Das war draußen auf dem neuen Friedhof für ihn ausgeschaufelt, wo es
noch recht kahl und unwirtlich aussah; aber er hatte es verschmäht, als
der »Frömmsten und Gerechtesten einer« in das Erbbegräbnis der Eiks
aufgenommen zu werden, wo gar zu viel wilde Gesellen drin moderten
und sogar ein paar heidnische Urnen standen; denn drei seiner Vettern
hatten sich in Gotha verbrennen lassen und der alte Eik hatte bereits
dieselbe Bestimmung getroffen, wenn er einmal mit Tode abgehen würde.
Aber das heutige Begräbnis war wirklich etwas für Herz und Gemüt.
Dieser prachtvolle, gelbe, silberbeschlagene Eichensarg, der beinahe
verschwand unter Lorbeer und Rosen, die Träger nebenher bis an die
Nasen in teuren Krepp gewickelt und mit Zitronen in den Händen, die
Kirchenjungen in schwarzen Mäntelchen, die Stadtkapelle mit Hofmusikus
Kniller an der Spitze, dessen rote Nase heute das einzig Leuchtende in
dem schwarzen Zuge darstellte. Und die ungeheure Menge Leidtragender!
Und die stattliche, unabsehbare Reihe leerer Staatswagen hinterher,
deren Kutscher sämtlich florumhüllte Peitschen trugen.
Man mußte selbst als unbeteiligter Zuschauer herzbrechend weinen, denn
so ungeheure Liebe und Verehrung für den hochangesehenen Toten können
und müssen überwältigen -- -- --
Hinter dem Sarge fährt ein einzelner Wagen und nach diesem kommen erst
die Verwandten, die Geschäftsfreunde und Angestellten der Eikschen
Fabrik, dann die lange Reihe der Arbeiter, der »Porzelliner«. Der
einzelne Wagen ist die alte Staatskarosse der Eiks und in ihr sitzt
Bertold Eik von Eichen ~senior~. -- »Ganz allein,« raunt man sich
zu, »Franziska Malcroix geleitet den Pflegebruder nicht zur letzten
Ruhestätte.«
»Das kann sie doch gar nicht. Wo ihr Junge, der schlechte Kerl, dran
schuld ist.«
»Weiß man das denn so genau? Er war doch immer leidend, der Herr
Baldamus, und sah aus wie Braunbier und -- -- --«
Schreinermeister Hellwig muß verstummen, denn man dreht ihm entrüstet
den Rücken. Es spricht ja auch nur der Ärger aus ihm, weil der Sarg
nicht bei ihm bestellt ist, sondern in der Residenz. Im übrigen wollen
sich die Schwarzhausener auch nicht ihren Prügeljungen nehmen lassen.
»Na überhaupt der junge Bertold Malcroix! Ein Glück, daß man ihn los
war, -- der hätte noch mal die Stadt an allen vier Ecken angezündet.« --
* * * * *