Als wieder einmal das Schicksal der Insel Kreta auf der
Tagesordnung stand, meinte der Fürst: »Was Kreta anbetrifft,
so kann ich Ihnen versichern, daß ich an dieser Insel weniger
Interesse nehme als an irgendeinem kleinen Erdhaufen in meinem
Garten. Die Kretenser sind, wie ich glaube, leicht abgeschätzt,
und unter normalen Bedingungen sollten sie sich weit besser
unter türkischer als eventuell unter griechischer Herrschaft
befinden.« Diese Äußerung veranlaßte einen Herrn Ogilvy zu Dundee
in Schottland, an den Fürsten einen Brief zu schreiben, in welchem
er diesen unter Berufung auf sein Christentum und seine Humanität
beschwor, ihm die Gründe mitzuteilen, weshalb er die unglücklichen
Kreter so hart und unglimpflich behandelt habe. Hierzu schrieben
die »Hamburger Nachrichten«: Wir können diese Angaben bestätigen
und auch den Wortlaut der Erwiderung mitteilen, die Herrn Ogilvy
zugegangen ist:
Friedrichsruh, den 25. Juli 1896.
Geehrter Herr!
Ich danke Ihnen für Ihren freundlichen Brief und für die gute
Meinung, welche Sie von mir haben. Zu meiner Entschuldigung
gegenüber den Kretern bitte ich aber, zu berücksichtigen, was der
Apostel Paulus im Briefe an Titus Kap. 1 Vers 12 und 13 sagt.
v. Bismarck.
In den biblischen Stellen, die dieser Kreterbrief des Fürsten
anzieht, heißt es Vers 12: »Es hat einer aus ihnen gesagt, ihr
eigener Prophet: die Kreter sind immer Lügner, böse Tiere und faule
Bäuche;« und Vers 13: »Dies Zeugnis ist wahr. Um der Sache willen
strafe sie scharf, auf daß sie gesund seien im Glauben.«
[Illustration: ~Gemütlich wieder beisammen~
»Nanu, lieber Bismarck, immer nur ringehauen in det Pichelsteiner
Fleisch und die zwanzig Pfund wieder hereingebracht, die verloren
gegangen sind.« — »Ach nee, mich jehen die zwanzig Pfund nich ab,
aberit Caprivin möchte ich sie jönnen — dem däten zwanzig Pfund
›Bismarck‹ jetzt jut bekommen.« (»Der Floh«, 1. Oktober 1893)]