Preising und Seyboltstorff. Hier! (Treten an die Schranken.)

Albrecht. Preising! Seyboltstorff! Zurück! Wittelsbach ist da!

(Tritt an die Schranken.)

Marschall. Halt!

Albrecht. Marschall von Pappenheim, aufgeschaut! Den Blinden, dem

ich den Star stechen muß, bedien ich mit der Lanze!

Ernst. Artikel zehn!

Marschall (öffnet das Buch und liest). Weiter wurde zu Heilbronn für

ewige Zeiten beschlossen und geordnet. welcher vom Adel geboren und

herkommen ist und Frauen und Jungfrauen schwächte-

Albrecht (schlägt ihm das Buch aus der Hand). Der darf nicht turnieren!

Werden hier Krippenreiter zugelassen, die das nicht wissen?

Marschall. Ihr seid angeklagt, auf Eurem Schloß Vohburg mit einem

Schwabenmädchen in Unehren zu leben!

Albrecht. Mein Kläger?

Ernst (erhebt sich).

Albrecht. Herzog von München-Bayern, laß deine Späher peitschen, sie

haben deine Schwieger verunglimpft! Die ehr--und tugendsam

Augsburger Bürgertochter, Jungfer Agnes Bernauer, ist meine Gemahlin,

und niemand, als sie, befindet sich auf Vohburg! Hier stehen meine

Zeugen!

Ernst. Preising! Das ist ja zum--Wiederjungwerden!

Albrecht. Da man nun mit seinem angetrauten Weibe nicht in Unehren

leben kann, so--Schildknapp', zeig dem Mann mit dem Buch da, wie man

öffnet!

Schildknapp' (öffnet rasch).

Albrecht (tritt ein). Nun, Ihr Herren? Man pflegt: ich wünsch Euch

Glück! zu sagen!

Ernst (greift zum Schwert und will hinunterstürzen). Ich komm schon!

Preising (wirft sich ihm entgegen). Gnädiger Herr, erst müßt Ihr

mich durchstoßen!

Ernst. Ei, ich will's ja nur als Knüttel brauchen, ich will nur für

die überraschung danken! Doch, Ihr habt recht, es ist auch so gut,

was erhitzt der Vater sich, der Herzog genügt. (Er ruft.) Edle von

Bayern, Grafen, Freiherren und Ritter, auch Wilhelm, mein Bruder, hat

einen Sohn-

Albrecht. Was soll das?

Ernst. Wer den Weg zur Schlafkammer seiner ehr--und tugendsamen

Jungfer--allen Respekt vor ihr, es muß eine gescheite Person sein!

--durch die Kirche nehmen mußte, der nimmt die Benediktion mit und

die Gnade aller Heiligen obendrein, aber Krone und Herzogsmantel läßt

er am Altar zurück! (Er fährt fort.) Dieser Sohn heißt Adolph und

ihn erklär ich-

Albrecht. Bei meiner Mutter, nein!

Hans von Läubelfing. Albrecht von Wittelsbach, Ingolstadt steht

hinter Euch, fürchtet nicht für Euer Recht, Ludwig der Bärtige zieht!

Ernst. Ludwig von Ingolstadt, oder wer hier für ihn spricht, das

Reich steht hinter mir mit Acht und Aberacht, weh dem, der seine

Ordnung stört!

Marschall (nebst vielen andern Rittern, mit den Schwertern klirrend).

Ja, weh dem!

Ernst. Bürger von Augsburg, Eidam des Vaters, empfangt jetzt Segen

und Hochzeitsgabe zugleich! (Fährt fort.) Es lebe mein Nachfolger!

(Er steigt von der Tribune herunter.) Wer ein guter Bayer ist, stimmt

mit ein: es lebe Adolph, das Kind!

Marschall (mit vielen andern Rittern um Ernst sich scharend). Es

lebe Adolph, das Kind!

Albrecht (zieht und dringt auf den Marschall ein, auch um ihn scharen

sich einige Ritter). Otto, mein Ahnherr, für Treu!

Ernst (schlägt ihm mit der Faust aufs Schwert). Das Turnier ist aus!

Albrecht. Nein, es beginnt! Die Ritterschaft verläßt mich! Bürger

und Bauern, heran!

(Er schwingt sein Schwert gegen die Zuschauer. Großes Getümmel.)

Agnes Bernauer · 第 81 / 108 题