Turnierplatz. Die Zuschauer sind auf ihren Tribünen schon versammelt.
Der Marschall steht vor den Schranken, ein Buch unterm Arm. Großer
Zug; Fahnen, Trophäen, Trompeten.
Ernst (tritt auf, von seinen Rittern begleitet. Unter diesen
befinden sich Wolfram von Pienzenau, Otto von Bern, Ignaz von
Seyboltstorff und Hans von Preising. Preising geht ihm zur Seite.
Die Ritter stellen sich bis auf Preising rechts vom Marschall auf).
Preising. Gnädiger Herr, mißdeutet's nicht, daß ich noch einmal
anklopfe, aber die Stunde ist ernst, was Ihr zu tun gedenkt, kann
vielleicht nicht mehr zurückgetan werden, und Ihr pflegt ja doch
sonst meinen geringen Rat nicht zu verschmähen!
Ernst. Gegen jedermann kann ich Euch schützen, nur nicht gegen
meinen Nachfolger, darum rat ich mir diesmal allein!
Marschall (ruft). Wolfram von Pienzenau! Otto von Bern!
Pienzenau und Bern. Hier!
Marschall (läßt sie ein).
Preising. Ich fürchte zu erraten, was Ihr vorhabt, der Marschall hat
das Buch gewiß nicht umsonst unterm Arm! überlegt's noch, ich bitt
Euch, und seht in der raschen Antwort, die er Euch vorhin gab, nicht
den Trotz eines Sohns, sondern die Hartnäckigkeit eines Verliebten,
der sein Gefühl für eine Agnes nicht sogleich auf eine Anna
übertragen kann!
Ernst. Ihr werdet augenblicklich aufgerufen werden!
Preising (geht zu den Rittern).
Ernst. Ein Schnitt ins Fleisch tut not. Wirkt's nicht gleich, so
wirkt's später! Ei, ei, wer hätte das gedacht! Einer Dirne wegen!
Albrecht (tritt mit Nothhafft von Wernberg und Törring auf).
Ernst (an Albrecht vorbeischreitend). Noch einmal! Darf ich der
Ritterschaft Eure Verlobung mit Anna von Braunschweig ankündigen
lassen?
Albrecht. Ich habe zu viel von Euch im Leibe, um auf eine und
dieselbe Frage an einem und demselben Morgen zwei Antworten zu geben!
--Mein Gott, lag ich denn ganz umsonst auf den Knien vor Euch?
Ernst. Gut! (Er geht weiter.) Marschall, ich habe Euch nichts zu
sagen! (Er besteigt seine Tribune.) Nur fort!
Marschall (ruft). Hans von Preising! Ignaz von Seyboltstorff!