Achtzehnte Szene

Agnes (erscheint, von Caspar Bernauer und Knippeldollinger begleitet).

Albrecht (ausbrechend). Da ist sie!

Nothhafft von Wernberg und Frauenhoven. (zugleich). Wunderschön, das

ist wahr!

Törring. Und der Engel von Augsburg, das ist auch wahr! Dort steht

ja der Vater!

Albrecht. Kennst du sie?

Törring. Man nennt sie hier allgemein den Engel von Augsburg. Sie

ist die Tochter eines Baders, gnädiger Herr! Wir ließen uns vorhin

die Bärte bei ihm stutzen. (Er zeigt auf seinen Bart.) Seht Ihr?

Der Mann ist geschickt, nicht wahr? Es könnte dem Eurigen auch nicht

schaden! (Er tritt auf die Gruppe zu.) Guten Abend, Meister, da

sehen wir uns schon wieder!

Caspar Bernauer. Viel Ehre für mich!

Albrecht (folgt, zu Agnes). Jungfrau, warum erteilt Ihr auf den

Turnieren nicht den Dank? Was durch Eure Hände geht, ist edler, als

Gold, und köstlicher, als Edelstein, wär's auch nur ein grüner Zweig,

vom nächsten Busch gebrochen!

Caspar Bernauer. Meine Tochter ist an solche Reden nicht gewöhnt,

gnädiger Herr; fragt sie aus den sieben Hauptstücken unseres

allerheiligsten Glaubens, und sie wird nicht verstummen!

Agnes. Nicht doch, Vater, der Herzog von Bayern will seine Braut so

anreden und macht bei der Bürgerstochter von Augsburg nur die Probe!

Caspar Bernauer. Wohl gesprochen, Agnes, aber zum Antworten hast du

keine Vollmacht, darum danke Seiner Fürstlichen Gnaden für die

Herablassung und komm!

Albrecht. Warum, störriger Alter? Noch habe ich ja kaum den Ton

ihrer Stimme gehört, noch kamen die vierundzwanzig Buchstaben nicht

alle über ihre Lippen! (Abgewandt.) Ha, ich könnt' sie bitten:

sprich dies Wort aus, oder das, oder jenes, nicht des Sinns wegen,

nur damit ich erfahre, mit wieviel Musik dein Mund es beschenkt! (Zu

Caspar Bernauer.) Ihr geht doch? So müßt Ihr mir gestatten, Euch zu

begleiten! Euer Schatten weicht eher von Euren Schritten, als ich!

Caspar Bernauer. Euresgleichen würde neidisch werden!

Törring (faßt Caspar Bernauer unter dem Arm). Bayerns Herzog hat

hier seinesgleichen nicht!

(Er führt ihn ab, Nothhafft von Wernberg gesellt sich zu

Knippeldollinger und folgt.)

Albrecht (zu Agnes, die ebenfalls folgt und sich ihrem Vater zu

nähern sucht). Mädchen, ich täuschte mich nicht, du hast heut morgen

nach mir gesehen. Galt der Blick mir oder meinem venezianischen

Helmbusch?

Agnes. Ich zitterte für Euch, gnädiger Herr, Ihr schautet zu mir

herüber und rittet gegen den Feind, ich dachte, Ihr müßtet Schaden

nehmen!

Albrecht. Und das war dir nicht gleichgültig?

(Sie verlieren sich, nebst den andern, im Gewimmel.)

Barbara (mit Martha und andern Mädchen hervortretend). Ha, ha, ha!

Sagt' ich's euch nicht, daß es besser sei, zu Hause zu bleiben? Nun

freut euch, wenn ihr könnt!

Martha. Ei, dies ist ja gut! Wenn der Herzog sie mitnimmt, steht

sie uns ebensowenig mehr im Wege, als wenn sie gen Himmel fährt!

Barbara. Mitnimmt! Wo denkt ihr hin! Er wird sie schon hier lassen!

Aber sie wird noch im Wert steigen, nun auch er genickt hat! Seht

euch nur um, wie alles kuckt und flüstert!

(Gehen vorüber.)

Nothhafft von Wernberg (kommt mit Knippeldollinger, ihm tritt

entgegen:)

Bürgermeister Nördlinger (mit einem Fräulein). Herr Ritter--meine

Base, Juliana Peutinger--sie hat des Kaisers Majestät schon als

vierjähriges Jungfräulein im Namen des Rats mit einer kleinen

lateinischen Rede begrüßt! Ich möchte sie Seiner Gnaden gern

aufführen!

Nothhafft von Wernberg (mit ihm weitergehend). Nachher, Herr

Bürgermeister, nachher! (Leise.) Der Herzog ist von den Bürgern so

warm empfangen worden, sie haben sich die Kehle fast abgeschrien, Ihr

seht, er bezeugt sich dankbar!

(Gehen vorüber.)

Albrecht (kommt mit Agnes). Nun sprich auch du! Was sagst du dazu?

Agnes. Mir ist, als hört' ich eine Geige mehr, süß klingt's, auch

träumt sich's schön dabei.

Albrecht. Ich frage dich, ob du mich lieben kannst!

Agnes. Das fragt eine Fürstentochter, doch nicht mich!

Albrecht. O sprich!

Agnes. Schont mich, oder fragt mich, wie man ein armes Menschenkind

fragt, von dem man glaubt, daß ein ungeheures Unglück es treffen

könne!

Agnes Bernauer · 第 47 / 108 题