»Man braucht in der Ehe nicht eine Menge schöner Gefühle, sie nützen
nichts.«
_W. Sommerset-Maugham._
Der beste Rat, den man einem Paare auf den »langen, geraden und
staubigen Weg« der Ehe mitgeben kann, ist: »Gesegnet sind die, die wenig
erwarten.« Der zweitbeste ist: »Trachtet euer Ideal zu verwirklichen,
aber nehmt die Niederlage philosophisch hin«. Es ist schwer, mit
jemandem zu leben, der eine ideale Vorstellung von uns hat; es ruft in
uns den ruchlosen Wunsch wach, so schlecht als möglich zu sein. Miranda
sagt mir oft: »Die Ursache, warum Lysander und ich so vollkommen
glücklich sind, ist, weil wir uns nie etwas daraus machen, einander
unsere schlechtesten Seiten zu zeigen, und auch nie die Notwendigkeit
fühlen, uns besser zu machen, als wir sind.« Merkt euch das, Braut und
Bräutigam! Bedenkt, daß ein Piedestal ein sehr ungemütlicher
Aufenthaltsort ist, und weiset eurem Lebensgefährten diesen unbequemen,
erhöhten Platz nicht an. Es sind mehr Ehen daran gescheitert, daß man
zuviel voneinander erwartet hat, als durch irgend welche Laster oder
Verirrungen.
Andererseits muß ich auf die Gefahr hin, trivial zu erscheinen,
wiederholen, daß das Wichtigste in der Ehe die gegenseitige Achtung ist.
Sie geht über Liebe, Verträglichkeit, ja sogar über den unschätzbaren
Sinn für Humor. Die Achtung wird das schwankende Gebäude der Ehe
zusammenhalten, wenn die Leidenschaft erloschen und selbst wenn die
Liebe dahin ist. Die Achtung wird sogar die »entsetzliche Intimität«
erträglich machen und über die bedenklichsten Unannehmlichkeiten ohne
»Quetschungen der Seele« hinwegheben, was immer das Herz auch für
Verwundungen davontragen mag. Darum, Bräutigam und Braut, erhaltet die
gegenseitige Achtung um jeden Preis, und, Männer und Frauen, heiratet
nie jemanden, den ihr nicht wirklich achtet, wenn ihr ihn auch noch so
leidenschaftlich liebt. Ich glaube, man kann in einer Ehe ohne Liebe
recht glücklich sein, wenn die Glut und Vernarrtheit der ersten Jugend
vorüber ist, aber ohne Achtung kann man nie etwas anderes als
unglücklich werden.
»Es ist immer einer, der liebt, und einer, der geliebt wird.« Wenn ihr
findet, daß ihr der eine seid, der liebt, dann merkt es wohl: _es ist
der bessere Teil_, besonders für die Frauen. Ermüdet euren Gefährten
nicht mit fortwährenden Ansprüchen, Szenen, Vorwürfen, Tränen, Bitten,
es wird euch nichts nützen, und das geliebte Wesen euch nur entfremden,
und da wir gerade bei den Tränen sind, so laßt mich alle Frauen
dringendst davor warnen, dieser natürlichen weiblichen Schwäche zu
frönen. Die vernünftigen, nüchternen, überaus kräftigen modernen Mädchen
machen sich gewöhnlich darüber lustig; aber in der Ehe kommen Anlässe
zum Weinen, von denen diese selbstsicheren jungen Mädchen keine Ahnung
haben. Aber die alte Vorstellung, daß Tränen beim Manne den Sieg
davontragen und so oft dazu dienen, das härtere männliche Herz zu
besänftigen, ist ganz erloschen. Und wenn die Frauen es nur einsehen
wollten: die Tränen erzeugen ein Gift, das auf die Liebe verhängnisvoll
irritierend wirkt und sie oft tötet. Nur im Anfang, wenn der Mann noch
ganz jung und auf der Höhe seiner Glut ist, mögen die Tränen ihn
beeinflussen, aber nicht für lange, und sehr selten nach der
Verheiratung. Dennoch erreichen sie oft ihren Zweck, da ausnehmend
zartbesaitete Männer oft die Tränen so fürchten, daß sie sofort
nachgeben, wenn dieses Warnungssignal auf der Bildfläche erscheint. Aber
ihre Gereiztheit ist deshalb nicht geringer, und oft können sie die Frau
schließlich nicht leiden, die auf ihre Sanftmut gebaut und daraus einen
in den Augen des Mannes ungerechten Vorteil gezogen hat. Die Frau, die
fortwährend weint, wenn etwas schief geht, flößt niemandem Achtung oder
Sympathie ein und treibt ihren Mann dazu, die Gesellschaft anderer
Frauen aufzusuchen. Die Männer können es nicht leiden, wenn daheim
andere Gesichter als ihr eigenes traurig sind. Wenn sie sehr unglücklich
sind, fühlen sie sich berechtigt, sich gehen zu lassen; aber ihre Frauen
dürfen das nicht, und wenn sie es tun, darf es gewiß nicht die Form von
Tränen annehmen. Der glänzende anonyme Verfasser von »Die Wahrheit über
den Mann« schärft den Frauen ein, stets eingedenk zu sein, daß man »den
Männern nie widersprechen, nie ihnen Vorwürfe machen und sie nie
kritisieren darf«. Hierzu möchte ich nachdrücklichst sagen, daß man
ihnen auch nie aus irgendeinem Grunde etwas vorweinen soll.
Ist es nötig, für die Aufrechterhaltung der vollkommensten Höflichkeit
zwischen Mann und Frau zu plädieren? Im Anfang wohl nicht, aber mit der
Zeit wird es notwendig werden. Es kann sogar die Zeit kommen, wo Perseus
seine Stimme erhebt und seine Unzufriedenheit mit Persephone
hinausposaunt. Ein gewisser Typus von Männern wettert bei Verdruß
natürlich nicht seinen Freunden oder Kunden gegenüber, sondern bloß in
Anwesenheit seiner Angestellten, seiner Dienerschaft, seiner Frau und
der Leute, die sich vor ihm fürchten. Das war eine häßliche Gewohnheit
unserer Großväter, und moderne Frauen sind kaum sanft genug, sie lange
ruhig hinzunehmen. Sollte sich jedoch Perseus durch eine wunderlich
atavistische Laune je in dieser Hinsicht so weit vergessen, dann wird
Persephone die biblisch sanfte Antwort wirksamer finden als den
lautesten Stimmenwiderhall. Wenn man mit äußerst sanfter Stimme spricht,
wird man die Schreier beiderlei Geschlechts immer beschämend zum
Schweigen bringen.
Die Höflichkeit zwischen Mann und Frau ist nötiger als in irgendwelchen
anderen Beziehungen zwischen den Menschen. Sehr viel Bitterkeit könnte
erspart bleiben, wenn man sich stets daran erinnern wollte. Nichts ist
peinlicher, als ein Ehepaar miteinander grob verkehren zu sehen, und die
Gebote der Höflichkeit würden all jenen Bemerkungen vorbeugen, die in
die Kategorie der »besser nicht gesagten« gehören. Besonders die Frauen
haben manchmal die sehr tadelnswerte Gewohnheit, ihrem Manne Wahrheiten
aus dem häuslichen Leben an den Kopf zu werfen, wenn ihnen der Kamm
schwillt, und die meisten Männer sind unter ihrem Schild vornehmer
Gleichgültigkeit empfindsam genug, um das sehr übel zu nehmen und an
solche stichelnde Worte noch viele Jahre lang zu denken. Die Tatsache,
daß diese Worte gewöhnlich äußerst zutreffend sind, macht sie nicht
weniger tadelnswert; manche Frauen, die ihren Männern wirklich sehr
ergeben sind, setzen sie dennoch zu Hause und vor den Leuten fortwährend
herab, und obwohl ein Mann es selten zugeben wird, ärgert ihn das mehr,
als so manche des Männerherzens Unkundige für möglich halten. Es ist
nämlich Tatsache, daß die Männer Bewunderung und Lob ebenso gerne haben
wie die Frauen, obzwar es ein Teil ihres seltsamen Kodex ist, diese
Tatsache zu verbergen. Sie nehmen einen Verweis genau so übel wie die
Frauen; und warum sollten sie es auch nicht?
Da wir gerade dabei sind, so möchte ich der Persephone zuflüstern,
was für eine wunderbar besänftigende Wirkung eine leichte, vernünftige
Schmeichelei auf die Männerwelt ausübt und wie lautlos sich durch sie
die Räder des Ehekarrens drehen. Ich meine nicht falsche, abgeschmackte
Schmeichelei, wie sie uns die Männer so oft vorsetzen, wenn sie uns
gefallen wollen, ohne einzusehen, daß die dick aufgetragenen Komplimente
eine Beleidigung für unsere Intelligenz sind. Also natürlich nichts von
dieser Sorte, aber zarte, feine, liebevolle Schmeichelei. Eine leise
bewundernde Haltung, möglichst gemildert für den öffentlichen Gebrauch,
die jedoch immer die Wertschätzung durchblicken läßt, wird euch
ihm nicht nur viel liebenswerter machen als es irgendwelche
Liebesbeteuerungen täten, sondern sie wird auf seinen Geist und sein
Gemüt glänzend wirken. Geradeso wie ihr in Gesellschaft von Leuten, die
euch bewundern, fühlt, daß ihr blendend seid, und in Gegenwart jener,
die euch für gescheit halten, großartig sprecht, wird auch Perseus durch
eure (wirkliche oder angebliche) Bewunderung angespornt, sie zu
rechtfertigen.
Dasselbe gilt auch von dir, galanter Perseus; ein Kompliment über
Persephones strahlende Augen, ein Wort scheuer Bewunderung für ihren
neuen Hut, oder des Lobes für ihre Haltung als Hausfrau wird sie nicht
nur unsinnig glücklich machen, sondern dein Kapital in der Liebesbank
dadurch bedeutend erhöhen, daß du Schätze für dich in Persephones Herz
ansammelst.
Um dies zu illustrieren, will ich zwei wirkliche Gespräche erwähnen, die
ich vor kurzem hörte. Das erste war zwischen einem jungen Paar Pelleas
und Nicolette, die erst kürzlich mit einem kleinen Einkommen den
Haushalt begonnen hatten. Sie gaben eine Nachmittagsgesellschaft und
alle Gäste waren fort außer mir. (Ich habe nämlich ein Privilegium, wie
Sie schon bemerkt haben dürften; niemand geniert sich, vor mir natürlich
zu sein.)
Nicolette stieß einen Seufzer der Erleichterung aus, als sich die
Haustüre zum letzten Male schloß und wandte sich mit glänzenden Augen zu
Pelleas.
»War's nicht sehr _schön_?« sagte sie begeistert.
»Nicht übel«, sagte Pelleas.
»Sind die Blumen nicht wunderbar, und habe ich die Zimmer nicht reizend
hergerichtet? Findest du nicht, daß alles sehr nett war, Liebster? Ich
habe mich so angestrengt«, fügte sie, nach einem Wort des Lobes
schmachtend, hinzu.
»Pah, nennst _du_ ein paar Kuchen aufschneiden auch sich anstrengen?«
war die Antwort.
Nicolette war zufällig eine taktvolle Frau, die weiß, wann man zu
schweigen hat, aber sie sah traurig aus, und ihre ganze Freude an der
kleinen Unterhaltung war verdorben. Wie froh wäre sie gewesen, wenn
Pelleas sie geküßt und ihr gesagt hätte, daß sie eine reizende Hausfrau
war und alle ihre Anordnungen aufs beste getroffen hatte. Das Ärgerliche
daran ist, daß er es wirklich glaubte, er zerplatzte vor Stolz über sein
Haus und seine Frau und war geneigt, sich für einen sehr schneidigen
Kerl zu halten, da er eine so reizende und gescheite Frau erobert hatte.
Aber es lag nicht in seiner Art, es zu sagen.
Der zweite Fall ist der, wo ich Geraint und seine Frau versöhnen mußte.
Ich habe den lieben guten Geraint immer recht gern gehabt, und sein
schrecklich unglückliches Eheleben war für mich eine Quelle ernster
Betrübnis. Bei dieser Gelegenheit sprachen wir uns frei aus, und aus der
Tiefe seines kummervollen Herzens brachte er mir Klage um Klage vor.
»Noch ein Beispiel«, sagte er schließlich. »Es ist geradezu lächerlich,
aber Sie werden nicht über mich lachen, das weiß ich. Es ist ein Unsinn
von mir, daß ich daran denke, aber kurz und gut, ich tue es. Sie saß
aufrecht im Bett und bürstete ihr Haar, ich kam ins Zimmer, um zu
fragen, ob ich ihr etwas aus der Stadt bringen könne; ich trat zufällig
vor ihren Toilettetisch und zog meine Kravatte fester zu. Der Spiegel
warf unser Bild zurück, und sie sagte plötzlich mit leisem Lachen: »Wie
häßlich Du bist . . . .« Das ist alles. Sie sagte es ganz höflich, aber
es verletzte mich wahnsinnig. Es war so teuflisch überflüssig. Und ich
glaube, es ist auch wahr, früher hatte ich nie daran gedacht, aber
seither sehr oft . . .«
Noch ein Beispiel, wie man's nicht machen soll: »Wenn ich schäbig
angezogen bin,« erzählte mir einmal eine verzweifelnde Frau, »dann sagt
er: 'Warum siehst du nicht fein aus?' Wenn ich elegant bin, sagt er:
'Schon wieder neue Kleider, ich weiß nicht, wer die zahlen wird!' Wenn
etwas Außergewöhnliches zu Tische kommt, sagt er: 'Diese extravaganten
Sachen werden mich zugrunde richten', und wenn das Essen einfach ist,
dann fragt er: 'Ist das alles?'«
Ich habe vorhin auf die Männerklubs als eine Wohltat für die Frauen
hingewiesen, und als solche sind sie mir immer erschienen. Aber diese
Meinung wird offenbar nicht von allen geteilt, da eine Anzahl Frauen
kürzlich im Druck ihre Absicht kundgaben, nach Erlangung des Stimmrechts
für die vollkommene Abschaffung oder wenigstens obligatorisch frühe
Schließung aller Männerklubs zu agitieren. Es scheint betrübend
lächerlich, daß die Frauen durch einen Parlamentsakt ihre Männer zur
bestimmten Stunde nach Hause zwingen wollen. Ich will mich bemühen, euch
irregeleitete Frauen zu bekehren, falls eine davon sich herablassen
sollte, dieses Buch zu lesen.
Meine lieben Frauen, fast alles, was euer Mann zu Hause nicht bekommen
kann, kann er im Klub bekommen -- je mehr seine Bedürfnisse befriedigt
werden, desto vergnügter wird er leben, und euer Familienleben folglich
um so glücklicher sein! Wenn die Männer eine Passion haben, so wählen
sie gewöhnlich einen damit verbundenen Klub oder einen, wo sie andere,
durch ähnliche Dinge gefesselte Männer treffen können, mag es Politik,
Sport, Pferde, Karten, Musik, Golfspiel oder Theater sein, -- wenn es in
ihnen steckt, muß es heraus, und gescheite Frauen lassen es geschehen.
Eine unterdrückte Manie bedeutet einen verbitterten Gatten. Im Klub
können sie ihr Whist haben oder ihrer Empörung gegen die Regierung
freien Lauf lassen, sie können einen halben Sovereign als Spieleinsatz
geben und die Aufzeichnungen über die großen Gewinste beim gestrigen
Whistspiel, über das letzte Loch beim Golfspiel oder wie sonst der
Fachausdruck lautet, vergleichen. Im Klub können sie andere Männer
treffen und eine vollkommene Abwechslung von Bureau oder Familienleben
haben, und sie kehren daher zur Arbeit und zur Frau erfrischt und
angeregt zurück.
Wenn es eurer Köchin auf die ihr eigene rätselhafte Weise gelungen ist,
ein Mittagessen zu Hause unratsam oder unmöglich zu machen, dann
telephoniert es eurem Herrn und Gebieter, denn kann er im Klub nicht
königlich und dabei ökonomisch speisen? Wenn ihr an einem Feiertag fort
seid, kann er dasselbe tun und einen angenehmen Abend dort verbringen,
anstatt im leeren Hause allein und gelangweilt herumzugehen. Wenn ihr
euch Unannehmlichkeiten störender Natur leistet, -- wenn ihr dies je
tut, -- so steht ihm derselbe freundliche Hafen offen, gewiß für euch
etwas Tröstlicheres, als wenn er über das Haus schimpft, während die
kleine Meinungsverschiedenheit beigelegt werden soll. Kurz und gut, der
Segen und die Vorteile eines Klubs für den Ehegatten haben kein Ende und
warum ihr, liebe Frauen, sie abschaffen wollt, das kann ich mir wirklich
nicht erklären.
Freilich sollte die nötige Mäßigkeit beobachtet werden wie bei allen
guten Dingen, und ein- oder zweimal die Woche die Nacht im Klub zu
verbringen, sollte genügen. Bei diesen Gelegenheiten kann die Frau ein
primitives Abendessen haben, was immer eine Wohltat für die Frau ist,
mit einem Buch neben dem Teller, sie kann sich gehen lassen und ihre
Köchin ausschicken, oder wenn sie zum rastlosen Typus gehört, kann sie
den freien Abend benützen, um ihre Rechnungen und ihre Korrespondenz in
Ordnung zu bringen. Ist sie heiterer Natur, so kann sie mit einem
schüchternen Verehrer oder auch nur mit einer Freundin ins Theater gehen
und nachher soupieren. Man mag über den Klub denken wie man will: wenn
ein Mann ihn nicht mißbraucht, so ist er ein reiner Segen fürs Eheleben.
Aber vielleicht ist es das tragische Verhängnis der in Rede stehenden
Frauen, daß sie ihren Männern nicht vertrauen können, und mit Recht.
Vielleicht lebt in ihrem Herzen das betrübende Bewußtsein, hintergangen
zu werden, und sie fürchten, daß der Klub als Vorwand für einen Abend
gebraucht wird, dessen Gesellschaft dem weiblichen Standpunkt weniger
wünschenswert erscheint. Selbst dann ist der Klub ein Segen; denn
wenigstens kann eine Frau hoffen und zu glauben trachten, daß
ihr Mann wirklich dort ist, während, wenn er keinen Klub hat,
die Durchsichtigkeit seiner abwechselnden Ausreden ihre ärgsten
Verdächtigungen bekräftigen muß. Wenn ein Mann entschlossen ist,
derartige Dinge zu tun, so kann ihn nichts aufhalten; sollte _ein_
Vorwand, seine Zeit außer Hause zu verbringen, fehlschlagen, so wird er
einen anderen vorbringen, und je weniger Aussicht seine Frau hat, die
wirkliche Sachlage zu entdecken, desto besser ist es für ihren
Seelenfrieden.
Daß die Unwissenheit ein Segen ist, ist eine tiefe Wahrheit im Eheleben,
und die Frauen sollten sich von ihr leiten lassen. Ich glaube, es gibt
Frauen, die sich's zur Gewohnheit machen, bei Gelegenheit die Taschen
ihrer Ehegatten zu durchsuchen, voraussichtlich in der Erwartung,
irgendwelche verräterische Briefe oder Rechnungen zu finden. Was sie
im Falle einer unangenehmen Entdeckung zu gewinnen hoffen, das
weiß der liebe Himmel allein! Nichts als eine mehr oder weniger
verabscheuenswerte Szene, den daraus folgenden Verlust alles häuslichen
Friedens, ohne die wirkliche Quelle der Betrübnis auch nur im geringsten
zu beeinträchtigen. Zum Glück sind wenige Gatten so verrückt, ihre
kompromittierenden Dokumente bei sich zu tragen. In jedem Fall ist diese
Überwachung empörend, und wo gegenseitige Achtung existiert, für deren
Notwendigkeit ich schon so energisch eingetreten bin, da können solche
Geschmacksverirrungen nicht vorkommen.
Um auch jenen unglücklichen Frauen gerecht zu werden, deren Mann zu
ihrem großen Kummer dem Würfel oder Becher allzusehr ergeben ist, muß
ich hinzufügen, daß die Frauen, wo das der Fall ist, das Recht haben,
durch alle ihnen zu Gebote stehenden Mittel den Mann vom Klub
fernzuhalten, der größere Gelegenheiten bietet als der Familienkreis,
diesen Lastern zu frönen.
Und jetzt noch ein spezielles Wort an die Männer. An früherer Stelle
erwähnte ich die Möglichkeit einer verheirateten Frau, mit einem Freund
ins Theater und soupieren zu gehen. Im Londoner Leben kommt das so
häufig vor, daß eine Erklärung dafür dem Eingeweihten simpel und
abgeschmackt vorkommt; aber die Eingeweihten sind ein sehr kleiner Teil
der Gesamtheit und da dieses Buch bescheiden für jene, die sich für die
Ehe interessieren, also für _jeden, der es lesen will_, gedacht ist, so
will ich mich zugunsten der uneingeweihten Majorität ein wenig über
dieses Thema verbreiten. -- Eine große Zahl Männer ließe sich's nicht im
Traum einfallen, ihre Frauen abends mit einem anderen Mann allein
ausgehen zu lassen. Warum, das kann ich mir nicht erklären! Denn sie
können gewiß ihre Frau und ihren Freund nicht durch den Gedanken an
irgend etwas Unschickliches beleidigen wollen. Es entspringt das wohl
den Überresten eines primitiven männlichen Gefühls, das sie
nicht erklären können, (in früheren Zeiten waren die Männer noch
anspruchsvoller, und nach Justinianischem Gesetz konnte ein Mann sich
von seiner Frau bloß deshalb scheiden lassen, weil sie ohne seine
Einwilligung mit anderen Männern in den Zirkus, in die Bäder oder zu
Festmählern ging). Mir erscheint es ebenso unvernünftig wie die
Mißbilligung der Männerklubs seitens der Frauen. So wie eine vernünftige
Frau keinen Einwand gegen den Klub ihres Mannes erhebt, so erlaubt ein
gescheiter Mann seiner Frau, wenn sie es wünscht, mit einem anderen
Manne auszugehen. Wenn er etwas von der weiblichen Natur versteht -- und
kein Mann sollte heiraten, ehe er nicht soweit ist -- dann erkennt er,
daß die Bewunderung anderer Männer seiner Frau angenehm ist und ein
bißchen Heiterkeit eine wunderbare Wirkung auf ihre Stimmung ausübt.
Ich erinnere mich an die Zeit, als Theodor und Amoret darüber heftig
auseinandergerieten. Aber Theodor gab nach. »Er pflegte es für sehr
unrecht von mir zu halten, daß ich ganz gern andere Männer in mich ein
bißchen verliebt sehe,« sagte Amoret, »aber ich erklärte ihm, daß ich es
gern habe, weil es mir ein so schönes Machtgefühl gibt und dem Leben
eine Würze verleiht. Dann sagte er immer, es sei für eine verheiratete
Frau sehr gefährlich, irgend eine andere Würze im Leben zu haben als
ihren Mann, und ich pflegte ihm zu antworten, daß er eine Menge 'Würzen'
außer mir habe, und was ich denn die langen Abende tun solle, wo er
endlos Bridge spielt. Schließlich versprach ich, daß es mich zufriedener
machen würde und fähiger, die Eintönigkeit des Ehelebens zu ertragen,
wenn er mich ausgehen ließe. Darauf meinte er, es sei schrecklich
schlecht von mir, die Ehe eintönig zu finden, und sagte, seine Mutter
wäre bei einer solchen Bemerkung entsetzt gewesen. Da sagte ich ihm, es
wäre nicht gut von einer jungen Frau zu erwarten, daß sie sich wie seine
eigene Mutter benähme -- und er sagte, es wäre ihm lieber, ich würde es
nicht tun. Dann lachten wir beide, und der gute alte Junge gab nach und
sagte, daß Eberhard ein unschuldiges Lamm sei, und daß er einmal zum
Versuch mit mir ausgehen solle. Seither bin ich mit allen Freunden ins
Theater gegangen und habe Theodor um so lieber, je mehr ich andere
Männer kennen lerne, und bin auch viel zufriedener und heiterer.« Ein
Zeugnis, das für sich selbst spricht.
Wenige Menschen scheinen die vielen Vorteile zu kennen, die es hat,
einen schweigsamen Mann zu erwählen. Der ideale Gatte spricht wenig. Er
sieht ein, daß die Frauen das lieber selbst besorgen, und daß es in
einer glücklichen Familie nicht Platz für zwei redselige Personen gibt.
Der geschwätzige Mann sollte lieber eine schweigsame Frau suchen und sie
_sofort_ heiraten, wenn er sie findet. Solche Geschöpfe sind so selten
wie Kometen, und in der Regel sind sie schon mit ebenso schweigsamen
Männern verheiratet, was wirklich ein betrübender Schnitzer der Natur
ist. Nichts ist entsetzlicher, als ein so schweigsames Paar unterhalten
zu müssen. Ein übermäßig redseliges Paar ist dem weit vorzuziehen, da
man wenigstens ruhig zuhören und die anderen drauflosreden lassen kann.
Eine endlose Quelle von Mißhelligkeiten zwischen Eheleuten ist die
Geldfrage. Die Frauen sind am Anfang oft verschwenderisch und gewöhnlich
sündhaft unwissend in Geldsachen. Es ist ohne Zweifel richtig, wie
Isolda sagt: »Geld (und Gesinde) zerstören die Ehe«. Über das letztere
traue ich mich nicht zu sprechen, aber ich weiß, daß Geldmangel,
Geldversagen und unvernünftige Geldausgaben einen großen Teil der
Ehekonflikte verschulden. Manche Männer scheinen zu glauben, daß ihre
Frauen den Haushalt ohne Mittel führen können, und diese unglücklichen
Frauen müssen schmeicheln und bitten und es sich als eine Gnade
anrechnen, bevor sie die ihnen gebührende Summe erhalten. Selbst dann
werden sie wie Kinder behandelt und über die Verwendung des Geldes in
höchst demütigender Weise ausgefragt, als ob es Spielraum für königliche
Extravaganzen böte.
Ich erinnere mich an den Fall des armen kleinen Hildebrand. Er war ein
sehr junger Gatte, und sehr altmodisch erzogen worden. Eine seiner
wunderlichen mittelalterlichen Vorstellungen war, daß die Frauen keine
Fähigkeit zur Geldverwaltung haben, und daß man ihnen auf keinen Fall
bares Geld anvertrauen könne. Ich glaube wirklich, er hätte, wenn seine
Zeit es ihm erlaubte, seinen Haushalt allein geführt. Zum Glück für den
Hausfrieden war das unmöglich; dennoch überwachte er den Haushalt soviel
als möglich und revidierte sogar die Einschreibebücher. Natürlich
verstand er nicht das geringste von ihren sonderbaren Zeichen, und bot
einen komischen Anblick, wie er über den kleinen roten Büchern saß und
in äußerster Verlegenheit die Stirne runzelte. Jeden Moment wandte er
sich um Aufklärung an seine Frau, die glücklicherweise einen sehr
gesunden Sinn für Humor besaß. Schließlich mußte er es ihr überlassen;
aber wenige Frauen hätten Valeries Geduld bei dieser sehr überflüssigen
Sache gezeigt. -- Freilich ist das ein extremer Fall; aber eine Menge
Männer greifen in höchst aufreizender Weise in das Gebiet ihrer Frauen
ein. Nach meiner Meinung ist es am besten, das ganze Wirtschaftsbudget
der Frau, sowie das Budget des Bureaus oder des Vermögens dem Manne zu
überlassen. Ich spreche da von Leuten mit beschränkten Mitteln. In der
Regel hat ein Mann während seines Arbeitstages ganz genug mit
Geldangelegenheiten zu tun und soll Ruhe vor ihnen haben, wenn er nach
Hause kommt. Abends zu Hause sitzen müssen und Rechnungen revidieren,
ist eine Aufgabe, die die ärgsten Eigenschaften in einem Ehegatten
auslöst. Er mag als ein hingebender Liebhaber nach Hause kommen und im
Schoße seiner Frau Abendblätter, Blumen und Schokolade anhäufen, beim
Abendessen genial, witzig, liebevoll, reizend sein -- aber reicht ihm um
10 Uhr abends einen Pack Rechnungen mit der Bemerkung, daß sie wirklich
durchgesehen werden müssen, und plötzlich wird er ein wildes, brummiges,
rohes, abstoßendes und lästerndes Wesen. Mag seine Bankbilanz auch
noch so befriedigend sein, jede Rechnung eines seiner persönlichen
Bedürfnisse und kein einziges seiner Frau betreffen -- es nützt alles
nichts. Rechnungen sind Rechnungen, und bei ihrem bloßen Anblick werden
die Männer wild. Wenn ich zwischen dem 7. und 8. eines Monats am
Vormittag zu Miranda komme, bin ich überzeugt, daß sie mir mit roten
Augen und matter Stimme sagt: »Gestern abend sagte Lysander, er müsse
die Rechnungen durchnehmen, natürlich hat er seither fortwährend
geschimpft und geflucht, obzwar sie diesen Monat lächerlich niedrig
sind.« Ebenso ist es bei Isolda. »Lancelot hat gestern abend die
Monatsschecks geschrieben,« sagt sie, »und das Umgehen mit Rechnungen
hat immer eine schreckliche Wirkung auf ihn. Es ist bei dem Ärmsten eine
wahre Krankheit, und ich kann nachher nie schlafen.« Und doch sind
Lancelot und Lysander in jeder Hinsicht ideale Gatten.
Mein Rat an die Frauen ist daher folgender: Erledigt alle wöchentlichen
und Kassazahlungen, die den Kopf der Frau belasten, kontrolliert einmal
wöchentlich alle Bücher, prüfet dieselben mit jenem Grade von Sorgfalt,
den der Redlichkeitsstandpunkt eurer Lieferanten erfordert. Schreibt
diese Summen in ein Haushaltungsbuch ein. Am Ende des Monats, wenn alle
Rechnungen drinnen sind, macht für euren Mann einen Bilanzbogen. Er wird
sicher zuerst auf die Endsumme sehen, und wenn sie ihn befriedigt, nicht
weiter forschen, wenn er klug ist. Dann laßt ihn einen Scheck auf die
ganze Summe ausstellen, ihn in eure Bank einzahlen, und das übrige tut
selbst. Die Rechnungen, die ratenweise kommen, und was sonst noch
vierteljährlich eingeschickt wird, schließt in eure Monatsliste ein, und
so wird euer Mann für seinen Haushalt anstatt einer Unzahl Rechnungen
nur 12 Schecks im Jahre zu schreiben haben. Der fürchterliche Anfall,
den er monatlich bekommt, wird so auf ein Minimum reduziert werden. Wenn
er Stallungen oder einen ausgedehnten Weinkeller hat, so ordnet an, daß
die Rechnungen dafür und auch alle anderen, die in das Ressort des
Mannes gehören, in sein Bureau oder seinen Klub geschickt werden,
mitsamt den Schneiderrechnungen und anderen für seine persönlichen
Bedürfnisse. So werdet ihr nicht darunter leiden, wenn ihre Erledigung
notwendig wird. Es ist eine seltsame Tatsache, daß ein Mann im Bureau
wie ein Lamm dasitzt und Schecks ausstellt, während dieselbe
Beschäftigung ihn zu Hause dazu bringen würde, das Dach abzuheben oder
die Grundmauern zu erschüttern.
Es könnten Bände darüber geschrieben werden, wie man, obgleich
verheiratet, glücklich werden kann, aber ich komme nun zum Ende. Also
fassen wir zusammen. Frauen: Wenn ihr glücklich sein wollt, merkt es
euch: Streicht euren Mann heraus, schmeichelt ihm diskret, lacht bei
seinen Witzen, versucht nicht, seinen Klub herabzusetzen, werft ihm nie
häusliche Wahrheiten an den Kopf und weint nie, nie!
Ehemänner: Liebt und bewundert eure Frauen und laßt auch andere Männer
sie bewundern; greift nie in ihr Ressort ein; schreibt eure monatlichen
Schecks mit freundlicher Miene; seid in Geldsachen vernünftig, wenn ihr
schon nicht freigebig sein könnt und bezähmt eure Vorliebe für eure
eigene Stimme!
Und ihr beiden: Seid sehr duldsam, erwartet wenig, gebt freudig, stellt
die Achtung über alles, befleißigt euch der Höflichkeit und liebt
einander, so sehr ihr könnt. Wenn ihr all das tut, werdet ihr
sicherlich, wenn auch verheiratet, glücklich werden. Und hört auch, was
Robert Burton in seinem wunderbaren Buch »Die Anatomie der Schwermut«
sagt: »Hast du Mittel? Du hast keine, wenn du unverheiratet bist, um sie
zu bewahren und sie zu vermehren. Hast du keine? Dann hast du welche,
wenn du verheiratet bist, um dir zu helfen, sie zu bekommen. Bist du im
Wohlstand, so wird dein Glück mit einer Frau nur verdoppelt; bist du in
Trübsal, sie wird dich trösten und dir beistehen. Bist du zu Hause, sie
wird deine Schwermut verscheuchen. Bist du fort, ihre Wünsche werden
dich begleiten, und sie wird deine Heimkehr mit Freuden begrüßen. Nichts
ist angenehm ohne Gesellschaft, und keine Gesellschaft ist so süß wie
die der Gattin.«