien“ angehören (~Ruska~).
Vom Chamäleon als „Kemmeltier“ sprechen noch mittelhochdeutsche
Quellen, z. B. ~Hugo~ von ~Trimberg~ gegen 1280 im „Renner“ (ed.
~Ehrismann~, Tübingen 1909; 3, 79); vorübergehend erwähnt er in diesem
Werke auch die Alchemisten, (ebd. 2, 299).
Zu Seite 311:
+Harut und Marut.+ Diese Sage ist nach ~Littmann~ babylonischen
Ursprunges, die beiden Namen sind jedoch späterer, (in dieser
Überlieferung) iranischer Herkunft („~Harut~ und ~Marut~“ in
„Festschrift für ~F. C. Andreas~“, Leipzig 1916, 70).
Zu Seite 315:
+Alloiosis+ der Nahrungsmittel nennt ~Galenos~ (2. Jahrhundert n. Chr.)
deren Umänderung im Laufe der Verdauung (~Meyer-Steineg~, „Studien zur
Physiologie des ~Galenos~“, A. Med. 6, 423).
Zu Seite 320:
+Xerion.+ Das aus dem griechischen ξήριον entstandene Iksîr findet sich
im Persischen bereits bei ~Firdusi~, um 1000 n. Chr.; als al-iksîr
(Elixir) geht es dann zu den Arabern über (~Jacob~). -- In der
„Augenheilkunde“ des ~Ibn Masawaih~ (777-857) ist Iksîr oder Elixir
noch = trockenes Streupulver (~Prüfer~ und ~Meyerhof~, „Der Islam“
6, 252), ebenso in den Schriften der arabischen Augenärzte um 1000
(~Hirschberg-Lippert~ 1, 210).
Zu Seite 320:
+Stein der Weisen.+ Nach uigurischer, wohl aus Kreisen der Manichäer
stammender Tradition (um 900) erhielten die sog. hl. 3 Könige vom
Christuskinde als Gegengabe für ihre Geschenke ein von der steinernen
Krippe abgebrochenes Stückchen, das sie, weil es von ungeheuerlicher
Schwere war und ihnen unbrauchbar erschien, in einen Brunnen warfen,
aus dem hierauf ein feuerblitzender Glanz bis zum Himmel aufstieg.
Da nun aus gewissen, bei ~Gregor~ von ~Tours~ (539-594), ~Almaʿsudi~
(gest. 956) und ~Marco Polo~ (gegen 1300) erhaltenen Berichten die
Legende zu erschließen ist, der die Weisen führende Stern sei, einem
Meteore gleich, in einen Brunnen bei Bethlehem herabgefallen, so glaubt
~Hommel~, man habe in diesem abgebrochenen Stückchen Stein den Ursprung
des „Steins der Weisen“ zu erblicken, der bestimmt gewesen sei „den
glücklichen Findern eine Gold- und Segensquelle zu werden“ („Münchener
Neueste Nachrichten“ Nr. 8 vom 5. Januar 1918; den Hinweis auf diesen
Aufsatz verdanke ich Herrn Geh.-Rat Prof. Dr. ~G. Jacob~). -- Inwieweit
in dieser Sage der +Ursprung+ des „Steins der Weisen“ liegen soll, ist
jedoch zunächst nicht einzusehen, und die Frage, ob eine +Verbindung+
bestehe, bedarf wohl erst noch weiterer Untersuchung.
Zu Seite 328:
+~Bolos~ von ~Mende~+ war auch eine ergiebige Quelle für die Verfasser
der sog. „Steinbücher“ sowie des zwischen 300-400 n. Chr. in Syrien
entstandenen, „Physiologus“ genannten Tierbuches (~Wellmann~, M.
G. M. 16, 374). Seinen Schriften entstammen ferner jedenfalls
die Anschauungen über (Pseudo-) ~Demokritos~ als „Wettermacher“
(~Pfeiffer~, „Sternglauben“ 93 ff.).
Zu Seite 331:
+~Pseudo-Demokritos’~+ Schrift über den Magnet (περὶ τῆς λίθου) erwähnt
~Hoppe~ in seiner Abhandlung über Magnetismus und Elektrizität im
Altertume (A. Nat. 8, 95).
Zu Seite 347:
+Zeichen für Sonne und Mond+, vielleicht auch für Sterne (Planeten?)
sollen sich schon auf Tontrommeln aus der Steinzeit vorfinden, die
Gräbern nächst Halle und Merseburg entstammen (~Hoops~ 3, 286).
Zu Seite 351:
+Zeichen für Planeten und Metalle.+ In seiner Abhandlung „Bruchstücke
einer antiken Schrift über Wetterzeichen“ äußert sich ~Wessely~ zu
dieser Frage wie folgt: Die bekannten Zeichen für die 5 Planeten
entstanden aus den Abkürzungen ihrer griechischen Namen; kursives κρ
mit dem Abkürzungsstrich in entstellter Form wurde zum Zeichen für
Κρόνος, die Majuskelform Ζ mit dem Abkürzungsstrich zu dem für Ζεύς,
und ebenso kursives αρ und ερ mit dem Abkürzungsstrich, sowie Φ, das
seine alte Gestalt am besten bewahrte, zu dem für Ἄρης, Ἑρμής und
Φωσφόρος. Die beiden ersten Zeichen, sowie das letzte, erkannte richtig
schon ~Salmasius~ („Sitzungsberichte der Wiener Akademie“ 142, 1; S.
12, Anm. 2).
Zu Seite 353:
+Null.+ Die Mayas, eine Gruppe mittelamerikanischer Völkerschaften,
hatten selbständig, und vielleicht schon früher als die Inder, ein
Zeichen für Null erdacht und mit seiner Hilfe den Stellenwert der
Zahlen ausgedrückt (~Cajori~, M. G. M. 16, 166). Über die ganze Frage
s. die eingehende Abhandlung ~Günthers~ (Ber. Münchener Akad. 1917,
111), in der er auch hervorhebt, daß die Inder ein Dezimal-, die Mayas
aber ein Vigesimal-System besaßen, wie dies zuerst ~Seler~ zeigte.
Zu Seite 353:
+Indische Ziffern.+ Das indische Ziffer- und Rechen-System wird seit
etwa 800 bei den Arabern wissenschaftlich gelehrt, ist aber bereits 662
einem syrischen Schriftsteller bekannt (~Ruska~, „Der Islam“ 5, 272 und
„Zur ältesten arabischen Algebra und Rechenkunst“, Heidelberg 1917; 47,
45); bisher ist der Gebrauch der Null bei einem Araber zuerst für 873
nachgewiesen, der bei einem Inder für 732 (ebd. 36). -- Unvereinbar mit
diesen genau belegten Angaben erscheinen vorerst jene des indischen
Gelehrten ~Kaye~: er behauptet, daß das Positions-System in Indien noch
im 9. Jahrhundert verhältnismäßig neu und vielleicht überhaupt keine
indische Erfindung war, und daß alle Berichte, die eine ältere Zeit
(u. a. die um 600) betreffen, entweder unsicher oder sogar gefälscht
sind (M. G. M. 17, 13).
Zu Seite 357:
+Kopten.+ Über medizinische und Färberei-Rezepte der Kopten s.
~Leipoldt~ in ~Brockelmanns~ „Geschichte der christlichen Litteraturen
des Orients“ (Leipzig 1907) 171, sowie ~Erman-Krebs~, „Aus den Papyri
des Kgl. Museums“ (Berlin 1899) 255.
Zu Seite 364:
+~Dschabir.~+ Die Wahl der Namen ~Dschabir~ und ~Geber~ zwecks
Unterscheidung ihrer einschlägigen Werke rührt nicht von ~Berthelot~
her, sondern von ~Wüstenfeld~ (vgl. S. 485 dieses Werkes), dessen
„Geschichte der arabischen Ärzte und Naturforscher“ (Göttingen 1840)
~Berthelot~ vielfach benützte.
Zu Seite 369:
+Tutia+ wird von einigen arabischen Autoren als besonders kostbares
Erzeugnis Indiens (der indischen Grenzländer?) angepriesen (~E.
Wiedemann~, „Beitr.“ 54, 320). -- Dieser Wertschätzung entspricht die
Erwähnung von Tutia in höfischen Redensarten, die sich bis in die
Neuzeit hinein erhielten und noch bei den Türken in Gebrauch standen:
in einem Briefe aus dem 16. Jahrhundert an den letzten Pascha von
Ofen heißt es z. B.: „Tutija ist der Fußstaub Euer Exzellenz“, wobei
Tutija an Stelle des sonst auch vorkommenden „Kimija“ steht, des
lebenspendenden Pulvers aus dem Steine der Weisen (~Jacob~, „Der Islam“
8, 249).
Zu Seite 372:
+Zauberquadrate.+ In den Schriften der „Treuen Brüder“ finden sich
Zauberquadrate bis zu 9 Zellen beschrieben (~Carra de Vaux~, „Enzykl.
des Islam“ 2, 258); der Name kommt jedoch erst im 15. Jahrhundert bei
~Agrippa~ von ~Nettesheim~ vor (~Günther~, M. G. M. 15, 209). -- Über
die Theorie der Zauberquadrate s. ~Ferrols~ „Neues Rechnungsverfahren“
(Bonn 1913) 165.
Nach ~Ahrens~ gehen jedoch die Angaben des ~Agrippa~ (und auch die
des ~Cardanus~) auf arabische Quellen zurück; schon ~Dschabirs~ „Buch
der Wage“ soll der „magischen Quadrate“ (u. a. solcher von 9 Zellen)
gedenken und sie den Planeten zuteilen, ferner erwähnen sie einige
Schriftsteller des 9. und 10. Jahrhunderts, -- bei den „Treuen Brüdern“
scheint die Stelle aber interpoliert zu sein --, und desgleichen auch
noch der byzantinische Autor ~Moschopulos~ („Der Islam“ 7, 186,
205, 210; M. G. M. 16, 307; vgl. ~Bolte~, M. G. M. 16, 307 und ~E.
Wiedemann~, „Der Islam“ 8, 94).
Zu Seite 374:
+Planeten-Seelen.+ Noch ~Kepler~ schrieb 1604 den Planeten eigentliche
Seelen zu, durch die er ihre Bewegungen erklärte (~Gerland~,
„Geschichte der Physik“, München 1913, 403).
Wie lange der Glaube an die Planetenseelen und ihre besonderen
Beschaffenheiten Allgemeingut blieb, zeigt u. a. die Tatsache, daß
noch 1676 der berühmte Komponist und Orgelspieler ~Buxtehude~, „Natur
und Eigenschaften der Planeten in sieben (verschollenen) Suiten
[Charakterstücken] artig abbildete“ (~Spitta~, „~J. S. Bach~“, Leipzig
1916; 1, 259).
Zu Seite 374:
+~Hermes~ (~Mercur~).+ Während die übrigen Sterne im Arabischen
jeder sein bestimmtes Geschlecht haben, ist allein ~Mercur~
zweigeschlechtlich, hat also hierin die alte Überlieferung seines
Zwitterwesens gewahrt (~Littmann~, „Festschrift für ~A. C. Andreas~“,
Leipzig 1916, 86).
Zu Seite 374:
+Planeten-Namen.+ ~Alkhwarizmi~ gibt um 980 in den „Mafâtîh“ als
persische Namen an: Chwâr (Sonne), Mâh (Mond), Tîr (Merkur), Nâhîd
(Venus), Bahrâm (Mars), Hurmuz (Jupiter) und Kaiwân (Saturn) (~E.
Wiedemann~, „Beitr.“ 47, 216). -- Nach ~Ruska~ lauten die arabischen
und persischen Namen: Sonne, Schams, Aftâb; Mond, Qamar, Mâh; Jupiter,
Muschtarî, Birdschis; Mars, Mirrîch, Bahrâm; Merkur, ʿUtârid, Tîr;
Venus, Zuhrâ, Nâhîd; Saturn, Zuchal, Kaiwân.
Zu Seite 375, 425:
+Planeten-Einflüsse.+ Nach ~Nöldeke~ erfand im 6. Jahrhundert ein
persischer Vezir als Gegenstück zu dem neuen Schach- das Nard-Spiel,
das das menschliche Leben in seiner Abhängigkeit von den Planeten
und Tierkreis-Sternbildern darstellte (~Ruska~, „Zur Geschichte der
Schachbrettaufgabe“, Leipzig 1916, 280).
Über den besonderen Zusammenhang zwischen den Tierkreis-Sternbildern
und den Teilen des menschlichen Körpers s. ~Sudhoff~, „Studien zur
Geschichte der Medizin“, Leipzig 1914, 198 ff. -- Als unumstößlicher
Wahrheiten gedenkt der überlieferten Einflüsse der Planeten auf die
Körperteile noch das so weitverbreitete, um 1243 im Kreise Kaisers
~Friedrich~ II. verfaßte „Buch ~Sidrach~“ (ed. ~Jellinghaus~, Tübingen
1904, 164), in dem die Wandelsterne mit ihrer Macht, sowie die
Astrologie, überhaupt eine hervorragende Rolle spielen (ebd. 65, 121,
159, 199).
Zu Seite 375:
+Planeten und Farben der Metalle.+ Nach einer bei ~Daniel~ von ~Morley~
(gegen 1200) erhaltenen Überlieferung ist die Farbe der Sonne feurig,
jedoch ihres großen Glanzes wegen nicht genau erkennbar, die des Mondes
weiß wie Zinn, die des Merkur schwarz, die der Venus weißlich, die
des Mars goldig, die des Jupiter silbern, die des Saturn bleiähnlich
(~Sudhoff~, A. Nat. 8, 30).
Zu Seite 379:
+Sandarach.+ Das einer nordafrikanischen Cupressinee entstammende Harz
wird unter diesem Namen zuerst in einem Papyrus von etwa 900 erwähnt
(~Seidel~, „Der Islam“ 1, 150); vgl. die Angaben bei ~Alqazwini~ (~E.
Wiedemann~, „Beitr.“ 54, 291, 307).
Zu Seite 380, 409:
+Essig.+ Die so besonders „kalte Natur“ des Essigs erklärte ~Epikur~
(jedenfalls auf Grund älterer griechischer Quellen) daraus, daß er aus
dem Weine, der kalte und heiße Atome enthält, unter Austreibung dieser
letzteren entstehe; nach ~Empedokles~ sollte sich hinwiederum der Wein
auch durch eine bloße σῆψις (Sépsis) des Wassers bilden (~Gilbert~ 213,
342).
Zu Seite 385:
+Ton der Philosophen.+ Einer Vorschrift zu seiner Herstellung aus Ton,
Kohlenpulver, Kalk, Salz, Haaren und anderen Bestandteilen gedenkt
~Seidel~ („Der Islam“ 1, 263).
Zu Seite 388:
+Syrische Schriften.+ Nach ~Ruska~ dürften diese Schriften auf
griechisch-persische Vorlagen zurückgehen, wonach es sich auch erklären
würde, daß einzelne Namen von Präparaten an mittelpersisches Sprachgut
anklingen. Genaueres hierüber wird sich wohl kaum ermitteln lassen,
da die gesamte syro-persische Litteratur, die von Gondisapur her
so tiefgehenden Einfluß ausübte, restlos zugrunde gegangen zu sein
scheint. (Vgl. ~Brockelmann~, „Geschichte der christlichen Litteraturen
des Orients“, Leipzig 1907, 44 ff., 50.)
Zu Seite 394:
+Porzellan.+ Die Erfindung des Porzellans in China erfolgte etwa um 600
n. Chr. (~Zimmermann~, „Chinesisches Porzellan“, Leipzig 1913; 1, 22
ff.; „Orientalisches Archiv“ 1911, Bd. 2; ~Sarre~, „Der Islam“ 5, 183).
Zu Seite 395, 423:
+Ziwaka (syr. = Quecksilber)+, im Persischen zîbak, von zîsten = leben,
also „das lebendige“ wie „argentum vivum“; zîbak ist auch sprachlich
verwandt mit vivum und quick, das den urindogermanischen Anlaut kw
zeigt (~Jacob~). -- Im heutigen Persischen heißt Quecksilber auch
sîmâb = „Silberwasser“ (übersetzt aus dem griechischen ὑδράργυρος?),
und falls dieses Wort wirklich alter Herkunft ist, könnten sich von
ihm alle westorientalischen Bezeichnungen ableiten, ohne daß sich
aber bestimmt entscheiden ließe, wo in dem Herüber und Hinüber die
frühesten Umformungen liegen. Im neupersischen Arzneibuche des ~Abu
Mansur Muwaffak~ (um 975) heißt es zîbak, im Mittelpersischen žiwâk,
im Syrischen zîwag (auch zijûg und zijûkâ), im Arabischen meist zîbak,
aber auch zîbâk, zâwûk, zuwâk usw. (~Ruska~).
Zu Seite 407:
+~Albiruni~+ gedenkt u. a. der Anwendung des Diamanten zum Bohren von
Gesteinen, sowie der giftigen Natur seines Staubes (~E. Wiedemann~,
„Der Islam“ 2, 352).
Zu Seite 409:
+~Dimischqi.~+ Ein nicht näher bekannter Schriftsteller dieses Namens
verfaßte im 11. Jahrhundert ein „Handbuch der Handelswissenschaften“,
in dem er auch der Kniffe und Schwindeleien der Alchemisten gedenkt,
die Verfahren zur Verfälschung, aber auch zur Prüfung der Edelmetalle
schildert (z. B. die Feuerprobe nach ~Qalqaschandi~), und dem Gläubigen
ein „Hüte Dich!“ vor den Alchemisten zuruft, „gegen die Allah Dich
beschütze“! (~Ritter~, „Der Islam“ 7, 50 ff., 166, 73; ~Weiss~, ebd. 7,
252).
Zu Seite 412:
+~Alqazwini.~+ Völlig übereinstimmend mit den Lehren des ~Alqazwini~
(gest. 1283) über die Entstehung der Metalle aus Schwefel und
Quecksilber, und sichtlich aus den nämlichen syrischen, arabischen und
griechischen Quellen geschöpft, sind die Ansichten des Syrers ~Severus
bar Schakku~ (gest. 1241) im „Buch der Dialoge“. Ihre Richtigkeit,
so versichert er, stehe auf Grund von Versuchen für alle jene fest,
die mit der Kunst „Chimalia“ der Philosophen vertraut sind (~Ruska~,
„Studien zu ~Severus bar Schakku~“; „Zeitschrift für Assyriologie“ 12,
157).
Zu Seite 413:
+Magnetberge+: vgl. das „Steinbuch“ des ~Tifaschi~ (gest. 1253), üb.
~Biscia~ (~E. Wiedemann~, „Gesch.-Blätter“ 3, 281).
Zu Seite 420:
1001 +Nacht+. Über die große Rolle der Astrologie, der Alchemie,
und des gesamten Aberglaubens in „1001 Nacht“ handelt eingehend der
wichtige Aufsatz ~Reschers~ („Der Islam“ 9, 1; Alchemie: 33, 76).
Zu Seite 420:
+Tâliqûn+ führen die arabischen Augenärzte um 1000 als
„gelbes, dehnbares Kupfer“ an, neben einem anderen weißlichen
(~Hirschberg-Lippert~, a. a. O. 2, 186); letzteres ist wohl ein helles
Messing. -- Der Name rührt vielleicht vom Herstellungsorte her, da
~Aldschahiz~ (gest. 869) „talikanische Filze“ erwähnt (~Ritter~, „Der
Islam“ 7, 21).
Zu Seite 424:
+Arsen.+ Das Grundwort lautet im Altpersischen zaranya, im
Neupersischen zar, zarnich, zarniq (= Gold, goldig), im Armenischen
zarik, im Syrischen zarnîkâ (~Schrader~, „R. L.“ 46, 151 ff.; „Ur.“
2, 32). Bei ~Hippokrates~ kommt ἀρρενικόν (Arrenikón = Auripigment)
mit σανδαρακή (Sandaraké = Realgar) zusammen vor (üb. ~Fuchs~ 3,
293), letztere aber auch allein (ebd. 2, 416; 3, 480, 492, 494).
~Theophrastos~ bezeichnet beide als aschenartig, wie von Feuer
angebrannt, von trockener und rauchartiger Natur und sagt, daß sie
als Farbstoffe dienen, so wie μίλτος (Rötel) und ὦχρα (Oker), die
man in „Kaminen“ brennt, und zwar in mit Ton ringsum verschmierten
Gefäßen (περιπλάσαντες). Nach ~Festus~ gleicht Sandaraka, die eine
Art Farbstoff ist (coloris genus), dem σάνδυξ (Sándyx, d. i. ein
rötlichgelbes, der Mennige ähnliches Mineral), was nach ihm eigentlich
Krapp bedeuten soll (~Lindemann~, „Corpus grammat. veterum“, Leipzig
1832, 136, 854, 693); über die kleinasiatischen Sandyxgruben
berichtet ~Strabon~ (lib. 12, cap. 40), vgl. ~Celsus~, üb. ~Friboes~
(Braunschweig 1906, 669). Dem ~Philostratos~ (um 215 n. Chr.) ist
Sandarake ein Erdreich, aus dem in Indien eine heiße Quelle entspringt
(„~Apollonius von Tyana~“, lib. 3, cap. 14), dem Lexikographen
~Hesychios~ (5. Jahrhundert) eine metallartige Masse, εἶδος μεταλλικόν
(„Lexikon“, ed. ~Schmidt~, Jena 1867; 1136). -- Das Wort „Realgar“
scheint erst in nacharabischer Zeit aufzutauchen; vermutlich leitet es
sich von Risigallo (Risigiallo = Rauschgelb) ab, das selbst wieder aus
dem vieldeutigen Chrysokolla entstellt sein dürfte.
Zu Seite 429:
+~Douttés~+ angeführtes Werk heißt: „Magie et religion de l’Afrique du
Nord“ (Algir 1909). -- Vgl. für Ostafrika: ~Becker~, „Der Islam“ 2, 33
ff.
Zu Seite 465:
+Alchemie.+ ~Daniel~ von ~Morley~, der vor 1187 in Toledo weilte, wo
sich eine Art Lehrstätte oder Hochschule befand, und daselbst Schüler
~Gerhards~ von ~Cremona~ war, verfaßte zwischen 1175 und 1200 ein
Werk „Liber de naturis inferiorum et superiorum“; er erwähnt darin,
die Wissenschaft habe acht Teile, handelnd über Recht (de iudiciis),
Medizin, Landbau (agricultura), Spiegel (de speculis; Brennspiegel?),
Sternbilder (de ymaginibus, über die schon König ~Ptolemäos~ aus
Philadelphia in Ägypten eine „Astronomie“ schrieb), Vorzeichen (de
praestigiis), Nigromantie und Alchemie (Alckimia); letztere befaßt sich
mit der Umwandlung der Metalle in andere Arten, „quae est scientia de
transformatione metallorum in alias species“ (~Sudhoff~, A. Nat. 8, 2,
40; 28; 34).
Zu Seite 490:
+~Albert der Grosse.~+ Sein Geburtsjahr ist unsicher und fällt zwischen
1193 und 1207 (~Hertling~, „~Albertus Magnus~“, Münster 1914; 2, 20).
Nach einer aus den Jahren 1240-1256 herrührenden Äußerung besuchte
er erzreiche Gegenden, vermutlich die des Harzes, da er sich 1240 in
Hildesheim aufhielt, und unterrichtete sich über die Transmutationen
der Alchemisten, um so Natur und Eigenschaften der Metalle zu ergründen
(ebd. 5, 8). -- Als „~Alberto della Magna~“ = ~Albert der Deutsche~
[entstellt aus ~Albertus Magnus~?] findet er sich frühzeitig in Italien
genannt, z. B. in den um 1375 verfaßten Novellen des ~Sacchetti~ (ed.
~Gigli~, Florenz 1860; 2, 241).
Zu Seite 494:
+~Arnaldus~ von ~Villanova~.+ Sein Name findet sich später entstellt
zu ~Rinaldi Telanobebila~ (~Kopp~, „Beitr.“ 327; ~Berthelot~,
„Intr.“ 199). ~Saladin d’Asculo~ (um 1450) spricht von ~Rainald~ von
~Villanova~ (s. „~Mesuae~ Opera“, Venedig 1570, 293).
Zu Seite 496:
+Kabbala.+ Einige nähere Angaben über sie s. bei ~Hesz~ (A. Nat. 7,
117). Vgl. ~Deussen~ 2 (2), 421.
Zu Seite 504:
+Alchemie in Italien.+ Bei den Schriftstellern des 14. Jahrhunderts
ist archimia = Fälschung und archimiato = gefälscht schon allgemein
gebräuchlich, vgl. z. B. die um 1375 verfaßten Novellen des ~Sacchetti~
(ed. ~Gigli~, Florenz 1860; 1, 60, 70, 367; 2, 296).
~Folengo~ (1491-1544), der Verfasser des makaronischen Gedichtes
„Merlin Coccaius“ (1517), dessen anonyme französische Übersetzung von
1606 als wichtiges Vorbild des ~Rabelais~ anzusehen ist, kann sich
gleich letzterem nicht genug tun an Spöttereien über die Falschheit der
Alchemie und Astrologie, die unsinnigen Verbindungen zwischen Metallen,
Planeten und Sphären usf. (ed. ~P. L. Jacob~, Paris 1859; 107, 228 ff.,
u. oft); u. a. erwähnt er auch den „Schwefel aus Quecksilber“ (ebd.
402) und die giftige Natur des gepulverten Diamanten (ebd. 88).
Zu Seite 510:
+~Jakob Böhme~+ preist insbesondere auch im „Seraphinischen
Blumengärtlein“ mit begeisterten Worten die Macht der Tinktur, die
Tugenden des „edlen hochteuren Steines der Weisen“, die Kräfte der
Signaturen, usf. (Neudruck, Berlin 1918, 81, 145, 239 ff.; 89, 129; 171
ff.).
Zu Seite 511:
+Aufleben des Mystizismus.+ Schon ~Herder~, der diesem sonst völlig
fernstand, verfaßte „Gespräche des ~Hermes~ und ~Poemander~“, d. i.
~Poimandres~ („Werke“, ed. ~Suphan~, Berlin 1885; 23, 515, 532).
Zu Seite 514:
+Planeten-Darstellung.+ Hierüber vgl. ~Haubers~ „Planetenkinder und
Sternbilder“ (Straßburg 1916); ~Littmann~, „Der Islam“ 8, 135.
„Maistre Piccatrix“, zusammen u. a. mit ~Michael Scotus~, findet
sich als Verfasser der „großen Zaubertafel des Piccatrix“ erwähnt in
~Folengos~ „Merlin Coccaius“ (1517), ed. ~P. L. Jacob~ (Paris 1859) 321.
Zu Seite 527:
+Bergwerke bei den Arabern.+ Näheres über die merkwürdigen und schon
im 8. Jahrhundert sehr verwickelten rechtlichen und steuerlichen
Verhältnisse, die bereits ~Abu Jusuf~ (gest. 798) ausführlich erörtert,
s. bei ~Schmidt~ („Der Islam“ 1, 327 ff., 350 ff.).
Zu Seite 534:
+Elektron.+ Noch ~Thomas~ von ~Aquino~ sagt hierüber: „es bezeichnet
nichts anderes als unseren Herrn ~Jesus Christus~, den Mittler zwischen
Gott und Mensch; das Elektron verbindet die Vorzüge des Goldes mit
denen des Silbers, dieses gewinnt höheren Glanz, jenes vermindert den
seinigen; so ist auch in Gottes Sohn die Natur der Gottheit verbunden
mit der unserigen, diese gewinnt höheren Glanz, jene mäßigt für unser
Auge den ihrer Majestät“ (üb. ~Schneider~ 9, 11).
Zu Seite 541:
+Kupfer.+ Für die andauernde kultische Bedeutung des Kupfers
bezeichnend ist es, daß der assyrische König ~Tiglat-Pilesar~ I. (um
1100) als Zeichen der völligen Zerstörung einer Stadt einen „Blitz aus
Kupfer“ anfertigen und in einem Tempel aufstellen ließ (~Petersen~,
„Der Islam“; Beiheft 3, 105).
Zu Seite 552:
+Bronze.+ ~Hammurabi~ befiehlt u. a., Eidbrüchigen einen Block aus
Bronze in den Mund zu schlagen (~Petersen~, „Der Islam“; Beiheft 3,
190).
Zu Seite 555:
+Bronze in Italien.+ Über die vorgeschichtliche Periode in Italien,
besonders die Bronze- und die Anfänge der Eisen-Zeit, über die
Bedeutung der Etrusker, die Einflüsse der Phönizier usf., vgl. den
lehrreichen und vom Herkömmlichen in vielem abweichenden Artikel
~Philipps~ (PW., Spl. 3, 1278).
Zu Seite 559:
+Bronze der Tschuden.+ Bei den Tschuden und den ural-altaïschen Völkern
entstand die Bronzekultur anscheinend unter chinesischem Einflusse,
reicht zum Teil bis 300 v. Chr. herab, und macht dann den Anfängen der
Eisenzeit Platz, die zunächst die meisten Formen der ersteren beibehält
(~Hoernes~, bei ~Hoops~ 4, 193).
Zu Seite 564:
+Bronze.+ Zur Ableitung von Bronte s. nach einem Hinweise von Herrn Dr.
~H. Schunck~ in Ludwigshafen das italienische brontolare = brummen,
surren; dessen Stammwort ist hinwiederum jedenfalls das spätlateinische
bruntulare (= susurrare, murmurare) (~Maigne d’Arnis~ 361). --
Brontolare findet sich u. a. schon in den um 1375 verfaßten Novellen
des ~Sacchetti~ (ed. ~Gigli~, Florenz 1860; 2, 163).
Nach ~Thomas~ von ~Aquino~ bedeuten die Glöckchen am Gewande des
Hohenpriesters den Donner (üb. ~Schneider~ 6, 440).
Zu Seite 570:
+Messing+ bezeichnen die arabischen Augenärzte um 1000 als „gelbes Erz“
oder „gelbes Kupfer“ (~Hirschberg-Lippert~, a. a. O. 2, 131, 174; 2,
152).
Zu Seite 576:
+Blei.+ Über Blei als Fugenfüllung beim Aufbau mächtiger Säulen,
über Bleirohre von großem Durchmesser, sowie über Bleimarken bei den
Arabern des 8. und 9. Jahrhunderts s. ~Schwarz~ („Der Islam“ 6, 273),
~Herzfeld~ (ebd. 5, 200), und ~Becker~ (ebd. 2, 370 ff.).
Zu Seite 590:
+Verbreitung des Zinns.+ Für diese ist es wichtig, daß fraglos schon
während der jüngeren Steinzeit in der gesamten Nord- und Ostsee
ein Seeschiffahrts-Verkehr auch auf weitere Entfernungen stattfand
(~Vogel~, bei ~Hoops~ 4, 156).
Zu Seite 594:
+Galmei.+ Die „Augenheilkunde“ des ~Ibn Masawaih~ (777-857) erwähnt
häufig Galmei oder Cadmia (~Prüfer~ und ~Meyerhof~, „Der Islam“ 6, 249,
250, 252, 254, 256), auch solche aus Kirman (ebd. 251) und aus Indien
(ebd. 253), worunter aber (wie so häufig) nicht Vorderindien, sondern
nur das Gebiet der indischen Grenzländer zu verstehen sein dürfte. --
Des Galmeis gedenkt ferner ein syrisches Lehrbuch der Augenheilkunde
etwa aus dem 7. Jahrhundert (~Meyerhof~, ebd. 6, 263), das nach
~Brockelmann~ im wesentlichen nur eine Übersetzung aus ~Galenos~ ist
(ebd. 7, 108).
Zu Seite 603:
+Quecksilber.+ Über das von den Arabern aus Persien, Marokko, Kolchis
(?) usf. bezogene Quecksilber s. ~Seidel~ („Der Islam“ 1, 262); vgl.
~Ruska~ (ebd. 5, 272).
Zu Seite 603:
+Salmiak.+ Betreff des natürlich vorkommenden und des künstlich
bereiteten Salmiaks s. ~Seidel~ („Der Islam“ 1, 263).
Zu Seite 607:
+Eisen im Altai.+ Bis zum Sturze des asiatischen Reiches der Avaren (um
550 n. Chr.) hatten für diese, als ihre Herren, die Türken das Eisen im
Altai herzustellen und zu bearbeiten; ihr Name „Türken“ bedeutet die
„Eisenhelmigen“ (~Hess~, „Der Islam“ 9, 160).
Zu Seite 610:
+Schmiede.+ In Innerafrika bilden die Schmiede auch jetzt noch in
manchen Gegenden eine besondere Kaste (~Becker~, „Der Islam“ 3, 261).
Zu Seite 625:
+Eisen.+ Über Gebrauch und Verarbeitung des Eisens bei den Arabern
schon vor ~Muhammed~ und während der Eroberungszeit berichtet ~Becker~
(„Der Islam“ 4, 311).
Zu Seite 630:
+Antimon.+ Mesdem, „die echte Augenschminke“, erwähnt als ein
Augenheilmittel schon ein zu Ägypten um 1250 v. Chr. abgefaßter Brief
(~Spiegelberg~, M. G. M. 17, 167).
Plättchensonden zum Schminken der Augenlider aus spätantiker Zeit sind
nach ~Sudhoff~ zahlreich erhalten (ebd. 17, 136).
Zu Seite 635:
+Antimon+ oder +Ithmid+, auch solches aus Ispahan, verordnet öfters
~Ibn Masawaih~ (777-857) in seiner oben erwähnten „Augenheilkunde“
(~Prüfer~ und ~Meyerhof~, „Der Islam“ 6, 247, 252, 253, 254). Das
gleichfalls erwähnte syrische, aus dem ~Galenos~ übersetzte Lehrbuch
des 7. Jahrhunderts gebraucht Kuhl oder Kuhlâ nur für Ithmid, dagegen
Kahal allgemein für Schminken (~Meyerhof~, ebd. 6, 262, 265).
Später und auch noch in neuerer Zeit kann Kuhl die verschiedensten
Augenheilmittel bezeichnen (~Reckendorf~, ebd. 6, 101).
Abgeschlossen am 1. September 1918.