Also erzählte Schehersad dem Könige Scheherban viele wundersame Märchen
in den tausendundein Nächten; als sie das letzte beendet hatte,
kniete sie vor dem Sultan nieder und sprach: »Hoher Gemahl, König der
Zeit, darf ich dich nun um eine Belohnung bitten und mir eine Gnade
erwirken?« Der Sultan erwiderte: »Du hast mich mit deinen Erzählungen
aufs höchste beglückt, Schehersad; darum will ich dir deine Wünsche
gern gewähren.« Da rief sie die Ammen herein und befahl ihnen, ihre
drei Söhne zu bringen, die sie während der Zeit geboren hatte; der
eine konnte noch nicht laufen, der andere kroch noch am Boden, und
der dritte lag noch an der Brust seiner Wärterin. Sprach Schehersad:
»O Herr deines Jahrhunderts, sieh hier unsere Kinder: schenke mir um
ihretwillen das Leben, damit sie nicht mutterlos werden!« Der König
weinte vor Rührung, umarmte sie und sprach: »Ich habe deinen edlen und
klugen Sinn erkannt und hatte schon längst beschlossen, dich vor dem
Tode zu bewahren. Allah sei mit dir und unseren Kindern!« Schehersad
kniete nieder vor dem König, küßte ihm die Hand und wünschte ihm Glück
und ein langes ruhmvolles Leben.
Als die freudige Nachricht in der Stadt bekannt wurde, herrschte
überall Jubel und Frohlocken. Am nächsten Morgen rief der König seine
Truppen zusammen und schenkte dem Wesir, seinem Schwiegervater, ein
Prunkgewand und stattete ihm seinen Dank dafür ab, daß er ihm seine
gute und weise Tochter zur Gemahlin gegeben habe. Er verteilte viele
Almosen, beschenkte auch alle übrigen Emire und Hofleute und ließ in
der Stadt Spiele und Lustbarkeiten veranstalten. Noch lange Jahre
herrschte er voll Güte und Weisheit, bis ihn der Tod hinwegnahm, der
alle irdischen Bande unerbittlich löst.
* * * * *
Preis und Ehre sei dem, der über aller Zeit herrscht; gelobt sei er mit
seinem Gesandten Muhammed, der Zierde aller Sterblichen!