Als einst eine neue Weinsorte am Frühstückstisch in Friedrichsruh
probiert wurde, fragte der Fürst einen gerade zu Besuch weilenden
Hamburger Herrn, wie ihm der Wein gefalle. Als der Gefragte meinte:
»Man kann es dabei einige Stunden aushalten, ohne andere Gelüste
zu bekommen«, sagte Fürst Bismarck: »Sie erinnern mich mit Ihrer
Antwort an jene beiden katholischen Geistlichen, die einen guten
Tropfen zu schätzen wußten, ohne beim Trinken redselig zu werden.
Sie saßen eines Vormittags in einer kühlen Laube bei einer guten
Sorte Rheinweins beisammen. Da bemerkte der eine: ›Der Win is
guat‹, und dann kneipten sie gemächlich weiter, bis die Sonne
sich zum Horizont hinabsenkte; da erst erwiderte der andere: ›Und
ooch chesund!‹ Beide waren während der ganzen Zeit durchaus bei
der Sache gewesen und empfanden beim seligen Zechen nicht das
Bedürfnis, an etwas anderes zu denken als an die gute Sorte, die
sie tranken.«
[Illustration: ~Die Aussöhnung des Kaisers mit dem Fürsten Bismarck~
Und Achilles sprach zu König Agamemnon: Sohn des Atreus, laß uns
versöhnt sein, denn das war ja längst unser aller Wunsch! Laß das
Vergangene vergessen sein, wie bitter kränkend es auch war. Meinen
Zorn habe ich besänftigt, denn Unversöhnlichkeit ziemt dem edlen Manne
nicht. (»Lustige Blätter«, 1. Februar 1894)]