Agnes. Legt's nicht aus, ich bitt Euch, zieht niemanden die Hand weg,
wenn er sie über die Brust hält.
Caspar Bernauer (der mit Törring gefolgt ist und sich Agnes zu nähern
sucht). Morgen, Herr Graf, morgen!
Knippeldollinger (der mit Nothhafft von Wernberg neben den beiden
geht, zu Törring). Einen, der das Blut besprach, habe ich selbst
gekannt.
Albrecht. Agnes, du verkennst mich! Ich liebe dich!
Caspar Bernauer (tritt zwischen beide). Komm, mein Kind! Auch du
hast Ehre zu verlieren! (Er will sie abführen.)
Albrecht (vertritt ihm den Weg). Ich liebe sie, aber ich würd's ihr
nimmer gesagt haben, wenn ich nicht hinzufügen wollte: ich werb um
sie!
Nothhafft von Wernberg. Gnädiger Herr!
Frauenhoven. Albrecht! Kennst du deinen Vater?
Törring. Denkt an Kaiser und Reich! Ihr seid ein Wittelsbach! Es
ist nur zur Erinnerung.
Albrecht. Nun, Alter, fürchtest du noch für ihre Ehre?
Caspar Bernauer. Nein, gnädiger Herr, aber--Vor funfzig Jahren hätte
sie bei einem Turnier nicht einmal erscheinen dürfen, ohne gestäupt
zu werden, denn damals wurde die Tochter des Mannes, der dem Ritter
die Knochen wieder einrenkt und die Wunden heilt, noch zu den
Unehrlichen gezählt. Es ist nur zur Erinnerung!
Albrecht. Und nach funfzig Jahren soll jeder Engel, der ihr gleicht,
auf Erden einen Thron finden, und hätte ihn einer ins Leben gerufen,
der dir noch die Hand küssen muß. Dafür soll mein Beispiel sorgen!
Frauenhoven. Er ist verrückt! (Zu Albrecht.) Nur hier nicht weiter,
nur heute nicht! Alles wird aufmerksam und auf jeden Fall muß die
Sache geheimbleiben!
Albrecht (zu Caspar Bernauer). Darf ich morgen kommen?
Caspar Bernauer. Wenn ich auch nein sagte, was hülfe es mir?
Albrecht. Agnes?
Agnes. Wer rief mir doch heute morgen zu: geh ins Kloster? Mir
däucht, ich sehe jetzt einen Finger, der mich hineinweist!
Albrecht. Dir schwindelt! Halt dich an mich! Und ob die Welt sich
dreht, du wirst fest stehen!
Caspar Bernauer. Gnädiger Herr, wir beurlauben uns! Die fällt mir
sonst um!
(Ab mit Agnes und Knippeldollinger.)