Neunte Szene

Der Kastellan (tritt ein).

Albrecht (zum Kastellan). Halt! Noch kein Wort, und ob die Welt

unterginge! Ja, Agnes, wenn ich bei Gott aufhören soll, muß ich bei

dir anfangen, es gibt für mich keinen anderen Weg zu ihm! Geht es

dir nicht auch so?

Agnes. Und käme jetzt der Tod, ich dürfte nicht mehr sagen: Du

kommst zu früh!

Albrecht (preßt sie an sich). All unsre Wollust mündet in Gott, was

unsre enge Brust nicht faßt, das flutet in die seinige hinüber, er

ist nur glücklich, wenn wir selig sind, soll er nicht glücklich sein?

(Er küßt sie.) Und zuweilen stößt er die Welle zurück, dann

überströmt sie den Menschen, und er ist auf einmal dahin, wandelt im

Paradiese und spürt keine Veränderung! Wenn das jetzt käme!

Agnes. Nicht weiter, nicht weiter!

Albrecht (läßt sie los). Das war eine Stunde! Nun komme die zweite!

--Was gibt's?

Kastellan. Botschaft von Eurem Herrn Vater! Ritter Preising!

Albrecht. Hierher!

(Kastellan ab.)

Agnes (will gehen).

Albrecht. Nein! So ist's nicht gemeint, daß ich dich verleugnen

will! Bleib! Wie der dich ansieht, sieht mein Vater dich auch an.

Da wissen wir gleich, wie's steht!

Agnes. Laß mich, mein Albrecht! Es treibt mich fort! Dies (sie

deutet auf das Diadem) wäre Herausforderung!

Albrecht. So geh da hinein, da ist ja auch noch ein Gemach, nicht

wahr? Dann bist du mit drei Schritten wieder bei mir!

Agnes (ab).

Albrecht. Kommt nur, ich lasse mich finden!

Agnes Bernauer · 第 75 / 108 题