Sowohl in der alten wie in der neuen Welt tritt das Gold in vielen
Fällen als zuerst bekanntes Metall auf[5473], wozu nicht minder
sein Vorkommen wie seine Eigenschaften Anlaß bieten[5474], denn auf
primärer und sekundärer Lagerstätte sowie als Flußgold findet es sich
gediegen und völlig oder annähernd rein, mußte also durch Schwere
und Glanz, Unzerstörbarkeit und Festigkeit, Geschmeidigkeit und
Dehnbarkeit schon frühzeitig die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich
lenken. Seine leuchtende Farbe erklärt die sehr allgemeine Beziehung
zur Sonne, und diese wieder den weitverbreiteten Glauben an seine
höheren, himmlischen, zauberhaften Kräfte. So behaupten z. B. einige
malayische Stämme noch heutzutage, Gold, aber auch Silber und Zinn,
bildeten die Wohnstätten göttlicher Geister (die sie auch wachsen
und nachwachsen machen), dürften daher nur unter gewissen heiligen
Zeremonien und namentlich unter sorgfältiger Vermeidung aller diesen
Geistern unangenehmen Geräusche aufgesucht und ausgegraben werden,
seien aber selbst wieder besonders geeignet zur Unterstützung der
religiösen und Kult-Handlungen[5475]. Die verhältnismäßige Weichheit
des reinen Goldes, die Leichtigkeit, mit der es sich bereits in
der Kälte hämmern, auch zu Blechen, ja selbst Drähten gestalten
läßt, sowie die Schwierigkeit, die unter gleichen Umständen das
Zusammenfügen kleiner Einzelstücke bietet, erschließt ohne weiteres
das Verständnis für die Formen der ältesten Fundstücke[5476]: Schmuck
aus mit dem Steinhammer bearbeiteten Goldplättchen weisen schon die
Gräber der neolithischen (jüngeren steinzeitlichen) Periode auf[5477],
später folgen mit Goldblech belegte oder beschlagene Holz-Geräte und
-Waffen, sodann durch „kaltes Hämmern“ gestaltete Platten, Ringe,
Treib- oder Hohl-Arbeiten, während geschmiedete, geschweißte und
gelötete Gegenstände erst Erzeugnisse weitaus späterer Zeitalter
darstellen[5478]. Daß sich aber während solcher die älteren Verfahren
noch lange weiter erhalten können, und zwar auch in benachbarten
Gegenden, dafür bietet die neue Welt ein lehrreiches und zur Vorsicht
bei allen ins einzelne gehenden Schlüssen mahnendes Beispiel: denn
während die Einwohner der Antillen und der nördlichen Teile Südamerikas
nur mit dem kalten Hämmern und Treiben des Goldes vertraut waren[5479],
hatten jene Mexikos und Perus die Bearbeitung von Gold und anderen
Metallen bereits zur höchsten technischen und künstlerischen Vollendung
entwickelt. Auf dem Markte der Stadt Mexiko sah schon ~Cortez~ nicht
nur Silber, Kupfer, Blei und Zinn, sondern auch Gold in Säckchen
und Körbchen, sowie in Gestalt von Barren verkaufen[5480]; Gold und
Silber standen dort in naher Beziehung zu Sonne und Mond, die man
neben der Venus göttlich verehrte, wie denn astrologische Ideen
weitverbreitet waren[5481] und auch der Glaube an vier Elemente und an
die Möglichkeit eines Unsterblichkeits-Trankes waltete[5482]. In Peru
war man ebenfalls durchaus vertraut mit dem Schmelzen, Gießen, Löten,
Treiben und Plattieren des Goldes, mit der Herstellung äußerst dünner
Vergoldungen, mit der Gewinnung feinster Drähte und Bleche, -- die
herrlichen großen Gold-Schmetterlinge sind nur 0,1 mm dick --, und mit
der Bereitung verschiedenfarbiger Goldlegierungen, u. a. solcher mit
Silber, Kupfer, Zinn, Antimon, oder mehrerer von diesen zusammen[5483];
bekannt sind die Schilderungen des ~Garcilasso de la Vega~, nach denen
der große Sonnentempel der Inkas mit goldenen Platten ausgelegt und
eingedeckt war, ein goldenes Standbild des Sonnengottes und unzählige
goldene Schmucksachen, Gefäße und Weihgeschenke enthielt, während sich
das Gelaß seiner Gemahlin, des Mondes, nach gleicher Weise in Silber
ausgestattet fand[5484].
Über die Geschichte des Goldes in +Ägypten+ ist schon in den
vorausgehenden Abschnitten, an Hand der frühesten Aufzeichnungen bis zu
den Erzählungen des ~Agatharchides~ herab, Näheres berichtet worden,
so daß nur an weniges zu erinnern bleibt. Bereits in den Gräbern der
älteren Steinzeit finden sich vereinzelte goldene Schmucksachen[5485].
Im 4. Jahrtausend stand die Verarbeitung des Goldes schon in hoher
Blüte[5486], und zur Zeit der Thiniten, um 3300, wurde eine „Steuer vom
Gold“ = „Steuer vom Vermögen“ erhoben und das Gold hauptsächlich aus
Nubien bezogen[5487]; sein ältester Name lautet daher Nub[5488], und
sein ältestes hieroglyphisches Zeichen ist der Sack zum Auswaschen,
nach dem es als „Nub en nun“ (Gold des Wassers, des Flusses) vom „Nub
en set“ (Gold des Felsens, des Gebirges) unterschieden wird[5489].
Gegen 2000 erfolgte die Eroberung der Goldgruben Nubiens und des
Wüstenplateaus Wadi Allaki, mit der zugleich der Frondienst der
Negerstämme einsetzt[5490], und nicht viel später begann das Heranholen
des Goldes zur See aus den Punt-Ländern, als die man vermutlich
die Küsten des südlichen Arabiens und östlichen Afrikas anzusehen
hat[5491]; unter König ~Thutmosis~ III. (1501-1447) kam bereits vieles
Punt-Gold nach Ägypten[5492], und die Berichte aus seiner und aus der
Folgezeit (z. B. die im Papyrus ~Harris~ aus dem 13. Jahrhundert)
schildern eingehend die besonderen Eigenschaften und Farben der
verschiedenen Goldarten[5493]. Für das Wägen und Messen des Goldes
bestanden seit altersher bestimmte Vorschriften, wie man denn überhaupt
festen Gewichtsnormen in Ägypten schon um 2800 begegnet[5494]. In
jüngerer Zeit ist ein Hauptmaß das in 10 Kite geteilte Deben (etwa
130 g); eines der im Papyrus ~Ebers~ (um 1500) gebräuchlichen
Medizinal-Gewichte, das ⅔ Kite beträgt, ging später als Drachme von
Aegina in den griechischen Kulturkreis über[5495], während wiederum 36
Kite das römische Pfund bildeten[5496]. Das Abmessen feinen Goldstaubes
erfolgte in kleinen, mit einem passenden Handgriffe versehenen
Bronzezylindern und war, wie einige Fundstücke ersehen lassen, um 1500
ebenfalls schon längst üblich[5497].
Die +Sumerer+, die nichtsemitischen Ur-(?)Einwohner Sinears, des
südlichen Zweistromlandes, deren von ~Lenormant~[5498] behauptete
Verwandtschaft mit den turanischen Völkern, den Ugro-Finnen und
den Tschuden des nördlichen Asiens, durchaus fragwürdig ist[5499],
kannten zweifellos schon in ältester Zeit das Gold, das Silber, das
Kupfer und die Edelsteine, sowie deren Verwertung[5500]; sie besaßen
Schriftzeichen für die genannten Metalle, hielten deren Glanz für
etwas Heilbringendes und Überirdisches, verehrten metall-hütende
und -verarbeitende Götter, sahen in der die untere Hemisphäre
durchwandernden Sonne eine Gottheit der verborgenen metallischen
Schätze, die „aufzusteigen begehren“[5501] und sollen den ersten Anlaß
zu jenen Lehren des nachfolgenden babylonischen Zeitalters gegeben
haben, denen gemäß den Göttern die verschiedenen Metalle als Attribute
zugewiesen wurden[5502]. ~Inlil~, der Gott der ersten sumerischen
Hauptstadt Nippur, galt für den „Herrn des Goldes“, eine Würde, die
nachher auf ~Marduk~, den Stadtgott von Babel, überging[5503]; der alte
Gott ~Ea~ von Eridu, später zum Herrscher der Tiefe geworden und als
Bringer erhabenster Weisheit aus ihrer Urflut auftauchend, wird (auch
unter dem Namen ~Oannes~) ebenfalls als Gott des Goldes bezeichnet,
als Schutzherr der Goldschmiede, sowie der Schmiede und Metallarbeiter
überhaupt[5504]. Noch später versah dieses Amt der Feuergott ~Gibil~,
Meister der „heiligen oder himmlischen Schmiede“, die aber, entgegen
ehemaligen Meinungen, im Sinne von Fegefeuer für Altbabylon nirgendwo
bezeugt ist[5505]. Nach babylonischem Glauben entstammt das Gold dem
„finsteren Norden“[5506], -- woraus also das Unzutreffende der Ansicht
erhellt, es finde sich überall und allerorten mit den Lichtgottheiten
verbunden[5507] --, und zwar dem Lande Aralli, dem goldreichen,
unter einem silbernen Himmel liegenden Wohnsitze gewisser Götter und
Geister[5508]. -- Um 2500, unter dem Könige ~Sargon~ I., soll u. a.
der Landstrich von Melucha in Arabien viel Goldstaub nach Sinear
geliefert haben[5509]; gegen 2000, zur Zeit ~Hammurabis~, wird Gold,
z. B. in Barren und „Zungen“, zwar öfters erwähnt[5510] und man
kannte anscheinend schon den Voll- und Hohlguß, sowie die Herstellung
gehämmerter Platten[5511], doch war es immerhin noch ziemlich selten,
und wenn der König ~Sumulailu~ den Thron des ~Marduk~ mit Silber und
Gold ausschmückte, so wird dies ausdrücklich hervorgehoben[5512].
Gegen 1600 muß indessen die Verbreitung schon eine recht erhebliche
gewesen sein, und ägyptische Inschriften erwähnen goldene babylonische
Gefäße, Kunstwerke und Statuen als Siegesbeute[5513]. Das um diese
Zeit seitens der Ägypter übernommene, babylonische sexagesimale Maß-
und Gewichts-System[5514], dem auch das „Mine“ genannte Gold-Gewicht
(die μνᾶ der Griechen) angehörte[5515], läßt sich bis auf etwa
2500 zurückverfolgen, und zwar bestanden die Gewichte anfangs aus
Steinen, z. B. Hämatit, später aus Blei und noch später auch aus
Bronze[5516]; schon gegen 2300 bestimmte man ein festes Wertverhältnis
der Gewichtseinheiten Gold und Silber (später auch Silber und
Kupfer), dessen wiederholt abgeänderter Betrag schließlich bei 11: 1
verblieb und als solcher in jüngeren Zeiten zur Norm der lydischen,
persischen, phönizischen und karthagischen Münzprägung wurde[5517]. --
Der babylonische Name des Goldes, der vermutlich kein einheimischer
war, lautete „hurasu“, und sein ältestes, den Ost- und West-Semiten
gemeinsames Wortzeichen bedeutete „das Glänzende“[5518].
Im Bereiche der +ägäischen+ Kultur beginnt an einer der ältesten
und wichtigsten Fundstätten, dem Palaste zu Knossos auf Kreta,
Metall erst gegen 3000 aufzutauchen, Gold zunächst in Gestalt
verhältnismäßig spärlicher Schmucksachen aus Golddraht, die u. a.
das Spiralmotiv zeigen[5519]; auf den Cycladen ist Gold um 2500 noch
recht selten[5520], ebenso in Cypern, wo zunächst φθοΐδες, d. s.
Klümpchen und flache Kuchen, und erst weiterhin dünne Stangen und
Barren zutage treten[5521]. -- In +Troja+, richtiger in dem mächtigen
Schutthügel von Hissarlik, dessen tiefstliegende Ansiedlung bis gegen
3000 oder 3300 zurückreichen dürfte, weisen die Schichten um 2600 neben
φθοΐδες, kleinen Stangen und Barren, bereits Schmuck aus Golddraht
und Goldperlen, sowie goldene Bleche und aus solchen getriebene
oder gepreßte Geräte auf[5522]; die der Zeit zwischen 2500 und 2000
angehörigen, in denen ~Schliemann~ den sog. „Schatz des ~Priamos~“
fand, zeigen außerdem auch reich gegliederten, zum Teil auch schon
gelöteten Goldschmuck, allerlei getriebene Gefäße aus Gold, Silber
und Kupfer, sowie größere Zungen und Barren[5523], letztere nach
ägyptischem Gewichte ausgewogen[5524]. -- Die gegen 2000 entstehende
+mykenische+ Kultur[5525] entwickelte sich durch Berührung der
vorgenannten Mittelmeer-Kulturen mit denen Ägyptens und des Orients,
wobei Hauptvermittler die Phönizier zur See waren, und die Chetiter
(über Kleinasien und Syrien) zu Lande[5526]; wie die Funde zu Mykene
und an vielen anderen Stätten beweisen, war dieses Zeitalter reich an
Gold[5527], besaß eine ausgebreitete Goldindustrie[5528] und wußte aus
Gold verschiedener Färbung, in Verbindung mit Alabaster, Elfenbein,
Malachit, Lasurstein, bunten Glasflüssen (namentlich künstlichem
Blaustein) u. dgl. mehr, eine Fülle schöner, reich ornamentierter
Schmucksachen und Gebrauchsgegenstände herzustellen, u. a. auch aus
getriebenen oder gepreßten Blechen geformter und gelöteter[5529].
An das erste Bekanntwerden der +Griechen+ mit dem Golde hat die Sage
noch eine Erinnerung bewahrt, indem sie es nach Überlieferungen, die
uns durch ~Plinius~[5530], ~Hyginus~ (2. Jahrhundert n. Chr.?)[5531],
und ~Cassiodorius~ (gest. um 580 n. Chr.)[5532] erhalten blieben,
bald durch ~Thoas~, bald durch ~Aeakus~ oder ~Sakus~, einen Sohn des
~Zeus~, in Panchaia oder auf einem daselbst gelegenen Berge Thasos
auffinden ließ. Den Namen des Goldes, χρυσός (Chrysós), übernahmen
die Griechen wohl von Semiten, und diese wiederum von einem Volke
des goldreichen Kleinasiens[5533], jedoch nicht, wie man ehedem
glaubte, von den Phrygern, da das Gold bei diesen γλουρός (Glurós)
hieß = gr. χλωρός (Chlorós, d. i. Grüngelbes)[5534]. Wahrscheinlich
leitet sich Chrysós vom semitischen, daher auch phönizischen Harût
oder Charûz ab[5535], denn Gold und Silber wurden in Griechenland
fraglos hauptsächlich durch die Phönizier verbreitet, wenn auch der
Zeitpunkt, zu dem dies geschah, noch strittig ist: nach einigen
Forschern befuhr nämlich jenes Handelsvolk erst seit etwa 1100 die
Küsten Nordafrikas, Siziliens, Sardiniens und Spaniens, und nicht vor
800, also erst +nach+ der mykenischen Periode, die Griechenlands und
der griechischen Inseln[5536]; nach anderen hingegen trug es schon zur
Entstehung der mykenischen Kultur mit bei und unterhielt gerade mit
den ihm benachbarten Küsten bereits damals einen lebhaften, und um
1600 schon einen vollständig entwickelten Verkehr[5537]. Jedenfalls
wurden die Gold- und Erzgruben auf den Inseln Thasos (auch Chryse
geheißen!), Thera, Melos, Kimolos, Seriphos, Siphnos und anderen,
ferner die in Thrazien (besonders am Pangaios) und Mazedonien usf.,
zuerst von Phöniziern angelegt und in Gang gebracht[5538]. Als sich die
europäischen Griechen im 8. und 7. Jahrhundert der Führung der lange
Zeit unter lebendiger Nachwirkung der mykenischen Kultur stehenden
kleinasiatischen entwanden und neue orientalische Einflüsse von
Assyrien, Ägypten und Kyrene her erfuhren[5539], kannten sie daher
längst das Gold sehr wohl; häufiger wurde es dagegen bei ihnen erst
seit etwa 500, wenngleich die Sagen von den goldgrabenden Ameisen
und goldbewachenden Greifen, vom goldenen Vließ usf., auch für diese
Periode die Dürftigkeit des näheren Wissens noch weiter bezeugen. In
der Regel erhielt der Goldschmied (χρυσοχόος) vom Auftraggeber das
Gold geliefert, das er mit dem herakleïschen Steine (dem Steine aus
Herakleia in Lydien) probierte[5540], schmolz, zu Platten und Blättern
hämmerte und trieb, seltener auch (zu meist nur kleineren Gegenständen)
goß; die dünnen Blätter und Blättchen (πέταλα, λεπίδες) blieben
dauernd in vielfältigem Gebrauche[5541] und dienten namentlich auch
zum Vergolden, wobei an die Stelle des echten Goldes frühzeitig Oker,
Rötel, Sinopis und ähnliche Ersatzstoffe traten, die mit Hilfe eines
Klebemittels aufgetragen wurden[5542]. Die Vergoldung im Feuer mittelst
Quecksilber, sowie dessen Benutzung zum Lösen und Ausziehen des Goldes,
sind erst bei ~Vitruv~[5543] und ~Plinius~ bezeugt, allerdings bereits
als etwas längst Bekanntes[5544]. Dem Golde verschiedene weißliche,
gelbliche und rötliche Töne zu verleihen, dienten die βαφεῖς χρυσοῦ
(Färbungen des Goldes), die durch Legieren mit Silber, Elektron,
Kupfer, oder Gemengen von diesen erfolgten. Zum Löten benützte
man Chrysokolla (= Goldleim), unter dem wohl schwerlich, früheren
Voraussetzungen gemäß, Borax zu verstehen ist, -- wenngleich solcher
in einem sehr alten Gold-Schmelztiegel zu Delos nachgewiesen sein
soll[5545], wie denn borhaltige Mineralien in Vorderasien keineswegs
fehlen --, vielmehr ursprünglich wohl Malachit, der beim Erhitzen in
Kohlensäure und Kupfer zerfällt, welches letztere die Lötung bewirkt;
in den sog. Schriften des ~Hippokrates~ bedeutet Chrysokolla nichts
anderes als Malachit[5546], und als Malachit ist auch der „falsche
(ψευδής) Smaragd“ des ~Theophrastos~ aufzufassen, der sich in Gold- und
noch häufiger in Kupfer-Gruben vorfinden soll und ein vortreffliches
Goldlot abgibt[5547].
Bei den +Etruskern+ ist Gold, dessen Name „aurum“ = „das Gelbe“
ein rein italischer sein soll[5548], erst in den Gräbern jüngeren
Ursprunges nachweisbar und auch in diesen sichtlich nur als Gegenstand
orientalischer Einfuhr, während Waren eigener Technik nicht vor etwa
700 auftauchen[5549]. In +Rom+ war Gold anfänglich sehr selten,
immerhin bilden aber Goldarbeiter (aurifices), wohl hauptsächlich
Vergolder und Goldschläger, die u. a. Platten (bractea) und Blätter
(lamina) hergestellt zu haben scheinen, schon eine der angeblich von
König ~Numa~ bestätigten Zünfte, und bekannt ist die Erzählung, daß der
Abzug der Gallier im Jahre 390 v. Chr. durch Bezahlung von 1000 Pfunden
Gold erkauft worden sei[5550]. Späterhin pflegte man das Gold durch
Umschmelzen (coquere = kochen, entsprechend dem gr. ἕψειν; conflare)
zu läutern und regelmäßig auf seinen Gehalt zu untersuchen; die
Feuerprobe heißt bei ~Cicero~ obrussa oder obryza, das Feingold daher
obryzum oder obryzatum (sc. aurum), und dieses Wort, das als οβρύζη
oder βρύζη wieder ins Griechische überging, findet sich im Sinne von
purum (rein) noch auf den Goldmünzen des Kaisers ~Konstantin~ sowie auf
den Goldbarren vor[5551], die amtlich auf ihren Feingehalt geprüft und
dann abgestempelt wurden[5552].
In +Spanien+ war das ziemlich reichlich vorkommende Gold bereits
frühzeitig Gegenstand der Gewinnung und Verwertung, und Schmucksachen
wurden schon in der jenseits 1000 v. Chr. liegenden Periode
hergestellt[5553]. In +Gallien+ betrieben die Kelten seit altersher
Gold-Gräberei und -Wäscherei, über deren unvollkommene Verfahren
sich einige Berichte bei ~Athenaeus~[5554] (3. Jahrhundert n. Chr.)
und bei ~Strabon~ erhielten, welchem letzteren einige keltische
Stämme für πολύχρυσοι (goldreich) gelten[5555]. -- In Mitteleuropa
dürfte das Gold ursprünglich zugleich mit dem Kupfer bekannt geworden
sein[5556], größere Mengen gelangten aber erst seit der Berührung
mit den Römern dahin; die sehr alten einheimischen Bezeichnungen der
+Germanen+, +Letten+ und +Slaven+, gulth, zelto und zoloto, bedeuten
das „Gelbe“[5557]. Von den Germanen übernahmen das Wort für Gold
(kulda) auch die +Finnen+[5558], die im 4. oder 5. Jahrhundert,
ausgestattet mit der Kultur der Eisenzeit, in ihre jetzigen Wohnsitze
einwanderten[5559]; Edelmetalle und Schmiede spielen eine große Rolle
in den alten Sagen ihrer „Kalewala“, nach denen u. a. die eine Hälfte
eines Eies zur Erde wird, die andere aber zum Himmel, an dem Sonne und
Mond, aus Gold und Silber bestehend, erglänzen[5560]. Sehr oft erwähnen
Gold und Silber auch die Erzählungen des „Kalewipoeg“[5561], sowie
die „Mythischen und magischen Lieder der Esthen“ und die „Esthnischen
Mährchen“, denen gemäß die Unterirdischen Gold und Silber graben und
schmelzen, was der Kundige am Geräusche, das aus dem Erdboden dringt,
zu erkennen und zu erhorchen vermag[5562].
Wie weit die Kenntnis des Goldes in +China+ und +Indien+ zurückreicht,
bleibt vorerst unbestimmbar; im Sanskrit heißt Gold hiranya = das
gelbe, glänzende (nämlich ayas, Metall)[5563]. Indien gilt, wo immer
es in der Geschichte auftaucht, stets als ein äußerst goldreiches
Land: ~Ktesias~, der seit 415 v. Chr. als Arzt am persischen Hofe
verweilte, erzählt, daß seine Flüsse, gleich jenen Lydiens und anderen
den Griechen wohlbekannten Kleinasiens, Goldkörner mit sich führen,
daß seine Gebirge vieles Gold enthalten, dessen man sich aber, der
Greifen halber, nur unter höchster Lebensgefahr zu bemächtigen vermag,
und daß daselbst eine Wunderquelle flüssigen Goldes (ὑγροῦ χρυσίου)
sprudelt, von dem man jährlich hundert Tongefäße voll ausschöpft,
es an der Luft erstarren läßt und schließlich durch Zerschlagen
der Gefäße rein gewinnt[5564]. Letztere Angabe erinnert an die des
~Herodot~, der zufolge die +Perser+ zur Zeit des ~Darius~ (521-485)
aus Indien Goldbarren als Tribut empfingen, das Gold umschmolzen und
die Kuchen, die die Form der Schmelztiegel besaßen, als solche im
Reichsschatze aufbewahrten[5565]. Über Natur und Herkunft des Goldes
waren die alten Perser wohlunterrichtet, und erst spätpersische Sagen
lassen es neben den anderen Metallen aus den Gliedern des sterbenden
Urmenschen ~Gayomard~ hervorgehen, der kosmologischen Charakter trägt,
und mit dessen Tode, ähnlich wie mit dem des Urstieres nach der
~Mithras~-Lehre, die Weltentwicklung beginnt[5566]. Der altpersische
Name des Goldes, zaranya, ist offenbar der nämliche wie der altindische
(hiranya)[5567]; im Pehlewi heißt Gold zar, daher zarik = goldig[5568].
Die Bezeichnung der Ost-+Finnen+, zaranya, ist sichtlich dem Iranischen
entlehnt[5569]; die bei den Völkern des Urals und Altais übliche
„altun“, ist eine turko-tatarische[5570], die der +Armenier+, „oski“,
vermutlich eine kaukasische[5571]. Nicht sicher bekannt ist die der
+Tschuden+ im nordöstlichen Asien, deren uralte, aber schon zur Zeit
des ~Pallas~ (1770) völlig zerwühlte Gräber zahlreiche Beigaben an
Gold und anderen Metallen aufweisen[5572], sowie jene der Bewohner
von Kolchis am schwarzen Meere, die das feine Flittergold der Flüsse
seit altersher mit Hilfe haariger Häute aufgefangen und so Anlaß zur
Entstehung der Sage vom goldenen Vlies gegeben haben sollen[5573].
Schon zu entlegenster Zeit wurde als „gesegnet durch Fülle des Goldes“
+Arabien+ gepriesen, dessen kostbarste Ausfuhrware, „arabisches
Gold“, nicht minder in Ägypten wie im Zweistromlande rühmlich bekannt
und eifrig begehrt war[5574]. Dieser nicht unbegründete Ruf des
Reichtumes an Gold überdauerte die Jahrtausende, und zu ihm gesellte
sich später jener der kunstfertigen Verarbeitung; arabische Goldgefäße
für Wein und Räucherwerk, sowie arabische Goldschmucksachen hatten
bereits bald nach Beginn unserer Zeitrechnung eine hohe Stufe der
Vollendung erreicht[5575], und es kann daher nicht wundernehmen, daß
schon ~Muhammed~ (571-632) jedermann, der Schmuck im Gewichte von
über 20 Dinar (etwa 30 g) besaß, eine besondere Steuer von ½ Dinar
auferlegte[5576]. Während der nächstfolgenden Jahrhunderte wurde
diese erhöht und zu einer Steuer auf „alles Schmiedbare“ erweitert,
u. a. auf Gold, Silber, Kupfer, Bronze, Messing (+beide+ zumeist
„sufr“ genannt)[5577], über deren Gewinnung und Verwendung es eine
ausführliche Litteratur gab, die aber fast gänzlich verloren gegangen
ist[5578]. Die Rechtsgelehrten stritten darüber, ob es dem Khalifen
zustehe, Abbaurechte, wie auf Gold, Silber, Kupfer oder Eisen,
„die +nicht+ offen liegen“, auch auf Erdöl, Erdpech, Salz, Kohol
[Antimonsulfid] u. dgl. zu erteilen, „die offen liegen“[5579], und
Fachleute wie ~Alschirazi~ (1003-1083) verfaßten bereits eingehende
Werke über die juristischen Verhältnisse des Bergbaues[5580]. Gold
bezogen die Khalifen aus fast allen Gegenden ihres Weltreiches, u. a.
aus Allaki in Ägypten „15 Tagereisen von Assuan“[5581], ferner aus
dem Maghreb (Westafrika)[5582], aus Transoxanien und Ferghana[5583],
aus Kerman[5584] usf., nicht aber aus dem eigentlichen Persien[5585].
In der arabischen Dichtung und Litteratur sind, wie schon in früheren
Abschnitten hervorgehoben, Anspielungen auf das Gold, seine Gewinnung
und Verwertung häufig; Fragen allerdings, wie die oft erörterten,
„warum die Erde zwar vielen Ton hervorbringe, aus dem Geschirr, aber
nur wenig Sand, aus dem Gold wird“, „warum Ton häufiger sei als Blei,
dieses häufiger als Eisen, dieses häufiger als Kupfer, dieses häufiger
als Silber, dieses häufiger als Gold“, oder „warum das Gold, das sonst
nur im Sand entstehe, gerade auch in der Pfauenfeder zutage trete, also
schon im Pfauenei mitenthalten sei“[5586], können keinen Anspruch auf
Neuheit erheben, denn sie finden sich in völlig gleicher Weise schon
in Werken des hellenistischen Zeitalters behandelt, z. B. in dem um
90 n. Chr. verfaßten sog. „4. Buche ~Esra~“[5587], -- und auch dort
schwerlich zum ersten Male.