Vor hundert Jahren lebte in Preußen eine Königin, namens Luise. Sie
war jung und schön, aber auch ebenso gut. Ein jeder liebte sie. Schon
als kleines Kind hatte sie ihre Mutter verloren und wurde von ihrer
Großmutter einfach erzogen. So war sie zu einer echten, deutschen
Jungfrau herangewachsen, als der Kronprinz und spätere König von
Preußen, Friedrich Wilhelm, sie kennen lernte. Bald darauf wurde sie
seine Frau. Eine große Freude hatte sie an ihren Kindern, zwei
Knaben, mit denen sie gerne lernte und spielte. Aber da gab es einen
schrecklichen Krieg mit dem Kaiser von Frankreich, Napoleon. Die
Feinde waren stärker als die Preußen und besiegten sie. Das tat dem
Könige und der guten Königin sehr weh. Es kam so weit, daß sie ihr
Schloß in Berlin verlassen mußten. Als die königliche Familie endlich
wieder zurückkehren konnte, herrschte großer Jubel. Die Freude sollte
aber nicht lange dauern, denn bald darauf wurde die edle Königin
schwer krank und erholte sich nicht mehr. Als sie starb, war die
Trauer allgemein. Noch heute ist die Königin Luise unvergessen.
[Illustration]