Sechste Szene

Frauenhoven. Wo bleibt der Herzog? Die Pferde werden ungeduldig!

Törring. Er wird die Totengruft besehen, die sie sich bauen ließ.

Sie ist gestern oder heut fertig geworden. Ich sah sie beide zu den

Karmelitern hinübergehen.

Nothhafft von Wernberg. Doch ein seltsamer Gedanke für ein junges

Weib! Eine Totengruft!

Törring. Nun, im Anfang gerade so seltsam nicht! Da mag ihr

beklommen genug gewesen sein, und mit Recht. Jetzt freilich sieht's

anders aus! Und doch kann man noch nicht wissen, wie's kommt! Das

schwache Kind in München ist nicht stark dadurch geworden, daß der

alte Herzog ihm die Krone aufsetzte. Ja, er hat's vielleicht nur

getan, weil er sich darauf verließ, daß sie schon von selbst wieder

herunterfallen würde!

Frauenhoven. Da irrt ihr! Wie oft hat er Albrecht durch seinen

Bruder die förmliche Entsagung abzudrängen gesucht!

Törring. Das war immer nur ein Stich, eine verkappte Anfrage, ob er

ihrer noch nicht satt sei! Wenn Ernst keinen Hintergedanken hatte,

warum stellte er sich zwischen ihn und den Kaiser, als dieser wegen

der Regensburger Händel Rechenschaft forderte? Der alte Sigmund

meinte es sehr ernsthaft, das Podagra hat einen wackern Reichsvogt

aus ihm gemacht, und seine Kommissarien, wir dürfen's uns wohl

bekennen, hätten nicht einmal Brillen aufzusetzen gebraucht, um einen

offenen Aufruhr zu entdecken. Warum kehrten sie so plötzlich in

München um?

Frauenhoven. Ihr seht immer schwarz!

Nothhafft von Wernberg. Sie kommen! Steigen wir zu Pferde, daß wir

den Abschied abkürzen! Aber vorher--(Er ergreift den Becher.)

Törring. Auf guten Ausgang!

(Sie stoßen an und geben ab.)

Agnes Bernauer · 第 88 / 108 题