Die Getreuen von Jever

Bekanntlich schickten die Getreuen von Jever dem Kanzler jährlich

zu seinem Geburtstage 101 Kiebitzeier. Dies geschah am 68.

Geburtstage mit folgenden Vers:

Fast as de Diek üm Jeverland

Schlungst Du üm’t dütsche Land dat Band.

As üm dat Jeverland den Diek —

Schütz Gott den Diekhauptmann von’t Riek!

Die Getreuen in Jever.

Fürst Bismarck ließ den freundlichen Spendern diesmal durch den

preußischen Gesandten in Oldenburg eine Gegengabe übermitteln. Es

war ein silberner Becher in Gestalt eines Kiebitzeies. Außen hatte

er die Farbe des Kiebitzeies, innen war er vergoldet. Den Deckel

bildete ein Kiebitzkopf; die innere Fläche war mit dem Wappen des

Reichskanzlers geziert. Das Ganze ruhte auf einem Kiebitzfuß.

Diese Gegengabe begleitete Bismarck mit folgendem Schreiben vom

22. April: »Den ›Getreuen in Jever‹ danke ich herzlichst für die

Kiebitzeier und die guten Wünsche, mit denen Sie mich auch in

diesem Jahre zu meinem Geburtstage erfreut haben. Gestatten Sie

mir, meinem Dank wenigstens durch ~ein~ Ei Ausdruck zu geben,

von einem Berliner Kiebitz gelegt. Ich bitte Sie, dasselbe als

Andenken zur Benutzung bei gelegentlichem Umtrunk der ›Getreuen‹

freundlich entgegenzunehmen, und ich würde mich freuen, wenn ich

einem Mitgliede Ihres liebenswürdigen Kreises für das Wohlwollen,

welches Sie mir zehn Jahre hindurch bewiesen haben, meinen Dank

bei gelegentlicher Anwesenheit in Berlin auch mündlich aussprechen

könnte.«

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 270 / 334 题